gilbe,
f. -î-
abstractum zu gelb:
ahd. giliuui (
ahd. gl. 1, 438, 4; 631, 49; 819, 32),
mhd. gilwe.
daneben schon ahd. unter einflusz des adjektivs gelauui (
ahd. gl. 1, 438, 6; 464, 18; 631, 48),
vgl. Schatz ahd. gr. 11;
doch ist im nhd. anders als beim adj. beim abstractum die i-
form die herrschende, der gegenüber gelbe (
s. d.)
in den hintergrund trat. im 16.
und 17.
jh. auch mit rundung gülbe,
sieh die belege unter 2 a
und 3 c.
heute kaum mehr gebräuchlich, sondern durch bildungen ersetzt, die sich augenfälliger als zu gelb
gehörig ausweisen. 11)
ahd. für die schreckensblässe: giliwi (
conversae sunt universae facies in)
auruginem ahd. gloss. 1, 631, 49
St.-S.; im mhd. auch von der wachsbleichen farbe des todes, todesblässe: er (
gott) gap uns durh sin liehten varwe in des todes gilwe Marner 82
Strauch; ich was bleich unde val: darunder was diu vilwe gemischet mit der gilwe, sus lac ich als ein tôte
böse frau 788
Schröder; und heten dein wang geleucht als karfünckel, die mustu geben der schwercz und gilb (15.
jh.)
kl. mhd. erzähl. 798, 25
Eul. allgemein zur bezeichnung gelber färbung (
bis etwa 1800
geläufig): auch sieht man an die Walchen wol nach hitz der sunnen gilbe Suchenwirt 104
Primisser; gilfedo gelbheit oder gilbin (1482) Diefenbach
gloss. 262
b;
flauedo gilbe (15.
jh.)
ebda 238
c; wie der crocus vielmahl mehr vbertrifft flammulam in der gilbi Paracelsus
opera (1616) 2, 105; dem gold nimbt er (
der schwefel) sein schöne und liebliche gilbe und goldfarb und machet es schwarz und ganz ungestaltet
ders. opera (1590) 6, 272; du bist vil weyser dan eyn gilg, die innen ziert ist mit der gilb Joh. Georg Tibianus
encomia Mariae (1595)
nach Alem. 10, 181. wein, der klar und etwas zur gilbe oder röthe geneiget sey W. H. v. Hohberg
georgica cur. aucta (1715) 3, 1, 288
b; umb die diechen (
schenkel des seidenschwänzleins) ziehet sich eine weiszlechte farbe zu einer liechten gilbe Aitinger
jagd- u. weidbüchlein (1681) 293; die gilb in den augen hat von der geelsucht ihren ursprung Tabernämontanus
kräuterbuch (1687) 62; die gilbe des ... lehmes Krünitz
oeconom. encycl. (1773) 18, 532. 22)
in verengerter bedeutung von gelblichen, verwitterten gesteinen und erden (
auch bis gegen 1800
gebräuchlich):
terra lutea gilbe
vocabularius rei numm. (1558) o 4
a; was sol ich von glantz, kisz, gilbe oder schmilben, wismut, kobelt ... sagen, der eins theils gold, silber, kupffer und bley geben (
am rande bergart, die güldig sein) Mathesius
leichpredigten (1572) 69
a; mulbicht ertz, das zufelt und welchs inn ein irrdische gilbe oder letten bricht
ders. Sarepta (1571) 28
b; das pferd (
hat) auff der erden gescharret und eine gilbe in der thammerde entblöset Meltzer
beschr. d. stadt Schneebergk (1684) 108; gilbe
eine silberhaltige bergart gelber farbe A. v. Schönberg
berginformation (1698)
anhang 14
a; eisensteinige gilbe Mathesius
Sarepta (1571) 79
a; man halte eine gilbe oder gefärbte erde nicht sogleich für eisenerde Krünitz
encyklop. (1773) 17, 754; gilbe, eisengilbe,
nennt man den gelben eisenocker, welcher aus verwittertem schwefelkies oder aus sonstigen eisenhaltigen steinarten entstanden ist Blumhof
eisenhüttenkunde (1817) 2, 463;
vgl. noch gilbe '
ein gelbes, mildes, erdhaftes und sprötes mineral, so auf gängen bricht und bisweilen metall hält'
bergmänn. wb. (1778) 228, gilbe '
eine verwitterung, guhr, sinter etc. von gelblicher farbe' Voigt
beitr. z. e. min. idiot. (1789) 272;
auch in der form gilben '
eine gelbe bergart'
bei Minerophilus
bergwerkslex. (1784) 254;
ebenso gilbe, gilben
Chomel 4, 1090. 33)
als bezeichnung für ein gelb werden. a)
von der ictericia, der gelbsucht gesagt. öfter das symptom (
die gelbe färbung)
und die krankheit zugleich bezeichnend: die gilbe in den augen zu vertreiben Gäbelkhower
artzneybuch (1596) 1, 297; für die gilbe im angesicht und sonst am leibe
ebda. zumeist als bloszer krankheitsname; bis gegen 1700
im schwange; vgl. ictericia die gilwe
morbus (
obd. auf. d. 15.
jh.) Diefenbach
nov. gloss. 208
a; gelsucht oder die gilbe
voc. theut. (
Nürnberg 1482) k 7
b;
sowie die gilb oder gelsucht W. H. Ryff
spiegel und regiment d. gesundheit (1544) c c 3
a; geelsucht oder gilbe Bock
kräuterbuch (1546)
register, u. öfter: es sint etlich (
bettler) die heiszent die sweiger, die nemmend pferdmist und mengent den mit wasser und bestrichent bein, arm und hende damit, so werdent si geschaffen, als ob sie die gilwe oder andere grosse siechtagen hettent (
v. j. 1422)
Baseler ratsverordnung bei Staub-Tobler
schweiz. id. 2, 296; agleyenwasser ist gut für die gilb des magens H. Brunschwig
das buch der rechten kunst zu distilieren (1500) 19
b; die brü vom fünffingerkraut getruncken ist eyne sondere artzenei wider die gülbe, verstopffung der leber, wider die pestilentz und allerhand gifft
M. Sebiz
feldbau (1580) 215; anno 1693 lag ein knab an der gelben sucht, die mutter hieng ihm ... ein büschlein gelben feil auf den rücken und die gilbe hat sich verlohren Chr. Lehmann
histor. schauplatz (1699) 893;
im wortspiel: dasz der, so jetzt im unrecht keine rötin mehr empfahe, mit der zeit ohne safran für sich selbst die gülb empfahen möchte (1437)
nach Schmid
schwäb. wb. 249.
anders: ein doctor der artzney zu Straszburg prangte sehr herein auff der gassen, war allenthalben mit güldenen ketten behengt, diesen sahe ein frembder und fragte: wer dieser edelmann were? als ihm aber die antwort ward, es were kein edelman, sondern ein artzt, sagt er drauff: das mag mir wol ein trewer guter artzt seyn, der den krancken die gilbe abnimpt, und sie an seinen eigenen halsz hengt Zinkgref
apophth. (1653) 1, 244. b)
vom krankhaften absterben von pflanzen und bäumen (
vgl. dazu auch gilf
meltau rhein. wb. 2, 1231): die wein- oder öltrusen uber die wurtzel deren bäume, welche die gilbe uberkommen, ... geschütt, thut denselbigen trefflich wol Sebiz
feldbau (1579) 375; gilbe, gelbsucht,
eine krankheit der bäume, da die blätter vor der zeit gelb werden und abfallen Nemnich
wb. d. naturgesch. 195.
insbesondere, schon ahd., der getreidebrand: giliwi (
fames si oborta fuerit in terra ... aut corruptus aer aut)
aurugo (...
vel robigo) (10.
jh.)
ahd. glossen 1, 438, 4
St.-S.; gihilibo (12.
jh.)
ebda; ich wird euch schlahen mit dem brenner und der gilwe (
percussi vos in vento urente et aurugine)
Zür. bibel (1531) 175
b. c)
vom reifen des getreides bis ins 17.
jh. belegt: wann der waitz stêt in der gilb magister Bartholomäus
pract. 253 (
hs. d. 15.
jh.)
nach Lexer 3,
nachtr. 212; wann der waitz in der gülb ist, kan man die ähren aufheben zum bundwein W. H. frh. v. Hohberg
georgica curiosa (1682) 1, 122; wann der haber in der gilb ist, so schneid das stroh mit dem habern ab Tabernämontanus
kräuterbuch (1664) 645; ... in der rechten gilbe, wann er (
der flachs) gerauft, eingeröstet, und man mus vleissig achtung haben, das er nicht zu sehr, auch nicht zu wenig röstet (1569)
haushaltung in vorwerken 60
E. 44)
pflanze mit gelb färbendem saft: gilbe
serratula tinctoria Nemnich
wb. d. naturgesch. 195; gilbe, gilve, gilbenblume, gilbenkraut,
eine allgemeine benennung solcher färberkräuter, die gelb färben Jacobsson
technolog. wörterbuch (1781) 2, 94.