graulicht,
adj.,
vereinzelt gräulicht;
seit dem 16.
jh. neben 1graulich (
s. d.),
hinter dem es in jüngerem gebrauch stark, wenn auch nicht völlig zurücktritt. im 16.
und 17.
jh. in form oder schreibung vielfach variierend, z. b. grauwlächt, grawelecht (
Porta physiogn. [1601] 7), grauelecht, grälicht, gräwelecht (Henisch [1616] 1733), grawlechtig (Tabernämontanus [1588] 1, 251
b; grauwlechtig
ebda 387
a)
u. ä. vgl. noch mundartliches graülecht Martin-Lienhart
elsäss. 1, 265; grawlacht, -lachtig, -lecht
schweiz. id. 2, 833; græuwelecht Schmeller-Fr.
bair. 1, 981
u. a. '
ins graue spielend',
in gleichen beziehungen wie 1graulich: grauwlächt haar
albentes comae Maaler
teutsch spr. (1561) 191
b;
cœsij oculi blawe augen oder grauwlächte Frisius
dict. (1556) 173
b; dabei legte sie die hand auf die brust, und ihre augen, die sonst ins graulichte spielten, glänzten hellblau, himmelblau Grillparzer
s. w. 19, 256
Sauer; nur schwärme von kranichen begleiten ihn, die fernhin nach des südens wärme in graulichtem geschwader ziehn Schiller 11, 240
G.; mit der zeit vnd letzlich wird sie (
eine heilkräftige wurzel) auch grauelecht oder schwartzfärbig: darbei soll man auch erkennen, ob sie frisch oder alt ist: dan die frische ist weisz, vnd die alte grauelecht oder schwartzelecht Sebiz
feldbau (1580) 233;
hedysarum canescens L. graulichter hahnenkopf Dietrich
lex. d. gärtn. u. botan. 4, 527.
oft im mineralogischen bereich: etliche messing brenner sagen, dasz der goszlarische galmey im zuwachs mehr bringe, als der berck galmey, aber er mach den messing im bruch grälicht Ercker
beschr. aller mineral. ertzt (1580) 112
b; ein graulichtes gestein von Hohldorf, das vielleicht eine sehr feine lava ist Göthe II 13, 309
W. lexikalisch auch in der unter grau A 8 b
begegnenden bedeutung '
schimmelig': grauwlecht, ein wenig schimmlig oder stinckend
rancidulus Maaler
teutsch spr. (1561) 192
a; Stieler
stammb. (1691) 696; gräulecht
schimmelig (19.
jh.)
bei Fischer
schwäb. 3, 811.
in anderen beziehungen mehr gelegentlich: welcher (
brunnen) ... bisz oben an den rand mit grawlechtem wasser erfüllet ist Neuhof
d. gesantschaft (1666) 102
b; gegen die mittagszeit ging die bläue etwas in das graulichte über Rosegger
schr. (1895) I 8, 239.
mit der uneigentlichen bedeutung '
trübe, farblos'
spielend, s. grau B 3: auch die liebe beweget das leben, dasz sich die graulichten farben erheben, ... in das gemeine und traurigwahre webt sie die bilder des goldenen traums Schiller 14, 49
G. gelegentlich ist 1graulicht
von 2graulicht
nicht mit sicherheit zu unterscheiden, vgl. die gleiche unsicherheit unter 1graulich 8: da kam ein gräulichter spatz und pickte das arme käferlein siegschreiend zu tode Schubart
sämtl. ged. (1825) 2, 243; das klingt so traurig durch die düstre und graulichte nacht als wie ein leichengesang E.
M. Arndt
schr. f. u. an s. lb. Dtsch. (1845) 3, 498.
[] in zusammensetzungen, die eine ins graue spielende farbtönung bezeichnen: