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steven

mnd. bis Dial. · 10 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

steven m.

Bd. 18, Sp. 2669
steven, m. , vorderer, den kiel nach oben fortsetzender bauteil des schiffes. herkunft und form. das wort, das in verschiedenen formen alle seeanwohnenden Germanen kennen, ist erstens masculiner i-stamm in ags. (poetisch) stefn, (prosaisch) stemn 'stamm, steven', mnl., nl., nd. steven m. 'steven', zweitens (wohl davon abgeleitet wie ags. stefna 'vorderdeck'; vgl. den gegensatz stéora 'hinterdeck') femininum (jō-stamm?) in afries. stewene, steune 'vorderdeck (oder steven)' (gegensatz stiarne), mnd. steven f. (mhd. stebene, steben f.) und drittens masculiner a-stamm in an. stafn (im jüngeren altnorwegischen auch als stamm belegt) 'steven, vordersteven, giebel', norw. stamm 'steven, raum oder gang zwischen zwei häusern', aschw. stafn, stampn, stamn 'steven, vordersteven', schw. stam 'steven', n. stavn 'steven, grund und boden, heimat'; das an sich zweideutige as. stamn wird aus sprachgeographischen gründen eher als i- denn als a-stamm anzusehen sein.n. stævn und schwed. stäv sind aus dem nd. entlehnt, s. Falk-Torp 1153, Hellquist 899. — alle die genannten formen sind mittels n-suffixes von germ. *staBa-, *staBi- 'stab, stock, stütze', bzw. der wurzel stebh-, abgeleitet, s. Walde-Pokorny 2, 625; Franckvan Wijk 665. dasz, wo -Bn- lautgesetzlich zu -mn- wurde, d. h. im späteren westnordischen (Noreen gesch. d. nord. sprachen § 121b), altschwedischen (Noreen altschw. gr. § 256), angelsächsischen (Sievers § 193, 2) und altsächsischen [] (Gallée § 224), vermischung mit der sippe von stamm eintrat, ist dort möglich, wo *staBna-, *staBni- auch die bedeutung 'stamm' hat, wenn auch nicht zu erweisen. unmöglich aber ist estrotz teil 10, 2, 4, 634 f. —, steven und stamm lautlich zu vereinen und *staBna-, *staBni- auf *stamna-, *stamni- zurückzuführen, da ein lautwandel -mn- zu -Bn- auszerhalb des nordischen im germanischen nicht gesichert ist, s. J. Schmidt kritik der sonantentheorie 133 ff. — steven ist im mnd. und afries. fem., im mnl. fem. und masc., dagegen im heutigen ndl., nd. und hd. nur masc. schriftsprachlich als fem. noch: die vorstiefen Corvinus (1671) 1117; die stäfen Martens spitzberg. reisebeschreib. (1675) 10; die hinter-, vordersteven Fäsch kriegslex. (1735) 850a, als masc. seit der mitte des 18. jh.: Wolff math. lex. (1747) 1256; Adelung versuch 4, 743 (für das ndl. schon bei Kramer nid.-hocht. [1719] 1, 369a). die flexion ist durchgehend stark. der dat. sing. lautet mnd. stevene und steven, s. Schiller-Lübben 4, 394b und u. die entsprechenden mhd. flexionsformen. sporadisch finden sich im 17. jh. formen ohne -n: Kilian (1605) 528b; Stieler zeitungs lust (1695) 662; auch im dat. sing.: P. v. d. Horst beschriving (1673) 2, 17. für das hd. ist steven lehnwort aus dem nd. (vgl. Seiler kultur im spiegel d. lehnw. 4, 426). schon mhd. vereinzelt im östl. md., bei Brun v. Schonebeck und im passional, sieh u. 1, dann jedoch erst vom 17. jh. an. bei Corvinus a. a. o. erscheint die zusammensetzung vorstiefen; von Stieler wird das einfache wort noch als fremdwort gebucht (s. o.). erst 1728 bei einem obd., Apinus gloss. nov. 513. bezeichnend für den charakter von steven als wort der fachsprache ist, dasz es in den fachwbb. des 18. jh. fast nirgends fehlt, während es in den allgemeinen wbb. erst seit Adelung üblich wird. der lit. gebrauch ist im 17. und 18. jh. fast völlig auf das ausgesprochen seemännische schrifttum und auf verfasser nd. herkunft beschränkt. dialektisch begegnet steven in seemännischen maa., vgl. Doornkaat-Koolman ostfries. 3, 305a; Siebs Helgoland 288b; Mungard Sölring 207; Mensing schlesw.-holst. 4, 839; Sallmann Estland 46. selten auszerhalb des nd., so in der Neuenheimer (am Neckar) schiffersprache in der form stever, s. Sütterlin in zs. f. dt. wortf. 6, 69. bedeutung und gebrauch. aus der engen sprachlichen verwandtschaft von steven mit stab ist auf einen bedeutungszusammenhang zu schlieszen, der nur auf der bedeutung von stab als 'ein in die länge ausgedehntes stück holz von geringer, in der regel gleichmäsziger dicke und meistens rundem querschnitt' (vgl. teil 10, 2, 330) beruhen kann. 11) das den kiel vorne nach oben fortsetzende baustück, an dem die seitenbeplankung des schiffes befestigt ist, 'vorsteven', vgl. mit entsprechender bedeutung as. stamn Hel. 2916 Heyne. seit dem mnd. bezeugt, s. Schiller-Lübben 4, 394b: so hadde dat ancker ... nicht gestan in der grunth, men hangede vor sines schepes grepe vor der stevenne (1450) cod. Lubec. 8, 718; synt de Hamborger und Bremer ... myt schepen tor seewert gerucket ... und alles ... wechgenamen, wat en vor steven gekamen ys Hamburg. chron. 410 Lappenberg. entsprechend in den wenigen mhd. (md.) belegen: secht wie sente Marcus kiel ... nam von im selber ummeslac unde quam also mit der steben ieme schiffe wol enneben pass. 331, 1 Hahn; doch han ich nu vil ebene den kabel geleit vor di stebene Brun v. Schonebeck 10497 Fischer. schriftsprachlich seit dem 17. jh., gewöhnlich bei autoren seemännischer herkunft: indem kam eine see und nam dasz bochspret gantz mit sampt der steve und pflicht P. v. d. Horst beschriving (1673) 2, 17; wir ... brachten das förderste grosse siegel (die focke) auf die forderste schifbancke oder stäfen Fr. Martens spitzberg. reisebeschr. (Hamb. 1675) 2. seit dem ende des 18. jh. gelegentlich auch in der dichtung: es gab einen stosz, dasz ich dachte, kiel [] und stewen und das ganze gebäude würde in millionen splitter auseinanderbersten Kosegarten rhapsodieen 2 (1794) 65; segel ho! ein seltsam fahrzeug: schwarz der steven, schwarz die flanken F. W. Weber Dreizehnlinden (1922) 184; die leute saszen indessen des zeichens harrend, dasz das boot am steven liege, mit klopfendem herzen im logis Gerstäcker blau wasser (1907) 268; das wasser war wie überglast und schien den steven des bootes nur widerwillig durchzulassen Gorch Fock fahrensleute (1918) 171. 22) verhältnismäszig jung mit der weiteren beziehung auf die beide enden des kiels nach oben verlängernden constructionsteile, s. Wolff mathem. lex. (1747) 1256; Jacobsson technol. wb. 4, 292a; Campe 4, 650a. so gewöhnlich bei plur. gebrauch: auf diesen kiel ... werden hinten und fornen die steven gesetzet der geöffnete seehafen (Hamb. 1705) 110; ein fahrzeug ist lang zwischen beyden stefen ... 41 fusz der wohlinstr. schiffer (Hamb. 1732) 141; in scherzhafter übertragung auf die gliedmaszen eines podagrakranken: der alte (sir John Smith) ist gut genug; aber seine steven sind ein bissel hinfällig. gott weisz, wie lange er noch vor dem winde herumtreibt Kotzebue schauspiele (1791) 1, Indianer in Engl. 75. — die einzahl von steven gilt fast nur für den vordersteven, s. o. 1, für den hintersteven nur, wenn unmittelbar vorher ausdrücklich von diesem die rede gewesen ist, vgl. z. b. Jacobsson 7 (1794) 120b; Lueger lex. d. ges. technik 7, 189. — im modernen schiffbau gelegentlich auch zwei steven am hinterschiff: bei einschraubenschiffen verwendet man (bei der construction des hinterschiffes) zwei steven, den schraubensteven und den rudersteven Lueger 7, 196.
7135 Zeichen · 211 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    steven

    Mnd. Handwb. (Lübben/Walther) · +4 Parallelbelege

    steven, f. Vorderbalken, Schnabel des Schiffes.

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Stêven

    Adelung (1793–1801) · +6 Parallelbelege

    Der Stêven , des -s, plur. ut nom. sing. im Schiffbaue, der Nahme zweyer starker aufrecht stehender Bauhölzer an den bey…

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Steven

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +1 Parallelbeleg

    Steven , die beiden starken gekrümmten Balken, von denen der eine am Vordertheile, der andere am Hintertheile des Schiff…

  4. modern
    Dialekt
    steven

    Rheinisches Wb. · +1 Parallelbeleg

    steven -ē:v- = stieben (s. d.).

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit steven

26 Bildungen · 15 Erstglied · 9 Zweitglied · 2 Ableitungen

Zerlegung von steven 2 Komponenten

ste+ven

steven setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

steven‑ als Erstglied (15 von 15)

Stevenage

Meyers

steven·age

Stevenage (spr. ßtīwĕnĕdsch), Stadt in Hertfordshire (England), 6 km südöstlich von Hitchin, mit alter gotischer Kirche, Lateinschule, Stroh…

stēvendrunk

MNWB

steven·drunk

° stēvendrunk , m. , Morgensprache mit anschließendem Umtrunk (Stieda-Mettig 411).

stevenen

DWB

ste·venen

stevenen , steven , vb. , denominativ zu steven 1, ' fortsegeln oder fahrt machen ' Röding allg. wb. d. marine (1793 ff. ) 2, 722. nl. steev…

stēvenepenninge

MNWB

stevene·penninge

° stēvenepenninge , pl. , von den Angehörigen der Gilde zu zahlender Betrag für die Ausrichtung der Gildeversammlung (Sejdelin 1, 449).

Stevenrohr

RhWB

steven·rohr

Steven-rohr ebd. n.: das R., durch das die Schraubenwelle (Wasserachse) u. die dieses abdichtende Sternbüchse nach aussen treten.

Stevenschiff

RhWB

steven·schiff

Steven-schiff ebd. n.: Sch. mit hervortretendem Vordersteven, auf welchem links u. rechts die Bugplatten angenietet sind, wodurch ein scharf…

Stevenschore

Campe

steven·schore

† Die Stevenschore , Mz. — n , im Schiffbaue, diejenigen Stützen eines auf dem Stapel liegenden Schiffes, welche gegen die Steven stehen.

Stevenson

Meyers

steven·son

Stevenson (spr. ßtīwenßön), Robert Louis , engl. Schriftsteller, geb. 13. Nov. 1850 in Edinburg, gest. 8. Dez. 1894 in Apia (Samoa), ward Ad…

Stevens Point

Meyers

steven·s·point

Stevens Point (spr. ßtīwens peunt), Hauptstadt der Grafschaft Portage im nordamerikan. Staat Wisconsin, am Wisconsinfluß, Bahnkreuzung, mit …

steven (stefen)

MNWB

° ~steven (-stefen) Hauptversammlung der Zunft (Riga). —

Stevenston

Meyers

steven·ston

Stevenston (spr. ßtīwenst'n), Stadt in Ayrshire (Schottland), 1,5 km nordöstlich von Saltcoats, mit Eisenwerken, Dynamitfabrik und (1891) 42…

stēventît

MNWB

steven·tit

° stēventît , f. , Termin zum Abhalten der Gildeversammlung (Nyrop 2, 368 = Sejdelin 2, 119).

steven als Zweitglied (9 von 9)

ACHTERSTEVEN

DWB2

achter·steven

DWB2 ACHTERSTEVEN m. DWB2 zu achter präp., adv., adj.; hintersteven ( mnd. achter- stēven Lasch/B. mnd. hdwb. 1,11 ) DWB2 DWB2 1794 agterste…

Besteven

Wander

best·even

Besteven Was man bestevet, besegelt man. Aus dem Seeleben.

stampfsteven

DWB

stampf·steven

stampfsteven , m. in der seemannssprache ein achtersteven, der senkrecht auf dem kiel steht. Bobrik 667 b .

vordersteven

DWB

vorder·steven

-steven , m. , im engeren sinne bei holzschiffen der vom kiel aus sich nach oben krümmende balken am vorderende, im weiteren sinne der äusze…

vorsteven

DWB

vorst·even

vorsteven , vgl. vordersteven oben sp. 973; im engeren sinne bei holzschiffen das aus einem oder mehreren stücken bestehende krummholz am vo…

Ableitungen von steven (2 von 2)

Besteven

Wander

Besteven Was man bestevet, besegelt man. Aus dem Seeleben.

stevene

KöblerAfries

stevene , F. nhd. Steven, Vorderschiff ne. stem (N.) Hw.: vgl. an. stafn, ae. stėfn (1) Q.: E, H E.: s. germ. *stabna-, *stabnaz, st. M. (a)…