gilben,
vb. ,
ursprünglich faktitive ableitung von gelb (
s. d.)
aus *gilwjan,
gegenüber gelben
aus gelbēn,
mit dem bedeutungsvermischungen eingetreten sind (
s. teil 4, 1, 2, 2885). 11)
trans. gelb färben. allgemein: die (
schleier) sie gilwent sam die jüdinne Berthold von Regensburg 115, 1;
vgl. gegilwen: des enwolt si weizgot nummerme keiner hande vloiir, winpeln oder sloiir gegilwen joch geverwen joch me nach glanze gerwen in uppeclicher wise
leben der hl. Elisabeth 1987
R.; vgl. noch österreichisch ein weiszes halstuch gilben,
gelbfärben Höfer 1 (1815) 300; hat er gemaint, das haar damit zu gilben oder sonst ain schöne farb zu machen
zimmer. chron. 2, 462, 30
B. oft als ausdruck der küchensprache begegnend, vgl. abgilben teil 1, 49: das ander von den vischen, haubt, greet und ingemisch, daraus mach ein füressen schonn gesottenin in wein und abgemacht als, und ander visch gegilbt
kuchenmaisterey (1497) a 3
a; (
ich gelobe) ... alle jar ... ein halben zentner ... buttir ... nit gegilweit noch geverwet in irn gewalt ... ze antwurten Fr. Riederer
spiegel der waren rhetoric (1493) h 2
b.
besonders vom safran gesagt: die wurtz die heiset der safran, verwar in, daz er nit werd nasz, alsdenn so gilbet er dest basz H. Sachs
werke 21, 39
G.; das abgedestilliert wasser, mit safran gegilbet L. Thurneysser
beschreibung influentischer wirkungen (1578) 87; die speisen gilben (
mit safran) Hohberg
georg. cur. 1 (1682) 547
b; ain mutschillinmuos (
d. i. semmelmus) mit saffran gilbet (1440)
württemberg. geschichtsqu. 3, 437; gsottens und bratens und ein gilwten milchbri Val. Anshelm
Berner chron. 2, 389, 22
hist. ver.; dasz er (
der mann) ihr (
der frau) safran bringen solt, damit sie den brey möcht gilben
grillenvertreiber (1670) 94; mit safran gewürtzt oder gegielbet
M. Kramer
dict. 2 (1702) 409
a; ein öl, ferbt und gilbt die speiss wie ein safran S. Franck
weltbuch (1534) 216
a.
als technischer fachausdruck: gilben das pergament
to dye parchment yellow Hoyer-Kreutter
technol. wb. (1902) 1, 299.
unbestimmter, im sinne von '
bleich machen': ir (
Megära) wiplich bilde wolgestalt gegilwet wart alsam daz wahs (
vor kummer)
Göttw. Trojanerkrieg v. 22209
Kopp.; als '
undurchsichtig machen': von noten wart gegilwetdem luft sin klare luter, die erde klein gemilwet ... der helme lieht zimieremit nebel was vertunkelt (
im kampf)
jüngerer Titurel 4098;
mit dem beisinn des schimmernden, glänzenden: polimitus gegerwet o. gegilwet rog (15.
jh.) Diefenbach
nov. 296
b; gleyssend oder scheynend machen, gilben wie gold
rutilare Frisius (1586) 1171
a.
ganz vereinzelt von 2
beeinfluszt, in moderner dichtung, eigenwillig: die blätter, die den boden gilben, verbreiten neuen wohlgeruch. du sprichst mir nach in klugen silben, was mich erfreut im bunten buch Stefan George
jahr der seele 16.
reflexiv gewendet: als des himels firmament lasuret bla gen okzident gen orient sich gilbet Suchenwirt 81
Prim.; das fleisch der wunden nehme an sich die hautfarben, gilbete sich ... heyl nit zu Paracelsus
chirurg. bücher u. schr. (1618) 539
b; die gewächse (
des gartens) auch von solcher begieszung (
mit untauglichem wasser) sich mehr gilben als grünen W. H. v. Hohberg
georg. cur. 3 (1715) 492
b; wird mit sanfter ähre die flur allmählich sich gilben (
flavescet), selbst den wildernden dorn umhängt rotblinkend die traube J. H. Voss
Virgils ländl. gedichte (1800) 1, 161; mit dem fünften lebensjahre gilben sich die anfänglich milchweiszen zähne (
beim rind) Brehm
tierl. (1890) 2, 684. 22)
intrans. gelb werden, vgl. vergilben teil 12, 443, ergilben Sanders
wb. d. dt. spr. 1, 572
a: du solt nicht ansehen den wein, wen ehr gilbet und wen in dem glasz scheinet sein farb Michel Henchen
vormanung, zu vormeiden die sunde d. trunkenheit (1519) a 4
a;
meist von pflanzen, '
reifen',
vom getreide; vgl. gilm
vom reifenden korn, de gärst gilbət Bacher
Lusern 259; die gerste fängt an zu gilben '
gelb zu werden' Adelung 2, 689: der samen bricht durch ... körnet, reifft, gilbet, zeitigt G. Ph. Harsdörffer
poetischer trichter (1653) 3, 119; es waren schöne frühsommertage, wo ... das korn eben zu gilben beginnt Paul Ernst
geschichten zwischen traum und tag (1930) 57; gilbende ährenfelder H. Hesse
diesseits (1907) 52.
von früchten: eine apfelsinenschonung mit ihren gilbenden früchten nimmt den wagen auf wie unwirkliches land H. Fr. Blunck
die weibsmühle (1927) 73.
vom welken des laubes, besonders in der neueren dichtung gern verwendet: die wiesen gilbten und gaben nur sehr wenig heu Hans Watzlik
d. pfarrer v. Dornloh (1930) 127 (
vgl. dazu Hohberg 3, 492
b oben 1
ende); durch den berühmten schloszgarten ... dessen uralte buchenwipfel gilbend in der klaren herbstluft standen W. Weigand
die gärten gottes (1930) 379; von mal zu mal sind all die gärten nicht dieselben; von den gilbenden zu der gelben langsamem verfall: wie war der weg mir weit R.
M. Rilke
buch der bilder2 50; folgst du nicht meinem — nein — dem andren ruf, so weisz ich sicher, deine lippen blassen, eh noch die gräser gilben Stefan George
das neue reich 121; stufige, gilbende weingärten unterbrachen die anspruchslosigkeit E. G. Kolbenheyer
Monsalvasch 17. Rosegger
liebt das wort: ein gilbender buchenwald glitt an uns vorbei
schriften (1895) III 2, 437; das laub der gegenüberstehenden eiche wollte schon ein wenig gilben
ebda (1895) 12, 136
u. ö. im vergleich: wie blätter gilben, blumen welken ... wird auch unserm leib seine frische und grüne benommen J. Grimm
kleine schriften (1864) 1, 197.
bildlich: ward dem wort auf bittrer flucht rast in letzter silbe: zweifel läszt nichts unversucht, dasz es dort noch gilbe — oder fruchte, irr und wirr an verfluchtem baume J. Weinheber
adel und untergang (1934) 108.