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unselig

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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

unselig adj. adv.

Bd. 24, Sp. 1361
unselig, adj. adv. , gth. v. selig. ags. un(ge)slig, mengl. unsely, an. úsælligr, n. usalig, schwed. osalig; daneben in theilweise selbständiger ausbildung g. unsêls, an. úsæl, schwed. osäll, usel, n. usel, ussel, usselig, ags. unsle. ahd. unsâlig, mhd. unsælic, -ec, mnd. unsalich, mnl. onsalich, nl. onzalig. zu den formen s. zunächst selig; umselig els. wb. 1, 99; 2, 933b; unseilig erste d. bibel 5, 12, 39; unseylick Diefenbach gl. 296c; onseldig ebda und Follmann 521a; unsalig neben unsAelig Eberlin v. Günzburg 1, 200, 158 ndr.; unsehlich Ph. Wackernagel kirchenlied 3, 860; unselicher (compar.) H. Sachs 1, 453, 5 K.; unsehlig Corvinus fons latinitatis 18; unseelig Moscherosch gesichte (1650) 1, 153; Fouqué held des nordens 2, 96. die betonung wird durch den hohen gefühlsgehalt des wortes und anlehnung an seele (Frisch; H. Heine 1, 177 Elster) leicht verschoben (únslig Campe; uzélich Follmann 521a; nl. onzélig; mnl. wb. 5, 897, 2); wo das, wie meist in den mundarten, nicht der fall ist, hat die starke betonung des präfixes vielfach den verfall des wortkörpers oft mit eigener bedeutungsentwicklung zur folge: únselig u. dgl. Fischer schwäb. wb. 6, 218; els. wb. 1, 41a; 2, 933b; Schmeller 1, 97; Reinwald 1, 178; 2, 162; Spiesz henneberg. 265; Hönig 159a; Leihener 129a; Woeste westfäl. 282a und allgemein nordwestdeutsch. für das alter des zurückgezogenen accentes zeugt A. Corvinus fons latinitatis (Frankfurt 1646) 18: aerumnosus .. mühselig, unsehlig aut contracte unslig, elend. II. activ, selig 1 entsprechend. I@11) keine förderung schaffend, unsegen bringend; s. selig 1 a α, ζ: es ist aber bergwerck bawen mit nichten ein ungöttlicher handel und unselige narung Agricola-Bech vorrede 2b (vgl. seliges brot); und ist ein elende gegent vol unselliger (ungedeihlicher, unnutzbarer, unfruchtbarer) pawm G. Alt b. d. croniken (1493) 16a (vgl. arbor infelix); veraltet. in bed. II verflieszend: dem unseligen kartoffelgenusz Göthe 24, 97, 13 W.; zwist, groll, μῆνις οὐλομένη Herder 17, 163; Bürger 141 B.; krankheit H. Sachs 17, 116, 29 G.; Pückler briefw. 3, 136; die nachwirkung dauert aber u. fort 3, 330 u. dgl. I@22) gth. von selig 1 a β ('hochbeglückend'), aber nicht immer von II zu scheiden. von concretis: durch wirckung und krafft desz unseligen getrancks b. der liebe 86a; apfel (der Eva) Moscherosch gesichte 2, 16; dinge (lotterie) Göthe IV 11, 81 W.; löchlein (bei Newtons versuchen) II 52, 366 W.; gaben Klinger 8, 320; funke (feuer entzündend) Schubart leben 1, 37; zankapfel (streit erregend) Dahlmann gesch. von Dännemark 3, 252; weg (zum unheil führend) Varnhagen v. Ense tageb. 6, 85; von abstractem: und ist das unsälgst unglügk das, wer dengket, das er sälig was Schwartzenberg Cicero 157b; unseligste liebe! A. Gryphius lustsp. 286 P.; irrthümer J. J. Schwabe belustigungen 1, 125; unseliger entschlusz für mich und meine ruh J. N. Götz verm. ged. (1785) 3, 129; misztrauen Herder 23, 93, wirkungen Göthe IV 40, 195 W. (wortspiel: ihre seligen und unseligen wirkungen Lessing bei Sanders 2, 1075c), falschheit Schiller 12, 262, miszverhältnisz Nitzsch d. studien 83; die unseligste verwirrung Görres 1, 118; es giebt doch wahrlich nichts unseligeres (vgl. 3) als das abgerissne in der gedankenreihe Caroline 1, 64 W. I@33) gth. v. selig 1 b α; bösartig, gottlos, verrucht, nichtswürdig, lasterhaft u. dgl. ('grausam' mhd. wb. 22, 40a): so ist er also beherczent und unsälig, dasz er mir gester ein alt weybe zuo hause schicket mit seiner gabe Arigo decam. 179, 35 K.; weish. 3, 11; du unseliger Polypheme Schaidenreiszer Odyssea 38b; das kriegsvolck ... was ein unsAelig, bOesz, verrucht, verflucht volck, die weder wib noch kinden verschonetend Tschudi chron. 2, 422; Lehmann florileg. 2, 788; eine unselige cokette verführte ihren mann F. H. Jacobi 1, 225; landgraf ... du böser, unseliger herr! Br. Grimm sagen 2, 177; unselige leute machen die heiligen reich Körte sprichw. 276; Tunnicius 847; schimpfwort nur zu erwachsenen Fischer 6, 218; active und pass. bed. gehen durcheinander; in n. spr. gern abgeschwächt 'leidig, unleidlich, fatal': ich halte keine art von leuten vor unseeliger, als die ohn unterlasz was zu wünschen haben vern. tadlerinnen 2, 217; o der unseligen richter, die taub und blödsinnig ... urtheilen Herder 3, 8; widerwärtig Fischer 6, 218. im engeren sinne 'grob, roh': ir unseligen pauren pfarrer v. Kalenberg 1344; discortesemente unfreundlicher, unseliger weisz Hulsius (1618) 2, 126b; wider den liut unsælich Lexer 2, 1930; vgl. unleutselig; unfreundlich, ungeschickt, unbrauchbar Fischer 6, 218. ungehorsam, unfolgsam, widerspänstig, unartig (Fischer a. a. o.): die unselig (kinder) strafen Eyering 1, 536. auf die meisten schattierungen dieser bed. hat die n. schriftspr. verzichtet und strebt der bed. II 3 zu (doch meinte Adelung, man würde nicht leicht einen unschuldigen oder ohne seine schuld unglücklich gewordenen mann u. nennen, weil A. den unterton 'ruchlos, lasterhaft, boshaft' zu vernehmen glaubte). I@44) selig 1 b γ entspricht die anwendung von u. auf dämonisches, das auf schaden u. verderben bedacht ist: die fenster und pforten woll' er weihn, dasz nichts unseligs komm' herein Baumeister zimmermannsspr. 47; die eule, dieser unselige todtenvogel, die uns ihre gutnacht zuschrie H. L. Wagner theaterstücke 42; das strafleiden unseliger geister Laistner nebelsagen 323. IIII. passiv. II@11) 'unbeglückt' (vgl. Notker 2, 188, 6; 130, 1 P.). II@1@aa) von personen: II@1@a@aα) allgemein, im höchsten grade unglücklich Adelung; vgl. selig 2 a β α α: die unselig Lucrecia N. v. Wyle transl. 27, 34 K.; der gott nit fürchtet, .. der soll es nicht gut haben und u. sein Luther 171, 23, 20 W.; derjenige, der nimmermehr .. ersättiget werden kan, ist ... viel unseliger als Tantalus Lohenstein Arm. 2, 1636b; der mensch ohne vaterland (ist) der unseligste von allen E. M. Arndt 1 (1845), 272; Fr. W. Weber Dreizehnlinden 205; einen unseligen labtest du R. Wagner 6, 4; je höher, je unseliger Petri j i 8a; a a 6b; im ausruf u. in meist veralteten verwünschungen (Walther 73, 27): du unselige N. v. Wyle transl. 25, 28 K.; du unselige nation Luther 102, 59 W.; ja ich! aller kapellmeister hienieden unseligster E. Th. A. Hoffmann 10, 125 G.; dreimal unselig weib Geibel 2, 110; dasz ir unsälig seit fastnachtsp. 437, 24; 438, 1; pfarrer v. Kalenberg 658; u. sey, dem nach dir (der welt) hungert Luther 23, 33 W. in veralteter verbindung mit zu (mhd. minnereden 1, 232), mit gen. des grundes: das man sich im leid und trübsal sol rhümen, des glücks und benedeyung der menschen unsälig düncken (unglücklich fühlen über ..., da man dessen nicht würdig) und schämen S. Franck paradoxa (1558) 2a. verschieden verstanden ist das sprichwort: zwischen ostern und pfingsten heyraten die unseligen S. Franck (1541) 2, 124b; Tappius e e 5 β; klugreden (1548) 59a; Eyering 2, 524; Körte 5858; Binder 147; Wander 3, 346; zu grunde liegt das von Ovid fast. 5, 490 angeführte sprichwort mense Majo nubunt malae (unglücksbräute) Otto sprichw. d. Römer 205; mai als unglücksmonat bei der heirat Weinhold d. frauen 13, 330; E. H. Meyer d. volkskunde 174; wenn S. Franck erläutert: im meyen gehn huorn und buoben zu kirchen, ist bed. β ('geringe leute') gemeint; im schwäb. wb. 6, 218 werden die unseligen als die verrückten aufgefaszt (s. u. γ). II@1@a@bβ) miser, misellus, aerumnosus, laboriosus, aporinus, pauper, inops, elegus, wie die glossare u. wbb. übersetzen; elend, kläglich, gering, unansehnlich, unbedeutend, trüb-, arm-, mühselig, erbärmlich, bedauernswürdig, gebrechlich, schwächlich, mager, schlecht ernährt oder aussehend, kränklich, unpäszlich, kümmerlich, unreinlich, häszlich, abscheulich; Schmeller 1, 97; 2, 253; Fischer 6, 218; els. wb. 1, 41a; 2, 933b; Spiesz henneberg. 265; Reinwald 1, 178; 2, 162; Crecelius 849; Hönig 159a; Leihener 129a; Woeste westfäl. 282a b; nordwestdeutsch; Höfler 538a; mnl. wb. 5, 897, 2; vgl.n. schwed. usel Falk-Torp 1337. hauptsächlich sind es die mundarten, die diese entwicklungsreihe durchlaufen haben; aber keine ma. läszt sie ganz verfolgen, sondern die einzelnen bieten immer nur stücke dieser reihe, oft mit zurückziehung des tones und veränderung des wortkörpers (s. o.), oft mit feinen besonderheiten (z. b. oberhessisch als gs. zu zanger, oder usöllch nicht grosz; er ist u. geberdet sich wie ein kranker Fischer 6, 218, 4; dazu unsillig 220; vermischt mit γ: schwindlig, bis zur ohnmacht übel 218; es ist mir ganz u. seltsam unwohl ebda), bisweilen mit substantivischer rückbildung (unsel elender mensch Woeste 282a; vgl. mnl. onseling, schwed. usling). von einem ganz anderen ausgangspunkte kommt an. sâlugr, n. sølle zu der bed. bedauernswürdig, arm; Falk-Torp 945. was die schriftspr. von der gesamtentwicklung bewahrt, zeigen folgende beispiele: dem unseligen, gemainen volk städtechron. 3, 138; für franz. chétif, it. cattivo verwendet es passend, wenn auch etwas schematisch, Elisabeth v. Nassau - Zweibrücken in ihren übersetzungsromanen (Liepe, Elis. v. N., entstehung u. anfänge des prosaromans 245 f.); die armen und unseligen baurn Luther 18, 376 W.; bibel 1, 37; 587 W.; 342, 83, 26 W.; sie rhuomen sich ... als weren sie gar wol dran .. sie wissen aber nicht, wie u. sie sind Luther 18, 484, 26 W. (vgl. unslich, uslich, unstlich dran seyn Reinwald 1, 178); J. Ayrer dramen 595, 32 K.; er ist ein armer schwitz, er ist ein unseliger tropff Eyering proverb. copia 2, 341 (vgl. ein unseliger vogel, einer, der nichts bezahlen kann, der nichts mehr hat, oder übertr. ein schwächlicher, gebrechlicher mensch, els. wb. 1, 99b; Höfler 767b); das leiden ist heilig, wer aber sein viel hat, ist u. für der welt Petri a 6a; Moscherosch insomnis cura 42 ndr.; ein unseliger prophet profeta falso Kramer (1702) 2, 768b; die unseligen, spöttisch bedauernd von seinen gegnern in der farbenlehre Göthe IV 28, 262 W.; unseliges erdengewürm Musäus volksmärchen 1, 21 Hempel; ich unseliger poet Hebbel briefe 3, 152; vom geprellten Scheffel 2, 55; unselig mittelding von engeln und von vieh (der mensch) A. v. Haller gedichte 44 H.; Schiller 1, 149; ähnlich Zachariä 1, 219; Hippel lebensl. 1, 21. bei mir unselig-armen Arent-Conradi-Henckell dichtercharaktere 61. u. im wortspiel mit ansehlich th. 1, 458, mit unzählig Herder 10, 133. II@1@a@gγ) demens; vgl. unsalida dementia ahd. gl. 1, 110, 25; ähnlich unglücklich 3; närrisch, unverständig Staub-Tobler 7, 698; Fischer 6, 218, 2: Teuerdank 244, 237 G.; bist du nicht u., das du einen solchen tausch (2 rinder gegen einen sperber) darfst thuon? Octavian F 4; b. d. liebe 8a; narren und unselig leuth (16. jh.) Fischer 6, 218; unseligenhäuslein narrenhaus, quelle des 18. jhs. bei Fischer a. a. o.; u. schaffen ebda; wie u. laufen Staub-Tobler a. a. o.; vgl. unsinnig 3; sonst veraltet. noch mehr auf die ma. beschränkt sind die sich hier anschlieszenden bedd. 'heftig aufgeregt, auszer sich, nicht herr seiner selbst, toll, ungeberdig, zornig, wütend, verzweifelnd, ängstlich, wunderlich (ums herz; vgl. β)' u. dgl.: Fischer 6, 218, 4; Staub-Tobler 7, 698; els. wb. 1, 41, 56; Schmeller 2, 253; Autenrieth 14; Höfler 538a. dazu unsel, m. Fischer 6, 217 und unsal (s. d.) 2. II@1@bb) von nichtpersönlichem. II@1@b@aα) allgemein (vgl. I 2); die empfindung steigert sich oft bis zum fluch, wobei verdammt, verflucht als gröber gelten: in meinen unseligen tagen Waldis Esopus 1, 118 K., zeiten Münster cosmogr. 339, stunde b. d. liebe 273c, augenblicke Herder 3, 261, wochen Göthe IV 37, 280 W., jahr Arnim trösteinsamkeit 10 Pfaff; leben b. der liebe 145b, lebensart Gottsched d. neueste 9, 453, lage Ranke 4, 43, zustand Chr. Wolff v. d. menschen thun 31, verhältnisz Göthe 25, 231 W., liebe J. A. Ebert episteln 143, einfall Knigge roman m. lebens 1, 135, bemühen Nicolai reise 2, 511; blutvergieszen H. Sachs 14, 145, 19 G., schmerz Lehmann florileg. 3, 194, zusammenkunft, tanz Göthe 8, 285 W., IV 38, 69 W., geschäftigkeit Novalis 1, 12 Minor; land Lessing 1, 367, schauplatz Wieland 8, 424, ort Fouqué zauberring 1, 26; unsälige widerwertickeit (vgl.β) Arigo decam. 54, 4 K., geschick Göthe Iphigenie 393, zufall Menantes neue briefe 440, konflikt Bennigsen nationalliberale partei 7, krieg Chemnitz schwed. krieg 2, 172, treffen Birken verm. Donaustrand 65, duell Schiller 14, 172, die unseligsten streitigkeiten H. v. Egloffstein in Geigers Göthejahrb. 6, 64; mund Alsfeld. passionssp. 2029, baum (nefastus) Mastalier gedichte 129 (mnl. wb. 5, 897), mysterien Göthe IV 29, 12 W., neuigkeiten Tieck 19, 486, spaziergang J. J. Schwabe belustigungen 1, 444; unselig, wann nicht treue liebe die zuflucht seiner (des herrschers) seele bliebe, die lust auf seine sorgen gieszt A. v. Haller gedichte 148 H. im witz: o! der unselige schweinskopf mit der noch unseligern sauce H. Heine 3, 182 Elster; substantiviert: das unselige Schiller 151, 26; adv.: u. lieben Gregorovius gedichte 83 Sch.; unseligerweise Göthe 412, 101, 12 W. II@1@b@bβ) a β entsprechend: solche unselige mühe hat gott den menschenkindern gegeben prediger Sal. 1, 13; darumb das das allter ein schweer, unselig wesen und leben ist Luther 19, 357 W.; bibel 1, 37, 587 W.; ihr (der landsknechte) unselig und kümmerlich leben Zinkgref apophthegmata (1628) 86; J. Grimm kl. schr. 1, 203; ja das u. gnuog was, die mtter ryssens den kindern ausz yrn mündlynen Hedio chron. germ. 103b; noch wol (s. noch1 I 4) sind zween unselige Petri q q 5b; A. U. v. Braunschweig Octavia 1, 1020; die unseligen geburten des verdorbenen hirns Fr. L. Jahn 1, 12; sprachlos stand der bräutigam eine gute weile, die unselige hälfte seines neuesten meisterwerkes betrachtend G. Keller 5, 68. abgeschwächt 'leidig, fatal, eklig': das unseelige critisiren Moscherosch gesichte (1650) 1, 153; Solger Erwin 1, 9; G. Keller 2, 140; jene unselige menge einförmiger liedermelodieen Herder 15, 234; ich hatte mit der unseligen geschichte noch viele schererei Brentano 4, 234; diese unseligen winkelgeschichten Herwegh briefe 354; etwas unselig geschäftliches (in der sprache) Fontane I 4, 20. daneben erhält sich die stärkste spannung der bed.: ich sah ein pferd, das sich in seinen eigenen ... eingeweiden mit den vorderfüszen verfangen hatte und so u. dahin hinkte Göthe 33, 80 W. II@1@b@gγ) a γ entsprechend, heiszen gewisse tage im jahre von den in sie fallenden aufgeregten lustbarkeiten u.; der montag nach dem Ulrichstag (4. juli), der donnerstag vor fastnacht Fischer schwäb. wb. 6, 218. aunselige milch, solche, die anfängt sauer zu werden, aber noch dünnflüssig ist, ebda; vielleicht ist die bed. 'verdorben' im els. wb. 2, 933b ähnlich gemeint. vgl. wilde milch. unbändig von thieren Fischer 6, 218, 4. II@22) im kirchlich - theologischen sinne (vgl. selig II 2 b). a) von personen: vom teufel Staub-Tobler 7, 698; mnl. wb. 5, 898; fastnachtsp. 538, 4; Arigo decamer. 181, 1 K.; von juden Gebweiler beschirmung d. lobs Marie (1523) b 4b, papst Staub - Tobler a. a. o.; was unsere erste unseelige mutter im paradisz gesucht, das hat die mutter gottes gefunden Dannhawer catechismusmilch 1, 147; ein unseliges volk von geistern, die fielen Klopstock Messias 5, 150; J. A. Cramer gedichte 3, 204; mit deutlicher anlehnung an seele: unselige seele H. Heine 1, 177 E. prädicativ: u. und vermaledeyt sindt die geistreichen und hochmütigen, wan des teufels reich ist yr theologia d. 52 M.; priamel germ. abh. 25, 527; widerumb machet uns nichts u., dan der unglawb Luther 102, 498, 18 W.; Petri e 7b; Lehmann florileg. 2, 931; u. und verloren Zinzendorf Berl. reden f. m. (1738) 23. substantiviert: peccatores Notker 2, 32, 23 P.; solche ungleubige und unselige Waissel chron. 105; in dem hauffen der unseligen Faust volksb. 110 ndr.; H. Grimm Michelangelo 2, 192. nach selig II 2 b β: lasz mich nicht werden unsehlich Wackernagel kirchenlied 3, 860; Parac. 2, 464; u. machen Nas antip. eins u. hundert 2, n 1b; von wiedergehern: schaurig saust vor den fenstern der wind wie verzweifelndes jammern unseliger geister Pückler briefw. 1, 456; G. Freytag 11, 237; G. Keller 6, 187. selig II 2 b γ entspr.: diese beyliegende inseln ... sein der unseligen und verdampten menschen lender Gabr. Rollenhagen ind. reisen (1603) 132; vgl. Liepe a. a. o. 245 f. b) von nichtpersönlichem: mit unseligem anfang, nit in Christo L. Jud psalmen (1520) 29a; ein unselig end nehmen H. Sachs 2, 99, 37 K.; Kramer (1702) 2, 765b; in dem moment seines unseligen endes Justi Winckelmann 1, 476; tod Kramer 2, 765b; ihren lauf unseelig vollenden Hippel lebensl. 1, 199; u. sterben Luther hauspostille 62, 121 Erl.; dye unseligist sundt auff erden 2, 121 W.; der unselige stuel 19, 593, 3 W.; ee Pauli schimpf u. ernst 153 Öst., fest Treuer Dädalus 1, 519, ewigkeit Franckenberg nosce te ipsum 4, zustand des sünders Gottsched das neueste 7, 570; dasz M. die hölle nicht u. genug vorgestellet habe Bodmer v. d. wunderbaren 53; vgl. 82. unheilig, non spiritualis vom laienstand Luther 101, 491 W.; Faust unseligen andenkens Benzel-Sternau bei Campe; Laube 16, 149; diesen unseligen körper (eines selbstmörders) quelle von 1742 bei Staub-Tobler 7, 698; ge weg an den unseligen galgen Arigo decam. 85, 26 K.; Holtei erz. schr. 2, 51. die solen der unseligen flüsse (der unterwelt) Bodmer crit. poet. schr. 1, 15. II@33) aus dieser kirchlich - religiösen bed. bereichert sich auch sonst der empfindungsgehalt: vil manch liebhaber ires lieb haben unsäligen tod enpfangen Arigo decam. 631, 27 K.; unselige und teuflische gedanken Adelung; welche unselige vertraulichkeit herrscht nicht unter den lastern! Gellert 3, 86; die provinzen waren im seligen oder unseligen genusse einer höchst abstechenden finsternisz und erleuchtung K. Fr. Cramer Neseggab 1, 127; das ewig-unselige (Phorkyas) Göthe Faust 8747; des nur endlichen, zeitlichen ... unbefriedigten und unseligen geistes Hegel I 10, 121; noch deutlicher: in der unseligen beychte Jac. Strausz beychtpüchl. (1523) b 3b; solcher unseliger hierarchie Arnold ketzerhistorie 165a; dieser unselige religions- und vernunftfeind Gottsched das neueste 1, 900; dieses unselige vorrecht des priesters, zu fluchen Lessing 17, 158; unseligen ungehorsam Göthe 412, 96, 10 W.; worte Brentano 3, 120; im wortspiel mit alleinseligmachend Scherer litgesch. 339. II@44) mischung der bedeutungen ist nicht selten; so wenn der betrogene wirt im Eulenspiegel 112 ndr. die unseligen blinden sagt (bedauern und ärger verbinden sich; bed. II 1 a β und α; 'armselig' u. 'verwünscht'; J. Grimm R. Fuchs lxiii kommt noch heuchelei dazu), oder Göthe von Links philosophia plantarum: das unseligste ('verfehlteste und unleidlichste') und unmethodischste werk von der welt III 13, 43, 16 W. (bed. II 1 b β u. α). von contamination der act. u. pass. bed. ist oben mehrfach die rede gewesen. II@55) besonders das adv. dient bisweilen, hauptsächlich mundartlich, der steigerung: unselig lang zeit S. Franck chron. German. (1538) 144b; unselig viel mühe Heynatz antibarb. 2, 528; unselige (erbärmliche) not b. der liebe 100c; unselig (eigentlich 'unleidlich') überladen A. W. Schlegel im Athenäum 1, 148; vgl. der unseligst - verblendete Jean Paul 24/26, 227; u. schön Fischer 6, 218. II@66) von den hauptsynonymen: elend, heillos, unheilvoll, unglücklich, unglücksvoll, unglückselig ist keins so alt und kräftig, so stimmungsvoll und gefühlsbetont wie u.; schon altheidnische beziehung auf schicksalsmächte macht R. Strümpell gebrauch und bed. von sælde, sælic u. verwandtem bei mhd. dichtern (1917) 28 wahrscheinlich (vgl. unseliges glück sp. 998 mitte; Montanus schwankb. 100; b. d. liebe 139c; Br. Grimm sagen 2, 9), kirchlicher gebrauch des wortes schien höhere weihe zu geben. so gehört u. in den meisten verwendungen gehobener und dichterischer, nicht alltäglicher rede an. wenn die mundarten weitgehende bedeutungsentwicklungen vornehmen, heben sie durch formveränderungen den bewuszten etymologischen zusammenhang auf.
20270 Zeichen · 515 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Unsêlig

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Unsêlig , für unsäglich, S. dieses Wort.

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    unselig

    Goethe-Wörterbuch

    unselig [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. modern
    Dialekt
    unselig

    Elsässisches Wb. · +4 Parallelbelege

    u n selig [səlik Mittl. ] zornig, vor Zorn ausser sich (nur noch von älteren Leuten gebraucht). — mhd. unsælic? oder un…

  4. Spezial
    unselig

    Russ.-Dt. Übers. (de-ru)

    unselig (kein Bezug zu "блаженный") злополучный, чтоб ему пусто было идиом. , разг. Da fing Ludwig mit dem Bau seiner un…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit unselig

10 Bildungen · 8 Erstglied · 0 Zweitglied · 2 Ableitungen

Ableitung von unselig 3 Analysen

un- + selig

unselig leitet sich vom Lemma selig ab mit Präfix un-.

Alternativen: un-+sel+-ig unsel+-ig

unselig‑ als Erstglied (8 von 8)

unseligen

DWB

unsel·igen

unseligen , verb. zu unselig; vgl. seligen. ahd. unsâligôn. mhd. unsæligen. cruciare vexieren, peynigen, quelen, pressen, unseligen, umbtrei…

Unseliger

Wander

unse·liger

Unseliger Die Unseligen werden nicht mit Wein begossen. Holl. : Daar worden geene onzaligen met wijn begoten. ( Harrebomée, II, 140 b . )

unseligkeit

DWB

unselig·keit

unseligkeit , f. , mangel u. gth. der seligkeit. mhd. unsælicheit, mnd. unsalicheit, mnl. onsalicheit, nl. onzaligheid, dän. usalighed, schw…

unseliglich

DWB

unsel·iglich

unseliglich , adj. adv. , gth. v. seliglich. mhd. unsæliclich, -lîche(n); mnd. unsalichliken; mnl. onsalichlijc, -like. Staub - Tobler 7, 69…

unseligmachend

DWB

unseligmachend Bettine dies buch geh. d. könig 1, 250 . —

unseligwaltend

GWB

unselig-waltend [bisher nicht publizierter Wortartikel]

Ableitungen von unselig (2 von 2)

beunseligen

DWB

beunseligen , infelicem reddere: indem ich die blühende jünglinge mit alten abgelebten, unfruchtbaren, garstigen vetteln, die allerholdselig…

verunseligen

DWB

verunseligen , v. , vereinzelt: die menschen schwächend oder verunseligend durch die beängstigenden gewissenszweifel Meyern hinterl. kl. sch…

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „unselig". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 18. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/unselig/dwb
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Cotta, Marcel. „unselig". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/unselig/dwb. Abgerufen 18. May 2026.
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Cotta, Marcel. „unselig". lautwandel.de. Zugegriffen 18. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/unselig/dwb.
BibTeX
@misc{lautwandel_unselig_2026,
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