unselig,
adj. adv. ,
gth. v. selig.
ags. un(ge)slig,
mengl. unsely,
an. úsælligr,
dän. usalig,
schwed. osalig;
daneben in theilweise selbständiger ausbildung g. unsêls,
an. úsæl,
schwed. osäll, usel,
dän. usel, ussel, usselig,
ags. unsle.
ahd. unsâlig,
mhd. unsælic, -ec,
mnd. unsalich,
mnl. onsalich,
nl. onzalig.
zu den formen s. zunächst selig; umselig
els. wb. 1, 99; 2, 933
b; unseilig
erste d. bibel 5, 12, 39; unseylick Diefenbach
gl. 296
c; onseldig
ebda und Follmann 521
a; unsalig
neben unsAelig Eberlin v. Günzburg 1, 200, 158
ndr.; unsehlich
Ph. Wackernagel kirchenlied 3, 860; unselicher (
compar.) H. Sachs 1, 453, 5
K.; unsehlig Corvinus
fons latinitatis 18; unseelig Moscherosch
gesichte (1650) 1, 153; Fouqué
held des nordens 2, 96.
die betonung wird durch den hohen gefühlsgehalt des wortes und anlehnung an seele (Frisch; H. Heine 1, 177
Elster)
leicht verschoben (únslig Campe; uzélich Follmann 521
a;
nl. onzélig;
mnl. wb. 5, 897, 2);
wo das, wie meist in den mundarten, nicht der fall ist, hat die starke betonung des präfixes vielfach den verfall des wortkörpers oft mit eigener bedeutungsentwicklung zur folge: únselig
u. dgl. Fischer
schwäb. wb. 6, 218;
els. wb. 1, 41
a; 2, 933
b; Schmeller 1, 97; Reinwald 1, 178; 2, 162; Spiesz
henneberg. 265; Hönig 159
a; Leihener 129
a; Woeste
westfäl. 282
a und allgemein nordwestdeutsch. für das alter des zurückgezogenen accentes zeugt A. Corvinus
fons latinitatis (
Frankfurt 1646) 18:
aerumnosus .. mühselig, unsehlig
aut contracte unslig, elend. II.
activ, selig 1
entsprechend. I@11)
keine förderung schaffend, unsegen bringend; s. selig 1 a
α,
ζ: es ist aber bergwerck bawen mit nichten
ein ungöttlicher handel und unselige narung Agricola-Bech
vorrede 2
b (
vgl. seliges brot); und ist ein elende gegent vol unselliger (
ungedeihlicher, unnutzbarer, unfruchtbarer) pawm G. Alt
b. d. croniken (1493) 16
a (
vgl. arbor infelix)
; veraltet. in bed. II
verflieszend: dem unseligen kartoffelgenusz Göthe 24, 97, 13
W.; zwist, groll,
μῆνις οὐλομένη Herder 17, 163; Bürger 141
B.; krankheit H. Sachs 17, 116, 29
G.; Pückler
briefw. 3, 136; die nachwirkung dauert aber u. fort 3, 330
u. dgl. I@22)
gth. von selig 1 a
β ('
hochbeglückend'),
aber nicht immer von II
zu scheiden. von concretis: durch wirckung und krafft desz unseligen getrancks
b. der liebe 86
a; apfel (
der Eva) Moscherosch
gesichte 2, 16; dinge (
lotterie) Göthe IV 11, 81
W.; löchlein (
bei Newtons versuchen) II 5
2, 366
W.; gaben Klinger 8, 320; funke (
feuer entzündend) Schubart
leben 1, 37; zankapfel (
streit erregend) Dahlmann
gesch. von Dännemark 3, 252; weg (
zum unheil führend) Varnhagen v. Ense
tageb. 6, 85;
von abstractem: und ist das unsälgst unglügk das, wer dengket, das er sälig was Schwartzenberg
Cicero 157
b; unseligste liebe! A. Gryphius
lustsp. 286
P.; irrthümer J. J. Schwabe
belustigungen 1, 125; unseliger entschlusz für mich und meine ruh J.
N. Götz
verm. ged. (1785) 3, 129; misztrauen Herder 23, 93, wirkungen Göthe IV 40, 195
W. (
wortspiel: ihre seligen und unseligen wirkungen Lessing
bei Sanders 2, 1075
c), falschheit Schiller 12, 262, miszverhältnisz Nitzsch
d. studien 83; die unseligste verwirrung Görres 1, 118; es giebt doch wahrlich nichts unseligeres (
vgl. 3) als das abgerissne in der gedankenreihe Caroline 1, 64
W. I@33)
gth. v. selig 1 b
α; bösartig, gottlos, verrucht, nichtswürdig, lasterhaft u. dgl. ('
grausam'
mhd. wb. 2
2, 40
a): so ist er also beherczent und unsälig, dasz er mir gester ein alt weybe zuo hause schicket mit seiner gabe Arigo
decam. 179, 35
K.; weish. 3, 11; du unseliger Polypheme Schaidenreiszer
Odyssea 38
b; das kriegsvolck ... was ein unsAelig, bOesz, verrucht, verflucht volck, die weder wib
noch kinden verschonetend Tschudi
chron. 2, 422; Lehmann
florileg. 2, 788; eine unselige cokette verführte ihren mann
F. H. Jacobi 1, 225; landgraf ... du böser, unseliger herr! Br. Grimm
sagen 2, 177; unselige leute machen die heiligen reich Körte
sprichw. 276; Tunnicius 847;
schimpfwort nur zu erwachsenen Fischer 6, 218;
active und pass. bed. gehen durcheinander; in n. spr. gern abgeschwächt '
leidig, unleidlich, fatal': ich halte keine art von leuten vor unseeliger, als die ohn unterlasz was zu wünschen haben
vern. tadlerinnen 2, 217; o der unseligen richter, die taub und blödsinnig ... urtheilen Herder 3, 8;
widerwärtig Fischer 6, 218.
im engeren sinne '
grob, roh': ir unseligen pauren
pfarrer v. Kalenberg 1344;
discortesemente unfreundlicher, unseliger weisz Hulsius (1618) 2, 126
b; wider den liut unsælich Lexer 2, 1930;
vgl. unleutselig;
unfreundlich, ungeschickt, unbrauchbar Fischer 6, 218.
ungehorsam, unfolgsam, widerspänstig, unartig (Fischer
a. a. o.): die unselig (
kinder) strafen Eyering 1, 536.
auf die meisten schattierungen dieser bed. hat die n. schriftspr. verzichtet und strebt der bed. II 3
zu (
doch meinte Adelung,
man würde nicht leicht einen unschuldigen oder ohne seine schuld unglücklich gewordenen mann u.
nennen, weil A.
den unterton '
ruchlos, lasterhaft, boshaft'
zu vernehmen glaubte). I@44) selig 1 b
γ entspricht die anwendung von u.
auf dämonisches, das auf schaden u. verderben bedacht ist: die fenster und pforten woll' er weihn, dasz nichts unseligs komm' herein Baumeister
zimmermannsspr. 47; die eule, dieser unselige todtenvogel, die uns ihre gutnacht zuschrie H. L. Wagner
theaterstücke 42; das strafleiden unseliger geister Laistner
nebelsagen 323. IIII.
passiv. II@11) '
unbeglückt' (
vgl. Notker 2, 188, 6; 130, 1
P.). II@1@aa)
von personen: II@1@a@aα)
allgemein, im höchsten grade unglücklich Adelung;
vgl. selig 2 a
β α α: die unselig Lucrecia
N. v. Wyle
transl. 27, 34
K.; der gott nit fürchtet, .. der soll es nicht gut haben und u. sein Luther 17
1, 23, 20
W.; derjenige, der nimmermehr .. ersättiget werden kan, ist ... viel unseliger als Tantalus Lohenstein
Arm. 2, 1636
b; der mensch ohne vaterland (
ist) der unseligste von allen E.
M. Arndt 1 (1845), 272; Fr. W. Weber
Dreizehnlinden 205; einen unseligen labtest du R. Wagner 6, 4; je höher, je unseliger Petri j i 8
a; a a 6
b;
im ausruf u. in meist veralteten verwünschungen (Walther 73, 27): du unselige
N. v. Wyle
transl. 25, 28
K.; du unselige nation Luther 10
2, 59
W.; ja ich! aller kapellmeister hienieden unseligster E. Th. A. Hoffmann 10, 125
G.; dreimal unselig weib Geibel 2, 110; dasz ir unsälig seit
fastnachtsp. 437, 24; 438, 1;
pfarrer v. Kalenberg 658; u. sey, dem nach dir (
der welt) hungert Luther 23, 33
W. in veralteter verbindung mit zu (
mhd. minnereden 1, 232),
mit gen. des grundes: das man sich im leid und trübsal sol rhümen, des glücks und benedeyung der menschen unsälig düncken (
unglücklich fühlen über ..., da man dessen nicht würdig) und schämen S. Franck
paradoxa (1558) 2
a.
verschieden verstanden ist das sprichwort: zwischen ostern und pfingsten heyraten die unseligen S. Franck (1541) 2, 124
b; Tappius e e 5
β; klugreden (1548) 59
a; Eyering 2, 524; Körte 5858; Binder 147; Wander 3, 346;
zu grunde liegt das von Ovid fast. 5, 490
angeführte sprichwort mense Majo nubunt malae (
unglücksbräute) Otto
sprichw. d. Römer 205;
mai als unglücksmonat bei der heirat Weinhold
d. frauen 1
3, 330; E. H. Meyer
d. volkskunde 174;
wenn S. Franck
erläutert: im meyen gehn huorn und buoben zu kirchen,
ist bed. β ('
geringe leute')
gemeint; im schwäb. wb. 6, 218
werden die unseligen
als die verrückten aufgefaszt (
s. u. γ). II@1@a@bβ)
miser, misellus, aerumnosus, laboriosus, aporinus, pauper, inops, elegus, wie die glossare u. wbb. übersetzen; elend, kläglich, gering, unansehnlich, unbedeutend, trüb-, arm-, mühselig, erbärmlich, bedauernswürdig, gebrechlich, schwächlich, mager, schlecht ernährt oder aussehend, kränklich, unpäszlich, kümmerlich, unreinlich, häszlich, abscheulich; Schmeller 1, 97; 2, 253; Fischer 6, 218;
els. wb. 1, 41
a; 2, 933
b; Spiesz
henneberg. 265; Reinwald 1, 178; 2, 162; Crecelius 849; Hönig 159
a; Leihener 129
a; Woeste
westfäl. 282
a b;
nordwestdeutsch; Höfler 538
a;
mnl. wb. 5, 897, 2;
vgl. dän. schwed. usel Falk-Torp 1337.
hauptsächlich sind es die mundarten, die diese entwicklungsreihe durchlaufen haben; aber keine ma. läszt sie ganz verfolgen, sondern die einzelnen bieten immer nur stücke dieser reihe, oft mit zurückziehung des tones und veränderung des wortkörpers (
s. o.),
oft mit feinen besonderheiten (
z. b. oberhessisch als gs. zu zanger,
oder usöllch
nicht grosz; er ist u.
geberdet sich wie ein kranker Fischer 6, 218, 4;
dazu unsillig 220;
vermischt mit γ: schwindlig, bis zur ohnmacht übel 218; es ist mir ganz u.
seltsam unwohl ebda),
bisweilen mit substantivischer rückbildung (unsel
elender mensch Woeste 282
a;
vgl. mnl. onseling,
schwed. usling).
von einem ganz anderen ausgangspunkte kommt an. sâlugr,
dän. sølle
zu der bed. bedauernswürdig, arm; Falk-Torp 945.
was die schriftspr. von der gesamtentwicklung bewahrt, zeigen folgende beispiele: dem unseligen, gemainen volk
städtechron. 3, 138;
für franz. chétif,
it. cattivo
verwendet es passend, wenn auch etwas schematisch, Elisabeth v. Nassau - Zweibrücken
in ihren übersetzungsromanen (Liepe,
Elis. v. N., entstehung u. anfänge des prosaromans 245
f.); die armen und unseligen baurn Luther 18, 376
W.; bibel 1, 37; 587
W.; 34
2, 83, 26
W.; sie rhuomen sich ... als weren sie gar wol dran .. sie wissen aber nicht, wie u. sie sind Luther 18, 484, 26
W. (
vgl. unslich, uslich, unstlich dran seyn Reinwald 1, 178); J. Ayrer
dramen 595, 32
K.; er ist ein armer schwitz, er ist ein unseliger tropff Eyering
proverb. copia 2, 341 (
vgl. ein unseliger vogel,
einer, der nichts bezahlen kann, der nichts mehr hat, oder übertr. ein schwächlicher, gebrechlicher mensch, els. wb. 1, 99
b; Höfler 767
b); das leiden ist heilig, wer aber sein viel hat, ist u. für der welt Petri a 6
a; Moscherosch
insomnis cura 42
ndr.; ein unseliger prophet
profeta falso Kramer (1702) 2, 768
b; die unseligen,
spöttisch bedauernd von seinen gegnern in der farbenlehre Göthe IV 28, 262
W.; unseliges erdengewürm Musäus
volksmärchen 1, 21
Hempel; ich unseliger poet Hebbel
briefe 3, 152;
vom geprellten Scheffel 2, 55; unselig mittelding von engeln und von vieh (
der mensch) A. v. Haller
gedichte 44
H.; Schiller 1, 149;
ähnlich Zachariä 1, 219; Hippel
lebensl. 1, 21. bei mir unselig-armen Arent-Conradi-Henckell
dichtercharaktere 61. u.
im wortspiel mit ansehlich
th. 1, 458,
mit unzählig Herder 10, 133. II@1@a@gγ)
demens; vgl. unsalida
dementia ahd. gl. 1, 110, 25;
ähnlich unglücklich 3;
närrisch, unverständig Staub-Tobler 7, 698; Fischer 6, 218, 2:
Teuerdank 244, 237
G.; bist du nicht u., das du einen solchen tausch (2
rinder gegen einen sperber) darfst thuon?
Octavian F 4;
b. d. liebe 8
a; narren und unselig leuth (16.
jh.) Fischer 6, 218; unseligenhäuslein
narrenhaus, quelle des 18.
jhs. bei Fischer
a. a. o.; u. schaffen
ebda; wie u. laufen Staub-Tobler
a. a. o.;
vgl. unsinnig 3;
sonst veraltet. noch mehr auf die ma. beschränkt sind die sich hier anschlieszenden bedd. '
heftig aufgeregt, auszer sich, nicht herr seiner selbst, toll, ungeberdig, zornig, wütend, verzweifelnd, ängstlich, wunderlich (
ums herz; vgl. β)'
u. dgl.: Fischer 6, 218, 4; Staub-Tobler 7, 698;
els. wb. 1, 41, 56; Schmeller 2, 253; Autenrieth 14; Höfler 538
a.
dazu unsel,
m. Fischer 6, 217
und unsal (
s. d.) 2. II@1@bb)
von nichtpersönlichem. II@1@b@aα)
allgemein (
vgl. I 2);
die empfindung steigert sich oft bis zum fluch, wobei verdammt, verflucht
als gröber gelten: in meinen unseligen tagen Waldis
Esopus 1, 118
K., zeiten Münster
cosmogr. 339, stunde
b. d. liebe 273
c, augenblicke Herder 3, 261, wochen Göthe IV 37, 280
W., jahr Arnim
trösteinsamkeit 10
Pfaff; leben
b. der liebe 145
b, lebensart Gottsched
d. neueste 9, 453, lage Ranke 4, 43, zustand Chr. Wolff
v. d. menschen thun 31, verhältnisz Göthe 25, 231
W., liebe J. A. Ebert
episteln 143, einfall Knigge
roman m. lebens 1, 135, bemühen Nicolai
reise 2, 511; blutvergieszen H. Sachs 14, 145, 19
G., schmerz Lehmann
florileg. 3, 194, zusammenkunft, tanz Göthe 8, 285
W., IV 38, 69
W., geschäftigkeit Novalis 1, 12
Minor; land Lessing 1, 367, schauplatz Wieland 8, 424, ort Fouqué
zauberring 1, 26; unsälige widerwertickeit (
vgl.β) Arigo
decam. 54, 4
K., geschick Göthe
Iphigenie 393, zufall Menantes
neue briefe 440, konflikt Bennigsen
nationalliberale partei 7, krieg Chemnitz
schwed. krieg 2, 172, treffen Birken
verm. Donaustrand 65, duell Schiller 14, 172, die unseligsten streitigkeiten H. v. Egloffstein
in Geigers Göthejahrb. 6, 64; mund
Alsfeld. passionssp. 2029, baum (
nefastus) Mastalier
gedichte 129 (
mnl. wb. 5, 897), mysterien Göthe IV 29, 12
W., neuigkeiten Tieck 19, 486, spaziergang J. J. Schwabe
belustigungen 1, 444; unselig, wann nicht treue liebe die zuflucht seiner (
des herrschers) seele bliebe, die lust auf seine sorgen gieszt A. v. Haller
gedichte 148
H. im witz: o! der unselige schweinskopf mit der noch unseligern sauce H. Heine 3, 182
Elster; substantiviert: das unselige Schiller 15
1, 26;
adv.: u. lieben Gregorovius
gedichte 83
Sch.; unseligerweise Göthe 41
2, 101, 12
W. II@1@b@bβ) a
β entsprechend: solche unselige mühe hat gott den menschenkindern gegeben
prediger Sal. 1, 13; darumb das das allter ein schweer, unselig wesen und leben ist Luther 19, 357
W.; bibel 1, 37, 587
W.; ihr (
der landsknechte) unselig und kümmerlich leben Zinkgref
apophthegmata (1628) 86; J. Grimm
kl. schr. 1, 203; ja das u. gnuog was, die mtter ryssens den kindern ausz yrn mündlynen Hedio
chron. germ. 103
b; noch wol (
s. noch
1 I 4) sind zween unselige Petri q q 5
b; A. U. v. Braunschweig
Octavia 1, 1020; die unseligen geburten des verdorbenen hirns Fr. L. Jahn 1, 12; sprachlos stand der bräutigam eine gute weile, die unselige hälfte seines neuesten meisterwerkes betrachtend G. Keller 5, 68.
abgeschwächt '
leidig, fatal, eklig': das unseelige critisiren Moscherosch
gesichte (1650) 1, 153; Solger
Erwin 1, 9; G. Keller 2, 140; jene unselige menge einförmiger liedermelodieen Herder 15, 234; ich hatte mit der unseligen geschichte noch viele schererei Brentano 4, 234; diese unseligen winkelgeschichten Herwegh
briefe 354; etwas unselig geschäftliches (
in der sprache) Fontane I 4, 20.
daneben erhält sich die stärkste spannung der bed.: ich sah ein pferd, das sich in seinen eigenen ... eingeweiden mit den vorderfüszen verfangen hatte und so u. dahin hinkte Göthe 33, 80
W. II@1@b@gγ)
a γ entsprechend, heiszen gewisse tage im jahre von den in sie fallenden aufgeregten lustbarkeiten u.;
der montag nach dem Ulrichstag (4.
juli),
der donnerstag vor fastnacht Fischer
schwäb. wb. 6, 218. aunselige milch,
solche, die anfängt sauer zu werden, aber noch dünnflüssig ist, ebda; vielleicht ist die bed. '
verdorben'
im els. wb. 2, 933
b ähnlich gemeint. vgl. wilde milch.
unbändig von thieren Fischer 6, 218, 4. II@22)
im kirchlich - theologischen sinne (
vgl. selig II 2 b). a)
von personen: vom teufel Staub-Tobler 7, 698;
mnl. wb. 5, 898;
fastnachtsp. 538, 4; Arigo
decamer. 181, 1
K.; von juden Gebweiler
beschirmung d. lobs Marie (1523) b 4
b,
papst Staub - Tobler
a. a. o.; was unsere erste unseelige mutter im paradisz gesucht, das hat die mutter gottes gefunden Dannhawer
catechismusmilch 1, 147; ein unseliges volk von geistern, die fielen Klopstock
Messias 5, 150; J. A. Cramer
gedichte 3, 204;
mit deutlicher anlehnung an seele: unselige seele H. Heine 1, 177
E. prädicativ: u. und vermaledeyt sindt die geistreichen und hochmütigen, wan des teufels reich ist yr
theologia d. 52
M.; priamel germ. abh. 25, 527; widerumb machet uns nichts u., dan der unglawb Luther 10
2, 498, 18
W.; Petri e 7
b; Lehmann
florileg. 2, 931; u. und verloren Zinzendorf
Berl. reden f. m. (1738) 23.
substantiviert: peccatores Notker 2, 32, 23
P.; solche ungleubige und unselige Waissel
chron. 105; in dem hauffen der unseligen
Faust volksb. 110
ndr.; H. Grimm
Michelangelo 2, 192.
nach selig II 2 b
β: lasz mich nicht werden unsehlich
Wackernagel kirchenlied 3, 860; Parac. 2, 464; u. machen Nas
antip. eins u. hundert 2, n 1
b;
von wiedergehern: schaurig saust vor den fenstern der wind wie verzweifelndes jammern unseliger geister Pückler
briefw. 1, 456; G. Freytag 11, 237; G. Keller 6, 187. selig II 2 b
γ entspr.: diese beyliegende inseln ... sein der unseligen und verdampten menschen lender Gabr. Rollenhagen
ind. reisen (1603) 132;
vgl. Liepe
a. a. o. 245
f. b)
von nichtpersönlichem: mit unseligem anfang, nit in Christo L. Jud
psalmen (1520) 29
a; ein unselig end nehmen H. Sachs 2, 99, 37
K.; Kramer (1702) 2, 765
b; in dem moment seines unseligen endes Justi
Winckelmann 1, 476; tod Kramer 2, 765
b; ihren lauf unseelig vollenden Hippel
lebensl. 1, 199; u. sterben Luther
hauspostille 6
2, 121
Erl.; dye unseligist sundt auff erden 2, 121
W.; der unselige stuel 19, 593, 3
W.; ee Pauli
schimpf u. ernst 153
Öst., fest Treuer
Dädalus 1, 519, ewigkeit Franckenberg
nosce te ipsum 4, zustand des sünders Gottsched
das neueste 7, 570; dasz
M. die hölle nicht u. genug vorgestellet habe Bodmer
v. d. wunderbaren 53;
vgl. 82.
unheilig, non spiritualis vom laienstand Luther 10
1, 491
W.; Faust unseligen andenkens Benzel-Sternau
bei Campe; Laube 16, 149; diesen unseligen körper (
eines selbstmörders)
quelle von 1742
bei Staub-Tobler 7, 698; ge weg an den unseligen galgen Arigo
decam. 85, 26
K.; Holtei
erz. schr. 2, 51. die solen der unseligen flüsse (
der unterwelt) Bodmer
crit. poet. schr. 1, 15. II@33)
aus dieser kirchlich - religiösen bed. bereichert sich auch sonst der empfindungsgehalt: vil manch liebhaber ires lieb haben unsäligen tod enpfangen Arigo
decam. 631, 27
K.; unselige und teuflische gedanken Adelung; welche unselige vertraulichkeit herrscht nicht unter den lastern! Gellert 3, 86;
die provinzen waren im seligen oder unseligen genusse einer höchst abstechenden finsternisz und erleuchtung K. Fr. Cramer
Neseggab 1, 127; das ewig-unselige (
Phorkyas) Göthe
Faust 8747; des nur endlichen, zeitlichen ... unbefriedigten und unseligen geistes Hegel I 10, 121;
noch deutlicher: in der unseligen beychte Jac. Strausz
beychtpüchl. (1523) b 3
b; solcher unseliger hierarchie Arnold
ketzerhistorie 165
a; dieser unselige religions- und vernunftfeind Gottsched
das neueste 1, 900; dieses unselige vorrecht
des priesters, zu fluchen Lessing 17, 158; unseligen ungehorsam Göthe 41
2, 96, 10
W.; worte Brentano 3, 120;
im wortspiel mit alleinseligmachend Scherer
litgesch. 339. II@44)
mischung der bedeutungen ist nicht selten; so wenn der betrogene wirt im Eulenspiegel 112
ndr. die unseligen blinden
sagt (
bedauern und ärger verbinden sich; bed. II 1 a
β und α; '
armselig'
u. '
verwünscht'; J. Grimm
R. Fuchs lxiii
kommt noch heuchelei dazu),
oder Göthe
von Links philosophia plantarum: das unseligste ('
verfehlteste und unleidlichste') und unmethodischste werk von der welt III 13, 43, 16
W. (
bed. II 1 b
β u. α).
von contamination der act. u. pass. bed. ist oben mehrfach die rede gewesen. II@55)
besonders das adv. dient bisweilen, hauptsächlich mundartlich, der steigerung: unselig lang zeit S. Franck
chron. German. (1538) 144
b; unselig viel mühe Heynatz
antibarb. 2, 528; unselige (
erbärmliche) not
b. der liebe 100
c; unselig (
eigentlich '
unleidlich') überladen A. W. Schlegel im
Athenäum 1, 148;
vgl. der unseligst - verblendete Jean Paul 24/26, 227; u. schön Fischer 6, 218. II@66)
von den hauptsynonymen: elend, heillos, unheilvoll, unglücklich, unglücksvoll, unglückselig
ist keins so alt und kräftig, so stimmungsvoll und gefühlsbetont wie u.;
schon altheidnische beziehung auf schicksalsmächte macht R. Strümpell
gebrauch und bed. von sælde, sælic
u. verwandtem bei mhd. dichtern (1917) 28
wahrscheinlich (
vgl. unseliges glück
sp. 998
mitte; Montanus
schwankb. 100;
b. d. liebe 139
c; Br. Grimm
sagen 2, 9),
kirchlicher gebrauch des wortes schien höhere weihe zu geben. so gehört u.
in den meisten verwendungen gehobener und dichterischer, nicht alltäglicher rede an. wenn die mundarten weitgehende bedeutungsentwicklungen vornehmen, heben sie durch formveränderungen den bewuszten etymologischen zusammenhang auf. —