unsal,
f., n. ,
ein schriftsprachlich eigentlich nie wirklich lebendiges wort verschiedener bedeutung. 11)
unglück, unheil. a)
während Luther
v. d. guten werken (1520) 58
ndr. in der originalhs. geschrieben hatte: wo wollen aber die bleyben, die nit alleyn solch unfall (
s. d. II 1 a) der christenheyt nit achten, nit furbitten, szondern da czu lachen (
vgl. der christenheyt unfall 59
ndr.),
wurde bereits in einem theile des ersten druckes (A)
für unfall: unsal
und in einem Baseler drucke (G) unselikeit
eingesetzt (6, 241, 17
W. variante; unfäll
var. zu unseld
pfarrer v. Kalenberg 660; 990); so hette sichs basz geschickt zu frolocken, dasz ich aus unsall diszer werld vertzuckt werd
M. Risch
paraphrasis Erasmi über d. ev. Joannis (1524) l i 1
a; vil unsal, trübsal Schaidenreiszer
Odyssea 55
b; unsald, unsalt 19
b (35
b; 25
b).
es liegt hier in der tat das wort unseld(e), -sald(e)
vor (
s. d.).
vgl.hartsal, -sel, -seld.
zum abfall des auslautenden d: Weinhold
bair. gr. s. 154;
al. gr. s. 146
f.; unsal < unsalde
entspricht unbil < unbilde;
frühnhd. unsel
vocab. 1482
bei Schmid
schwäb. wb. 32.
umgekehrt ist unechtes d
in unfäld Steinhöwel
Äsop 160
und unfeld Keisersberg
bilgersch. 173
b (
vgl. sp. 522)
angeschoben; Weinhold
al. gr. s. 145;
vgl. bildern > bilern. b)
als n. und f. bei E.
M. Arndt, K. Lehrs
und seinen nachahmern ist u.
teils nach irrsal, schicksal, trübsal,
teils im hinblick auf unselig,
ostnd. unsalich
gebildet (
vgl.unband
für unbändigkeit). J. H. Voss
zeitmessung 85
bildet unsel '
unglück'
vom g. unselei: deswegen mag er bei allem irrsal und unsal der zeit getrost seiner zukunft warten E.
M. Arndt
schriften (1845
ff.) 3, 411.
bald n., bald f. ist es bei Lehrs,
dem es sich mit unseligkeit (
populäre aufsätze2 415)
und begrifflich bes. mit der gr. ἄτη,
der ethischen ἀφροσύνη (
ebda 419)
verbindet: ich habe ... für ate kein anderes deutsches wort gehabt als unsal Lehrs
an C. F. W. Müller bei Ludwich
[] ausgewählte briefe von u. an Lobeck u. Lehrs 722; äuszeres, inneres unsal
aufs. 417; die innere unsal 417; 418; unglück, unseligkeit, unsal (
ἄτη) nannte der Grieche jeden zustand des geistes, da der geist, was seines wesens ist, in freier bewegung, umsicht, entschlusz gehemmt ist, jeden unfreien geisteszustand 415
u. o.; der unsal verfallen, unsal nach sich ziehen, erzeugen 416; 421
u. s. w. bei Lehrs
schülern wie Ed. Kammer (
ästhet. kommentar zur Orestie 1909)
ist dieser worthomunculus zum lieblingsausdruck geworden. unsalprophet
übersetzt μάντι κακῶν Ilias 1, 106 W. Jordan 4. 22)
schwäb. unsel, aunsal,
m., '
eigentlich unsal' Schmid
schwäb. wb. 32,
aufregung, verwirrung (Fischer 6, 217; Schmeller 1, 158; 2, 253; Diefenbach
got. wb. 2, 201)
liegt in folgenden fällen zu grunde: ich fürcht' halt, das laute klopf- und hämmerwesen, das gehaspel und gesause der vielen spindeln und webstühle in den groszen arbeiterpferchhäusern, all der lärm und das unsal möcht' immer mehr aufkommen, das mir so arg zuwider ist Vischer
auch einer 1, 396; einmal aber in diese öde, diesen schlamm, diese lächerliche unsal leuchtet ein schimmer R. Schaukal
kapellmeister Kreisler 10.
auch hier zeugt das schwanken des geschlechts für die seltenheit des gebrauchs. 33)
in der bed. taugenichts und scheusal ist unsal
rückbildung aus unsalich (unselig
s. d.)
wie unsel
aus unselig, unband
aus unbändig: unsal,
n. een deugeniet, dat niets deugt Kramer-Moerbeek (1768) 369
a;
scheusal Sallmann 49;
neue beiträge zur estl. ma. 73; du unsal
ostpreuszisch allgemein; Woeste
Mark 109; so mag das unsal laufen bis ans ende der welt Th. Mügge
leben u. lieben in Norwegen (1858) 1, 86. unsalrotte W. Jordan
talar u. harnisch 14.
vgl. unselig, der unsel Woeste
westfäl. 282
a,
g. unsels
πονηρός,
ags. unsle
improbus, an. úsæll,
aschwed. usal, usel, osäl,
dän. usel, ussel.
auch unselde
ist schimpfwort Schmeller 2, 253. —