[]triakel,
triaker,
m. (
f., n.),
dasselbe wie theriak (
s. teil 11, 1, 367);
unter dieser wie unter der form dreiacker (
teil 2, 1373)
ist das wort bereits behandelt. das folgende bringt über das in den beiden artikeln mitgeteilte hinaus nachträge in bezug auf form, bedeutung und zusammensetzung. —
mhd. trîak, trîakel, drîakel;
mnl. triakel, driakel, driacle,
m., n.; nl. theriakel, triakel,
f.; mittelengl. triacle;
engl. treacle
sirup; aus dem mnd. entlehnt ist an. tréhakl (Fischer
lehnwörter d. altwestnord. 66)
und die sonstigen reich entwickelten formen der skandinavischen sprachen, s. diese bei Hellquist
svensk etym. ordb. (1925) 963; Falk-Torp
norw.-dän. etym. wb. 2, 1281. —
nachtrag deutscher formen. ihre wuchernde, bis in die lebenden mundarten reichende fülle ergibt, nach suffixen gesehen, fünf typen, auf -el(s) (
auf afrz. triacle
fuszend, s. Suoloahti
d. frz. einflusz auf d. dtsch. spr. im 13.
jh. 259), -en, -er(s), -(e)s, -et;
beispiele: drîakel
Parzival 789, 29, diakels (14.
jh.)
ahd. gl. 3, 516, 29
Steinmeyer-Sievers, dreakel (1452)
hans. urkb. 8, 102, driockels, acclas (15.
jh.) Diefenbach-Wülcker 369, drijakel Dähnert
plattdtsch. wb. 88, triachels, dreiockel Arends
volkstüml. namen (1930) 266, dragokles
siebenbürg.-sächs. wb. 2, 66; trîaken Heinrich von Veldeke
Eneide 11900, triacken
deutsch-it. sprachb. v. 1424
in Bayerns maa. 2, 399; triakers Konrad v. Megenberg
buch d. natur 384
Pf., dreckers (1518)
bei Ch. Schmidt
elsäsz. 68, tyryakers, driacors, tagursz, drialter
bei Diefenbach-Wülcker 369; trix (1478)
bei A. Schulte
Ravensb. handelsges. 3, 23, triachsz Lindener
katzipori 156
lit. ver., trilax Stalder
schweiz. 1, 303, treiogs Tobler
appenzell. 155, dr(e)iochs Arends
a. a. o. 62, truiägscht, dreyjockis Fischer
schwäb. 2, 376
u. s. f.; triaket
reg. d. gesundh. bei Scherz-Oberlin 1661.
seltener sind suffixlose formen, z. b. trîak
gesamtabenth. 1, 295, ciriak
niederd. bauernkom. 273
lit. ver.; tirol. trujak Schöpf 743, drijak Arends
a. a. o. 62,
sogar teerjacke
ebda; vgl. noch dreiauw Fischer
schwäb. 2, 376. — das
genus weicht nur vereinzelt ab: die triacken
la triaga (1424)
in Bayerns maa. 2, 399;
nürnb. das driâkela Schmeller-Fr. 1, 639. 11) '
medicament'. 1@aa)
die urspr. bedeutung '
tierisches gegengift'
geht bis ins 15.
jh., wenn auch die etymologie des wortes fehlgreift: tirus haizt ain tierslang ... wenn man der slangen flaisch beraitt ..., dâ wirt ain electuarium auz ..., sô edel, daz si die vergift auzwürzelt und auztreibt von dem menschen. daz confect haizt tiriaca, das ist triaker und nimt den namen von der slangen Konrad v. Megenberg
buch d. natur 284
Pf.; an disem totten möre wirt auch gefangen die vergüffte schlang, thyrus genannt, davon die tiriaca, zu deutsch tryackers, gemachet und komen ist (15.
jh.) Hans Tucher
bei Schmeller-Fr. 1, 639. 1@bb)
dann gegengift überhaupt, '
antidotum',
s. Diefenbach 38
a; '
alexipharmacum' Schönsleder
prompt. (1647) K k k 1
a: und als der edele trîak die gift mit maht verdringen mak
gesamtabentheuer 1, 295 (
schüler v. Paris v. 531); ich kan wol wyne zu wasser machen und driackel zu vergifft machen
pilgerf. d. träum. mönchs 8610
Bömer; und wär es, das er (
der falke) ietz also vergiftet wär, so sol man nemen guoten driacers und den pfeffer prennen Mynsinger
von falken, pferden u. hunden 29
lit. ver.; sie sprachent, es were vergifft, darum wolte es nit verbrinnen, sye nament es ausz dem feuwer und doten driakers darzue und leytent es anderwerb in das feuwer
bei Scherz-Oberlin 254; das den harten seelosen menschen triackers ist, das ist den furchtsamen gift Keisersberg
irrig schaf, bei Scherz-Oberlin 1661; eyn guet geselschap ys den menschen recht als eyn driakel und quade geselschap ys em rechte als eyn venyn
bei Schiller-Lübben 1, 575; so ist auch genampte gall ein triax den gifftigen bissen Forer
Gesners thierb. (1563) 64; wenn ein schaaff geschwillt. dieses ist eine anzeigung, dasz es gifft bey sich hat ... gieb ihnen nur auf einen schnitt brod guten tyriak ein, so wird es bald besser werden
viehbüchlein d 1
a.
[] 1@cc)
früh (
s. Heyne
hausaltert. 3, 197)
ist die bezeichnung dann auf die verschiedensten medikamente und arzneien, vornehmlich in latwergenform, übertragen: ein frumer, vernünfftiger küng gewint gar dick miszval ab einem und tribt den von sinem hoff on alle gnad und nympt in darnach wider und setzt in über sin geschäfft, so er jn frum und gerecht erfindet, glych dem, der ab dem triackers unlust hat durch sin bitterkeit und nit betrachtet sin krafft der gesundheit
buch d. beispiele 62
lit. ver.; zum zum driten musz er (
der pilger) haben dryockers, spetzerey, etwas, das in sterck Keisersberg
bilg. (1512) 16
a; und gebraucht ein remedium, das ist auf teutsch ein triachsz, das er von einem münch gelehrnet het Lindener
katzipori 156
lit. ver.; gebruchte fil winrauchs, weis klobloich, essich, pestilenzpillen, driakel und derglichen vil raitz (1541)
das buch Weinsberg 1, 156
Höhlbaum; mehrere arten werden genannt: die grosz tiriaca (15.
jh.)
bei H. Peters
aus pharmazeut. vorzeit 22; driacks Andromachi Frischlin
nomencl. (1586) 125
a; driacks ausz den vier kräutern
ebda; venedischer teriak Stieler 2328; giftteriak
ebda; die quacksalber bemächtigen sich des mittels, es sinkt zu einer allerweltsarznei herab: alse wu he hedde tüch gemaket van dussen nabeschrevenen stucken, alse van hertestungen (
hirschzunge), ... lindenkole, ... unde encian, also dat he dat hir in der stad vorkoft hedde vromen luden vor dryakel unde were valsch gud (1451)
Hildesh. urkb. 7, 2
Döbner; etliche spinnenfresser, verlauffen henkersbuben, kesselringmacher, zanbrecher, die schryen: hie gut bewerten dreckers, wissen nit, was tyriac ist (1518) Fries
arzneyspiegel bei Ch. Schmidt
elsäsz. 68.
die anwendung von theriak erweitert sich im sinne eines äuszerlichen mittels: die leute triakes in die nasen strichen für die pestilentz (1437)
dtsche städtechron. 2, 26 (
Nürnberg);
selbst bäume werden damit behandelt: wen he (
der gartenmeister) suth, dat desse boem aldus dorret, so nemet he dryakel unde gud an eyneme telghe des bomes, so wert de boem wedder fruchtbar
bei Schiller-Lübben 1, 575. 22) theriak
als wohlriechendes mittel; Wolfram von Eschenbach
kennt es: vor im ûfem teppech lac pigment und zerbenzînen smac, müzzel unt arômatâ. durch süezen luft lag ouch dâ drîakel und amber tiure des smac was gehiure
Parzival 789, 29;
in volkstümlicher tradition so bis ins 19.
jh. erhalten: neben diesem (
nelkenöl) holt man sich aus den apotheken als beliebte parfüme 'nottlawa' (
eau de lavende) und 'dreiägst' in zinnernen balsambüchslein Buck
medic. volksgl. (1865) 38. 33)
infolge der betrügerischen methoden der quacksalber und theriakskrämer (
s. u. 4)
bekommt triakel
schlieszlich eine bedeutung wie '
betrügerei'
u. ä.: triakel ...
rustici tamen nostri pro fraude et impostura sumere solent Stieler 2327;
vgl. dazu in westvlämischer mundart: triakel
hutspot, konkelarij (
d. i. betrügerisches tun) de Bo
westvlaamsch idiot. 1025. 44)
zusammensetzungen.