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kerker

mhd. bis spez. · 14 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

kerker m.

Bd. 11, Sp. 566
kerker, m. carcer, ganz früh aus dem lat. übernommen wie das zweite k zeigt neben dem später neu entlehnten karcer: goth. karkara (fem.), ahd. carceri, carcari, karkari, charchari, mhd. karkære, karker, karcher und kerkære, kerker; ags. carcern, cearcern, alts. karkari, kerkre, nnd. nl. kerker. Merkwürdig aber mnd. (auch altfries.) kerkener Dief. 100a. 207c. Rein. vos 2792, auch md. kerkenêre Rother 2228. Kirchberg 646, 58. 775, 17, kerkener (einmal kerkern) Dief. 100a, kerkner voc. opt. Lpz. 1501 K 2a (vgl. sp. 522), das gefängnis ist damit in einen festhaltenden mann verwandelt, und schon die ahd. mhd. endung liesz sich so empfinden. Man entfernte auch das zweite r: mhd. kerchel voc. opt. 24, 11, karkel in karkelvar Walther 68, 2, bekerkelen 68, 4, wie in alem. erkel für erker 3, 871 (schon in J. Haupts hoh. lied 179), körpel f. körper u. a.; vgl. ahd. charchella carcer (span. carcel f., gab es mlat. carcellum?). Schmeller bringt aus dem 16. jh. auch eine form kärche f. 2, 327 (vgl.ärk erker 1, 106), die älter sein musz nach mhd. kärchen einkerkern Walther 68, 4 in BC; in diesem kerchel, kärche hatte nun das fremde wort ganz deutschen klang gewonnen. Übrigens kam das lat. wort auch sonst in Europa herum (doch nicht nach dem scand. norden und zu den Slaven), spät gr. κάρκαρος, κάρκαρον, auch kelt. carcar, carhar u. a., während es die Franzosen (und Engländer) abwarfen. eine schreibung kärker im 16. 17. jh. soll wol nur an carcer erinnern. 11) das wort hat in neuerer zeit mehr dichterischen klang und wert für das gewöhnliche gefängnis (so schon bei Frisch, Adelung), im amtlichen stil wird nie von kerker die rede sein; woher und seit wann ist das? wenn im 15. 16. jh. in den vocab. ergastulum (eig. arbeitshaus), ergasterium mit kerker übersetzt wird (s. Dief. s. v., vgl. Maaler u. kerkermeister), scheint das durchaus nicht poetisch gemeint; s. auch Closener u. kerkern. Jetzt bezeichnet es besonders ein hartes, festes, finsteres gefängnis. es heiszt einen in den kerker werfen (Maaler 242c), schon um 1100 er hieʒ in in charchâre werfen fundgr. 2, 57; im kerker schmachten; finstrer kerker, tiefer, unterirdischer u. s. w.: das sie mich in den kerker geworfen haben. Jer. 37, 18. Matth. 5, 25, vgl. mit setzen, legen 1n. 22, 27. Jer. 29, 26, mit gefängnis zusammen Jes. 42, 7; ihn auch gefangen nam und erstlich in ein kloster, darnach in ein ofenbarn ('förmlichen'?) kärker wurf. Fischart bien. 1588 236b; sie denken bei dem worte verwahrung wol gar an gefängniss und kerker. Lessing 2, 183; hör mich gekränkten armen mann rastlos im kerker ächzen. Schubart (1825) 1, 124; genug hab ich die bleiche hand ins gitter meines kerkers eingeklammert. 1, 83; die grosze seele (Egmont), die euch alle trug, beschränkt ein kerker. Göthe 8, 271, vgl. 275, gefängnis wie doch in der bühnenweisung 274. 284 steht, würde hier prosaisch kältend sein; werft mich in den tiefsten kerker, dasz ich das haupt an feuchte mauern schlage. 278, vgl. im Faust 12, 232. 240; euch kann kein kerker tief genug begraben. Schiller 411a; ach, in des kerkers feuchter finsterniss musz er erkranken. 542a. 22) kerker, das sonst nur den raum, den bau bezeichnet, steht doch auch für gefangenschaft, haft, wie umgekehrt gefängnis, gewahrsam (auch lat. custodia, gr. φρουρά) auszer gefangenschaft auch den kerker bezeichnen: ewiger kerker Stieler 961; frei von des langen kerkers pein. A. Gryphius Cathar. v. Georg. 3, 404; in ewgem kerker will man mich bewahren. Schiller 411a; dasz ein ewger kerker uns lebendig begraben und der welt verbergen soll. 598b; als ihn die lust, im neuen veränderten wesen zu wirken, trieb nach Paris zu gehn, dahin wo er kerker und tod fand. Göthe 40, 335. auch harter, schwerer, strenger kerker (wie gefängnis) wird sich wol finden; Keisersbergs harter kerker u. 3 gehört jedoch schwerlich hierher. 33) bildlich, dichterisch. 3@aa) als erlöste knecht aus dem harten kerker der sünd und des tods. Keisersberg dreieck. spiegel Bb 4b (d. i. 'erlöst aus ..', nach unsrer alten syntax, das heutige geschmacklose als aus dem harten kerker d. s. u. d. t. erlöste knechte war der alten sprache unmöglich); füre meine seele aus dem kerker (der bedrängnis). ps. 142, 8; dann dasz der erden kluft (im Vesuv) und nicht ihr rücken nur ein kerker sei der luft, ist leichtlich darzuthun. Opitz 1, 42; ihr blühenden schönen, o fliehet den athemraubenden aushauch von goldnen kerkern der städte (palästen). E. v. Kleist frühling (1840 1, 112); deine grösze auf ihren kerker (kloster), auf ihr grab zu gründen. Gotter 3, 47; treibt seltne blumen, gleich der aloe, die von der heimat fern ein kerker zieht. Matthisson nachtrag 1799 s. 62 (das grab); wenn umsonst die aufgeblitzte jugend um des vaterlandes kerker stürmt. Th. Körner leier u. schwert 74. 3@bb) die hölle heiszt der hellische kerker Stieler 961, mhd. hellekarkære: der helle karkâre. Haupt 3, 445; wir wâren gevangin, wir lâgin in der vinstrî des hellecharchâres. pred. des 12. jh., Wackernagel leseb. 193, 18; du gêst in den kerker der helle. Eckhart 216, 37. 217, 35; der recht longeber aller werker, der uns löst ausz dem hellischen kerker. Rosenblut in den fastn. sp. 1102. 3@cc) ähnlich der todte kerker, das beinhaus auf dem kirchhof (vgl.kerner beinhaus) H. Sachs 2, 4, 98a, auch in einem meistergesang von dems. im Zwickauer schulprogramm v. j. 1854 s. 34: hört, zu Erfurt waren armer bachanten zwen, die hielten hause in dem doten kerker, und noch heiszt bair. ein beinhaus an kirchen seelkärkerlein Schm. 3, 227. 3@dd) der leib als kerker der seele: ach dasz ich den leibeskerker heute noch verlassen müszt. Joh. Frank; verleih dasz diese leidende maschine dem geist zu einem sanften kerker diene. Gotter 1, 433. 2, 511; du weiszt dasz der leib ein kerker ist, die seele hat man hinein betrogen. Göthe 5, 208; hier, wo die seele stärker des fittigs hülle dehnt, hoch über erd und kerker emporzuschweben wähnt. Matthisson (1797) 71; und du hast es vergessen fast in deines kerkers spangen, o menschlein, dasz du flügel hast und dasz du hier gefangen. Eichendorf ged. 226; nur dasz der schmetterling noch in dem sarge liegt, indes vom kerker frei die psyche drüber fliegt. Rückert weish. d. br. 11, 5.
6292 Zeichen · 176 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    kerkerst. M.

    Köbler Mhd. Wörterbuch

    kerker , st. M. Vw.: s. karkære

  2. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    kerkerM.

    Köbler Mnd. Wörterbuch · +5 Parallelbelege

    kerker , M. nhd. Kerker, Gefängnis Hw.: s. kerkenære (2); vgl. mhd. karkære, mnl. kerker E.: s. as. karkari* 3, st. M. (…

  3. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Kerker

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Der Kerker , des -s, plur. ut nom. sing. ein besonders in der höhern Schreibart übliches Wort, ein Gefängniß, besonders …

  4. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Kerker

    Goethe-Wörterbuch

    Kerker C- MaierDivKomm 313 , mehrfach (fast ausschließlich in der Frühzeit) -ck-. — Das eher der höheren Stillage zugehö…

  5. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Kerker

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Kerker (v. lat. carcer ), Gefängnis, sodann auch gebräuchlich für die in diesem Gefängnis zu verbüßende Freiheitsstrafe …

  6. modern
    Dialekt
    Kerker

    Rheinisches Wb.

    Kerker -ę- Waldbr-Bladersb Sg. t. m.: dunkles Gelass (veralt.).

  7. Sprichwörter
    Kerker

    Wander (Sprichwörter)

    Kerker 1. Der Kerker quält, aber bezahlt nicht. – Eisenhart, 440; Estor, II, 380; Eiselein, 379; Hertius, I, 89; Hillebr…

  8. Spezial
    Kerker

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Ker|ker m. (-s,-) 1 (Gefängnis) porjun (-s) f. , penitenziar (-s) m. 2 ‹pop› büsc m. , galera (-res) f.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit kerker

53 Bildungen · 48 Erstglied · 3 Zweitglied · 2 Ableitungen

Ableitung von kerker

kerk + -er

kerker leitet sich vom Lemma kerk ab mit Suffix -er.

Zerlegung von kerker 2 Komponenten

ker+ker

kerker setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

kerker‑ als Erstglied (30 von 48)

kerkerboden

DWB

kerker·boden

kerkerboden , m. fuszboden des kerkers. Schubart ged. (1825) 1, 8 ; wie küss ich den kerkerboden, der meine buszthränen eingeschlukt hat! de…

kerkeren

MWB

kerk·eren

kerkeren swV. Part. auch gekerket. ‘jmdn. einsperren, einkerkern’ der [Barrabas] wart gekerkeret da von, das er manschlacht getan hete EvPas…

kerkerfieber

DWB

kerker·fieber

kerkerfieber , n. ein faulfieber als folge des kerkerlebens: der gröszte theil unserer schriftsteller schreibt aus jenem gelehrten stolze, d…

kerkerfuge

DWB

kerker·fuge

kerkerfuge , f. spalt, öffnung in der kerkermauer: es war ihm ... als dränge sich sein beschwerter geist schwellend durch eine kerkerfuge hi…

kerkergitter

DWB

kerker·gitter

kerkergitter , n. vergitterung des kerkers: die heimliche freude eines gefangenen, wenn er .. die kerkergitter bald durchgefeilt hat. Göthe …

kerkergrab

DWB

kerker·grab

kerkergrab , n. der kerker als grab gedacht, der gefangene ist 'im kerker lebendig begraben': ich sank auf die ziegel meines kerkergrabs. Sc…

kerkerhaft

DWB

kerker·haft

kerkerhaft , f. gefängnishaft, gefangenschaft: sein mut war durch lange kerkerhaft gebrochen; sich wider völkerrecht und königswürde gefange…

kerkerhöhle

DWB

kerker·hoehle

kerkerhöhle , f. enger, höhlenartiger kerker: verlasz mich nicht in meiner kerkerhöhle. Schubart (1825) 1, 98. 121 ; damit der geist in sein…

kerkerhof

DWB

kerker·hof

kerkerhof , m. in Jerusalem: Palal ( baute ) bei dem kerkerhofe. Nehemia 3, 25 .

kerkerhüter

DWB

kerker·hueter

kerkerhüter , m. custos carceris: kerkerhuter, carcerarius, diebscherg. voc. inc. teut. m 7 b .

kerkerhūs

KöblerMhd

kerker·hūs

kerkerhūs , st. N. nhd. Kerkerhaus Q.: Cranc (1347-1359) (FB kerkerhūs) E.: s. kerker, hūs W.: nhd. DW-

kerkerloch

DWB

kerker·loch

kerkerloch , n. ein kerker wie ein loch ( auch loch allein ist kerker ), oder luftloch im kerker.

kerkerluft

DWB

kerker·luft

kerkerluft , f. die luft im kerker oder wie im kerker: die dumpfbrütende kerkerluft. Platen 116 b ; Frankreichs kerkerluft athmete sterbend …

kerkermäßig

GWB

kerker·maessig

kerkermäßig -ck- nach Art eines Kerkers; hier metaphor zum Ausdruck von Einengung, Zwanghaftigkeit [ Ablehnung der sog drei Einheiten der Tr…

kerkermäszig

DWB

kerkermäszig , adj. : kerkermäszige handthierung. Lessing 3, 35 in der übers. von Plautus, quaestum carcerarium.

kerkermauer

DWB

kerker·mauer

kerkermauer , f. mauer des kerkers: keine kunde gelangt zu mir durch diese kerkermauern. Schiller 407 b ; ( ihr ) schloszt mich in kerkermau…

kerkermeister

DWB

kerker·meister

kerkermeister , m. carcerarius, stockmeister, nl. kerkermeester: kerkermeister ergastularius. Maaler 242 c ; denselbigen satzten sie zum ker…

kerkernacht

DWB

kerker·nacht

kerkernacht , f. die finsternis im kerker: hoffnungslicht schon durchbricht kerkernacht. Fr. Müller 3, 251 ; werd ich aus meiner kerkernacht…

kerkerpein

DWB

kerker·pein

kerkerpein , f. pein, qual der gefangenschaft: sie wil, das Carl vergeh in langer kerkerpein. A. Gryphius Car. Stuardus 1, 144 .

Kerkerplatz

GWB

kerker·platz

Kerkerplatz idVbdg ‘Zwing- und Kerkerplätze’ 7,156,19 DivNot s Zwingplatz Michael Schilar M.S.

kerkerschlosz

DWB

kerkerschlosz , n. das schlosz der kerkerthüre: wenn fürchterlich das kerkerschlosz klirrt in mein morgenlied. Schubart 1, 22 .

kerker als Zweitglied (3 von 3)

schulkerker

DWB

schulk·erker

schulkerker , m. schule als kerker gefaszt, bildlich: hüten sie sich insonderheit, so wie vor abstractionen dumpfer neuerer schulkerker, so …

Totenkerker

DRW

toten·kerker

Totenkerker, m. wie Totenhaus (I) es ist nichts auß jn beliben dann was wir in dem todten kercker oder krufft sehen ligen 1510 Geiler,Gran. …

Tōte(n)kerker

Idiotikon

Tōte(n)kerker Band 3, Spalte 457 Tōte(n)kerker 3,457 A

Ableitungen von kerker (2 von 2)

entkerkerung

DWB

entkerkerung , f. auch liesz er sich Lianens entkerkerung mit darum gefallen. J. P. Tit. 3, 89.

verkerkeren

KöblerMhd

verkerkeren , sw. V. nhd. „verkerkern“, einkerkern Q.: Ot (1301-1319) (verkarkern) (FB verkerkern) E.: s. ver.., kerkeren W.: nhd. (ält.) ve…

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APA
Cotta, M. (2026). „kerker". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 11. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/kerker/dwb
MLA
Cotta, Marcel. „kerker". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/kerker/dwb. Abgerufen 11. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „kerker". lautwandel.de. Zugegriffen 11. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/kerker/dwb.
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