vormann,
m. ,
vgl. oben fürmann
th. 4, 1, 1,
sp. 772;
mhd. wb. 2, 47
a; Schiller-Lübben 5, 402
b;
traductor (
ductor) Diefenbach
gl. 591
b; Verwijs-Verdam 9, 1021; Adelung; Campe;
vgl. noch schweiz. idiot. 4, 254; Bauer-Collitz 36
b; ten Doornkaat-Koolman 1, 542
b; Schmidt-Petersen 46;
altn. formaðr,
dän. formand (
mit reichentwickelter bedeutung). —
soweit das wort in der sprache der gegenwart noch gebraucht wird, hat es als plur. vormänner. 11)
in eigentlicher sinnlicher anwendung jemand, der in einer geschlossenen formation oder in einer reihe zu einem vor einem andern (
seinem hintermann)
steht, jetzt ersetzt durch vordermann: mit seinem v., dem er in den rücken stehet Fleming
d. vollk. t. soldat (1726) 228
b; der soldat (
soll) ... präsentiren ... was sein nachbar oder sein v. praesentirt Lavater
physiogn. fragm. (1775) 4, 115; die von den schilden der vormänner abgleitenden speere Brunn
kl. schr. (1898) 2, 177; auf vormanns rumpfe springt der hintermann Schiller 1, 232
G. scherzhaft übertragen: ein einziger teller stand ... hinter dem v., diesen hintermann zog er heraus Jean Paul I 6, 159
akad. ausg. —
eine reihe von betenden: mit denen, die sich hinter ihn als ihren v. gestellt (
hier zugleich mit dem sinne von leiter, führer verbunden, unten 5): ein yeder der wil vorman syn Brant
narrensch. vorr. 23
Z. früher dann auch freier von richtunggebenden in einer geschlossenen formation: die gefreyten oder vormänner müssen ihre distanzen genau beobachten v. Fleming
d. vollk. t. soldat (1726) 228; so ist er wie der v. am flügel; er behandelt sein gewehr mit mehr wendungen, aber niemals falsch, und so wird er für andere das muster Abbt (1768) 5, 146; noch wollt ich freuden- und spielmeister als vor- und flügelmänner der schulmeister vorschlagen Jean Paul 55/58, 70
H. 22)
jemand, der einem oder mehreren vorausgeht: (
er hatte) seinen v. erreicht und suchte grüszend ein gespräch mit dem schweigsamen anzuknüpfen C.
F. Meyer
Jürg Jenatsch (1901) 36; als wir wieder eine bergrippe überschritten, kauerte mein v. plötzlich nieder H. v. Barth
Kalkalpen (1874) 160;
[] die frommen brüder, keuchend nur, ein jeder in des vormanns spur, verstummt auf ihre tritte achten A. v. Droste-Hülshoff (1878) 2, 63.
beim tanz: beim abendtanze ... suchte er mit seiner tänzerin hinter Georg zu stehen und sprang genau wie sein v. Freytag (1886) 11, 46. —
von thieren: 50 bis 100 einspännige schlitten ... auf jeden schlitten legt man ein wenig heu, und so läuft jedes pferd seinem v. nach Ritter
erdkunde (1822) 3, 134; (
dasz) jedes (
thier, von gemsen) genau der fährt seines vormannes folgt H. v. Barth
Kalkalpen (1874) 415; denn soll es (
ein pferd) mir werth sein, musz es mit noth nur hinter andern erhalten werden, keinen vormann leiden Göthe 11, 38
W. eigentümlich von samenfäden: dasz diese unentwickelt warten sollten, bis die reifen vormänner abgetreten sind Sömmerring
vom baue d. menschl. körpers (1839) 6, 965. 33) '
der in einer reihe oder dem range nach unmittelbar vor einem andern ist' Krünitz
öcon. encycl. 231, 413.
in dem sinne, dasz die in derselben rangstufe der anstellung nach vor jemandem stehenden, gemeint sind, ist v.
ebenfalls durch vordermann
verdrängt: wenn er doch nur erst die brigade hätte! hat sich was: brigade! noch vier vormänner Spielhagen
opfer (1907) 16. 44) vor-
zeitlich: '
derjenige, welcher vor uns in einem amte oder in einer verbindung gewesen, wie vorfahr;
eine im hochdeutschen unbekannte bedeutung' Adelung; v.
im sinne von vorgänger
ist veraltet: der arme teufel scheint ... auf halbe livree gesetzt, die von seinem ... v. herzustammen scheint Lichtenberg
erkl. d. hogarth. kupferstiche (1794) 1, 79; sie ahnten es nicht (
die 1870/71
gefallenen studenten), dasz sie bestimmt seien, gleich ihren vormännern in dieser stolzen halle verzeichnet zu werden Mommsen
reden u. aufsätze (1905) 29. —
vorgänger in forschung, geistigem schaffen u. ä.: zwar könnte man ... fordern, dasz er (
verf.) seine vormänner ... angegeben hätte
allg. dt. bibl. 108, 80; herr Weiss ist zu bescheiden, wenn er überall herrn Rückert als seinen v. erkennt Schelling (1856) 1, 5, 97. 55)
in allgemeiner anwendung führer, leiter, einer der die sache anderer vertritt, für sie das wort führt: sind sie nicht der v. der studenten Steffens
was ich erlebte (1840) 2, 298; und ihr seid im besonderen gegrüszt, die ihr mich jungen krieger zu euerm vormanne gewählt habt Stifter 10 (1930) 105; der anerkannte v. der optimatenpartei Mommsen
röm. gesch. 3
4, 157; der teufel als der v. der hagestolzen Rosegger I 4, 239; nicht musz ganz durchschlafen die nacht ein berathender vormann (
βουλήφορον ἄνδρα) Voss
Ilias 2, 74.
freier: (
Heraklit) ohne allen widerstreit der v. und meister der naturweisheit, die das alterthum der Griechen hatte Creuzer
bei Preisendanz
d. liebe der Günderode (1912) 274; selbst die vormänner der litteratur waren sich bewuszt ..., sich an fremden mustern herangebildet zu haben Grillparzer 16, 21
Cotta. —
zugleich zeitlich: Addison hat nachkommen erhalten; er ist der v. in der schaar jener geistreichen journalisten, die alle künste ... vor ihren richterstuhl ziehen Chrysander
Händel (1858) 1, 280. 66) Göthe
braucht das wort für jemanden, der stärker ist als ein anderer: ich bleibe sein (
des wolfes) vormann, aller seiner gesellen, die mit ihm halten und stehen 50, 185
W. (ik byn gheworden syn overman
Reinke de vos 6820). 77)
einzelnes und fachsprachliches: 7@aa)
in älterer sprache eingeengt im sinne von fürsprecher, rechtsvertreter, auch vormund, s. Schiller-Lübben 5, 402
b;
schweiz. idiot. 4, 254;
oben fürmann
th. 4, 1, 1,
sp. 772: vormann,
vormund Estor
t. rechtsgelahrheit 3 (1767) 1422; vielleicht ... substituirte man in dieser rücksicht (
weil männer nicht schweigen können) das beschrieene wörtlein
[] mund: vormund, statt vormann Hippel
kreuz- u. querzüge (1794) 1, 178. 7@bb) v.,
der auf einem wechsel im indossament unmittelbar vorhergeht; jetzt eher vordermann Schirmer
wb. d. kaufmannsspr. 206,
s. oben 4. —
auch sonst im handelswesen: bedient sich der spediteur eines zwischenspediteurs, so hat dieser zugleich die seinem vormanne zustehenden rechte ... auszuüben
handelsgesetzb. § 411. 7@cc)
bei den arbeitern ist der v.
derjenige, der bei der arbeit leitend, vorbildlich vorangeht: der v. ... redet sich den hals heiser Hans Grimm
volk ohne raum (1928) 1, 576;
im bergwerk ist der v.
oder vorfahrer
derjenige, der vorangehend die arbeitsstelle auf ihre sicherheit untersucht Veith
bergw. 548. — die zweene, so die schichten anfangen, nennen sie v. oder erstemann, die beyde so diesen vor- oder erstemann folgen, nennen sie andermann Hondorff
d. saltzwerk zu Halle (1670) 33. 7@dd)
der vorderste ruderer in einem boot, nach dessen ruderschlag sich die hinter ihm sitzenden zu richten haben Bobrik
seewb. (1850) 712
b. 7@ee)
bei in kiellinie fahrenden schiffen das vor einem schiff segelnde (
s. oben 1
und 2) Adelung;
vgl. engl. man of war,
kriegsschiff.