schulter,
f. humerus. II.
herkunft und form. I@11)
die vorgeschichte des wortes schulter
ist umstritten. während Weigand 2, 649
und Skeat 550
a sich jeder etymologie enthalten, stellt Delbrück
zschr. f. d. philologie 1, 135, 213
es zu sanskr. skandhas,
schulter, indem er sich das l
aus n
entstanden denkt, Kluge
5 338
a zu ahd. skertî
mit ähnlicher herleitung des l
aus r (
durch dissimilation), Franck 861
hält die herleitung von schalten '
stoszen'
für denkbar. am meisten wahrscheinlichkeit hat vielleicht die von Ehrismann
in Paul-Braune
beitr. 20, 51
ff. vorgeschlagene etymologie. mit verweis auf zahlreiche analoge wörter, die in verschiedenen sprachen bald die hüfte oder den schenkel, bald den (
ober-)
arm bezeichnen, zieht er sanskr. kaṭas, kaṭis, kaṭî '
hüfte' (
aus *kaltas
u. s. w.)
und griech. σκέλος '
schenkel',
σκελίς '
hinterfusz und hüfte eines thieres'
heran. die stammbildung des germ. wortes liesze sich dann so begreifen, dasz der jô-
stamm in althd. scultirra
auf den alten dual *skulðezî
zurückginge, zu dem der singular in ags. sculdor
vorläge, das ursprüngliche neutrum *skḷtos
aber auf einer vermischung eines dental- und des s-
stammes beruhte, wie sie im griech. neben einander stehen. I@22) schulter
ist ein gemeingerm. wort, das nur dem goth. und altn. fehlt: dän. skulder,
schwed. skuldra;
ags. sculdor, -ur, -er,
mittelengl. shulder, -dre,
engl. shoulder;
altfries. sculder, scholder,
neufries. scholder, schouder,
saterl. scoldere, sgullere,
wang. schuller,
nordfries. skollar, -er Richthofen 1034
b. ten Doornkaat Koolman 3, 155
a,
vgl. nd. korrespondenzbl. 11, 35;
mnl. scoudere,
holl. schouder,
mnd. schulder Schiller-Lübben 4, 146
b f.; althd. scultarra, scultirra, sculterra, scultyrra, scultera, scultira, scultra, sculdre, schulter Graff 6, 491,
vergl. den eigennamen Sculturbura Förstemann
namenb. 2
2, 1317, Schulter
als bergname in Kärnthen Lexer 227;
mhd. schulter, schulder, scholder Lexer
handwb. 2, 814. I@33)
neben und an stelle von schulter
verwenden die german. sprachen zahlreiche andre ausdrücke, vgl. Grimm gramm. 3, 403.
so hat das goth. den altindogerm. ausdruck ams (amsa?
nur acc. plur. amsans
Luc. 15, 5
belegt)
erhalten, der sanskr. ámsa-,
griech. ὦμος,
lat. (h)umerus
entspricht; ferner altn. herðr,
f. (
plur. herðar),
ahd. hartî, -în,
scapula Graff 4, 1026;
mhd. herte Lexer
hdwb. 2, 1266,
womit vielleicht ahd. scerta Graff 6, 543 (Notker),
schweiz, scherti,
f. in der wurzel identisch ist; noch im nhd. lebt fort achsel (
s. theil 1, 163
f.),
ahd. ahsala
u. s. w. Graff 1, 139
f., mhd. ahsel,
ags. eaxl,
altn. xl,
lat. ala (
aus *aksla)
und axilla;
dazu auch althd. uohsana
und uochisa
axella Graff 6, 140,
mhd. uohse, üehse, ôchse, uchse Lexer
handwb. 2, 1997,
jetzt noch oberd. (
s.üchse),
und ags. ôhsta,
vgl. Fick4 1, 350.
weiter ab steht bug (
s. theil 2, 494
f.).
im nhd. werden schulter
und achsel
im allgemeinen als gleichbedeutend gebraucht, vergl. zeitschr. f. d. philol. 22, 334, 50.
in einigen gegenden des deutschen sprachgebietes ist schulter
durch achsel
zurückgedrängt; schon Thoman Wolf '
erklärung einiger schweren wörter'
vor dem nachdruck der Lutherschen übersetzung des alten testam. (
Basel 1523)
erklärt ersteres durch das letztere, s. ebenda und Kluge
5 338
a. I@44)
über die formen im althd. s. oben 2;
mhd. und mnd.: humerus hd. schulter, -der,
nd. schuldere, scholder, schollern Dief.
gl. 281
c; schulder
nov. gl. 206
b;
scapula hd. schulter, -der, -dern, -tern,
nd. schuldere, sculder, sculdur, sculdra, scholder
gloss. 516
c;
scapulosus, grosz von schulteren, grois van schulderen;
scapus, ein schulter, scholder
vel summitas ejus. ebenda; spatula .. hd. scultirra, scholder, schulter, schulder. 545
a;
vgl. nov. gl. 344
b.
eigenthümlich ist die mhd. nebenform schultrig,
s. Lexer
handwb. a. a. o. und unten II,
b. im nhd. ist die form schulter
mit wenigen ausnahmen alleinherrschend. Alberus
allein bietet den (
nach ahd. scultirra
zu erwartenden)
umlaut, indem er schreibt: schülter,
humerus; schültern, mitten zwischen den schültern,
freilich daneben: schulter, schultern,
plur.; der breyte schultern hat (schüldern
auch bei Petri,
s. unten II, 2,
c).
vereinzelt hält sich die erweichung des t
zu d
noch im neuhochdeutschen, so bei Luther
fast immer (schulter
steht 2 Mos. 28, 12. 39, 7.
Hes. 24, 4,
s. unten 3,
b und 4,
b).
vgl. ferner: von den schuldern. schuldern haben auch ihre gebrechen. gesüchte legen sich biszweiln in die schuldern
und so oft Colerus
hausb. (1680) 2, 143
a,
daneben ebenda: es finden sich auch biszweilen hinden in den schultern etliche gebrechen (
weitere belege aus Colerus
s. 1,
d, α gegen ende; d, δ.
ε.
ζ; schüldern
bei Petri,
s. 2,
c). Stieler 2053
bemerkt: scribunt etiam schulder,
et schuller,
estque omnino à scholle,
seu schulle,
quam planitie sua quodammodo refert. so auch vereinzelt bis in die classische zeit hinein, z. b.: wenn ich diese Fatime in meine arme fasse, und diese mächtige haare meine schuldern decken. Klinger
theater 3, 170; kannst nicht wieder dieses haupt von meinen schuldern nehmen. 200.
ebenso noch in Göthes
Götz 5
in der ersten ausg. von 1773: ich weisz am besten was auf meinen schuldern liegt.
s. werke 8, 166, 22
Weim. ausg. und dazu s. 339. —
die flexion ist ursprünglich stark, doch findet sich schon mhd. daneben die schwache. nhd. natürlich im sing. schulter,
plur. schultern;
nur bei Luther
scheinen noch abweichungen vorzukommen. so steht schuldern
als dat. acc. sing. sicher ps. 21, 13 (
s. 1,
c, γ),
wol auch 1 Mos. 9, 23 (1,
d, α)
und 3 Mos. 7, 32 (
s. 3,
b),
vielleicht auch noch an andern stellen, wo es sich nicht sicher entscheiden läszt, vgl. die belege. umgekehrt steht schulder
als plur. 1 Mos. 9, 23,
s. 1,
d, α. I@55)
in den nhd. mundarten ist die verwendung von schulter
eingeschränkt, doch läszt sich aus dem fehlen des wortes in idiotiken nicht entnehmen, ob die mundart es nicht kennt, oder ob sein gebrauch zur schriftsprache stimmt. nur folgende führen es auf: schweiz. schultere ('
durch achsle
ziemlich verdrängt') Hunziker 232;
bair. schulder(n) Schm. 2, 416;
tirol. schulter Schöpf 651;
nordthür. schulder Schultze 44
a. —
nd. schuller Dähnert 417
b. Danneil 188
b. Mi 77
b; schulder, schuller ten Doornkaat Koolman 3, 155
a; schulder Schambach 186
b. IIII.
bedeutung. II@11)
im eigentlichen und nächsten sinne als theil des menschlichen leibes: schulter,
humerus, de homine tantum, armus etiam de brutis Dasyp.; schulteren (die) oder achszlen,
humerus, armus, scapulae Maaler 364
a; schulter,
f. l'espaule Hulsius 291
a; achsel .. die schulter,
humerus, armus Henisch 10, 36; schulter,
f. humerus, perna Schottel 1410; schulter, die,
plur. schultern,
humerus Stieler 2053;
humerus Nemnich.
vgl. Oken 4, 25. 328: man solt dem Nicanor den kopff und die hand sampt der schulder abhawen. 2
Macc. 15, 30; weibern und kindern nützet das köpffen (
schröpfköpfe setzen) an den waden oder schultern. Wirsung
arzneib. 35 A; ob den rippen ligentzuô sculteren, dâ die arme ana werventsuenne si sich ruoerent.
fundgr. 2, 14, 42 (
Wien. gen.). II@1@aa)
während man gewöhnlich schulter
und achsel
als gleichbedeutend verwendet (
vgl. oben die wörterbücher und: so lang bisz es (
das kind bei der geburt)
unter die uchsen und schulter kam.
Garg. 104
a), —
wird zuweilen ein unterschied zwischen beiden gemacht, besonders in der älteren sprache: die schuldern sint den achseln zuo gesellt und die schultern sint praiteu pain dünneu darumb, daʒ si daʒ flaisch vast halden auf den achseln. Megenberg 19, 13
ff.; so falle meine schulder von der achseln, und mein arm breche von der rören.
Hiob 31, 22;
vgl. auch: ir hals was eben und niht ze lanc, .. ûf die ahsel nider ze tal über die schultern ze rehte smal. Heinr. v.
d. Türlin
krone 8202. II@1@bb)
mit attributivem zusatz. II@1@b@aα)
man unterscheidet die rechte
und die linke schulter: einen auf die rechte schulter nehmen,
aliquem in humerum dextrum extollere Steinbach 2, 524; die handquele auf die linke schulter schlagen,
ut structores, chironomi et carptores solent: explicare mantile, et injicere super humerum sinistrum Stieler 2053.
so im sprichwort: auf der rechten schulter unsern herrgott und auf der linken den teufel tragen. — over de lenke scholder,
d. h. die sache ist anders. Wander 4, 386. II@1@b@bβ)
nach der gestalt hohe
und niedrige schultern: hohe schultern,
gibbosi Stieler 2053.
ferner breit schulteren,
latae scapulae Maaler 364
a;
breite schultern,
lati humeri Stieler
a. a. o.: ich sehe durchaus nichts mehr von den breiten schultern der ehrlichen knaben. Freytag
soll u. haben 2, 207; da war der alte Huber, stämmig und untersetzt, trug einen groszen kopf auf den breiten schultern. Anzengruber
3 3, 29; ist her an dem lîbe gesunt mit breitin schuldirn unde brust.
rittersp. 1054; seht den schuft am waldessaum mit gewandten sprüngen fliegend, einen jungen eichenbaum auf den breiten schultern wiegend! Keller 10, 86.
vergl. breite schultern haben,
met. was ertragen können. Kramer
dict. 2, 681
b. Eiselein 557; wer breite schultern hat, kann viel tragen; wer die schwächsten schultern hat, musz die gröszten päcke tragen. Wander 4, 386. — schmahle schultern haben,
esse humeris demissis Steinbach 2, 524;
vgl. die unter a angeführte stelle aus der krone. II@1@b@gγ) krumme schultern,
incurvi humeri Stieler 2053. runde: und besser als dies flackerlicht noch dünket mich dein schmal gesicht, die runde schulter, die zierliche brust. Keller 10, 99. II@1@b@dδ)
eine schwarze schulter
eignet dem teufel: hier könnte Satan höchstens nur in einer ecke des vorgrundes mit seinen schwarzen schultern kontrastiren. Göthe
briefe 5, 141
Weim. ausgabe. II@1@cc)
verbale fügungen, meist reflexivisch: II@1@c@aα) die schulter neigen, bücken,
mit besonderer beziehung: er hat aber seine schuldern geneigt zu tragen, und ist ein zinsbar knecht worden.
1 Mos. 49, 15; neiget ewre schuldern und ergebt euch dem könig zu Babel.
Bar. 2, 21; liebes kind, gehorche meiner lere ... bücke deine schuldern und trage sie.
Sirach 6, 26.
umgekehrt: voran in mitten der schaar schritt der held, ... er hob die schultern und schritt gradaus. Rückert
Firdosi 1, 47.
im sinne von β: der pfarrer hob die schultern. Anzengruber
3 3, 199. II@1@c@bβ) schultern einziehen,
laxare et dimittere humeros Stieler 2053; die schulter einziehen, zucken, schupfen,
stringere, piegare, restringere le (
restringersi nelle)
spalle Kramer
diction. 2, 681
a;
als ausdruck der ungewiszheit, des zweifels: so wandte er (
Egmont) sich an Julian Romano, und fragte ihn noch einmal, ob keine begnadigung für ihn zu hoffen sei? Julian Romano zog die schultern, sah zur erde und schwieg. Schiller 9, 25.
jetzt gewöhnlich die
oder mit den achseln zucken. II@1@c@gγ) einem die schultern (
wie den rücken) wenden,
voltare, volgere, dare le spalle ad uno Kramer
dict. 2, 681
c: und da er seine schuldern wandte, das er von Samuel gienge, gab jm gott ein ander hertz.
1 Sam. 10, 9;
übertragen: aber sie waren stoltz ... und wendeten jre schulder weg, und wurden halstarrig, und gehorchten nicht.
Nehem. 9, 29.
ähnlich sprichwörtlich: einem die kalte schulter zeigen,
ihn zurücksetzen, kalt behandeln. Wander 4, 386, 20. —
hierauf beruht auch der biblische ausdruck zur schulter machen: denn du wirst sie zur schuldern machen.
ps. 21, 13 (
genauer: zum rücken, d. h. in die flucht schlagen, hebr. ם מי י). II@1@c@dδ) die schulter verrenken, aussetzen: er hatte aber kaum diese worte ausgesaget, da fiel er vom baum herab, verrenckte eine schulter.
Simpl. 2, 178, 19
Kurz. seltnere verbindungen: plötzlich schüttelt sie die locken .. wiegt die schön gewölbten schultern, und sie schürzt das kleid zum tanze. Keller 10, 223. — wie nennt ihr ihn? wer ist's, der dort gebückt nachlässig stark die breiten schultern drückt? Göthe 2, 147.
aber auch: obgleich die goldene bürde, welche er jetzt zu tage zu fördern bemüht war, seine schultern so sehr drückte als ehedem ein schwerer mehlsack, so wurde ihm doch der weg .. lange nicht so sauer. Musäus
volksm. 2, 125
Hempel. — ich fühle die schultern nicht mehr,
scapulas perdidi Steinbach 2, 524. II@1@c@eε)
andere nicht reflexive verbindungen: da ich jre schulter von der last entlediget hatte.
ps. 81, 7; ich habe gesehen die curam an einer person, welcher die schulter ausgerissen war. Colerus
hausb. (1680) 2, 143
b. II@1@c@zζ)
bildlich: einer die schultern krauen,
id est, in unzucht dienen,
stropicciare le spalle ò la schiena ad una; einem die schultern salben, schmieren, abmessen,
id est, abschmieren
etc. ugnere, fregare, misurare le spalle ad uno. reflexivisch: einem die schultern halten, dasz er drüber aufsteige, bock stehen,
met. helffen, befördern, vertheidigen,
fare spalla ad uno; spalleggiarlo, sostentarlo, portarlo Kramer 2, 681
c. II@1@dd)
mit präpositionen. II@1@d@aα)
besonders mit auf: etwas auf seine schultern nehmen, die last auf die schulter nehmen. Kramer
diction. 2, 681
c; einen lebendigen ochsen auf die schultern nehmen,
bovem vivum humeris sustinere Steinbach 2, 524; und solt dein gerete er austhun, wie wandergerete ... und du solt es auff deine schulter nemen, fur jren augen und ... er aus tragen.
Hesek. 12, 6; da nahm er das ungethüm auf die schulter. Grimm
märchen 117.
sprichwörtlich: man musz nicht mehr auf die schultern nehmen als man tragen kann. Wander 4, 385, 5.
auch bildlich: so hatte er sich über eine neue verwegenheit zu schelten, womit er ein allgemein ausgetheiltes übel auf seine schultern zu nehmen sich vermasz. Göthe 19, 69; als er (
Oxenstierna) auf die nothwendigkeit kam, dem errichteten bund einen vorsteher und direktor zu geben ... ersuchte (
man) ihn unterthänig ... die last der oberaufsicht auf seine schultern zu nehmen. Schiller 8, 312; was wil doch gottes sohn dasz er ins elend kömbt, und ein solch schweres creutz auf seine schulter nimbt? Scheffler
wandersm. s. 95
neudr. (4, 53).
ähnlich laden: denn ich will den fehler nicht auf meine schultern laden. Göthe 9, 190 (
Tasso 3, 4). legen: da nam Sem und Japheth ein kleid, und legten es auff jre beide schulder.
1 Mos. 9, 23; da stund er (
Simson) auff zur mitternacht, und ergreiff beide thür an der stadthor ... und hub sie aus mit den rigeln, und legt sie auff seine schuldern.
richter 16, 3; setzt man einen auff die schuldern, so wil er gar auff den kopff steigen. Petri Rr 7
b;
ebenso auf eines andern schultern: und zu derzeit wil ich ruffen meinem knecht Eliakim ... und wil die schlüssel zum hause David auff seine schulder legen.
Jes. 22, 22; als ich vom boden mich erheben wollte, kam Gabriel, und legte seine flügel auf die schultern mir. Rückert (1882) 4, 53.
freier: doch ansehn und erhabne würden nur auf verdiente schultern bürden, hiesz ihnen schuldigkeit. Uz
s. 57
Sauer (
lesarten).
ahd. dafür in: sie bintent suuâra burdîn inti ungitraganlîcha inti sezzent sia in manno scultirû
n. Tat. 141, 2 (
nach dem lat. imponunt in humeros hominum). — auf der schulter, den schultern tragen,
portar' in ispalla, sulle spalle Kramer
dict. 2, 681
c, einen auf seinen schultern zurück tragen,
humeris suis aliquem reportare Steinbach 2, 524; jr solt sie nicht auff den schultern tragen.
2 chron. 35, 3; jr fürst wird auff der schulter tragen im tunckel.
Hesek. 12, 12; dem (
Christophorus) däuchte seine bürde auch leicht, da er anhub, das fremde kindlein auf starker schulter über den strom zu tragen. Scheffel
Ekkeh. 23; gebeut, o herr, durch welchen kampf und sturm wir dich auf unsern schultern sollen tragen! Uhland
ged. (1864) 182;
freier: das imperium hot hie (
hat er) uff sin schulder getragen.
Alsfeld. passionssp. 4705; das unglück mindert sich, das glück wird gröszer, so auf den schultern trägt man beide leicht. Göthe 13, 266;
man sagt auch von der schulter
selbst, dasz sie trägt: da ich noch jung war und meine schultern nicht viel zu schleppen vermochten. Göthe 21, 20.
sprichwörtlich: auf fremden schultern ist leicht tragen. Wander 4, 385, 3; auf beiden schultern tragen,
s. 2,
b, α. —
andere verbindungen: und (
Goliath) hatte ehern beinharnisch an seinen schenckeln, und ein ehern schilt auff seinen schuldern.
1 Sam. 17, 6; denn uns ist ein kind geboren ... welchs herrschafft ist auff seiner schulder (
var.: und seine hirschafft wird liegen auff seiner schulder).
Jes. 9, 6; stolz und herrlich trat er daher, nicht anders, als wenn das durchlauchtige Genua auf seinen jungen schultern sich wiegte. Schiller
Fiesko 1, 1; brûn krûs lanc was im daʒ hâr, ûf sînen schuldern eʒ im lac. Herbort v. Fritslar
troj. krieg 3171; o wie wollt ich (
als vöglein) Daphnens busen zwitschernd entgegenflattern .. und auf ihrer schulter ein minneliedchen flöten! Hölty 83
Halm. ahd. dafür oba: endi uuirdit siin hrduom oba sînêm sculdrô
m. Isidor 22, 10
Hench; und in: ioh bidhiu huuanda ir in siin selbes sculdrôm (
lat. nur humeris) siin crûci druoc. 23, 2. — sich auf eines schulter stützen: und wenn sie nun manchmal an unsicherer stelle seine ausgestreckte hand ergriff, ja sich auf seine schulter stützte. Göthe 17, 82 (
wahlverw. 1, 7); sich setzen (
von vögeln): und als sie (
die tauben) das gerufen hatten, kamen sie beide herab geflogen und setzten sich dem aschenputtel auf die schultern. Grimm
märch. 99;
ähnlich übertragen: einem immer auf den schultern sitzen,
essere, stare sempre alle spalle di uno; assediarlo Kramer
dict. 2, 681
c. — einem auf die schulter klopfen: Wurm (klopft ihm auf die schultern). Schiller
kab. u. liebe 5, 8; da trat ein demokrat geradezu auf ihn ein, schlug ihm vertraulich auf die schulter und fragte: nun herr general! Gutzkow
ritter vom geist 4, 76; endlich glückte es, ihn durch freundliches klopfen auf die schulter und gutes zureden soweit zu bringen, dasz er wieder die zügel ergriff. Freytag
werke 1, 78; da klopfts ihm auf die schulter sacht. Uhland
ged. (1864) 321. auf die schulter fallen: wer auff die schuldern hart gefallen, .. der nehme poley. Colerus
hausb. (1680) 2, 143
a. — bis auf: die mähnen gehen über den hals bis auf die schultern,
jubae per colla ad humeros diffunduntur Steinbach 2, 524; sie griff aber nach dem hütchen und zog es ab, da rollten seine goldenen haare auf die schultern herab. Grimm
märchen 529 (
andere nur bildliche redeweisen s. unter 2). II@1@d@bβ) an: umb so vil Xantus desto mehr, sich wider jhn auffleinet sehr, und schier sein gantzen leib umbfieng, jhm gleich bisz an die schulter gieng. Spreng
Il. 295
a; entschwebtest du dem seelengefilde schon, du süszes mädchen? wehet das flügelkleid dir an der schulter? Hölty 104
Halm. II@1@d@gγ) hinter den schultern
für das gewöhnlichere hinter dem rücken: ihm, dem ruhmsüchtigen, wird man es erst hinter den schultern leise lispeln, dann laut und lauter sagen. Göthe 8, 289. II@1@d@dδ) in (
ahd. s. α): der schmertz ziehet sich in die schultern,
dolor tendit ad scapulas Steinbach 2, 524; es finden sich auch biszweilen hinden in den schultern etliche gebrechen. Colerus
hausb. (1680) 2, 143
a; gesüchte legen sich biszweiln in die schuldern, arm, schenckel und gantze beine ... die machen, dasz einem in den schultern ... die glieder ... wehe thun.
ebenda. —
freier in der verbindung sich in die schultern werfen (
gewöhnlicher in die brust,
s. theil 2, 446)
als ausdruck des stolzes oder selbstbewusztseins: eine ungeheure ohreule, welche ... sich in die schultern warf, wie ein alter professor, der so eben den theriak erfunden hat. Brentano 4, 248. II@1@d@eε) über: über die schultern herhangen,
ab humeris dependere Stieler 2053; über die schultern herabhangende, fallende
ò fliegende haar. Kramer
dict. 2, 681
c; der nehme poley, und siede sie wol, und lege sie über die schuldern. Colerus
hausb. (1680) 2, 143
a; der schulze maasz dem knechte hafer zu, womit dieser, den sack über der schulter, langsamen schrittes nach dem pferdestalle ging. Immermann
Münchh.2 1, 159; dann warf er es (
das gewehr) wieder über die schulter. 161; (
sie) pustete (
vor kälte), rieb sich die hände, stekte sie unter die schürz', und schlug sich über die schultern. Voss 2, 285. einem über die schulter sehen
u. ä.: der könig stellte sich auf die fuszspitzen und sah ihm über die schulter. Grimm
märchen 25; wenn er sie recht ins auge faszte, so schaute auch Praxedis schwarzäugig köpflein über ihrer herrin schultern zu ihm herüber. Scheffel
Ekkeh. 96.
sprichwörtlich: einen über die schultern (achseln) ansehen,
von oben herab, geringschätzig Wander 4, 386, 23: das bettelvolk, dem sein schaales lob für einen oder ein paar gulden feil ist, magst du meinetwegen über die schulter ansehen.
Siegfr. v. Lindenb.4 4, 335. II@1@d@zζ) um: so lasse er auff dem nächsten dorff ... einen hammel oder lamm schlachten, und nehme die haut bald davon, .. und binde sie oben um die schuldern, das es ihme wehe thut. Colerus
hausb. (1680) 2, 143
a; seine haare hingen nachlässig in langen natürlichen locken um seine schultern. Wieland 30, 380; es ist ein wunschmantel, wenn du ihn um die schultern wirfst, brauchst du dich nur an einen ort zu wünschen, und im augenblick bist du dort. Grimm
märch. 473; wie glücklich, wem das knabenkleid noch um die schultern fliegt. Hölty 121
Halm; die pfauenfeder trägst du stolz zur schau, und schlägst den purpurmantel um die schultern. Schiller
Tell 2, 1. II@1@d@hη) von: an dem stain man vint ainen halben menschen von den schuldern unz an die nierstat. Megenberg 468, 4; und golden wallete nieder das haar bis mitten zum bug von den schultern. Voss
Ovid 2, 270 (52, 190); zu der zeit wird seine last von deiner schulder weichen müssen, und ein joch von deinem halse.
Jes. 10, 27; jauchzend risz der junge mann das gewehr von der schulter. Immermann
Münchh.2 1, 161. II@1@d@thθ) zwischen: schwer sasz das schwere haupt zwischen den schultern. Scheffel
Ekkeh. 153.
freier: das liebliche des herrn wird sicher wonen, allezeit wird er uber jm halten, und wird zwisschen seinen schuldern wonen.
5 Mos. 33, 12. II@22) schulter
wird häufig in freierer bedeutung oder im bilde gebraucht, so schon vielfach in den unter 1,
c—
d angezogenen stellen. II@2@aa)
das tragen einer last auf der schulter steht als bild für die übernahme einer schweren arbeit, s. 1,
d, α.
dieselbe übertragung liegt auch folgenden verwendungen zu grunde: dasz wir nichts damit suchen, als diejenigen abzuschrecken, welche ihre schultern einem werke unterziehen, dem sie nicht gewachsen sind. Lessing 3, 216; bist du begierig etwas von meinen trauerspielen zu wissen, und darauf musz ich dir sagen, dasz ich biszher auf nichts als auf die plane gedacht weil ich die ausführung für meine noch zu schwache schultern unmöglich fühle. Göthe
br. 1, 90
Weim. ausg.; er setzte sich .. und überlegte wie er seine schultern von dieser bürde frei machen könnte. Grimm
märchen 576.
auch: meine schultern tragen Ilium. Schiller 1, 127. II@2@bb)
von demselben bilde gehen ferner folgende festgeprägten wendungen aus: II@2@b@aα) auf beiden schultern tragen,
es mit verschiedenen parteien zugleich halten Wander 4, 386, 15: dasz ertz-bischoff Sigfried ein heuchler gewesen, und den baum öffters auf beyden schultern getragen, hat Pagi schon erkannt. Hahn
histor. (1723) 3, 62,
not. b; dasz Tissaphernes mit dem Alcibiades den Peloponnesiern zum nachtheil arbeitete, und auf beiden schultern trüge. Heilmann
Thuc. 1131; er (
Joh. Müller) ist mir nichts und kann mir nichts werden, so wie ein jeder, der den mantel nach dem winde hängt und mit beiden schultern trägt. Forster
briefe 1, 271; oder meint er, ich hätte sollen hier bleiben und etwa, wie so mancher hier, den baum auf beiden schultern tragen können? 2, 356; machen sie diesem bemerkbar, dasz man in meinem dienst nicht auf zwei schultern trägt. Freytag
handschr. 2, 295; beim fuchsz wirdt der fein angezeygt, dern stein auff beiden schultern tregt, zugleich beyd schleiffen kan und wenden, und sich schmücken an allen enden. B. Waldis
Esop 4, 7, 124. II@2@b@bβ) etwas auf die leichte schulter (
gewöhnlich achsel) nehmen. der dritte aber nahms auf die leichte schulter und sprach: 'brüder, fürchtet nichts'. Grimm
märchen 483. II@2@cc) auf jemandes schultern stehen,
seine arbeit fortsetzen u. ä.: wer einem andern auff den schüldern stehet, der kan weiter sehen denn er. Petri Fff 1
a; Bayle, welcher immer auf Montagne's schultern steht. Schlosser
weltgesch. 13, 481. II@2@dd)
seltnere übertragungen: eine gute schulter,
id est, freund, patronen an einem haben,
haver spalla cioè appoggio, sostegno in qualcheduno Kramer
dict. 2, 681
c. II@33) schulter
von thieren, der gewöhnlichen umgangssprache fremd, doch häufig in bestimmten speciellen verwendungen. II@3@aa)
allgemein: schulter an tieren,
armus Stieler 2053. Steinbach 2, 524. Frisch 2, 233
a; so eine katze offt und lang ihr füsse lecket, und streichet sich an dem halse gegen den schultern ... so erwartet sie regen. Colerus
astrologia (1680) 9
b, 213.
dafür gewöhnlich bug: der löwe mit rauchen [langhaarichten] bügen [schultern] brüllet abschewlich. Comenius
sprachenthür 202;
so in der sprache der roszhändler schulter des pferdes,
s. Jacobsson 7, 279.
sonst nur poetisch: schnell, wie er ankam, schirrt' er ins joch erzhufige rosse, stürmenden flugs, umwallt von goldener mähne die schultern. Voss
Il. 13, 24;
sogar bei den käfern die obern und untern flügeldecken Behlen 5, 557;
ebenso: die häuschrecken snurrent mit irn flügeln in dem flug ... und habent auf der schultern zuofüegung ain scherpfen sam zend. Megenberg 304, 7. II@3@bb)
häufiger von den schulter- (
bug-)
stücken geschlachteter thiere: darnach soltu nemen das fett von dem wider, den schwantz .. und die rechte schulder.
2 Mos. 29, 22; und die rechte schuldern sollen sie dem priester geben zur hebe von jren danckopffern.
3 Mos. 7, 32; jr (
der geopferten erstgeburten) fleisch sol dein sein, wie auch die webebrust und die rechte schulder dein ist.
4 Mos. 18, 18; da trug der koch eine schulder auff und das daran hing.
1 Sam. 9, 23; thu die stücke zusamen drein, die hinein sollen, und die besten stück, die lenden und schultern.
Hesek. 24, 4.
vgl. die glosse: copadium,
interna viscera animalium vel sculterra. Schm. 2, 416. II@3@cc)
so aber besonders vom schweine, vorderschinken; häufig auch schulter
ohne zusatz: perna prior, est, eine hamme oder schulter, ein förder viertheil an einem schwein. Corvinus
fons lat. 483
a; schulter am schwein,
perna Stieler 2053; item, schwantzstücke, hammen (schultern), schincken und speckseiten. Comenius
sprachenthür 421;
perna, schulter, forder schweine hame sampt dem fuosz. Junii
nomencl. (1629) 48
bei Schm. 2, 416.
hauptsächlich im mhd. und ältern nhd., s. Lexer
handwb. 2, 814: auch giltet der hof sechs schultern.
quelle vom j. 1334
bei Schm. 2, 416; Rudolf ab der Plen dient zwo schultern und ein vaschanchhuen.
quelle von 1334
bei Lexer
a. a. o.; die müli giltet zwô schultera und driu hüenr.
s. ebenda (
vom j. 1386); ob auch unser leut daselbs iren zins ângevärd nicht möchten gehaben, es wär getraid, wein, rinder, schaff, schultern, kitz oder lemper.
tir. weisth. 4, 97, 6 (
vom j. 1396); item zu weinachten in feirtagen so soll der ambtman schaffen zu beruefen, das die von Campedell ... die culta portadura und schultern zinsen und bringen gegen Campedell. 740, 31 (
vom j. 1451); auff den oster montag gibt man ytzlicher ij stucke gebraten und ein stucke schuldern.
speiseordnung des nonnenkl. Lausnitz (
Thür.)
vom j. 1485,
s. correspondenzbl. des ges. vereins der d. gesch.- u. alterth.-vereine 1867,
s. 27
b; für ain swein schulter vier kreützer.
landsordn. von 1526
bei Schöpf 651; also seihstu ietz wie saur der essig ist, mit dem man iszt die schweinen schulteren, oder hammen. Keisersberg
narrenschiff 110
a; ein knabe, der het in sîner phlege gesoten schultern unde brôt.
Erec 3492; frouwe, ich sende iu zwelf prôt, schultern unde hammen drî.
Parz. 190, 11; den sult ir czu tragen braten, schuldern und ouch vladen. Mone
altd. schausp. 2, 1176. II@44)
von andern gegenständen. II@4@aa)
in poetischer personificierung werden zuweilen auch leblosen dingen schultern
beigelegt: und die wellen unter mir trugen das mondensilber auf ihren klaren schultern hastig und kichernd zu thal. Keller 1, 261. II@4@bb)
in der sprache der bibel auch von dem theile des kleides, der die schultern bedeckt: und solt sie (
den siegel) auff die schultern des leibrocks hefften, .. das Aaron jre namen auff seinen beiden schultern trage fur dem herrn zum gedechtnis. 2
Mos. 28, 12; und hefftet sie auff die schultern des leibrocks. 39, 7. II@55)
technisches: II@5@aa) schulter,
ala, Gall. epaule de bastion, im vestungs-bau, das stück des walles so zwischen der face und der streiche eines bollwerks liegt. Frisch 2, 233
a;
vgl. Eggers
kriegslex. 2, 847. Jacobsson 4, 63
a. II@5@bb) schultern eines schiffs,
épaules d'un vaisseau, '
die beiden vorderseiten, welche zwischen dem gallion und dem fockmaste hervorgehen' Eggers
a. a. o. Jacobsson
a. a. o. II@5@cc)
die einschnürung eines lampencylinders heiszt schulter
oder kniff Karmarsch-Heeren
3 5, 246.