schwegel,
f. pfeife, flöte, altgerm. bezeichnung aus unbekannter wurzel, vergl. Grimm
gramm. 3, 468. Weigand 2, 669. Wachter 1485
f.; die zusammenstellung mit griech. σίζω und lat. sibilare (
vgl. Feist
got. etymol. s. 113. 146)
ist unhaltbar; vergl. Uhlenbeck
s. 139,
der dafür an got. svegnjan,
frohlocken, triumphieren, svogatjan, gasvogjan,
seufzen erinnert; weiterhin darf man wol auf ags. swég,
geräusch, swégan
und swógan,
tönen, hinweisen, s. Graff 6, 857.
belegt ist das wort nur got. (
in den ableitungen sviglja
und sviglon),
ags. (swegl
musik, selten, dazu swegel-horn
und swegel-rád,
musik Bosworth-Toller 947
a)
und hd. ahd. suegala, -ila, -ela, suuegula (
schwach flectiert),
dazu suegelbalch
und balcsuegala
tympanum, suegilbein, -sanc Graff 6, 857
f.; mhd. swegele
flöte, auch speiseröhre Lexer
handwb. 2, 1349
f.: barbitus suegila, swegele, schwegel Dief.
gloss. 68
a;
fistula .. suegili, swegel, fleut. 237
a;
sambuca .. swegel, swegel-
u. swigelpfiffe
vel swibel, sackphiff. 509
c; pfeiff, schwegel
nov. gloss. 325
c; schwegel, schalmey. 364
a; swegel, swagel, schwegel, schwägele, schwäglen.
gloss. 582
c;
el fiabuolo die swegel.
voc. venez.-todesc. v. 1424
bei Schm. 2, 628;
vgl. auch Dief.-Wülcker 849;
auch mnl. (?): sweghel, sweghel-pijpe
germ. sax. sicamb. tibia Kilian;
nhd. im 16.
jahrh. noch weit verbreitet, im 17.
stirbt es allmählich aus, seitdem nur noch in bewuszter auffrischung alterthümlichen (
oder mundartlichen)
sprachgebrauchs; neben schwegel, schwegle
findet sich auch die schreibung schwägel (
sp. 2176)
und die form schwiegel (
s. daselbst),
die ihr i
wol der ableitung mhd. swigeln (
neben swegelen,
s.schwegeln)
verdankt: schwegle
tibia Dasypodius; schwäglen (die)
fistula, tibia. zuo schwäglen dienlich.
tibialis, darausz guot schwäglen oder pfeyffen zemachen. Maaler 364
d; zuo einer schweglen, zingken, oder flöuten singen,
canere ad tibiam. 366
d; fleüte, flöte, schweglen, art einer pfeiffen,
fistula, tibia Henisch 1143, 50; schwegle, zwerchpfeiffe,
f. fleute Hulsius 292
b; schwegle,
f. fistula zwergpfeiffe Schottel 1412; schwegle-pfeiffe
ò schwegle,
f. sveglione, piva traversa da guerra Kramer
dict. 2, 706
c;
mit weiterer entstellung schwälge, schwelge,
et schwegle, die,
tibia, fistula, alias eine qverchpfeife. Stieler 1970.
jetzt noch in den oberdeutschen mundarten, vielfach in schwebel
oder ähnliches entstellt, schweiz. schwägle, schwegel Stalder 2, 358 (
dazu schwebelpfeife 361). Tobler 403
a;
schwäb. schwegel Schmid 487;
bair. schwegal Schm. 2, 628; schwegel (-pfeiffe),
auch die schwiegel,
pfeife gemeiner leute in den dörfern (
daher kroat. svegla) Höfer 3, 128;
tir.-kärnt. schwögl Schöpf 660. Lexer 228. Frommann 6, 206.
das wort bezeichnet meist eine kleinere, ältere art der flöte oder querpfeife. belege aus der litteratur: sih thâr ouh al ruarit,thaʒ organa fuarit, lîra joh rotta,joh managfaltu suegala. Otfrid 5, 23, 198; herpfen, rotten und geigen wil süʒʒe andaht, zuht und sweigen, urleuge wil toben und schrien, buden, swegeln und schalmien. Hugo v. Trimberg
renner 5914; seine (
des behemoth) gebain sein als die schwegeln des eres (
erzes).
bibel von 1483 262
a (
ossa ejus velut fistula aeris. Hiob 40, 13); die schwegeln und die psalteri machen den süszen don und die senft zung ist uber yetweders. 333
b (
tibiae et psalterium suavem faciunt melodiam. Sirach 40, 21, Luther: pfeiffen und harffen lauten wol); dem jungen folk sol zugelassen sein zu nachts an der gassen abent tentz, doch allein nach lauten geigen schwegeln und der gleichen.
Ulmer rathsprotoc. von 1527
bei Schmid 487; jr habt in eweren zechen, harpffen, leyren, baucken, schwegelen, zwerchpfeyffen und wein. Franck
laster der trunkenheit A 3
b; mit sovil instrumenten, als trummeten, pusaunen, zincken, trummen, pfeiffen, schweglen.
weltbuch 195
b; (
Thucydides) leret, das die Lacedemonier in den kriegen sich der weis der schweglen gebraucht habend (
tibiarum modulis .. esse usos).
Virgilius von den erfindern, übersetzt von Alpin. (
Augsb. 1537) 22
a; da erhub sich ein lieblich instrument von einer orgel, dann die positiff, dann die harpffen, lauten, geygen, posaunen, schwegel, krumbhörner, zwerchpfeiffen und dergleichen.
volksbuch von dr. Faust s. 23
neudruck (
s. auch Simrock
volksb. 4, 17); disen namen (
fistel) gaben die Lateinischen diesem verderblichen geschwer von fistula, das ist ein pfeiffen. dann zugleich wie ein schwegel lang unnd hol, also ist auch disz geschwers art. Wirsung
arzneib. (1597) 613 D; der eine bläst die kurze querpfeife, die man schwegel nannte. Vischer
auch einer 1, 316; auf lauten, schweglen, harpfen, leyr wonet bei ihnen all freud und mut schimpf müssiggang und liebe gut. Wickgram
kunst zu trinken (1537) 2, D 2
b; auch must mit schwegel und drometten zu nacht herumbher gehn hofiern. H. Sachs 2, 2, 49
c; (
ich) kan pfeiffen auff der hültzen schwegel. 4, 3, 62
b; keiner war sein geleich mit sprechen und mit singen, sonst mit höfflichen dingen, als mit geigen und schwegeln. 5, 384
d; Pan suchet die keule, die tasche, die schwegel. Scherffer
ged. 141.
sprichwörtlich: tibiam tubae compara, ausz einem furtz einn donnerschlag machen. wir sagen auch, wann man gar ungleichs wil vergleichen: er macht ausz einem graben einn berg, ausz einr mucken ein elephant, ... er vergleicht ein schwegel einer posaunen. Franck
sprichw. 2, 103
b. —
bildlich (
von Johannes dem täufer): ein vrônir bote des gotis sunis .. der altin ê und der niuwin ê ein wâriu swegile.
spec. ecsles. s. 90
Kelle. —
als technischer ausdruck für eine bestimmte art der orgelpfeifen, s. schwiegel. —
folgende stelle ist unklar und enthält vielleicht ein ganz andres wort: mit iren listen und bösen schwegel meint er zuo nötten die guten vögel.
d. städtechron. 22, 360, 25; bis [sie] die sechs der frumen vögel vertilgten mit irem valschen schwegel. 361, 26.
man könnte an '
lockpfeife'
denken, wenn schwegel
in diesem sinne nachweisbar wäre; doch würde damit das bild gröblich zerstört, da an beiden stellen vögel (der rapp,
Ulrich Schwarz, bez. der rapp mit seinen weyen und geyren)
als subject genannt sind. Roth
im glossar erklärt '
list, hinterlist' (
zu 'swîchen'?).
die andren handschriften (
s. Liliencron
hist. volksl. 2,
nr. 151,
v. 101
und 138)
lesen dafür schnebel(n).