stabwurz,
f.,
name der aberraute, artemisia abrotanum, auch eberraute, abraute, affrusch, gartenhan, garthagen, -heil, -wurz, gertelkraut, kuttelkraut, kampferkraut, schloszwurz
u. s. w. Nemnich. Pritzel - Jessen. Ehrhardt
öconom. pflanzenhist. 11, 16 (1761). Oken 3, 764.
so schon ahd. stabewurz,
abrotanum. Graff 1, 1052;
alts. dictamnum stafuúrt. Wadstein 106
a, 23 (
Straszb. glossen);
mnd. stauenwort Schiller - Lübben 4, 370
b;
mhd. stabwurz Lexer
handwb. 2, 1126:
abrotanum hd. gart-, gert-, stab-, stabe-, staubwurtz, -wortze. Dief.
gloss. 4
c; schab(e)-, stagwurcz
nov. gloss. 3
b; nim die rûtun, marubium, stabewurz mit gelîchir mâze.
arzneib. 1, 10
Pfeiffer (12.
jahrh.); '
bei der heiligen Hildegard (1, 106)
heiszt die eberraute stagwurts
und abrotanum,
im 16.
jahrh. stabwurz
und gertzwurz.' Fischer - Benzon
altd. gartenflora (1894) 75.
vgl. Grimm
myth.4 3, 357.
sehr häufig in älteren nhd. wörter- und kräuterbüchern u. ähnl.: stabwurz
abrotanum. vocab. rerum (1509) 46; abrotanum, stabwurtz, oder schosszwurtz, oder gartenkraut. Gersdorff
feldtb. der wundartzney (1530) 100
d (
vocab. herbarum). Dasypodius; von stabwurtz, gertwurtz. Bock
kreütterbuch (1539) 1, 97
b; von der stabwurtz sagt er (
Dioscorides), abrotanum heysz absynthium ponticum, also haben wir die zwen wermuot ausz Ponto, unnd mögen dise zwey gewächs, wermuot und stabwurtz oder gertwurtz, eyner ley krafft und würckung haben ... sunst nent man stabwurtz, abutonon, heraclium, cholopeon, thelyphthorion, ... und absynthium für sich selbs. das wild stabwurtz, nent man besem kraut, umb seiner vilen reiszlin oder dünnen gertlin willen. 98
a; stabwurtz,
abrotanum, et abrotanus. weyn ausz stabwurtz oder gertwurtz gemacht,
abrotonites. Maaler 383
a; stabwurtz wirdt auch geheissen schoszwurtz, gertwurtz, affrusch, garthegen, kuttelkraut, ganserkraut. ... stabwurtz ist zweyerley, wild und zam. Lonicerus
kreuterb. (1577) 183 B; disen monat (
sept.) sind folgende kräuter am besten: coriander, .. stabwurtz oder garthagen. Sebiz
feldb. 59; wann einer den geruch verloren hat, ... so mach er ein rauch von schabab ... desgleichen von stabwurtz oder garthageln oder kuttelkraut. 76; stabwurtz, auff frantzösisch
garderobbe genant, wächszt eher auff, wann man die jungen schöszlin ... setzt, dan wann man jn säyet. 247;
abrotanum, camphorata, stabwurtz. Frischlin
nomencl. (1586) 46
a (
cap. 34); stabwurtz ist zweyerley, das männle unnd weible. Camerarius
Matthioli kreutterb. (1590) 235 B; es wirdt noch ein andere stabwurtz in den gärten gezielet, die sie grosse stabwurtz nennen. C; stabwurtz, gertwurtz, garthaber, schoszwurtz, heist griechisch und lateinisch
abrotanum. 236 A; stabwurtz. in den gemächern, oder wo solch gewürm ist, behalten, und noch mehr angezündet und gereuchert, kan disz gewürm nicht erleiden. Wirsung
artzneyb. (1597) 760 B; gertel, gertwurtz, affrusch, garthagen, garthan, schoszwurtz, und stabwurtz.
ders. im 1.
reg.; cipresz, stabwurtz, gertwurtz,
abrotonum, officin. camphorata, duplex maior et minor. maior ist ein staud,
minor ist ein kraut. Henisch 607, 1; stabwurtz,
f. auronne. cipresso domestico. Hulsius 305
a; die stabwurtz oder ebereisz
abrotonum. Comenius (1644)
s. 36;
asphodille ... die stabwurtz. Duez
le vray guidon (1657
und 1669) 210 (200); stab-wurtz,
f. stab-kraut,
n. abrotano. Kramer
dict. 2, 899
c; stabwurz, die,
al. gartenheil. Stieler
nachsch. 29
a;
abrotanum, stabwurtz, gartheil, garthagen. Woyt
gazophylacium8 (1734) 4; stabwurtz, aberraute, abraute, affrusch, eberraute, ebenreisz, ebrisch, garthagen, garthan, gartenwurtz, gertel-kraut, gertwurtz, hof-raute, küttel-kraut, ist ein kraut männlichen und weiblichen geschlechts.
öcon. lex.2 2792;
s. ferner hortus sanitatis (
Augsb. 1486)
cap. 2. Phrisius (
Straszb. 1514). Petrus de Crescentiis (1531) 114. Leonh. Fuchs
histor. stirpium (
Basel 1542) 1,
s. 8. 2, 1. 3, 4. W. Turner
a new herball (
London 1551) 6. Kyber
lexicon rei herb. trilingue (
Straszb. 1553) 5. Dodoneus (
Antwerpen 1583) 24. Schwenkfelt
stirpium catal. (
Leipzig 1600) 223. Frisch 2, 314
a. Adelung. Popowitsch 554—6. Heynatz
antibarb. 1, 17. Krünitz 167, 600.
die beiden geschlechter werden als stabwurz-männlein und weiblein unterschieden; daneben wird die bezeichnung stabwurz
auch auf das männliche geschlecht eingeengt. so sagt zwar Handsch
new kreüterb. v. Matthiolo (1563) 279 B: stabwurtz ist zweyerley, das männle und weible,
überschreibt aber die abbildungen: stabwurtz,
abrotanum mas, und cypressen,
abrotanum foemina, und entsprechend das capitel: von stabwurtz und cypressen. 278 D;
ebenso Camerarius 235 A;
ferner: das weiblein von stabwurtz nennen wir cypresz, und gartencypresz
abrotonum foemina. Wirsung
im reg. (
unter gertel);
abrotonum ... stabwurtz, gartham:
abrotonum mas scilicet. nam abrotonum foemina, santolina est, cypressen. Corvinus
fons lat. 4
a.
umgekehrt wird dann die bezeichnung stabwurzweiblein auf eine ähnliche kleine pflanze übertragen, das cypressenkraut, oder die gartencypresse, santolina - chamaecyparissus. Nemnich. Pritzel-Jessen (
auch cypressenstabwurz,
alles aus Tabernaemont.);
cupressus herba, stabwurtz-weiblein, garten-cypresz, wird in gärten erzogen, kommt an kräfften gantz der stabwurtz gleich, sonderlich aber ist sie berühmt wider den weissen flusz. Woyt 262.
mehr arten unterscheidet Tabernaemont.: der stabwurtz oder gertwurtz haben wir zu unserer zeit fünff geschlecht. 50 D,
nämlich: 1. stabwurtzmännlein
ebenda. 52 F; 2. stabwurtz-weiblein 50 G,
dazu: das ander geschlecht der stabwurtz, welches von Dioscoride das weiblein genant wird, und von uns Teutschen cypreszkraut oder garten cypresz. 51 E. 52 H; 3. wild stabwurtz,
abrotonon campestre. 51 A. Kf,
auch feld-stabwurtz
und besemkraut. 53 A; 4. breite stabwurtz,
abrotonum latifolium. 51
F. 52 A. 53 A; 5. kleine stabwurtz,
abrotonum humile. 51 C. 52 B,
auch welsch stabwurtz. 53 B;
zusammenfassend: von krafft, wirckung und eigenschafft der
stabwurtzkräuter. 53 C; stabwurtzkraut gepülvert. E.
in der fruchtbringenden gesellschaft war stabwurtz
das '
gewächs'
des Rudolph von Rabiel (235),
s. neuspross. palmb. s. 257.
heute ist stabwurz
mundartlich für das österr. gebiet bezeugt. Höfer 3, 171. Unger-Khull 567
b. —
zur erklärung des namens bemerkt Popowitsch 554: hat den namen von den langen schlanken gerten, die ihre stengel sind;
ähnlich Nemnich
und Adelung. (Höfler
krankheitsnamenb. 670
b bezieht es, kaum mit recht, auf stab II, 11,
i.)