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Seit

ahd. bis spez. · 17 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Adelung
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25 in 17 Wb.
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Eintrag · Adelung (1793–1801)

Seit

Bd. 4, Sp. 40
Seit, eine Partikel, welche das Schicksal aller Partikeln gehabt, d. i. in ihren Bedeutungen und Gebrauche beträchtliche Veränderungen erfahren hat, welche hier angeführet werden müssen, damit man die Abstammung dieses Wortes in der heutigen desto besser übersehen könne. Es bedeutete, 1. * Eigentlich dem Orte nach, niedrig, unten, das untere, welches wenigstens eine der ersten und eigentlichsten Bedeutungen ist, wo es sowohl als ein Nebenwort, als auch als ein Beywort üblich war. Im Hochdeutschen ist es völlig veraltet, allein im Niedersächsischen, Schwedischen und Dänischen ist es noch völlig im Gange. Nieders. sied, ein sieder Stuhl, ein niedriger, das Wasser ist sieder geworden, Dän. siid, Schwed. sid. Es ist hier gewisser Maßen das Stammwort von den Intensivis sitzen und setzen, und in Ansehung des Oberd. Sint, von sinken, senken; wenigstens ist es mit ihren Stämmen sehr nahe verwandt. 2. Figürlich, was der Ordnung, Zahl und Zeit nach auf etwas anderes folget. (1) * Der Ordnung nach, wo sith im Angelsächsischen sowohl als ein Bey- als Nebenwort, das nachfolgende, und sythest der letzte ist. Im Schwed gleichfalls sid, sidst. In Hochdeutschen ist diese Bedeutung fremd. (2) * Der Zahl nach, für weniger, eine im Deutschen gleichfalls unbekannte Bedeutung, in welcher aber das Schwedische sid üblich ist. (3) Der Zeit nach. (a) * Für spät, sowohl als ein Bey- als ein Nebenwort. Bey dem Ulphilas seit, im Schwed. sid. Der e wart oder sit, Walther von der Vogelweide, der ehe oder später ward. Auch diese Bedeutung ist veraltet. (b) * Für hernach, als ein Nebenwort, ingleichen für nachdem, als ein Bindewort, ein gleichfalls ungewöhnlich gewordener Gebrauch, welcher doch in Ottfrieds lid mehrmals vorkommt. Auch im Schwedischen ist sedan, und zusammen gezogen sen, hernach, nachdem. S.[] Sint. (c) Eine Zeitfolge von einem gewissen bestimmten Zeitpuncte an zu bezeichnen, als ein Nebenwort, in welcher Bedeutung es im Hochdeutschen allein noch üblich ist, und alsdann im Oberdeutschen auch sint, sinter, im Niederdeutschen seder, sedert, sedder, sunt, lautet Engl. sith, since, Schwed. sedan. Wenn die Zeit in Gestalt eines Hauptwortes ausgedruckt ist, so stehet dieses in der dritten Endung, weil seit eines von denjenigen Nebenwörtern ist, welche ehedem auch als Vorwörter gebraucht wurden, oder doch den Übergang der Nebenwörter in die Vorwörter ausmachen, also von beyden etwas an sich haben. Seit dem Tage, da ich die Kinder Israel aus Egypten führete, 2 Sam. 7, 6. Seit der Zeit (daß) Menschen auf Erden gewesen sind. Offenb. 15, 18. Seit seinem Tode. Ich habe ihn seit Einem Jahre nicht gesehen. Seit Pfingsten, seit gestern. O, wie liebt ich dich, seit jenem Tage, u. s. f. Geßn. Seit welcher Zeit hat er nicht geschrieben? Seit wenn ist er dein Freund? Antw. seit vielen Jahren. Die Verbindung mit der zweyten Endung ist im Hochdeutschen ungewöhnlich. Sint des kamen die Kriegsleute nicht mehr in das Land, 2 Kön. 6, 23. Seit des Ungewitters, Opitz. Seit meines Hierseyns, in welchem letztern Falle es aber richtiger Zeit meines Hierseyns heißt, so fern es nicht einen terminum a quo, sondern die Länge der Dauer bestimmt, wie man auf ähnliche Art sagt Zeit meines Lebens. Wenn der Zeitpunct, auf welchen sich seit bezihet, ein ganzer Satz ist, so wird dem Nebenworte noch das Fürwort dem zugesellet, so daß daß ausdrücklich folgt, oder auch wegbleibt, welches letztere oft der Wohlklang erfordert. Er ist mein Freund, seit dem, daß ich ihn kenne, oder besser, seit dem ich ihn kenne. Seit dem ich von dir schied, bin ich der Freude unbekannt geworden, Dusch. Seit dem ich sie traurig gesehen habe, habe ich große Lust es auch zu seyn, Gell. Die Schreibart seitdem läßt sich nicht mit nachdem entschuldigen, weil die Bedeutung hier figürlich ist, in seit dem aber nicht; indessen läßt man beyde Wörter lieber getheilt, wie in vor dem, aus dem u. s. f. Das dem wird von der höhern Schreibart oft mit Nachdruck weggelassen. Fünf Tage sinds nun, seit er uns beyde auf seinem Schoß hatte und weinte, Geßn. Geneuß, geneuß der Ruh, dir dir entzogen, Seit ich dieß Feuer angefacht, Raml. In der Oberdeutschen Mundart ist diese Weglassung schon alt; doch behält sie alsdann gern das daß bey. Sit das ich si so gar herzeclichen minne, Kaiser Heinrich. Sit das der winter hat die bluomen in getan, König Wenzel. Oft stehet sowohl in dem Vor- als in dem Nachsatze ein seit, da denn das letztere das dem bekömmt, das erstere aber desselben entbehren kann. Seit du auf dem Steine beym Brunnen mir das Frühlingslied sangest, seit dem habe ich dich nicht gesehn, Geßner. Seit der erhabne Friederich Für Gott und Vaterland ficht. Seit dem, ihr Musen, nahm ich nicht Die Leyer in die Hand, Gleim. (4) Nach einer noch weitern Figur, als ein verursachendes Bindewort, für da, weil; eine veraltete Bedeutung, in welcher seit im Schwabenspiegel häufig vorkommt, und welche noch in sintemahl übrig ist, S. dasselbe. Seyd nun die Keltin ist ein sach der Forcht, so u. s. f. weil nun die Kälte eine Ursache der Furcht ist, Buch der Natur, 1483. Seyt ir mich thut fragen, so wil ich euch sagen, Theuerd. Kap. 25. Anm. Hieraus erhellet, daß weder Wachters und Frischens Ableitung von ειτά, noch Gottscheds und anderer von Zeit, die wahren[] sind. Der letzte tadelt um deßwillen den Ausdruck seit der Zeit, der aber immer untadelhaft seyn würde, wenn auch die angegebene Ableitung richtig wäre. S. auch Sint.
5407 Zeichen · 82 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 8.–11. Jh.
    Althochdeutsch
    seit

    Etymologisches Wb. des Ahd. (EWA) · +1 Parallelbeleg

    seitariAWB m. ja-St., in Gl. 3,232,72 (SH): ‚Saitenmacher; cordex (chordifex)‘. Ableitung von seita mit dem Nomina agent…

  2. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    seitstm.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +9 Parallelbelege

    seit stm. ein leichtes wollenzeug. mlat. sagetum , ital. sagetta dim. von saja, franz. sayette Diez wb. 363. Schmeller 3…

  3. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Seit

    Adelung (1793–1801) · +5 Parallelbelege

    Seit , eine Partikel, welche das Schicksal aller Partikeln gehabt, d. i. in ihren Bedeutungen und Gebrauche beträchtlich…

  4. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    seit

    Goethe-Wörterbuch

    seit Belegschwerpunkt in A A temp Präp (mit Dat): von einem bestimmten (genannten) vergangenen Zeitpunkt od -raum an (un…

  5. modern
    Dialekt
    Seit

    Lothringisches Wb. · +4 Parallelbelege

    Seit s. Sit.

  6. Spezial
    seit

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    seit I praep. 1 (Zeitraum) da, da ... incá: er wartet seit einem Monat al aspeta da n mëis incá 2 (von einem Zeitpunkt a…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit seit

550 Bildungen · 506 Erstglied · 35 Zweitglied · 9 Ableitungen

seit‑ als Erstglied (30 von 506)

seither

SHW

seit-her Band 5, Spalte 979-980

seitherig

SHW

seit-herig Band 5, Spalte 979-980

seitwärts

SHW

seit-wärts Band 5, Spalte 979-980

seitab

DWB

seitab , adv. zur seite weg: seitab, seorsim, juxta, secundum; seit ab gehen, deflectere, decedere, subducere sese. Stieler 2 ; seitabbaden …

seitabverzerrung

DWB

seitab·verzerrung

seitabverzerrung , f. : dasz ich mich selbst, da ich dies schreibe, vielleicht den giftigsten, hönischsten seitabverzerrungen aussetze. Herd…

seitblicken

DWB

seit·blicken

seitblicken , n. : ha! manchmal läszt sie mir die thür halb offen stehn, seitblickt mich spottend an, ob ich nicht fliehen will. Göthe 2, 94…

seitchens

RhWB

seitchens sēdχəs Birkf-Idar ; -ei-, -ęi- Trier-Stdt , uMos, Westerw; -id- Siegld Adv.: seitwärts, seitlich, schräg; s. gihn neben einem gehe…

seitdem

Pfeifer_etym

seit·dem

seit Präp. ‘von einer bestimmten Zeit an bis jetzt’, Konj. ‘von dem Zeitpunkt an, da etw. begann’. Ahd. sīd (um 800), mhd. sīt Adv. Konj. ‘s…

Seite(n)

Idiotikon

Seite(n) Band 7, Spalte 1443 Seite(n) 7,1443

seitec

Lexer

seitec adj. mit saiten bezogen, in zëhenseitec;

seiteins

KöblerGot

seit·eins

seiteins , Adj. (a) nhd. täglich ne. daily, constant, perpetual ÜG.: gr. ὁ καθ’ ἡμέραν; ÜE.: lat. cotidianus Q.: Bi (340-380) E.: s. sintein…

seitel

Lexer

sei·tel

seitel stn. dem. zu seite j.Tit. 3880.

seiteln

DWB

seit·eln

seiteln , verb. : seitelen, verbum pueris usitatissimum, cum ovis paschalibus, sive pictis collidendo certant, alias auf die seite kippen, f…

seiten

DWB

sei·ten

seiten , adv. von der seite her, s. oben seite II, 8, a.

Seitenbord

SHW

Seiten-bord Band 5, Spalte 979-980

Seitendiel

SHW

Seiten-diel Band 5, Spalte 979-980

Seitengang

SHW

Seiten-gang Band 5, Spalte 979-980

seit als Zweitglied (30 von 35)

geseit

KöblerMhd

*ge·seit

*geseit , (Part. Prät.=)Adj. nhd. gesagt Vw.: s. un- E.: s. gesagen W.: nhd. DW- L.: LexerHW 1, 908 (geseit)

widerseit?

KöblerMhd

*widerseit? , (Part. Prät.=)Adj. Vw.: s. un- Hw.: s. widersaget E.: s. widersagen W.: nhd. DW-

abg(e)seit

Idiotikon

abg(e)seit Band 7, Spalte 400 abg(e)seit 7,400

angeseit

KöblerMhd

ange·seit

angeseit , sw. V. (Part. Prät.) Hw.: s. anesagen

Beyseit

Adelung

bey·seit

Beyseit , ein Nebenwort des Ortes für bey Seite, abwärts, von andern Personen oder Sachen abgesondert. Jemanden beyseit führen. Beyseit gehe…

distelseit

Lexer

distel·seit

distel-seit stm. eine art wollenzeug Mone z. 17,58 ( 1362 ). 9,15 ( 1486 );

einhandeseit

KöblerMhd

einhandeseit , st. M. nhd. Einhandseid, Eid ohne Helfer Q.: DRW (1367) E.: s. ein, hant, eit (2) W.: nhd. DW- L.: DRW

engelseit

Lexer

engel·seit

engel-seit stm. eine art wollenzeug Mone z. 9, 151. vgl. Schmid 445. Rotw. 2,331.

engel|seit

MWB

engel|seit stM. ein Wollstoff: was man zendel versniden macht, / von engel sait, schetter, gügler [...] das sy den maistern wirden berait Mi…

erseit

Idiotikon

ers·eit

erseit Band 7, Spalte 409 erseit 7,409

g(e)seit

Idiotikon

g(e)seit Band 7, Spalte 397 g(e)seit 7,397

hōveseⁱt

MNWB

hove·seit

° (hōveseⁱt) , hāves- , m. , dem Gutsherrn zu leistender Eid (westfäl.).

hōveseit

KöblerMnd

hōveseit , M. Vw.: s. hōvesēt

jenseit

DWB

jen·seit

jenseit , adv. und praep. nach jener seite hin, auf jener seite, wie jenhalb oben sp. 2309 eine accusative die richtung anzeigende verbindun…

kiönsêⁱt

MNWB

kio·n·seit

+° kiönsêⁱt (kiøns-) , m. , mit Hilfe von Geschlechtsgenossen geleisteter Zeugniseid. S. das folgende

kiönseit

KöblerMnd

kiönseit , M. Vw.: s. kiönesēt*

mannesêⁱt

MNWB

manne·seit

mannesêⁱt , mans- , m. (durch Kardinalzahl bestimmt:) Eid mit Eideshelfern, twelf- (usw.) m. —

prîncipâlsêⁱt

MNWB

principal·seit

° prîncipâlsêⁱt , m. : von den Hauptbeteiligten an einem Rechtsstreit geleisteter Eid über korrekte Aussagen und Verfahrensführung (Ub. Brsc…

tobelseit

KöblerMhd

tobel·seit

tobelseit , st. M., st. N. nhd. ein Gewebe Q.: RqvII (FB tobelseit) E.: s. tobel, seit (1) L.: FB 347a (tobelseit)

u(n)g(e)seit

Idiotikon

u(n)g(e)seit Band 7, Spalte 398 u(n)g(e)seit 7,398

unabg(e)seit

Idiotikon

unabg(e)seit Band 7, Spalte 401 unabg(e)seit 7,401

unbeseit

KöblerMnd

unbe·seit

unbeseit , (verneintes Part. Prät.=)Adj. Vw.: s. unbeseiet*

unentseit

Idiotikon

unentseit Band 7, Spalte 408 unentseit 7,408

unverseit

Lexer

unver·seit

un-versaget , un-verseit part. adj. BMZ nicht versagt, unverweigert, gewährt Nib. Iw. Wig. Reinh. Rud. ( Gerh. 6050 ) Serv. 2020. Wolfd. B. …

unvorseit

KöblerMnd

unvorseit , (verneintes Part. Prät.=)Adj. Vw.: s. unvörsāget*

Ableitungen von seit (9 von 9)

beseit

DWB

beseit , adv. seorsum, beiseite: denn die rinder traten beseit aus, secedebant. 2 Sam. 6, 6 ; nam ers von iren henden und legts beseit im ha…

beseite

DWB

beseite , dasselbe: beseite legen. Ringwald laut. warh. 27. 108. 279. 372 . mhd. besîten, z. b. Greg. 120. Er. 9646.

beseiten

DWB

beseiten , flanquer, in der wapenkunst, auf der seite mit zierraten versehen.

erseit

Idiotikon

erseit Band 7, Spalte 409 erseit 7,409

geseit

Lexer

ge-seit part. s. sagen, s. gesagen, s. sæjen, s. seigen.

geseite

DWB

geseite , gradarium ( i. graduum series ), geseyte Dief. 267 c .

seite

DWB

seite , f. für saite, s. dieses theil 8, sp. 1663; nachzutragen ist dort saite im anatomischen sinne, für nerv, sehne: die nervi oder seitte…

verseit

KöblerMhd

verseit , (Part. Prät.=)Adj. Vw.: s. un- Hw.: s. versagen E.: s. versagen W.: nhd. DW- L.: Hennig (versagen)

verseiten

KöblerMhd

verseiten , sw. V. nhd. binden Q.: Apk (vor 1312) (FB verseiten) E.: s. ver…, seiten W.: nhd. DW- L.: Lexer 278c (verseiten), FB 419b (verse…