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Lose

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Adelung
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Eintrag · Adelung (1793–1801)

Lose

Bd. 2, Sp. 2106
Lose, -r, -ste, adj. et adv. welches die Bedeutungen der Wörter los, leicht und liederlich in sich zu vereinigen scheinet. Es bedeutet, 1. In mehr eigentlichem Verstande. 1) * Nicht die gehörige Festigkeit habend, in welcher aber los ohne e euphonicum üblicher ist, S. dasselbe. 2) * Leicht. In den Monseeischen Glossen wird loser ausdrücklich durch levis erkläret. Der Übergang der Hauch- und Gaumenlaute in den Zischlaut ist in allen Sprachen etwas gewöhnliches. In dieser allgemeinen Bedeutung ist es veraltet, außer daß es im gemeinen Leben einiger Gegenden noch von dem Gelde gebraucht wird, auf eine fehlerhafte Art leicht. Loses Geld, welches nicht das gehörige Gewicht, und in weiterer Bedeutung, nicht die gehörige Güte hat, leichtes, liederliches Geld. Am häufigsten kommt es, 2. Im figürlichen Verstande vor, wo es in einer doppelten Hauptbedeutung gefunden wird. 1) Von einer fehlerhaften, unrechtmäßigen Beschaffenheit, nicht die gehörige Güte und innere Festigkeit habend. (a) * Nicht die gehörige innere Güte, nicht die gehörige Tauglichkeit habend, für schlecht, liederlich, elend; eine im Hochdeutschen veraltete Bedeutung. Uns ekelt vor dieser losen Speise, 4 Mos. 21, 5; vor dieser elenden Speise, Michael. Ein loses Band für einen Gürtel, Es. 3, 24. Wenn sie solche lose Dinge und Bilder aus irdischem Thone machen, Weish. 15, 13. Lose Worte, Hiob 15, 2; Kap. 16, 3; windige, Michael. Und so in andern Stellen mehr. Ehedem sagte man auch loses Geld, falsches, unechtes. Wo es denn ehedem auch im thätigen Verstande für betrüglich gebraucht wurde, da auch die Hauptwörter Los und Losheit für Betrug üblich waren. (b) Keine beständige Wohnung habend, aus Abneigung vor aller bürgerlichen Ordnung eigenen Vermögens und einer eigenen Wohnung beraubt, womit zugleich die Ausschweifung in den Sitten verbunden ist; eine ehedem sehr gangbare Bedeutung, welche im Hochdeutschen wenig mehr vorkommt. Loses Gesindel, herum streichendes, armes, liederliches Gesindel. Du wolltest deine Magd nicht achten, wie ein lose Weib, 1 Sam. 1, 16. Lose Buben, 1 Kön. 21, 13. Abimelech dingete lose leichtfertige Männer, Richt. 9, 4; liederliche Leute, die nicht viel zu verlieren hatten, Michael. Es sammelten sich zu ihm lose Leute, Richt. 11, 3; die nichts hatten, Michael. Du loser Mann, Hiob 34, 18; du Niederträchtiger, Michael. Besonders für liederlich, leichtfertig, so fern es auf eine grobe Art den Wohlstand und die guten Sitten beleidigend bedeutet. Wie sich die losen Leute entblößen, 2 Sam. 6, 20 (c) Beleidigend, ehrenrührig, die gehörigen Schranken der Achtung und Ehrerbiethung verletzend; in welchem Verstande man noch im gemeinen Leben sagt, einem lose Worte geben, ihn durch Worte beleidigen. Ein loses Maul haben, im Reden die Achtung gegen andere, und in weiterer Bedeutung, die Behuthsamkeit, übertreten. (d) * Lasterhaft, boßhaft; eine im Hochdeutschen veraltete Bedeutung, welche noch häufig in der Deutschen Bibel angetroffen wird. Die Kinder loser und verachteter Leute, Hiob 30, 8; Söhne des Lasterhaften und Söhne des Unbekannten, Michael. Er kennet die losen Leute, Kap. 11, 11; die schädlichen Leute, ebend. Der Jüngere wird[] stolz seyn wider den Alten, und ein loser Mann wider den ehrlichen, Es. 3, 8. Es ist dein Heil und Gnade weit darvon, Wo lose Leut in Bosheit ganz erwarmen, Opitz Ps. 119. Das lose Volk zwar lauert listiglich, Und ist gemeynt, mich grausam umzubringen, Opitz Ps. 119. In dieser Bedeutung war ehedem auch das Hauptwort die Losheit üblich. Diu loshait die man wilent schalt Diu ist unverschamet, Heinrich von Veldig. 2) In guter, wenigstens unschuldiger Bedeutung. (a) * Angenehm, lieblich, schön; eine längst veraltete Bedeutung, welche bey den Dichtern des Schwäbischen Zeitalters häufig angetroffen wird. Gegen der vil klaren losen, König Wenzel. Swie gar ich umbevangen het Ir klaren zarten suessen losen lieben lip, König Wenzel. Mich sol din hochgezierter loser liber lip In keinen senden sorgen lan, König Wenzel. Swas ich rosen ie gesach Da gesach ich nie so losen rosen, Gottfried von Nifen. Ein wip die loslich lachen kan, Marggr. Heinr. v. Meiß. (b) * Schmeichelhaft; eine gleichfalls veraltete Bedeutung, in welcher auch das Zeitwort losen für schmeicheln üblich war. Im Franz. ist daher Losenge, und im mittlern Lat. Losinga, die Schmeicheley. (c) Scherzhaft, munter, leichtfertig, schalkhaft, muthwillig, als eine Figur so wohl von leicht, als auch von los; eine in der vertraulichen Sprechart noch sehr übliche Bedeutung. Sie sind heute sehr lose. Ein loser Vogel, ein loser Gast, ein leichtfertiger Mensch. Ein loses Kind. Ihr losen Mädchen thut immer als wenn euch nichts an den Männern läge, Gell. Im Dän. los, S. auch Lustig. Anm. Das e am Ende ist das mildernde e, welches durch die gelinde Aussprache des s, welche dieses Wort im Hochdeutschen hat, nothwendig gemacht wird. Härtere, besonders Oberdeutsche Mundarten sprechen es los. Ob sich gleich alle obige Bedeutungen sehr leicht als Figuren von den verwandten Wörtern los und leicht erklären lassen, so ist es doch möglich, daß dieses Wort in einigen Bedeutungen auch zu einem andern Stamme gehören kann.
5132 Zeichen · 80 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 8.–11. Jh.
    Altenglisch
    loseSb.

    Köbler Ae. Wörterbuch

    lose , Sb. nhd. Gesträuch? ÜG.: lat. fructetum Gl Q.: Gl E.: Etymologie unbekannt L.: Bosworth/Toller 646b

  2. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    lôseswv.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +10 Parallelbelege

    lôse swv. 1. thue freundlich, freue mich. kallende unde kôsende, smeichende unde lôsende Trist. 19248. si sâʒen unde kôs…

  3. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    loseSb.

    Köbler Mnd. Wörterbuch · +4 Parallelbelege

    lose , Sb. nhd. Gesang? E.: Herkunft ungeklärt? L.: Lü 210b (lose)

  4. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Lose

    Adelung (1793–1801) · +6 Parallelbelege

    Lose , -r, -ste, adj. et adv. welches die Bedeutungen der Wörter los, leicht und liederlich in sich zu vereinigen schein…

  5. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    lose

    Goethe-Wörterbuch

    lose vereinzelt ‘loose’, einmal ‘loße’ 29,225,6 DuW Schema Plp ; vereinzelt apokopiert ‘los’; auch komp, superl u subst;…

  6. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Lose

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09) · +1 Parallelbeleg

    Lose , oberdeutscher Ausdruck für Mutterschwein; übertragen: ein unzüchtiges Weib.

  7. modern
    Dialekt
    Losef.

    Mecklenburgisches Wb. · +8 Parallelbelege

    Lose f. a. Spr. Losung, Schlachtruf: 'dar he denn balde gefrodet, wat de klocke geslagen und ere lose gewesen ys' Gry. S…

  8. Sprichwörter
    Lose

    Wander (Sprichwörter)

    Lose Je loser, je boser. – Eiselein, 434.

  9. Spezial
    lose

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    lo|se adj. 1 (locker) löcher (löcri, löcra), lascé do 2 (ungebunden, z.B. Blätter) nia lié 3 desćiolé (-lá, -lada ). ▬ l…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit lose

94 Bildungen · 60 Erstglied · 30 Zweitglied · 4 Ableitungen

lose‑ als Erstglied (30 von 60)

Loseblattbuch

FiloSlov

Loseblattbuch , n книга , ж с нескреплёнными листами

losebrêf

LW

lose-brêf, Lösebrief, Urkunde über eine lose.

Losefund

GWB

lose·fund

Losefund sprechender Figurenname; auch ‘Herr L.’ 50,113 ReinF VIII 294 [ Zit s v Greifzu, Bd4,457,73 —75 ] 50,76 ReinF VI 107 Robert Charlie…

losegeknüpft

GWB

lose-geknüpft in modernen Ausgaben Getrenntschr im Bild [ Bootsfahrt Hilaries mit Flavio ] ein Stranden, ein Umschlagen des Kahns, Lebensgef…

loseggen

WWB

los·eggen

los-eggen V. auseinander eggen, mit der Egge lockern ( WmWb ).

lose II

RhWB

lose II im Unterschied von lose I geht l. II, auch in der Bed. deutlich geschieden, auf lôse zurück, u. lautet demnach lō:s, –ū:-, –o·u.-, –…

loseilen

GWB

lose·ilen

loseilen ‘auf jdn od etw l.’: rasch auf jdn/etw zulaufen, -gehen, -marschieren; meist in Vbdg mit emotionaler Erschütterung, mit gewaltsamer…

loseisen

Pfeifer_etym

lose·isen

Eis n. ‘gefrorenes Wasser’, ahd. (8. Jh.), mhd. asächs. mnd. īs, mnl. nl. ijs, afries. īs, aengl. īs, engl. ice, anord. īss, schwed. is. Für…

Lōsejr

WWB

lose·jar

Lōse-jar n. [verstr.] Jahr der Musterung, der Einberufung (WmWb ). In der Loosejaorn is he all west (WmWb ).

Lōsejunge

WWB

lose·junge

Lōse-junge m. junger Mann, der bei der militärischen Ziehung das Los ziehen musste ( Wal Ro).

Losekugel

Campe

lose·kugel

○ Die Losekugel , Mz. — n , Kugeln, deren man sich bedient, etwas durch das Los zu bestimmen (Balottir kugel).

Losemen

RhWB

lose·men

Losemen lǫsəmən Gummb-Stdt Sg. t. m.: Laufbrunnen (gedeutet als ‘loser Mund’).

Losemếnt

Adelung

lose·ment

† Das Losemếnt , des -es, plur. die -er, ein nur in den niedrigen Sprecharten übliches und aus dem Franz. Logement verderbtes Wort, eine Woh…

Losementkraug

MeckWB

Losementkraug m. Gastwirtschaft: 'in den LosamentkrOegen' Gry. Lb. 1, Dd 4 a .

losen I

SHW

losen I Band 4, Spalte 387-388

losen II

SHW

losen II Band 4, Spalte 389-390

Losenborn

SHW

Losen-born Band 4, Spalte 389-390

Losenstall

SHW

Losen-stall Band 4, Spalte 389-390

losenære

Lexer

losen·aere

losenære , losener stm. s. v. a. losære von einem vb. losenen ( vgl. lusemen, lusenen) Freid. 118,25 var. Basl. rechtsqu. 1,130. Gr.w. 3,523…

Losenborn

PfWB

losen·born

Losen-born m. : FlN, amtl. Losenborn [ NW-Gimmdg ]; a. 1534: bey dem lohsenborn [StArch. Stadtgrenzbegehung (NW-Deidh)]. Südhess. IV 389 . —

lose als Zweitglied (30 von 30)

allôse

MNWB

+ allôse , allosa, alausa eine Art Maifisch, clupea alosa, (auch roppe, bressem glossiert).

bîlôse

MNWB

bîlôse (s. lôse), f. , Losung. (Hd. losunge).

²blādelôs(e)

MNWB

blade·lose

2 blādelôs(e) „crassula minor, stênpēper ” ; auch durch Verwechslung „semperviva” (Sempervivum tectorum Hauswurz, Donnerkraut) , Sedum acre,…

herbstzeitlose

DWB

herbst·zeitlose

herbstzeitlose , f. colchicum autumnale. Nemnich 2, 1101 : verblüht schon war die rose, die nachtigall geflohn; die ernste herbstzeitlose st…

hōvetlose

KöblerMnd

hōvetlose , F. Vw.: s. hȫvetlȫse

kirchlose

DWB

kirch·lose

kirchlose , f. eine gewisse abgabe die eine kirche jedes vierte jahr an den bischof zu zahlen hatte, s. Haltaus 1088 , vgl. mhd. lœse wb. 1,…

meisterlose

DWB

meister·lose

meisterlose , f. meisterlose art: meisterlose, maszleidige, delicatissimum fastidium. Maaler 287 d ; meisterlose, verwente art, delicium, de…

mügelose

KöblerMhd

mügelose , st. F. Vw.: s. mügelōse

pirnerlôse

MNWB

° pirnerlôse , pl. : eine Münzsorte, „solidos qui vocantur pirnerlose ” (Arch. Gesch. Ndrh. 6, 127).

rantglôse

MNWB

rant·glose

*° rantglôse , f. : auf die freie Fläche außerhalb des Schriftspiegels gesetzte Anmerkung, Marginalie (Oldecop 127).

Rechtlose

DRW

recht·lose

Rechtlose, m. Person, welche rechtlos (I) ist wel rehtloser ein messer treit, dem sol man die stat ein jar verbieten um 1340 Alemannia 34 (1…

rôkelôsen, lôse

MNWB

rokelosen·lose

rôkelôsen, -lôse , adv. : 1. gewissenlos , frevelhaft, „ Rokelos wilde van ghemote dissolutus animo” (Voc. Strals. ed. Damme), „scelestus” (…

Sendlose

DRW

send·lose

Sendlose, f. wie Sendgeld bdv.: 1Kirchlose assignamus [zwei Pröpste] septem marcarum et dimidie denariorum Hervorde usualium proventus de de…

tentlose

KöblerMnd

tent·lose

tentlose , F. Vw.: s. teindelȫse* L.: Lü 402b (tentlose)

tîdelôse

MNWB

tide·lose

tîdelôse , tîte- , f. ( Pl. -n ): 1. Herbstzeitlose, colchicum autumnale L., „hermodactilus” (SL 4, 540: Voc. Engelh.), „Hermodactylus, Wisc…

treulose

DWB

treu·lose

treulose , f. , perfidia, untreue, vertrauensbruch, wortbruch. im 16. jh. oft bezeugt: perfidia trewlasz (1421) Diefenbach nov. 287 b ; und …

tuberkulose

DWB

tuberkulose , f. , name der durch tuberkelbazillen hervorgerufenen krankheiten, insbesondere der lungenschwindsucht (lungentuberkulose); kün…

warlôse

BMZ

war·lose

warlôse stf. wahrlosigkeit, unachtsamkeit. daʒ der brant âne sîne warlôse zu komen sî Kulm. r. 5,3.

zeitlose

DWB

zeit·lose

-lose , f. , 1) eine frühlingsblume, a) crocus ( c. luteus; s. K. E. H. Krause nd. jb. 15, 48 ), gelbe narcisse ( narcissus pseudonarcissus:…

ūtlose

KöblerMnd

ūtlose , F. Vw.: s. ūtlȫse*

Ableitungen von lose (4 von 4)

Gelose

Campe

Gelose , des — s , o. Mz. s. Ge — 2. 2).

Unlose

Campe

Unlose , adj . u. adv . nicht lose.

urlôse

Lexer

ur-lôse stf. BMZ erlösung. unser urlôse ist getân Diem. 329,21 ;

verlôse

BMZ

verlôse swv. sein trew die ist verpôset, verlôgen und verlôset erheuchelt Suchenw. 21,138.

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „lose". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 9. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/lose/adelung
MLA
Cotta, Marcel. „lose". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/lose/adelung. Abgerufen 9. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „lose". lautwandel.de. Zugegriffen 9. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/lose/adelung.
BibTeX
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