sagen,
verb. dicere. II.
Formales. das wort ist den germanischen sprachen gemeinsam, nur im goth. unbelegt: ahd. sagên, sagêta, gisagêt,
daneben formen mit dem suffix -ja
gebildet: segist, zi giseganne, segita, gisegit Graff 6, 91
fg.; alts. seggian, sagda,
neben einander formen der ê-
und der ja-
conjugation aufweisend: 2.
s. praes. ind. sagas
neben sagis, segis,
imp. sing. sagi
neben saga;
im ags. secgean, sægde, gesægd, 2. 3.
p. s. ind. praes. sagas, sagað;
altn. segja, sagða, sagðr (
sehr selten sagaðr);
altfries. sega, sedza,
prät. seide.
über den lautgesetzlich geregelten wechsel, auf welchen diese formenmischung (
wie bei ahd. habên,
alts. hebbian)
zurückweist, s. Sievers
in beitr. z. gesch. d. d. sprache u. lit. 8, 90.
bezüge auszerhalb der german. sprachen (
lat. in - sece Ennius,
griech. ἐννέπω,
lit. sakýti
u. a.)
nachgewiesen bei Fick
4 1, 559.
im mhd. und älteren nhd. begegnen vielfach syncopierte formen, du seist, er seit, ich seite, geseit; ich sein (sagen): vornim und hore, was ich der sein.
Alsfelder passionssp. 3203; wie ich dir vormals offt hab gsait (
im reim zu laidt). Schmelzl
verl. sohn 18
b; dann glayben was uns Christus seit, fürt uns inn ewig seligkeit. Schwartzenberg 128, 1.
mundartlich in Schlesien soit a
sagt er; schweiz. er seit Hunziker 214. Seiler 247
a;
mnd. seggen, sechte, sachte, sede, gesegget, gesacht, secht Schiller-Lübben 4, 171
a;
mnld. segghen, segde, seide, ghesegd, gheseid,
neunld. zeggen, zegde, zeide, gezegd, gezeid,
engl. to say, said, said,
dän. sige, sagde, sagt,
schwed. säga.
auffallend das präter. siege
bei Schuppius: sondern als er letztlich urlaub nahme, siege ihm, er weisz nicht was geheims in das ohr. 758; so du mir eines narren privilegia gabest, siege ich gantz frey, was die grossen herren nicht leyden. 745; wann der Alphonsus der weysen könig, und ein weyser der königen disz hörete, siege er vielleicht, disz seye keines menschen, sondern ein ochsenstimme. 708. IIII.
Bedeutung. II@11) sagen
wird zunächst von dem hervorbringen des lebendigen wortes gebraucht, von mündlicher, directer mittheilung, dann aber auch in freierer anwendung: then Moyses, quad, io sageta,ioh altgiscrib uns zelita. Otfrid 2, 7, 43; thaʒ heilige io giredotun,ouh buah fon mir gisagetun. 4, 14, 11. das schwarze siegel des briefes sagte mir, was ich zu erwarten hatte; ihr schweigen sagt genug; sagt dir dein gewissen nichts? mein herz sagt mir, du habest unrecht; ärgert dich dein auge, sagt die schrift, so reisz es aus. Schiller
räuber 1, 1
schausp.; diesen mohren liefert er euer gnaden gebunden aus. er habe schändlich herausgeplaudert. das weitre sagt der zettel.
Fiesko 4, 8; aber noth bricht eisen, wie das sprüchwort sagt.
werke 3, 542; die genealogischen handbücher sagten nichts von einer solchen familie. Göthe 19, 64; der assertorische satz sagt von logischer wirklichkeit und wahrheit. Kant 2, 168; also saget uns unser talmuth.
Alsfelder passionssp. 4918; sîn wunde und harnasch swære .. im müede unde hunger sagete.
Parz. 165, 22; (
blau ist die farbe treuer liebe) doch siht man manchen pla tragen, scholt der rok die warheit sagen, er saget wol andre mer, wie unstet sein herz wer.
fastn. sp. 776, 21; und erst dein auge wird ihm sagen, wie gros des glükes fülle sey? Schiller 3, 166; mir sagt's das herz, sie ist von gott gesendet.
jungfrau von Orl. 2, 10; schon damals sagte mir's mein herz, dasz euch geburt zu einem bessern loos berufen.
Turandot 4, 10; lasz mein aug' den abschied sagen, den mein mund nicht nehmen kann! Göthe 1, 45; o schaudre nicht! lasz diesen blick, lasz diesen händedruck dir sagen, was unaussprechlich ist. 12, 168.
auch die thiere sagen: der vogel sagte nur piep, miau sagte die katze
u. ä.; sagen
von geräuschen, die durch unbelebtes hervorgerufen werden: er fiel hin, das sagte patsch! er bekam eins hinter die ohren, das sagte klapp! Adelung; da trok ik en paar gläserne schohe an, un da stott ik an en stein, da segd et 'klink'! da wören se caput. Grimm
kinder- und hausmärchen 2, 34 (
nr. 91). sagen
in prägnantem sinn, eine zeugenaussage machen, aussagen,
deponere (
s. oben sage): die zeugen sollen sagen von jrem selbs eygen waren wissen.
Carolina art. 65;
mnd. he dede darna orveyde .. unde sede de koe (
die geraubten kühe) to ghelde (
bestimmte den wert, den er zahlen wollte).
quelle bei Schiller-Lübben 4, 171
b. sagen
dem reden
gegenübergestellt: edelman. wie so? künden die pauren denn auch von schrift sagen?
münch. wie sagen? ich mein, sie künden von der schrift reden (
etwa: non solum loqui, sed disputare possunt de sacris libris). sie sind mir zu geschickt. Schade
sat. u. pasqu. 3, 101, 15. sagen
häufig im sinne von behaupten, meinen: ich sage, es ist so, und er sagt, es ist nicht so; man möchte sagen, es sei aus versehen geschehen.
in gewissen wendungen nimmt sagen
den sinn von bedeuten, ausdrücken, gewicht haben an: es hat nichts zu sagen, das sagt wenig, viel, mehr, genug; das will so viel sagen; was will das sagen?
nd. dat het wot te seggen,
das hat seine schwierigkeiten. Woeste 235
a; dat segd d'r niks an,
das entscheidet nichts an der sache; dat wil hêl so fl nêt seggen,
das ist gar nicht von solchem gewicht. ten Doornkaat Koolman 3, 169
a; und das will was sagen,
und das ist keine kleinigkeit: er legt jährlich einige 1000 mark zurück, und das will bei einer so groszen familie was sagen. myn herr, was sagent diese buochstaben. Steinhöwel
Äsop s. 61
Österley; Bourgognino sprich! was will dieses räzel sagen? Schiller
Fiesko 5, 3
bühnenbearbeitung; stehen wir nur hoch in der beurtheilung, so hat es nichts zu sagen, wenn auch der gegenstand tief und niedrig, unter uns zurückbleibt. 10, 459; der hofrath geht weg, die paar bedienten wollen nichts sagen. Göthe 15, 58; so wird doch immer eine minorität für das wahre übrig bleiben, und wenn sie sich in einen einzigen geist zurückzöge, so hätte das nichts zu sagen. 23, 209; leider haben wir andern in unserer jugend nur die familienmünzen besessen, die nichts sagen. 28, 123; welches mehr sagen will, als ein bescheidener mann sich anmaszen wird. Kant 4, 227; nur halte deinen willen fest, und gehst du auch zu grund zuletzt, so hat's nicht viel zu sagen. Göthe 3, 117; ich bin euch sämmtlichen zur last, einigen auch sogar verhaszt; das hat aber gar nichts zu sagen. 4, 334; ich glaube, dasz man viel im herzen fühlen musz, wenn er (
der kusz) was sagen soll. 7, 33. viel sagen,
bedeutsames vorbringen: mit wenig worten viel sagen; damit ist wenig, nichts gesagt.
adjectivisch, viel-, nichtssagend: ein durchaus nichtssagendes buch; mit einem vielsagenden lächeln. etwas zu sagen haben,
berechtigung zum mitsprechen, anordnen, leiten, befehlen haben; gegensatz nichts zu sagen haben: gehen sie aber doch ja keinen, der bey vergebung dieser stelle etwas zu sagen hat, vorbey. Lessing 13, 69;
ohne object: nur auf bedingung nahm ich dies kommando; und gleich die erste war, dasz mir zum nachtheil kein menschenkind, auch selbst der kaiser nicht, bey der armee zu sagen haben sollte. Schiller
Piccolom. 2, 7. II@22) sagen,
einfach die thätigkeit des redens bezeichnend, ohne nähere angabe des mitgetheilten; in dieser anwendung erscheint es ziemlich selten, meist in irgend welchem gegensatz, durch welchen der begriff von sagen
in bestimmte beleuchtung gestellt wird: sagen thuts nicht, wir verlangen beweise; dann wie das ja und nein, also ist auch das sagen und seyn unterschieden.
Simpl. 1, 1, 1 (
s. 30
Keller); nun wollen wir dichten als weren wir alle Catilinen, und von dem Cicero angeklagt. nun wollen wir sagen, als weren wir von dem Hannibal gefangen. Schuppius 850; es kommt nicht auf das blosze sagen an,
non sufficit dixisse. Frisch 2, 142
c;
nd. seggen is good, man doon is een ding.
brem. wb. 4, 736; man verliuset michel sagen, man enwelleʒ merken unde dagen.
Iwein 249; wan sî vliesent beide ir arbeit, der dâ hœrt und der dâ seit. 256; daʒ wirs unrehte würken sehen, unrechte hœren sagen. Walther 34, 30; hilft hier kein flehen, hilft kein sagen; so wag' ich's, dich hinweg zu tragen. Göthe 12, 245.
das partic. praes. passivisch: daʒ ieman dem andern haʒ treit von sagenden dingen.
Mai u. Beaflor 157, 17. du hast gut sagen,
du kannst leicht so sprechen. II@33)
gewöhnlich erfordert sagen
im gegensatz zu reden
und sprechen,
dasz der inhalt des gesagten
angegeben oder durch den zusammenhang genügend characterisiert ist. die person, an welche die mittheilung gerichtet ist, tritt meistens in den dativ: ich wills ihm allein sagen; was ich einem sage, das sage ich allen. Stieler 1664; wem nicht zcu sagen ist, dem ist nicht zcu helffen. Luther 13, 17, 8 (
Weim. ausg.); aber unsern herrn bischoven und fürsten ist nicht zu sagen, das sie predigen liessen. 6, 317
b (
Jenaer ausg.); ich sage iu von dem degne,wie schœne der wart.
Nib. 21, 1; halt eur maul, und laszt sölch klagen, sonst man euch würd anders sagen. P. Rebhun
Susanna 2, 2 (
s. 48
Tittmann); ich will's ihm nur sagen, die dirn' ist mein. Schiller
Wallenst. lager 7; soll ich dir sagen, mein sohn, so hast du, ich glaube, gewählet. Göthe 40, 274.
anstatt des dativs fügung mit zu; Adelung
bemerkt, dasz dieselbe besonders zur anwendung komme, wenn man die worte, welche gesagt werden, anführt: wer aber zu einem bruder sagt, Racha, der ist des rats schüldig. wer aber sagt, du narr, der ist des hellschen fewrs schüldig.
Matth. 5, 22;
indesz vergl.: er saget aber ein gleichnis zu den gesten.
Luc. 14, 7;
gewöhnlich: du zu jemandem sagen, sie sagte tante zu ihr,
dagegen schweiz. er seit-em Hans, schelm,
er nennt ihn Hans, schelm; er seit-em wüest,
beschimpft ihn. Hunziker 215; mann muosz jnn ouch her doctor sagen, dar umb das sy rott röck an tragen. Brant
narrensch. 76, 80; und mit jhm gleichen namen tragen, dasz man jhm herr Jacob thut sagen. Wolfh. Spangenberg
fangbrieffe H 4
a.
in einzelnen gegenden (
z. b. Schlesien)
hört man auch: ich sagte wider meinen bruder, wider
durchaus nicht in feindlichem sinne genommen. ebenso nd.: gêgen en'n seggen,
zu einem sagen. Schambach 189
a; weistu nicht, was ein gottesfürchtiger mann gegen einem andern sagte?
pers. baumg. 5, 11. II@3@aa)
mit wörtlicher angabe dessen, was gesagt wird; das verbum wird vor oder mit inversion nachgestellt oder eingeschoben: er sagte: vortrefflich! das musz glücken; nein, sagt er, ich kan nicht. Frisch 2, 142
b; bleibt mir vom leibe, sagte er zornig; quam Mariâ Magdalenae, sagêta then jungerôn: bidiu uuanta ih gisah trohtînan, inti thisu quad her mir.
Tatian 223, 1; er sprach (saget
G): iu râtet rehteder küene spilman.
Nib. 1760, 3 (
vgl. Lachmanns
anm.); ahî wie kristenlîche nû der bâbest lachet, swenne er sînen Walhen seit, 'ich hânʒ alsô gemachet'. Walther 34, 5; ein weiser mann wolte seinen sohn von der füllerey und freszhaftigkeit abmahnen, sagende: viel essen bringet viel kranckheiten.
pers. rosenth. 3, 10; er nimmt fein hübsch die nase vom wirbel 'runter, setzt sie recht übers maul hin, sagende: weil du, maul gehöhnt, soll künftig nase recht über dir stehn. Fr. Müller 1, 170; gemach sag' ich. auch die freyheit musz ihren herrn haben. Schiller
räuber 1, 2
schauspiel. in den sog. apologischen sprichwörtern: dat seg'k so man, segt Schult (
vgl. Höfer
wie das volk spricht).
das volk liebt es, einer erzählung, einem bericht unzählige 'sagte ich, sagt' er, hat er gesagt,
nd. seggt'e, hett'e segd'
u. s. w. einzufügen, s. Schm. 2, 233. Schöpf 575. Hunziker 214.
Weinhold 79
a.
zur wiederholung und hervorhebung eines wortes aus einem vorher gesprochenen satze; Karl Moor. ja alter mann — dein sohn — ist — ewig verloren ...
der alte Moor. ewig sagst du?
Karl Moor. frage nichts weiter, ewig, sagt ich. Schiller
räuber 5, 2
schauspiel. häufig, wo ein directer satz zu dem verbum gefügt ist, ist mehr eine wiedergabe des ausgesprochenen gedankens als eine genaue wörtliche wiederholung gewollt: was ich denke, das darf ich sagen, das wort ist frey, sagt der general. Schiller
Wallenst. lager 6; den finger meiner rechten hand wollt ich drum geben, dürft ich sagen, er ist ein lügner, ein schwarzer giftiger lügner.
räuber 1, 1
schauspiel; gute nacht, guten morgen, willkommen, ade, lebe wohl, schlaf wohl, amen
u. ä. sagen,
häufig in freierer anwendung, dasz durch das hinzugefügte wort das gesagte charakterisiert und zusammengefaszt wird. nd. glücke seggen,
glück wünschen. Woeste 235
a; dem prinzen werd ich den eisernen guten morgen sagen. Schiller
Fiesko 4, 17
bühnenbearbeitung: und sieh, ein alter kriegesknecht wankt durch den eichenwald daher, sagt guten abend, wärmet sich, und setzt sich auf den weidenstumpf. Hölty 38
Halm; Burleigh. dasz diese stifterin des unheils doch gestorben wäre, ehe sie den fusz auf Englands boden setzte.
Paulet. dazu sag' ich amen. Schiller
M. Stuart 1, 8; die eule wars, die schrie — der traurige nachtwächter sagt uns gräszlich gute nacht.
Macb. 2, 4; ihr traurig stillen thäler lebet wohl! Johanna wird nun nicht mehr auf euch wandeln, Johanna sagt euch ewig lebewohl.
jungfrau von Orleans, prolog 4. ja, nein sagen: sagt einer ja so sag ich auch ja, sagt einer nein, so sag ich auch nein. Maaler 351
d; der adel sah mit entsetzen zu, und durfte nicht nein sagen. Schiller
Fiesko 5, 15; wählen sie ihm die untadelichste parthie im land, und sagt er ja, so lassen sie den sekretair Wurm drei jahre kugeln schleifen.
kab. u. liebe 1, 5.
besondere wendungen: nd. placebo seggen: desse moten seggen placebo van erem love (
die schmeichler müssen die herren über ihre vorzüge unterhalten. anm. von Baethcke).
des dodes danz 445. II@3@bb) sagen
mit sächlichem object: was sagtest du? sagten sie etwas? das sage ich auch; sage es nicht weiter; ich sage nichts; das ists, was ich dir sagen wolt, nit mer weisz ich dir zesagen, das seye dir gnuog gesagt. Maaler 341
c; ich darffs nit sagen.
ebenda; was soll man viel sagen; etwas von anfang bis zu ende sagen. Stieler 1664; er konnte nichts mehr sagen.
im nd. sehr beliebt: ja dat seggen se man,
als formel der zustimmung, auch dat segg ik man; dat well ik ock nitt seggen,
es ist wol möglich. Woeste 235
a; es ist noch gar nicht gesagt, dasz es so kommen musz,
es steht noch gar nicht fest; das kann ich nicht sagen,
das weisz ich nicht; das musz man sagen,
das musz man allerdings zugeben; es ist nicht zu sagen,
es ist unbeschreiblich; das ist bald, leicht gesagt; habe ich dirs nicht schon lange gesagt;
sprüchwörtlich: de pape segt et nich mehr as ênmal; er läszt sich das nicht zweimal sagen,
er ist beim ersten mal gern bereit; ich habe ihnen etwas zu sagen,
ich musz ihnen etwas mittheilen; jemandem etwas sagen lassen; lassen sie sich das gesagt sein; er läszt sich nichts sagen,
er läszt nicht mit sich reden; ich habs nie gehört sagen. Maaler 841
c; hören sagen
verschmolzen: ich weisz es nur von hörensagen; das kann man im deutschen sagen; und der hohepriester antwortet, und sprach zu jhm, ich beschwere dich bey dem lebendigen gott, dasz du uns sagest, ob du seiest Christus, der son gottes.
Matth. 26, 63; sage das nicht, Maria. Göthe 8, 43; ich will doch hören, was der Schwede mir zu sagen hat. Schiller
Wallenst. tod 1, 3; wenns so steht, hab' ich hier nichts mehr zu sagen (
hinzuzufügen).
Piccolom. 2, 7; du muszt es dreymal sagen. Göthe 12, 79; ich sterbe! das ist bald gesagt und bälder noch gethan. 196; liebe mutter, ihr sagts! versetzte lebhaft der sohn drauf. ja, sie ist's! 40, 274; ja, herr, es ist gesagt! es sei gesagt. Grillparzer 5, 81; über den erz. .. ich hätte bald etwas gesagt! Weisze
lustsp. 2, 322; er weisz nichts zu sagen, als dasz es Griechen seyn müssen. Schiller 6, 242; ihr steht in einem andenken bei hof und überall, dasz es nicht zu sagen ist. Göthe 8, 47.
in älterer sprache sagen
mit dem gen.: wie dan die inwoner des noch sagen. Aventinus 2, 117, 22; wenne ek wil des ome sagen to groteren eren.
d. chron. 2, 2, 429, 1949.
mit substantivischem oder adject. object: sage mir den höchsten berg Thüringens; ich sagte ihm alle meine geheimnisse; nun, so sage, zeige sie mir einen andern weg aus meinem labyrinthe. Weisze
lustsp. 2, 38.
freier: laszt euren gegner vernunft sagen und bekämpft ihn mit vernunft. Kant 2, 560; mit zauberisch-leisen worten .. sagt' er ihm sein ganzes herz. J. Paul
Titan 2, 139.
wendungen mit adj.: jemandem angenehmes, bitteres sagen; ausz verren landen här etwas neues sagen oder verkünden. Maaler 341
c; iwer zunge müeʒ gunêret sîn, diu alleʒ guot gar verdagt und niuwan das bœste sagt, daʒ iuwer herze erdenken kan.
Iwein 840. versz sagen,
carmina dicere Maaler 341
c; da die gemeine zu Rom ein auffstehen machet, beredt ein kluger mann die auffgewiegelten und ungehorsamen, dasz sie wider einzogen, da er ihnen die fabel von händ und füssen saget. Schuppius 831; sage den spruch, den du gelernt hast; meid märle, dj man sagt und list, darinnen ler der schanden ist. Schwartzenberg 124, 2; sage mir deinen namen; nu ruoche, helt, mir beidiu sagen, dînen namen unt dînen art.
Parz. 745, 19; er sagt kein wort, keinen laut, keine silbe; etwan ein guot wort sagen, etwas billichs und guots reden Maaler 341
c; jemanden ein gutes wort sagen,
ihm freundlich zusprechen; ich habe ihm ein ernstes wort zu sagen;
auch ohne diese bestimmung: ich habe ihm ein wort, ein wörtchen zu sagen
in ähnlichem sinne; kaum war das wort gesagt, so ward der esel zerrissen. Lessing 1, 140; höre, lasz dir noch ein wörtchen sagen, Fiesko. Schiller
Fiesko 4, 12;
nd. he segt wol een woord, un levet een jaar darna,
von einem unzuverlässigen menschen. brem. wb. 4, 736.
mit objecten, welche botschaft, mittheilung, aussage, nachricht, kunde u. ä. bezeichnen: ir selbon sagêt mir giuuiʒscaf (
ipsi vos mihi testimonium perhibetis).
Tatian 21, 5; zeugnusz oder kundtschafft sagen. Maaler 341
d; jemanden einen grusz sagen lassen; swen di geziug ir sag gesagt haben.
quelle bei Schm. 2, 233; engil floug zi himilezi selb druhtine; sagata er in fronothaʒ arunti scono. Otfrid 1, 5, 72; bot, sage dem keiser sînes armen mannes rât. Walther 10, 17.
besonders häufig mære sagen: dar zuo sag ich iu mære: die fürsten sint iu undertâ
n. 11, 36: ich wil tiuschen frowen sagen solhiu mære daʒ si deste baʒ al der werlte suln behagen. 56, 23; zuo sîner meisterinne er sprach umb die sûl die er dâ sach, daʒ si im sagete mære, von welher art diu wære.
Parz. 591, 29; Bêne im sagete mære, wer der clâre rîter wære. 722, 11; her Luciper, ich sage der wonderliche mere.
Alsfelder passionssp. 6294; jezt herold sprich und sage deinen auftrag. Schiller
jungfrau von Orl. 1, 10; jemandem schmeicheleien, eine grobheit sagen; wer sich heraus nimmt, beleidigungen dieser art einer dame zu sagen .. musz dieser dame eine grosze seele zutrauen. Schiller
kab. u. liebe 2, 3; sein meinung sagen,
sententiam afferre. Maaler 341
c; du sagst ein guote freundtliche meinung. 341
d; jemandem seine meinung sagen,
meist in dem sinne, dasz die eröffnung für den anderen nicht erfreulich ist; die wahrheit, die reine volle wahrheit sagen, lügen, eine lüge sagen; grosz lugen sagen, dapffer liegen. Maaler 341
c; vrouwe, ich sage die wârheit.
Iwein 1940; was heiszt ein seher? — der auf gutes glück für eine wahrheit zehen lügen sagt. Schiller 6, 201; wân sagest du mir, neve mîn (
nichtige dinge, leeres geschwätz).
Reinhart 1680. jemandem dank sagen: er sagt dir hohen danck darumb. Maaler 341
d; gode ic þanc secge, þäs þe ic þê gesundnegeseón móste.
Beówulf 1998; thô sagda he waldande thank, almahtigon gode.
Heliand 475; al diu werlt diu seit iu danc. Walther 111, 8;
mit dem gen. zur bezeichnung des grundes: die sageten im des prîses dank.
Parz. 45, 12; ich wel der geben das lon gar schier und wel dir des ummer sagen danck.
Alsfelder passionssp. 246.
für das mhd. charakteristisch sind die wendungen einem genâde, dienest sagen,
seine dankbarkeit, seine ergebenheit bezeugen: des wil ich iu genâdemit triuwen wærlîchen sagen.
Nib. 63, 4; er sagt in gnâde unde danc, daʒ in sô dicke wol gelanc.
Iwein 3075; sage Artûse und dem wîbe sîn, in beiden, von mir dienest mî
n. Parz. 267, 21. gott lob, ehre, preis sagen
in kirchlicher sprache: des sî dir (
Maria) lob und êre geseit. Walther 37, 1.
freiere fügungen, wobei sagen
im sinne von verkünden, zusagen, erzählen von, schildern u. ä. erscheint: thû far inti sagê gotes rîhhi (
tu autem vade adnuntia regnum dei).
Tatian 51, 3; mîn munt sageta dîn reht, allen dag dîna heili (
os meum enuntiavit justitiam tuam, tota die salutem tuam). Notker
ps. 70, 15;
mnd. bidde wy, dat gy uns so langhe vrede unde sekericheit seggen.
quelle bei Schiller-Lübben 4, 171
a; swer Kristes lêre welle sagen, der sol sîn lêr ze liehte tragen.
Freidank 25, 13; hœrt mêr Sigûnen triwe sagn.
Parz. 253, 18; ich saget iu vil armuot: war zuo? diz ist als guot. 257, 29; ich wil guotes mannes werdekeit vil gerne hœren unde sagen. Walther 41, 22; du wirst kein scepter tragen, zu Troja auff der burg, kein recht und urtheil sagen. Opitz 1, 235; weiber sind zum zörnen hurtig; und jhr zorn ist nicht zu sagen. Logau 2, 236, 161; wenigstens sagen sie ihr die bittere herzliche reue, die sie an mir gesehen haben. Göthe 10, 79. wâr sagen
in älterer sprache noch im sinne von verum dicere: uuâr sagên ih iu (
amen amen dico vobis)
Tatian 17, 51; thia gilouba, ih sagen thir war,thia laʒ ih themo, iʒ lisit thar. Otfrid 1, 19, 25; sî sprach: hâstû mir wâr geseit, sô hât mich dîn karkheit wunderlichen hin gegebn.
Iwein 8077.
übergehend zu dem späteren gebrauch: wer den stain in dem mund trägt, der sagt wâr von künftigen dingen. Megenberg 463, 23;
im neueren sinne: warsagen, weissagen,
diuinare, presagire, hariolari, augurari Dasyp.; gut sagen für einen,
für eine schuld, verpflichtung eines anderen sich verbürgen, dann freier, für jemanden einstehen: für meine Wallonen sag' ich gut. so, wie ich, jeder denken thut. Schiller
Wallenst. lager 11.
anders gewendet: die unendliche erbarmung (
würde) bankerot werden wenn sie für meine schulden all gut sagen wollte. Schiller
räuber 4, 2
schauspiel. II@3@cc)
mit dem accusativ eines persönlichen objects: sage mir den mann, der das gewagt hat;
Julia. so gehen sie doch.
Fiesko. nicht, bisz sie mir den verwegenen sagen. Schiller
Fiesko 1, 4;
mit doppeltem acc., jemanden nennen, heiszen, erklären für: man sagt ihn Peter. Schmid 445; man sagt mich hofhalsrichter in L.'s stelle; ich weisz in dessen noch nichts gewisses darüber. Hippel
br. 14, 191; noch andere waren da, den einen sagte man schätzer; es waren die nämlichen, welche geschätzt, was vater sel. übernommen hatte, den andern sagte man, ich weisz nicht wie. Gotthelf
bauernsp. cap. 6; der touf si seit unkristen. Walther 77, 18; den diu geschrift ainen wunderær sagt. Megenberg 429, 23.
mit einem adjectiv: jemanden tot sagen; totgesagte leben lange; Woldemer, den dat mene volk dot sede.
quelle bei Schiller-Lübben 4, 171
a;
Iphigenie. kehrte Kalchas der priester von Troja zurücke.
Orest. das gerüchte sagte ihn todt in Mycene. Schiller 6, 245; es sagte, ohne alle gnade, die ganze stadt Nigrinen todt. Lessing 1, 6. einen tötlich sagen: und ward auf die selbigen stund meister Ottebanus von Pappia zuo im gefürt, der sagt in tötlich. Braunschweig
chirurg. (1498) 79
b; jene richtere, vor deme he rechtlos geseget wert.
Sachsensp. 3, 82, 1; ihn zu bewegen, dasz er die herzogin unschuldig sagen solt.
Galmy 256; gott befohlen! ich sage dich gott befohlen, um gott gänzlich ergeben und eigen zu seyn. Butschky
hd. kanz. 104; Morcau wird zur seite verfolgt und beobachtet, schon sagt man ihn eingeschlossen. Göthe 31, 69; der pâbest rücket ims mit willen dar drîstunt, als er solde, unt sagt in sünden bar.
Lohengrin 6555.
mit nachfolgendem indirecten satz: under disem berg beym mör .. entspringt eyn lebendiger brunn mit einer maur umbgeben, den sagt man, dasz er sey ein ader ausz dem Nylo. S. Franck
weltb. 167
b.
besondere wendungen: man ne mach nemanne segen to enen papen, he ne si gelert, unde gewiet to enen papen.
Sachsensp. 1, 5, 3; verrâter heiʒen wir die, die mit ir rede einen verpalmundent, daʒ si in sagent von sîner cristenheit (
ihm das christenthum absprechen).
Schwabensp. 148, 9; daʒ er ze dem prîse wart geseit, daʒ von grôʒer manheit nieman zer werlde kæme tiurre od baʒ genæme.
Erec 9895; waʒ prîss möht ich an dir bejagn, ine hôrt dich baʒ gein kreften sagn? (
wenn ich nicht vernähme, dasz du wieder mehr zu kräften gekommen seist).
Parz. 692, 27. II@44) sagen
mit folgendem directen oder indirecten fragesatz: sag wo sind die anderen. Maaler 341
b; gemeine liep daʒ dunket mich gemeineʒ leit: nû sage, weist dû anders iht? Walther 71, 17; er sprach 'sage, bruoder, in der minne, ist iht vische hinne?'
Reinhart 745; wie gebt ir des reis ein metzen? sagt mir, ist es Venedig reis?
fastn. sp. 368, 13; sagt selber! kommts nicht dem herrn zu gut, wenn sein kriegsvolk was auf sich halten thut? Schiller
Wallenst. lager 11; sagen oder anzeigen umb wölche zeyt es seye, oder was es geschlagen hab. sagen wie einer heisse, oder was sein name ist. Maaler 341
c; sag einer was man nicht erlebet. Göthe 8, 34.
mit einem indirecten satz, der eine aufforderung enthält: sage ihm, dasz er mich erwarten soll; faret inti sagêt mînên bruoderon thaʒ gangên in Galileam (
ut eant in Galileam).
Tatian 175, 3.
mit einem indirecten aussagesatz: ich sagên iu, thaʒ hier mêrâ ist thanne tempal.
Tatian 68, 5; thu quiðis it for thesun Judeon nu, sôðlîko segis,that ik it selBo bium.
Heliand 5092; sagetun, thaʒ sie gâhunsterron einan sâhun. Otfrid 1, 17, 19; dannoch seit si mir dâ bî daʒ mîn dûme ein vinger sî. Walther 95, 15; dô sageten si mir sunder wanc, eʒ wære der künec von Zazamanc.
Parz. 62, 15; denn — sagt der patriarch — an diesem briefchen sey der ganzen christenheit sehr viel gelegen. diesz briefchen wohl bestellt zu haben — sagt der patriarch — werd' einst im himmel gott mit einer ganz besondern krone lohnen. Lessing 2, 218: sie sagen, er les' auch in den sternen die künftigen dinge, die nahen und fernen. Schiller
Wallenst. lager 6; sagt' ichs nicht, ich müszt am ende für euch alle denken?
räuber 1, 2
schauspiel. II@55) sagen
mit nachfolgendem acc. cum infinitiv (
bez. nominat. cum infin.): Christus selbo sageta iʒ so uuesen gescriben. Notker
ps. 86, 6; ich kan mich euwers begerens halb, nicht gnugsam verwundern, dasz ihr saget euch also gröszlich mit lieb gegen einem ritter entzündet seyn.
buch d. liebe 241, 1; wer umb nichtige ding zancket, der wirdt gesagt um die geisz woll zu zanken. Agricola
spr. 100
a; der mit hoher tat het erworben, daʒ man in sagte einen der besten ritter sî
n. Ludwigs kreuzfahrt 226. II@66)
wendungen mit präpositionen. II@6@aa) von einem, von etwas sagen,
erzählen, berichten von: von was weyberen sagst du. Maaler 341
d; saget in ouh zi warefon themo endidagen thare. Otfrid 4, 7, 27; in wâren undertân ouch die besten reckenvon den man hât gesaget.
Nib. 8, 3; sus hôrt ich von der süeʒen sagen.
Parz. 638, 20; nu hœrt von âventiure sagen. 399, 1; nu muoʒ ich iu von scheiden sagen. 55, 10; man seit mir ie von Tegersê, wie wol daʒ hûs mit êren stê. Walther 104, 23; swer ouch die süeʒen arebeit dur si ze rehte kan getragen, der mac von herzeliebe sagen. 92, 32: von senen hôrt ich sagen, daʒ was mir ie ein mære. Hadamar von Laber
jagd 373, 1; wer jedem narren glauben will, der sagt von blawen enten vil. Brant
narrensch. 129
a Zarncke; und machts so, das man von jm sag, setzt (
zu diesem zwecke) leib und leben in die wag. Waldis
Esopus 3, 85, 31; das ist auch ein grosz wunder, davon ein grosz sagen bey jnen ist. S. Franck
weltb. 108
b;
Gottfried. unter allem elend geht keins über das gefängnisz.
Selbiz. ihr könnt davon sagen. Göthe 42, 71.
formelhaft, von glück sagen,
sich glücklich schätzen: dasz wir am end noch von glück sagen, die leibeigenen eines sklaven zu sein. Schiller
räuber 4, 5
schauspiel; wir können von glück sagen, dasz es noch so gut ablief.
mit nachfolgendem object: von einem ding vil mer sagen, dann es aber an im selbs ist. Maaler 341
d; ich weisz nur gutes von ihm zu sagen; davon wäre viel zu sagen; sagen sie kein wort davon; das lasse ich nicht von mir sagen, gesagt werden, gesagt sein; daher es dann kommt, dasz sie von einer sache bald grau bald gelb sagen.
Montaigne übers. von Bode (1793) 1, 63; ich sage iu wer uns wol behaget. wan der erkennet übel unde guot, und ie daʒ beste von uns saget. Walther 44, 2;
freier: ern hât iu niht von im gelogen, der iu tugent von im seit.
Iwein 5833; nu vornemet ok, wat ek von mi sulven sage.
d. chron. 2, 2, 429, 1943; und solt ich das lassen von mir sagen, es würd mich all mein tag' nagen. Alberus
kontrafactur B 1
a.
beliebte mhd. wendungen, wunder, mære sagen von: von dem sagt man mir mære, eʒ sî ein valschære.
Parz. 363, 15; uns ist in alten mærenwunders vil geseit, von helden lobebæren,von grôʒer kuonheit, von fröuden hôchgezîten,von weinen und von klagen, von küener recken strîtenmuget ir nu wunder hœren sagen.
Nib. 1. II@6@bb)
wendungen mit zu (
s. oben 3): was sagen sie dazu? hierzu habe ich nichts zu sagen; was sollen wir sagen zum heutigen tag! ich dächte nur: ergo bibamus! Göthe 1, 160. II@6@cc) mit: was wollen sie damit sagen, das will ich hiermit gesagt haben
u. ä.; ziehen sie die hand nicht weg, graf Piccolomini, ich fasse sie nicht blosz von meinetwegen, und nichts gemeines will ich damit sagen. Schiller
Piccolom. 1, 4. II@6@dd) gegen jemanden, für jemanden etwas sagen: zu einer zeit wo für und gegen geheime verbindungen so viel gesagt, geschrieben und gethan wird. Schiller 6, 421; ich habe keine schulden, gegen meine sitten ist nichts zu sagen. 14, 194. II@6@ee) etwas auf jemanden sagen,
gegen jemanden vorbringen: daʒ lantvolc hât ûf mich geseit eine schult sô swære.
Iwein 4050; weiʒgot daʒ wil ich über lût sagen ûf iuch beide.
Engelhard 3902; wohl geschiehet einem kinde, das mit muthe hin kan gehn, und den richter fein darff fragen: hast du was auff mich zu sagen? P. Fleming 342; da verhenget got über den burger, das man als ein grosze schuld auf in saget.
heiligen leben (1472) 1
b;
Buyck. das sollt' ich übel nehmen.
Jetter. auf euch ist's nicht gesagt, landsmann. Göthe 8, 178; brief uf Marten Grimmen sagende (
an ihn adressirt).
quelle bei Dief.-Wülcker 827.
anders gewendet: gar dîne flust und dîne klage al balde ûf mîne helfe (
im vertrauen auf) sage.
Willehalm 150, 12. II@6@ff) sagen über etwas,
in bezug auf etwas: was sagt das buch über diese frage.
in älterer sprache statt dessen um: nu begunde er in vil rehte sagen umb Grêgôrjum sînen gast.
Gregorius 3147. II@6@gg)
vereinzelt, an einen sagen: nun was ein würt oder weinsticher im flecken, ein seer guoter fatzbruoder, der sagt zuom offtermal an den pfaffen, er solt doch ein mal das evangelium auff der kantzlen sagen. Wickram
rollwagenb. 91, 18
Kurz. II@77)
modale bestimmungen; mannigfache zusätze dienen zur versicherung, betheuerung, beschwörung, die wahrheit zu sagen: sagda im thô te sôðe.
Heliand 1300; than seggiu ik iu te wâron. 3321; ih sagen thir, quad, in wararacha seltsana. Otfrid 2, 12, 15; thaʒ sagen ih iu zi ware. 3, 23, 54; an der rechten warheit wil ek ome sagen.
d. chron. 2, 2, 429, 1947; mir hât diu unschuldige magt bî dem eide gesagt, daʒ sî wider ir vrouwen sî aller untriuwen vrî.
Iwein 5268; man sagte mir, diz sag ouch ich ûf iwer ieslîches eit (
und jeder von euch mag es beschwören).
Parz. 238, 9; und sagen uns bi ir triuwen, an welher rede wir sîn betrogen. Walther 12, 36; ich wilʒ bî mînen triuwen sagen, dich selben wolt ich lützel klagen. 83, 4; er sprach, sage, bruoder, in der minne, ist iht vische hinne?
Reinhart 745; bey guoter treuw sagen,
bona fide dicere. Maaler 341
c; sagt mir auf gewissen, ist's nicht so? giebt's kein solch gesetz in England? Schiller
M. Stuart 1, 7. in einem ernst sagen,
sedulo dicere. Maaler 341
c; im ernste, im scherze sagen. deutsch heraus, rund heraus, frei, grade heraus, ohne umstände, von der leber weg, kurz und gut, mit kurzem, jemandem etwas ins gesicht, unter die nase, in die augen, in die zähne sagen: das man trötzlich dem mörder und reuber unter augen sage. Luther 6, 4
b; ich sagte ihm in die augen, dasz ich von ihm nichts bessers gelernet.
Rob. Pierot 2, 373; hatte nicht einer ... dem könige mit der unverschämtesten dreistigkeit ins gesicht zu sagen gewagt; dasz man sich selbst recht zu schaffen wissen werde. Schiller 9, 370; jemandem etwas ins ohr sagen,
im vertrauen sagen, zuflüstern: ich will dir was ins ohr sagen Moor, das schon lang mit mir umgeht. Schiller
räuber 1, 2
schauspiel; jemandem etwas in die feder sagen,
in die feder dictieren. laut, leise sagen; mündlich sagen: ich will dir mündlich sagen, was in dem briefe enthalten ist. Schiller 6, 20; sagen eins sagens, offt und dick, oder allenthalben sagen. Maaler 341
b; ich sagte nur so,
ich meinte es ernstlich nicht so, wie ich sagte. II@88) sagen
in redewendungen, welche die sprache lebhaft machen, zur bekräftigung, rekapitulation, zur hervorhebung wichtiger theile des satzes dienen: die drî künege wâren,als ich gesaget hân, von vil hôhem ellen.
Nib. 8, 1; unde hete, sô man saget, under den kinden eine maget.
arm. Heinrich 301 (
vgl. Weinhold
in der ausg. des Lamprecht v. Regensburg
s. 11); wie ich ihnen sage, was ich ihnen sage, der fürst ist gestern eingetroffen; fünf tausend thaler, sage (
oder sage und schreibe) fünf tausend thaler kostet mich diese geschichte; dann, was waren dem menschen solche eingebildete künste vonnöhten? dem menschen, sag ich, der ein leib zu allen verrichtungen taugenlich, und ein vernunfft ... hat. Schuppius 708; wahr also ist es, dasz der ächte genius des dramas, welchen Shakespear, wie Prospero seinen Ariel in seiner gewalt mag gehabt haben, dasz sage ich der wahre geist des schauspiels tiefer in die seele gräbt .. als roman und epopee. Schiller 2, 5; jedes handwerk hat, wie man sagt, seinen goldenen boden.
kab. u. liebe 2, 6; hier wollten sie — so sag' ich mir jezt selber — sie wollten hier von menschen unbehorcht. den stillen wünschen ihres herzens leben.
dom Karlos 2, 9; unterirdisch gold, sagt man, wird unter todtenstille nur gehoben. 2, 5; wie gesagt, das spiel ist verloren. nun, wie gesagt, seine gesellschaft und er blieben bey einander. Kirchhof
wendunm. 213
b; war das nicht brav von ihm! gewisz, und weise nicht minder! denn wer hätt' es ohne grimm anhören können, wenn die buben es geläugnet! also wie gesagt! sehr klug! Schiller
Macbeth 4, 1. gesagt, gethan; wie gesagt, so geschehen; unter uns gesagt, im vertrauen gesagt: der pöbel wurzelt, (unter uns gesagt) weit um. Schiller 11, 12; kurz, grade heraus gesagt
u. s. w., ebenso eingeschoben. nicht zu viel gesagt: das schönste exemplar einer blondine, die, nicht zu viel gesagt, neben den ersten schönheiten des hofes noch figur machen würde. Schiller
kab. u. liebe 1, 5. mit erlaubnisz gesagt; mit permiss zu sagen: zu Altdorf, im studentenkragen, trieb er's, mit permiss zu sagen, ein wenig locker und purschikos. Schiller
Wallenst. lager 7. was ich sagen wollte
heiszt es, wenn man sich auf den gedankengang, von dem man abgekommen, besinnen, wenn man sich die fortsetzung seiner rede überlegen will; ähnlich: aber dasz ich dir weiter sage — wo bin ich stehen geblieben? Schiller
räuber 2, 3
schauspiel. ich will nicht sagen,
wenn statt eines zu starken ausdruckes ein minder starker gewählt wird: dasz ihre hörsäle, ich will nicht sagen leer, doch minder voll würden. Lessing 11, 28.
entgegengesetzten zweck hat oft die wendung was sage ich?: die patriotische begeisterung hat schnell abgenommen, was sage ich? sie ist geschwunden! — wollte ich sagen, ich will sagen,
formel des sich verbessernden: wo ist Kar — der graf, will ich sagen? Schiller
räuber 5, 1
schauspiel. ich will sagen,
zugleich erklärend: der eine frau hatte, welche täglichs zu xanthippisieren, ich will sagen zu zanken und zu kiefen pflegte. Harsdörfer
lust- und lehrreiche gesch. 1, 197. ist zu sagen: wenn uns gott durch einen seiner engel — ist zu sagen, durch einen diener seines worts, — ein mittel bekannt zu machen würdiget. Lessing 2, 300. ich möchte sagen, man kann sagen,
zur einführung eines etwas abliegenden oder starken ausdruckes: diese musik ist, ich möchte sagen, nur pathologisch interessant.
in allgemeinerer anwendung, zur stützung des gewählten ausdruckes oder der ausgesprochenen ansicht: dasz ich so sage, so zu sagen: das vergnügen, so zu sagen über eine nebenbuhlerin zu siegen. Wieland 1, 314; da doch die menschheit so zu sagen zum greise geworden ist, und damals so zu sagen noch als säugling an der brust der amme lag. Klinger 6, 21; auch gehört darzu ein eigenes national-genie, ein gewisses, dasz ich so sage, spizbuben-klima. Schiller
räuber 2, 3
schauspiel; doch war er indessen selbst müde, und so zu sagen mürbe geworden. Göthe 31, 240; ich bin, um mit lieutenant Wallen zu reden, so zu sagen in verzweiflung. Göthe
an Schiller1 452; der bauer ist auch ein mensch — so zu sagen. Schiller
Wallenst. lager 10. II@99) singen und sagen,
alte alliterierende formel, die zweifache thätigkeit des dichters zusammenfassend. Lachmann
über singen und sagen (1833). Müllenhoff-Scherer
denkm.2 s. 402.
belege für das fortleben, beziehungsweise die bewuszte wiederaufnahme der klangvollen formel: da ist es alles verlorn, man straff jn, man büsz jn, man predig, man sing, man sag. wo die forcht nit ist, da ist es alles umb sunst. Keisersberg
hase im pfeffer aa 3
c; und meineten, sie hetten jn (
Christum) nu so tieff verscharret, das niemand mehr von jm singen noch sagen solt. Luther 5, 410
a; die jugend ist .. zornig und eigensinnig, die ihnen weder sagen noch singen lesset. Neander
vom sel. absterben derer, so jung in der jugend sterben (
Erfurt 1588) B 2
b; uns kan auch nimmants do von brengen, mer woln von em sagen und singen.
Alsfelder passionssp. 7394; mit stechen, mit thurniren, mit sagen und mit singen.
fastn. sp. 744, 30; die drucken alles das man bringt, was man von schanden sagt und singt. Brant
narrensch. 65, 66; von himelisch und jrdschen dingen, davon wir offt hörn sagen und singen. B. Waldis
Esopus 4, 66, 110;
M. Simon. ihr solt sein guter possen gar, könt seltzam gschicht auff die bahn bringn.
Bruno. wir können von den sagn und singn. Ayrer 2369, 9
Keller; kein singen und kein sagen vermag den tod zu jagen. Opitz 2, 122; wir singen und sagen vom grafen so gern, der hier im schlosse gehauset. Göthe 1, 195; und dem sey, wer's nicht singt und sagt, im leben und tod nicht nachgefragt! 2, 39; so singt und sagt das lied der nachtigall. 13, 226. singen oder sagen: wenn man die kunde singet oder sagt, vom herzog Ernst und Wernern, seinem freund. Uhland
Ernst von Schwaben 256. II@1010) sagen
und sprechen
zusammen gestellt: altfries. so schil hi sprecka ende sidsa. Richthofen 395, 1.
eigenthümlich in nd. quellen sagen und seggen: so wille wy sagen unde seggen uppe den twyenghen, kryge und twiste, de se uns bescreven hebt. Schiller-Lübben 4, 171
a.
reimend sagen oder klagen: ach was soll ich sagen oder klagen (spricht der bergkmann), es ist kein glauben, hülff, noch trew, weder in der welt, in der hellen, noch bey den heiligen. Mathesius
Sar. 18
a.