Wossidia
Strump Pl. -ü-
m. Strumpf I. a. Spr. Stumpf, verstümmeltes Glied: 'lecge eme dar zweden (
vgl. Swede) umme den strump' Rost. Arzn. 52
b; 'to strumpe' verstümmelt, bildl. schlecht: 'Myn leve kumpan, wo gheyt yt dy so tho strunpe?' (Hochzeitsbitterlied Wi 1448) Jb. 22, 270; 27, 276. II. Strumpf, Kleidungsstück A. a. Spr. Armstrumpf, unter weitem Ärmel getragen: 'eyn par roder szammitz mouwen myt mallien unde strumpen' (Wi 1518) Schill.Lübb. 4, 443
a; 'II sidene mouwen mit parleden strumpen unde mit malgen' (Wi) ebda. B. Strumpf, Bekleidung von Fuß und Bein, bes. Unterschenkel, wozu
vgl. das ältere
Has' f. 1 (
Bd. 3, 490) 1.
eig. a. Sachl.: bis zu Anfang dieses
Jh. wurden die Strümpfe im bäuerlichen, aber auch bürgerlichen Haushalt selbst hergestellt; das Stricken besorgten die Frauen und Mädchen; schon in der Schule mußten diese einen langen Strumpf stricken lernen mit dem Beinling, bestehend aus Krink (oberem Rand) und Schacht (Strumpschacht), und dem Fäutling mit Hacken (
s. Hack
2 3,
Bd. 3, 346), Zwickel, Sahl und Tehn (Spitz) Wo. Sa. Strumpfmanufakturen werden nur vereinzelt erwähnt, so in einem herzoglichen Edict von 1705 die 'Zayen- (
s. Sagen,
Bd. 5, 1151), Creppe- und Strümpff-Macherey', oder für 1786 bei Langerm.: 'Strumpfmanufakturen sind in Güstrow und Neustrelitz. Ihr Absatz ist aber eben so eingeschränkt als ihre Arbeit' 125; Strumpfwirker werden als Professionisten der sechsten Klasse angeführt im Contrib.-Ed. von 1810. Sofern farbige Strümpfe getragen wurden, ließen die Bäuerinnen die selbstgestrickten schafwollenen Strümpfe gern beim Färber in der Stadt färben: wi (Färber) kregen von eenen Buern bet twintig Poor Strümp to farwen Schö; bes. für mehrfarbige Strümpfe wurde die Wolle vor dem Stricken zum Färber geschickt StaStargard@VoigtsdorfVoigtsd; die Farbenwahl wurde bestimmt durch die örtliche Tracht und die jeweilige Mode: die Trachtenbilder bei Lisch Mekl. zeigen weiße (SchöSchönberg@DemernDem; RoRostock@BiestowBiest), graue (Schw; GüGüstrow@ZepelinZep) und blaue (WiWismar@PoelPoel; RoRostock@WarnemündeWarn) Strümpfe bei den Männern und weiße (SchöSchönberg@DemernDem), graue (GüGüstrow@ZepelinZep), blaue (RoRostock@WarnemündeWarn) und rote (Ro Rostock@BiestowBiest; WiWismar@PoelPoel) bei den Frauen; graue und blaue Strümpfe für die Frauen sind bezeugt aus MaMalchin@GrischowGrisch, dunkelbraune und dunkelrote für Schö; die Knechte trugen in Lu Ludwigslust@GrabowGrab sonntags blaue Strümpfe, zur Arbeit in StaStargard@Miltzow-HolzendorfMiltz graue; aber in der Regel trugen die Männer bei Kniehosen weiße Strümpfe Leop. Tracht. 92; diese gehörten im allgemeinen auch zur Festtracht der Frauen 93, während diese alltags
z. B. in Schö@ blaue oder lila Strümpfe trugen, welche oft erst, wenn sie nicht mehr recht taugten, gefärbt worden waren: wenn de witten Strümp gellig würden, würden se in 'n Farwpott krägen un lila farwt SchöSchönberg@FalkenhagenFalkenhagen; wenn ein Mädchen auch zum Tanzen farbige Strümpfe trug, hieß es, sie sei zu faul zum Waschen ebda; daher der Rat an einen, der auf Brautschau geht, gut auf die Strümpfe zu achten Wa; über Farbwechsel, bedingt durch die Mode,
vgl. farben 1 (
Bd. 2, 790); ein Paar rote Strümpfe erhielten in Sta@ der Friwarwer oder die Friwarwersch zum Lohn; mehrfarbige Strümpfe waren ebenfalls geläufig: de Ollen drögen blag' Strümp, vörn mit 'n witten Tehn RoRostock@WarnemündeWarn; StaStargard@VoigtsdorfVoigtsd; der Krink war an blauen Strümpfen weiß StaStargard@VoigtsdorfVoigtsd; er war ganz bunt Schö; beliebt waren Kinderstrümpfe mit rod' Ringels Ro; ein Schäfer in StaStargard@Groß TrebbowGTrebb hadd' witte Strümp an, dee wiren all' bunt stricht in rot un grön un gäl mit grote Blomen StaStargard@Alt StrelitzAStrel; weißen Männerstrümpfen war hinten auf der Wade ein rotes Monogramm eingestickt Voigtsd; als die Männertracht von Kneibücksen zu langen Hosen wechselte, haben die Bauern diese um die Unterschenkel gewickelt un de Strümp œwertreckt œwer de Bücks Schö; vielfach wurden die Strümpfe mit festen Laufsohlen versehen, so daß man ohne Pantoffeln auskommen konnte: Großmudder hadd' sick Sahlen unnerneig't unner Strümp StaStargard@Alt StrelitzAStrel; min Mudder hadd' min Strümp mit dick Linnen (Sacklinnen) œwerneiht un denn mit Teer insmeert, dee hölen waterdicht RoRostock@Nienhagen bei DoberanNHagD; LuLudwigslust@WarlowWarl; ältere Strümpfe wurden noch in Enkelhöhe zu Socken abgeschnitten,
vgl. Söck (
Bd. 6, 503); zur Befestigung des Strumpfes diente allgem. ein Strumpband,
vgl. das. Einzelne auffällige Arten, sich mit Strümpfen zu bekleiden, werden erwähnt: so gingen Rostocker Studenten, 'Halbe Papen' genannt, 'oft mit einem rohten und einem schwarzen Strumpf' Mantz. Sel. 6, 15; angeblich haben die Eddellüd' früher einen grisen Strump un einen gräunen dragen, dor sünd sei an tau kennen wäst LuLudwigslust@KarenzKar; der Sagengestalt Henning Bradenkierl, einem Raubritter, werden grau- oder grünseidene Strümpfe zugeschrieben Bartsch 1, 321. b. Sprachl.; Redensarten, im Nom.: de Strümp trecken Water sie gleiten herunter, ursprünglich wegen der Schwere nasser Strümpfe Wa; daher: mi sacken de Strümp, nu gifft 't Rägen PaParchim@PlauPlau; dee is so klauk, wenn du em up 'n Kopp haug'st, platzen de Strümp SchwSchwerin@GörriesGörr; im Akk.: tweifäutsch Strümp anhebben Strümpfe von zwei verschiedenen Paaren HaHagenow@BesitzBes; du (der etwas nicht gehört hat)
hest woll twei Poor Strümp an GüGüstrow@BützowBütz; de lustigen Strümp anhebben gut gelaunt, fröhlich sein SchwSchwerin@PinnowPinn; lustig Strümp ... H. Schrö
d. Buerh. 3, 55; wenn dei Düwel sin Strümp antreckt (bei Tagesanbruch) Gillh. Idiot. 8; 't sünd slicht Tiden, de Strümp warden baben 'n Enkel taubunnen WaWaren@LuplowLup;
vgl. unt. das Beispielsprw.; denn' heff ick de Strümp gaut upbunnen ihn gehörig angefahren, zurechtgesetzt WiWismar@BrüelBrüel; hei (Betrunkener) hett sick dei Strümp natt maakt WaWaren@MalchowMalch; dei (Bäuerin, die sehr spät im Jahr noch Gössel hat) möt 'n (ihnen) Strümp knütten, dat sei in 'n Winter nich verfrieren HaHagenow@RedefinRed; gah hen un stopp de Müggen ehr Strümp! Abfertigung StaStargard@FeldbergFeldb; ick (alter Kapitän) heff nich 'n Strump verloren nie ein Schiff verloren,
eig. gar nichts RoRostock@WarnemündeWarn; mit Präp.: dor (wenn einer schlechten Fusel getrunken hat) gahn de Flöh dörch Strümp un Stäwel fliehen auf kürzestem Wege Ribn; dat di de Aap inne Strümp fohrt! Schimpfrede Wa; de (großer Mensch) met ... sin richtigen söß Fot un dree Toll in sin Strümp (ohne Schuhe) Bri. 2, 141; dat (saures Essen) treckt eenen de Löcker in de Strümp tosamen Wa; wedder in de Strümp sin wieder gesund sein RoRostock@RibnitzRibn; noch ümmer munter in ... gut zuwege sein Ro; MaMalchin@NeukalenNKal; einen in de Strümp helpen ihn finanziell wieder auf die Beine bringen GüGüstrow@BützowBütz; up de Strümp sin zu Fuß unterwegs sein RoRostock@RibnitzRibn; H. Schrö
d. Krä. 11; up sin Strümp sin gut gelaunt sein HaHagenow@RedefinRed; wedder up dei Strümp kamen gesund werden MaMalchin@StavenhagenStav; einen up dei Strümp bringen gehörig zurechtweisen SchwSchwerin@PampowPamp; di will 'ck up de Strümp bringen dich wegjagen Ro Rostock@KlockenhagenKlock; einen up 'n Strump setten in eine üble Lage bringen SchöSchönberg@KlützKlütz; sick uppe Strümp maken fortgehen RoRostock@RibnitzRibn; sterben WaWaren@RöbelRöb; pedd' di man nich uppe Strümp! Abfertigung RoRostock@RibnitzRibn. Vergleiche: dat (eine Sitte) is afkamen as de roden Strümp (auch die roten Strümpfe wurden nicht mehr getragen) RoRostock@KlockenhagenKlock; Reut. 6, 351; du kannst afkamen ... kannst weggehen WaWaren@JabelJab; dee (sehr Dummer) is dœmlich as 'n Strump StaStargard@Alt StrelitzAStrel. Beispielsprichwort: sünd hochbeint Tiden, hadd' dei Fru seggt, hadd' dei Strümp œwer dei Knie taubunnen RoRostock@LichtenhagenLicht. Volksreime; Neckreime: Liesch ut Hagenow Hett nich Strümp noch Schoh HaHagenow@WittenburgWitt; Oll Mann von Plag' (PaParchim@PlauPlau) Stünn up dree Stunn' vör Dag', As he 'n iersten Strump antach, Wir 't noch lang' nich Dag Sta Stargard@NeubrandenburgNBrand; Fritz hett Hosen an, Un dee sünd bunt, Anna hett 'n Lock in 'n Strump, Un
dat is rund WiWismar@NeuklosterNKlost; Tanzreime
s. Brus' (
Bd. 2, 27) und Bottermelk (
Bd. 1, 1065); Laternenlied ebda; Wiegenlied: Eija Brummsuse ... Wo de blanken Jungfers gaht Mit de witten Schörten un mit rode Strümp Wo.
V. 3, 29; Spielruf: Voß to Lock, de Jäger kümmt, Schitt sick in de gäle Strümp WaWaren@KieveKieve. c. der Strumpf im Aberglauben; Verbote: die Braut darf dem Bräutigam keine Strümpfe stricken, sonst läuft er ihr fort WiWismar@NeuklosterNKlost; am Sonnabend darf man keinen Strumpf fertigstricken, sonst stirbt jemand GüGüstrow@GülzowGülz; in den Twölften keine Strümpfe stopfen, sonst werden die Kühe im Sommer lahm LuLudwigslust@TewswoosTewsW; magisches Hilfsmittel: als Abwehrzauber gegen das Blutharnen der Kühe soll man beim ersten Austrieb einen roten Strumpf über Beil oder Holzaxt ziehen und vor die Stalltür legen RoRostock@Groß SchwaßGSchwaß; gegen Behexung soll die junge Mutter beim ersten Kirchgang die Strümpfe ihres Mannes über die ihrigen ziehen Ma Malchin@LuplowLupl; PaParchim@ZachowZach; soll man einen Strumpf verkehrt herum anziehen WaWaren@DamerowDam; den linken Strumpf soll verkehrt anziehen, wer die Kuh vom Bullen zurückleitet, damit sie nicht ümbullt Wa; um den guten Ausgang einer Gerichtsverhandlung zu bewirken, soll man zuvor seine Strümpfe verkehrt anziehen RoRostock@BartelshagenBart; das gleiche Mittel bewirkt, daß man in der Kirche Hexen erkennen kann Ribn;
vgl. Küselwind (
Bd. 4, 779); in der magischen Krankheitsbehandlung: gegen Halsweh soll man die Sohle des linken Strumpfes auf die schmerzende Stelle legen Wo. Sa. 2. bildl. und übertr.: de Mann mit de roden Strümp Storch im Tiergespräch Wo.
V. 2, 101 a; c; Wismarsch Strümp
s. Krüd'brot (
Bd. 4, 698); Strump Glühstrumpf des Gasglühlichts RoRostock@RibnitzRibn. Mehrfach auftretender Gehöftsname: Up 'n roden Strump StaStargard@WokuhlWok; WiWismar@DabelDabel;
Roden Strump Gü@ Ganschow; PaParchim@GoldbergGoldb. — Zss.; zu II B 1: Bücksen-, Doden-, Hasen-, Kil-, Kringel-, See-, Tismeliten-, Zwichelstrump; Blag'strump; zu II B 2: Lampenstrump. — Mnd. strump. — Dä. 469
b; Kü. 3, 316; Me. 4, 907.