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hex

Lex. bis lat. · 6 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

MeckWB
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Eintrag · Mecklenburgisches Wb.

Hex f.

Bd. 3, Sp. 662
Wossidia Hex f. Hexe, über die Etymologie s. Kluge-M.17 306b; Handwb. d. Abergl. 3, 1838; Trübn. D. Wb. 3, 429a; das im Mnd. nicht vorkommende Wort ist aus dem Hd. in unsere Mda. gedrungen, ä. Quellen bringen die Ausdrücke 'Unholdin'; 'TOeverin': Gry. Lb. 2, K 4b u. öft.; 'TOeverquarre' L 2a; malefica, stryx 'ein TOeverersche' Chytr. 312; 315; der Volksmund bedient sich häufig der umschreibenden Wendung leg' Lüd'; neben dem in Sagen und Rdaa. belegten Hex und seinen Zss. Biller-, Brenn-, Dunner-, Dunnerwäder-, Füer-, Gewitter-, Höllen-, Klœ-[] ter-, Päper-, Pest-, Süll-, Tun-, Wäder-, Water-, Zeter-, Zidderhex treten auch Eigennamen, die eine bestimmte vermeintliche Hexe bezeichnen, auf: Swart Ilsch, Rod' Ils', Bunt Durick, Marlis', Düwelsmariken, Munn-mrik Wo. Sag. 2, 299. I. Hexenwahn und Hexenprozesse: zum Begriff einer Hexe gehören nach dem 'Hexenhammer' (1480) Buhlschaft mit dem Teufel, Kult fremder Gottheiten, Schadenzauber, Flug durch die Luft und Tierverwandlung. Die ersten beiden Punkte sind im wesentlichen der Theologie des Mittelalters entnommen, die folgenden entstammen dem Volksglauben und sind in unseren Sagen zahlreich belegt. 1336 wurde in Mecklenburg die erste Hexe, welche beschuldigt wurde, dem Herzog Albrecht II. durch ein Wachsmännlein nach dem Leben getrachtet zu haben, verbrannt E. Boll Gesch. 1, 284; systematisch betrieben wurden die Hexenprozesse in unserem Lande erst seit dem Erscheinen der Pol.-Ord. von 1562, nach welcher jeder, der durch Zauberei seinen Mitmenschen Schaden zufügte, 'mit dem Feuer gestraffet werden' sollte (Bär. Ges. 4, 1, 43). Allein in Ro wurden im August und September 1684 siebzehn Hexen verbrannt. Auch Gry. trat in seiner Lb. 2, K 4a ff. für eine rücksichtslose Verfolgung ein und bezeichnete die Tortur als das letzte und beste äußerliche Mittel, die Wahrheit zu erfahren. Eine neue Hochflut des Hexenwahns setzte ein, nachdem der Herzog Gustav Adolf der Ritterschaft und den Städten 1661 unter Androhung des Verlustes der Halsgerichtsbarkeit auferlegte, gegen das Laster der Zauberei mit allen Mitteln vorzugehen und es ohne Ansehen der Person zu strafen. Fast ganze Ortschaften sollen in den folgenden Jahrzehnten durch das Feuer ausgerottet worden sein, bis der Herzog, um diesem Massenmord zu steuern, ein besonderes Gericht zur Untersuchung der Hexenprozesse einsetzte. 1688 befahl der Herzog Christian Louis für seinen Schweriner Landesteil, das Brennen der Hexen einzustellen und 'die Delinquenten, wo ihnen mit Bestande etwas überwiesen, in andere Wege abzustrafen', da 'sein Land durch das viele Hexenbrennen mehr denn zuviel beschrien' sei H. Witte Meckl. Gesch. 2, 124. 1698 fand die letzte Hexenverbrennung in Mecklenburg statt, die Hexenprozesse sind noch bis zum Jahre 1736 nachweisbar, führten aber nicht mehr zu Todesstrafen; vgl. E. Boll Gesch. 1, 282; H. Witte Meckl. Gesch. 2, 121; Horn Selmsd. 1, 362; Schildt 146; Arch. Landesk. 19, 89; weitere Angaben s. Wo. Sag. 2, 387. II. heimische Sagenzüge nach Wo. Sag. 2, 298; Bey. Hp. 12. 1. äußere Kennzeichen einer Hexe: Hexen sünd teikent, sie haben ein Mal an der Stirn, darum hatte eine Frau[] in WaWaren@PeckatelPeck stets ein schwarzes Tuch um den Kopf gewunden; sie haben rod' oder leg' Ogen und längere, magere Hände; bei zorniger Erregung kommt ihnen schwarzer Schaum aus dem Munde; auch ihr Haarwuchs ist von besonderer Art: vorne sind die Haare glatt gekämmt, in de Midd' stahn se steidel, dor sünd se rug'; spilig Hoor hebben se up 'n Kopp; die Augenbrauen sind ihnen zusammengewachsen; sie verraten sich durch allerhand Eigenheiten, gehen nicht über einen neuen Besen, nehmen die rechte Schörtenslipp in die linke Hand; auch ungewöhnliches Glück in der Berufsausübung legt den Verdacht an Hexerei nahe; eigenartig ist ihr Verhalten in der Kirche, die sie nach der Volksmeinung am Sonntag nach dem 1. Mai besuchen müssen; auch der Sonntag vor dem 1. Mai, Karfreitag, der Ostermorgen, der Pfingstmorgen, der Sonntag nach dem Johannistag werden als Kirchgangstage der Hexen genannt; sie sitzen in der Kirche rückwärts und müssen sich beim Gang zum Abendmahl mindestens einmal umsehen; ihre Kleidung ist auffallend, sie haben fast alle rote Strümpfe an und haben den Hut, meist ist es ein weißer Strohhut, so aufgesetzt, daß dat vöddelst Deil nah hinnen steiht; häufig tragen sie merkwürdige Kopfbedeckungen, z. B. einen Schwingblock, eine Dis' Heid', einen Topp Flaß, eine Waschmoll, eine Milchseihe, Bütten un Tellers, einen Siebrand, ein Wagenrad, einen Immenrump, einen Mühlstein, einen Stubben Holz, einen Kuhfladen, einen Kessel, einen Kesselring; doch kann man ihren merkwürdigen Aufzug nur wahrnehmen, wenn man bestimmte Dinge, wie ein unter gewissen Umständen gelegtes Ei (s. Ei I 4), ein Vierkleewerblatt, drei heile Roggenkörner, einen Hasenfaut (s. d.) oder das Herz einer Eule bei sich trägt; s. auch Arwslœtel (1, 450), Holt, Roggenohr, Schauh, Strump; bevor der Pastor den Segen spricht, müssen die Personen, welche die Hexen haben erkennen können, die Kirche verlassen, damit ihnen nichts Böses angetan werden kann, s. Feldscheid'; beim Umgang mit Hexen ist Vorsicht geboten, man soll ihnen nichts ausleihen, vor allen Dingen darf man ihnen kein Feuer geben, auch kein Sieb, kein Salz und keinen Sand; wenn sie um Wasser bitten, tut man etwas Salz hinein; begegnet man einer Hexe oder erhält man Besuch von einer solchen, so muß man den Daumen einkneifen oder ihr zuerst einen guten Tag bieten, dann kann sie einem nichts anhaben; verläßt sie das Haus, so wirft man ihr glühende Kohlen nach, auf ihre Fragen darf man nicht dreimal mit einem Ja antworten. 2. wie die Hexen ihre Kunst erlernen: ihre Weisheit schöpft die Hexe aus Zauberbüchern, de Hexen hebben 'n swart Bauk mit witt Baukstaben;[] häufig sind die Bücher in Spiegelschrift geschrieben; schon Kinder lernen nach der Volkssage das Hexen: wat de richtigen Hexen sünd, dee nähmen as Kinner all 'n annern Globen an; der Lernende muß einen Gegenstand, den die Hexe ihm hinhält, meist ist es ein Zauberstock, berühren und sagen: ick fat an 'n witten Stock un verlat unsen Herrgott; nach einem andern Bericht: man möt an 'n witten Stock faten un dörch 'n swarten Ossennoors krupen; zuweilen muß auch der Topf, in dem die Hexe ihre Zaubertränke braut, mit den Worten ick glöw an 'n Pott un nich an Gott angefaßt werden; man legte die Hand beim Abschwören auch auf den Drücker der Kirchentür, oder der Lehrling sollte einen Misthaufen umkriechen unter Herbeten des Spruches: 'Ich krieche um den Mist Und schwöre ab Herrn Jesus Christ'. 3. Schadenzauber, Wetterzauber und andere schädliche Hexenkünste a. die Hexen werden nach dem Volksglauben von einem unwiderstehlichen Drang getrieben, anderen Geschöpfen Schaden zuzufügen, sie mischen Zaubertränke, gießen ihren Feinden ein Gebräu von Kröten, Schlangen, Eidechsen und anderem Gewürm vor die Haus- oder Stalltür (s. Gœt 1), sie versuchen, einem jungen Paar den Kindersegen zu rauben, indem sie vor der Hochzeit einen mit Zauberwerk gefüllten Grapen in ein Loch auf dem Hauptwege zum Hause versenken, ein Geflecht aus drei künstlichen Knoten geschürzt unter dem Ehebett befestigen oder ein Hängeschloß, in dessen Öffnung sie einen Fetzen vom Hemd der Braut gesteckt haben, in dem Augenblick, wo die Einsegnung des jungen Paares erfolgt, zudrücken und es in den Hausbrunnen werfen; sie hocken den Menschen auf und peinigen sie, so daß diese langsam dahinsiechen (verquinen); sogar durch ein Schlüsselloch oder eine Türritze können sie ihrem Opfer ein Übel anpuusten; sie nehmen die Fußstapfen der Menschen auf und bekommen sie so in ihre Gewalt; gleich dem Teufel vermögen sie ihren Feinden den Kopf so umzudrehen, daß das Gesicht nach hinten steht. Besonders dem Vieh können sie allerhand Schaden tun, sie benehmen ihm die Freßlust: de Hexen hebben de Kauh dat Mul taubunnen, reiten auf den Schweinen und besetzen Kühe und Pferde mit Läusen. Die Hexen können ferner die Milch fremder Kühe auf allerlei Weise an sich bringen. Wenn eine Kuh gekalbt hat, versuchen sie, den Kauken, der in der Nachgeburt ist, in die Hand zu bekommen, um dann die Kuh durch die Wand zu melken, oder sie melken die Kühe der Dorfgenossen, wo die Ställe auch immer liegen mögen, in ihrem eigenen Hause oder Stall mit einem Handtuch aus, zuweilen genügt es auch, wenn sie zu diesem Zweck einen[] grauen Wollfaden an einen Baum binden, oder sie stecken eine Gabel oder zwei Sticken in die Wand; weck hebben melken künnt ut 'n bäuken Stamm; Hexen melken ut 'n dürren Stock. Wenn die Kühe auf dem Dreesch gehütet werden, schlagen die Hexen vier Nägel in die Erde, denn kümmt de Melk rut ut de Nagels. Über das unrechtmäßige Buttern der Hexen s. bottern (1, 1069), Botterbüdel (1057), -düwel (1059), -fatt (1060), -pott (1069), -worm (1073). Als Abwehrmittel gegen Hexen gelten Düwelsdreck, swarten Kœm (Kümmel), vor allem Kreuzdorn (Krüzduurn), Dill und Dost (s. Dust1); das Anstecken einer Näh- oder Stopfnadel schützt vor ihrem bösen Blick; ein durchlöchertes Hufeisen, das man auf die Schwelle nagelt, wehrt ihnen den Eingang in Haus und Stall. Neugeborene Kinder, die viel schreien, also behext sind, trägt man dreimal um die Kirche herum, s. ferner Bücksenkül (2, 67), Kätelhaken. Um das Vieh vor Behexung zu schützen, hält man häufig einen Ziegenbock im Stall, man hängt auch wohl einen Hääktkopp (3, 337) an die Stalltür oder vergräbt einen Erbschlüssel (Arwslœtel) vor dem Stall; junge Katzen, die vor dem 9. Tage sterben, werden im Schweinestall unter dem Trog eingegraben (s. blind; 1, 958). Hexen können den Schaden, den sie angerichtet haben, auch wieder heilen, darum läßt man einen behexten Kranken aus der hohlen Hand der vermeintlichen Hexe trinken; sie haben ein Buch, de ein Reig', dat Veih krank tau maken, de anner Reig', dat Veih wedder gesund tau maken. b. der Glaube an das Wettermachen der Hexe ist durch die Ausdrücke Dunner-, Dunnerwäder-, Wäderhex belegt, sie kann regnen lassen, wenn es ihr gefällt; sie erregt den Wirbelwind: in 'n Küselwind sall ne Hex sitten, dee sall dat ümmer fägen. c. die Hexe kann sich in ein Tier verwandeln und begegnet den Menschen so als Pferd, Ochse, Kalb, Hund, Schwein, Ziege, Schaf, Hirsch, Reh, Bär und Ratte; sie erscheint auch als Ente, Gans, Krähe, Elster, Weihe oder Eule, nie als Taube oder Schwalbe, auch nicht als Hecht (s. Hääkt 5 b); schwarze Hühner ohne Abzeichen sind Hexen; weit verbreitet ist die Anschauung, daß Kröten verwandelte Hexen seien; in RoRostock@StülowStül zeigt sich eine Hexe als Snak (Schlange); die eigentlichen Hexentiere sind bei uns aber die Katze und der Hase, meist der dreibeinige (s. Has' 11). Wie der Werwolf kann auch die Hasenhexe gezwungen werden, ihre menschliche Gestalt anzunehmen, wenn man sie mit ihrem Namen anruft, sie mit einem Kreuzdornstock schlägt oder mit einem scharfen Gegenstand bis aufs Blut verwundet (s. blautwunnen; 1, 944). Hexen und Hexer machen Mäuse aus Backbeeren, aus einem Dusendschöning, aus magerem[] Swinfleisch, aus Erbsen (s. Arwt; 1, 457); in WaWaren@KlocksinKlocks war eine Hexe, dee hett vier Müs' maken künnt mit ne Kutsch, dor hett se mit führt; aus Brotkrümeln oder aus einem Sandhaufen verfertigen sie Läuse; auch Hornissen, Krähen und Hasen vermögen sie hervorzuzaubern. Sie können auch andere Menschen in Tiere verwandeln. Ähnlich den Zwergen haben auch manche Hexen die Gabe, sich unsichtbar zu machen, so die Bunt Durick, welche sich zu diesem Zweck eine Zipfelmütze aufsetzte. 4. die Blocksbergfahrt a. Zeit und Versammlungsort: die alljährliche Fahrt nach dem Blocksberg (s. Blocksbarg; 1, 966) fand meist in der Walpurgisnacht (1. Mai) statt, aber auch die Johannisnacht, vereinzelt der Fastelabend, die Bartholomäusnacht (s. Bartelmeis'; 1, 639) und die Zeit der Zwölften werden in diesem Zusammenhang genannt. Als Versammlungsort gelten neben den zahlreichen Blocksbergen unserer Heimat Burgwälle und Schloßberge, der Hellbarg bei StaStargard@PrillwitzPrillw, der Sprootsch Barg in WaWaren@RetzowRetzow; beliebt sind Kreuzwege, auch Bäume werden als Treffpunkt genannt; in MaMalchin@TeterowTet und Sta tanzen die Hexen zu dieser Zeit sogar auf dem Marktplatz. b. der Ritt durch die Luft: vor der Fahrt reiben die Hexen sich meist mit einer Zaubersalbe ein, zu Beginn der Reise wird ein Spruch hergesagt, der ein glückliches Fortkommen sichern soll und dessen häufigst belegte Form lautet: Up un darvan Un narens nich an. Die Hexen reiten meist auf einem Besen (s. Bessen; 1, 796), aber auch auf einem Krückstock, einem Hasselschänstock, einem Zaunpfahl, einem Spinnrad, einem Webstuhl, einem Brettstuhl, einer Toggbank, einem Klapp Stroh, einem Stieltopf, einem Abenschüwer (1, 41), einem Backofen, einer Flachsbreche; häufig reitet die Bauersfrau auf ihrem Knecht, den sie durch Überwerfen eines Zaums in ein Pferd verwandelt, als Reittiere erscheinen ferner Kuh, Schaf, Ziegenbock, Sau, Kater, Hahn, Kunhahn und Gans. Um das Vieh vor solchem Mißbrauch zu schützen, wurden an diesem Tage schwarze Kreuze an alle Ställe gemalt, man schlug auch wohl Nägel in 'n Krüz in die Tür oder verwahrte diese mit einem Kreuzdornstock; vielfach versuchte man, die Hexen auch durch Lärm zu verscheuchen, oder man schützte sein Besitztum, indem man Leinsamen um das Haus oder Brotkrümel auf die Schwelle streute; in den Dörfern um Ro Rostock@WarnemündeWarn stellte man am Abend einen umgestülpten Suppenkumm vor die Tür, auf den zwei Besen über Kreuz gelegt wurden; in der Gegend von StaStargard@NeustrelitzNStrel und auf WiWismar@PoelPoel wurde in der Mainacht eine als Hexe zurechtgemachte Strohpuppe auf einen Wagen, den die Knechte zogen, gesetzt, bis zum nächsten Kreuzweg gefahren, dort mit Mistforken[] heruntergestoßen und verbrannt, denn hebben de Hexen ehr Forsch (Kraft) verloren. Um die nach dem Blocksberg reitenden Hexen zu erkennen, umzieht man das Dorf mit einer Arwäg' (s. 1, 445), einer Arwkäd' (448) oder einem Kätelhaken, umspannt es auch wohl mit einem roten seidenen Faden. c. das Treiben auf dem Blocksberg: am Festplatz angelangt, ergötzen sich die Hexen an Speise und Trank, wobei sie sich goldener Schüsseln, Becher und Messer bedienen; nach einer anderen Sage essen und trinken sie aus ausgehöhlten Pferdehufen, in Sta@ wird aus einem Pferdehuf gegessen und aus Kuhpfoten getrunken; in RoRostock@WarnemündeWarn werden Brataal un Plummen un Klüt, die Lieblingsspeise der Seeleute, den Hexen als Festessen gereicht, auch die früher so beliebten Backbeeren werden häufig erwähnt; dazu wurde Knisenack, das berühmte Güstrower Bier, getrunken; zum folgenden Tanz ertönte oft liebliche Musik; die Person des Teufels tritt in den häufigen Schilderungen des Blocksbergtreibens sehr viel mehr zurück als in den Protokollen der Hexenprozesse; auch das Buhlen mit dem Teufel, das in den meist durch die Folter erpreßten Zeugnissen jener Zeit eine besondere Rolle spielt, wird erwähnt. 5. das Sterben der Hexe: den Hexen ist nach dem Volksglauben kein sanfter Tod beschieden; unsere Sagen kennen zahlreiche Mittel, die angewandt werden, um ihren Qualen ein Ende zu bereiten; man legt sie auf einen Dodenknaken (2, 358), stülpt ihr einen Kessel über den Kopf, stellt eine Schale mit glühenden Kohlen unter ihr Bett, haut die dritte Latte im Strohdach des Hauses durch; öft. wird berichtet, daß sie erst sterben kann, wenn sie ein Vaterunser gebetet hat; vor allem muß sie vor ihrem Tode einen anderen ihre Kunst lehren und versuchen, sich ihres Handwerkszeuges, des Zauberbuches und Zauberstabes, zu entledigen. Um der Wiederkehr einer Hexe nach ihrem Tode vorzubeugen, streut man Leinsamen hinter der Leiche her, oder man wirft ihr ein Stück der eigenen Kleidung nach; s. auch Dodenklock (2, 358); folgt man ihr zum Grabe, so muß man Leinsamen in der Tasche tragen. Selbst auf dem Scheiterhaufen zeigt sie ihre Macht, er fängt erst Feuer, nachdem man ihr eine Erbbibel unter die Füße gelegt hat (s. Arwbibel; 1, 446); um ihre Macht zu brechen, streut man ihr Salz in den Nacken, oder man stößt ihr die Kopfbedeckung, die sie trägt, mit einer Stange ab, worauf der Teufel sie verläßt und ihre Seele meist in Tiergestalt (s. Brümmer, Katt, Mus, Vagel) entflieht. Auf der Stätte, wo eine Hexe verbrannt wurde, wächst kein grünes Gras wieder; aus dem Grabe einer unschuldig verbrannten Hexe wachsen drei Nelken hervor. III. weiterer sprachlicher[] Niederschlag: wenn dat in 'n Frühjohr œwer de kahlen Böm dunnert, hebben de Hexen keen Oort StaStargard@GrammertinGramm; s. Bom (1, 1010); Fru Gaud' is ne Hex wääst Wo. Sag. 1, 71; Hexen, Fexen, Tatersch gäl Riden up 'n Bessenstäl rufen Knaben einer vermeintlichen Hexe nach: Derb. 2, 68; Haß und Abscheu machen sich in folgenden Wendungen Luft: de Hexen müßten in Öl kaakt warden Wo. Sag. 2, 301; wenn de Hexen unsen Herrgott wat andaun künnen, denn deden sei 't ebda; den Hexenglauben ablehnend: de Hexen un de Spök maakt de Minsch sick sülben 302; beim früher üblichen Schießen am Heiligen Abend sagte man: nu warden de Hexen wegschaten Pa Parchim@SpornitzSporn; von einem hinsiechenden Menschen oder Haupt Vieh heißt es häufig: denn' (dat) hebben de Hexen unner; wenn das Kartoffelkraut nicht brennen will: dat is rein, as wenn dor ne Hex in sitt; ärgerlicher Ausruf beim Kartenspiel, wenn man nur rote Farben in der Hand hat: weit de Deuwel, wat Hexen sünd, rod' Ogen hebben s' all'! Wa; is all' Hex un Deuwel, seggt Schooster Möller, bi 'n Aben kann 'n nich seihn, un bi 'n Finster will de Draht nich teihn Schw; eine junge Wochenfru is vör ehren Kirchgang ne Hex man fürchtet ihren Blick Wo. Sag. 2, 306; im Neckreim auf Korlin: Hett all' de Huren un Hexen bäden (zur Hochzeit) Wo. V. 4, 318; auf Luise: Lowisch Lowex, Wat maakt de Hex? 335; auf Johann: De Hexen hinnen up, Holl di jo nich up 2; im Abzählreim: 'Ein ... neun, Mädel um die Scheun, Mädel um den Ring, Alte Hexe spring' 949; im Bastlösereim: Kümmt ne olle Hex an, Mit 'n stumpes Metz an 620; als Schelte häufig im Anruf an die Weihe: Oll Wih, oll Wih, oll Hex 2, 1123 u. öft.; Scheltname für die Kröte: rotögig Hex 83; für eine unruhige, schwer zu melkende Kuh: oll Hex RoRostock@KühlungsbornKühl; ein scheuendes Pferd: œweröögte Hex HaHagenow@RedefinRed; sogar für die Sonne: de Hex kickt ok all wedder œwern Barg HaHagenow@RedefinRed; Hex un Brot ein weiter nicht erklärtes Knabenspiel WaWaren@RambowRamb; in einem häufig belegten Fangespiel hat die Greiferin, Mudder Hex, einen großen Kreis als Wohnung, einen kleineren als Backofen und einen als Bratpfanne. Gefangene Kinder kommen erst in den Backofen, dann in die Bratpfanne und werden schließlich gegessen. Die Hexe wird von den zu greifenden Kindern geneckt: Mudder Hex, Mudder Hex, mit 'n Bessenstäl, Sleiht de Kinner gräun un gäl, Gräun un gäl is ungesund, Mudder Hex, Mudder Hex is kugelrund (is 'n Höllenhund). — FN.: Hexenbäk, -barg, -grund, -holt, -hüürn, -keller, -kolk, -koppel, -kul, -lock, -muer, -soll, -stig, -winkel, -wisch. — Dä. 185a; Kü. 1, 711; Me. 2, 779.
19175 Zeichen · 157 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Hex

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57)

    Hex , griech., 6, vielfach in Zusammensetzungen z.B.:

  2. modern
    Dialekt
    Hëx

    Elsässisches Wb. · +3 Parallelbelege

    Hëx [Haks fast allg.; Hæks Str. W.; Pl. –ə] f. 1. Hexe. Alti H. schlimme, verdächtige Weibsperson (Scheltwort, auch für …

  3. Latein
    hex

    Mittellateinisches Wb.

    hex (exa) numer. (ἕξ) gr. scriptum: MLW l. 17. sex – sechs : MLW Rhythm. 118,11,1 inde (sc. a ruina Troiae) anni numeran…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit hex

443 Bildungen · 402 Erstglied · 35 Zweitglied · 6 Ableitungen

hex‑ als Erstglied (30 von 402)

Hexachord

Herder

Hexachord , die Tonleiter mit 6 diatonischen Stufen; mit 6 Saiten bezogenes Instrument; die größte Saite.

hexachordum minus

LmL

hexachordum minus große Sexte - kleine Sexte — major sixth - minor sixth [s.XV] LmL Bonav. Brix. 14, 7. LmL Bonav. Brix. 14, 96: Sciendum es…

hexachordus

LmL

hexachordus -a , -um sechs Tonstufen umfassend — encompassing six pitches [s.XV] LmL Ioh. Cicon. mus. 4, 1 p. 366, 4: Omnis igitur cantus in…

hexade(n)

LmL

hex·aden

hexade(n) (de ἑξας ) Sexte — the sixth [s.XIII] LmL Disc. Omnis homo II 30 p. 254: Pro exade ascendendo vel descendendo debemus reddere dipt…

Hexādisch

Meyers

Hexādisch (griech.), die 6 zur Grundzahl habend.

Hexaëder

Meyers

hex·aeder

Hexaëder (griech.), Sechsflächner; regelmäßiger H. soviel wie Würfel.

hexa(e)meron

MLW

hexa(e)meron (ex(s)a-), -i n. (ἑξαήμερον) interdum indecl., e. g. MLW MLW l. 36. 43. usu attrib.: MLW l. 35. spatium illud sex dierum, quibu…

*hexagamus

MLW

hex·agamus

* hexagamus (e-), -a, -um. (ἕξ et γάμος, per analogiam ad bigamus sim. formatum ) sextum matrimonium agens – zum sechsten Mal verheiratet : …

Hexagon

Herder

hex·agon

Hexagon , Sechseck; h. al , 6eckig; H. al-Zahlen , s. figurirte Zahlen.

*hexagonalis

MLW

hexagon·alis

* hexagonalis (e-, exogan-), -e. (ἑξάγωνον) per confusionem, ut vid., i. q. sextus – der sechste : MLW Paul. Fuld. Erh. 1,4 p. 11,7 (ed. Lev…

Hexagonālzahlen

Meyers

Hexagonālzahlen ( Sechseckzahlen ), s. Polygonalzahlen .

hexagonus

GWB

hexagonus botan, Artbezeichnung s Kaktus Katherina Mittendorf K.M.

Hexagramm

Meyers

Hexagramm (griech.), Sechseck. fälschlich auch für Drudenfuß (s. d.); mystisches H., s. Kegelschnitte .

Hexagynia

Herder

Hexagynia , botan., Blüte mit 6 getrennten Griffeln.

Hexagynus

Meyers

Hexagynus (griech.), sechsweibig, von Blüten mit sechs getrennten Griffeln; daher Hexagynia , Ordnung des Linnéschen Systems, Pflanzen mit s…

Hexakisoktaëder

Meyers

Hexakisoktaëder (griech.), 48flächige Kristallgestalt des regulären Systems, s. Kristall .

Hexakistetraëder

Meyers

Hexakistetraëder (griech.), von 24 Dreiecken eingeschlossene Kristallgestalt, s. Kristall , Fig. 44.

Hexamĕron

Meyers

Hexamĕron (griech., »Sechstagewerk«), Titel süt Sammlungen von Novellen, die an sechs Tagen er zählt werden, wie z. B. Wielands »Hexameron v…

Hexameter

Pfeifer_etym

Hexameter m. ‘sechsfüßiger Vers’ in der griech. und lat., vom 18. Jh. an auch in der dt. Epik, Übernahme von gleichbed. lat. hexameter, subs…

hex als Zweitglied (30 von 35)

Blauthex

MeckWB

blaut·hex

Wossidia Blauthex f. Bluthexe, Schelte für eine böse Frau Wo. Sag. 2, 299.

Botterhex

MeckWB

botter·hex

Wossidia Botterhex f. Frau, die die Butter behext Wo. Sag. 2, 299; als Scheltwort Ha Hagenow@Redefin Red ; Lu Ludwigslust@Grabow Grab ; Sta …

Brakhex

MeckWB

brak·hex

Wossidia Brakhex f. Frau, die beim Flachsbrechen die Risten aus dem Ofen nimmt Wa Waren@Sietow Siet .

Brennhex

MeckWB

brenn·hex

Wossidia Brennhex f. Scheltname für eine böse Frau, die eigentlich als Hexe verbrannt werden müßte: Wo. Sag. 2, 299.

Drahthex

MeckWB

draht·hex

Wossidia Drahthex f. Schelte für ein böses Weib Ha Hagenow@Wittenburg Witt .

Drœhnhex

MeckWB

drohn·hex

Wossidia Drœhnhex f. wie -fläut Wa Waren@Malchow Malch ; Wo. Sag. 2, 299.

Dunnerhex

MeckWB

dunner·hex

Wossidia Dunnerhex Dunnershex f. Donner-, Wetterhexe; Schelte für Frauen allgem.; Derb. 1, 38. Vgl. Wo. Sag. 2, 299 ; 324. Syn.: Dunnerwäder…

forp(h)ex

MLW

forp(h)ex v. MLW forceps. Mandrin

Füerhex

MeckWB

fueer·hex

Wossidia Füerhex f. Schelte für die Hexe Wo. Sag. 2, 299; für ein böses Weib Ma Malchin@Remplin Rempl ; für die Weihe: du oll Fürhex Wo. V. …

Gallenhex

MeckWB

gallen·hex

Wossidia Gallenhex f. Schelte für Frauen, 'bitter wie Galle' Wo. Sag. 2, 299.

Gewitterhex

MeckWB

gewitter·hex

Wossidia Gewitterhex f. 'Gewitterhexe', Wetterzauber übende Hexe Wo. Sag. 2, 299; 324; Schelte für ein böses Frauenzimmer Ha Hagenow@Redefin…

Gnitterhex

MeckWBN

gnitt·er·hex

Wossidia Gnitterhex f. zänkische Frau Sta Stargard@Thurow Thur .

Hasenhex

MeckWB

hasen·hex

Wossidia Hasenhex f. eine Hexe, die sich in einen Hasen verwandeln kann Wo. Sag. 2, 332; vgl. MeckWB Has' m. 11.

Klœterhex

MeckWB

kloeter·hex

Wossidia Klœterhex f. wie -fik Ro Rostock@Gresenhorst Gres ; vgl. Wo. Sag. 2, 299.

Muerhëx

ElsWB

muer·hex

Muerhëx f. kleiner Fisch, der im Schlamm sich aufhält, Syn. Muergrundel Heidolsh. Dachstn.

Narthex

Herder

Narthex , griech., lat. Ferula , hochwachsende Doldenpflanze mit markigem Stengel; bei den altchristlichen Kirchen die Vorhalle, welche unmi…

Päperhex

MeckWB

paper·hex

Wossidia Päperhex f. Pfefferhexe, Schelte für eine Frau Wo. Sag. 2, 299.

Pesthex

MeckWB

pest·hex

Wossidia Pesthex f. Schelte für eine böse Frau Wa; Ma Malchin@Remplin Rempl ; auf die Rede der Frau: hüt is Dins'dag, treckt männig oll Sche…

Strahlshëx

ElsWB

strahl·s·hex

Stra h lshëx f. Blitzhexe. ‘Was? Du Strohlshex! Du Dolle; i wurr dich, Trutschel du, recht durchkurranze solle’ Pfm. II 2. ‘Un d’ Lieb, die …

Süüskewäderhex

MeckWB

Wossidia Süüskewäderhex f. Schelte für eine Frau ( Schö Schönberg@Grevesmühlen Grev ) Wo. Sag. 2, 324. Viell. zu Süßken Schwester Br. Wb. 4,…

Tunhex

MeckWB

tun·hex

Wossidia Tunhex f. Hexe, die man sich ursprünglich als Zaunreiterin vorstellte; Schelte für eine böse Frau: Wo. Sag. 2, 299; Ro Rostock@Heil…

Wäderhex

MeckWB

waed·er·hex

Wossidia Wäderhex f. 1. ganz bösartiges Weib, ursprünglich eine Hexe, der man das schlechte Wetter zuschrieb Schmidt Gad. 3, 152; sei süht u…

Ableitungen von hex (6 von 6)

behexen

DWB

behexen , fascinare: er ist behext, er steht da wie behext; geh du hast mich behext. Fr. Müller 2, 119 . vgl. verhexen.

BEHEXUNG

DWB2

DWB2 BEHEXUNG f. DWB2 nomen acti u. nomen actionis zu behexen: DWB2 ⟨1668⟩ daß sie dadurch (durch das verzehren von eierkuchen) für allerhan…

erhexen

DWB

erhexen , artibus magicis adipisci, erzaubern.

hexe

DWB

hexe , f. kniebug, vgl. DWB hechse 1 sp. 738. auch ein krummes messer der gärtner, vgl. DWB hechse 3 sp. 739.

urhexe

DWB

urhexe ( h. der urzeit, ur- C 4 c) J. Bayer lit. skizzenb. 92 , bibl. d. schr. a. Böhmen. —

verhexen

DWB

verhexen , verb. mittels zauberei in einen anderen zustand versetzen. zusammensetzung mit einfachem hexen theil 4 2 , 1300, wo ver ( fort ) …