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Hochtit

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Eintrag · Mecklenburgisches Wb.

Hochtit f.

Bd. 3, Sp. 726
Wossidia Hochtit f. Hochzeit I. ursprünglich jedes hohe, bes. jedes kirchliche Fest, so häufig in Datierungen: 'des neghesten vridaghes der hochtit des hilghen lichamen' (1315) UB. 6, 158; 'iner hilgen hogtit tu paschen' (Sta Stargard@NeubrandenburgNBrand 1339) 9, 183; 'des dunnerdaghes vor pinchsten, der hoctid' (1350) 10, 389; 'an der hochtid der bord uses heren Jesu Christi' (Wi 1397) 23, 352; 'yn deme hylghen avende der hochtiid wynachten' 681; 'an der hochtid der hilghen iungkvrowen Marien ..., alzo ze thů hemel vor' (1373) 18, 327; Zinsen sollen gezahlt werden 'tho iewelker hochtidt to sunte Mertene' (1375) 523; in einem Filial soll der Geistliche 'holden dre missen in der weken ..., ock tho veer tiden in deme iare tho den hogsten hochtiden' (1369) 16, 498. II. eingeschränkt auf die Vermählungsfeier, wofür früher der Ausdruck Brutlacht (2, 43) üblich war, auch Köst und Werschop werden in diesem Sinn gebraucht 1. Allgemeines: zahlreiche Verordn. über Termin der Hochzeiten, die Zahl der zu ladenden Gäste, der Gerichte, die auf dem Fest gereicht werden dürfen, die Festdauer und die Vor- und Nachfeiern liegen für Stadt und Land vor. Diese Hochzeitsordnungen scheiden von Anfang an kleine oder Abend- und große oder Tageshochzeiten, welch letztere in Wi nur bei einer Mitgift von 100 M. Lüb. gestattet, 1398 überhaupt verboten wurden Tech. Bürg. 125; vgl Dagbrutlacht (2, 211). Bei den großen Hochzeiten sollten um 1295 höchstens 80 Schüsseln, die Schüssel zu 2 ß, aufgesetzt werden, so daß die Höchstzahl der Gäste, da je zwei aus einer Schüssel aßen, 160 Personen betrug Tech. Bürg. 130; 1339 wurde die Zahl der aufzutragenden Schüsseln auf 100 erhöht UB. 9, 225; zu den kleinen Hochzeiten, die als Hochzeiten ohne Schmaus bezeichnet werden, ist die Zahl der zum Trinken und Tanzen geladenen Gäste von Rats wegen nicht beschränkt 226; am folgenden Tage schloß ein Mahl von 30 Schüsseln das Fest ab ebda; Tech. Bürg. 131; weitere Bestimmungen Beitr. Rost. 2, 2, 80; 2, 3, 14; 11, 12; ferner die Pol.-Ord. von 1516 Bär. Ges. 4, 1, 23. Auf dem Lande soll einem 'wohlbesetzten Hüfener' gestattet sein, zur Hochzeit drei bis vier Tonnen Bier aufzulegen und seinen Gästen drei Essen vorzusetzen, doch soll die ganze Hochzeit 'mit zweyen Mahlzeiten ... beschlossen ... seyn' (1693) Bär. Ges. 4, 2, 17; ähnl. (1709) 3, 1, 39; (1750) 3, 2, 23; die leibeigenen Untertanen dürfen 'bey einer Hochzeit niemals über 14 Personen, den Prediger und Küster ausgeschlossen, zum Essen laden, länger nicht als einen Tag dazu anwenden und nicht mehr als überhaupt drey Gerichte vorsetzen, auch nicht über eine Tonne Bier dazu anschaffen' (1756) 3, 1, 53. Für GüGüstrow@BützowBütz bestimmt die Hochzeitsordnung von 1620, daß dem Scharfrichter 'seiner alten Gerechtigkeit nach ... zwey Gerichte, drey Brodt und vier Kannen Bier von des ersten und anderen Standes Personen Hochzeiten ... gefolget werden sollen'; eine ähnliche Bestimmung gilt für den Hirten, s. Heir 1. Eine Verord. von 1763 verbietet das Schießen, das früher 'auf Hochzeiten bey den Zügen zur Kirche und Trauung' üblich war. Über die Hochzeit gefallener Mädchen verfügt die Pol.-Ord. von 1572, daß 'mit hochzeitlichem ehrlichen Gepreng zur Kirchen zu gehen, ihnen nicht gestattet, sondern mit Gefencknus auf ein Monat ... gestrafet werden sollen, damit also ein Underscheidt zwischen ordentlichen und den Winckelhochzeiten und Beylagern gemacht und gehalten werde' Bär. Gr.-Ges. 162. Nach der Kirchenord. von 1650 'sollen auch nach altem Christlichem Gebrauch, und aus erheblichen Ursachen keine Hochzeiten in der Fasten, zwischen Invocavit und Ostern, also auch zwischen dem andern Sontage nach dem Advent und Weinachten, auch nicht in der Wochen, darin die hohen Feste, als Weinachten, Ostern und Pfingsten einfallen, gehalten werden' Ges. 1, 2, 352; auch nicht an anderen Sonntagen ebda; Masch Ratz. 687; im Bistum Ratzeburg bestand fernerhin ein Verbot der Vertrauungen am Montag, Freitag oder Sonnabend 714; aus Wi erfahren wir: 'an. 1602 sind (wenn keine Feyertage eingefallen) die vornehmsten Hochzeiten auf die Dienstage und die geringeren auf die Montage verleget' D. Schröd. Wism. 123; in der Kirchenord. von 1708 heißt es: 'weil auch einreißen will, daß etliche sich am späten Sonnabend wollen copulieren lassen, so wollen wir solches gänzlich verboten haben, und obgleich Wir des Freytags einem jeden seine Freyheit lassen, soll doch am Sonnabend keine große Gästerey vergönnet sein, weswegen auch, wo eine große Zurüstung nötig ist, der Montag zum Hochzeitsmahl nicht soll genommen werden. Im übrigen solls am Sonntag schlechthin unvergönnet bleiben.' In den Nützl. Beitr. 1795, S. 371 wird gesagt: 'unser Gesinde geht an den mehrsten Orten an keinen andern Tagen als am Dienst- oder Freitage ... aus dem Dienst und begibt sich in neue. Auch verheiratet sich der gemeine Mann nur an diesen Tagen', s. Bartsch 2, 59. Was den Zeitpunkt anbetrifft, so sollen nach der Kirchenord. von 1701 'die Mittags-Copulationes Glock 12, die Abend-Copulationes aber Glock 6' durchgeführt werden; vgl. D. Schröd. Wism. 123. 2. die Bauernhochzeit, s. Buerhochtit (2, 97), Brut und die Zss. (29); weiterhin Arch. Landesk. 17, 452; Bartsch 2, 59; Bey. Lp. 70; Fromm Meckl. 103; Horn Selmsd. 1, 344; Jb. 2, 124; 152; Meckl. 5, 110; 21, 75; Monschr. 2, 352; Schildt 111; Wo. Hocht. a. Zeit, Dauer und Festvorbereitungen: nach Überwindung der Franzosenzeit und der für die Landwirtschaft schweren Jahre, die den Freiheitskriegen folgten, erwachte die Tanzund Festfreude unseres Landvolkes zu neuem Leben. Alle vorher angeführten Verordnungen wurden stillschweigend außer Kraft gesetzt, so daß Bauernhochzeiten mit einer Gästezahl von 100 bis 200 Personen keine Seltenheit waren. Alle Dorfbewohner, Jung und Alt, wurden gebeten. War einer der Brautleute aus einem anderen Dorf, so wurde auch das Dorf geladen, ebenso die Verwandten von nah und fern (s. Hochtidenbidder). Ein Übergehen dieser Sitte erregte Unwillen und forderte den Spott der Übergangenen heraus. So feierten die Bauern in StaStargard@StarsowStars, die zu einer Hochzeit nicht geladen waren, eine jüüst Hochtit (s. güüst), indem sich zwei als Brautpaar ausputzten, mit dem die übrigen unter Musikbegleitung bis zur Kirche fuhren, dort umkehrten und dann im Dorfe ein festliches Mahl mit nachfolgendem Tanz abhielten. Die meisten bäuerlichen Hochzeiten fanden im Herbst um Martini, wenn das Ackerwerk beschickt war, statt. Als eigentlicher Hochzeitstag wurde meist ein Freitag gewählt, doch währte die Festlichkeit mit ihren Vor- und Nachfeiern drei bis vier, zuweilen auch wohl acht Tage lang. Am Montag begannen die Vorbereitungen mit dem Schlachten, dem das Backen ungeheurer Mengen von Butterkuchen folgte. Die Fleischmengen, die bei dieser Gelegenheit vertilgt wurden, beleuchtet schon eine Verord. von 1787, nach welcher die Zahl der geladenen Teilnehmer auf 30 Personen, die Festdauer auf 2 Tage festgesetzt war: 'zum Hochzeitmahl wird bey vollen und halben Stellen, wenn einer des Vermögens ist, und es anwenden will, ein kleines Rind von 6 bis 8 Thaler, außerdem aber 1 und 2 Schweine, 1 und 2 Schafe, und einige wenige Hühner und Gänse zu schlachten, auch Reis, Grütze und übrige Hausmannskost an Gartengewächs und getrockneten Obste zugelassen' Masch Ges. 49. Am Tage vor der Hochzeit wurde die Aussteuer der Braut mit Musik auf den Kammerwagen (s. Brutwagen; 2, 47), auch Kœken- oder Schappenwagen genannt, den der Bräutigam zu diesem Zweck unter Begleitung von zwei Offer- oder Brutfrugens (2, 36) ausgeschickt hatte, geladen, zuletzt kamen das Spinnrad und das Butterfaß, welches letztere die Braut persönlich auf den Wagen reichen mußte. Bei den swarten Buern in RoRostock@BiestowBiest und Umgegend fuhr die Braut selbst mit auf dem Wagen. Dann sagte eine der Brutfrugens: Ick sall Juch woll gräuten von N., Hei schickt Juch söß Pir un 'n Wagen, Denn' sœlen Ji beladen von ünner bet baben, Nich allein mit Geld un Gaut, Sondern ok mit Fleisch un Blaut. Diese Nacht gehörte nach altem Recht dem Bräutigam, da man fürchtete, daß arglistige Leute (s. Hex II 3 a) die Braut während der Trauung unfruchtbar machen könnten. Zur Bereicherung der Aussteuer versuchten die Brautfrauen häufig, möglichst viele Gegenstände aus dem elterlichen Haushalt zu rauben. Bei der Ankunft im neuen Heim waren die Tore desselben häufig verschlossen, und erst nach lautem Geblase der Musik, das von kräftigem Peitschenknallen und Poltern an der Tür begleitet war, erschien der scheinbar überraschte Bräutigam, um diese nach langer und derber Rede und Gegenrede zu öffnen. Dann wurde der Wagen auf die große Diele gefahren und ein Tänzchen um ihn aufgeführt, denn de Brutwagen möt bedanzt warden. Einen eigentlichen Polterabend gab es in alten Zeiten auf dem Lande nicht, diese Sitte ist erst später von den Städten übernommen worden. Doch gingen die Brautjungfern (Brutdierns, -mäten) meist am Abend in das Hochzeitshaus, um beim Ausschmücken zu helfen. Zuweilen trugen die Nachbarn des Nachts große Holzhaufen vor die Tür des Hochzeitshauses oder schoben einen Wagen davor, um dem jungen Paar den Ausgang zu versperren. Als Hochzeitsgeschenke wurden vielfach große Zinnschalen, zuweilen auch Geld gegeben. In manchen Gegenden bestimmte die Braut die Geschenke, die sie von den einzelnen Gästen haben wollte. Lebensmittel, namentlich Hühner, wurden in reichem Maße gespendet. Am Abend vor der Hochzeit ging die Grotdiern des Hochzeitsvaters mit einer weißen Schürze angetan und einem blankgescheuerten Messingkessel in der Hand durch das Dorf, sammelte Milch und bat die jungen Leute, das junge Paar zur Tru zu begleiten. Die älteren Gäste waren bereits am Nachmittag noch einmal geladen worden. b. der Hochzeitsmorgen und die Trauung: der festliche Tag wurde von den Musikanten, die kurz vor acht Uhr einzutreffen pflegten, mit dem Choral 'Wie schön leuchtet der Morgenstern' eingeleitet. Dann bliesen diese die Braut und die Brautjungfern zum Pastorhause, wo erstere von der Frau des Predigers mit der Brautkrone, s. Brutkron (2, 42), geschmückt wurde. Jeder der dann eintreffenden Gäste wurde mit einem Tusch empfangen. Jeder Gast brachte sein Eßbesteck mit, die Männer hatten den hölzernen Löffel im Knopfloch und ihr Klappmetz in der Tasche, die Frauen hatten ihr Geschirr in das Taschentuch geknüpft, Gabeln benötigte man damals noch nicht. Alle Anwesenden waren mit künstlichen Blumen aufgeputzt. Die Musikanten trugen ihren Strauß vorne am Hut, die unverheirateten jungen Leute, die den Hochzeitszug begleiteten, trugen einen solchen an der linken, die verheirateten an der rechten Seite ihrer Kopfbedeckung. Die Truleiers (ältere Verwandte, die das junge Paar zum Altar geleiteten) bekamen ein Bukett auf die Brust. Diesen Putz mußten die Brautjungfern aus der Stadt besorgen. In der Gegend von StaStargard@MirowMir brachten sie den jungen Leuten (Brutdeiners) ein Taschentuch und einen Strauß als Geschenk der Braut mit dem Spruch 'Ein Kompliment von der Jungfer Braut, Hier schickt sie das Tuch und das grüne Kraut. Sie möchten es auch nicht verschmähen, Sondern mit lieblichem Herzen annehmen. Wär sie wohl reicher gewesen, Hätt sie vielleicht noch mehr gegeben; Aber der liebe Gott hat sie nicht höher beglückt, Drum hat sie dies kleine Geschenk geschickt.' Vielfach trugen die Brutdeiners ein weißes Band auf der Schulter, dessen Enden sie beim Aufwarten in die Westentasche steckten. Die Brautjungfern hatten Kränze von künstlichen Blumen auf dem Kopf, die der Brautvater für sie bestellt hatte. Wenn der Bräutigam kam, um die festlich geschmückte Braut abzuholen, war die Tür an manchen Orten verschlossen, und eine alte Frau mit einer Nachtmütze sah zum Fenster heraus. Erst nach langem Bitten öffnete sich die Tür, und die Braut erschien. Dann bewegte man sich in feierlichem Zuge mit Musik zur Kirche, s. Brutlüchter (2, 44). Lag diese in einem anderen Dorf, so ritt ein Vörutrider, der einen zinnernen Bierkraus in der Hand hatte, mit dessen Deckel er lustig klapperte, vor dem Brautwagen (s. Brutwagen; 2, 47) her, während das Ehrengeleit der Bi- oder Gleid'riders, oft 20 bis 30 junge Leute, die mit einem Terzerol zu schießen pflegten, neben dem Wagen ritt. Die älteren Leute blieben im Hochzeitshause zurück, nur die Truleiers (s. ob.) machten eine Ausnahme; manchmal auch einige ältere Frauen, die in Ha@ Offerfrugens genannt wurden, weil sie in der Kirche opfern, d. h. eine Geldspende geben mußten. Bei der Abfahrt kam es vor, daß die Frauen, welche zum Kartoffelschälen angenommen waren, das junge Paar mit ne oll Mannsbücks schlugen, das sollte Glück bringen. Dem gleichen Zweck diente es, wenn eine Flasche, s. Buddel1 (2, 70), zwischen die Räder geworfen wurde. Manchenorts herrschte der schöne Brauch, daß die älteste Brautjungfer nach der Trauung einen Korb voll Semmeln, die sie selber gebacken hatte, vor der Kirchentür an die Armen verteilte. Je mehr Kinder von diesem Backwerk erhielten, um so mehr Segen hatte die junge Frau in ihrem Ehestand zu erwarten. Auf der Rückfahrt, die in flotterem Tempo vor sich ging, bliesen die Musikanten: Nu hett hei s' weg, Nu hett hei s' weg, Nu geiht hei mit tau Hus, oder auf die Braut zielend: Nu hett sei 'n Mann, Nu hett sei 'n Mann, Nu kickt sei keinen annern an. Häufig wurde dann noch in einem der Dorfkrüge eine kleine Tanz- und Trinkpause eingelegt, deren Kosten de Truleiers tragen mußten. Dann ging es in wildem Jagen weiter, jeder wollte der erste sein. Wenn Biriders den Zug begleiteten, so setzte ein Wettreiten ein. Wer zuerst mit seinem Pferd in der Küche des Hochzeitshauses anlangte, bekam eine weiße Schürze vorgebunden, die er längere Zeit umbehielt; s. auch Brutkauken (2, 39). Fuhr der Brautwagen vor dem neuen Heim vor, dann war das Hoftor wiederum versperrt, diesmal von den jungen Leuten des Dorfes, die dem neuvermählten Paar den Eingang wehrten. Nun begann ein heftiger Kampf, in dem der junge Ehemann von den verheirateten Gästen unterstützt und bei welchem oft das ganze Tor aus den Angeln gewuchtet wurde. War die Bahn glücklich frei, dann stand eine ältere Frau vor dem Heck des Hauses mit einem großen eingekerbten Weizenstollen, von dem zunächst das junge Paar, dann jeder Hochzeitsgast ein Stück abbeißen mußte. Weniger angenehm war es, wenn dem jungen Ehemann bei dieser Gelegenheit ein Stück Brot, etwas Salz und ein mit Nesseln bestecktes Glas Wasser gereicht wurden, worauf er das Brot brechen, mit Salz bestreuen und seiner Frau zu essen geben mußte, während er die Aufgabe hatte, das Glas zu leeren und es so über seinen Kopf zu werfen, daß es zerschellte. Über den Eintritt der Braut in das neue Heim s. Brut (2, 31) und Hierd 1 d. c. das Hochzeitsessen: an dem nun folgenden Hochzeitsmahl, das in der großen Diele eingenommen wurde, nahm der Pastor teil. Er sprach den Tischsegen und hielt im Verlauf der Mahlzeit eine herzliche, erbauliche Rede auf das junge Paar. Das Brautpaar saß stets am Herdende auf Stühlen, welche mit bunten Kissen belegt waren, ihnen zur Seite hatten die Brauteltern, de Truleiers und der Pastor ihren Platz, in Schö@ saßen die Brautjungfern um das junge Paar herum, s. Bisitter (1, 891). Eine weitere feste Tischordnung gab es nicht. Für die Armen stand meist ein besonderer, mit Speisen reich besetzter Tisch am vorderen Ende der Diele. Der Hochtidenbidder und die Brautdiener (Drosten, Updrosters, Schaffers) warteten auf, den hohen, bandgeschmückten Hut auf dem Kopf. Der Erstgenannte brachte die erste Schüssel, die zu diesem Zweck leer blieb, herein und warf sie auf die Erde, denn die glückbringenden Scherben durften auch bei dieser Gelegenheit nicht fehlen, s. Brutvadder (2, 47). In LuLudwigslust@LaupinLaup legten die Truleiers dem jungen Paar die Speisen vor. Über das Brotschneiden der Braut s. Brot (1, 1159). Zuerst gab es Häuhnersupp, die in riesigen Schüsseln (Kümm) auf den Tisch gesetzt wurde, und zu deren Herstellung oft 90 und mehr Hühner ihr Leben hatten lassen müssen, welche nun mit einer ungeheuren Menge Klöße, wohl die von D. Schröd. Wism. 123 erwähnten 'pulli mit Klotvyschen' in der Brühe schwammen. Einige der älteren Gäste ergriffen die Füllkelle und versorgten ihre Umgebung, wobei sie darauf achten mußten, daß auch jeder genügend von der oben genannten Einlage erhielt. Dann folgten Rindfleisch mit Meerrettich und Backpflaumen und zum Schluß dick gekochter und mit einer hohen Lage von Zucker und Zimt versehener Milchreis, dafür auch wohl Riskes' (mit Milch dickgekochter Grieß) mit Blaubeersuppe, oder Pudding aus Semmeln und Rosinen mit Pflaumensoße. Als Zukost stand gekochtes frisches oder gedörrtes Obst auf dem Tisch. An der Küste und in den seenreichen Gegenden durften auch Fische wie Hecht, Zander, in Schö@ Rotscher (s. d.), bei WiWismar@NeuklosterNKlost Graubarsch (s. Grag'boors) nicht fehlen. Wenn Gänsebraten gereicht wurde, pflegten die Köchinnen diese leckeren Vögel mit Musik aus dem Backofen zu holen, jedes der Tiere bekam dann eine rote Schleife um die Beine. Statt des Biers wurde im 19. Jahrh. vielfach Wein, meist Weißwein, den man gemeinhin mit Zucker genoß, getrunken. Im Lauf des Abends nahm man große Mengen von Bier, Schnaps und Punsch, zu dessen Bereitung viele Zuckerhüte benötigt wurden, zu sich. Während des Mahles wurde der Braut zugetrunken: willn einen drinken, dat de Jung' swart Hoor kriggt. Zur Unterhaltung der Gäste trug das Aufsagen der Leberreime (s. Hääkt 5 a), welches oft mehrere Stunden dauerte und viel Witz und Erfindungsgabe erforderte, bei. War die dabei genossene Leber nicht vom Hecht, sondern von einem Huhn, dann hieß es wohl: De Läwer is von 'n Hauhn un nich von 'n Farken, Min Nahwer hier hett Lüs' un lett sick nicks marken. Auch das Lied von der Vogelhochzeit (s. Wo. V. 2, 1672) wurde häufig gesungen. Im SW war noch in den zwanziger Jahren unseres Jahrh. das taustülpt Gericht, s. Brutgericht (2, 36), üblich, dessen Inhalt bei der Enthüllung durch die Braut den Anlaß zu scherzhaften Anspielungen auf den zu erhoffenden Kindersegen gab. Nach der feierlichen Überreichung des Brauthahns, s. Bruthahn (2, 36), dankte die Braut den Gästen, indem sie auf den Tisch stieg und allen Männern die Haare kämmte und bürstete, während eine ihr folgende Brautjungfer diesen einen Spiegel vorhielt. Damit war das Signal zum Geldsammeln gegeben. In der Gegend von StaStargard@MirowMir gingen die Brautdiener, welche die Musik bezahlen mußten, mit einem kunstvoll zerteilten Apfel, s. Brutappel (2, 33), in welchen jeder Gast ein Geldstück steckte, herum. Zuletzt erschienen die Köchinnen mit einer großen Kelle voll Salz und baten unter dem Vorgeben, sich am Herdfeuer die Schürze verbrannt zu haben, um eine Entschädigung, s. Afbrand (1, 96). Mit dem gemeinsam angestimmten Choral 'Nun danket alle Gott' und dem Wunsch des Hausvaters, Gott gesägen uns de Mahltit, wurde die Tafel aufgehoben. d. Hochzeitstänze und weiterer Festverlauf: nachdem Braut und Bräutigam die üblichen Ehrentänze, erstere mit den Truleiers, dem Hochzeitsbitter, den Brautdienern und dem Kutscher ausgeführt hatte, tanzte sie mit dem Bräutigam, während sie die Brautjungfern mit brennenden Lichtern in langsamem Reigen und unter feierlichen Verneigungen begleiteten. Andernorts tanzte das junge Paar allein, von den Brautjungfern und -dienern, die ebenfalls alle ein brennendes Licht in der Hand trugen, in weitem Kreise umgeben. Zum Schluß mußte das junge Paar sich einen Kuß geben, worauf die Braut die Lichter mit einem Tuch ausschlug. Erst jetzt kam auch die übrige tanzlustige Welt zu ihrem Recht. Die sog. 'Siebensprünge', die eine große Gewandtheit, namentlich des Tänzers, erforderten, erfreuten sich einer besonderen Beliebtheit. Ausgelassene Fröhlichkeit herrschte bei dem Kœkschen- und dem Kellendanz, an welchen sich nur die Köchinnen mit den Schaffern, dem Hochzeitsbitter und den Männern, die beim Zurichten der Speisen behilflich gewesen waren (Knakenhauger un Tüffelschellers) beteiligen durften. Beim Kœkschendanz trugen die Köchinnen einen Schötteldauk oder einen Schüerwipen, ihre Partner einen Kohlstrunk in der Hand, mit denen sie die umstehenden Hochzeitsgäste abwehrten, welche ihren Tanz durch Vorwerfen von Backelmollen und anderen Gerätschaften zu stören versuchten. Zuletzt warf der Hochzeitsbitter seinen Kohlstrunk in die Bodenluke (Bœhnluk) über der Diele. Beim Kellendanz waren alle vorbenannten männlichen Teilnehmer mit hölzernen Beilen, die weiblichen mit ebensolchen Kellen ausgerüstet, die vorher vom Höltentüffelmaker zu diesem Zweck angefertigt waren, und mit welchen sie während des Tanzes alles Geschirr, das in der Mitte der Diele auf einem Tisch stand, zerschlagen mußten. Auch die Kellen mußten dabei entzwei gehen, sonst hatte die Braut kein Glück in ihrem Ehestand. Auch hier gab der Hochzeitsbitter das Schlußzeichen, indem er das Handtuch, welches er zum Zeichen seiner Würde über der Schulter trug, in die Bodenluke warf. Beim Gaus'marsch, einer Art Polonäse, waren dem letzten Paar, zwei Männern, Gänseflügel (Gaus'flüchten) an den langen Schlippenrock genäht, die von den übrigen Tänzern abgerissen werden mußten. Weiteres s. Danz (2, 250). Um Mitternacht wurde die Krone abgetanzt und die Braut mit der Frauenhaube geschmückt, s. Brut (2, 31). Beim Rückelreih, zu dem dann angetreten wurde, blieb der Bräutigam zurück. Die Braut ging an der Spitze des von der Musik geführten Zuges, flankiert von zwei Brautdienern, welche sich lange Handtücher über die Schulter gebunden hatten, in deren Knoten sie sich fest einhakte. Alle Hochzeitsgäste folgten paarweise. Zunächst wurde das ganze Haus durchzogen, dann ging es auf die Wuurt und über Gräben und Zäune hinaus auf das Feld und bei der Rückkehr ins Dorf durch sämtliche Häuser und Gehöfte, wobei die jungen Leute sich der dort herumstehenden Gaffeln und Besen bemächtigten, um sie als Reitzeug zu benutzen oder auch mit ihrer Hilfe am Wimen hängende Rauchwaren zu rauben. Auch Reiter begleiteten zuweilen den Zug. Besonders witzige Burschen brachten auch wohl einen Hahn in einem Kissen oder eine Katze, der sie die Brust gaben oder die sie quarren ließen, mit. Langte man endlich stark erschöpft am Hochzeitshause an, dann mußten alle Teilnehmer noch über Sägeböcke und andere Hindernisse, die inzwischen dort aufgebaut waren, springen. Dann erschien endlich der Bräutigam und versuchte der Braut, die von den flankierenden Brautdienern und den übrigen Hochzeitsgästen verteidigt wurde, habhaft zu werden, was ihm erst nach langem Hin- und Herzerren gelang, wenn he de Brut in de Hoor fat't hadd', denn wir de Rückelreih tau Enn'. Augenzeugen berichten von dem Erfolg dieses wilden Treibens: de Kleeder hebben slart't un räten; se hebben oll Tüg dortau antreckt, dat hebben se eigens för den Rückelreih mitbröcht. Besonders die Braut hatte stark unter den Strapazen zu leiden, so sagte ein alter Gewährsmann: de Brut hadden se henmaddelt, dat de Kopp ehr slackern ded'. Trotzdem war die Tanzlust noch nicht gestillt, ein Zeichen für die ungebrochene Lebenskraft unseres Landvolkes. Waren die jungen Leute ermüdet, dann kommandierte der Hochzeitsbitter: de Hälft up de Hillen, œwer de Bein runhängen laten, dat wi se wedderkrigen kœnen. Gäste, welche das Fest vorzeitig verlassen wollten, wurden rücksichtslos und in unsanfter Weise zurückbefördert. Wie sie gingen und standen, wurden sie selbst aus dem Bett geholt, s. ahngehuwt (1, 236), auf eine Leiter oder eine Meßböhr gelegt, oft auch gebunden und mit Musik zurückgeleitet, oder man packte sie in eine Brettkor oder auf das Vordergestell (Vörstell) eines Ackerwagens, auf dem man eine Flachshechel (s. Häkel) befestigt hatte. An den begleitenden Musikanten mußten sie für diese Mühe noch einen blanken Taler geben. Da ein bei den Musikanten bestellter Sondertanz vom ersten Hahnenkraht an nur noch einen Schilling kostete, vorher aber zwei, so versuchten die jungen Burschen meist, den Haushahn vorzeitig zum Krähen zu bringen. Wenn die Hausfrau endlich Swart Supp (Schwarzsauer) auftragen ließ, so war das ein Wink, daß die Feier vorerst ein Ende haben und ein jeder seine Schlafstelle aufsuchen sollte. In Schö@ wurde dann 'n Hahn utdragen, eine Bezeichnung für die Sitte, daß ein junges Mädchen einen verdeckten, mit Äpfeln und Nüssen gefüllten Teller ergriff und rief: wer wat afhebben will, dei folg' mi nah, worauf sich ihr alle Gäste, die keinen anderen Schlafplatz hatten, anschlossen, um sich in einem Nachbarhause auf Stroh zu betten. Nur das junge Paar fand auch jetzt noch keine Ruhe, denn die jungen Burschen hatten die einzelnen Teile des Bettes nur lose zusammengefügt und die Verbindungsstücke herausgenommen, so daß die Bettstelle beim geringsten Anstoß an die Pfosten zusammenkrachte, oder sie fanden das Bett, s. Brutbedd' (2, 34) unter der Decke hängend vor, ja, de Brutlüd' müßten sick väl gefallen laten in olle Tiden. Während der Nacht setzte man ihnen einen Eimer mit Wasser und ein Bund Heu vor die Tür, damit sie in ihrem Ehestand nicht Hunger und Durst zu leiden brauchten. Am Morgen begaben sich die unverheirateten Gäste mit Musik zu deren Schlafgemach und klopften dort so lange, bis die Tür geöffnet wurde. Für diese Aufmerksamkeit erhielten sie dann gewöhnlich einen Kringel (krummen Stuten) und einige Flaschen Wein. Am Sonnabend nahm das Fest seinen Fortgang, wozu dann von neuem geladen wurde, diesmal nicht durch den Hochzeitsbitter, sondern durch die Brautdiener. Waren die Vorräte erschöpft, so rüsteten sie sich bei diesem Gang mit band- und blumengeschmückten Gaffeln und Forken aus, an welche die gebetenen Hausfrauen Schinken, Würste und Speckseiten zu hängen pflegten. Doch währte die Feier diesmal nur bis Mitternacht. Sonntag wurde dann der gemeinsame Kirchgang gefeiert, an den sich nicht selten ein festliches Mahl schloß. Dat wir ne grausame Torreri, wer dat uthollen süll, müßt 'n Magen in 'n Liw hebben as 'n Stäwelschacht. 3. Sonderbräuche: Hochzeitsbräuche auf WiWismar@PoelPoel schildert Monschr. 1, 301; in der sog. grisen Gegend Meckl. 13, 66; 14, 77; 22, 116. In Ro Rostock@WarnemündeWarn fanden die Hochzeiten im November und Dezember statt, da die Seeleute nur im Winter für längere Zeit zu Hause blieben. Auch hier wurde der Freitag bevorzugt, vorausgesetzt, daß er nicht auf einen Tag fiel, an dem der Mond im Zeichen des Krebses (s. Kräwtdag) stand. Am Sonntag vor der Hochzeit ging die Braut zum Abendmahl, wozu sie bereits das Häuken (s. Häuken2) unter dem Brusttuch anlegte. Am Abend vor der Hochzeit wurde das Brautbett im Hause der Braut von ihren Verwandten bei Musik und Scherzreden gemacht. Sechs Kopfkissen, teils mit buntem Taft, teils mit feinem weißen Leinen bezogen und mit Seidenbändern verziert, waren das Mindeste, was man zum Schmuck des Bettes für notwendig hielt. Den Schmückern wurde zum Lohn ein kleines Mahl gereicht. Am anderen Tage ging der Bräutigam mittags oder am frühen Nachmittag mit seinen sechs Beiständen, die alle unverheiratet sein mußten, zur Kirche, um dort mit dem Pfarrer und dem Küster vor dem Altar mehrere geistliche Lieder zu singen. Bei dem letzten Vers begaben sich zwei der Beistände zum Hochzeitshause, welches durch zwei langgestielte Tonpfeifen, die kreuzweise an einem der Fenster standen, gekennzeichnet war, um die Braut zu holen. Diese war während des Vormittags von der Kronenfrau mit Krone und Häuken geputzt und dabei von der Mutter mit einer kräftigen Eierbrühe gestärkt worden, ein seltener Genuß bei der im Orte herrschenden Armut und den wenigen Hühnern, die dort gehalten wurden. Unter den Klängen der Musik bewegte sich der Zug zur Kirche, angeführt von sechs Brautjungfern in kleidsamer Tracht mit grünen Schürzen, hochroten Bändern und schwarzem Kopfputz. Die Braut folgte zwischen den beiden Beiständen des Bräutigams, dann die Frauen und Männer, letztere in Dreispitz, langen dunklen Röcken, Kniehosen, farbigen Strümpfen mit roten Zwickeln am Knie und Schnallenschuhen. In der Kirche nahm das junge Paar im Brautstuhl, der im Altarraum dicht am Christopher stand, Platz. Die Verwandten setzten sich auf Stühle, welche man vorher in die Kirche gebracht hatte. Die bei der heiligen Handlung gewechselten Ringe waren nur in seltenen Fällen Eigentum des jungen Paares, sie gehörten meist der Kronenfrau, welche sie für einen Entgelt von je vier Schillingen verlieh. Nach der Trauung pflegte der ganze Zug, wiederum von der Musik geführt, dreimal um die Kirche zu gehen, um dann ins Hochzeitshaus zurückzukehren, wo zuerst der Kaffee eingenommen und dann Punsch getrunken wurde. Die Männer rauchten dazu aus langen Tonpfeifen, die alle Stunde neu gebracht werden mußten. Der eigentliche Hochzeitsschmaus, den die Ortsköchin bereitet hatte, begann erst um acht Uhr. Die hufeisenförmige Tafel war in der guten Stube gedeckt. Das Brautpaar saß an der Mitteltafel mit dem Rücken zum Fenster hin, daneben die Beistände des Bräutigams und die Brautjungfern, die übrigen Gäste saßen an den Längstafeln. Es gab Rindfleisch mit Senf und Zwiebeln oder mit Pflaumen, Fische, die nach altem Seemannsbrauch stets in Brackwater gekocht sein mußten, Reis mit Zucker und Zimt, der so dick gestreut war, dat 'n lütt Snider up danzen kann, zum Nachtisch Äpfel, Nüsse, Butter und Käse. Sechs Gäste aßen immer aus einer Schüssel, die stets gefüllt zu halten eine Ehrenpflicht des Gastgebers war, wie überhaupt die Speisen und Getränke auf dem Tisch nie ausgehen durften. Der Bruder der Braut mußte den Wein und den Zucker für das Mahl liefern und wartete mit einer Serviette im Knopfloch auf. Die Schwester mußte den Tisch decken und das Tafeltuch stellen. Verwandte und Bekannte, die wegen des beschränkten Raumes nicht teilnehmen konnten, erhielten Risknüüst, warme Kümmelbrote, welche nach Entfernung der Spitze mit einem langen Löffel ausgehöhlt und dann mit Reis gefüllt waren. Kleine Jungen, die sich in Scharen an der Tür aufhielten, trugen diese Upäters aus, als Belohnung durften sie am Ende des Mahls den mit Reisresten und Brotkrumen gefüllten Kessel auslöffeln. Auch den übrigen Zuschauern, welche sich bis in die sinkende Nacht vor den Türen und Fenstern drängten, wurde dauernd etwas zur Stärkung aus dem Hause gereicht. Schienen diesen die Getränkegaben zu gering, dann riefen sie unwillig: Proppen los, dat is man drög'. Hochtit wir mihr buten as binnen, sagte ein alter Warnemünder. Nach dem Essen wurden Seemannslieder gesungen. Nachdem die Stube ausgeräumt war, folgte auch hier der Tanz. Die alten Leute tanzten in Hemdsärmeln fleißig mit. Karten wurden bei den Seeleuten nicht gespielt. Von den zwei Dorfmusikanten strich der eine die Geige, der andere blies die Klarinette. In den Pausen trank man Punsch, Grog oder Glühwein, niemals Bier. Gegen Morgen trat man zum Großvatertanz an, einem Umgang, bei welchem jeder durch das Fenster kriechen mußte. Mit einem Gericht Fische endete die Feier. Am Sonntag war der Kirchgang, dem sich alle im letzten Winter getrauten Paare anschlossen. 4. sprachliche Belege beleuchten die Anforderungen, welche dem Geldbeutel und dem Körper bei dieser Gelegenheit erwachsen: de oft wil tho Hochtiet gahn un oft wil Vadder stahn, de moet enen groten Büdel han Mantz. Ruh. 14, 72; Hochtit gahn un Vadder stahn, Ihr för de Welt, Schann' för 't Geld WaWaren@JabelJab; RoRostock@DoberanDob; huch Hochtit, dat kost't woll wat, dat geiht œwer ok för Wa; mi geiht 't œwern Liw as Jehannen de Hochtit, he süll frigen un hadd' keen Brut Ro; lustig antworten die Geladenen auf die Frage wo willt ji hen? To de Hochtit, still und gedrückt auf die Frage Woher kaamt ji? Von de Hochtit Firm. 3, 78; tröstend: Hochtit, Kinnelbier un drög' Heu gifft 't nich alle Dag' LuLudwigslust@ConowCon; ähnlich: wenn 'ck ok nich tau de Hochtit kam, wenn 'ck man tau de Mahltit kam; die Tiere erhalten in diesen Tagen zuweilen nicht ihr volles Recht, dann ruft das Kalb: duert de Hochtit noch lang'? der Hahn, der sich auf dem Kornboden schadlos hält: acht Dag' ut un dut, das Kalb: denn möt 'ck starben, der Enterich auf der Jauchepfütze (Adelpaul): dat is 'n Snack Wo. V. 2, 328; die alten Bauersleute ziehen dann aufs Altenteil: de Ollen möten slacht't warden to de Jungen ehr Hochtit Wa; ein kleines Mädchen, das über Schmerzen klagt, wird beruhigt: oh, lat 't man, tau de Hochtit ward 't all wedder bäter; zu frühe Geburt des ersten Kindes umschreibt man: de Hochtit is tau lat ansett't; ... hett 'n bäten lang' duert; warnend zum jungen Ehemann: Nah de Hochtid hett 't en En'n, Vör de Hochtid möst du s' wen'n Reut. 7, 453; die freudigen Erwartungen der Braut werden in derber Weise herabgestimmt: vör de Hochtit heit dat ümmer, pissing min Döchting, pissing, nah de Hochtit heit dat, mig', Deuwel, mig' Gü; Ha Hagenow@RedefinRed; Pa; Ro; wenn jemand farzt, heißt es: in Livland is Hochtit, in Polen juchen s'; bei Lärm und Zank: dor baben in 'n Dörp is ok all wedder Hochtit; öft. in Vergleichen: Piß ahn Pup (Schiff ahn Fort) is as Hochtit ahn Musik; en Kuddelmuddel, as hädd de Düwel dor Hochtid hollen Derb. 2, 27; Hochtit Kegelruf, wenn zwei Kegel gefallen sind; halw Hochtit heißt es, wenn der Spieler beim Solo Pik- und Treffdame in der Hand hat; dor is Hochtit in 'n Lann', wenn Pik- und Karodame (Baster un Spandilg') beim Scherwenzel in einer Hand sitzen. Volksreime: Muschkatting lep œwer dat Feld ... Muschkatting, wo wist du hen? Ick will nah min Großmudding hen ... Dor drinken wi Win, dor slachten wi Swin, Kumm mit, dor sall uns' Hochtit sin Wo. V. 2, 1823; De ollen Buern an unsen Disch Glöwen, dat all' Dag' Hochtit is 1520; Korlin Korlan hett Hochtit dan, Hett mit Großvadder up 'n Füerhierd stahn 4, 319 u. öft. Zss.: Bullen-, Danz-, Hunn'-, Kranz-, Land-, Swinhochtit. 5. Volksglaube: wo ein Spinnengewebe an der Stubendecke flattert, findet bald eine Hochzeit statt Bartsch 2, 56; wie sich der Wind am Hochzeitstage regiert, so wird auch das eheliche Leben verlaufen 61; ein Gewitter während der Hochzeit deutet auf eine fruchtbare Ehe 62; bei dem ersten Gewitter, welches nach der Hochzeit eintritt, soll die junge Frau ein schweres Gewicht heben, das verleiht ihr Gesundheit und Kraft und erleichtert die Lasten des Lebens ebda. — Br. Wb. 2, 636; Dä. 187a; Kü. 1, 731; Me. 2, 828; Schu. 28; 76.
33949 Zeichen · 350 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    hochtît

    Mittelniederdeutsches Wb. · +2 Parallelbelege

    ~hochtît Hochzeitsfest; ~klê(i)t Hochzeitskleid, hochzeitliches Kleid; ~lêt(lîn) Brautlied;

  2. modern
    Dialekt
    Hochtitf.

    Mecklenburgisches Wb.

    Hochtit f. Hochzeit I. ursprünglich jedes hohe, bes. jedes kirchliche Fest, so häufig in Datierungen: 'des neghesten vri…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit hochtit

14 Bildungen · 7 Erstglied · 7 Zweitglied · 0 Ableitungen

Zerlegung von hochtit 2 Komponenten

hoch+tit

hochtit setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

hochtit‑ als Erstglied (7 von 7)

hochtitlich

MeckWB

hochtit·lich

hochtitlich hochzeitlich: 'Dit iß myn schlichte Wunsck un Hochtiedlick Geschenck' (1711) Kohf. Hg. 9, 4.

hôchtîtlĩk

MNWB

hochtit·lik

hôchtîtlĩk , -tîdelĩk , -tîlĩk , hoch- , adj. , -lĩke(n) , adv. , festlich, feierlich, festtäglich.

Hochtitschmus

MeckWB

hochtit·schmus

Hochtitschmus m. Hochzeitsschmaus: 'ick schenck Ju hier dit Blat Up juwen Hochtietschmuß' (1720) Kohf. Hg. 17, 2.

Hochtitskoort

MeckWB

Hochtitskoort f. Herzen zehn beim Kartenlegen Sta AStrel .

hochtit als Zweitglied (7 von 7)

âventhôchtît

MNWB

avent·hochtit

âventhôchtît (o) , f. , Abendhochzeit; dann Hochzeit überhaupt, und zwar die etwas geringere (: dachhochtît). S. âventköste.

klatkenhochtît

MNWB

* klatkenhochtît unharmonisch, unsauber verlaufenes Fest ( kladtken- Hanenreyerey 712, vgl. Schütze 2, 268).

(posteyden)hôchtît

MNWB

posteyde·n·hochtit

*° (posteyden)hôchtît , pasteyen- , f. : Hochzeitsfeierlichkeit bei der aufwendige Gerichte, Pasteten gereicht werden (Balt. Stud. 15, 2, 18…

tabernâkelehôchtît

MNWB

tabernakel·e·hochtit

° tabernâkelehôchtît , f. : das jüdische Laubhüttenfest , mêr nû is et hê(i)melĩk hîrnâ wert et ōpenbâre dat Christus is in der t. (Monotess…