Wossidia
Bessen Pl. Bessen, -s
m. Besen: Bessen Mi 7
b. 1. der vor dem Aufkommen der Haarbesen überall benutzte Reisigbesen, der auch heute noch zum Fegen von Steinfußböden, zum Säubern des Backofens (
s. Abenbessen Sp. 26), zum Zusammenfegen von Getreide und ähnl. gebraucht wird; auch zum Reinigen der zum Wurststopfen bestimmten Därme nimmt man stellenweise 'n nigen Risbessen MaMalchin@Klein HelleKHelle; in abgelegenen Gegenden diente er des Nachts statt des Schlüssels oder Riegels zum Versperren der Tür WiWismar@PoelPoel; im ländlichen Haushalt war das Besenbinden Sache der männlichen Dienstboten zur Winterszeit, Birken- und Buchenreiser wurden hauptsächlich verwandt, doch gab es auch Dannen-, Dörrer-, Heid'-, Marl-, Quitschen- und Wörmtbessen; zum Binden wurden Hasselschänen benutzt, die obere hieß Koppschän (
s. Abb. a), die untere die Armschän (
s. Abb. b); die Menge der von jedem Knecht und Tagelöhner zu liefernden Besen schwankte zwischen 12 und 25, je nach der Größe des Betriebes und nach der Zahl der Arbeitskräfte, denn in einem ordentlichen Haushalt wurde jeden Sonnabend 'n nigen singlecol Bessen upstäken. Der Überschuß wurde für 3 Witte das Stück in den Städten verkauft RoRostock@BartelshagenBart. Besondere Heilkräfte schrieb man dem in den Zwölften gebundenen Besen zu, der im Gegensatz zu dem gewöhnlichen dreiarmigen viermal durchgebunden wurde. 2. seine wichtige Rolle im Haushalt spiegelt sich in zahlreichen Redewendungen: de Fru un de Bessen hüren achtern Aben öft.; H. Schrö
d. Buerh. 3, 44; up 'n Bessen hüürt 'n Stäl Schw; nie Bessen fegen got Nützl. Beitr. 1824, S. 309; Nd. Jb. 31, 26; jeder fäg' vör sin eigen Dör, denn bruukt he Bessens naug Wi; im unordentlichen Haushalt anstatt gründlicher Reinigung verwendet: dor ward de Disch mit 'n Bessen affäägt Wa; Rendlichkeit is 't halwe Läben, säd' de Fru un fäägt den Disch mit 'n Bessen af mehrf.; im Scherz, wenn Kartoffelschalen und anderes liegen blieben: hal 'n Bessen rin, fäg' den Disch af HaHagenow@RedefinRed; zum faulen Knecht, der die Pferde schlecht striegelte: hest woll hüt morgen de Pier mit 'n Bessen affäägt LuLudwigslust@Groß LaaschGLaasch; vom schleppenden Gang: wenn dee 'n Bessen in 'n Noors hadd', fäägt se de Strat af HaHagenow@RedefinRed; die verschwenderische Hausfrau fäägt mihr mit 'n Bessen ut de Dör, as he (der Mann)
inbringt WaWaren@Groß FlotowGFlot; bes. Verbindungen: einen œwer 'n Bessen trecken jem. zum Besten haben Wa; för den Bessen äten beim Essen Speise auf den Boden fallen lassen GüGüstrow@BützowBütz; tau 'n Bessen bruken mißachten; dörch den Bessen: die Kupferschmiede gossen zur Herstellung des Schlaglotes die Masse durch einen vom Lehrling über dem Kessel hin- und hergeschlagenen Besen, um das Klumpigwerden zu verhindern StaStargard@MirowMir; zum Kinde, das zur Unzeit zu essen verlangt, sagt man: sast wat dörch 'n Bessen kräumelt hebben;
s. hierzu unt. 4; auf die Frage: wat gifft 't tau äten? antwortet man abweisend: dünnschäten Arwten dörch 'n Bessen slagen, bäten Hauhnerschit œwersmeert WaWaren@Groß GievitzGGiev; Verwendung des Besens in Vergleichen: dor ward mit ümgahn, as wenn ne oll Sœg' einen mit 'n Bessen vör 'n Noors kriggt SchöSchönberg@SchlagsdorfSchlagsd; dat süht ut, as wenn ein mit 'n Bessen an 'n Himmel fäägt hett RoRostock@DierhagenDierh; Beteuerungsformel 'n Bessen fräten: wenn dat nich wohr is, will ick 'n (sœben, 'n stuwen) Bessen fräten RoN HagD; Ribn; Schw; StaStargard@MirowMir; ick will drei Bessen achter 'n anner ('n Bessen mit Kauhschit, mit 'n Stäl) fräten, wenn dat nich wohr is LuLudwigslust@PolzPolz; SchwSchwerin@BoldelaBold; auch in einer mißlichen Lage: wenn dat got geiht, frät ick 'n Bessen StaStargard@StrelitzStrel; 'n stuwen (stumpfer, abgenutzter) Bessen gilt als Zeichen von Unordnung: dee geiht mit 'n stuwen Bessen tau Heu von der untüchtigen Hausfrau MaMalchin@GülzowGülz; dee riden ok all up 'n stuwen (stümmligen) Bessen von großer Armut WaWaren@Groß FlotowGFlot; Ma Malchin@GielowGiel; dee kümmt up 'n stuben Bessen tau riden es wird ihm übel bekommen RoRostock@GresenhorstGres; der Verlauste kann se (de Lüs') ok bald mit 'n Bessen affägen MaMalchin@GülzowGülz; das Kind, das zu Hause bleiben muß, tröstet man scherzend: sast mit nah 'n Swinbaden, wenn 't los geiht, sast 'n stümmligen Bessen dragen StaStargard@MirowMir; ...
sast Seip un Bessen dragen LuLudwigslust@StresendorfStres; vom unfreundlichen Empfang: mi würd tau Maud', as hadd' mi einer mit 'n stuwen Bessen œwerstraakt GüGüstrow@LaageLaage; vom unliebsamen Besuch: dee kümmt mi bloss wedder œwer 'n Dörensüll, de stuw Bessen is ehr gewiss RoRostock@DierhagenDierh; bei andauernd schlechter Witterung sagt man: uns' Herrgott is inspunnt in Bützow (wo ein Gefängnis ist), möt Bessen binnen Wa; bei gutem Wind zum Schiffsjungen: Jung', hal 'n Bessen, mööst 'n Schum wegfägen, denn sägelt hei (das Schiff)
bäter Ro Rostock@RibnitzRibn; beim Vorbeisegeln eines anderen Schiffes: smit em 'n Bessen ('n stuben Bessen) vör de Bog, dat he nich soväl Fohrt sägelt RoRostock@RibnitzRibn; Warn; bei dauernder Windstille pflegten die Müller zu sagen: willen man 'n Bessen verbrennen, dat wi Wind krigen MaMalchin@GielowGiel; GHelle; dem Streitsüchtigen stellt man einen Besen hin mit den Worten:
dor schell di man mit ut GüGüstrow@KarowKar; dor kannst di up afracken StaStargard@NeubrandenburgNBrand; die Heiratsaussichten eines Mädchens richten sich nach seiner Fertigkeit im Besenaufstecken: ne Diern, dee noch keenen Bessen upstäken kann, kann ok nich frigen Ratz. Mitt. 5, 29; wenn ne Diern den Bessen nich grad' upsteckt, kriggt se in 'n Läben keinen schiren Mann MaMalchin@GülzowGülz; was beim Aufmessen des Döscherkuurns übrig blieb, hüürte den Bessen das durften die Tagelöhner untereinander teilen WiWismar@WeitendorfWeit; Rammel up 'n Bessen Schelte für ein tolles Frauenzimmer Wa@ Wulk. 3. im Volksreim und Rätsel: Philipp von Hessen Ritt up 'n Bessen im Neckreim auf den Vornamen Philipp Wo.
V. 4, 285; als Rätsellösung: inwennig rug' un butwennig rug', hett 'n höltern Klotz in 'n Noors 1, 263; geiht de Stuw up un dal, möt in 'n düüstern Winkel stahn 291;
s. auch 147; 995. 4. in Brauchtum und Volksglauben findet der Besen reiche Verwendung: als Sinnbild der Reinlichkeit wurde er beim Einzug in das neue Heim von der jungen Frau nebst Salz und Brot zuerst in das Haus getragen Gü; RoVolk; wenn ein Matrose sich über Nacht im Hafen herumgetrieben hatte, wurde ihm ein Besen entgegengeworfen, damit er dat Unrack nicht an Bord brachte Wi; wenn der Bauherr beim Richtefest nichts zu trinken gibt, wird statt des Kranzes ein Besen an den Rüstbaum gebunden, der soll dem Hause das Glück nehmen Schw; mißliebigen Mädchen wurde zu Pfingsten statt des Maibusches ein Besen hinter das Fenster gesteckt Schw; Lu; Ha; ein an dem Topp befestigter Besen zeigt an, daß das Schiff zum Verkauf steht Ro; seine heilbringende und Unheil abwehrende Kraft beruht darauf, daß er
in 'n Krüz bunnen is WiWismar@NeuklosterNKlost; die Zeiten, in denen er verfertigt wird, sind von Bedeutung: die Reiser müssen zwischen Sonnenuntergang und Sonnenaufgang gebrochen (nicht geschnitten) und gleich gebunden werden GüGüstrow@BoitinBoit; in der Johannisnacht RoRostock@NienhagenNienh; in den Zwölften Bartsch 2, 248, öft.; am Weihnachtsabend beim Läuten der Glocken 227; in der Neujahrsnacht um 12 Uhr 231; oft wird zur magischen Handlung auch ein ungebrauchter oder ein abgenutzter Besen bevorzugt; ein vor die Tür gestellter Besen schützt gegen Blitzschlag Meckl. 8, 49; ein unbenutzter Besen im Kuhstall schützt die Kuh vor bösen Leuten Bartsch 2, 132; 'n Bessen, dee noch nich up 'n Stäl wääst is, legt man dem Kind in die Wiege, um es vor Unheil zu schützen HaHagenow@WittenburgWitt; wenn man einen Besen in die Wiege legt, hat das Kind gute
Däg' Bartsch 2, 50; kann es nicht behext werden 132; können de Unnerierdschen es nicht nehmen 51; ... und gegen einen Wechselbalg eintauschen RoWarn; gegen Moortriden soll man einen afschruppten Besen unter das Bett legen Meckl. 23, 93; zum Schutz gegen Fru Goor muß man einen Gegenstand an den Besen binden und diesen in die Küche stellen Bartsch 2, 243; um den Dämon Juuchhans abzuwehren, wurde ein Besen vor die Tür gesteckt LuLudwigslust@KummerKumm; in der Mainacht läßt man keinen Besen im Freien stehen, damit die Hexen ihn nicht brauchen Bartsch 2, 265; HaHagenow@LübtheenLübth; Mainacht werden die Besen auf den Feuerherd gestellt, damit die Hexen gleich weiter reiten Pa Parchim@KritzowKritz; Maidag wurden Besen auf den Blockbarg gesteckt Schö; Besen im Schweinestall schützt die Schweine vor Läusen WiWismar@WitzinWitz; ein in der Johannisnacht gebrochener und gebundener Besen wird gegen Ungeziefer ins Bett gelegt RoRostock@BartelshagenBart; auch zur Vertreibung von Krankheiten dient der Besen: gegen Inschott soll man der Kuh Knospen (Spitzen) vom Besen in Wasser eingeben Bartsch 2, 434; im Segen gegen diese Krankheit: dor kem ein Mann ut Fehrnland, harr 'n Bessen in dei Hand, dormit will ick di stillen din Angst un Pin RoRostock@EhmkendorfEhmk; das Überschreiten eines Besens bringt Glück: beim ersten Austrieb des Viehs wird ein Besen vor die Sohle des Stalles gelegt, damit das Vieh darüber gehe Bartsch 2, 141; RoRostock@FresendorfFres; Wi Wismar@MoidentinMoid; ein Besen und eine Forke kreuzweise StaStargard@StrelitzStrel; gekaufte Ferkel soll man über einen Besen laufen lassen RoRostock@WarnemündeWarn; ebenso die Kuh, die zum Bullen gebracht wird, dann wird sie tragend GüGüstrow@ZerninZern; dies wird noch wirksamer, wenn man den Besen dann abzieht und ihn hinbringt, wo nich Sünn oder Man ankommen kann WaWaren@WredenhagenWred; das Stehen auf einem Besen schützt vor bösen Geistern WaWaren@LoppinLopp; einem Bauern gelingt es in dieser Stellung, Fru Gaus' das goldene Horn fortzunehmen Lu; Leute, die kein reines Gewissen haben, können einen liegenden Besen nicht überschreiten RoRibn; Wa; GüGüstrow@BoitinBoit; auch Zigeuner scheuen sich davor LuLudwigslust@LaupinLaup; StaStargard@DrosedowDros; Hexen und Diebe bannt er Gü Güstrow@BützowBütz; Schw; WiWismar@NeuklosterNKlost; auch kleine Kinder warnt man: mööst nich œwer 'n Bessen perren, denn wasst du nich LuLudwigslust@MalchowMalch; wenn man einen neuen Besen auf einen Stiel stecken will, darf man diesen nicht auf einen Stein stoßen, über den Menschen gehen, sonst nimmt man ihnen
den Däg' WiWismar@ZüsowZüs; um Hexen und böse Geister an der Einkehr zu hindern, muß der Besen auf den Stiel gestellt werden RoRostock@EhmkendorfEhmk; Zwerge werden dadurch abgehalten Bartsch 1, 48; Fru Waul ruft: stünn de Bessen nich up 'n Tappen, denn wull ick di woll swappen HaHagenow@RedefinRed; dies geschieht auch, wenn jemand gestorben ist Gü Güstrow@KarowKar; StaStargard@ZippelowZipp; der wiederkehrende Tote klagt deshalb: ick kann nich väl, de Bessen steiht up 'n Stäl WaWaren@Klein LuckowKLuck; wenn ein Tier abhanden gekommen ist, soll man ein Brot verkehrt auf den Tisch legen und einen Besen auf den Kopf stellen, so kommt das Tier von selbst wieder Bartsch 2, 334; den Drak kann man auf diese Weise zum Abladen zwingen LuLudwigslust@WarlowWarl; eine Frau, der dieser Gerste statt Weizen brachte, schruppte ihn
mit 'n stuben Bessen LuLudwigslust@TewswoosTewsW; wenn die Hühner zu viel kakeln, muß man den Besen hoch stellen,
süs gifft dat Larm RoRostock@Nienhagen bei DoberanNHagD; LuLudwigslust@ZiegendorfZieg; das Nachwerfen, Herauswerfen eines Besens bringt Erfolg; es geschah, wenn die jungen Burschen zum Losen mußten Schö; wenn der Jäger zur Jagd fortging Horn Selmsd. 1, 379; Nijohrsmorgen muß man zuerst
'n Bessen rutsmiten HaHagenow@LehsenLehs; Menschen und Vieh soll man nicht mit dem Besen schlagen: die Berührung mit einem Besen oder Besenstiel macht, daß das Kind neun Tage hindurch kein Gedeihen hat Bartsch 2, 52; auch darf man nicht mit dem Besen unter die Wiege langen RoRostock@SülzeSülze; Vieh, welches man mit dem Besen schlägt, hat neun Tage keinen Däg' 144; wird schäwsch Schö; wenn man Schweine, die zu Markt sollen, mit dem Besen schlägt, bekommt man keinen Preis WaWaren@MalchowMalch; wenn man Gänse und Hühner mit dem Besen jagt, leggen se Eier ahn Schell; hingegen ist es erlaubt, Gössel mit 'n Bessen tau stöten un tau schüüchern Wa; der Wurf mit einem Besen zwingt den verwandelten Zwerg, seine wahre Gestalt anzunehmen Bartsch 1, 52; deshalb soll man auch Wechselbälge mit 'n ungebruukten ('n stümmligen) Bessen slahn Wi; StaStargard@HelptHelpt; wer Besen auf seinem Wagen fährt, dessen Pferde werden nicht wieder tragend MaMalchin@RittermannshagenRitt; wer mit einem Besen angefegt wird, hett nägen Dag' kein Oort Schw; WaWaren@MalchowMalch; wenn das Dienstmädchen beim Ausfegen über die Stiefel fegt, fegt sie einem das Glück weg Bartsch 2, 317; den Schitkasten soll man nicht mit einem Besen fegen, sonst gibt es keinen guten Fang Wi Wismar@PoelPoel; mit dem Besen, mit dem der Herd abgefegt wurde, darf man kein Korn zusammenfegen, sonst kommt Brand in das Getreide SchwSchwerin@Klein WelzinKWelz; wenn einem Mädchen beim Ausfegen des Backofens der Besen vom Stiel abgeht, bekommt sie keinen Kranz auf ihrer Hochzeit StaStargard@KublankKubl; wenn man mit 'n Bessen, dei in de Twölften bunnen is, dat Hus utfäägt, denn is man vör Hexen sicher Bartsch 2, 249; den Stall utfägen mit 'n Bessen, dee viermal dörchbunnen is GüGüstrow@BoitinBoit; gegen Ungeziefer: am 1. Mai vor Sonnenaufgang in der Stube dreimal mit einem stumpfen Besen fegen und sagen: Lüs', Flöh rut, gaht all nah 't drüdde Nahwershus, dann den Besen in die Nähe dieses Hauses werfen, dann verschwindet alles Ungeziefer, sobald der besagte Besen von jemand aus dem Hause des dritten Nachbarn berührt wird Bartsch 2, 267; am Ostermorgen müssen alle Ecken im Hause mit einem in den Zwölften gebundenen Besen ausgefegt und der Kehricht vor eines Nachbarn Tür getragen werden 261; wenn die Frösche zum ersten Mal quaken, soll man alle Zimmer mit einem Besen fegen und diesen dann über den Zaun werfen RoRostock@KühlungsbornKühl; gegen Behexung: wenn ein neues Dienstmädchen zuzieht, muß man einen Besen nehmen und dreimal von sich weg fegen Wa; wenn eine Klucke Küken ausgebrütet hat, soll man einen Risbessen nehmen und die Küken œwer 'n Süll fegen, dann kann ihnen nichts Böses geschehen WaWaren@FinckenFinck; Bestreichen mit einem Besen heilt das Vieh und schützt es vor Hexen, Ungeziefer und Krankheit Bartsch 2, 26; 227; 267; RoRostock@Nienhagen bei DoberanNHagD; WaWaren@WredenhagenWred; damit eine Kuh, die beim Bullen gewesen ist, tragend wird, soll man ihr dreimal mit einem Besen über den Rücken fegen und den Besen dann 24 Stunden lang up 'n Stäl stellen LuLudwigslust@ConowCon; wenn eine Kuh gekalbt hat, muß man sie mit 'n nigen Risbessen œwerstriken, dann verliert sie die Nachgeburt bald MaMalchin@WalkendorfWalk; um die Pferde unterwegs vor Unheil zu schützen, strich man ihnen vor dem Anspannen mit 'n scheiben Bessen über den Rücken mit den Worten:
un nu help Gott SchwSchwerin@BanzkowBanzk; gegen Behexung und ähnl. verrichtet man gewisse Dinge durch einen Besen: wenn Hühner Eier ohne Schalen legen, so müssen sie durch einen Besen gefüttert werden, der in den Zwölften gebunden ist Bartsch 2, 158; Futter, das durch einen solchen Besen gegossen wird, heilt und sichert das Vieh vor Krankheiten 248; das Vieh muß am Weihnachtsmorgen œwern 'n blanken Daler un 'n stuwen Bessen supen HaHagenow@BelschBelsch; wenn eine Stute das Fohlen nicht annehmen will, muß man eine Harke mit den Zinken nach oben und einen Besen kreuzweise über den Eimer legen und die Stute mit dem Wasser börmen LuLudwigslust@Hohen WoosHWoos; blaue Milch muß man durch einen neuen Besen seihen Wi; gegen sniden Water soll man dörch 'n Bessen pissen Ro; das Verbrennen von Besen nimmt das Glück, das Gedeihen, gibt den Hexen die Macht Bartsch 2, 132; wenn man an Bord Besen verbrennt, gibt es Unwetter RoRostock@WarnemündeWarn; so viele Reiser in dem Besen waren, so viele Gäste kann man erwarten HaHagenow@LübtheenLübth; wenn 'n 'n stuwen Bessen verbrennt, denn kriggt 'n denn' Dag noch Besäuk von väl Frugenslüd' Bartsch 2, 132; bei Frostbeulen soll man nachts einen Besen verbrennen und das kranke Glied über das Feuer halten Sta Stargard@StrelitzStrel; auch Sagenzüge knüpfen sich an den Besen: der Mann im Mond hat der Volkssage nach am
Stillen Fridag Bessen bunnen Lu Ludwigslust@KarenzKar; im Küselwind soll eine Frau mit einem Besen sitzen, dee sall dat ümmer rümfägen WaWaren@Klein LuckowKLuck; ein Besen dient dem Moort auf seiner Fahrt nach England als Ruder Ro AHag; aus dem von dem Riesen Jörn in die Erde gesteckten Besen erwächst ein großer Baum Bartsch 2, 461; Mutter Störtebecker steckt 'n drögen Risbessen hinter den Koffer und versichert dem Sohn, solang' as dee drög' blew, künn hei stählen RoRibn. 5. Bezeichnung für eine zänkische oder unordentliche Frau:
'n schönen Bessen StaStargard@FriedlandFriedl;
en'n Bessen von Wiew Hack. Papp. 28; dissen verfluchten Bessen von Schosterdiern 79; Darsser Bessen hießen auf dem Fischlande die Darßer Mädchen, weil sie dort Besen verkauften RoRostock@WustrowWustr. FN. Bessensoll. — Zss.: Aben- (
Sp. 26),
Backaben- (
Sp. 539), Bullen-, Dörrer-, Döscher-, Ful-, Harnack-, Heffrecht-, Heid'-, Hell-, Höllen-, Hul-, Kœken-, Krüz-, Lus-, Marl-, Quitschen-, Racker-, Rand-, Raut-, Straten-, Striker-, Stroh-, Stuwen-, Swabber-, Swäp-, Swiffel-, Twölften-, Wörmtbessen. — Mnd. besseme. — Bl. 51
b; Br. Wb. 1, 81; Da. 15
b; Dä. 36
b; Me. 1, 308; Schu. 17.