Wossidia
Bessenstäl m. Besenstiel: dat is woll mit 'n Bessenstäl schräben von schlechter Schrift öft.; dat is 'n Storm, dat sœben (nägen) oll Wiwer nich 'n Bessenstäl hollen kœnen Ro Rostock@WarnemündeWarn; WiWismar@PoelPoel; spöttisch vom ungenauen Maß: 'n Timmermannstoll is 'n Bessenstäl lang un 'n Bessenstäl breet StaStargard@WoldegkWold; vom Emporkömmling: ja, wenn ut 'n Tunpahl 'n Bessenstäl ward RoGPotr; Abfertigung auf die Frage: Wat sall dat warden? Geschweiften Bessenstäl LuLudwigslust@ConowCon; Abwehr der Anrede jug': wat juckt di, juck di mit 'n Bessenstäl Wa; Beteuerung: wenn dat nich indröppt, will ick 'n Bessenstäl fräten Ha Hagenow@GammGamm; von starker Frau: dee kann 'n Bessenstäl in 'n Noors afbräken WaWaren@Groß GievitzGGiev; wenn dee 'n Bessenstäl in 'n Hinnelsten hett, sleiht se alle Lüd' de Bein af Wa; vom Dummkopf: klok is he as 'n Bessenstäl Ro; vom großen Penis: dee hett 'n Ding as 'n Bessenstäl Wa; dee hett tau Laag' ünner de Brügg' stahn, wo se mit 'n Bessenstäl exieren vom Ungedienten RoElm; Paster Duurnbusch truugt, Paster Bessenstäl scheid't von wilder Ehe Wa; diente auch als Zuchtmittel: dunn kreg' ick weck mit 'n Bessenstäl WaWaren@ZahrenZahr; de Bessenstäl steiht prat Drohung RoDob; ick bring' di mit 'n Bessenstäl rut Wa; Spazierstöcke machte man sich früher aus einem Besenstiel, über den man eine Krücke nagelte RoRostock@WarnemündeWarn; häufig im Volksreim:
M. danzt up 'n Bessenstäl im Nachbarreim; Ji pipen up 'n Bessenstäl, De Hund schitt juch wat inne Kähl im Spottreim der Hirtenjungen MaMalchin@WarsowWars; Middag's gifft dat ok nich väl, Abends gifft 't weck mit 'n Bessenstäl im Spottreim auf den Schneider öft.; Vesperbrot gifft 't ok nich väl, Nachtkost gifft 't mit 'n Bessenstäl im Kniereiterlied Wo.
V. 3, 474; Schaullihrer mit 'n Bessenstäl sleiht de Kinner gor tau väl mehrf.; donn kreg he sick den Bessenstäl Un slög den Papst ok gor tau väl im Lied vom buhlenden Pfaffen RoRostock@DändorfDänd; Nehm oll Fru 'n Bessenstäl, maakt 'n ollen Mann 'n Pierd im Volkslied
oll Mann wull riden StaStargard@GevezinGev; häufig im Tanzreim: Grossmudder ritt up 'n Bessenstäl Gü; Hüppelpüüste, Bessenstäl Danzen beid' up 'n Füerrett Wo.
V. 3, S. 356; Mudder Wittsch, Mudder Wittsch mit 'n Bessenstäl, Kumm her un fäg' uns af de Däl Wa; im Abzählorakel der kleinen Mädchen: Kutsch, Karjol, Ledderwagen, Abenkrück, Bessenstäl WaWaren@WredenhagenWred; in der Sage hat ein dreibeiniger Hase 'n Bessenstäl in 'n Noors PaParchim@BelowBel; einer Behexten steckte der Teufel auf dem Blocksberg einen Besenstiel, auf dessen oberem Ende drei Lichter brannten, zwischen die Beine Bartsch 2, 27; wenn ein Jäger seine Flinte neben einem Besenstiel aufhängt oder hinstellt, dann trifft sie in neun Tagen nicht 128; wenn man einen Besenstiel auf der Hausschwelle vorschärft, bekommen die Mädchen in dem Hause keinen Mann WaWaren@LansenLans; in der Neujahrsnacht muß man auf einem Besenstiel nach dem Schweinestall reiten und mit dem Stiel an die Tür klopfen; antwortet hierauf eine alte Sau, so bekommt der (die) Betreffende eine Witwe (einen Witwer), antwortet ein Ferkel, dann bekommt er (sie) eine junge Frau (einen jungen Mann) Bartsch 2, 490. Mnd. bessemstēl. Bl. 51
b; Br. Wb. 1, 82; Dä. 37
a; Me. 1, 310.