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Backaben

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MeckWB
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Eintrag · Mecklenburgisches Wb.

Backaben m.

Bd. 1, Sp. 531
Wossidia MeckWBNBackaben m. Backofen; ältere Sprachform 'Backaven' Chytr. 279; wegen Backaw vgl. Aw statt Aben (s. Aben Sp. 21), und wegen des vermeintlichen fem. Geschlechts in der Verbindung bi de Backaw Bri. 1, 123 s. Teu. im Nd. Jb. 54, 117. 1. Zur Sache und Geschichte: der Backofen besteht aus einem Boden (dem Hierd) und einem Gewölbe (der Deck), beide aus feuerfesten Ziegelsteinen gebaut. In der Decke sind beiderseits der Mitte je 3 Steine ausgespart als Öffnungen der zwischen der Decke und dem äußeren, 50 bis 100 und mehr cm dicken Lehmmantel laufenden Züge. Die Decke legte man beim Bau einfach über einen entsprechend gerundeten feuchten Erd- oder Lehmhaufen, den man danach durch das ausgesparte Ofenloch ausräumte. Dieses (dat Backaben-, Abenlock) war viereckig und wurde je nach Bedürfnis (vgl. z. B. Backbeer und -plumm) lose oder dicht verschlossen; dazu diente in jüngerer Zeit eine Tür aus Eisenblech. Eine Nische mit feuerfestem Glasfenster gestattete bei moderner Ausführung die Beobachtung des Zustandes der Brote von außen, wozu früher die Tür geöffnet und das Innere durch einen Span beleuchtet werden mußte. Sollte der Ofen frisch mit Steinen ausgelegt werden, mußte der Maurer, wenn die Decke niedrig und eng war, an den Beinen in den Ofen hineingeschoben und mit einem großen Schieber (Schüwer) herausgeholt werden Pa Parchim@GoldbergGoldb. Mußte der Lehmmantel erneuert werden, weil er nicht mehr Hitze hielt, so sagte man: de Backaben möt 'n nigen Rock hebben WaWaren@TressowTress; allgem. Witterungseinflüsse auf den Mantel suchte man durch ein einfaches Schutzdach abzuhalten, oder man errichtete einen Schuppen (Backabenschuer) oder ein Haus (Backhus) darüber; s. unt. Nun ließ sich über dem Ofen das Brennholz, das auf einem Aufbau (Rahmen) aufgeschichtet wurde, trocknen. Der Backofen steht heute, sofern es noch einen auf dem Gehöft gibt, meist im Garten oder auf einem nahen Ackerschlage, vgl. die Grundrisse von Gehöften in SchwSchwerin@LankowLank, PaParchim@SuckowSuck und Wa Waren@SchwarzSchwarz bei Pries Niedersachs.-Haus Taf. 16. Früher war der Backofen im Hause untergebracht. Wegen der Feuersgefahr gaben behördliche Anweisungen Vorschriften: 'Und darmit alle Buwesteden, darinnen Backaven, Dorntzen, Badstaven, Schmedeeßen und Vürsteden notturftichlick vor geferlick vür gebuwet und ock alle Tydt in gutem Wesen entholden werden' (1516) Bär. Ges. 4, 34. Aber der Grundriß des ältesten mecklenburgischen Bauernhauses aus der Zeit um 1400 in Schö@ Hung, den der Spaten aufgedeckt hat, zeigt den Backofen bereits an der rechten Außenseite im Garten, dicht neben dem innen an der Wand stehenden Herde, und eine Seitentür führt zum Backofen, s. Mecklenburg Gau Karte 28 c. Die Verlegung ins Freie ordnet die Polizei- und Landordnung von 1572 an: 'Zum Vierten sollen die Backöfen in den Häusern keineswegen länger gelitten werden und soll auf einen jedem Dorfe ein oder zwey Backöfen nach Notdurft und Gelegenheit der Bauern Anzahl, mitten in dem Dorfe oder vor demselbigen, an einem sichern Orte gebauet und gemacht und ferner nicht zugesehen werden, daß der Flachs und Hempf in den Backöfen, so nahe bei den Häusern stehen (die doch, wie gemelt, abgeschaft werden sollen), gedorret werde. Gleichergestalt sollen auch die Backöfen, so an den sorglichen Örtern und in den engen Häusern stehen, in den Städten ganz und gar abgestellet und hinweggetan werden' Bär. Ges. 4, 123. Doch müssen in den folgenden Jahrhunderten die Verbote erneuert werden, vgl.: 'Daß die Backofen an solche Örter gesetzet werden, da sie dem Dorfe keinen Schaden zufügen können, sonderlich ist kein Flachs in denen nahe am Hause gesetzten Ofen zu trucknen' (1702) 3, 70; 'Fügen ... hiemit zu wissen, daß, da durch das Flachstrucken in denen Backöfen und daß dieselbe so nahe bei denen Zimmern (d. i. Gebäuden) stehen, imgleichen durch das Holztrucken auf den so genannten Rahmen gar viele Unglücksfälle und Feuerschaden leider entstehen ..., daß sie (die Beamten) alle die Backöfen, welche nahe an den Häusern stehen, ... einschlagen und gute Backöfen an bequemen Orten ... in oder nahe bei den Dörfern, zusammen mit Schwiebogen versehen, und die Holzrahmen, worüber das Brennholz bisher getrucket worden, sogleich abbrechen lassen sollen' (1706) Sa. Land.-Ges. 5, 213; 'Neue Backöfen sollen nie anders als auf zweyhundert Schritt von den Gebäuden entfernet, gesetzet werden. Gehet solches auf dem Gehöfte selbst nicht an, so muß der Hauswirt entweder gemeinschaftlich mit seinem Nachbar in dessen Ofen backen oder sich gefallen lassen, an einem von seiner Hofstätte entlegenen Ort, wäre es auch außer dem Dorfe, seinen Backofen anzulegen. Umher sind Hecken oder Bäume anzupflanzen, um dadurch Schutz gegen den Wind zu bekommen' (1772) Bär. Ges. 4, 399; 'Alte, nicht gar zu nahe zwischen den Strohgebäuden stehende Backöfen können unter der Bedingung allenfalls bleiben, daß über der Mündung, welche von den Gebäuden abwärts stehen muß, ein Schwiebbogen gemacht und um den Backofen Bäume angepflanzet, auch, wenn es nötig, ein Ziegeldach über den Backofen gelegt werde' ebda; 'daß ..., sobald es irgend tunlich, in allen Dorfschaften die Einrichtung getroffen werde, daß jede Dorfschaft einen allgemeinen Backofen erhalte' (1814) Sa. Land.-Ges. 5, 124, wobei als Grund aber Holzersparnis angegeben wird. Durchgeführt ist diese Anordnung wohl nur in wenigen Dörfern; so gab es in MaMalchin@BreesenBrees einen großen Dörpbackaben. Die Empfehlung des gemeinschaftlichen Backofens zur Verringerung des Holzverbrauchs begegnet ausgangs des 18. Jahrh. vielfach, s. Nützl. Beitr. 1772, 173; 1795, 337; N. Monschr. 1792, 23; für das Backen des Obstes aber mußte man wegen dessen anfallender Menge und des zum selben Zeitpunkt auftretenden Bedürfnisses eigene Backöfen zugestehn, s. N. Monschr. 1792, 23, und für das Flachsdörren riet man zur Anlage von Darrstübchen ebda. Später findet man in einigen Bauerndörfern drei Arten von Backöfen: einen zum Trocknen des Obstes, einen zum Dörren des Flachses und den dritten, im Hause, für das Brotbacken StaStargard@RühlowRühl; in GüGüstrow@RoggowRogg und Wa Waren@JabelJab buken die Tagelöhner und Bauern im Hause unter dem Feuerherd, der Backofen im Freien diente als Brakelaben und zum Plummenbacken. Neuere Feststellungen zeigen den Backofen wieder für das Dörren von Obst im Gebrauch, soweit überhaupt noch Backöfen bestehn. Wie ob. ersichtlich, war vor jedem Backofen ein Swibagen (s. d.) infolge feuerpolizeilicher Anordnung gebaut worden. Backöfen außerhalb des Dorfes, zu mehreren im Halbkreise vereinigt und von Tannen oder Pflaumenbäumen umgeben, finden sich in Dörfern, jetzt freilich meist zerfallen, noch vielfach, vgl. Abb. Meckl. Zeit. 26. 11. 1916 Sonntagsbeilage und Monh. 13, 619b; bezeichnet als Butenbackabens; besaß das Dorf nur einen Backofen, so hatte er eine beträchtliche Größe, so daß der Volksmund äußert, man könne darin tanzen, so für Wa @Mönchsh bezeugt; auch Zäune umgaben den Backofenplatz. Die Aufsicht beim Backen führte ein alter Mann, der Bäcker genannt wurde. Über die älteste Geschichte des Backofens im Bauernhause fehlen Zeugnisse; kaum wird er in räumlicher Nähe des Herdes gestanden haben, sondern sein Platz wird ein eigener, von der Diele abgetrennter Raum mit halbhohen Wänden, woraus sich später die Backkammer oder -stube entwickelte, gewesen sein. In jüngerer Zeit kehrt der Backofen aus dem Freien, wenigstens zum Backen des Brotes und für gewöhnlichen Kuchenbedarf, wieder ins Haus zurück, während zu Hochzeiten der Kuchen noch draußen in den Öfen vorm Dorf gebacken wird MaMalchin@SeedorfSeed; er muß sich aber mit dem Raum unter dem erhöhten Herd, der vierkantig ausgebaut wurde, begnügen. Daß in der Backstube hinterm Backofen Platz für alte Leute war, ersieht man aus der Rda.: jede olle Fru achta 'n Backawen weht et ook C. Reinh. Holtrev. 145. Geheizt wurden die Öfen im Freien mit Kluftholz und Reisig, bei Holzmangel auch mit Dorn, Erbsen- und Rapsstroh, zum Flachsdörren verwendete man die Abfälle beim Braken. Mit Duurnpeik und Abenstaken (Sp. 41) stopfte man den Brennstoff in den Ofen, mit Krück (Sp. 39) und Bessen behandelte man die Glut; der Schüwer (Sp. 41) war das Gerät, mit welchem Brot und Kuchenplaten eingeschoben wurden. Wenn das Ofeninnere Snirrhitt zeigte, wurde der Herd mit dem Bessen oder einem Abenwisch (Sp. 42) rein gewischt. S. die Schilderung unter Backplumm. 2. Sprachlicher Niederschlag der Rolle, die dem Backofen im Leben des Landvolkes zukommt. a. wegen der angenehmen Nachwärme von Obdachlosen als Nachtquartier aufgesucht: 'unde nemandt synen Gesellen im Backaven socht, he sy denn sülvest darinne gewesen' Gry. Paw. M 4a; den französischen Chasseur holt Friedrich aus dem Backofen: Reut. 3, 396; nu bün ick ut de Welt, säd' de Jung, donn set he in 'n Backaben WiWismar@NeuklosterNKlost; als Zufluchtsstätte vor den Unbilden der Welt: gode Nacht, seggt de kathoolsch Preester un krüppt in 'n Backaben WaWaren@Klein LuckowKLuck; im Ruhklasgebet: denn krup ick in 'n Backaben HaHagenow@TrebsTrebs; krup in 'n Backaben, denn büst ut de Welt Rat an einen, der über sein Los klagt HaHagenow@RedefinRed; das Kind erklärt im Rumpsackreim: wenn de Rumpsack kümmt ..., denn krup ick in 'n Backaben Wo. V. 4, 742; wer auf Altenteil zieht, de is up 'n Backaben treckt Ma; geläufig ist das Bild vom Brot oder Kuchen, die auf den Backofen (d. h. auf den Herd des Ofens) geschoben werden, im Sinne von bei Seite schieben: dei hett den ollen K. up 'n Backaben schaben un em de Städ' wegsnappt Gü; sprichwörtlich heißt es von der älteren Schwester, wenn die jüngere vor ihr zur Ehe gelangt: dei hett sick up 'n Backaben schuben laten, dei is up (in) 'n Backaben schaben HaHagenow@RedefinRed; WaWaren@EldenburgEld; mit dem Zusatz: dor ward se woll rösten Wa; liter.: dei schüfft nüms up den Backaben H. Schröd. Buerh. 1, 81; Wagtsm. Dörp. 1, 79; 'die auf den Backofen geschobene Schöne' Reut. 6, 43; der Begriff gewaltsam tritt hinzu: dat lett sick nich in 'n Backaben schuben nicht mit Gewalt fertig bringen HaHagenow@RedefinRed; ji mütten arbeten un juch ganz hergäwen, dat ji wat warden ... So wat lett sick nich in den Backawen schuwen Puls Hw. 69; läßt sich auch nicht übereilen: dat lett sick nich up (in) 'n Backaben schuben, dat möt all sin Tit hebben RoRostock@DierhagenDierh; HaHagenow@WittenburgWitt; Camm. Bil. 19; aufgeben, sich zur Ruhe setzen: ick schuw min Handwark up 'n Backaben GüGüstrow@BützowBütz; HaHagenow@BahlenBahl. Die sachliche Grundlage der Rda. gibt die utopische Meinung, man könne alte Weiber in den Backaben schieben und jung backen RoRostock@GraalGraal; Wi, her. Unmittelbar nach dem Backen ist die Hitze im Ofen noch stark, dieser Zustand ist gemeint in dem Vergleich: dat is, as wenn 'n in 'n Backaben sitt GüGüstrow@WarnowWarn; auch in dem folgenden, wo starke Kälte anschaulich gemacht werden soll: œwer Nacht früst 't twischen twee Verleewte, wenn s' ok in 'n Backaben sitten SchwSchwerin@GadebuschGad. Der Bau eines neuen Backofens ist ein Ereignis, wichtig genug, um danach später Zeitangaben zu machen: dat is in dat Johr wääst, as sin Brauder den Backaben bugte Wa; seine Lage am Dorfrande verlockt dazu, ihn für Ortsbestimmungen zu verwenden: Wur liggt de Stadt N.? Halw Mil achter 'n Backaben GüGüstrow@BützowBütz. Im Kinderspiel: 'Wo kommen Sie her?' — Ut 'n Brüelschen Backaben Wi Wismar@BrüelBrüel. Starken Rauch entwickelt das Feuer im Backofen, dieser erscheint in Vergleichen, wenn ein Tabakraucher viel Rauch ausstößt: wi roken ... as de Backabens Reut. 7, 459; 2, 98; den weitergehenden Vergleich mit dem sehr starken Rauch, den das Reisig des kleinen Mannes entwickelt, s. unt. backen und lütt. Die Größe und Form des Backofens bietet ein Maß zu Vergleichen; plumpe, dicke Gestalten: dat is 'n schönen Backaben von einer schwerfälligen, dicken Tänzerin MaMalchin@SchwinkendorfSchwink; de Pier sünd dick wääst as 'n Backaben Lu; HaHagenow@RedefinRed; vier dicke stiewe Pierd', sonn' oll richtige Backawens Camm. Vadd. 59, mit dem Zusatz: as wieren s' ut 'n Deig wöltert, der auf die Glätte der Haut und der Haare geht; von Körperteilen: dee hett 'n Lif as 'n Backaben HaHagenow@RedefinRed; ... un 'n Noors as ne Schündör Wa; dee (dickes Frauenzimmer) hett 'n Noors unner 'n Rock as 'n Backaben Wa; HaHagenow@RedefinRed; MaMalchin@GielowGiel; he hett 'n Mul as 'n Backaben zum Erzählen StaStargard@DrosedowDros; ein gähnendes Kind wird zurechtgewiesen: du maakst jo 'n Münning as 'n Backaben Gü Güstrow@GülzowGülz; vgl. schon: 'ik jape alzo eyn bakaven' Red. Ost. 1667. Da sich Dicke gewöhnlich mit einem untersetzten und kleinen Körper verbindet, so gilt auch: 'n lütten Backaben wir 't jo man ein kleiner, dicker Kerl Ha; natürlich wird die Vorstellung der Kleinheit noch deutlicher, wenn man sich Menschen im Backofen aufrecht bei einer Hantierung denkt: dee kann in 'n Backaben döschen HaHagenow@RedefinRed; noch mehr gesteigert durch die Anzahl: dat (die Zwerge) sünd so lütte Manns, wo sœben von in unsen Backaben döschen kœnen StaStargard@PeetschPeetsch. Merkwürdig der Ausdruck: dee geiht Backaben döschen geht auf Besuch Schw. Ein schlecht geladenes Fuder: hest 'n schönen Backaben trechtbugt Wa. Häufig erscheint die Rda. gegen den Backaben hojahnen, sie bezeichnet den gewagten Versuch, es mit einem Stärkeren aufzunehmen: jegen den Backafen hojahnen dem Mächtigeren, Größeren und Stärkeren sich widersetzen Mantz. Ruh. 20, 32; gegen Backaben is slicht hojahnen gegen Hochstehende ist schwer anzukommen HaHagenow@RedefinRed; Jb. 5, 121; jeigen Backaben an is nich gaut hojahnen SchwSchwerin@PampowPamp; Bri. 3, 184; 1, 126; nu hujahnen dee gegen 'n Backaben an SchwSchwerin@GodernGod; hujahnt mal gegen den Backaben! H. Schröd. Buerh. 2, 29; abgewandelt: jeign Backabn is nich antaujappn Ratz. Bild. 1, 15; gegn Backabn, je, dor kann ein slicht anhausten Seem. Bew. 151; rit man 'n Hals up gegen 'n Backaben! HaHagenow@RedefinRed. Ein anderes Bild vom unklugen Ochsen, der den Backofen umzustoßen versucht, dient zur Veranschaulichung eines verbohrten, aussichtslosen Tuns: dat is grad', as wenn de Oss mit 'n Kopp gegen 'n Backaben rönnt HaHagenow@RedefinRed; Unklok, stöt 'n Backaben üm! StaStargard@FriedlandFriedl; mit denn' kann 'n Backaben mit ümstöten vom Dummkopf Wa. Wer sich daran versucht, verliert Haare, daher heißt es von einem Kahlkopf: dee hett 'n Backaben ümschaben Wa; auch bei Berührung der inneren Decke: dee hett in 'n Backaben danzt ist kahlköpfig StaStargard@WulkenzinWulk. Schwächliche Unentschlossenheit und Unfähigkeit sich durchzusetzen finden einen Ausdruck in dem Bilde: dee kann keen Katt (Hund) ut 'n Backaben (rut)jagen allgem.; dat is 'n Kierl, dor kann 'n keenen Hund mit ut 'n Backaben jagen StaStargard@WulkenzinWulk; dee kann ne dod' Katt ut 'n Backaben rutjagen SchöSchönberg@SchlagsdorfSchlagsd; vgl. Aben (Sp. 22). Arbeit, bei der man warm wird, vergleicht man mit dem Backofen, der heiß ist oder macht, ohne daß er geheizt ist: dat geiht heit her (as) in 'n kollen Backaben RoRostock@RibnitzRibn; Heim. 2, 136; auch bei Festen GüGüstrow@GülzowGülz; abweichende Formung: dat ward 'n heiten Dag in 'n kollen Backaben GüGüstrow@SchwaanSchwaan; vgl. Aben (Sp. 24). Eine verkehrte Maßnahme lehnt man drastisch ab mit dem Bilde: allens in de Welt, bloss keenen höltern Backaben, un denn mit Muersteen inböten HaHagenow@GallinGall; Red; oder auch: is nicks mit 'n höltern Backaben, dee brennt up un denn ward 't Brot swart GüGüstrow@GöllinGöll; Wi; eine unmögliche Aufgabe: dat is, as 'n höltern Backaben un dor mit Is inbäuten Staak Festschr. Wo. 19. In der Kinderzucht ist Vorsicht mit Erzählungen, die nicht für Kinderohren geeignet sind, geraten; den Backofen als Warnung in solcher Hinsicht anführen, besagt doch, daß man ihn sich als Lauscher vorstellt: seih di vör, hier steiht 'n Backaben Schw; hier is 'n Backaben to väl inne Stuw ebda; Backaben hett ok Uhren Wi; vgl. ähnlich bei Kachelaben und ob. Aben (Sp. 23). Dabei ist weniger an einen im Backofen verborgenen Horcher zu denken als vielmehr an einen Nachklang jener Zeitstufe, in welcher der Backofen als lebendes Glied des Hauswesens empfunden wurde. Als der Gabenspender erscheint der Backofen in der entschuldigenden oder nur geringe Aussicht eröffnenden Erwiderung der Eltern auf die Bitte der Kinder, ihnen etwas aus der Stadt mitzubringen: de Backaw wir infollen RoRostock@KühlungsbornKühl, wenn die Eltern nichts mitgebracht haben; wenn de Bull man nich den Backaben ümstött hett RoRostock@KlockenhagenKlock. b. Backverfahren, Brauch, Glauben und Aberglauben: dat Brot möt nah 'n Backaben smecken, nich nah 'n Backtrog GüGüstrow@HallalitHall; mit der Wendung de Stüer von 'n Backaben afhalen bezeichnete man das Ansprechen der Wanderburschen um eine Gabe WaWaren@Groß FlotowGFlot. Während der Zwölften werden alle Backofengeräte (s. 1) ins Haus genommen, weil in dieser Zeit alle Arbeit ruhen muß, ein Verfahren, das jüngere Auffassung als Schutz vor Diebstahl deutet Bartsch 2, 245; dasselbe geschieht zur Nacht zum 1. Mai (s. Maidag), sonst reiten die Hexen darauf nach dem Blocksberg 265. Das heiratsfähige Mädchen sieht am Olljohrsabend im Backofen den künftigen Bräutigam Wa Waren@CarlsruhCarlsr; die Mutter bäckt wohl 'n Kierl ut Kaukendeig und setzt ihn vorher in den Ofen ebda; wirksamer ist der Blick in einen Backofen, in welchem drei Jahre lang kein Feuer gebrannt hat, sowohl für Mädchen als auch für junge Männer Bartsch 2, 238. Von Hexen glaubt man, daß sie in einen Backofen kriechen, wenn sie verfolgt werden, ebenso von dreibeinigen Hasen u. a. dämonischen Wesen; von Schlangen Verfolgte retten sich in einen Backofen, vor diesem macht man ein Feuer an, in welchem die Schlangen umkommen Bartsch 1, 279; den Drak kann man zum Abladen bringen, wenn man in den Backofen kriecht und den Noors heraushält LuLudwigslust@WarlowWarl. Den Besen, womit der Backofen ausgefegt wird, soll man in die Dranktunn legen, dann verfängt das Vieh nicht WiWismar@ZüsowZüs; Warzen vergehn, wenn man sie mit dem Waschtuch dreimal überstreicht und dieses rückwärts gehend in den Backofen wirft Lu Ludwigslust@MöllenbeckMöll; eine Schnittwunde am Finger heilt, wenn man den Finger dreimal in das Loch des Backofens hineinsteckt HaHagenow@GammGamm; im Segen gegen die Flechte vielfach die Wendung: '... vergehst wie ein (statt 'im') Backofen'. Die heilige Kraft des Backofens und zugleich das hohe Alter der Überlieferung, da noch der Backofen in der Backkammer des Hauses gemeint ist, verrät eine Prophezeiung aus WiWismar@WarinWar: wenn dem Amtsmüller im Vorraum des Backofens ein Sohn geboren werde, so werde dieser lange im Besitz der Mühle bleiben (1933); solcher Art ist auch die segnende Wirkung, die aus folgendem Brauch spricht: Lichtmissen möt de Diern mit 'n Ganten nah 'n Backaben rin, süs krigen wi kein Gössel Schö, wo außerdem die Vorstellung der heiligen Hochzeit mit zur Geltung kommt. In der Volkssage spielt der Backofen eine gewichtige Rolle: das Schloß von WaWaren@Dambeck bei KratzeburgDambK soll auf einem goldenen Backofen stehn; anderseits will kein Backofen stehn, wo ein Schatz vergraben ist Ha Hagenow@StrohkirchenStrohk; an verschiedenen Orten erzählt man von der Moort, die ihre Kinder (Sonnabends) beim (im, hinterm) Backofen reinigt und wäscht; Waul zündet den Leuten das Feuer im Backofen an Bartsch 1, 12; Fru Goden ist durch den Backofen gezogen, und ein Hund ist darin zurückgeblieben PaParchim@Groß PoserinGPos; ein Hund des Waul hat ein ganzes Jahr hinter dem Backofen gelegen SchöSchönberg@CarlowCarl; magische Hunde tanzen den Backofen nieder LuLudwigslust@Neu KalißNKal; ein Geist erklärt, er werde 'n Mul hebben as 'n Backaben GüGüstrow@MamerowMam; ebda und in GüGüstrow@ZierstorfZierst will eine Dame, die erlöst werden will, as Backaben oder groß wie ein Backofen kommen; eine andere Sage erzählt, sie sei als Pogg gekommen, den Rachen habe sie weit aufgerissen, dat hett so rot utseihen, as wenn in 'n Backaben Glaut is ebda. Verwandlung in einen Backofen wird auch im Hexenglauben angenommen: de oll Schultenfru hett sick to 'n Backaben maakt, un denn hett de Knecht ehr riden müsst RoRostock@Nienhagen bei DoberanNHagD. Auch reitet die Hexe auf einem Backofen zum Blocksberg allgem. Von alten Jungfern sagt man, daß sie 'n Backaben ümschuben müssen Wa. Sogar eine Vorstellung vom Weltuntergang knüpft sich an den Backofen: wenn de letzt Backaben bött ward, ward 'n Füer entstahn un dordörch de Welt ünnergahn SchwSchwerin@BotelsdorfBot. Ein Bauer in RoRostock@KlockenhagenKlock hat öfters beim Backofen dat Geldfüer, das einen Schatz anzeigt, brennen sehen. — FN.: Backaben, Backaben(s)barg, -block, -(s)brauk, -busch, -damm, -dik, -dörp, -eck, -koppel, -platz, -slag, -städ', -winkel, Backabenshäg', -kul, -weg, -wisch; Neum. 114. — Mnd. backoven, -aven. — Dä. 21a; Me. 1, 199; Schu. 20.
19831 Zeichen · 227 Sätze

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  1. modern
    Dialekt
    Backabenm.

    Mecklenburgisches Wb. · +1 Parallelbeleg

    Backaben m. Backofen; ältere Sprachform 'Backaven' Chytr. 279; wegen Backaw vgl. Aw statt Aben ( s. Aben Sp. 21 ), und w…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit backaben

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Zerlegung von backaben 2 Komponenten

back+aben

backaben setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

backaben‑ als Erstglied (17 von 17)

Backabendöscher

MeckWB

backaben·doescher

Backabendöscher m. Zwerg, in den Zwergsagen gebrauchte Benennung; übertr. kleiner Mann Ro Ribn ; Ha Red ; Schö Warn . Me. 1, 201.

Backabeninteressen

MeckWB

backaben·interessen

Backabeninteressen Pl. Backofenzinsen, übertr. von einem Bettler oder reisenden Handwerksburschen, der um Brot bittet: dee fördert Backabeni…

Backabenleihm

MeckWB

Backabenleihm m. Lehm von einem alten Backofen und einer Lehmwand eignet sich zur Verbesserung eines leichten Garten- und Ackerbodens; Eng. …

Backabenlock

MeckWB

backaben·lock

Backabenlock n. Öffnung des Backofens: hest 'n Mul as 'n Backabenlock Sta Dros ; s. Backaben 2 b.

Backabenstäd'

MeckWB

Backabenstäd' f. Platz, wo früher vier Backöfen gestanden haben (FN.) Lu TewsW .

Backabenstot

MeckWB

backaben·stot

Backabenstot m.: Backabenstot is nich verbaden entschuldigende Äußerung, wenn der, welcher das Brot mit dem Schüwer in den Ofen schiebt, dab…

Backabenstüer

MeckWB

backaben·stueer

Backabenstüer f. wie -interessen: dor is ok all wedder een, dee fördert Backaben- stüer in Sta Troll ; Backabenstüer infördern um Brot bette…

Backabenstüerhaler

MeckWB

Backabenstüerhaler m. reisender Handwerksbursche oder Bettler, der um Brot bittet Ma Brud .