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Stutzen

mhd. bis spez. · 17 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Adelung
Anchors
28 in 17 Wb.
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Eintrag · Adelung (1793–1801)

Stutzen

Bd. 4, Sp. 490
Stutzen, verb. regul. welches in doppelter Gestalt üblich ist. I. Als ein Neutrum mit dem Hülfsworte haben. 1. Heftig stoßen, und zwar so, daß von dem gestoßenen Körper ein Wiederstoß erfolge; wo es der Form nach ein Intensivum von stoßen, Nieders. stöten, dem Wesen nach aber eine genaue Nachahmung des mit dieser Art des Stoßens verbundenen Lautes ist. (1) Eigentlich, wo es doch im Hochdeutschen wenig gebraucht wird; Ital. cozzare. In verschiedenen Provinzen aber gebraucht man es von Ochsen, Ziegen, Böcken, wenn sie stoßen, wo es auch die thätige Form leidet. Matthesius erkläret stutzen, durch Stirnstoßen wie ein Bock. Schon bey dem Ulphilas ist stautan, stoßen. Im Hochdeutschen sagt man noch zuweilen, mit den Weingläsern stutzen, sie an einander stoßen. In einigen gemeinen Mundarten sind für dieses stutzen auch hutzen und butzen üblich, welche ähnliche Onomatopöien sind. S. auch Aufstützig, welches auch noch etwas von dieser Bedeutung enthält. (2) Figürlich, wo es in einigen Gegenden, z. B. in Hamburg, für tauschen gebraucht wird. Mit einem gegen Getreide stutzen. Eine Waare verstutzen, vertauschen. Stoßen wird oft in eben derselben Bedeutung gebraucht; Waaren umstoßen, verstoßen. d. i. umsetzen. 2. Bey Empfindung eines unerwarteten unbekannten Dinges plötzlich stille stehen, wo es einen geringern Grad der Empfindung ausdruckt, als bestürzt werden und sich entsetzen. Im Schwed. gleichfalls stutsa, dagegen schon Kero stozzon für fürchten gebraucht. Ein Pferd stutzt, wenn es unvermuthet etwas Fremdes erblickt, und noch unschlüssig ist, ob es fortgehen soll oder nicht. So auch von Menschen, seine Befremdung über etwas Unerwartetes durch ein plötzliches Stille stehen, oder Innehalten in der Bewegung, in der Rede, im Denken, an den Tag legen; stutzig werden. Über etwas stutzen, es sey nun ein Übel oder etwas Angenehmes, wenn es nur unerwartet ist. Bey diesen Worten stutzte er. Es ist hier ein Intensivum von stehen, welches in Statt, statten, u. s. f. schon ein t hat, wo das Plötzliche durch das tz ausgedruckt wird; man müßte denn diese Bedeutung lieber als eine Figur der vorigen Bedeutung ansehen wollen, indem das Stutzen auch als eine Art eines Plötzlichen Zurückstoßens oder auch Zurückweichens angesehen werden kann. Auf ähnliche Art ist auch im Schwed. hirta, stutzen, welches zu unserm hirten, hürten, stoßen, gehöret. 3. Prangen, Staat machen, im äußern Gepränge andere zu übertreffen suchen, im Schwed. gleichfalls stutsa. Mit prächtigen Kleidern stutzen. Jetzt kann er stutzen. Das stutzt! das pranget, das fällt in die Augen. Das Mensch gefällt auch ungeputzt, Trotz mancher, die in Flittern stutzt, Haged. S. Stutzer. Es gehöret hier zu Staat, ist aber allem Anscheine nach gleichfalls ein Intensivum von stehen, und scheinet eigentlich, sich über andere erheben, größer seyn wollen als andere, zu bedeuten; stolzieren, von stolz, erhaben. In Stutz und Aufstutzen, ist diese Bedeutung der Erhebung, des Emporstehens, noch in mehr eigentlichem Verstande üblich. Auf ähnliche Art sind butzen, stoßen, der Butzen, etwas Hervorragendes, und putzen, zieren, verwandt. Im alt Französ. war Estauceure, jeder Putz oder Staat in Kleidern, und citancier, putzen. Carpentier leitet es[] von Estauramentum ab; allein es scheinet vielmehr zu diesem stutzen zu gehören. S. auch Stütze. Im Holländ. ist das mehr einfache stuyten, prangen, prahlen. II. Als ein Activum. 1. Empor stehen machen, oder vielleicht auch, als das Activum der vorigen Bedeutung, prangen machen, doch nur in dem zusammen gesetzten Aufstutzen. S. dasselbe, ingleichen Stützen, 2. Im entgegen gesetzten Verstande ist stutzen kürzer machen, und dadurch ein kürzeres Ansehen geben, als eine Sache gewöhnlich hat. Einem Pferde den Schwanz, einem Hunde die Ohren stutzen. Die Haare stutzen, sie der Länge nach beschneiden. Einen Baum stutzen, den Wipfel abschneiden oder abhauen. Den Hühnern die Flügel, den Schwanz stutzen. S. Stutz, Stutzer und viele der folgenden Zusammensetzungen. So auch das Stutzen. Anm. Das tz in der Mitte des Wortes deutet auf ein Intensivum, dessen Stammwort bald stoßen, Nieders. stöten, bald staten, statten, von stehen, bald auch ein veraltetes stuten, kürzer machen, ist, welche, so verschieden sie auch ihren Bedeutungen nach sind, sich doch auf ähnliche Onomatopöien gründen. Für stutzen, kürzer machen, gebrauchen die Niedersachsen stuven, welches zu stumpf gehöret.
4424 Zeichen · 77 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    stutzenswv.

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer) · +1 Parallelbeleg

    stutzen swv. ib. stutzen, zurückscheuen ( vom pferde ) Dür. chr. 664 ;

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Stutzen

    Adelung (1793–1801) · +9 Parallelbelege

    Stutzen , verb. regul. welches in doppelter Gestalt üblich ist. I. Als ein Neutrum mit dem Hülfsworte haben. 1. Heftig s…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Stutzen

    Goethe-Wörterbuch · +1 Parallelbeleg

    Stutzen [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  4. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Stutzen

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +1 Parallelbeleg

    Stutzen , Stutzbüchse , heißt in Süddeutschland die kurze Kugelbüchse.

  5. modern
    Dialekt
    stutzen

    Elsässisches Wb. · +7 Parallelbelege

    stutze n [tùtsə Steinbr. Hüss. Ensish. Su. Geberschw. Dü. Bf. Illk. Ndrröd. ; tytsə Co. Hag. Rothb. Lobs. ] 1. kürzer …

  6. Sprichwörter
    Stutzen

    Wander (Sprichwörter)

    Stutzen 1. Weil sich zween mit einander stutzen, liest der dritte die Woll auf. – Opel, 377. 2. Wohl gestutzt ist wohl g…

  7. Spezial
    stutzen1

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +2 Parallelbelege

    stut|zen 1 vb.tr. 1 (schneiden) taié (taia) 2 (die Spitze abschneiden) agaié (-ia), taié ia la piza 3 (kürzen) ascorté (…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit stutzen

31 Bildungen · 18 Erstglied · 10 Zweitglied · 3 Ableitungen

Zerlegung von stutzen 2 Komponenten

stut+zen

stutzen setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

stutzen‑ als Erstglied (18 von 18)

Stutzenbein

SHW

Stutzen-bein Band 5, Spalte 1633-1634

Stutzenberg

SHW

Stutzen-berg Band 5, Spalte 1633-1634

Stutzenbock

SHW

Stutzen-bock Band 5, Spalte 1633-1634

Stutzenkopf

SHW

Stutzen-kopf Band 5, Spalte 1633-1634

Stutzenlos

SHW

Stutzen-los Band 5, Spalte 1633-1634

Stutzenweck

SHW

Stutzen-weck Band 5, Spalte 1633-1634

Stutzenbäcker

RhWB

stutzen·baecker

Stutzen-bäcker m.: 1. Bäcker, der Stutzen 1 m α. bäckt Verbr. wie dort. — 2. übertr. Bachstelze Zell-Kaimt .

Stutzenbock

PfWB

stutzen·bock

Stutzen-bock m. , Stutzen-böckelns n. : ' Stirn an Stirn stoßen ', ein Kinderspiel, Stutzebock (šdudsəbog) [KU-Kaulb Lohnw Schmittw/O Kaislt…

stutzenierer

DWB

stutzenierer , m. herumziehender bettelmönch, aus stationierer ( teil 10, 2, 944) umgebildet, wohl nach stutzen ' eitel und müssig umhergehe…

Stutzenkopf

PfWB

stutzen·kopf

Stutzen-kopf m. : 'aufgeblasenes Leimkraut (Silene inflata)', Stutzekopp [ KU-Schmittw/O ]; Syn. s. Knallblume . —

Stutzenkorb

PfWB

stutzen·korb

Stutzen-korb m. : 'großer Korb für Spreu, Häcksel usw.', -koʳb [ FR-N'lein NW-Ellstdt ]; vgl. Spreu-, Sturzkorb ; Syn. s. Korb 1.

stutzenloch

DWB

stutzen·loch

stutzenloch , n. , loch in der hobelbank, in dem der bankhaken ( 1 stutzen, m., sp. 756) sitzt, s. Karmarsch-Heeren 3 1, 290; auch stützenlo…

Stutzenschaffer

PfWB

stutzen·schaffer

Stutzen-schaffer m. : ' ein Arbeiter, der nur kurze Zeit wirklich arbeitet und dann lange Zeit ausruht und faulenzt, Gelegenheitsarbeiter ',…

Stutzenweck

PfWB

stutzen·weck

Stutzen-weck m. : ein Gebildbrot in Form zweier Schenkel, das am Anfang oder Ende des Schuljahres an Kinder verteilt wurde, Stutzeweck [ RO-…

stutzenweise

PfWB

stutzen·weise

stutzen-weise Adv. : ' in kurzen Zeitabschnitten; nicht auf einmal ', stutzeweis [ RO-Messbhf ]; vgl. Stutz 1.

stutzen als Zweitglied (10 von 10)

widerstutzen?

KöblerMhd

*widerstutzen? , V. nhd. schädigen, widerstreben Hw.: s. widerstutzen (2) E.: s. widerstuz W.: nhd. DW-

abstutzen

DWB

abstutzen , praecidere, decurtare. dem pferde die ohren, den schwanz abstutzen; die äste vom baum abstutzen, den baum; den buchsbaum, die he…

aufstutzen

DWB

auf·stutzen

aufstutzen , offendere, stupere, percelli, nnl. opstuiten. stutzen, intransitiv genommen, gehört zu stoszen und bedeutet anstoszen, stillste…

e(n)tstutzen

Idiotikon

e(n)tstutzen Band 11, Spalte 1895 e(n)tstutzen 11,1895

einstutzen

DWB

einst·utzen

einstutzen , curtare: bäume, zäune und hecken einstutzen. dann auch kleider einstutzen wie aufstutzen, ihnen neuen zuschnitt geben: wie ich …

erstutzen

DWB

erst·utzen

erstutzen , detruncare, stutzen, abstutzen: die haare, bäume erstutzen. Stieler 2182 gibt ein erstutzen lucrifacere an.

ranstutzen

MeckWBN

ran·stutzen

Wossidia ranstutzen a. Spr. heranreiten: 'wenn se (Feinde) heran stutzen' Gry. Lb. 1, Ee 4 a ; 'welckere swartte Rter unde bOesen Geiste ni…

verstutzen

DWB

verst·utzen

verstutzen , verb. , wie das stammverb. ( s. d. ) in verschiedenen bedeutungen; in älterer sprache auch umgelautet. stutzen, abstutzen, best…

widerstutzen

KöblerMhd

wider·stutzen

widerstutzen , st. N. nhd. Schädigung, Widerstreben Hw.: s. widerstutzen (1) Q.: JvFrst (1340-1350) (FB widerstutzen) E.: s. widerstuz W.: n…

zustutzen

DWB

zustutzen , v. 1) gelegentlich zu stutzen ' plötzlich anhalten ': er hatte bei sich wunderthetige griechische reutter, die man dafür achtete…

Ableitungen von stutzen (3 von 3)

bestutzen

DWB

bestutzen , stupere, stutzig werden, stutzen, doch erscheint fastnur das part. praet. bestutzt, stupore perculsus: bestutzet ligen gar zu gr…

erstutzen

DWB

erstutzen , detruncare, stutzen, abstutzen: die haare, bäume erstutzen. Stieler 2182 gibt ein erstutzen lucrifacere an.

verstutzen

DWB

verstutzen , verb. , wie das stammverb. ( s. d. ) in verschiedenen bedeutungen; in älterer sprache auch umgelautet. stutzen, abstutzen, best…

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APA
Cotta, M. (2026). „stutzen". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 12. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/stutzen/adelung
MLA
Cotta, Marcel. „stutzen". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/stutzen/adelung. Abgerufen 12. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „stutzen". lautwandel.de. Zugegriffen 12. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/stutzen/adelung.
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