grenze,
f. ,
finis, terminus. II.
form und ausbreitung. I@11) grenze
ist lehnwort aus dem slav. (
poln. granica,
tschech. hranice,
vgl. Miklosich 76
b),
das um die mitte des 13.
jhs. im Deutschordenslande übernommen wurde. die erneuerte kulmische hantveste (1251)
übersetzt termini
noch mit gemerke Philippi
preusz. urk.-buch 1, 1, 183
ff.; dagegen: an unser granizze 1, 2, 130 (
Thorner urk. von 1262); bynnen denselbigen grenitczen 1, 1, 164 (
urk. von 1262—63); do eine geczeichente grenitze stehet Voigt
cod. dipl. Pruss. 2, 123 (
a. 1321);
auch in der poet. litteratur des ordens: grenytzen
Hiob 9566. 14163; als man of yensyt der Swecze zoch und do an der grenicz lag
Marienburger tresslerbuch 589, 36
Joachim; grenicze, -czen
geometria Culmensis 16. 19
Mendthal; metae, quae polonice grAenzien dicuntur Weinhold
schles. 30
a (
urk. von 1291); daz selbe hus mit dem dorfe mit alle seinen grenitzten
lehnsurk. u. besitzurk. Schlesiens 1, 125 (
a. 1319); daz scol sin die grenitze zwischen uns beidersit
ib.; alle unser lande ... mit irn weipilden und grenicen 1, 163 (
a. 1344);
zahlreiche belege aus dem böhm. des 14.
jhs. bei Jelinek
mhd. wb. f. Böhmen 331;
auch die lat. urkundensprache hat das wort, vielleicht erst auf dem wege über das deutsche, dem poln. entlehnt; die ältesten belege weisen auch hier in die zweite hälfte des 13.
jhs.: a granicia ipsorum Voigt
cod. dipl. Pruss. 1, 176 (
a. 1283); infra dictos limites sive granicies 2, 129 (
a. 1322); metas et grencias civitatis Haltaus 752 (
aus urk. der markgrafen v. Brandenburg a. 1285); universis metis, graniciis ac circumferenciis
lehnsurk. u. besitzurk. Schlesiens 1, 490, 3 (
a. 1343); in suis grenniciis et limitibus 491, 34 (
a. 1343); usque ad gades et grenicias villae Gunzendorff Du Cange 4, 110
a (
a. 1337);
ebd. und 100
c weitere belege. im 15.
jh. dringt das wort aus den grenzmarken nach westen, sowohl nd. wie hd.: nicht in syn lant men up eine grensze to komen Schiller-Lübben 6, 144
a aus den recessen d. hansetage (
a. 1437);
meta grenicz Diefenbach 359
b (
obd., anfang 15.
jh.);
confinium grenicz
vel landes scheydung 141
b;
gades rein, grenitz 641
b;
ebenso nov. gloss. 187
b (
ostd., 1420);
aber litterarische belege sind noch rar: an disen grentzen Stainhöwel
de clar. mul. 324
Drescher; von der grenitzen wegen irer bistumbe
städtechron. 3, 271 (Meisterlin
Nürnberger chron. 1488). I@22)
erst im laufe des 16.
jhs. hat sich grenze
allgemeine litterarische geltung errungen, nicht zuletzt durch den einflusz Luthers,
der geradezu eine vorliebe für das wort hat. es lohnt, seinen sprachgebrauch mit dem anderer bibelübersetzungen zu vergleichen: da mit sie ire grentze weiter machten
Amos 1, 13; ir eyne grentzen Hetzer-Dengk
prophetenübersetzung (
Worms 1527); seine landsmarck ausz zuo braiten Eck
bibel (
Ingolstadt 1550); ire landmarchen
Zürcher bibel (1531). — (
Tyrus) deine grentze seind mitten im meer
Hes. 27, 4; deine grentzen Hetzer; Eck
abweichend; deine landmarchen
Zür. — deine kinder sollen wider in ire grentze komen
Jer. 31, 17; in ire eygne grentzen Hetzer; zuo iren landmarcken Eck; in ir land
Zür. — (
sünde) die ir in allen ewren grentzen begangen hat
Jer. 15, 13; in deinen grentzen Hetzer; in allen deinen märckten Eck; in allen euwern landmarchen
Zür. — geschrey gehet umb in den grentzen Moab
Jes. 15, 8; gehet gerings umb den gräntz Moab Hetzer; umbgeet die landmarck Eck; übergieng das gantz land
Zür. — schaden oder verterben in deinen grentzen
Jes. 60, 18; in deinen grentzen Hetzer; in deinen gränitzen Eck; innert deinen letzinen
Zür. — die die grentze verrücken
Hos. 5, 10; die marck steyn Hetzer; Eck,
Zür. ebenso. — deine thore von rubinen und alle deine grentzen von erweleten steinen
Jes. 54, 12; alle deine marck Hetzer; Eck
ebenso; alle deyne ende
Zür. —
eine weiter geführte vergleichung würde bestätigen, dasz die rheinfränk. übersetzung in der ausdehnung des gebrauchs hinter Luther
nicht erheblich zurücksteht, während die bair. wesentlich zurückhaltender ist (
namentlich in der verwendung von grenze
für '
gebiet')
und die hochalem. das wort überhaupt nicht kennt. dem entspricht es, wenn Adam Petri im
glossar zu seinem nachdruck des lutherischen neuen testaments (1523) grentz
erklärt durch gegny, umbkreysz.
die nd. Lübecker bibel (1533)
übernimmt in den meisten fällen Luthers grenze,
nur in der bedeutung '
gebiet'
tritt öfter anderes ein; z. b. heiszt es Jer. 31, 17 (
s. o.) in er landt;
oder: nam Israel in all dat landt der Amoriter
richt. 11, 22
statt Luthers alle grentze.
sicherlich wirkt Luthers
einflusz mit, wenn das wort namentlich seit den dreisziger jahren des 16.
jhs. auf hd. boden allgemeine verbreitung findet, und zwar zuerst in den gebieten, die sich der reformation öffneten: fränk. Alberus
dict. (1540) 45
b. 114
a;
fabeln 115
neudr.; Carbach
Livius 207
b; Kirchhof
wendunm. 2, 67. 372
Österley; sehr häufig bei H. Sachs;
schwäb.: städtechron. 23, 50, 2 (Clemens Senders
Augsburger chron.); Seb. Franck
Germ. chron. (1538) 2
a. 137
b;
sprichw. (1541) 2, 185
b;
nd.-alem.: Hedio
chron. Germ. (1520) p vi
b; Agricola 750
sprichw. (1534) k ii
a; grentz
limes Dasypodius (1536) 338
b; Eppendorff
Plinius (1543) 8, 47; Wickram 1, 201, 3;
im bair. dagegen anscheinend erst später durchgedrungen: Nas
antipap. eins u. hundert 1, 93
b; 2, b 3
b;
oft freilich schon bei Aventin
bair. chr. 1, 262, 33; 4, 75, 2. 281, 21. 355, 21. 356, 2. 919, 15;
auch schweiz. scheint das wort erst in der 2.
hälfte des 16.
jhs. zur herrschaft gelangt zu sein: der grenitze halb beyder künigreichen Seb. Münster
cosmogr. (1550) cxv; die grentzen Asiae Xylander
Polybius (1574) 1;
vgl. Frisius
diction. (1556) 804
a. 926
a; Josua Maaler
teutsch spraach (1561) 192
a; Calepinus
undec. ling. (1598) 192
a. 823
b;
vereinzelt allerdings auch schon in der 1.
hälfte des 16.
jhs.: greniz(e)
in eidgenöss. abschieden von 1521
und 1529
nach Staub-Tobler 2, 785
a. I@33)
in den heutigen dialecten überall: grenze
n Staub-Tobler 2, 785; krantsə,
theilweise kræntsə Martin-Lienhart 1, 279
a; grániz, gránəz Schmeller 1, 999; granatz Schöpf 206; grânaze Lexer
kärnt. 121; grenitz, granitz Loritza
idiot. Vienn. 54; grenz Follmann
lothr. 215
b; grenz
lux. ma. 154
a; krents Meisinger
rappenau. 77
b; kränz
für flurgrenze, rain Müller-Fraureuth 1, 440
a; grenze Weinhold
schles. 30
a; grens' Danneil 69
b; grense Schambach 68
a; grénts
e Bauer-Collitz 41
a; grens Schmidt-Petersen 53
b; grense, grens',
älter grenitts
und die erweiterung grensinge Berghaus 1, 609
b (up de negde an de gränsinge des stichts
brem. wb. 2, 541); grense, grens Doornkaat-Koolman 1, 680
a;
aus dem nd. in die benachbarten germ. sprachen gedrungen: nl. grens,
nach Franck
2 213
b zuerst bei Plantijn (1573);
dän. grænse;
schwed. gräns. I@44)
die echte form mit mittelvocal ist nördl. des Mains anscheinend im 15.
jh. erloschen, wenn sie auch Stieler
noch notiert: olim gränitz
stammb. 693;
aber auf südd. boden erscheint sie bis zur mitte des 16.
jhs. und darüber hinaus noch überall; vgl. Staub-Tobler 2, 785
a; Münster
cosmogr. (1550) cxv; Baumann
quellen z. gesch. d. bauernkriegs aus Rotenburg 112;
stets bei Aventin
und Nas (
bei H. Sachs
dagegen anscheinend fehlend);
frawen Maria zu Ungarn ... gründtlicher bericht (1543) f 3
b; Mathesius
Sarepta (1571) 78
b; Carbach
Livius (1551) 207
b;
dann erlag sie der auf md. boden entwickelten und namentlich durch Luther
propagierten form grenze;
nur das bair. hat bis heute an der alten form festgehalten: lantmarchen und grenitzen Schöpf 206 (
aus d. tirol. landordnung von 1603); auf der schlesischen gränitz Mayr
epitome (1604) 174
a;
oft in den österr. weisth., z. b. 1, 81, 20. 104, 30. 267, 15; zur gränitzen Procopius
patrociniale (1674) 336; die gränitzen Judeae Abr. a St. Clara
Judas (1686
ff.) 1, 142; Kramer
bezeichnet gränitz
ausdrücklich als österr., teutsch-ital. (1700) 1, 556
a;
ebenso Diedr. v. Stade
erläuter- u. erklärung (1724) 278;
belege für die modernen maa. s. oben unter 3. I@55)
als stammsilbenvocal erscheint im älteren schles. a: in allen reynen und graniczen
lehnsurk. u. besitzurk. Schlesiens 2, 370 (
a. 1443); yn seynen reynen und grantczen 1, 553 (
a. 1493); die deutsche grantze (: pomerantze) Logau
sinnged. 884
Eitner; vgl. unten granczhaus (
schles. a. 1618);
bair.-österr. bis heute: grahnitz Zaupser
bair.-oberpfälz. id. 32;
bei Klein
provincialwb. 1, 159 granitz
als österr. vermerkt; kain grániz von lándern mehr kennt má Stelzhamer 3, 132
Rosegger; seit dasz die granitz (grenze) gesperrt ist Rosegger 7, 231;
weitere belege für die heutigen bair. maa. s. oben unter 3;
auch Steinbachs
angabe granitz
antiqua vox in Suevia adhuc usitata wb. 1, 637
hat wohl nur das bair. im sinn; alem. nur in ableitungen: granítzer,
gewöhnlich granítzler,
auch gränítzler
hausierer, schmuggler; granítzlen
einen solchen beruf treiben Staub-Tobler 2, 745; an der französischen granze
bei Arndt
schr. für u. an s. l. Deutschen 1, 237
scheint druckfehler. —
selten ist ei
in der stammsilbe: confinium greynicz
vel landes scheydung Diefenbach 141
b; an den eussersten enden und gräinitzen der welt Albertinus
Lucifers königr. 249, 19
Liliencron; landtsgrainz Schöpf 206
aus Trojer
chronica .. der beruembten stadt Botzen (
a. 1626). —
vereinzelt mit rundung: alle unsere grönitz (
plur.) Alex. Seitz
vom groszen abentmal (1540) f viii
a;
ebenso selten mit sproszvocal: cancellus ... dicitur theutonice eyn schrang
vel gerenitze Haltaus 752. I@66)
bis ins 16.
jh. wird der stammsilbenvocal e
geschrieben; erst in der 2.
hälfte dieses jhs. findet man ä
öfter: grännitzen Staub-Tobler 2, 785
a aus Vadian; an der steirischen gräntz Kirchhof
wendunm. 2, 67
Österley; gräntze Schütz
hist. rer. Pruss. (1592) 1, 1;
auch bei Aventin
herrscht indessen schon gräniz;
aber erst im 17.
jh. gewinnt ä
die oberhand: grenze, grenz, gränz
notiert Henisch 1740; gränz et grenz
dagegen Stieler 693;
es scheint, als wenn das vordringen von gränze
zum guten theil auf die rechnung der Schlesier kommt, denen diese schreibung dadurch nahe gelegt war, dasz ihr dialect die a-
form lange gehalten hat. jedenfalls bevorzugen ä
männer wie Gryphius, Logau, Angelus Silesius, Lohenstein,
auch Fleming, Olearius, Chr. Weise,
während e
vorherrscht bei Zesen, Schottel, Schupp, Spee, Chemnitz. im 18.
jh. nimmt gränze
eher zu als ab, und nicht zutreffend ist Steinbachs
bemerkung: quidam adhuc hodie scribunt gräntze,
quod hodie plerumque grentze
scribitur wb. 1, 634;
noch am ende des jhs. schreibt Braun gräntze
vor wb. (1793) 126
a;
noch in der 1.
hälfte des 19.
jhs. halten ä
und e
sich ziemlich die wage, und Heinsius'
angabe: 'grenze
ist jetzt die gewöhnlichste schreibung'
wb. 2, 529
a ist verfrüht. I@77)
vereinzelt erscheint schwache flexion im sing.: in seiner grentzen (: mit .. fuchs-schwentzen) H. Sachs 5, 143, 14
Keller; in Polen an der grentzen Opel-Cohn
dreiszigjähr. krieg 77;
auch im nom.: derhalben ist
nun das wasser der Sala eine gräntzen Prätorius
katzenveit (1665) b 1
b;
auffälliger ist ein stm. grenz,
anscheinend beschränkt auf die bedeutung '
gebiet': umb den gräntz Moab Hetzer-Dengk
prophetenübers., Jes. 15, 8 (
s. o. 2); was sich bei uns zu
getragen in unserm grenz Staub-Tobler 2, 785 (
a. 1620). IIII.
bedeutung. II@AA.
im eigentlichen sinne bezeichnet grenze
die gedachte linie, die zur scheidung von gebieten der erdoberfläche dient; der sprachgebrauch vergröbert vielfach den begriff, indem er ihn überträgt auf die äuszeren merkmale, denen die grenze folgt, z. b. wälle, wasserläufe, gebirgszüge (
beispiele unter C 1 a):
meta grenicz Diefenbach 359
b;
gades rein, grenitz 641
b;
confinium grenicz
vel landes scheydung 141
b; grentz
limes Dasypodius (1536) 338
b;
limes, terminus, confinium Serranus
synon. (1579)
s. v.; zur synonymik vgl.: margines imperii die marchen, kreisz, frontieren und grentzen desz reychs Frisius
diction. (1556) 804
a; die grentzen: landtmarchen
fines, orae, clima; die grentzen oder frontieren: die marchen und anstösz eines reychs,
limina imperii Maaler
teutsch spraach (1561) 192
a;
fines agri grentze oder ende des ackers Golius (1585) 37; grentzen, anwandung, anstösz, landtmarchen, frontier, anrein, scheyde Sattler (1658) 230; czweiunge umb der stollen, greniczen und marscheid Jelinek
mhd. wb. f. Böhmen 331 (14.
jh.); alle czweiunge und stosse von den gemerken und greniczen ausczurichten
ib.; welcher dem feldmesser die anstösz, grentzen, end .. des stucks,
so zumessen, zeyge Sebiz
feldbau (1579) 473; (
beim kauf eines gutes bedenke man) ob die ausmarckungen, gräntzen, rain und steine richtig oder nicht Hohberg
georg. cur. (1682) 1, 9; grentze oder landsende, da man aus einem lande yn das ander tritt Luther
nach Diez 2, 164
a;
vgl. Galilea aber heyst eyn grentze, da die land enden 8, 393
Weim.; das wasser Rubicon (domals ein end und gräniz Italien ..) Aventin 4, 281, 21; aus dem anstoss oder grentz Armeniae Thurneysser
magna alchymia (1583) 53;
vgl. und dasz ich vil der anstösz hab, beweget mich ausz noth vorab hie meine grentzen zubewahren Spreng
Ilias (1610) 15
b. II@A@11)
bei privatem besitz; vielleicht der ursprünglichste gebrauch des wortes; J. Grimm
bemerkt mit recht: es leuchtet ein wie wesentlich der begriff der grenze mit dem des eigenthums sich verknüpfe
kl. schr. 2, 30; ander lan uber recht ir grenytzen gan (
terminos transtulerunt Job 24, 2)
Hiobparaphrase 9566
Karsten; die nachpauren sein und ire greniczen czusammenstossin Jelinek
mhd. wb. f. Böhmen 331
nebst weiteren belegen; daz eyn yderman syn lant yn richteger grenicze mochte ackeren und pflanczen
geometria Culmensis 16
Mendthal; gevilde und hovereite yst, daz do hot lenge und breyte, dez greniczen linien adir dreboume sint 19; sonsten hatten diese geistliche leut auch zu sprechen uber .. anforderung, erbschaft, gräntze, todschläg und dergleichen Schill
teutscher sprach ehren kranz (1644) 50; einer seiner nachbarn hatte ihn .. wegen seiner gränzen in anspruch genommen Hippel
kreuz- u. querzüge 1, 77; des eigenthums gemessne gränzen ehrend Schiller 12, 86; hat der eigentümer .. über die grenze gebaut
bürgerl. gesetzb. § 912
abs. 1;
auch wo der begriff des eigenthums zu dem des macht- oder wirkungsbereiches verblaszt: er (
der jägerbursch) musz sich .. die grentzen, wege, stege .. wol bekannt machen Heppe
aufricht. lehrprinz (1751) 229; Thiel begleitete den zug bis an die grenze seines reviers Hauptmann
bahnwärter Thiel (1892) 50;
etwas anders: die herold nit ansprachen ihn (
Achilles) sonder stunden mit reverentz und ehrentbietung an der grentz (
des zeltes) Spreng
Ilias (1610) 8
a. II@A@22)
bei politischen gebilden; diese verwendung gewinnt allmählich die herrschaft; richtig sagt Henisch:
termini proprie non privatorum, sed regnorum et principatuum teutsche spr. u. weish. 1740. II@A@2@aa) (
Alexander) quam czu den grenizcin mit aldir rittir wizcin des volkis Bragmanorum lant
md. schachbuch, zs. f. d. a. 17, 220, 34; der krieg zwischen Eberharten bischoff zu Bamberg und Gundecaro ... von der grenitzen wegen irer bistumbe
städtechron. 3, 271, 25 (
Nürnberg, ende 15.
jh.); von den grentzen, gelegenheit und begriff Germaniae Seb. Franck
Germ. chron. 2
a; das sonderlich an der feind grentzen ein besatzung an der andern (
gewesen) Fronsperger
kriegsbuch 1, e 6
a; alda schlieszt sich die gränitz des erzstifts
österr. weisth. 1, 104, 30; volgen die gränitzen des landgerichts Täxenpach 267, 15;
gewisse präpositionen bevorzugen den plur.: die in den grentzen der stadt wohnen Steinbach 1, 638; dasz der keyser .. dasselbe (
königreich Schweden) in seinen scheeren und grentzen wol sicher und unbekümmert lassen solte Chemnitz
schwed. krieg 1, 17
b; dasz das reich .. mit geistlichen personen genügend versehen sei, um jede innerhalb seiner grenzen entstandene streitigkeit zu schlichten Ranke
reform.-gesch. 4, 35; durch die gräntzen eines landes ziehen Kramer
teutsch-ital. (1700) 1, 556
a; beide den alten unbekannte und noch jetzt nicht weit über unsere gränzen gekommene wissenschaften Göthe 46, 91
Weim.; wir wollten uns ... vor die gränzen des reichs gegen die wölfe die Türken .. lagern 8, 115; inländischer namen zwar, aber solcher, die auch jenseits der bajuvarischen grenzen bekannt sind Steub
drei sommer in Tirol 1, 15;
der sing. namentlich, wo eine feste geographische bezeichnung hinzutritt: er wollte sich nach Breslau begeben, um der russischen grenze näher zu sein Ruge
briefw. u. tageb. 2, 44; ob es nothwendig, die vorspringende grenze Congreszpolens .. weiter ab von Berlin zu rücken Bismarck
ged. u. erinn. 2, 119
volksausg.; wir waren auf diese weise unvermerkt .. über die gränze des erzherzogthums Oesterreich gekommen Nicolai
reise d. Deutschland 2, 481; während der eilwagen über die preuszische grenze fuhr Moltke
schr. u. denkwürdigk. 6, 4; welcher auf einen kurzen urlaub von der persischen grenze her ... gekommen war Holtei
erzähl. schr. 1, 111; an der behmischen grentz Luther
nach Dietz 2, 164
a; an der grenitz seines fürstenthumbs
städtechron. 23, 50, 2; als sie an die mährische gräntze gerathen Micraelius
pommer land (1640) 1, 89; Salomo war ein herr .. bis an die grentze Egypti Schupp
schr. (1663) 31; Fort de Joux .., hart an der gränze des Pays de Vaud Dahlmann
gesch. d. franz. revol. 176;
die ältere sprache verwendet in ähnlichen fällen auch den plur.: schriebe er ... seinem könig, dass er mit seim volck nun ohn sorg gegen den frantzösischen grentzen gehen möchte Moscherosch
gesichte (1650) 2, 430; und werden böhmische völcker an die pannonischen grentzen geführet Bucholtz
Herkuliskus 229; eine gewisse landschaft, die keine geringe verdienste .. hat, aber an den grenzen von Deutschland liegt Gottsched
deutsche sprachkunst 54;
in jüngerer zeit mehr in gehobener sprache: mutig stand an Persiens grenzen Roms erprobtes heer im feld Platen 1, 7
Hempel; der gehorsamst unterzeichnete lebte ein jahr lang an den grenzen des alten Mährenreiches Brunner
erzähl. u. poet. schr. 1, 202;
eigenartig: an den beyden grentzen geschach Sachsner und Hennenberger land, den doctor Luther gfangen hand Eyering
proverb. 1, 291;
vom 16.—18.
jh. häufig mit auf: wurden ... des reingrafen 11 fänlein auf der lothringischen grentz in die dörfer quartieret Kirchhof
wendunm. 372
Österley; soll man sie (
die jesuiten) auf die ungarische und türckische grentzen verschaffen Fischart
binenkorb (1588) 22
a; auf den flandrischen gräntzen von Franckreich her wardt .. eine katzen folgender weiss aufgericht Kirchhof
militaris disciplina 175; in einem kloster auf der flandrischen gränze Schiller 4, 213; von einer burg auf der attischen gränze Droysen
Äschyl. 8. — derhalben so ist nun das wasser der Sala eine gräntzen zwischen den Catten und Hermunduren Prätorius
katzen-veit (1665) B 1
b; die grenze zwischen Ober- und Unter-Wlastowitz Ebner-Eschenbach 4, 6; schreib auch dem von Schwendi, dass er die grentzen gegen Sibenbürgen wölle versorgen Stumpf
Schwytzerchron. 28
a; die gränze Asiens gegen Afrika verliert sich in der sandwüste zwischen Gaza und Pelusium J. v. Müller
sämtl. werke 1, 36; mit dem venezianischen nobiluomo Donado unsere gränze mit der republik Venedig besser zu reguliren Ayrenhoff
werke 1, 11. II@A@2@bb)
weil die bedeutung der politischen grenze die herrschende ist, wird das wort frühzeitig ohne weiteren zusatz prägnant für landesgrenze gebraucht: wie uns gott den Türcken an die grentz geschickt hat
theatr. diabolorum (1569) 249
b; alsbald er angenommen von uns, die auf der gräntz ihm starck entgegen kommen Gryphius
trauersp. 169
Palm; er wundert sich, dass ihn das land nicht durch bevollmächtigte an der gränze einholen lässt Rabener
sämtl. schr. 5, 125; aufruhr an der grenze zu bestrafen Göthe 5, 51
Weim.; so namentlich mit über: brachte meinen .. cörper ... über die grentze Schnabel
insel Felsenburg 25, 17
Ullrich; als nach dem .. tode des fürsten dessen maitresse die schätze des landes über die grenze bringen wollte Kerner
bilderbuch (1849) 30; er wisse wohl, dass kein bauer etwas über die gränze führen dürfte Klinger
werke 3, 112; die Franzosen seien über die grenze gerückt Arndt 1, 106
Rösch-Meiszner; ich legte mich .. der länge nach ins stroh und fuhr .. unbehelligt über die gränze Hoffm. v. Fallersleben
ges. schr. 7, 113; über die grenze gehen,
über die feldmarken, ins nächste dorf gehen Weinhold
schles. 30
a; nimm die post, in zwölf stunden bist du über die grenze Iffland
theatral. werke 1, 248; ehe seine freunde es merkten, waren sie mit gestreckten zügeln über die gränze Alexis
hosen 1, 149; wir müszen immer fort fahren, bis wir über der gränze sind Stephanie
lustsp. 143, 25; in einer stunde bin ich über der gränze Schiller 3, 471; fluch't über der gränze (
d. h. wenn ihr über der grenze seid) 3, 139; er soll sich eine braut über der gränze suchen, hier im lande wachsen keine mädeln für ihn Bäuerle
kom. theater 2, 18;
der plur. erscheint seltener in ähnlicher verwendung: bald streifen auf den gräntzen die, so nur raub ernährt Gryphius
trauersp. 33
Palm; dasz, wenn auch heute noch der Türck im felde wär und Moguls reiterey schon an die grentzen rennte Günther
nach Steinbach 1, 638; ich ward .. aus besonderer gnade infam aus den gränzen gejagt Schiller 2, 126; wir müssen noch vor sonnenuntergang über den gränzen sein 147; denn nicht mit speeren allein wird der feind geschlagen; und nicht kann es gedeih'n von den gränzen ihn jagen Rückert (1867
ff.) 1, 45. II@A@33)
auch ohne den begriff des eigenthums von localen bezirken jeder art: hynden in Africa, uff der frontyer oder grenitz gegen Ethiopia Eppendorff
Plinius (1543) 8, 47; die grentzen Asie Xylander
Polybius (1574) 1; die kleine stadt .. lag hart an der grenze der marschlandschaft Storm 1, 57; die räumliche verbreitung eines münzbildes weit über die grenzen seines ursprungsgebietes Luschin v. Ebengreuth
münzkunde 47; jetzt betraten sie gegen einander die grenzen des kampfraums Bürger 1, 210
Bohtz; die grenzen der einzelnen übungsplätze Jahn 2, 103;
vgl.an den grenzen der gesellschaft und hie und da selbst zwischen den tischen balgte sich die knabenschaft Stifter 2, 122;
alte wendung: damit sie ausser der welt grentzen kommen Aeg. Albertinus
hirnschleifer (1664) 58; jenes tiefverhaszte bild, dem ich entfliehen möchte, wär es auch weit über dieser erde dunkle grenzen Grillparzer 4, 173; jenseits der grenzen des erdenrunds Gerhard
akad. abhandl. 1, 18;
vgl. des feuers wut erreicht die gränzen der schöpfung Denis
lieder Sineds (1772) 34, 3; da sitzt sie, die nacht, die thronende, und bewahrt die grenzen der schöpfung Herder 22, 61; so fühlten die alten .. ihre einzige behaglichkeit innerhalb der lieblichen gränzen der schönen welt Göthe 46, 22;
die bedeutung nähert sich der unten 5
behandelten. II@A@44)
im 16.
jh. bilden sich die bedeutungen '
grenzgebiet'
und '
gebiet'
schlechthin; fines .. natio, ora, plaga, solum ein land, eine gegent, pfleg, grentz Alberus
diction. 45
b. II@A@4@aa)
anders als bei mhd. marke
bleibt die entwicklung der bedeutung '
grenzland'
in den anfängen stecken: zwackt und reisset er (
der Türke) etwas den grentzen und nachbarn abe Luther 30
2, 172
Weim.; man helt es darfür, dass sie (
die zigeuner) auss Egypten und auss den grentzen Aphricae herfür kommen seyen Nigrinus
von zäuberern (1592) 52
f.; ausz Judäa und den grentzen desz Jordans (
ἡ περίχωρος τοῦ Ἰορδάνου Matth. 3, 5) Schupp
schr. 308; wie es (
Österreich) dann allbereit zu der Römer zeiten die mark oder gränze Teutschlands gewesen Birken
ostländ. lorbeerhayn 122;
ähnlich: als kind der grenze lernte ich früh mein deutsches wesen .. lieben Freytag 1, 4;
mehr zum folgenden stellen sich: ihr hand auch gehört, wie sye (
von Paris aus) den ersten weg in Portugal schifften, dergleich ander umbligende ort und grentzen besichtigten Wickram 1, 201, 3
Bolte-Scheel; das der insel Cippern vil frücht aus GrAetia, Siria und Eygipten zuverkaufen zugefüert werdt; hingegen wenn solche gräntzen auch not leyden und Cippern was iberiges hatt Krafft
reisen 72. II@A@4@bb)
die bedeutung '
gebiet'
kommt (
wie bei lat. fines)
zunächst natürlich dem plur. zu; bis ins 18.
jh. ganz gewöhnlich: begegneten uns etlich hundert leüt von allerlay grentzen mit irer waar Nas
antipap. eins u. hundert 2, b iii
b; daher die frucht, die manigfalt und schmackhaft war, zum unterhalt gewidmet blieb den teutschen gräntzen Neumark
neuspr. teutsche palmbaum xxix; wir werden zwar deine gräntzen nicht mehr betreten Zend. a Zendoriis
winternächte (1682) 124; dasz ... du ein jedes reich besehen, nur Pohlen, Schwedenland und Russens gränzen nicht König
ged. (1745) 34; sieh! wie des glückes zorn Ulyssens lauf verwirrt, der seine gränzen sucht, und stets im elend irrt J. E. Schlegel 1, 167; da seine jagden allen gutbesitzern und hirten, deren gränzen er dadurch von verwüstenden feinden reinigte, nützlich wurden Schiller 9, 142;
auch: der welt grentzen (
will ich dir geben) zuo deinem aigentuom Schede
psalmen 15
neudr.; aber, was er auch für tücke hege, kämpfen will ich um des himmels gränzen Droste-Hülshoff 3, 22
Cotta; im 19.
jh. verblassend: so erhielt Makedonien die einigkeit zurück und auch ungefähr wieder die grenzen wie es sie .. gehabt Mommsen
röm. gesch. 2, 41;
ungemein häufig nach gewissen präpositionen: sie suchten eine schöne dirne in allen grentzen Israel
1 kön. 1, 3; er nun also gehandlet .. in den palestinischen und arabischen grentzen Casp. Hedio
chron. German. (1530) p vi
b; in Lappland und den benachbarten grentzen Prätorius
saturnalia (1663) 66; das stadtlein Beske, im märckischen grentzen gelegen
winter flucht d. sommer vögel (1678) 66; dass ich hier unbekannt in fremden grenzen lebe, ... ist mein geringster schmerz Gottsched
deutsche schaubühne 2, 19; die nymphen sahn erstaunt in den beschäumten grenzen (
im meer) ein fliegend holz sich drehn Wieland 1
1, 41
akad. ausg.; (
das vom russischen kaiser aufgerufene volk) versammelte sich in allen gränzen des weiten reiches Arndt
schr. für u. an s. l. Deutschen 1, 239; dieweil die Römer damit umbgehen, fallen die von Antemna in ire grentzen Müntzer
Livius (1571) a 6
b; da werde ich den Helicon mitten in ihre grentzen setzen Grimmelshausen
Simpl. 211
Kögel; (
wir wollen) sie unversehens uberfalln und mit gantzer macht zurück treibn, dasz sie auf iren grentzen bleibn Ayrer
dramen 1, 133
Keller; und nöthigte uns nur eine halbe stunde von dannen mit ihm auf die grentzen unserer religions-genossen zu reuten
polit. maulaffe (1679) 113; wofern uns theurung nur und misswachs nicht verheeren, der krieg schlägt keinen noch auf unsern gräntzen todt Besser
schr. 1, 69
König; bei anderen präpositionen tritt die bedeutung weniger scharf hervor, um sich in jüngerer zeit fast ganz zu verflüchtigen: sein der rechten Gadarener arth gewesen, die ... Christum ausz iren grentzen weichen heissen Sandrub
hist. u. poet. kurzweil 53
neudr.; was Grönland folgen läszt aus seinen kalten gräntzen Butschky
Pathmos (1677),
vorw. ij
a; fliehet vor des gottes grimme, eilt aus unsern gränzen fort Göthe 2, 30
Weim.; dass man den feind aus den grenzen werfen .. könne Stifter 3, 146; dasz mein fleisz die meisten früchte biszhero ausser den gräntzen des vaterlandes getragen hat Chr. Weise
polit. redner (1677)
vorr.; die bestimmungen .. nicht .. auszerhalb der eigenen grenzen krieg zu führen Mommsen
röm. gesch. 2, 25; er (
Jesus) ihm (
dem tod) von falben grentzen entlief mit vollem trab Spee
trutznacht. (1649) 57; du eilest fort, eilst fern von diesen grenzen, wo man so oft dir lorbeer-kronen wand Zach. Werner
ged. (1789) 57. II@A@4@cc)
merkwürdiger weise gewinnt auch der sing. die bedeutung '
gebiet'
; das könnte sich daraus erklären, dasz sing. und plur. im älteren nhd. vielfach noch zusammenfielen: und ire grentze waren von Zidon an, durch Gerar, bis gen Gasa
1 Mos. 10, 19; von der wüsten an .. bis an das grosse wasser Phrath, das gantze land der Hethiter .. sollen ewer grentze sein
Josua 1, 4; und er stund auf und gieng von dannen in die grentze Tyri und Sidon (
εἰς τὰ ὅρια Τύρου)
Marc. 7, 24;
vgl. 31; so wil ich alle deine grentze mit fröschen plagen
2 Mos. 8, 2;
vgl. richt. 11, 22; und sandte in alle grentze Israel, durch die boten
1 Sam. 11, 7; geht! schafft botten in alle grentz zu verkünden diesen sententz H. Sachs 1, 120
Keller; es sol geschehen, qui est ex tuo (
sc. Abrahae) sanguine, der soll den segen austreiben unter alle grentz Luther 20, 550, 2
Weim.; herumb im land durch alle grentz regieret auch die pestilentz H. Sachs 1, 407
Keller; demgegenüber deutlicher sing.: ein hohes schlosz heist Falckenstein, das ligt ein meil wegs von dem Mein, zur rechten handt des occidents, es ist umbher ein feine grentz Alberus
fabeln 115
neudr.; er musz sie (
die sprache) in ihren gründen ersehen, ihre weite und breite grentze ein wenig mit fleisse durchwandert .. haben Schottel
teutsche haubt sprache 10; wer war der grosse held, den Tyros gräntze trug Rachel
satyr. ged. 75
neudr.; auch von der welt: kein schedlicher pestilentz sey in der weyten weldte grentz, denn wo der wollust ob bestimmet H. Sachs 3, 424
Keller; der mensch, die kleine welt, beherrscht der grossen gräntze Lohenstein
rosen (
Bresl. 1680) 63;
wie der plur., zumeist nach präpositionen: da richtet sich der teufel on und wolt auch sein ein schöpfer fron und macht viel gaisz in seiner grentzen H. Sachs 5, 143
Keller; welchen ich damals nicht könnet, als er in der Gazarener grentze wandlet Ayrer
processus iuris (1600) 663; nichts neus auf diszmahl ich vernim, denn dasz es theur in diser grentz Sandrub
histor. u. poet. kurzweil 124, 13
neudr.; die Thessali (
sind) mit einem gewaltigen kriegshehr in die grentze der Phocentium eingefallen Barth
weiberspiegel (1565) O iiii
b; ein solcher mensch gehet in die grentze des friedens und der ruhe Joh. Arnd
Thomas a Kempis übers. (1631) 97; der langverbannte friede kehrte jauchzend zurück in der Deutschen grenze Herder 27, 59; aber du wohnest noch auf der gräntze Edom die dem fluch übergeben ist Jac. Böhme
schr. (1620) 4,
vorrede 4.
büchl.; der hertzog sprach im den sententz: hörst, gang du mir ausz meiner grentz Fischart
Eulenspiegel 134, 3229
Hauffen; er (
hatte) sie durch der Philister als streitbarer völcker gräntze durchführen wollen Dannhawer
catechismus milch (1657
ff.) 1, 102; o gott! dein wort und reich gieng erstlich auf vom morgen biss unsrer gräntzen zu Logau
sämtl. sinnged. 190
Eitner; in der modernen sprache kaum nachwirkend: überdies weigerte der adel sich, auszerhalb der ungarischen grenze zu fechten Moltke
schr. u. denkwürdigk. 1, 111;
fast adverbial für '
allerorten': ein mercksam gschicht in aller grentz Eyering
proverb. 1, 625;
vgl.: dergleich im landt an aller grentz die junge mannschaft ist erschlagen H. Sachs 11, 21, 23
Keller; friedlich ohn alle gegenwehr die Parthier dacht aller grentz empfiengen in mit reverentz 8, 422, 22. II@A@55)
aus dem localen in jüngerer zeit ins temporale übertragen: höhere geister sehen die zarten spinneweben einer that .. an die entlegensten gränzen der zukunft und vergangenheit anhängen Schiller 3, 6; blickt noch einmal zur zeit der schmach hinüber! seht, wie ein dunkles traumbild liegt sie da! sie liegt dort an der grenze schöner zeiten Tiedge
werke (1823) 3, 80; der vertrag von Verdun, den man gewöhnlich als die gränze dieser periode angiebt Eichhorn
deutsche staats- u. rechtsgesch. 1, 6;
gern bei menschlichen lebensaltern: blühende und lachende gesichter, die an der grenze der kindheit noch alle frisch und lieblich waren Keller 6, 18; an der grenze ihrer jungfrauenzeit Bettina v. Arnim
frühlingskranz 226; ich habe wüstlinge gekannt .., die .. schon an der grenze des alters von einer höhern leidenschaft .. ergriffen wurden Tieck
schr. 4, 65; weil die grenze der verschiedenen lebensalter sich nicht feststellen läszt Bismarck
polit. reden 3, 18. II@A@66)
auch sonst vielfach in der sphäre des abstracten, doch breitet sich dieser gebrauch erst mit dem 18.
jh. aus; im sinne von '
grenzlinie': weiszt du mir wohl die grenze zu nennen, wo jede tugend mit dem verwandten laster zusammenflieszt? Meiszner
Alcibiades (1781) 1, 227; (
geistererscheinungen, verurtheilt) auf der gränze zwischen dieser und jener welt zu verweilen Jung Stilling 6, 588; (
ein schauspiel) welches an jenen grenzen zwischen welt und überwelt aufgeführt wurde Nietzsche I 2, 149; bei der undeutlichkeit der grenze zwischen menschlichem und göttlichem Ratzel
völkerkunde 2, 126; die grenze zwischen beiden wissenschaften Fichte 1, 67; (
sie) fingen an, die grenzen zwischen staat und kirche zu erörtern Scherer
litt. gesch. 240; an der grenze der scheidung zwischen licht und schatten Humboldt
kosmos 3, 493;
anders: nur wir heterogenen leiden ... und plagen uns mit unsrer erhaltung; ... mitteldinger zwischen seyn und nichtseyn! zusammengeballte grenzen des verschiednen Heinse 4, 285
Schüddekopf; in anderen fällen liegt mehr oder minder deutlich die bedeutung '
gebiet' (
s. o. 4)
zu grunde; daher '
bezirk, bereich': so bald die gräntzen der tugend von der einen partey verlassen werden, so hat die freundschaft ein ende
discourse d. mahlern 2, 30; nichts war bey ihnen weniger möglich als .. die gränzen ihrer und der geistlichen macht zu unterscheiden
M. J. Schmidt
gesch. d. Deutschen 1, 338; du thust wohl, dich in jene gränzen einer gemeinen stelle zu sehnen Göthe 21, 81
Weim.; dort schwingt sich aus den alten gränzen der seele neu entbundne kraft Haller
ged. (1882) 162; kann die zunge .. dem ohr .. faszlich machen, was
auszer den gränzen der sinne liegt? Klinger
werke 3, 55; wo .. dieselbe ihren anfang genommen, ist auszumachen auszer den gränzen unsers gegenwärtigen vorhabens Göthe 46, 72
Weim.; die rolle, die der verfasser selbst spielt, schweift etwas zu sehr aus den grenzen natürlicher einfalt und naivetät Solger
nachgel. schr. 1, 4; wer hat uns in den gränzen unserer einsichten die gröszten beweggründe zur kenntnis unsrer selbst gegeben Zimmermann
von dem nationalstolze 127; sehr schön beträgt sich Winckelmann innerhalb der gränzen der pflicht und dankbarkeit Göthe 46, 61
Weim.; vielleicht wirkt Hemsterhuys schwärmerey mächtiger, weil sie sich immer in den gränzen des schönen ergieszt A. W. Schlegel im
Athenäum 1
2, 37; in engeren grenzen, dafür aber um so unverkennbarer in meteorischer beziehung stellt sich die folgende erzählung dar Laistner
nebelsagen 115;
also wie unter 4 b
plural; doch auch sing.: präpositio: das verbum hat von mir gut heil; und bin behülflich seiner grentz Gilhusius
gramm. (1597) 129; die liebe macht alles wichtig, was die liebenden betrift — auszerhalb ihrer gränze ist eine krone des aufhebens nicht werth Hippel
lebensläufe 4, 508; auszerhalb der gränze des gesetzes Göthe 6, 36
Weim.; in neuerer zeit eher: jene worte lagen jenseit der grenze seiner pflichten Storm 7, 72;
sehr beliebt ist grenze
in der kunsttheorie des 18.
jhs.: Laokoon oder über die grenzen der mahlerey und poesie Lessing;
danach: gränzen der musik und poesie
buch von Ambros; Lessing soll Winkelmann .. philosophiren gelehrt, ihn die grenzen und das wesen der kunst gewiesen ... haben Herder 3, 8; nur dasz sie (
Palladio und Raphael) die gränzen und gesetze ihrer kunst .. kannten Göthe III 1, 309
Weim.; ihre (
der poesie) gränzen und gründe genau zu bestimmen, das ist der gegenstand dieses versuchs Fr. Schlegel
sämtl. werke 4, 8; ich bitte, prinz, dasz sie die schranken unserer kunst erwägen wollen. vieles von dem anzüglichsten der schönheit liegt ganz auszer den gränzen derselben Lessing 2, 381; ihre (
der juden) nachherige schicksale waren .. allegorisch vorgestellt, da eine .. reale darstellung derselben auszer den gränzen der edlen kunst liegt Göthe 24, 250
Weim.; vgl. so sollte er (
der bildende künstler) sich auch für zu gut halten, an ihren (
der dichtung) äuszersten gränzen herumzuschleichen A. W. Schlegel
sämtl. werke 9, 111; nicht auf der gränze schwebst du (
Novalis), sondern in deinem geiste haben sich poesie und philosophie ... durchdrungen Fr. Schlegel im
Athenäum 3, 33; an der gränze der mythologie ist die dichtung .. vorherrschend Niebuhr
röm. gesch. 1, 174. II@A@77)
adjectiva neben grenze.
man spricht von einer natürlichen
oder künstlichen grenze,
je nachdem sie durch physische gebilde (
flüsse, gebirge usw.)
oder durch künstliche zeichen (
grenzsteine, -wälle u. ä.)
dargestellt wird: aber es (
Italien) ist sehr spät im umfang der natürlichen gränzen unter diesem einzigen nahmen zusammengefaszt Niebuhr
röm. gesch. 1, 24;
anders: nicht blosz menschenleben, auch völkerleben hat seine natürlichen grenzen Lagarde
deutsche schr. 33; grenzen eines staates sind entweder blos politische .. oder physische Hoyer
wb. d. kriegsbaukunst 2, 76; natürliche oder gemachte ... öffentliche oder privatgrentzen
allgem. haushalt.-lex. (1749
ff.) 1, 618; dient eine reihe durch natur oder kunst fester punkte zu sicherung der grenze .. und zur basis der .. operationen im fall eines krieges: so entstehet eine militairische grenze
ib.; vom militärischen standpunct aus heiszt die grenze stark, schwach, offen,
vgl. Hoyer
a. a. o.; auch nach anderer richtung hin ist der vorrath an typischen bezeichnungen gering: die äuszersten gränzen wuszte man weder von Europa, noch von Asien Gottsched
neueste aus d. anmuth. gelehrs. 1, 268; an der äuszersten, unbesuchtesten grenze unsers landes Zimmermann
einsamkeit 1, xi; denn bis an diese letzte grenze selbst belebter schöpfung ... ... raubt der vögte geiz Schiller
Tell 1048; ihr öffnet uns die länder, ... zieht der verbündnüsz bänder umb ferne gränzen her Fleming
deutsche ged. 1, 75
Lappenberg; du rufest sie von entferneten gränzen Denis
lieder Sineds (1772) 131; ich liesz mich an der fernsten gränze des reiches nieder Tieck
schr. 8, 27; die helden, die du (
Deutschland) hast in deinen weiten gräntzen Knittel
poet. sinnenfrüchte (1677) 4; dasz die music an sich selbst eben so weite gräntzen habe als alle andere wissenschafften Heinichen
generalbasz 2; wer den gierigen geist zähmt, herrscht in weitern grenzen, als wer Lybien mit dem fernen Gades bände Herder 26, 247; wenn es nur kein provinzialwort ist, das auszer den engen gränzen einer landschaft nicht gilt Gottsched
crit. dichtkunst (1751) 302; demnach ist es allerdings nöthig unseren absichten etwas engere gränzen zu setzen
beyträge zur crit. historie 1, 5; hat ihre liebe so enge gränzen Klinger
werke 1, 180. II@BB.
während der begriff der grenze
im ursprünglichen sinne auf der vorstellung eines raumes diesseits und jenseits der scheidelinie fuszt, entwickelt sich wesentlich erst seit dem 18.
jh. ein gebrauch, der von dem raum jenseits der grenze
mehr oder weniger absieht und das wort so den bedeutungen '
schranke, abschlusz, ziel, ende'
nähert; der echte begriff noch in Kants
definition: grenzen (bei ausgedehnten wesen) setzen immer einen raum voraus, der auszerhalb einem gewissen bestimmten platze angetroffen wird und ihn einschlieszt
werke (1838
ff.) 3, 278;
doch kennt die philosophische sprache auch die jüngere nüance: die äuszern enden der ausdehnung heiszen gränzen Mendelssohn
ges. schr. 4
1, 115;
vgl.es ist einmal nicht von festen, durch unveränderliche gränzen umschriebenen substanzen, sondern von ewig wechselnden kraftenergien die rede W. v. Humboldt
aufsätze über d. klass. alterth. 116; ein bild entsteht nur durch gränzen, diese gränzen übersieht Newton ganz Göthe II 2, 10
Weim. zum festen begriff wird diese bedeutung in der mathematik, die unter grenze
diejenige grösze versteht, der sich das verhältnis zweier gröszen unbeschränkt annähert (
der bruch ⅓
ist z. b. die grenze,
der sich das decimalverhältnis 0,3
um so mehr nähert, je unbeschränkter man es als 0,33, 0,333
u. s. w. fortsetzt). II@B@11)
die entwicklung ist auf localem gebiet deutlich zu spüren: des landguts hag war meiner wünsche grenze Salis
ged. (1793) 4; paradiesische zeit, .. da all mein fürwiz und alle meine wünsche an den gränzen meines väterlichen horizonts wieder umkehrten Schiller 4, 34; Rio de los Reyes ist die grenze der spanischen entdeckungen Forster
sämtl. schr. 4, 34; die grenze des baumwuchses hat also damals weit höher hinauf gereicht als heutzutage Hoops
waldbäume u. kulturpflanzen 60; die Himalaya-kette liegt weit auszerhalb der grenze tropischer klimate Humboldt
kosmos 1, 11; an der gränze des bewohnten landes Göthe 24, 121; nachdem ihr nun die welt an allen gräntzen mir unter's fahn, ja untern fuss gebracht Lohenstein
Ibrahim sultan (1680) 45; an der westlichen grenze der welt O. Ludwig
ges. schr. 2, 413; (
wärme), welche .. an den gränzen des äthers die planeten hervorbringt Oken
allgem. naturgesch. 1, 6; die gränzen unsres sonnensystems Göthe 25, 272;
gern von der himmelsgrenze: dasz sie hinausz in den hoff gehen wolten, welcher den himmel zur gräntz und decken hatte Bastel v.
d. Sohle
juncker Harnisch 190; die sonne stehet schon an unsers himmels gränzen Gottsched
deutsche schaubühne 4, 28; die blaue grenze des absinkenden himmels Herder 6, 3;
ähnlich: dieselben lichter nun, die in so langer reih an denen gränzenlosen gränzen des ausgespannten luftraums glänzen Triller
poet. betracht. (1750) 1, 2; nicht baum und strauch, nur wiesengrund zu sehn bis an die gränze, wo die wolken gehn Lenau 52
Barthel; auch in bildlichem und übertragenem gebrauch: von dieser (
sprache) ... das gebiet aller, an deren äussersten gränzen die uncultivirten stehen, zu übersehen W. v. Humboldt
briefe an Welcker 34; hätte ich sie doch bis an die grenze dieses lebens begleiten können Solger
nachgel. schr. u. briefw. 1, 85; die dünnen körperfesseln wurden länger. sein ziehender geist flatterte höher an den grenzen des lebens Jean Paul 3, 52
Hempel; ähnlich: diejenigen, die wir lieben, bis dahin zu begleiten, wo die äuszersten gränzen der dunkelheit sind, die vor unsern augen hängt
briefe von u. an Klopstock 11; auch gestattet ihm bis zu einer gewissen grenze die natur eine bestimmende einwirkung D. Fr. Strausz
schr. 6, 63; aber die fortschritte gingen nur bis zu einer gewissen grenze und standen dann unerbittlich still Keller 2, 141;
häufig erläutern antithesen oder parallele substantiva die besondere bedeutungsfärbung: jede deiner morgenstunden glänze rosig, wie dein angesicht, hehr und heiter sey des tages gränze wie dein reines augenlicht Blumauer
ged. (1782) 13; auf dieser erde gibt es nur anfänge; keine gränze ist bezeichnet Göthe 40, 205
Weim.; wenn Justus etwas beginnt, so kennt er die grenze, wo er aufhört Gutzkow
ritter v. geist 1, 179; das äuszerliche (
beim menschen) ist nichts als die endung, die gränzen des innern Lavater
physiogn. fragm. 1, 33; Romeo verbannt! nicht irgend ende, gränze, masz noch ziel ist dieses wortes tod. da reicht kein wort hin Göthe 9, 226; ziel und grenze setzen, abstecken
s. u.C 2; ohne masz und grenze
s. u. 5;
zuweilen ganz identisch mit '
ende': schon nahte sich Apoll der grenze seiner bahn Pfeffel
poet. versuche 1, 42. II@B@22)
es ist zu beachten, dasz grenze
in dem specialsinn als '
ende eines ausgedehnten' (
s. o. B)
in der regel die endgrenze bezeichnet; seltener für die anfangsgrenze: denn weilen die liebe getreuer eltern sich auch über die grentzen des todes erstrecket Besser
schr. 1, 111
König; sich bis an die grenzen der gottheit erheben Justi
Winckelmann 1, 134; ein umstand, der mich hernach von stufe zu stufe, bis an die gränze der verstockung brachte Schubart
leben u. gesinnungen 1, 69; jeder körper, der eine eigenschaft besitzt, .. hat auch eine grenze dieser eigenschaft, einen eigenschaftspunkt, wo sie sensibel wird Novalis
schr. 2, 204
Minor; ähnlich auch temporal: weil schon der tag ist an des abends gränzen Rückert
werke 3, 178;
begrenzung nach beiden seiten: gräntzen ... heissen in der astronomie 2 puncte, wo ein planet die gröste breite hat, das ist, wo er am weitesten von der sonnen-strasse ausschweiffet, und .. sich wieder der ecliptic zu nähern anfängt Chomel
öcon. lex. 1, 1304; er sieht sie (
die unschuld) an den beiden grenzen seines daseins Pestalozzi 7, 172;
öfter in der sprache der musik: sonsten bedeutet dieses wort (
sc. ambitus) auch diejenigen grentzen, worinn die nach ihren modis eingerichtete choral-lieder enthalten sind Walther
music. lex. (1732) 31; die äusersten chromatischen und enharmonischen gräntzen unsers circkels (
der tonarten) Mattheson
kl. generalbasschule 133; die grenzen der einen stimme (
der bruststimme) müssen sich bis auf ein paar töne ins gebiete der andern (
der falsettstimme) erstrecken Hiller
anweisung z. gesang 11. II@B@33)
besonders fühlbar wird der begriff des endes neben gewissen abstracten: ich fürchte nichts — nichts — als die gränzen deiner liebe Schiller 3, 371; indessen ward .. bald .. sichtbar, dasz die liebe grenzen habe Herder 15, 305; er hat's so gut wie ihr gethan und kennt des glückes gränzen Göthe 4, 87
Weim.; wird denn unser haus des wahnsinns kein ende finden? wo wird die grenze sein? Mommsen
röm. gesch. 2, 98;
wesentlich erst seit dem 19.
jh. folgender gebrauch: so gibt es auch für die ganze summe menschlicher kräfte eine bestimmte grenze der darstellbarkeit, über welche hinaus die darstellung die nötige dichtigkeit ... nicht behalten kann Novalis 4, 172
Minor; bis nahe an die grenze seiner tragfähigkeit belastet Seidel
vorstadt-geschichten 146; man lebte wie in einer traumwelt, in der es keine grenzen des möglichen, des denkbaren gab Döllinger
akad. vortr. 1, 75;
ähnlich schon im 18.
jh.: was ist nicht schon erfunden, und das reich der möglichkeit, wer kennt seine gränzen? Hippel
lebensläufe 3, 188;
anders: er besasz nie mehr als zwei anzüge und trug sie bis zur äuszersten grenze des möglichen Moltke
ges. schr. u. denkwürdigk. 1, 239; betroffen .. von dem starken ton dieser schrift, der so dicht an die äuszerste literarische grenze ging Kürnberger
literar. herzenssachen, vorrede. II@B@44)
mit vorliebe von der begrenztheit menschlicher kräfte, namentlich des erkenntnisvermögens: die ursache davon liegt .. in den engen grentzen des menschlichen verstandes Ramler
einl. in die schön. wissensch. 1, 95; nun sind wir schon wieder an der gränze unsres witzes Göthe 14, 226
Weim.; meinst du, deine stinkereien in Leipzig machen die gränzen des menschlichen witzes aus? Schiller 2, 35; würde dieses wohl möglich seyn, wenn die grenzen unsrer phantasie zugleich die grenzen unsrer fassungskraft wären? 10, 219; dasz .. in der grenze des menschlichen wahrnehmungsvermögens keineswegs eine grenze der folgerichtigkeit .. der naturgesetze läge Keller 3, 16; da wir doch hier die gränze des schauens eingestehen sollten Göthe II 1, 72; der begriff von grenzen des naturerkennens Dilthey
einl. in die geisteswissensch. 1, 11; — aber was sollte dieses genie thun, dessen fruchtbarkeit gränzen hatte Ramler
einl. in die schön. wissensch. 1, 12; die zum wesen des subjects selbst gehörige grenze seiner selbstthätigkeit Schleiermacher I 3, 17; sicherlich hat Scherer gerade in seinen grammatischen leistungen seine .. grösze und .. die grenzen seiner begabung .. enthüllt Burdach
in Scherers kl. schr. 1,
einl. xvi;
im 18.
jh. häufig '
grenzen des menschen, der menschheit'
u. ä.; früh vorklingend: du weyst aber wol was grentzen uns das gsatz der natur geben hat
schöne weise klugreden (1548) 122
b; ich erlaube meinem geschlechte einen kleinen umweg zu nehmen; allein wo wir unsere grenzen aus dem gesichte verlieren, so gerathen wir in ein labyrinth Gottschedin
briefe 1, 27; geleitet durch dein (
der vernunft) licht, bis an der menschheit gränzen Kästner
verm. schr. 1, 104;
namentlich der sturm und drang empfand diese grenzen: wer kann die gränzen des menschen bestimmen Klinger
werke 5, 40; früh fand er die gränzen der menschheit zu enge 3, 4; einen menschen .., der übermüthig gegen die gränzen seiner natur angestoszen, die eine mächtige hand vor unsern horizont gestellt hat 3, 181;
s. auch 3, 50;
vgl. Göthes
gedicht 'grenzen der menschheit';
ähnlich: da zeitig der grosze Pelide sinken wird in den staub, der sterblichen gränze bezeichnend
Achilleis 102. II@B@55) ohne grenzen
im sinne '
grenzenlos'
ist im letzten drittel des 18.
jhs. ungemein häufig und hält sich bis über die mitte des 19.
jhs.; meist neben abstractis verschiedenster bedeutung: nun ist aus Zend-Avesta bekannt, dasz die zeit ohne grenzen das erste principium der ganzen Perser-theologie gewesen Herder 15, 582; dasz .. sein ansehen fast ohne gränzen war
M. J. Schmidt
gesch. d. Deutschen 3, 173; es ist ein wirrwar ohne gränzen Göthe 25, 203
Weim.; mein dank würde ohne grenzen bleiben 17, 10;
vgl. 23, 24; IV 9, 251; o ohne grenzen ist dein glück! Schiller 11, 233; der schmerz der familie ist ohne grenzen 4, 236; er hat hier eine popularität ohne grenzen Schücking
bei A. v. Droste-Hülshoff
briefe 4;
seltener neben adjectiven: er war dankbar und hingegeben ohne gränzen Göthe 21, 44
Weim.; (
er ist) langweilig ohne grenzen Deinhardstein
ges. dram. werke 6, 200;
eigen gebraucht bei Grillparzer: der ströme und flüsse unnennbare zahl und das ohne grenzen gewaltige meer
werke 5, 40; die schöne blaue glocke unserer erde war (
dem ballonfahrer) ein ganz schwarzer abgrund geworden, ohne masz und grenze in die tiefe gehend Stifter 1, 22; es wurde mir, als sollt ich sie ohne masz und ohne grenzen lieben 1, 61; da stellt man sich etwas unnennbares dabei (
bei der liebe) vor, eine seligkeit ohne masz und gränzen Deinhardstein
ges. dram. werke 1, 13. II@B@66)
eigenartig gefärbt ist die bedeutung häufig nach über:
die grenze
schlieszt hier das gebiet des rechtmäszigen, gehörigen, schicklichen ab: verfolgte sie ihren sieg über die grenze des berechtigten Auerbach
landhaus 1, 37; jenes zwitterverhältnis .., in welchem er ... die unabhängigkeit seiner stellung noch über die gränzen jener instruction hinaus erweiterte Häusser
deutsche gesch. 1, 520; nichts ist jungen leuten .. nachtheiliger, als wenn man ihre erwartungen von den menschen und ihrem werth über die grenzen der wirklichkeit treibt Klinger
werke 8, 51; doctor Sphex, dessen wiszbegierde ihn nur zu oft über die grenzen einer erlaubten vorsicht .. treibt Brentano 5, 365;
auch ohne abhängigen genetiv: die aufmerksamkeit, deren sie mich würdigten, hat mich über die gehörige grenze .. verleitet Heinse 5, 28;
und ganz prägnant: leidenschaftlich über die gränze (
der zurückhaltung) gerissen ... begann er anzustimmen Göthe 24, 372
Weim.; ich finde, dies lied ist schon über der grenze (
des noch anständigen) Fontane I 5, 36;
anders: mit wenig worten — denn eine weitläuftigere unternehmung würde uns über unsre gränzen führen Gerstenberg
recensionen 281
Fischer; von dem hut (
Grünebaums) wollen wir deshalb nichts sagen, weil wir fürchten, dadurch über die grenzen des gegebenen raumes unwiderstehlich hinausgerissen zu werden Raabe
hungerpastor 1, 155. — wenn .. die menschen anfangen, mit einer über alle grenzen ausschweifenden frölichkeit zu sündigen Cramer
nord. aufseher 1, 58; ich habe mich an ihr versündigt, weit über alle gränzen der hofnung auf verzeihung Bode
Thomas Jones 6, 432; weil ich dich liebte über alle grenzen Schiller 14, 116; die gefühllose partheylichkeit der patricier risz die erbitterung über alle gränzen hin Niebuhr
röm. gesch. 1, 405;
vgl. die grenzen übertreten, übersteigen
u. ä. sp. 143
f. II@CC.
die ungewöhnlich zahlreichen verbalen verbindungen, in denen grenze
erscheint, zeigen ein starkes verflieszen der verschiedenen bedeutungen, selbst innerhalb derselben formel, und zwar besonders bei uneigentlichem gebrauch. II@C@11) grenze
im elementaren sinne. II@C@1@aa) mitten im bach, der die grentze ist
5 Mos. 3, 16; und aber sein des alten Sveviae grentzen gewesen die Elb, der berg Carpathus Rätel
Curaei chronica v. Schlesien (1607) 4; die gräntze des landes ist ins norden mit der ost see begriffen Schütz
historia rer. pruss. (1592) 1, 1; iren nochpawern, di mit in grenicz halden Jelinek
mhd. wb. für Böhmen 331; dieser flusz hielt die gränze mit den Sarmaten Lohenstein
Arminius 2, 827; flüsse, so die grentzen halten Chomel
öcon. lex. 4, 1303; in dem meere, das die grenzen von Europa und Kleinasien macht Heinse 3, 394
Schüddekopf; wo flusz und meer eine natürliche grenze machten Mommsen
röm. gesch. 1, 22;
vgl. drum gibt manch weiser mann der erde gute nacht, ob er gleich würdig ist, dasz seines lebens grenzen der späten ewigkeit geraumer cirkel macht Weichmann
poesie d. Niedersachsen 1, 194; das atlantische meer gegen westen und süden .. machen seine gränzen aus Abbt
verm. werke 2
2, 1; die .. nachbarn stiegen zugleich auf einen berg, der die grenze zwischen ihren besitzungen bildete Ebner-Eschenbach 1, 147; da .. die nordküste von Asia ein fast beständig beeisetes meer zur gränze hat Haller
tagebuch 1, 106;
übertragen: das poetische hat nur die prosa ... zum gegensatze und zur grenze O. Ludwig
ges. schr. 5, 409; die grenze erstreckt sich bis an jenem (!) see Stosch
gleichbed. wörter 2, 452;
übertragen: nicht weiter als dahin sich ihres amtes und empfangenen befehls grentzen erstrekten Zesen
erhöhte majestät (1661) 37; aber warum ist es gleichwohl wahr, dasz sich die gränzen der menschlichen bosheit noch viel weiter erstrecken? Lessing 2, 299; (
die philosophie soll ausmachen) wie weit die grenzen unserer verschiedenen kräfte reichen Forster
sämtl. schr. 8, 43; dann scheint sich die gränze der Saone entlang gezogen zu haben Raumer
gesch. d. Hohenstaufen 5, 77; dieser ort, durch welchen die gränze zwischen Böhmen und Sachsen durchgeht Göthe II 9, 139
Weim.; ob die grenze auf dem nördlichen rothen oder südlichen weiszen Main gehn sollte Bismarck
gedank. u. erinn. 2, 66
volksausg.; die grenze läuft den flusz entlang; unbeschreiblich ist das gläntzen, welches in den silbernen und in den sapphirnen grentzen, da, wo sie sich schneiden, strahlte Brockes
ird. vergnügen 4, 19; weil hier drei (
landes-) grenzen sich schneiden Holtei
erzähl. schr. 2, 32. II@C@1@bb)
formeln der rechtssprache: das sie solche obbemelte grenitzen wollen an eides statt beteuern Hüttel
Trautenauer chron. 203
Schlesinger; so soll nichts desto weniger .. die gräntze geführet und angewiesen, auch die koppitzen aufgeworfen werden Schickfus
schles. chron. 3, 485; ich
N. gelobe und schwere gott dem allmächtigen dasz ich eine rechte gräntze gehen auch anweisen soll und will zwischen den gütern
N. und
N. 3, 484; (
am 22.
oct. 1522) ist von einem e. rath alhie .. ein anordnung geschehen, gemeiner stadt Trautnaw grenitzen zu begehen und zu beraumen Hüttel
a. a. o. 270; also hat der alte förster Hawel die grAenitz vorangegangen und hat ausgesaget, das die rechte grenitz den berg hinabgehe 203;
vgl.grenzbegang sp. 119;
in jüngerer zeit meist die grenze beziehen,
in feierlichem umzug besichtigen: es ist dahero deshalben höchst nöthig, dasz die grentzen der güther fest gesetzet, erneuert, öfters bezogen .. werden
allgem. haushalt.-lex. (1749
ff.) 1, 619
a; und damit man diese grentzen stets aufrecht erhalte, werden sie jährlich .. mit gerichtspersonen, nachbarn und zeugen bezogen Chomel
öconom. lex. 4, 1303;
vgl. Adelung; auch nd.: de grense beteien
oder betrecken Schambach 68
a. II@C@1@cc) die grenzen (um)schlieszen, umschränken
u. ä.: mit der grentz umbschliessen
fines constituere, terminare Henisch 1740; da, wo das meer die grenzen eines staates umschlieszt, sind diese als natürlich stark anzusehen Hoyer
wb. d. kriegsbaukunst 2, 76; ehrengedichte .. welche .. diesem werke sind angefüget und damit die grentzen dieses Parnassus beschlossen Rist
neuer teutscher Parnasz (1652) 857; die grenze ist mit einem walle geschlossen Göthe III 1, 159
Weim.; da er (
gott) die menschenkinder schied, umschränkte er der völker gränze Eschenburg
beispielsammlung 4, 99; in deinen unumschränkten gränzen, da so viel tausend sonnen glänzen, vergehet aller sinnen kraft Drollinger
ged. 6; ist das (
acker u. haus) bestellt, stecken wir pfähle aus, zäunen die gränze, und gucken heraus Zach. Werner
kreuz a. d. Ostsee (1806) 62; nicht ist fest umzäunt die gränze des lebens Göthe
Achilleis 251; in grenzen (ein) schlieszen
u. ä. anscheinend nur in übertragenem gebrauch: diesz ist, was noch des landes freude in menschlich enge grenzen schliest Stoppe
Parnasz (1735) 16; dasz das drama selbst nicht einmal in diese engen grenzen eingeschlossen werden kan Kretschmann 1, 32; das unendlich scheinende schlieszt sich in gränzen Göthe IV 8, 125
Weim.; schrenkst du sein nützlichstes uns unersetzlichs leben blosz in des stuffenjahrs gemeine gränzen ein? König
ged. (1745) 117; (
der versuch) ihn in die grenzen der ehlichen liebe einzuschränken Wieland
Agathon (1766f.) 2, 201;
auch im sinne von sich in gewissen grenzen halten (
s. u. sp. 144): vielleicht findet sich .. gelegenheit, von diesen .. doch in gewisse gränzen eingeschränkten auswüchsen zu sprechen Göthe II 6, 28
Weim. II@C@1@dd) die grenzen weitern, engern, verrücken
u. ä.: wenn ich die heiden fur dir ausstossen und deine grentze weitern werde
2 Mos. 34, 24; wol regieren sey viel eine grössere kunst als die gräntzen erweitern Zinkgref
apophthegmata (1628) 42; strebten (
sie) nicht ihre grenze zu erweitern Mommsen
röm. gesch. 2, 51;
sehr gern übertragen: denn es wäre grösser, die gränzen des römischen geistes eben so sehr erweitert zu haben, als die triumphirenden die gränzen des reichs erweitert hätten Klopstock
gelehrtenrep. 271; wie bescheiden (
erscheint) der grosze gelehrte, der die gränzen des menschlichen denkens erweiterte Schiller 3, 510; wer sich in einer weise gewählten beschränkung glücklich bewegt, der hat sich gegen zwei feinde zu wehren: gegen beengung und gegen erweiterung seiner grenzen Gervinus
gesch. d. dtsch. dichtung (1853) 5, 62;
ähnlich: die poesie hat gar nicht eben ursache ihre gränzen so auszudehnen Göthe IV 1, 199
Weim.; (
Ghiberti, Brunelleschi u. s. w.) die sich in ihres vaters Giotto erbschaft teilten und deren jeder die grenzen seines anteils zu einem groszen reiche ausdehnte Grimm
Michelangelo (1890) 1, 27; in dieser hinsicht dehnen sich die gränzen des indischen einflusses weiter aus W. v. Humboldt 7, 11
akad. ausg.; in einzelnen belegen ist die bedeutung '
gebiet'
fühlbar, besonders: doch war das lorbeer-laub von seinen sieges-kräntzen nicht fruchtlos, wie es pflegt; es mehrte seine grentzen Besser
schr. 1, 40
König; verflucht sey, wer seines nehesten grentze engert
5 Mos. 27, 17; du solt deines nehesten grentze nicht zu rücke treiben 19, 14;
dieselbe wendung spr. 22, 28; man wollte Frankreichs grenzen bis zum Rhein und zur Mosel zurückschieben Treitschke
deutsche geschichte 1, 219; die gräntzen einziehen
restringere i limiti Kramer
teutschital. (1700) 1, 566
a; die fürsten Juda sind gleich denen so die grentze verrücken
Hos. 5, 10; bald hat man ihm seinen zaun zerbrochen, bald hat man ihm seine grenze verrückt Hauptmann
biberpelz (1893) 43; beides lehrt die erfahrung, sollte das die grenzen des aufgestellten gesezes verrücken? Schiller 1, 163; die grentzen stöhren
allgem. haushalt.-lex. (1749
ff.) 1, 618; diejenigen, die sie in ihrer wohl hergebrachten possession kräncken und die grentzen stören wollen Chomel
öcon. lex. 4, 1303. II@C@1@ee)
hauptsächlich zu der unter A 2 b
behandelten bedeutung stellt sich eine reihe von wendungen, die meist der militärischen sprache zugehören: die gräntzen und pässe für neuer impressa zu verwahren
acta publ., verhandl. d. schles. fürsten 2, 4;
ähnlich Steinbach 1, 637; die ursache, warumb der könig seine gräntzen zu bedecken, eine starke anzahl soldaten halten muss Olearius
verm. reisebeschr. 21; er kan die grentzen kaum beschützen Steinbach 1, 637; nachdem der Pompeius die grentze am meer vor den räubern gesicheret Heyden
Plinius (1565) 40; auszer wenn ein wahrer held staat und gränzen sicher stellt Gottsched
neueste ged. (1750) 48;
auch bildlich: wenn sie dem menschen frohe tat bescheren, dasz er ein unheil von den seinen wendet, dasz er sein reich vermehrt, die grenzen sichert Göthe
Iphigenie 703; man befestigte mit macht Deutschlands noch entblöszte gränzen Schönaich
Heinr. d. Vogler (1757) 3; dass man nicht vernachlässigen möge, die grenzen in guten vertheidigungsstand zu setzen Ranke
reform. gesch. 4, 218; treu wie dem Schweizer gebührt, bewach ich Germaniens grenze Schiller 11, 110; die jungfrau, die die wage trägt, die frommen schützt, die bösen schlägt, befriediget die gräntzen Treuer
deutsch. Dädalus 1, 646;
limitanei milites die an den grentzen hüten Alberus
diction. 114
a; kriegsleut so auf den grentzen und anstössen zur hut ligen Calepinus
undec. ling. (1598) 823
b; ein soldat der auf der grenze liegt
miles limitaneus Stieler 694;
vgl. Henisch 1740; auf den gräntzen (an der gräntze) des landes ligen
star' accampato alli confini Kramer
teutsch-ital. (1700) 1, 556
a; völcker an die gräntze legen, sie zu bedecken vor dem feindlichen einfall
ib.; ähnlich auch vom feinde: dieweyl sie (
die bauern) dermassen an der grenitz unserer ampt ligen und umbziehen Baumann
quellen z. gesch. d. bauernkrieges aus Rotenburg 112; dasz ... wir binnen acht tagen wohlgerüstet an der grenze stehen können
br. von und an Herwegh 116; (
Alexander) besetzet die gränitz des römischen reichs Aventin
bayer. chron. 4, 419, 15. II@C@22)
bei denjenigen wendungen, die von einem markieren der grenze
sprechen, hat der uneigentliche gebrauch, der vielfach die bedeutung des subst. umgefärbt hat, den eigentlichen groszentheils ganz verdrängt. grenzen setzen: zil und grentzen setzen
determinare, terminis designare, determinare regiones Henisch 1740; gräntze setzen
ponere, mettere i limiti Kramer
teutschital. (1700) 1, 556
a; die grentzen eines ortes setzen Steinbach 1, 637; du hast eine grentze gesetzt, darüber komen sie nicht
ps. 104, 9
; vgl. Themis selber führt den reigen, .. setzet selbst der grenze stein Schiller 11, 296;
meist mit dativ; aber nur in der älteren sprache im ursprünglichen sinne: eim jeden land setzst du sein grentz H. Sachs 18, 291
Keller-Götze; weil gott nicht haben will, dasz man die von ihm dem meere gesetzte gränze ändre Liscow
sat. und ernsth. schr. 23; dem römischen reiche grentzen wie dem gantzen erdbodeme setzen
imperium Romanum orbis terrarum terminis definire Steinbach 1, 638;
daneben frühzeitig übertragen: gott .. setzet ihm (
dem teufel) seine grentze, darüber er nicht fahren und gehn darf Nigrinus
von zäuberern (1592) 12;
dieser gebrauch herrscht seit dem 18.
jh.; die formel gewinnt die bedeutung '
hemmen, einschränken, einhalt gebieten' (
vgl. oben B): setze der verfolgung gräntzen, halt den glaubens-feinden ein Schmolcke
trost- u. geistr. schr. 1, 13; er setzt seiner gewalt keine grentzen Steinbach 1, 638; dasz einige kauf- oder doch sonsten bürgerliche .. leute ... ihm grenzen seiner siege setzen Leibniz
deutsche schriften 1, 213; oder wollen sie meinen siegen grenzen setzen Schiller 8, 155; die weite des ortes und die andacht setzen unsern einfällen (
in der kirchenmusik) gewisse gränzen Scheibe
crit. musicus (1745) 163; diese (
die haare des engels) hatt ein köstlichs öl .. benetzet, welches aller sterblichkeit und verwesung gränzen setzet Triller
poet. betrachtungen 1, 595; dass der staat, welchem so enge gränzen der wirksamkeit gesetzt sind, keiner grossen einkünfte bedarf W. v. Humboldt 1, 233
akad. ausg.; helfet! helft, wenn ihr es könnt, setzt diesem blutsturz grenzen Grabbe 1, 28
Blumenthal; gern bei affecten: wer will der lust hier grenzen setzen? Stoppe
Parnasz (1735) 3; denn der brüderlichen liebe wollen wir von der klugheit keine grenzen gesetzt wissen Lessing 10, 197; hingegen der pöbel (
im besitz der gewalt) seinen wilden bewegungen keine grenzen zu setzen fähig ist Wieland
Agathon (1766
f.) 2, 162; eben diese zu grosze liebe würde dich in das verderben stürzen, wenn du ihr nicht bey zeiten grenzen setztest Ayrenhoff 3, 87;
vgl. wir fangen schon die lust in kinderröcken an, und wissen weder maasz noch grentzen auszusetzen Hoffmannswaldau 1, 159
Neukirch; reflexiv: etwa ein halb dutzend nur sind zu dem preis gelangt wo ich mir selbst grenzen gesetzt hätte Göthe IV 29, 108
Weim.; die vollzogene neuerung (
des calvinismus) hat das bedürfnisz sich grenzen zu setzen, damit man sehe, wo sie aufhört Ranke
sämtl. werke 8, 126. grenzen (aus-, ab-) stecken
scheint erst spät aufzukommen: jedoch damit wir nicht die gräntzen einer vorrede allzuweit ausstecken Lohenstein
Arminius (1689
f.) 1, d 2; (
der griechische künstler) hielt sich gern innerhalb bestimmt abgesteckter grenzen W. v. Humboldt
aufsätze über das klass. alterth. 123
Leitzmann; wie weit nun aber diese wirksamkeit des .. geistes .. gehen könne, davon lassen sich die gränzen nicht abstecken Strausz
ges. schr. 3, 25; eine ausgebildete technik .. steckt der dramatischen poesie einer zeit auch ziel und grenze ab Freytag 14, 5; dessen thron die weiten räume decken, dessen reich die sterne grenzen stecken H. v. Kleist 1, 11; wieweit auch die natur die grenzen seiner tage gesteckt hatte, dennoch erlebte er nicht den ausgang dieses kampfes Moltke
ges. schr. u. denkwürdigk. 2, 9; es (
das violincello) tritt nur als basz auf, ... aber diese eng gesteckten grenzen überschreitet es noch nicht Jahn
Mozart 1, 613.
in übertragenem gebrauch auch mit dem besonderen sinn wie grenzen setzen: ja, dass er endlich gar .. dem laufe seines glücks geweihte grenzen stecket, und sich .. mit einer krone decket Neukirch
ged. (1744) 180; mangel an lebenserfahrung .. muszte dem knaben .. hier am ersten grenzen stecken Jahn
Mozart 4 1, 94; wo dem .. verkehr .. grenzen gesteckt waren, hat man diese beseitigt Bennigsen
nationallib. partei 46;
nur vereinzelt im sinne von seine grenzen haben (
s. u. sp. 146): der menschlichen geduld sind ihre grenzen gesteckt! Immermann 1, 22
Hempel. grenzen ziehen, (be)zeichnen
u. ä.: den ... abhang, der zwischen acker und wald die grenze zog Fontane I 6, 74; wo und weshalb ist hier die grenze (
zwischen geld als zahlungs- und als leihmittel) zu ziehen? Luschin v. Ebengreuth
münzkunde 16; denn fessellos, ein mächt'ger könig, wälzt der strom sich fort in selbst gezog'nen grenzen Beer
sämtl. werke 120
Schenk; wo ziehst du scharf die grenze zwischen dem, was statthaft und was unstatthaft ist? Fontane I 4, 88; wirklich lassen sich bisweilen scharfe grenzen ziehen Peschel
völkerkunde (1874) 12;
mit dem dativ im sinne von grenzen setzen: das parlament suchte ihr (
der herrschenden gewalt) grenzen zu ziehen, die seinem begriffe entsprachen Ranke
werke 17, 127;
vgl.dasz auch ein weib sich frei erklären könne von den willkürlichen grenzen, die der harte mann seit jahrtausenden um sie gezogen hatte Stifter 1, 17; mit dem schwert in der hand wurden die grenzen zwischen beyden kirchen gezeichnet Schiller 8, 18;
ebenfalls wie grenzen setzen: du (
gott) zeichnest denen ihre gränzen, die, geizig nur nach lorbeerkränzen, von ihrem ungestüm nicht ruhn J. A. Schlegel
verm. gedichte (1787) 1, 17; bald ist unser theaterstil zu periodisch, bald zu einförmig, überhaupt sind seine gränzen zu wenig bezeichnet Gerstenberg
recensionen 36
Fischer; blieben nun in der wirklichkeit immer schranken gesteckt und grenzen abgezeichnet, so überschritt ... sie doch die ... unschuld der phantasievollen vorzeit allenthalben J. Grimm
Reinhart fuchs vorr. III. die grenzen (unter) scheiden
u. ä.: denn man die grentzen mit dergleichen zeichen zu unterscheiden pflag Morhof
unterricht v. d. deutschen sprache (1682) 1, 23;
vgl. die grentze und der bann der statt
N. sind von
N. lande also underscheiden Sattler
teutsche orthogr. (1658) 230; die felsen, wo jetzt der tanzplatz ist, sollten die grenze scheiden Grimm
deutsche sagen (1891) 1, 140; so schmal ist die grenze, die zwey lebenspfade scheidet Schiller 12, 217; wie Schott- und Engelland sich auf der grentze scheidet, wann es ein berg und strom ab von einander schneidet D. v.
d. Werder
rasender Roland (1636) 61;
vgl. die gränzen, wo sich zwey analogien .. scheiden, (
lassen sich) nie genau bestimmen Adelung
lehrgang d. deutschen sprache 2, 43; grenze
als subject: dasz ich die grenzen erkenne und verehre, die den dilettanten vom kenner scheiden Schiller 3, 533. grenzen bestimmen, festsetzen, vorschreiben
u. ä.: bestimmung der grenzen der anhänglichkeit für einen freund (
überschrift) Knigge
umgang m. menschen (1796) 2, xi; man hat die gränzen des menschlichen verstandes näher bestimmt W. v. Humboldt 1, 1
akad. ausg.; vergnügen ist nutzen — wer möchte unternehmen die gränzen zwischen beyden zu bestimmen Caroline 1, 71
Waitz; mit dativ: die natur hat allen dingen bequeme grenzen bestimmt Bodmer
samml. crit. poet. schriften 1, 54;
dagegen mit dem sinn von grenzen setzen: bist du eine Scythin, dasz du die gränze zu durchbrechen drohst, die der Grieche dem weib bestimmt Klinger
neues theater 1, 37; dasz bisher nur die allgemeinen gesetze dieser dichtungsart in erwägung gezogen worden, ohne die grenzen der verschiedenen gattungen derselben festzusetzen Lessing 10, 172; es flammt ein welten-heer (
von sternen) in angewiesnen gränzen Uz 111
Sauer; nachdem diese zeilen bereits mit so unverhoffter genehmhaltung, als unfleisziger ausarbeitung, auszer der ihnen vorgeschriebenen gränze, .. an das licht gezogen zu werden, das glück .. gehabt Heräus
gedichte u. lat. inschr. (1721) 13; sie lassen sich von den eltern ihrer schüler keine gränzen vorschreiben Schubart
briefe 1, 100
Strausz. die grenzen aufheben, verwischen
u. ä.: besonders, dasz wir die kleinlichen gränzen der selbstsucht zwischen unseren mittheilungen aufheben Pückler
briefw. u. tageb. 1, 165; insofern eine sprache überhaupt laute unterscheidet, giebt es auch eine conservative macht in ihr, welche diese grenzen nicht verwischen lassen will Scherer
kl. schr. 1, 254; euresgleichen möchte .. die grenzen löschen zwischen tag und nacht Schnitzler
grüne kakadu (1899) 29; lustspiel und trauerspiel sind wie tag und nacht; ihre grenzen verschmelzen sich ganz unmerklich in einander Kretschmann
sämtl. werke 4, xv; die leiden der tugend gräntzen .. an die strafen des lasters mit so schwimmenden gräntzen Lichtenberg
nachlasz 80;
ältere belege dieser wendung th. 9, 2640. II@C@33)
eine besondere gruppe bilden die wendungen, die ein mit über-
componiertes verbum enthalten, insofern grenze
hier bei übertragenem gebrauch meist dieselbe bedeutungsnüance zeigt wie nach der präposition über (
s. sp. 137, 6),
d. h. die grenze
schlieszt das gebiet des billigen, erlaubten, rechtmäszigen, einer befugnis oder pflicht ab. die grenzen überschreiten,
zunächst concret: 264
v. Chr. geb. überschritten die Römer zum ersten male die gränzen Italiens mit heeresmacht H. Meyer
gesch. der bild. künste 3, 8; (
der cyclone) verheerungen überschreiten niemals die grenze Bengalens Peschel
völkerkunde 326;
dann übertragen: die geister überschreiten alle grenzen der phantasie Arnim 15, 20; neue, noch kleinere und schwächer glänzende puncte, deren entfernung die gränzen der einbildungskraft überschreitet Schubert
verm. schr. 1, 5;
zumeist aber hat die wendung die besondere, oben angedeutete färbung: wenn ja der unverschämte mensch die grentzen gebührender ehrerbietung überschreiten wolte Ziegler
asiat. Banise (1689) 121; ohne die grenzen der weisen mäszigung zu überschreiten Wieland
Agathon (1766f.) 2, 274; die grenze keuscher schaam ist überschritten Schiller 15
1, 48; (
die art der quellenbenutzung) überschreitet aber doch die grenzen des einigermaszen erlaubten Ranke
ref.-gesch. 2, 383; wogegen sie dem alten baron .. nur eine empfindung widmete, welche die grenzen der dankbarkeit nicht überschritt Immermann 1, 68
Hempel; vergleichbar: sachen .. welche die absicht und die gränzen eines wörterbuches überschreiten Rabener
werke 2, 227; lassen sie mich schlieszen, damit ich die gränze eines briefs nicht überschreite Göthe IV 41, 136
Weim.; es würde die gränze dieser skizze überschreiten, wenn Liebig
chem. briefe (1844) 110;
auch ohne genetiv: in den künsten giebt es strenge regeln, abgecirckelte gräntzen, die man nicht überschreiten darf Ramler
einl. in d. schönen wissensch. (1758) 1, 224; Buttler .. sinket oft zu tief, und redet die sprache des pöbels. Boileau überschreitet niemals diese gränze Dusch
krit. u. satyr. schr. 150; ein ganz frischer, jede erlaubte grenze überschreitender tintenfleck Holtei
vierzig jahre (1843
ff.) 1, 5; mit dieser derben geschichte hatte unser geplauder die grenze fast überschritten, die wir dem anwesenden mädchen schuldig waren Keller 2, 237; man meinte, ich habe meine grenzen überschritten Raabe
hungerpastor (1864) 2, 136;
vereinzelt: ohne aus den gränzen des guten geschmacks zu schreiten Göthe IV 9, 110
Weim. grenzen übersteigen, übertreten
u. ä.: und ermahnet .. dasz er, so lieb ihm seine seele und sein reich, ja nicht deszen grentze überhupfe
Reinicke fuchs (1650) 56; (
Fortuna blendet) bald diese, bald jene, dasz sie die grentzen der gerechtigkeit zu übersteigen ... begierig werden Schottel
friedens sieg 18
neudr.; später ohne dies bewusztsein des bildes: mit einem egoismus, der alle grenzen der schaamhaftigkeit übersteigt Lenz
vertheidigung des herrn W. (1776) 18; das elend überstieg alle grenzen Moltke
schr. u. denkwürdigk. 1, 170; wenn eine mark gegen die andre, und eine genossenschaft gegen die andre die gränzen ihrer befugnisz übertritt Möser
sämtl. werke 1, 380; die jugend führ' ich an der schönheit zügel, die gern die zarten grenzen übertritt Schiller 15
1, 12; ich kan nicht allzu wohl die grentzen überfahren
semel constitutos mihi terminos egredi aegre possum Steinbach 1, 638
aus Hoffmannswaldau.
neben den compositis auch die entsprechenden simplicia mit der präpos., z. th. ganz concret: die Oder ist wieder über alle grenzen getreten Moltke
schr. u. denkwürdigk. 4, 14;
vielleicht auf grund solchen gebrauches das bild: dasz ihnen die galle aufs greulichste über die grentzen trat Schnabel
insel Felsenburg (1744
ff.) 2, 14; wenn nur die menschen nicht so leicht und so gerne über die grenzen träten, die für alles gezogen sind Laroche
frl. v. Sternheim (1771) 1, 192; deine feste seele springt so leicht nicht über ihre grenzen Hölderlin 2, 182
Litzmann; verführte auch ihn, .. über die schranken der sittlichkeit und über die grenzen des konventionellen lebens wegzuspringen Gervinus
gesch. der deutschen dichtung (1853) 5, 29; sei die ungeduld .. der einwohner .. über alle grenzen gestiegen Brentano
ges. schr. 4, 271. über eine grenze hinausgehen (
vgl. th. 4, 2, 1395): wenn jemand über die grenze des sabbaths auf eine nach den gesetzen erlaubte weise hinaus gegangen
briefe die neueste litteratur betr. 11, 116; (
der charakter der handelnden personen) der .. nie über die gränzen der wahrscheinlichkeit ... hinausgehen musz Eschenburg
entwurf (1783) 69; obgleich meine sämmtlichen arbeiten in diesem fache nicht über die gränze des umrisses und der skizze hinausgehen Göthe IV 21, 86
Weim.; ähnlich: die thränen müssen nicht aus ihren grentzen gehn Besser
schr. 1, 254
König. II@C@44)
zu den eben angeführten wendungen bilden die folgenden vielfach das gegenstück: etwas
oder sich in grenzen halten: dasz das auge des zuschauers so wie die stimme des schauspielers es bedurften, innerhalb gewisser gränzen gehalten zu werden Humboldt
aufsätze über d. klass. alterth. 84
Leitzmann; öfter ähnlich wie in schranken halten: so wuszte er (
Friedrich d. gr.) doch die vorsteher aller gottesverehrungen in gränzen zu halten Göthe 41
1, 17
Weim.; (
der schwelende heustock) konnte zwar nicht gelöscht werden, wurde aber durch die spritze in einer grenze gehalten, dasz das feuer nicht lebhafter wurde Stifter 5
1, 333;
vgl. gewisz, ich hasse sehr, die dich den höchsten hassen: .. drum kan ich meinen zorn nicht in den gräntzen fassen Canitz
ged. (1727) 38;
meist reflexiv: (
roman und drama) müszten .. sich in den grenzen ihrer gattung halten Göthe 22, 177
Weim.; ich habe mich in diesem stück ganz in den gränzen der geschichte halten wollen Fr. Schlegel
sämtl. werke 5, 188;
besonders, wo es sich um die grenzen des gebührenden, maszvollen handelt (
vgl. o. 3): nachdem durch dieser aderlasung das übrige freche blut abgelaufen, haben sie sich beszer in ihren grentzen der vernunft und löblichen tapferkeit können halten
Reinicke fuchs (1650) 61; sie fuhr immer fort sich in den grenzen der freundschaft zu halten Wieland
Agathon (1766f.) 1, 185; (
Wilhelm) hielt sich nicht in den gränzen eines proportionirten gegengeschenks Göthe 21, 201
Weim.; dasz sich alle in den grenzen des anstandes und der sittlichkeit halten mögen Böhme
gesch. d. tanzes 176; wie bei den asiatischen Mongolen hält sich der prognathismus in mäszigen grenzen Peschel
völkerkunde 432;
auch prägnant, ohne erläuternden zusatz: Piero's eigenmächtiges verfahren ... erregte eine indignation, von der .. die treuesten anhänger der Medici mitfortgerissen wurden. dennoch hielt man sich ihm gegenüber in den grenzen Grimm
Michelangelo (1890) 1, 120; die vertheidigung (
eines auswärtigen collegen) würde mich immer nöthigen, mich innerhalb gewisser grenzen zu halten Bismarck
polit. reden 4, 73;
vereinzelt: dasz er mit dem besten willen ... nicht in den grenzen des anstandes halten könnte
briefe von u. an Herwegh 286; — denn das bisher gesagte soll die gränzen der allgemeinen andeutungen halten und sich nicht zu vielseitig ausdehnen Göthe II 6, 215
Weim.; das ist aber das ... charakteristische, welche grenzen er bei der übertragung der aufklärungsgedanken auf das heerwesen einhält Meinecke
Boyen 1, 32. in grenzen bleiben: dieweil die ... jahrzeiten nicht allzeit in gleichen grentzen bleiben Sebiz
feldbau (1579) 44; dasz unsre ganze wissenschaft (
unser wissen) in gar zu engen gränzen bleibe Gottsched
ged. (1751) 1, 278;
häufiger aber in dem sinne der maszvollen, gebührenden beschränkung wie sich in grenzen halten: ey, die liebe ist vielerley, wolte sich Zarang rechtfertigen, man musz in den gräntzen bleiben Ziegler
asiat. Banise (1689) 603; das niedrigkomische, das doch immer in den gränzen der sittsamkeit bleiben musz Eschenburg
entwurf 174; dasz sie (
die einheit der zeit) .. innerhalb der gränzen bleibt, welche die kritici der dauer einer theatralischen handlung setzen
schlesw. litteraturbr. 153
lit. denkmäler; ich bleibe in meinen gränzen
me measque vires consulo Serz
teutsche idiotismen 58
a; dasz man eine strenge auswahl treffe, damit ein unternehmen, welches ohnehin weitaussehend ist, innerhalb seiner gränzen bleibe Göthe IV 25, 181
Weim.; serenissimo bezeigen sie .. meinen glückwunsch dasz der unfall noch in grenzen geblieben IV 12, 320. in die grenzen zurückweisen
u. ä.: (
es gelang ihnen) die nachbarn in ihre alten grenzen zurückzuweisen Ranke
reform. gesch. 1, 41;
übertragen: nachdem er durch die autorität herzoglicher commission berechtiget, den hofgärtner Wagner in seine grenzen zurückgewiesen Göthe IV 30, 185
Weim.; bis das masz voll war .. und der übermuth und die willkür wieder in ihre grenzen zurückgeworfen ... werden sollte Stifter 5
1, 357; da aber jener national-enthusiasmus ... in die grenzen einer ... würdigen selbstschätzung zurücktreten wird Göthe 49, 57
Weim. sich in ... grenzen bewegen
scheint ganz jung. die individuelle auffassung der figuren, .. die er vorführt, bewegt sich in engen grenzen Scherer
litt. gesch. 109; (
eine tapfere politik) wenn sie erfolg hat und dann sich in vernünftigen und ehrlichen grenzen bewegt Bismarck
ged. u. erinn. 2, 110
volksausg. II@C@55)
in einigen wendungen herrscht die unter B
entwickelte bedeutung '
schranke, ziel, ende'
vor; die phrasen breiten sich, wie diese bedeutung, erst im 18.
jh. aus. keine grenzen kennen, haben;
selten mit persönlichem subject: man .. schneidet, da er (
ein junger, aber tüchtiger mann) noch keine grenzen seiner wirksamkeit kennt, ihm luft und athem ab Herder 16, 274; wenn der edelmann im gemeinen leben gar keine gränzen kennt Göthe 22, 150
Weim.; voll entfaltet sich der dieser formel eigenthümliche sinn erst bei abstractem subject; meist starke affecte: sein hasz, seine wuth, sein gerechter zorn gegen den decemvir kennen weiter keine grenzen Lessing 6, 118; so kannte sein eifer .. keine grenze Arnim 19, 308; nun .. bin ich .. begeistert und mein mut kennt keine grenzen Pocci
lust. komödienbüchlein (1859) 32; den religiösen fanatismus, der ... keine grenzen kannte Gutzkow
ges. werke 10, 206;
vgl. der schneider erhitzt sich, lärmt. .. der schneider kennt keine grenzen, sein zorn wächst 1, 76;
doch auch abstracta anderer begriffsrichtung: barmherzigkeit meines gottes, .. dessen gnade keine grenzen kennt! Bräker
sämtl. schr. 1, 255; an solchem freudentag, den du mir schenkst, soll meine milde keine gränzen kennen Schiller 13, 488; erst, edler freund, lasz mich dein alter herzen, dessen ehre nicht maas noch gränze kennt
Shakespeare 3, 120; so kennt der flor der wissenschaft ... so wie dein hoher ruhm auf erden, keine gränzen Gottsched
neueste ged. (1750) 15;
dies schon im 17.
jh. vorklingend: dein ruhm weisz ausser dem fast nichts von gräntz' und schrancken Lohenstein
Arminius (1689
f.) 1, f 1
a. keine grenzen haben
ebenfalls von starken leidenschaften: meine wuth hat keine gränzen!
theater d. Deutschen 18, 57; ihre raserei hat keine gränzen Göthe 41
1, 156
Weim.; mein abscheu gegen dich hat keine grenzen Arnim 8, 443;
häufiger aber in fällen wie: weil seine (
des schöpfers) weisheit unendlich ist und seine macht keine gräntzen hat Ramler
einl. in die schön. wissensch. 2, 8; Anton war so voller freude über dieses anerbieten, dasz seine dankbarkeit gar keine grenzen hatte Moritz
Anton Reiser 100
neudr.; der tiefsinn und der wille haben keine grenzen Novalis 3, 91
Minor; so wie der verstand, so hat die narrheit des menschen keine gränzen Tieck
schr. 17, 235;
auch dialectisch: dat hed hêl gên grensen Doornkaat-Koolman 1, 680
a. seine grenze haben;
gern bilden geduld, nachsicht, gehorsam und verwandte begriffe das subject: die milde hat auch ihre grenzen Arnim 18, 212; der gehorsam, zu dem der untergebene dem oberen verpflichtet sei, habe seine grenzen Ranke
sämtl. werke 40, 290; allein es hatte dies gewährenlassen doch seine grenze Mommsen
röm. gesch. 2, 99; man schont die gereizte empfindlichkeit der kleinstaaten und ihrer kommissare, doch hat das alles seine grenzen Moltke
schr. u. denkwürdigk. 4, 178; das vertrag ich nicht. es hat alles 'ne grenze. wenn sie mich provozieren wollen Hauptmann
einsame menschen (1891) 14;
gern auch von der begrenztheit menschlicher kräfte: es ist natürlich, dasz die stärkste kraft ihre gränze hat, und endlich doch ... erliegen musz Bahrdt
geschichte s. lebens 2, 126; die menschliche natur ... hat ihre gränzen Göthe 19, 68
Weim.; und der mensch hat seine grenzen, grenzen, über die hinaus sich sein muth im staube windet Grillparzer 4, 43;
vgl.nun so wisse, dasz auch die teufel ihre gränzen haben Klinger
werke 3, 55;
fast sprichwörtlich: ausserdem hat jede kunst ihre grenzen Gleim
briefwechsel 1, 242
Körte; geist und kunst haben ihre gränzen Göthe 45, 73
Weim.; alle menschliche kunst hat ihre gränzen Fouqué
gefühle, bilder 1, 7;
auch sonst mannigfach: allein die unmäszigste schwärmerey hat ihre grenzen Wieland
Agathon (1766f.) 1, 10; um mich herum natürlich und auch unter mir hatte mein grundstück seine grenzen Seidel
Leberecht Hühnchen (1899) 240;
anders: Jupiter. es wird dein ruhm fortan, wie meine welt, in den gestirnen seine grenze haben Kleist 1, 310;
seltener ohne reflexives pron.: nein, eine grenze hat tyrannenmacht Schiller
Tell 1275; dasz das darstellen einer persönlichkeit in öffentlichen blättern eine grenze hat, über welche der keckste zeichner nicht hinausgehen darf Freytag 15, 98; es gebe eine grenze dafür, was ein könig von Preuszen anhören könne Bismarck
polit. reden 2, 76. grenzen finden
ist ganz jung und vielleicht deshalb schwankend im gebrauch, ohne die feste orientierung der obigen formeln: selbst Napoleon hatte in Spanien die grenzen seiner macht gefunden Treitschke
deutsche gesch. 3, 152;
ähnlich wie seine grenzen haben: auch diese geduld muszte ihre grenzen finden Jahn
Mozart 2, 33; dasz die selbstverleugnung grenzen finde, über die hinaus sie in unnatur und verzerrung überginge Moltke
schr. u. denkwürdigk. 1, 101; die kaiserin Augusta, deren temperament ... auch in der rücksicht auf alter und gesundheit des gemals nicht immer grenze fand Bismarck
ged. u. erinn. 2, 315
volksausg.; ähnlich wie keine grenzen kennen: mord sollte freylich nirgends freystatt finden, und rache keine gränzen
Shakespeare 3, 316;
anders: ich schien mir nicht mehr ich, meine gränzen konnte ich nicht mehr finden B. v. Arnim
Günderode 1, 27;
völlig abweichend (grenze =
scheidelinie),
aber gleich jung: dasz zwischen dem 'weit her sein' und dem 'erbarmenswerth sein' oft keine grenze zu finden ist Grabbe 4, 155
Blumenthal; der kaiser hatte (
im streit mit den ständen) einiges nachgegeben, andres suchte er um so mehr festzuhalten; eine grenze war nicht gefunden worden Ranke
reform. gesch. 1, 132. grenzen erreichen: die eroberung hatte die äuszersten grenzen erreicht. Rom erstreckte sich vom eismeer bis zur libyschen wüste Moltke
schr. u. denkwürdigk. 1, 165; und auch hier hätten die mongolischen züge noch keine gränze erreicht, wenn nicht Raumer
gesch. d. Hohenstaufen 4, 76; Carsten stockte, als habe er die grenze seiner erzählung erreicht Storm 5, 100; obwohl ... sie gleich anfangs die grenzen ihrer leistungen scheint erreicht zu haben Droste-Hülshoff
briefe 99
Schücking. II@C@66)
an die seltenere bedeutung '
anfangsgrenze' (
s.B 2)
erinnert die formel an die grenze von etwas streifen: tiefe fast an die gränze der pedanterey streifende gründlichkeit Schubart
ästhetik d. tonkunst 81; eine derbheit, die dicht an die gränze der grobheit streift
leben u. gesinn. 1, 256; in gesteigerter höflichkeit, die freilich an die grenzen des hohnes streifte Holtei
erzähl. schr. 5, 55;
vgl. der ton dieses instruments ... berühret oft die grenze des baritons Schubart
ästhetik d. tonkunst 321; ich ... finde sie (
die irreligion) an den stellen, welche sich den gränzen der moral nähern Fr. Schlegel im
Athenäum 2, 297. II@DD. grenze
in der composition. II@D@11)
das compositionselement ist beim substantivcompositum im allgemeinen grenz-; grenzen-
erscheint nicht selten, wenn das zweite compositionsglied eine verbalableitung ist, also besonders bei wörtern auf -ung (
namentlich im 18.
jh.)
; vgl. grenzenaufschiebung, -bestimmung, -mischung, -verletzung, -vermessung, -vermischung;
doch auch bei nomina actionis: grenzenbeschreiber, -richter, -hüter, -wächter.
oft ist indessen nur die poetische form maszgebend, der das zweisilbige grenzen-
meist bequemer ist; vgl. auszer den beiden letztgenannten wörtern noch grenzenschütze, -vater, -wacht.
aber auch in prosaischer sprache ist über die verbalsubstantiva hinaus bei einigen compositis grenzen-
möglich gewesen; vgl. besonders grenzenstein, grenzengerechtigkeit, -recht;
die letzte form notieren sogar Adelung
und Heinsius,
dieser auch grenzengebirge;
vereinzelt sind grenzenlinie, -masz,
gelegenheitsbildung ist grenzengedicht. grenze-
ist seltener und dient ebenfalls oft dem versbedürfnis, vgl. grenzeflusz, -stein (
dies bei dichtern des 17.
jhs. häufiger), -scheide;
doch daneben auch in prosa bis ins 19.
jh., vgl. grenzeritt, -stadt, -städtlein, -strom. —
das einzige voll entwickelte adjectivcompositum ist grenzenlos,
daneben namentlich im 18.
jh. nicht selten grenzlos,
poetisch auch grenzelos.
bildungen wie grenzenfrei, -weit
lehnen sich an grenzenlos
an; öfter finden sich adjectiva, die von componierten substantiven abgeleitet sind, vgl. grenznachbarlich, -meisterlich, -streitig;
buchdeutsch scheint grenzscheidend,
poetisch ist selbst die verbalableitung grenzpfaden
gewagt worden. II@D@22)
die ungemein fruchtbare substantivcomposition setzt im 16.
jh. in breiterem umfange ein. am frühesten erscheinen naheliegende bildungen wie grenzbaum, -brunnen, -flusz, -kreuz, -mark (=
grenzzeichen), -rain, -stein, -wasser
u. ä.; auch grenzhaus, -schlosz, -stadt
gehören schon dem 16.
jh. an, ebenso grenzbrief, -vertrag,
selbst künstlichere bildungen wie grenzgedächtnis, -oberster.
auch persönliche verbalsubstantiva setzen früh ein, vgl. grenzbereiter, -beschreiber, -bewahrer, -scheider, -verwahrer.
selten sind im 16.
und auch im 17.
jh. noch verbalsubstantiva auf -ung,
vgl.grenzackerung, -bestätigung, -irrung, -scheidung, -setzung, -verschreibung, -verwahrung.
erst im 18.,
mehr noch im 19.
jh. kommen diese bildungen zu reicher entfaltung. sie beschränken sich im ganzen auf den ausdruck eines transitiven verbalverhältnisses, vgl. grenzabsteckung, -abtheilung, -anweisung, -ausgleichung
u. s. w.; seltener anders, vgl. grenzausdehnung, -begünstigung, -berührung, -erstreckung, -handlung, -irrung.
in grenzabtretung, -erwerbung
hat grenze
den weiteren sinn von grenzgebiet. unter den compositis jüngeren ursprungs verdient eine gruppe hervorhebung, bei der grenze
die oben unter B
entwickelte bedeutung des endes hat, vorwiegend wörter aus dem bezirk der mathematik und der philosophie, vgl. grenzbeziehung, -form, -lage, -werth, -winkel, -zahl, -ziffer; -begriff, -bestimmung, -punct;
grösztentheils erst dem 19.
jh. angehörig.