groll,
m. ,
ira, odium, rancor. II.
form. I@11) groll
steht im ablautverhältnis zu grell
zornig (
s. sp. 95), grellen
zornig werden, schreien (
s. sp. 104),
nd. grall
zornig; genaueres bei Franck
2 217
b;
nach der heutigen dialectischen verbreitung könnte es scheinen, als sei das subst. von haus aus norddeutsch (
wie grell,
s. d.),
doch zeigt es sich bei seinem stärkeren literarischen hervortreten [] um die wende des 15. und 16. jhs. auch obd. voll entfaltet; ältester beleg aus dem 14.
jh.: hap keine vîgentschaft noch haz noch grollen gegen dîme ebenmenschen
Germ. 3, 231
a;
die mundarten zeigen heute z. th. u-
formen, nicht nur nd., wo sie sich lautgeschichtlich verstehn lassen (grull
brem. wb. 2, 552; jrul Hertel
Thür. 110; Liesenberg
Stieger ma. 148),
sondern vereinzelt auch obd.: grül,
m., groll, zorn Bacher
Lusern 264; Grull
als eigenname für ochsen Rosegger I 4, 290;
hier liegt offenbar einwirkung des verbums grüllen = grollen
vor, bei dem die u-
form ein besseres recht hat; literarisch selten: ein heimlichen grull S. Grunau
preusz. chron. 3, 74. I@22)
das wort ist von haus aus swm. im 16.
jh. herrscht die schwache flexion noch vor, obd. wie md., freilich nur in den obliquen casus; der nom. grolle ist ziemlich selten: der unwill und grolle Kirchhof
wendunm. 2, 475
lit. ver.; solcher grolle Moscherosch
insomn. cura 88
ndr.; er erscheint aber noch spät, so bei Dentzler (
s. u. II 3 c);
vgl. auch den acc. grolle
bei Stieler (
s. u. II 2 a);
auch im 17.
jh. häufig noch schwach, wenngleich die starke flexion schon die vorhand hat: bei Henisch
nur schwach, ebenso bei Corvinus
fons latin. (1646) 333,
bei Hulsius-Ravellus (
s. II 2 a), Wiederhold (
s. II 2 a), Stieler
nur stark; doch gebrauchen auch nordd. autoren noch die schwache form: den grollen Spee
trutznacht. (1649) 180 (
doch im groll
ebd. 14); einen hasz oder zorn, grollen oder widerwillen wider mich schöpfen Prätorius
philos. salust. e 7
b;
im 18.
jh. erscheinen die n-
formen nur noch lexicalisch und zwar im obd., zumal bair., wo sich die schw. flexion bis ins 19.
jh. gehalten hat: einen hasz, widerwillen, grollen auf (wider) jemand haben Kramer
teutsch.-ital. 1, 588
a; Frisch (1741) 375
a kennt nur schw. flexion, ebenso H. Braun
orthogr. gramm. wb. 126
b;
der noch neuerer ma. geläufige nom. der grollen (Schmeller
maa. Bayerns 264; Staub-Tobler 2, 730)
begegnet schon im älteren nhd. öfter: wil doch der alte grollen nu widerumb auffstossen E. Sarcerius
buch v. heil. ehestande (1553) 105
a; diser grollen Wurstisen (
s. II 3 c); grollen,
m. (
ältere spr.) Unger-Khull 308
b;
genetiv öfter grollens: zu glimpflicher begütigung seines gefaszten zornkoders und grollens Fischart
geschichtklitt. 333
ndr.; des verborgnen grollens halben Xylander
Polybius 122.
auf der anderen seite erscheint aber auch auszerhalb des nom. schon im 16.
jh. die starke flexion: bei Luther
herrschend (
s. II 2 a, 3 a),
wie denn überhaupt das md. schneller zu der st. form übergeht: schweren grol Kirchhof
wendunm. 1, 71
lit. ver.; einen alten groll Schütz
hist. rer. pruss. 1, j 4
a; Pape (
s. II 2 a);
doch auch bei Süddeutschen schon im 16.
jh.: ewern .. groll Frischlin
dtsche dichtungen 178
lit. ver.; ihren gefassten groll Mathesius
Sarepta 233
a; Fischart (
s. II 1);
vgl. Molz
P.-B. beitr. 27, 231. IIII.
bedeutung. II@11)
als grundbedeutung ist nach der etymologie anzusetzen '
zorn'
; so im älteren nhd. nicht ganz selten: ira zorn, groll, höne Frisius
dict. 733
a; groll, zorn, hasz
colera, stizza Hulsius (1618) 1, 142
b; den liederlich die gall überlauft ..., raumen den grollen eins mals vom hertzen
schöne weise klugreden (1548) 108
a; man ein wenig .. schweige, bis der grol für uber ist J. Barth
weiberspiegel j 6
b; das niemand mich hör oder seh, bis diesr groll und unwill vergeh Dedekind
d. christl. ritter g 3
b; ey dan dich troll, rief ich im groll Spee
trutznacht. (1649) 14;
daher epitheta wie: sonderlich zeöffnen hitzigen grollen Berth. v. Chiemsee
teutsche theol. 110;
sprichwörtlich: voll bringt groll, groll schlägt drein toll Fischart
geschichtklitt. 347
ndr.; groll macht toll Petri
d. Teutschen weisheit 2, g g 6
a;
auch der neueren sprache ist die bedeutung der momentanen aufwallung (
wenn auch gefärbt nach 3)
noch bekannt: Abdallah wollte seinem bruder nahen; aber von dem augenblicke, da ihn dieser erkannte,
[] erfüllte wilder groll sein herz Fr.
M. Klinger 7, 214; mein groll empört sich tödtlich dem nach, der so mir schmäht maler Müller 3, 378; wenn nun irgend etwas vorfällt, das den groll des zauberers ... reizt Ratzel
völkerk. 2, 96; wem je im grimm, wem je im groll die blaue stirnenader schwoll Strachwitz
ged. 17,
eine alte paarung: das ein solicher grymm und groll, nyd und hasz in iren hertzen uffgieng wider Christum Jesum Keisersberg
post. (1522) 2, 18
b;
dementsprechend neben verben wie: entlichen Dido faszt ein hertz, als bey ihr stig der groll auffwertz Spreng
Äneis 69
b; den ersten aufsteigenden groll Staub-Tobler 2, 730 (
quelle v. 1727);
ebenso noch: der alte graf .. hatte sich .. den aufsteigenden groll .. von der seele heruntergeredet Fontane I 4, 13;
die formel groll und zorn
zuweilen einfach tautologisch: er schreyet, schilt und drewt und rufft mit zorn und grolle D. v.
d. Werder
ras. Roland ges. 9,
str. 70; nach langer müh' und vielen ärgernissen wächst ungeheuer Rolands groll und zorn Gries
Bojardos verl. Roland 1, 139.
vgl. auch: also sprach er in zorens grollen Spreng
Ilias 37
a;
anders unten 2 a. II@22)
aber schon in älterer sprache häufiger in mehr durativem sinne; dann gelegentlich auch pluralisch: wie es (
das babylon. volk) euch (
den juden) gram und bitter auff euch ist, so wird es auch seinen bittern grollen nach euch urteylen Luther 19, 367
W.; wann die kohlen gerathen sollen, wie die kohlbrenner wollen, so müssen sie frey seyn von allen grollen Abrah. a St. Clara
etw. f. alle 2, 329. II@2@aa)
hasz, erbitterung: odium hasz, groll, ein alter zorn Frisius
dict. 908
a; dasz gegen den barfuossern ein grosser groll im volck erwuochsz Kirchhof
wendunm. 1, 499
lit. ver.; gewan ain grossen grollen zu künig Karl Aventin 5, 109; aus diesem äussersten groll wider sie entstunden die grausamsten verfolgungen Arnold
kirchen- u. ketzerhist. 211
a;
gegensatz ist liebe: do ist keyn grol noch drewen, szonder eyttel herczlich libe Luther 34, 1, 356
W.; verbale verbindungen: einen grollen auf einen haben Frisch
nouv. dict. 272; so sie (
die diebe) einen grol auff den hauszwirt haben Pape
bettel- und garteteufel m 6
a; einen groll auff einen fassen
se piquer contre quelqu'un Hulsius-Ravellus 146
a;
bei Stieler 706
auch übersetzt mit invidere alicui; wenn nun die Griechen solche .. tyrannische exempel der regenten .. gesehen, haben sie darfür einen abscheu bekommen und einen groll gefasset Olearius
verm. reisebeschreib. 172
a; dasz .. der herr verfasser nicht eben wider alles, was in Leipzig ist, einen groll fassen wird J. J. Schwabe
belustig. 1, 182;
dies die geläufigste verbindung, die bis ins 19.
jh. durchaus lebendig bleibt: er hatte daher einen groll gegen Jukundus gefaszt und predigte gegen ihn G. Keller 5, 302,
hier freilich gefärbt nach 3;
jünger scheint: die liederliche kreatur fing also an, einen bittern groll auf die frau .. zu werfen Jung-Stilling 6, 331; so hat er groll auf mich geworfen Tieck
schr. 4, 178;
namentlich in älterer sprache gern mit begriffsähnlichen oder -gleichen nominibus verbunden: ist das die brüderliche lieb ..? aber ich merck zu dieser zeit, woher dir kompt der groll und neid Fischart
dicht. 1, 142
Kurz; ein grüner busch, ein brunn, ein breites feld: dar lebte man ohn allen neid und grolle Stieler
geharnschte Venus 149
ndr.; (
der teufel) durch
d. Carlstads neydischen groll sich gerne wollt an uns rechen Luther 18, 191
W.; sondern das hertz kein zorn noch groll gegen seim nechsten haben sol
N. Herman
sonntagsevang. (1895) 127;
[] es sey wol gebotten den zorn und grol im hertzen zulassen, aber nicht die zeichen des zorns Luther 32, 361
W.; vgl. rancor der groll des zornsz
vel ein bitterkait Diefenbach 484
a;
häufigste formel hasz und groll;
so schon in dem ältesten beleg, s. o. I 1; so musz ein jeder darauf sehen .., dasz er .. mit keinem grol und hass gegen seinen nebenchristen .. beschweret werde
Reinicke fuchs (1650) 154; hört man aus Africa, dasz sich aus hasz und groll in löwens republic ein krieg entspinnen soll? Hoffmannswaldaus
u. and. Deutschen auserl. ged. (1695) 215;
auch dies, wenngleich umgefärbt, noch im 19.
jh. nicht selten: es hört in diesem augenblick der herzog nur den alten hasz und groll Schiller 12, 116
G.; besser klingen doch die sagen von der götter hasz und groll Hoffm. v. Fallersleben 4, 260; hieraus erwuchse zwischen vater und son widerwil und groll E. Menius
chron. Carionis (1560) 1, 131
a; es sey der widerwill und groll noch von der schlacht, so Michiel .. mit inen gehalten, herkommen H. Kellner
chron. (1574) 27
b,
eine im älteren nhd. recht häufige verbindung. II@2@bb)
die bedeutung a
zeigt mancherlei feinere abschattungen: '
feindschaft'
; von älteren lexicographen gern mit simultas
glossiert, dict. nominum verborumque (1620) n 4
a; Zehner
nomencl. 65;
odium hostile, simultas Stieler 706;
namentlich Henisch 1749
läszt diese bedeutung stark hervortreten: ira, inimicitia, odium, simultas, alienatio, disjunctio animorum, hostilitas; schriben die ambtleut ... des lands Syrien umb des alten grollen willen, den si zue der judischait hetten, einen häftigen briefe gein Babylon Aventin 4, 298; weil zwischen dem Christoph Landskron, den Axleben und Canitzern ein groll war Schweinichen
denkwürd. 282
Österley; folgenden jahrs war der alte groll graf Reginalds .. mit dem stift Basel wieder aufgeglommen S. Fr. Hahn
einl. z. d. teutsch. kaiserhist. 5, 115; '
abneigung, widerstreben': da ich nu sach, das sie mich flog, den grollen merckt ich balde. sie hat ein andern lieber denn mich
bergreihen 70
ndr.: so besonders vom widerstreben gegen gott: sollicher groll widder gott stecket ym hertzen Luther 12, 570
W.; unser gantzes leben ist nichts anders als ein groll und widerwillen wider gott Dannhawer
catech.-milch 1, 261;
entsprechend: und dasz mein leben, wie es soll, dein eigen sey ohn falsch und groll Fischer-Tümpel
evang. kirchenlied 2, 517; aber der grosse grol und eckel, den sie widder das .. sacrament ... haben Luther 23, 166
W.; dieselbe paarung 126, 5;
stärker '
abscheu': dem menschen ist es unglaublich ... und ein gantzer unwille und ein groll allem leiblichen verstand, dasz der mensch vom teuffel soll besessen werden Paracelsus
opera (1616) 1, 86 C;
auch concreter '
zwist, zank'
: piquanterie die stichel-rede, beschimpfung, der groll Spanutius 369; dasz .. sich bald zwischen eheleuten keif und groll beginnet Prätorius
anthropod. pluton. 3, 347; (
gebt mir) euern sinn und eure güte ohne groll und ohne zank R.
Z. Becker
mildheim. liederb. 23; funfzehn goldene jahre, die wir zusammen gelebet, ohne gezänk und groll Herder 27, 246
S. II@33)
die neuere zeit nimmt die bedeutung gewöhnlich prägnanter; groll
ist '
der heimliche oder verschlossene, eingewurzelte, finstre hasz' Weigand
synon. 1, 423;
dabei kann der begriff verschieden accentuiert sein: II@3@aa)
der nachdruck liegt auf dem begriff des geheimen, im inneren verborgenen: '
verborgene feindschaft' Frisch
nouv. dict. 272; ingeheim einen hasz, groll genannt Kant 10 (1839), 300
Hartenst.; wie wenig diese bedeutung [] dem worte ursprünglich ist, erhellt daraus, dasz sie in älterer zeit fast immer das attribut heimlich
verlangt: und verblieb jederzeit ein heimlicher groll und verborgen misztrawen Dilich
ungar. chron. (1606) 208;
auch concreter: haben doch die elenden leut sich ... nicht regieren können, unter so viel zertrennung, auffruhr, heimlichen grollen und innerlichen kriegen G. Lauterbeck;
es bleibt dem subst. bis ins 19.
jh. treu: mein groszvater .. wurde wegen alten heimlichen grolls von drey buben des Leiningers überfallen Kotzebue
sämtl. dram. werke 3, 68; so dauert doch der geheime groll (
zwischen Österreich und Ungarn) fort Moltke
schr. u. denkw. 1, 112;
jünger ist still: kann er bey solcher huld noch stillen groll verhelen? J. E. Schlegel 4, 9;
im ganzen verzichtet erst eine neuere zeit mehr und mehr auf solche verdeutlichungen: sein blick verrieth den groll Ayrenhoff 1, 81; Fritz ... konnte nicht verhindern, dasz sein groll einmal durchschimmerte durch seine verstellung O. Ludwig 1, 210;
doch vgl. auch schon: wiltu einen kennen, so lob ihn; steckt ein groll in ihm, so wird er .. ein feder .. fallen lassen Petri
d. Teutschen weisheit 2, Lll 8
b;
in jüngerer zeit gern von dem dumpf-verhaltenen hasz, wie er besonders in politisch u. social benachtheiligten schichten rege zu sein pflegt: wo sie (
Fieskos verwandte) dann, zwischen den ganzen groll der republik gepresst, die wahl haben Schiller 3, 95
G.; nur die scharfe erkenntnis des fleiszes (
der unternehmerarbeit) .. bricht jenem .. ungerechten groll des arbeiters die spitze ab Riehl
dtsche arbeit 209;
ähnlich: in den italienischen .. regimentern zeigte sich oft ein dumpfer groll Treitschke
dtsche gesch. im 19.
jh. 1, 395;
vgl. schon: dazu unlust und groll des poffels widder die oberkeyt nicht stercker werde Luther 18, 438
W.; formelhaft ist seit ende des 18.
jhs. (lang) verhaltner groll,
namentlich in poetischer sprache: mein lang verhaltner groll bricht endlich aus! J. D. Falck
satiren 3, 113; tritt hervor aus deiner höhle, langverhaltner groll Schiller 12, 502
G.; während die skribler .. seine erhebung mit neid und verhaltenem groll aufnehmen werden
jahrb. der Grillparzergesellsch. 1, 44;
auch gewisse verbale verbindungen sind stereotyp: (
er hatte ihn hingerichtet) wegen eines geringen unvernehmens und daraus gefaszten, aber verstellten grolles Lohenstein
Armin. 1, 61
a; ein cabalenmacher .. selbst wenn er seinen groll verbirgt Gerstenberg
recensionen 289
lit. denkm.; der graf barg seinen groll hinter gezwungenem lachen G. Freytag 9, 56; als der groll schon gährte H. P. Sturz
schr. 1, 153; vor einem .. aufgährenden groll Fontane I 2, 377;
alt und sehr häufig: da brach der groll ausz Seb. Franck
Germ. chron. 116
b; nun brach in den drei schlummernden gesellen ein wilder groll aus G. Keller 4, 238;
variiert: ihr gemeinsamer groll strömte in die xenien aus Gervinus
gesch. d. dtsch. dichtung 5, 330;
weniger prägnant: er werde seinen groll auff yhn .. ausschütten Luther 24, 571
W.; odium occlusum effundere seinen gefasseten und heimlichen grollen .. ausgiessen Bas. Faber
thes. 184
a; hat ... bitterkeit und grollen wider uns auszgelassen Henisch 1749; bei jeder gelegenheit lassen sie ihren groll gegen die weltweisen aus Schiller 3, 545
G.; erst im 19.
jh. häufiger: indem .. dieser .. seinem grolle offen luft machte Meinecke
Boyen 1, 331. II@3@bb)
oder der nachdruck liegt auf dem begriff des anhaltenden, nicht nachlassenden: denn groll .. ist anderst nüt, wenn ein veralteter hasz Keisersberg
seelenpar. 98
a;
odium est ira inveterata, ein alter groll Reyher
thes. (1668) 2, 4935;
pluralisch: veteres inimicitiae alte grollen, gezänck, hasz Apherdianus
meth. disc. (1580) 110;
wie denn überhaupt alt
bis heute das geläufigste attribut ist: das sich anzünt der alte groll, der nie ist recht erloschen wol H. Sachs
sämtl. fab. u. schwänke 2, 161
ndr.; [] der alte groll wirdt nur mitt dem leben enden E. Ch. v. Orleans
br. 1, 205
lit. ver.; man kann den alten groll gegen Preuszen nicht vergessen Görres
ges. schr. 2, 337;
sprichwörtlich: aller (
l. alter?) groll lest sich nicht leicht auszkratzen Petri
d. Teutschen weish. 2, h 7
a; alter groll verrostet nicht Hoffmann
polit. Jesus Syrach 78;
vgl. unvertilgbaren groll J. J. Engel
schr. 3, 217; mit unverjährbarem groll Lenz 3, 286
Tieck; ihren zähen groll Mommsen
röm. gesch. 3, 4; sie haben uns ewigen groll geschworen Körner 2, 208
Hempel; doch bedarf diese bedeutungsspielart solcher zusätze nicht, um deutlich zu werden: vielleicht dasz dieser bund zu groszem glück sich wendet und eurer häuser groll durch ihn in freundschaft endet
Shakespeare 1, 66; (
wo) wir thoren wähnten, durch den bund den groll der Welfen und Waiblinger zu vernichten! Grabbe 2, 300
Bl.; gewisse charakteristische verbale verbindungen ruhen auf dem durativen element der bedeutung: einen alten groll regen
cicatricem refricare Dentzler 2, 140
b; der alte groll wollte sich regen Göthe II 11, 17
W.; er .. weckt den alten schlafenden groll Schiller 9, 370
G.; fingen auch die Korinthier an, einen heftigen grol gegen die Athenienser zu nähren Heilmann
Thukydides 120; er hat die art des kindes, .. das oft unwillig ist, aber keinen langen groll nähret Herder 13, 321
S.; doch hegst du einen alten groll im busen Göthe 10, 215
W.; diese wendung meist freilich farbloser: eine seele, die noch den geringsten groll in sich hegt Jung-Stilling 6, 584; wenn er gegen alte spieszgesellen .. in stegreif trat, muszte er starken groll in sich herumgetragen haben G. Freytag 18, 301,
und aus derselben vorstellung heraus schon im älteren nhd. häufig: wer .. weder die burger grol dreyt
Wormser recht 10
Kohler; er wird .. weder das weib noch den ehebrecher deshalben sauer ansehen, viel weniger .. groll ... auff ihn tragen Olearius
verm. reisebeschr., anhang insul Formosa 44;
negativ: durch verzeihung und ablegung alles vorigen grols
M. Haganäus
unterweis. z. weltl. regiment (1599) 317;
namentlich in jüngerer dramatik sind ähnliche wendungen oft zu finden: umarmt euch, prinzen! laszt allen groll und hader jetzo schwinden Schiller 13, 211
G.; ersäuft sey aller groll in diesem bundestrunk! 12, 175; mit diesem kusz sei aller groll vergessen Arnim 5, 317; weil ich es ohne den mindesten nachgebliebenen groll erzählen kann J. G. Jacobi 1, ix; dasz deine vorwürfe, wenn sie mir auch im augenblick empfindlich sind, keinen .. groll im herzen zurücklassen Göthe IV 9, 91
W.; ohne groll
in jüngerer zeit sehr häufig in gewissen stereotypen verbindungen: lassen sie uns mit einander brechen wie leute von vernunft, .. ohne bitterkeit, ohne groll Lessing 2, 323
M.; so lassen sie mein andenken verlöschen, ohne groll Iffland
theatr. werke 1, 30; so lasz uns scheiden, ohne hasz und groll Grillparzer 5, 194. II@3@cc)
oder das tiefwurzelnde des grolls wird betont: grolle
simultas, odium intestinum Dentzler 2, 140
b; diser grollen ist dem könig tieffer, dann jemandts achten mögen, zuo hertzen gesessen Chr. Wurstisen
Pauli Aemilii .. historien (1572) 2, 334; und im tiefen gemüth wohnet am tiefsten ein groll Herder 26, 387
S.; daher formelhafte verbindungen wie: zwischen den beyden römischen befehlshabern herrschte eingewurzelter groll Niebuhr
röm. gesch. 2, 225;
dieselbe wendung schon bei Lessing 2, 44
M.; aber nur um so tiefer frasz sich der groll in die herzen ein Sybel
begründ. d. dtsch. reiches 1, 90.
[] II@3@dd)
erst in jüngerer zeit gern in einem gebrauch, der den begriff des mismutigen, grämlichen, verbitterten besonders unterstreicht, oft ohne dasz noch ein bestimmtes zielobject der empfindung gegeben wäre: der menschenfeind, die last der erde, aus hochmuth, oder auch aus groll Lenz
ged. 184
Weinhold; mit anderer färbung: weltscheue schwermuth füllt meine brust. unendliches weh und unendlicher groll Arent-Conradi-Henckell
mod. dichterchar. 8;
daher paarungen wie: wie bei den unschuldigsten stellen ihm groll und mismut in die finger zuckt J. H. Voss
antisymb. 2, 87; und kam mir groll und trübe laune, wie sie jeden heimsucht, der in büchern lebt G. Freytag 2, 117; in der seele groll und trauer 15, 101;
namentlich: ein .. luftgebilde .., dem wir in dem glücke zulächeln, .. auf das wir in dem unglück ... mit groll und unmuth blicken Fr.
M. Klinger
werke 4, 16; fragt nicht nach seinem unmuth, seinem groll Chamisso 4, 113;
sogar: nicht des unmuths groll .. spricht das aus mir Ayrenhoff 2, 281. II@3@ee)
öfter auch mit einer (
beim verb. grollen [
s. d. II 2 b]
stärker hervortretenden)
verdünnung der ursprünglichen bedeutung '
verstimmung, ärger': auch heute, als die am schwächsten beschenkte, verrieth sie weder groll noch neid Holtei
erz. schr. 14, 9; das milderte schon etwas ihren groll G. Keller 6, 153; dieser groll über den tannenbaumkultus hielt aber nicht vor Fontane I 6, 252;
vgl. und legte sich dann mit lächelndem grolle schlafen unter die bank Steub
drei sommer in Tirol 1, 205. II@44)
anwendung auf einen unpersönlichen subjectsbegriff ist selten: du müstest für lauter rachgierigkeit, groll und grimmen deines viehischen appetits (
deiner sinnlichen begierden) in stück zerspringen Spee
güld. tugendb. 513;
etwas häufiger nur in jüngerer poetischer sprache vom donner, aber auch das erst nach dem vorgange des verbums (
s.grollen II 1 d): bei jedem strahle, der klirrte schmetternd durch donners groll Brentano 2, 58;
nach diesem muster gelegentlich auch von andern elementen: der elemente .. gift'gen groll auf sein .. haupt herabzudonnern Körner 3, 179
Hempel; (
du) bewandeltest die fluth mit festen füssen hin durch der winde groll Freiligrath 5, 36. II@55)
bei Murner
erscheint öfter ein plural mit conereterem sinn, '
gehässigkeiten, vorwürfe, anschuldigungen',
auch '
verwünschungen': daz du (
Luther) dise grollen erst usz geschüttet hast, nach dem und du in des bapst ungnaden kummen bist
an d. adel 36
ndr.; wo sy nit ir rede unterlassen, so wel er die rechten grollen sagen, das schopf den galgen rüren müsz
gäuchmatt 46
Uhl; ich wil die rechten grollen bringen, die dienstlich sein zuo unsern dingen
luth. narr v. 1204
Kurz; wir kumment yetz uff andre stollen und bringen här die rechten grollen
history v. d. fier ketzeren pred. ord. (1509) e 3
a;
nicht immer sicher von der bedeutung '
possen, unfug, streich'
zu trennen; deutlich so: guot grollen hab ich uff der teschen, ir sollent mir den beltz wol weschen
sagt der beichtende narr zum beichtvater, narrenbeschw. 282
ndr.; das stellt sich zu dem im nl. reich entfalteten grol,
plur. grollen '
dwaze nietigheid of nietige dwaasheid'
woordenb. d. nederl. taal 5, 913,
nach Franck 217
b etymologisch identisch mit grol
odium. auf deutschem boden [] nicht häufig: die etwan grollen in köpfen haben stecken Keisersberg
evang. (1517) 12
b; ich bin seltsamer grollen voll Ruof
nach Staub-Tobler 2, 730; dasz alle die ceremonien der heil. kirchen .. alle ire fremde grollen und grillen so artlich ausz der schrifft geschnitzlet seind Fischart
bienenkorb 174
b (
auch nl. grillen en grollen
a. a. o. 5, 915).
diese bedeutung hat also Murner
nach groll
odium hin verändert. II@66)
ganz vereinzelt: welh ein geselschafft syhe ich da (
in Sachsen), welhe trünck! welhe grollen (
im lat. text: quales ructus), welh spewen! Hutten 4, 283
Böcking, also im sinne des von grollen
abgeleiteten grolz, grölzen;
vermutlich kannte die ältere sprache auch für grollen
die bedeutung ructare (
vgl.grollen II 1 c)
und vom vb. ist sie auch dem subst. zugeflossen.