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grenzenlos

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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

grenzenlos adj.

Bd. 9, Sp. 153
grenzenlos, adj. , seltener grenzlos (s. u. 3); in der 1. hälfte des 18. jhs. aufgekommen. 11) zunächst in wörtlichem verstande: keine grenzen habend, unbegrenzt, unendlich. grenzenlos vermischt sich im 18. jh. im gebrauche weithin mit unbegrenzt (s. d.), während die jüngere sprache differenciert und für die in rede stehende verwendung unbegrenzt hier und da hat vorrücken lassen. 1@aa) bei räumlicher ausdehnung jeder art: dieser unendliche geist ist demnach in allen theilen des gränzenlosen raumes wesentlich zugegen Gottsched neueste aus d. anmuth. gelehrsamk. 3, 591; sein blick durchspäht bald gränzenlose sphären Löwen schriften (1765) 1, 101; (die astronomischen entdeckungen) wandelten die erde .. in einen der kleinsten theile des grenzenlosen weltalls um Lotze mikrokosmus 1, xi; auch vom zeitraum: die lange gränzenlose zeit enthüllt was dunkel, und verbirgt, was strahlend ist grafen Stolberg 14, 203; grenzenlose ewigkeit Lenz ged. 178 Weinhold; in solche gränzenlose weiten wollen wir uns nicht verlieren Göthe 25, 180 Weim.; schaut in die gränzenlose ferne! J. A. Schlegel verm. gedichte 1, 2; wie in unendlichen und gränzenlosen höhen der himmel lüfte sich in tausend wirbeln drehen Schwabe belustigungen 4, 335; nun des entbundnen geistes schwingen durch dreyer himmel gräntzen-lose kreyse dringen Pietsch geb. schriften (1740) 248; der plötzliche anblick des freien grenzenlosen himmels Eichendorff 2, 14; der wind verwehte seine worte in die grenzenlose luft 2, 210; siehst du den grenzenlosen äther Wieland Lucian (1788) 2, 408; das grund- und grenzenlose meer der ewgen liebe Brockes ird. vergnügen 8, 8; den gränzenlosen ocean A. W. Schlegel 9, 17; Kublai Chan, der .. gränzenlose landstrecken beherrschte Göthe 7, 185 Weim.; grenzenlose schneegefilde Kotzebue sämtl. dram. werke 4, 107; die sonne, die dieses gränzenlose reich (Persien) erhellet sammlung von schauspielen (Wien 1764 ff.) 6, Xerxes 1; gern übertragen: du hast, o Gesner! in der brust ein gränzen-loses reich von lust Haller ged. 113 Hirzel; soll gleich den freien geist, den der erhabne flug ins grenzenlose reich der möglichkeiten trug, die gegenwart mit strengen fesseln binden Schiller 11, 13; der ersatz des adj. durch unbegrenzt in dem schlagwort land der unbegrenzten möglichkeiten (th. 113, 286) illustriert die verschiebung im gebrauch dieser anfänglich ganz synonymen wörter; vgl. wenn jener die ganze grenzenlose welt des möglichen zu freyem gebrauch vor sich ausgebreitet sieht Wieland Agathon (1766f.) 1, 196; der ältesten zeit, wo .. die weide grenzenlos war, lag (als tauschmittel) nichts so nahe wie das heerdenvieh Mommsen reden u. aufsätze 247; physicalisch gesprochen: sie (die materie) sey dicht oder locker; dunkel oder hell ...; klein oder gränzenlos briefe d. neueste litter. betreffend 18, 163; vgl.das mathematische unendliche ... sei eine grösze, deren grenzen .. immer weiter .. hinausgesetzt werden können, ohne jemals ganz aufgehoben zu werden und eine grenzenlose grösze zurückzulassen Mendelssohn 1, 216. 1@bb) mannigfach übertragen: gebildet ist ein werk, wenn es überall scharf begränzt, innerhalb der gränzen aber gränzenlos ... ist Fr. Schlegel Athenäum 12, 81; die grenzenlose wiederholbarkeit und erhöhung der zahlen Humboldt kosmos 3, 12; wie soll ich hier als nur gezwungen schweigen, wo grenzenloser stoff die rede nährt Göthe 16, 279 Weim.; das fast gränzenlose fach der thierzergliederungskunde Sömmerring bau d. menschl. körpers 2, xxiii; wer hätte es nicht erfahren, dasz eine grenzenlose ausbreitung seiner empfindungen diese nur schwäche Herder 13, 339; ausschweifungen, die er sich gränzenlos erlaubte Schubart leben u. gesinnungen 1, 176; eine solche gränzenlose freiheit genosz sie (die komödie) zu Athen Fr. Schlegel pros. jugendschr. 1, 13 Minor; philosophen, welche von der grenzenlosen capacität und unersättlichkeit ihrer (der seele) begierden so viel schönes zu sagen wissen Wieland Agathon (1766f.) 1, 387; allerdings ist Faust ein mensch, der seine kraft für grenzenlos hält, weil sie grosz ist Hebbel I 9, 19; jene grenzenlosen projekte, durch die er (Carl V.) Europa in bewegung gesetzt Zimmermann über d. einsamkeit 1, 64; dasz es damals für unsere grenzenlosen wünsche noch grenzenlose hoffnungen gab Jean Paul 3, 82 Hempel; o könnt' er (Cäsar) leben! all den kühnen gränzenlosen geist und nicht sein .. herz hingeben! Herder 28, 55; auch von gott: (gott) beginnt, begrenzt, beschränkt sich selber, gränzenlos zwar, und beginn- und endlos 16, 435; die welt .. ist gegen den .. gränzenlosen schöpfer ein .. sandkorn allg. deutsche bibl. 28, 17; eigen: noch eine gränzenlosere einsamkeit als die meine war Thümmel reise 4, 127; wohl zu verbinden mit beispielen wie grenzenlose einöde Ritter erdkunde 2, 691; grenzenlose leere Mörike 3, 64 Göschen; das Venusbild ... sah ihn fast schreckhaft mit den steinernen augenhöhlen aus der grenzenlosen stille an Eichendorff 3, 120; die schläge eines beiles, die in der grenzenlosen stille nach der stadt hinüber schollen Storm (1899) 5, 207; die nacht hat etwas zauberisches .., so etwas grenzenloses, inniges, seliges Heinse 5, 5; über die .. schimmernde erde legte sich die grenzenlose nacht eines tiefern himmelblaues herüber Jean Paul 5, 59 Hempel. 1@cc) Göthe hat eine ausgesprochene vorliebe für das wort und gebraucht es vielfach ganz ungewöhnlich: du würdest dich verwundern, die gränzenlosen fascikel zu sehen, die immerfort geheftet werden IV 33, 239 Weim.; die hügel .. zu einem grenzenlosen hopfenbaue benutzt III 8, 283; das gränzenlose spazierengehen I 411, 163; gränzenlose mordthaten waren im september (1792 in Frankreich) geschehen 33, 79; da bleibt kein rath als gränzenlose thränen 3, 25; die natur füllt mit ihrer gränzenlosen productivität alle räume schr. d. Göthegesellsch. 21, 259; ob ich gleich überzeugt bin, dasz ich die farbenlehre wohl gegründet, so ist doch das aufbauen und nutzbarmachen gränzenlos IV 36, 74; verzeihen sie mir dasz ich nicht mehr sage, da ich unmittelbar ein gränzenloses detail vor mir sehe IV 42, 160; dasz die entschiedene übereinstimmung der machthaber die gränzenlose majorität der öffentlichen meynung wenigstens für dieszmal überwand IV 36, 61; selbst in der elementaren anwendung auf den raum bei ihm bisweilen eigenartig: die wir breite und gränzenlose straszen .. zu erblicken gewohnt sind I 49, 170; dergleichen hängt in sälen reih an reihe fort, in sälen, gränzenlosen, wie die welt so weit Faust II 9043; gerade in dieser dichtung mehrfach: 6240. 6412. 10306; vgl. ferner I 4, 286. 6, 35. 38, 105; II 1, 295. 6, 97; IV 25, 275. 28, 82. 29, 205. 1@dd) das substantivierte neutr. gern poetisch: der adler strebt hinan ins grenzenlose Mörike 1, 140 Göschen ich sehe des meeres tosen, drüben im grenzenlosen durchbricht den nebel ein schiff Hebbel 6, 271; übertragen: im gränzenlosen sich zu finden wird gern der einzelne verschwinden Göthe 3, 81 Weim.; aber laszt die wirklichkeit zurücke, reiszt euch losz vom augenblicke, und kein grenzenloses schreckt euch mehr Schiller 11, 59; dann aber wird die seele selig schweben im grenzenlosen über raum und zeit Freiligrath 4, 177; in wendungen wie ins grenzenlose gehen, streben auch prosaischer sprache gemäsz: 'man musz den schönen frauen nicht gar zu viel angewöhnen', sagte Goethe, 'denn sie gehen leicht ins grenzenlose' Göthes gespräche 6, 15 Biedermann; der mann strebt seiner natur nach in's allgemeine und grenzenlose Spielhagen 2, 316; den dichter vor dem schweifen ins grenzenlose behüten Scherer litt.-gesch. 427; zu der jüngeren bedeutungsrichtung neigen: in auszerordentlichen krisen steigerte dieser druck (militärischer requisitionen) sich .. oft ins grenzenlose Mommsen m. gesch. 2, 385; die ... nähe des kriegsschauplatzes steigerte .. die furcht ins grenzenlose reden u. aufsätze 338; auch in der umgangssprache: die frechheit geht einfach ins grenzenlose Hauptmann weber (1892) 78. 22) jünger ist die bedeutung: alle grenzen überschreitend, maszlos; rein quantitierend, mit starkem emphatischen gehalt, deshalb lieber attributiv als prädicativ; diese heute vorherrschende bedeutung hat sich erst ende des 18. jhs. voll entfaltet; hier hat unbegrenzt weichen müssen. 2@aa) mit vorliebe von menschlichen leidenschaften und empfindungen: eine gränzenlose leidenschaft für äusseres ansehn Göthe 40, 234 Weim.; grenzenlose begierden nach reichtümern Wieland Agathon (1766f.) 2, 86; grenzenlose herrschsucht Eichhorn deutsche staats- u. rechtsgesch. 2, 55; ich kenn' ... deinen grenzenlosen ehrgeiz Meissner Alcibiades 1, 87; gränzenloser stolz Bahrdt gesch. s. lebens 2, 170; die grenzenloseste eitelkeit Forster 6, 65; ein gränzenloser geiz M. J. Schmidt gesch. d. Deutschen 4, 81; zuletzt war mein abscheu darüber gränzenlos Haller restaurat. d. staatswissensch. 1, 69; ein gränzenloser hasz gegen Kotzebue Göthe IV 29, 29 Weim.; die grenzenloseste erbitterung unter dem mantel der demuth versteckend Mommsen m. gesch. 2, 27; liebenswürdig war es von diesem grenzenlosen leichtsinn, dasz er Gutzkow ges. werke 4, 288; mit der ihm eigenen grenzenlosen willkür Welcker alte denkm. 1, 59; des meisters erstarrung .. war um so grenzenloser Raabe hungerpastor (1864) 1, 131; nach gränzenloser angst Göthe 24, 330 Weim.; der kardinal (sei) in gränzenlose furcht gerathen Raumer gesch. d. Hohenstaufen 4, 373; gränzenloser schmerz theater d. Deutschen (1768 ff.) 18, 292; ihre sehnsucht, ihre wehmut überströmten sie grenzenlos A. v. Arnim 1, 172; der gränzenlose kummer Schiller 2, 169; sie schien in starrer ruh' am grenzenlosen jammer sich zu weiden Chamisso 4, 136. wie bei schmerz u. ä. besonders gern bei freude, liebe, vertrauen: mit gränzenloser freude Meissner skizzen 2, 167; die bethörte seele flatterte in grenzenloser wonne umher Wieland 3, 76 akad. ausg.; gränzenlose lust Kind ged. 5, 30; sein entzücken war grenzenlos Immermann 6, 101 Hempel; von den wünschen ihrer grenzenlosen liebe getäuscht Wieland Agathon (1766f.) 1, 219; grenzenlose, treue zärtlichkeit Knigge umgang m. menschen 2, 112; der gegenstand einer gar so demutsvollen und grenzenlosen weiblichen hingebung Keller 4, 57; die maasz- und gränzenlose schwärmerei für Byron Hebbel I 12, 178; doch fassen geister, würdig tief zu schauen, zum gränzenlosen gränzenlos vertrauen Faust II 6118; ein mann, auf den ich ein grenzenloses zutrauen setzte H. L. Wagner theaterstücke (1779) 22; briefschlusz: ich ersterbe mit gränzenloser ehrfurcht Schubart briefe 2, 128; der kammerherr .. stammelte etwas von seinem gränzenlosen respekt Alexis ruhe ist die erste bürgerpflicht (1852) 1, 336; frau von Berkows güte, die grenzenlos ist Spielhagen 1, 123; ihre güte, sir, und ihre freundschaft waren immer gränzenlos für mich Klinger werke 1, 249; laut und gränzenlos war die dankbarkeit des geretteten Niebuhr m. gesch. 2, 319; ich musz mich auf gottes gränzenloses erbarmen ... verlassen Lavater verm. schr. 2, 88; ich empfand ein grenzenloses mitleid mit Anna Keller 1, 419. sehr viel seltener von menschlichen eigenschaften: den ruhm ... einer grenzenlosen redlichkeit Heinse 3, 287 Schüddekopf; grenzenlose rührigkeit Mommsen m. gesch.4 3, 13; man setze in einem gemüth .. die reizbarkeit der seele so gränzenlos, dasz Fr. Schlegel 4, 125; wiewohl eben seine grenzenlose gravität ihm beinahe noch ein komischeres ansehen gab E. Th. A. Hoffmann 11, 108; häufig nur in fällen wie: beobachtung der menschen und ihrer grenzenlosen thorheit S. v. Laroche frl. v. Sternheim (1771) vorr. viii; in ihrer grenzenlosen unwissenheit Droste-Hülshoff br. an Levin Schücking 194; vgl.erst sagen sie den damen so gränzenlose sottisen Meisl theatral. quodlibet 2, 155; den grenzenlosen unsinn R. Wagner 9, 184. 2@bb) auch von zuständen, und zwar bevorzugt das adj. hier sehr stark substantiva einer ganz bestimmten, negativen bedeutungsrichtung: das innere gränzenlose unglück einer stadt Göthe 33, 294 Weim.; gott! so gränzenlose noth verhängst du über uns! 9, 445; die kurfürsten, von der gränzenlosen noth des vaterlandes gerührt Hebbel I 9, 196; ohne Emma lag ein grenzenloses elend vor ihm Tieck schriften 8, 342; mein leichtsinn hatte mich in eine grenzenlose verlegenheit gestürzt Bauernfeld 4, 28; eine grenzenlose verwirrung Varnhagen v. Ense tagebücher 6, 242; dies sehr häufig; unsere ekeln sitten zeugen oft nur von ihrem grenzenlosen verderben Forster 3, 300; eine grenzenlose verwüstung Fontane I 1, 281; die gränzenloseste vernachlässigung der sprache deutsches museum hg. von Schlegel 2, 266; die grenzenlose nichtigkeit der oligarchen Mommsen m. gesch. 2, 374; die grenzenlosen betrügereien, die überall verübt wurden Kerner bilderbuch (1849) 61; bei andersartigen substantiven selten, auszer macht, gewalt u. ä.: jene überaus grosze ..., ja fast gränzenlose macht der päbste M. J. Schmidt gesch. d. Deutschen 2, 471; (die fürsten) glaubten durch diesen kunstgriff sich einer gränzenlosen gewalt zu versichern Schiller 4, 90; die vorrechte der jesuwiderischen zwingschaft waren .. unzählig, grenzenlos und glanzvoll Jahn 2, 550 Euler; den gränzenlosen aufwand H. Meyer gesch. d. bild. künste 3, 195; eine grenzenlose fülle von schönheit Grimm Michelangelo 1, 417; auszerdem hat er (Mozart) ... in vielen ... privathäusern mit dem grenzenlosesten beifall gespielt Jahn Mozart 4, 470. 33) das adverbium bei älteren noch im prägnanten, ursprünglichen sinne: ich begreife nämlich kaum, wie ihr (in Berlin) .. so viel genieszend, euch gränzenlos zerstreuend, doch .. auch wieder für's leben sorgen könnt Göthe IV 34, 129; so dasz die allgemeine .. sicherheit gränzenlos steigt Jung-Stilling 3, 438 Grollmann; ihrer (der phantasie) grenzenlos spielenden willkühr Voss antisymb. 2, 240; wo das adv. zum reinen steigerungswort wird, entsprechen die verba den substantiven unter 2 a: nur hat sie ... in der schwangerschaft gränzenlos gelitten Göthe IV 33, 240 Weim.; so werden sie mich vermuthlich gränzenlos verachten Pückler briefw. u. tageb. 1, 284; sag, athmet unter erdensöhnen einer, der feurig liebt und gränzenlos wie ich Schiller 1, 278; ich bin grenzenlos verliebt Bäuerle kom. theater 1, 28; wenn er (der schauspieler) sich der lage grenzenlos hingab Stifter 51, 151; diesz ist Antonio, dem ich so gränzenlos verpflichtet bin Shakespeare 4, 141; ähnlich neben dem adj.; auch hier ist das adv. in älterer zeit selbständiger und sinnhaltiger: ich seh', ich sehe meine schmerzen, gränzenlos dunkel, vor mir verbreitet Klopstock oden 1, 74 Muncker; beschaut man die krystallographie, stöchiometrische und elektrische chemie, so findet man diese in einander greifenden regionen gränzenlos unübersehbar Göthe IV 40, 265; bey der gränzenlos reichen bewegung des elements, worin du schwebst (der Berliner luft) IV 35, 146; später rein steigernd: grenzenlos unglücklich Schiller 14, 398; er war grenzenlos leidenschaftlich Büchner nachgelass. schr. 263; wenn wir nur nicht so grenzenlos eigensinnig wären Smidt mittheil. aus d. tagebuche eines nord. seemannes 6; grenzenlos beharrlich R. Wagner 1, 99; das war unserm freunde Leonhard grenzenlos gleichgültig Raabe Abu Telfan 3, 31; es wäre grenzenlos interessant Du Bois-Reymond grenzen d. naturerkennens (1873) 27. 44) die form grenzlos ist im 18. jh. ziemlich häufig; sie beschränkt sich wesentlich auf die ursprüngliche bedeutung 'ohne grenzen', in anwendung auf raum und zeit; hauptsächlich in poetischer sprache: (gott) der millionen von sonnen in den grenzlosen raum, als stralende funken, geschüttet Zachariae poet. schr. 4, 17; von der grenzlosen welt Wieland 2, 187 akad. ausg.; sein hier, sein dort ist grenzlos, ungestadet Brentano 6, 352; itzt .. wollen wir diesem gränzlosen meere einige tropfen entschöpfen Klopstock Messias (1780) 265; grenzloser ocean oden 2, 12 Muncker; so gränzlos, wie das meer, ist meine neigung Göthe 9, 198 Weim.; in die gränzlose weite Bodmer Noah (1752) 380; finsternisz und öde schlossen ihn grenzlos ein Kretschmann 2, 59; nie miszt der sichre mensch nach spannen seine zeit; fast immer nach dem maasz grenzloser ewigkeit Löwen schriften (1765) 1, 37; wer der Olimpischen überschaut grenzlos wol die zukunft! Sonnenberg Donatoa 1, 100; doch auch in prosa: in dem groszen beynah gränzlosen bezirke der wissenschaften Klopstock gelehrtenrepubl. 436; im weiten himmel und der gränzlosen erde Lavater physiogn. fragm. 1, 245; es ist die grenzlose, d. i. ungemessene zeit Herder 24, 517; auch im späteren 19. jh. durchaus noch im urspr. sinne, nicht rein steigernd 'maszlos': es ist .. so zu sagen eine grenzlose grenze Vischer ästhetik 1, 222; drauszen in den grenzlos weiten feldern war kein platz zum streiten Rückert (1867 ff.) 3, 98; nur selten und unsicher in dem jüngeren quantitierenden gebrauch nachzuweisen: gränzlose lebenspein fast, fast erdrückt sie mich Göthe 3, 295 Weim.; wie gränzlos ist mein glück! Ayrenhoff 1, 173; deutlich: welcher grausame spaszvogel hat sie denn .. veranlaszt, sich so grenzlos zu blamiren? Lassalle ausgew. reden u. schriften 2, 394. ganz vereinzelt grenzelos: und leuchte künftig ... gleich dieses erdballs sonne, bey tausenden des gränzelosen blauen äthers Ramler lyr. ged. (1772) 158. —
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grenzen+los

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grenzenlosigkeit

DWB

grenzen·losigkeit

grenzenlosigkeit , f. , im 18. jh. noch selten, entspricht meist der bedeutung 1 des adj., sowohl in eigentlichem, wie in übertragenem gebra…

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Cotta, M. (2026). „grenzenlos". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 12. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/grenzenlos/dwb?formid=G27589
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Cotta, Marcel. „grenzenlos". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/grenzenlos/dwb?formid=G27589. Abgerufen 12. May 2026.
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Cotta, Marcel. „grenzenlos". lautwandel.de. Zugegriffen 12. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/grenzenlos/dwb?formid=G27589.
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