grenzenlos,
adj. ,
seltener grenzlos (
s. u. 3);
in der 1.
hälfte des 18.
jhs. aufgekommen. 11)
zunächst in wörtlichem verstande: keine grenzen habend, unbegrenzt, unendlich. grenzenlos
vermischt sich im 18.
jh. im gebrauche weithin mit unbegrenzt (
s. d.),
während die jüngere sprache differenciert und für die in rede stehende verwendung unbegrenzt
hier und da hat vorrücken lassen. 1@aa)
bei räumlicher ausdehnung jeder art: dieser unendliche geist ist demnach in allen theilen des gränzenlosen raumes wesentlich zugegen Gottsched
neueste aus d. anmuth. gelehrsamk. 3, 591; sein blick durchspäht bald gränzenlose sphären Löwen
schriften (1765) 1, 101; (
die astronomischen entdeckungen) wandelten die erde .. in einen der kleinsten theile des grenzenlosen weltalls um Lotze
mikrokosmus 1, xi;
auch vom zeitraum: die lange gränzenlose zeit enthüllt was dunkel, und verbirgt, was strahlend ist
grafen Stolberg 14, 203; grenzenlose ewigkeit Lenz
ged. 178
Weinhold; in solche gränzenlose weiten wollen wir uns nicht verlieren Göthe 25, 180
Weim.; schaut in die gränzenlose ferne! J. A. Schlegel
verm. gedichte 1, 2; wie in unendlichen und gränzenlosen höhen der himmel lüfte sich in tausend wirbeln drehen Schwabe
belustigungen 4, 335; nun des entbundnen geistes schwingen durch dreyer himmel gräntzen-lose kreyse dringen Pietsch
geb. schriften (1740) 248; der plötzliche anblick des freien grenzenlosen himmels Eichendorff 2, 14; der wind verwehte seine worte in die grenzenlose luft 2, 210; siehst du den grenzenlosen äther Wieland
Lucian (1788) 2, 408;
das grund- und grenzenlose meer der ewgen liebe Brockes
ird. vergnügen 8, 8; den gränzenlosen ocean A. W. Schlegel 9, 17; Kublai Chan, der .. gränzenlose landstrecken beherrschte Göthe 7, 185
Weim.; grenzenlose schneegefilde Kotzebue
sämtl. dram. werke 4, 107; die sonne, die dieses gränzenlose reich (
Persien) erhellet
sammlung von schauspielen (
Wien 1764
ff.) 6,
Xerxes 1;
gern übertragen: du hast, o Gesner! in der brust ein gränzen-loses reich von lust Haller
ged. 113
Hirzel; soll gleich den freien geist, den der erhabne flug ins grenzenlose reich der möglichkeiten trug, die gegenwart mit strengen fesseln binden Schiller 11, 13;
der ersatz des adj. durch unbegrenzt
in dem schlagwort land der unbegrenzten möglichkeiten (
th. 11
3, 286)
illustriert die verschiebung im gebrauch dieser anfänglich ganz synonymen wörter; vgl. wenn jener die ganze grenzenlose welt des möglichen zu freyem gebrauch vor sich ausgebreitet sieht Wieland
Agathon (1766f.) 1, 196; der ältesten zeit, wo .. die weide grenzenlos war, lag (
als tauschmittel) nichts so nahe wie das heerdenvieh Mommsen
reden u. aufsätze 247;
physicalisch gesprochen: sie (
die materie) sey dicht oder locker; dunkel oder hell ...; klein oder gränzenlos
briefe d. neueste litter. betreffend 18, 163;
vgl.das mathematische unendliche ... sei eine grösze, deren grenzen .. immer weiter .. hinausgesetzt werden können, ohne jemals ganz aufgehoben zu werden und eine grenzenlose grösze zurückzulassen Mendelssohn 1, 216. 1@bb)
mannigfach übertragen: gebildet ist ein werk, wenn es überall scharf begränzt, innerhalb der gränzen aber gränzenlos ... ist Fr. Schlegel
Athenäum 1
2, 81; die grenzenlose wiederholbarkeit und erhöhung der zahlen Humboldt
kosmos 3, 12; wie soll ich hier als nur gezwungen schweigen, wo grenzenloser stoff die rede nährt Göthe 16, 279
Weim.; das fast gränzenlose fach der thierzergliederungskunde Sömmerring
bau d. menschl. körpers 2, xxiii; wer hätte es nicht erfahren, dasz eine grenzenlose ausbreitung seiner empfindungen diese nur schwäche Herder 13, 339; ausschweifungen, die er sich gränzenlos erlaubte Schubart
leben u. gesinnungen 1, 176; eine solche gränzenlose freiheit genosz sie (
die komödie) zu Athen Fr. Schlegel
pros. jugendschr. 1, 13
Minor; philosophen, welche von der grenzenlosen capacität und unersättlichkeit ihrer (
der seele) begierden so viel schönes zu sagen wissen Wieland
Agathon (1766f.) 1, 387; allerdings ist Faust ein mensch, der seine kraft für grenzenlos hält, weil sie grosz ist Hebbel I 9, 19; jene grenzenlosen projekte, durch die er (
Carl V.) Europa in bewegung gesetzt Zimmermann
über d. einsamkeit 1, 64; dasz es damals für unsere grenzenlosen wünsche noch grenzenlose hoffnungen gab Jean Paul 3, 82
Hempel; o könnt' er (
Cäsar) leben! all den kühnen gränzenlosen geist und nicht sein .. herz hingeben! Herder 28, 55;
auch von gott: (
gott) beginnt, begrenzt, beschränkt sich selber, gränzenlos zwar, und beginn- und endlos 16, 435; die welt .. ist gegen den .. gränzenlosen schöpfer ein .. sandkorn
allg. deutsche bibl. 28, 17;
eigen: noch eine gränzenlosere einsamkeit als die meine war Thümmel
reise 4, 127;
wohl zu verbinden mit beispielen wie grenzenlose einöde Ritter
erdkunde 2, 691; grenzenlose leere Mörike 3, 64
Göschen; das Venusbild ... sah ihn fast schreckhaft mit den steinernen augenhöhlen aus der grenzenlosen stille an Eichendorff 3, 120; die schläge eines beiles, die in der grenzenlosen stille nach der stadt hinüber schollen Storm (1899) 5, 207; die nacht hat etwas zauberisches .., so etwas grenzenloses, inniges, seliges Heinse 5, 5; über die .. schimmernde erde legte sich die grenzenlose nacht eines tiefern himmelblaues herüber Jean Paul 5, 59
Hempel. 1@cc) Göthe
hat eine ausgesprochene vorliebe für das wort und gebraucht es vielfach ganz ungewöhnlich: du würdest dich verwundern, die gränzenlosen fascikel zu sehen, die immerfort geheftet werden IV 33, 239
Weim.; die hügel .. zu einem grenzenlosen hopfenbaue benutzt III 8, 283; das gränzenlose spazierengehen I 41
1, 163; gränzenlose mordthaten waren im september (1792
in Frankreich) geschehen 33, 79; da bleibt kein rath als gränzenlose thränen 3, 25; die natur füllt mit ihrer gränzenlosen productivität alle räume
schr. d. Göthegesellsch. 21, 259; ob ich gleich überzeugt bin, dasz ich die farbenlehre wohl gegründet, so ist doch das aufbauen und nutzbarmachen gränzenlos IV 36, 74; verzeihen sie mir dasz ich nicht mehr sage, da ich unmittelbar ein gränzenloses detail vor mir sehe IV 42, 160; dasz die entschiedene übereinstimmung der machthaber die gränzenlose majorität der öffentlichen meynung wenigstens für dieszmal überwand IV 36, 61;
selbst in der elementaren anwendung auf den raum bei ihm bisweilen eigenartig: die wir breite und gränzenlose straszen .. zu erblicken gewohnt sind I 49, 170; dergleichen hängt in sälen reih an reihe fort, in sälen, gränzenlosen, wie die welt so weit
Faust II 9043;
gerade in dieser dichtung mehrfach: 6240. 6412. 10306;
vgl. ferner I 4, 286. 6, 35. 38, 105; II 1, 295. 6, 97; IV 25, 275. 28, 82. 29, 205. 1@dd)
das substantivierte neutr. gern poetisch: der adler strebt hinan ins grenzenlose Mörike 1, 140
Göschen ich sehe des meeres tosen, drüben im grenzenlosen durchbricht den nebel ein schiff Hebbel 6, 271;
übertragen: im gränzenlosen sich zu finden wird gern der einzelne verschwinden Göthe 3, 81
Weim.; aber laszt die wirklichkeit zurücke, reiszt euch losz vom augenblicke, und kein grenzenloses schreckt euch mehr Schiller 11, 59; dann aber wird die seele selig schweben im grenzenlosen über raum und zeit Freiligrath 4, 177;
in wendungen wie ins grenzenlose gehen, streben
auch prosaischer sprache gemäsz: 'man musz den schönen frauen nicht gar zu viel angewöhnen', sagte Goethe, 'denn sie gehen leicht ins grenzenlose' Göthes
gespräche 6, 15
Biedermann; der mann strebt seiner natur nach in's allgemeine und grenzenlose Spielhagen 2, 316; den dichter vor dem schweifen ins grenzenlose behüten Scherer
litt.-gesch. 427;
zu der jüngeren bedeutungsrichtung neigen: in auszerordentlichen krisen steigerte dieser druck (
militärischer requisitionen) sich .. oft ins grenzenlose Mommsen
röm. gesch. 2, 385; die ... nähe des kriegsschauplatzes steigerte .. die furcht ins grenzenlose
reden u. aufsätze 338;
auch in der umgangssprache: die frechheit geht einfach ins grenzenlose Hauptmann
weber (1892) 78. 22)
jünger ist die bedeutung: alle grenzen überschreitend, maszlos; rein quantitierend, mit starkem emphatischen gehalt, deshalb lieber attributiv als prädicativ; diese heute vorherrschende bedeutung hat sich erst ende des 18.
jhs. voll entfaltet; hier hat unbegrenzt
weichen müssen. 2@aa)
mit vorliebe von menschlichen leidenschaften und empfindungen: eine gränzenlose leidenschaft für äusseres ansehn Göthe 40, 234
Weim.; grenzenlose begierden nach reichtümern Wieland
Agathon (1766f.) 2, 86; grenzenlose herrschsucht Eichhorn
deutsche staats- u. rechtsgesch. 2, 55; ich kenn' ... deinen grenzenlosen ehrgeiz Meissner
Alcibiades 1, 87; gränzenloser stolz Bahrdt
gesch. s. lebens 2, 170; die grenzenloseste eitelkeit Forster 6, 65; ein gränzenloser geiz
M. J. Schmidt
gesch. d. Deutschen 4, 81; zuletzt war mein abscheu darüber gränzenlos Haller
restaurat. d. staatswissensch. 1, 69; ein gränzenloser hasz gegen Kotzebue Göthe IV 29, 29
Weim.; die grenzenloseste erbitterung unter dem mantel der demuth versteckend Mommsen
röm. gesch. 2, 27; liebenswürdig war es von diesem grenzenlosen leichtsinn, dasz er Gutzkow
ges. werke 4, 288; mit der ihm eigenen grenzenlosen willkür Welcker
alte denkm. 1, 59; des meisters erstarrung .. war um so grenzenloser Raabe
hungerpastor (1864) 1, 131; nach gränzenloser angst Göthe 24, 330
Weim.; der kardinal (
sei) in gränzenlose furcht gerathen Raumer
gesch. d. Hohenstaufen 4, 373; gränzenloser schmerz
theater d. Deutschen (1768
ff.) 18, 292; ihre sehnsucht, ihre wehmut überströmten sie grenzenlos A. v. Arnim 1, 172; der gränzenlose kummer Schiller 2, 169; sie schien in starrer ruh' am grenzenlosen jammer sich zu weiden Chamisso 4, 136.
wie bei schmerz
u. ä. besonders gern bei freude, liebe, vertrauen: mit gränzenloser freude Meissner
skizzen 2, 167; die bethörte seele flatterte in grenzenloser wonne umher Wieland 3, 76
akad. ausg.; gränzenlose lust Kind
ged. 5, 30; sein entzücken war grenzenlos Immermann 6, 101
Hempel; von den wünschen ihrer grenzenlosen liebe getäuscht Wieland
Agathon (1766f.) 1, 219; grenzenlose, treue zärtlichkeit Knigge
umgang m. menschen 2, 112; der gegenstand einer gar so demutsvollen und grenzenlosen weiblichen hingebung Keller 4, 57; die maasz- und gränzenlose schwärmerei für Byron Hebbel I 12, 178; doch fassen geister, würdig tief zu schauen, zum gränzenlosen gränzenlos vertrauen
Faust II 6118; ein mann, auf den ich ein grenzenloses zutrauen setzte H. L. Wagner
theaterstücke (1779) 22;
briefschlusz: ich ersterbe mit gränzenloser ehrfurcht Schubart
briefe 2, 128; der kammerherr .. stammelte etwas von seinem gränzenlosen respekt Alexis
ruhe ist die erste bürgerpflicht (1852) 1, 336; frau von Berkows güte, die grenzenlos ist Spielhagen 1, 123; ihre güte, sir, und ihre freundschaft waren immer gränzenlos für mich Klinger
werke 1, 249; laut und gränzenlos war die dankbarkeit des geretteten Niebuhr
röm. gesch. 2, 319; ich musz mich auf gottes gränzenloses erbarmen ... verlassen Lavater
verm. schr. 2, 88; ich empfand ein grenzenloses mitleid mit Anna Keller 1, 419.
sehr viel seltener von menschlichen eigenschaften: den ruhm ... einer grenzenlosen redlichkeit Heinse 3, 287
Schüddekopf; grenzenlose rührigkeit Mommsen
röm. gesch.4 3, 13; man setze in einem gemüth .. die reizbarkeit der seele so gränzenlos, dasz Fr. Schlegel 4, 125; wiewohl eben seine grenzenlose gravität ihm beinahe noch ein komischeres ansehen gab E. Th. A. Hoffmann 11, 108;
häufig nur in fällen wie: beobachtung der menschen und ihrer grenzenlosen thorheit S. v. Laroche
frl. v. Sternheim (1771)
vorr. viii; in ihrer grenzenlosen unwissenheit Droste-Hülshoff
br. an Levin Schücking 194;
vgl.erst sagen sie den damen so gränzenlose sottisen Meisl
theatral. quodlibet 2, 155; den grenzenlosen unsinn R. Wagner 9, 184. 2@bb)
auch von zuständen, und zwar bevorzugt das adj. hier sehr stark substantiva einer ganz bestimmten, negativen bedeutungsrichtung: das innere gränzenlose unglück einer stadt Göthe 33, 294
Weim.; gott! so gränzenlose noth verhängst du über uns! 9, 445; die kurfürsten, von der gränzenlosen noth des vaterlandes gerührt Hebbel I 9, 196; ohne Emma lag ein grenzenloses elend vor ihm Tieck
schriften 8, 342; mein leichtsinn hatte mich in eine grenzenlose verlegenheit gestürzt Bauernfeld 4, 28; eine grenzenlose verwirrung Varnhagen v. Ense
tagebücher 6, 242;
dies sehr häufig; unsere ekeln sitten zeugen oft nur von ihrem grenzenlosen verderben Forster 3, 300; eine grenzenlose verwüstung Fontane I 1, 281; die gränzenloseste vernachlässigung der sprache
deutsches museum hg. von Schlegel 2, 266; die grenzenlose nichtigkeit der oligarchen Mommsen
röm. gesch. 2, 374; die grenzenlosen betrügereien, die überall verübt wurden Kerner
bilderbuch (1849) 61;
bei andersartigen substantiven selten, auszer macht, gewalt
u. ä.: jene überaus grosze ..., ja fast gränzenlose macht der päbste
M. J. Schmidt
gesch. d. Deutschen 2, 471; (
die fürsten) glaubten durch diesen kunstgriff sich einer gränzenlosen gewalt zu versichern Schiller 4, 90; die vorrechte der jesuwiderischen zwingschaft waren .. unzählig, grenzenlos und glanzvoll Jahn 2, 550
Euler; den gränzenlosen aufwand H. Meyer
gesch. d. bild. künste 3, 195; eine grenzenlose fülle von schönheit Grimm
Michelangelo 1, 417; auszerdem hat er (
Mozart) ... in vielen ... privathäusern mit dem grenzenlosesten beifall gespielt Jahn
Mozart 4, 470. 33)
das adverbium bei älteren noch im prägnanten, ursprünglichen sinne: ich begreife nämlich kaum, wie ihr (
in Berlin) .. so viel genieszend, euch gränzenlos zerstreuend, doch .. auch wieder für's leben sorgen könnt Göthe IV 34, 129; so dasz die allgemeine .. sicherheit gränzenlos steigt Jung-Stilling 3, 438
Grollmann; ihrer (
der phantasie) grenzenlos spielenden willkühr Voss
antisymb. 2, 240;
wo das adv. zum reinen steigerungswort wird, entsprechen die verba den substantiven unter 2 a: nur hat sie ... in der schwangerschaft gränzenlos gelitten Göthe IV 33, 240
Weim.; so werden sie mich vermuthlich gränzenlos verachten Pückler
briefw. u. tageb. 1, 284; sag, athmet unter erdensöhnen einer, der feurig liebt und gränzenlos wie ich Schiller 1, 278; ich bin grenzenlos verliebt Bäuerle
kom. theater 1, 28; wenn er (
der schauspieler) sich der lage grenzenlos hingab Stifter 5
1, 151; diesz ist Antonio, dem ich so gränzenlos verpflichtet bin
Shakespeare 4, 141;
ähnlich neben dem adj.; auch hier ist das adv. in älterer zeit selbständiger und sinnhaltiger: ich seh', ich sehe meine schmerzen, gränzenlos dunkel, vor mir verbreitet Klopstock
oden 1, 74
Muncker; beschaut man die krystallographie, stöchiometrische und elektrische chemie, so findet man diese in einander greifenden regionen gränzenlos unübersehbar Göthe IV 40, 265; bey der gränzenlos reichen bewegung des elements, worin du schwebst (
der Berliner luft) IV 35, 146;
später rein steigernd: grenzenlos unglücklich Schiller 14, 398; er war grenzenlos leidenschaftlich Büchner
nachgelass. schr. 263; wenn wir nur nicht so grenzenlos eigensinnig wären Smidt
mittheil. aus d. tagebuche eines nord. seemannes 6; grenzenlos beharrlich R. Wagner 1, 99; das war unserm freunde Leonhard grenzenlos gleichgültig Raabe
Abu Telfan 3, 31; es wäre grenzenlos interessant Du Bois-Reymond
grenzen d. naturerkennens (1873) 27. 44)
die form grenzlos
ist im 18.
jh. ziemlich häufig; sie beschränkt sich wesentlich auf die ursprüngliche bedeutung '
ohne grenzen',
in anwendung auf raum und zeit; hauptsächlich in poetischer sprache: (
gott) der millionen von sonnen in den grenzlosen raum, als stralende funken, geschüttet Zachariae
poet. schr. 4, 17; von der grenzlosen welt Wieland 2, 187
akad. ausg.; sein hier, sein dort ist grenzlos, ungestadet Brentano 6, 352; itzt .. wollen wir diesem gränzlosen meere einige tropfen entschöpfen Klopstock
Messias (1780) 265; grenzloser ocean
oden 2, 12
Muncker; so gränzlos, wie das meer, ist meine neigung Göthe 9, 198
Weim.; in die gränzlose weite Bodmer
Noah (1752) 380; finsternisz und öde schlossen ihn grenzlos ein Kretschmann 2, 59; nie miszt der sichre mensch nach spannen seine zeit; fast immer nach dem maasz grenzloser ewigkeit Löwen
schriften (1765) 1, 37; wer der Olimpischen überschaut grenzlos wol die zukunft! Sonnenberg
Donatoa 1, 100;
doch auch in prosa: in dem groszen beynah gränzlosen bezirke der wissenschaften Klopstock
gelehrtenrepubl. 436; im weiten himmel und der gränzlosen erde Lavater
physiogn. fragm. 1, 245; es ist die grenzlose,
d. i. ungemessene zeit Herder 24, 517;
auch im späteren 19.
jh. durchaus noch im urspr. sinne, nicht rein steigernd '
maszlos': es ist .. so zu sagen eine grenzlose grenze Vischer
ästhetik 1, 222; drauszen in den grenzlos weiten feldern war kein platz zum streiten Rückert (1867
ff.) 3, 98;
nur selten und unsicher in dem jüngeren quantitierenden gebrauch nachzuweisen: gränzlose lebenspein fast, fast erdrückt sie mich Göthe 3, 295
Weim.; wie gränzlos ist mein glück! Ayrenhoff 1, 173;
deutlich: welcher grausame spaszvogel hat sie denn .. veranlaszt, sich so grenzlos zu blamiren? Lassalle
ausgew. reden u. schriften 2, 394.
ganz vereinzelt grenzelos: und leuchte künftig ... gleich dieses erdballs sonne, bey tausenden des gränzelosen blauen äthers Ramler
lyr. ged. (1772) 158. —