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glätte

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

glätte f.

Bd. 7, Sp. 7740
glätte, f. , älter glett, glet, n. und f., mnd. glad, glat, n., und glede, f., lithargyrum, bleioxyd, blei- (silber-, gold-) glätte. schwierigkeiten bereitet die herleitung und die von 1glätte weithin getrennte formgeschichte des wortes.zufrühest mnd. bezeugt, als glat, n.: ein vas gladdes (in Wismarer urk. 1279/85) mecklenburg. urk.-buch nr. 2711; dedimus vor glad 5 ℔ 5 D (baurechnung v. j. 1375) Koppmann kämmereirechn. der stadt Hamburg 1, 211; vgl. 2, 323; item 2 β vor eynen sack, dar me dat glat inne halen scholde (1453, in ausgaberegistern für den rathausbau zu Hannover) zs. d. histor. ver. f. Niedersachs. (1879) 262; 4 β ... vor glat to vorende van Lüneborch ebda 269 (vgl. im gleichen zusammenhang vor glassur to dem steyne ebda 260, to gleysurende den steyn up dem teygelhove ebda 261); vgl. ebda 264; 276; 277. es handelt sich hier offenbar immer um verwendung von bleiglätte zum glasieren von backsteinen (vgl. noch vor 1 dusent grotenn murstein vor glatth a. d. j. 1579, im staatsarchiv Hamburg, mitgeteilt vom hamburg. wb.-archiv, ferner: 2 ℔ Mathie latrifici certos quadratos to vorgledende [1465] Koppmann a. a. o. 2, 248), und die benennung wäre von glatt A 'glänzend' aus ohne weiteres verständlich (über nd. glede, f., sieh unten). im späten 15. jh. begegnet nd. gledt: sclaggen effte gledt edder ander guth, so uth dem berge komen mach (Goslarer bergrecht von 1494) Th. Wagner corpus juris metallici (1791) 1035; diese form, als gledt, glet, glett im hd. die früheste, wo das wort freilich erst seit dem 15. jh. sicher und häufiger zu belegen ist. (die vereinzelte frühere notierung glett bei Ch. Schmidt elsäss. wb. 149b für 1322 in Straszburger urkunden ist a. a. o. nicht auffindbar.) auch noch im 16. und 17. jh. hat sie vor den zweisilbigen formen den vorrang und begegnet gelegentlich noch im 18. jh. (s. die belege unten und bei silberglätte, goldglätte, vgl. auch Frisius: glett lithargyrum [1556] 776a neben glette politura 1016a, dgl. Maaler [1561] 184c; Calepinus XI ling. [1598] 829b und 836b). das geschlecht von hd. glett, erst seit dem späten 16. jh. erkennbar, schwankt zwischen n. und f.: desz gletts Wirsung artzneyb. (1588) reg.; das goldglett Bech Agricola (1621) 82; das glett scoria ferri Stieler (1691) 664; Kramer 1 (1700) 537a u. ö., elsäss. glätt, n., Martin-Lienhart 1, 263a; schweizer. glätt (ohne genusangabe) Staub-Tobler 2, 654 neben glätti, glästi; auch das nl. glit, glid ist n. als fem. im md. des späten 16. jhs.: die glet Mathesius Sarepta (1571) vorr. 1a; von der gledt Ercker beschr. aller miner. ertzt (1580) 12b, daneben jünger lexikalisch: goldglett, f., Kramer 1 (1700) 546b; silberglett, f., Frisch (1741) 2, 273b. inwieweit unter den frühen einsilbigen glett-formen apokopierte feminine glette-formen zu suchen sind, ist nicht auszumachen, da die belege nicht vor ende des 16. jhs. sichere auskunft über das geschlecht geben; auszerdem ist zu beachten, dasz die femininen glett-formen vorwiegend im nichtapokopierenden md. gebiet begegnen, nur vereinzelt im obd. die glett Paracelsus op. (1616) 1, 42A; vgl. auch 1, 904B. in der komposition singuläre formen mit -i-: sylberglit, -glied (hd. 1485, mit niedersächs. einschlag) Diefenbach n. gl. 237b, goldglid oder gled Fischart onomastic. (1574) 1, 20; zu nl. glit, glid vgl. woordenboek 5, 124; v. d. Meer hist. gram. d. ndl. spr. 1, 212. mit dehnung: gleet, silbergleet Reyher thesaurus (1668) 4125; gleet Marperger kaufmannsmagazin (1708) 539. — das zweisilbige fem. erscheint ebenfalls zufrühest auf nd. boden: nym glede 1 ℔ (1468) hamburg. barbierrolle II 4, 2; nym ... 1 lot glede unde rosenolyes darto d. Gothaer mnd. arzneibuch 198 Norrbom (weitere belege aus Wolfenbütteler manuscr. bei Schiller-Lübben 2, 118, dazu mnl. glede, f., Verwijs-Verdam 2, 1992; bei Kilian als 'germ. sax. sicam.' bezeichnet, dict. [1605] 153a), im unterschied zu mnd. glat, gladdes (s. o.) immer von der zu heilzwecken verwendeten bleiglätte. im hd. begegnen zweisilbige formen zufrühest im westl. obd. des 16. jhs.: goldglette Gersdorff wundarzney (Straszburg 1517) 51b (neben glett ebda 92a); glette Thurneysser archidoxa (1575) 54; glette Golius onomastic. (Straszburg 1579) 68, im 17. jh. auch md.: rötlichte glette C. Schwenckfeldt stirpium et fossilium Silesiae catalogus (1600) 383; glette Bapst v. Rochlitz wacholdergarten (1605) 246, so noch neben der form glätte (s. u.) bis ins späte 18. jh.: silberglette musenalmanach für d. j. 1781 (Hamburg) 48 Voss-Goekingk; glette litargirio del piombo Jagemann dt.-ital. (1799) 529, neben glätte litargiro d'oro ebda 524. das bei 1glätte schon seit dem 17. jh. allein gültige ä des stammvokals begegnet bei 2glätte zunächst ganz vereinzelt in goldglät O. Gäbelkover artzneyb. (1595) 1, 132, silberglät Corvinus fons lat. 1 (1660) 111a, häufiger in den zweisilbigen formen des 18. jhs. und kann erst seit ende des 18. jhs. als die normale, mit 1glätte identische und zusammengehörig empfundene form gelten. nur für 2glätte sind seitenformen mit rundung des stammvokals zu -ö- im md. des späten 16. bis 18. jhs. bezeugt, die dort zeitweise das übergewicht gewinnen: glöt Mathesius Sarepta (1571) 223b; glött J. Walther pferdezucht (1658) 58; silbergelöth Hohberg georg. cur. (1682) 2, 232a; goldglöte Hübner curieuses lex. (1714) 703; glöthe Minerophilus bergwerkslex. (1730) 298; goldglötte Lichtenstein entdekte geheimn. (1778) 192. gelegentlich als zusammenziehung aus gelöte von lot 'blei' miszverstanden und mit diesem durcheinandergeraten, vgl. Frisch (1741) 1, 624b; Adelung versuch (1774) 2, 696, wonach die teil 4, 3052 unter gelöte 2 aufgeführten belege aus Hohberg hierher zu setzen sind. die zugehörigkeit von mnd. glat, gladdes, n., zu glatt dürfte auszer zweifel stehen. nicht gesichert ist die annahme, dasz 2glätte an afrz. glette, f., anzuschlieszen und als spätere volksetymologische anpassung an 1glätte aufzufassen sei (so Gamillscheg 471, Meyer-Lübke [1935] 3780), während Diez 599 umgekehrt das frz. glette als lehnwort aus dem deutschen 2glätte ansetzt, so auch Franck-v. Wijk etym. wb. 202b das ndl. glit, glid. doch bleibt die frühe bezeugung des frz. glette (12. jh.) und seine bedeutung 'geifer, schaum' zu beachten, besonders angesichts deutscher glossen wie litargirum ... schum, glet, argenti spuma silberglette u. ä., s. u. glätte, lithargyrum ist das beim abtreiben silberhaltiger bleierze sich abscheidende, zunächst flüssig-schaumige, dann kristallinisch erstarrende bleioxyd, das auch bleiglätte, silberglätte (s. teil 10, 1, 1007), goldglätte heiszt. in der älteren bezeugung neben diesen und weiteren benennungen: litargirum sindterstain, schum, glet (1482) Diefenbach 333b; auricalcus (i. spuma auri) goltschaum o. -fein o. glett o. silber (1482) ebda 61c; cathismia heiszet zugleich silberschaum oder glette, und andern sinder oder sindelstein Bapst v. Rochlitz wacholdergarten (1605) 246; lithargyrium, λιθάργυρος, argenti spuma silberglette, silberschaum, goldglette, rötlichte glette, bleiglette, bleischaum C. Schwenckfeldt stirpium et fossilium Silesiae catalogus (1600) 383. die schon im letzten beleg angedeutete bestimmung nach der farbe begegnet namentlich im jüngeren gebrauch (s. dazu auch teil 10, 1, 1007): sie (die bleiglätte) ist theils blaszgelb (gelbe glätte, silberglätte), theils grünlichgelb (grüne glätte), theils, wenn sie etwas rothes bleioxyd enthält, rothgelb (rothe glätte, goldglätte) Prechtl technol. encycl. (1830) 2, 359; man unterscheidet: gelbe glätte, auch silberglätte genannt, grüne glätte, rothe glätte, auch goldglätte genannt, und schwarze glätte Mothes ill. baulex. (1882) 2, 467; unter schwarzer glätte begreift man die in abstrich übergehende unreine glätte vom anfange der glätteperiode beim abtreiben Muspratt chemie (1888) 1, 1654. mit beziehung auf den treibprozesz: es (das blei) fleust aus dem treibherd und wird glet oder silberstein, wie es die Grecken nennen Mathesius Sarepta (1578) 101b; glette ist eine schwere gelblichte materie, so sich im abtreiben von silber abgibt, wird auch silberschaum genennet G. Junghans gräublein ertz (1680) c 2d. dazu glätte anfrischen, d. h. durch ein reduzierendes schmelzen in blei zurückverwandeln (s. u. glättfrischen): darnach treibt man das blei ab und frischt herdt und glet wieder an Albinus meisznische bergkchronica (1590) 113. bildlich: gott wOelle die lere treiben und die glet und wildigkeit darvon abscheiden Mathesius Sarepta (1571) vorr. 1a; ebda 223b. glätte als fertigprodukt in mannigfacher verwendung und ausnutzung. als zuschlag beim scheiden von metallen und schmelzen von erzen: die scheydung der metallen ... mag in vielerley weg geschehen, nemlich durch ... anfrischung mit etlichen fluszpulvern, als da ist sal alcali, glett, geflossen saltz Paracelsus op. (1616) 1, 904 H.; in manglung ... desz quecksilbers, mOecht man den reinen ... goltschlich, mit gekOerntem bley, glOet und bleyglasz ... in einem windtofen rein und wol flieszen ... lassen L. Ercker beschr. aller mineral. ertzt (1580) 49a. in der medizin seit alters als äuszerlich gebrauchtes heil- und reinigungsmittel. für ein heilwasser gegen hautfäule gebraucht: wildu nu machen daz erst wazzer ... so nym aynz daz hayzzet lytasirum (wohl lithargyrum) oder lyteriorum, daz ist glett, und stoz daz in aynem marsaer gar chlayn (15. jh.) Wiener arzneibuch in: sitz.-ber. d. Wiener akadem. phil.-hist. kl. 71, 546. zur herstellung von heilpflaster und -salben: emplastrum apostolicum nym gleden unde stot in eynen mosere al dor cleyne ... nym goltgleden, dat is de beste eder sulvergleden, kanstu der goltgleden nicht ghehebben aus Wolfenbütt. mscr. bei Schiller-Lübben 2, 118a; nim alun, weydesch und glett und brenn die undereinander und stosz sye zuo pulver und sAeg disz in die wunden (bei 'gliedwasser') Gersdorff wundarzney (1526) 34a; dann mumia ist der mensch selbst: mumia ist der balsam, der die wunden heilt: der mastix, die gummi, die glett ec. vermögen nicht ein tropffen fleisch zu geben Paracelsus op. (1616) 1, 42 H.; vor die hitzblattern im gesicht ... eine untze campher, so viel lebendigen schwefel, eine halbe untze glAette und eben so viel rothe myrrhen allg. haush.-lex. (1749) 1, 84b. in der keramischen industrie zu schmelz und glasur verwandt: glet oder silberstein ... die tOepffer verglasieren ire geschirr darmit Mathesius Sarepta (1578) 101b; 102a; glätte 'das bekannte bleioxid, welches zur töpferglasur verwendet wird' Scheuchenstuel id. d. österr. berg- u. hüttenspr. (1856) 105; daher direkt für glasur: diese (gefäsze) waren von einer weiszen glAete berglAeset Lohenstein Arminius (1689) 2, 763b; schweiz. id. 2, 654. als klebstoff gebraucht: mit ... glycerin ... angeriebene glätte giebt einen ... kitt Muspratt chemie (1888) 1, 11. zusammensetzungen mit 2glätte als erstem bestandteil, fast ausschlieszlich substantiva, meist ohne -e, seit dem 19. jh. auch mit -e in der fuge, treten schon im 16. jh. nicht selten, in zunehmendem masze seit dem 19. jh. auf. bedeutungsmäszig beziehen sie sich teils auf den treibprozesz, so glättauge, glättebildung, -haut, -periode, -rand, glättschicht u. ähnl.; teils auf vorrichtungen am treibherd wie glättgasse, -haken, -loch, -strasze u. a. gelegentlich auch auf weitere verwertung oder vertrieb der glätte bezogen: glättblei, -faktor, -fäszel, -frischen. im übrigen sieh an alph. stelle.
11496 Zeichen · 310 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Glätte

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Die Glätte , plur. inus. außer in der zweyten Bedeutung von mehrern Arten, plur. die -n. 1) Die Eigenschaft eines Körper…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Glätte

    Goethe-Wörterbuch

    Glätte 1 absolut ebenmäßige, makellose Beschaffenheit; auch von ästhet Wirkung a konkr, von natürl od bearbeiteten (Ober…

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Glätte

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Glätte , soviel wie Bleiglätte, s. Bleioxyd .

  4. modern
    Dialekt
    Glätte

    Rheinisches Wb. · +1 Parallelbeleg

    Glätte glęt [NBerg -də ] Sg. t. f.: nach dem Nhd. In der WEif heisst die Gl.seite des Tierfelles de Gl. (-E-).

  5. Spezial
    Glätte

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Glät|te f. (-) 1 lize m. 2 (Rutschigsein) lize m. 3 (Gewandtheit) eleganza (-zes) f.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit glaette

17 Bildungen · 8 Erstglied · 7 Zweitglied · 2 Ableitungen

glaette‑ als Erstglied (8 von 8)

glätteisen

DWB

glaett·eisen

glätteisen , n. , älter auch glatteisen, ein glattes eisernes instrument zum glätten, zu verschiedenen anwendungsbereichen dieses wortes. in…

glätteloch

DWB

glaette·loch

glättloch , glätteloch , n. , öffnung am treibherd, s. auch glättgasse : in das glättloch wird eine rinne, die glättgasse, eingeschnitten Mu…

glätten

FWB

1. ›etw. (eine Unterlage) glätten, mit einem Handwerkszeug glatt machen‹; ütr. auf Personen: ›jn. durch Folter unempfindlich machen‹; mit Ve…

glättenblau

DWB

glaetten·blau

glättenblau , n. , zu 2 glätte, ' mit glätte gefirnisztes blau ': der vordergiebel ist mit gefirnisten oder glettenblau angestrichen staat d…

glätterin

DWB

glaett·erin

glätterin , f. 1) wie glätter 1, als berufsbezeichnung: glätterinn foemina laevigans Stieler (1691) 663 ; ' plätterin ' schweiz. id. 2, 654.…

glättern

DWB

glat·tern

glättern , vb. , sich glänzend aufputzen, schmücken, iterative weiterbildung zu glätten: ( die frauen ) schminken, poliren, glentzern und gl…

glaette als Zweitglied (7 von 7)

goldglätte

DWB

gold·glaette

goldglätte , f. , älter auch n., vgl. 2 glätte teil 4, 1, 4, sp. 7740 f. name für ein rötliches bleioxyd, die bleiglätte, vgl. goldglätte No…

kaufglätte

DWB

kauf·glaette

kaufglätte , f. im hüttenbau, glätte für den kauf, handel, verkauf bestimmt, unterschieden von frischglätte. s. kaufblei, kaufschwefel.

schichtglätte

DWB

schicht·glaette

schichtglätte , f. im hüttenbau die glätte, welche in einer schicht, das ist auf einmal von dem blickenden silber abgezogen wird. Adelung.

silberglätte

DWB

silber·glaette

silberglätte , f. silberartige glattheit, concreter anwendung nahekommend mit gen. des gegenstandes: er ( der winter ) macht die welt zur gr…

Ableitungen von glaette (2 von 2)

unglätte

DWB

unglätte , f. , mangel an glätte; holperigkeit: L. Schücking einl. zu Droste - Hülshoff 1, 39 . die übertragenen bedd. können wie bei uneben…