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schlamp

nhd. bis sprichw. · 8 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
Anchors
10 in 8 Wb.
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

schlamp m.

Bd. 15, Sp. 434
schlamp, m. oben wurde vermutet, dasz schlamm eine md. umformung des hochd. schlamp sei; letzteres begegnet gewöhnlich nicht in der bedeutung von schlamm, so dasz neben der differenzierung der form eine sinnesscheidung angenommen [] werden musz. vereinzelt ist für schlamp diese bedeutung bezeugt, so aus Preuszen: schlamp, schlamm, straszenschmutz, flüssiger kot (daneben: schleim im halse) Frischbier 2, 281a. schlamp ist wol als ableitung des verbums schlampen zu fassen. die bedeutung 'gierig, geräuschvoll, nach hundesart schlürfen' (Schm. 2, 523) ist als die ursprüngliche und der lautgestalt des wortes entsprechende anzusehen, sodasz sich schlampen seiner bildung nach dem norddeutschen schlabbern vergleicht; wie das hiervon abgeleitete schlabber auch eine schlammige mischung, z. b. von schmutz und schnee (schneeschlabber) bezeichnen kann, so ist auch die für schlamp von Frischbier a. a. o. bezeugte bedeutung als eine in entsprechender weise abgeleitete anzusehen, die in schlamm festgehalten wurde. bemerkenswert ist auch das verhältnis von schlick, schlamm, feuchter bodensatz und schlicken (vgl.schlecken, schleckern), leckend schlürfen, das dem hier angenommenen von schlamp (schlamm) zu schlampen völlig gleich ist. bei einem der bildung schlampen nahestehenden (vgl.schlampampen) worte bampen, pampen, mit vollen backen kauen, schlingen findet sich eine schlamp parallele bildung pamp oder pamps, das eine breiige masse bezeichnet. der übertritt von schlampen in den sinn von schlapp und nachlässig herabhängen (davon schlamp, nachlässiger unreinlicher mensch, schlampen, m. lumpen, schlampe, schmutzige, nachlässige weibsperson) erklärt sich aus jener ursprünglichen bedeutung 'schlürfend, schleppend essen' ungezwungen: in der zu schlabbern gehörigen wortgruppe zeigt sich dieser übergang bei schlabbrig, wenn es nachlässiges, schlaffes, welkes wesen bezeichnet. die form des wortes schlamp schwankt in den mundarten, es tritt umlaut ein, s wird angefügt (schlamps), das wort tritt in die schwache declination über. 11) sehr häufig in älterer sprache im sinne von schwelgerei, gelage, völlerei, leckerei, guter bissen: schlamp, comessatio; zu einem schlamp laden, esum vel comissatum vocare. voc. von 1618 bei Schm. 2, 524. aus der übersetzung des Columella von Herr (1538) belegt bei Weigand4 2, 581; nun heten die zwei alten leut in vil jaren kein kirchwei, kindtauf, oder gastung, da der pfaff ein schlamp von haben möcht. Eulensp. 67 (s. 105 neudruck); nit der wenigest im kartenspiel, der dem schlamp auch nach wandlet. Zimm. chron.2 2, 560, 35; (ihr) richtet dem kriegszgott einen kirchenschlamp an, und opffert dem Meni tranckopffer. Mathesius Sar. 30a (nach Jes. 65, 11); teglich in schlamp und überflusz ligen, volsaufen, sich frech und gar zu köstlich kleiden. hist. Christi (1579) 1, 94a; und ist das noch ärger, dasz er zu seinem schleck und schlamp Sanct Paulum anzeucht. Bebel (1589) 78a; also das kein schlamp dem andern weichen kan. Fischart Garg. 52a; vilweniger acht er den cynischen hundsschlamp, das ist, ein malzeit ohn wein. 44a; de virtute in virtutem, von eim schlamp zu dem andern, ein tag fünff mal gezehrt und auszgelehrt. 44b; bei einem guten schlamp und wolleben. podagr. trostb. C 3a; so denn das heer ein ende, und sie desz schlamps und frasz gewont, geben sich hernach weiter in gefahr, setzen vorigem leben nach. Fronsperger kriegsb. 1, 98b; ein guter zechbruder, so alwegen gern bey dem schlamp sein zeit vertrib. Wickram rollw. 155 (ausgabe von 1557, vgl. oben schlamm 4); damit ja mein weibgen nicht verhindert würde, uns mit einem guten schlamp zu verehren. Simpl. 4, 48 Kurz; weil er nun sahe, dasz er manchen schlamp dardurch bekam. 227, 23; dein bauch nu auch zum schlamp begert. Grobian. 603 neudruck; mit solchem schlamp dich zu erneren. H. Sachs 1 (1558), 523d; hat er kein gelt, dasz er sich schmieg, nicht allem schlamp und genesch oblieg. 2 (1591), 4, 90d; welcher ist vor sein tag allwegen in unzucht, spil und schlamp gelegen. 83c; in allem schlamp so wil er sein. 4 (1578), 3, 35c; bey dollem schlamp zuo vollen brüdern. Fischart 3, 27, 705 Kurz; o weren unser kammern voll, unser kasten gespeiset wol, daraus man auftrüg haufenweis zu täglichem pracht schlamp und speis. 3, 191; (ein wolf spricht) hab ich gleich nit all tag voll auff, bisweilen ich doch ein wild erlauff, halt ich einsmals einen guten schlamp, ein hund, ein schaff, oder ein lamb. Eyering 2, 623. schwacher plur. schlampen: cellenfahrten, refenter-schlampen. Fischart Garg. 188a; inn was schlampen. 47b; von den schlampen. 48a. in mundartlicher sprache ist das wort noch lebendig [] (vgl.geschlamp), im hess. für den schmaus bei kindtaufen u. ä. Kehrein 348; schlampes, leichenschmaus Pfister 252. die umgelautete form schlämp, die O. Böhme in der Germ. 28, 401 aus Keisersberg beibringt, gehört nicht hierher, sondern bezeichnet den theil des gürtels, der in die schnalle gesteckt wird; vergl. Frisch 2, 196c (übrigens steht bei Keisersberg a. a. o. schlempt). im fränkischen wird das dim. das schlämpla von einem vortheil gebraucht, 'der nebenbei, oft nicht ganz rechtmäszig an einem amt oder geschäft hängt'. Frommann zeitschr. 6, 169, 4; es ist doch wol zunächst an schlamp guter bissen, leckerei zu denken, von dieser vorstellung aus ist der übergang zu dem begriff 'kleiner vortheil' leicht zu erklären. sprichwörtlich: es ist kein ämptle, es hat auch ein schlämple. Schmid 623, vgl. Frommann zeitschr. 6, 169, 4; ämptle schlemple Franck sprichw. 1, 77b. 22) bair. mit übertritt in die schwache declination der schlampen, der lumpen, fetzen; bauchschlampen ist das lockere fleisch vom untern bauch. Schm. 2, 524; der schlampen, ein stück fleisch Schöpf 615. schlemp'm, fetzen, weggerissenes stück, auch das so entstandene loch; ein groszes stück fleisch, brot Hintner 220. eine schlampwunde ist eine lappenwunde, die man heften musz. Schm. 2, 524; wo auch sonst an einem andern theil desz leibes ... ein groszer schlempen (wie ich es nenne) heraber lampet, welches von mir ein schlempwunden geheiszen wirdt. Würtz wundartzney (1612) 8, vgl.schlampen, lose herabhängen. tirol. die schlamp, der schlampen, der schlamp Schöpf 615. schweiz. der schlämpe, fetzen, zerrissener, herunterhangender lappen; einen schlämpen an einem nagel reiszen. auch der milchrahm wird schlämpe genannt, ebenso geronnenes blut; im plur. bezeichnet das wort das herabhängende ende einer masche. Seiler 254b. der schlampen, lappen, sauglappen der kinder; scherzhaft für tabakspfeife Hartmann-Abele volksschauspiele 596. 33) im würtembergischen ist der schlamp die weite schleppe des frauenrocks (vgl.schlampe, schleppe). Schmid 464: sie fiel recht artig, sagt die gnädige tante, recht gustös sur mon honneur (und spreitet ihren damastenen schlamp weit aus). Schiller 2, 6; fallen auf die knie, damit sie ja ihren schlamp ausbreiten können. räuber 1, 2 schauspiel; schweiz. schlämpirok ist ein lose herabfallender weiberrock Seiler 254b. der schlampen, stück eines weiten kleides (Tirol) Frommann zeitschr. 3, 459, vgl. Schöpf 615. 44) schlamp, unreinlicher, unordentlicher, nachlässiger mensch. schweiz. schlamp, schlampi Hunziker 221. Seiler 254b; der schlampe Lexer 219; der schlamp (auch von einem der schlotternde kleider trägt) Höfer 3, 90. Kehrein 348 führt auf schlamp, schlampes, schlampch (schlampich Pfister 252), schlampel, schlamm, schlammer, schlamper als bezeichnung eines besonders im anzuge unreinlichen, nachlässigen menschen. bei Schmidt 186 schlampes, schlamps Spiesz 214; das geschlamp, unordentliches gesindel Höfer 3, 90. s. schlampe und schlumpe.
7714 Zeichen · 127 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    schlampm.

    Grimm (DWB, 1854–1961) · +2 Parallelbelege

    schlamp , m. oben wurde vermutet, dasz schlamm eine md. umformung des hochd. schlamp sei; letzteres begegnet gewöhnlich …

  2. modern
    Dialekt
    Schlamp

    Elsässisches Wb. · +5 Parallelbelege

    PfWB LothWB RhWB Schlamp [ʿSlàmp Tagolsh. Gebw. Su. Katzent. Z. Lobs. Dehli. ; ʿSlòmp Wh. ; Demin. ʿSlamplə Hlkr. ] f. 1…

  3. Sprichwörter
    Schlamp

    Wander (Sprichwörter)

    Schlamp 1. Et äs en Schlamp. ( Siebenbürg.-sächs. ) – Frommann, V, 36, 83. Sie ist eine schmuzige, plumpe Person. 2. Von…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit schlamp

165 Bildungen · 154 Erstglied · 7 Zweitglied · 4 Ableitungen

Zerlegung von schlamp 2 Komponenten

sch+lamp

schlamp setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

schlamp‑ als Erstglied (30 von 154)

Schlampel

SHW

Schlamp-el Band 5, Spalte 363-364

schlampern

SHW

schlamp-ern Band 5, Spalte 365-366

Schlampert

SHW

Schlamp-ert Band 5, Spalte 365-366

Schlampes

SHW

Schlamp-es Band 5, Spalte 367-368

schlampagner

DWB

schlampagner , schlampanjer , m. für champagner, volksetymologisch an schlamp, schlampampen angelehnt. Andresen volksetym. 4 99. Albrecht 20…

Schlampamme

RhWB

schlamp·amme

Schlampamme (bezügl. dieses und der folg. s. auch oben bei Schlambammel ff.) -ampam   Nfrk in Mettm-Langenbg , Dinsl-Holten ; -pęm Klev-Ca…

schlampamp

DWB

schlampamp , m. ( über die bildung des wortes vgl. DWB schlampampen ), hinweisend auf die ursprüngliche bedeutung von schlamp im sinne von s…

Schlampamp(eⁿ)

Idiotikon

Schlampamp(eⁿ) Band 9, Spalte 555 Schlampamp(eⁿ) 9,555

schlampampe

DWB

schlampampe , f. ( s. DWB schlampampen ), vereinzelt zur bezeichnung dünner, schlechter brühe oder solchen getränks. Bernd 261 . Albrecht 20…

Schlampampeleⁿ

Idiotikon

Schlampampeleⁿ Band 9, Spalte 555 Schlampampeleⁿ 9,555

schlampampelig

PfWB

schlampampelig Adj. : ' schlampig, unordentlich ', schlambambelich (šlamˈbambəliχ) [ KU-Hachb ]; subst. e Schlommbommbelich 'zu großes Kleid…

schlampampeln

DWB

schlamp·ampeln

schlampampeln , verb. müssig umherschlendern, bummeln. Spiesz 214 ; das wort ist zu schlampampen gebildet.

schlampampen

DWB

schlampampen , verb. , ein im reimspiel von schlamp, schlampen aus gebildetes wort ( vgl. als ähnliche bildungen runkunkel, rumpumpel); bei …

schlampamper

DWB

schlamp·amper

schlampamper , m. impurus helluo Stieler 1466. 1828 ( hier als verstärkung erzschlampamper), nld. slampamper, slemmer, popino Kilian : Belsa…

schlampamperei

DWB

schlampampe·rei

schlampamperei , f. schmauserei, schlemmerei: schlampamperey, die, das schlampampen, et die schlampampung, heluatio cum pompa et ostentation…

Schlampampereⁿ

Idiotikon

Schlampampereⁿ Band 9, Spalte 555 Schlampampereⁿ 9,555

Schlampamperī

Idiotikon

Schlampamperī Band 9, Spalte 555 Schlampamperī 9,555

Schlampampes

PfWB

Schlampampes m. : ' nachlässiger, träger Mensch ', Schlambambes (šlamˈbambəs) [ KU-Lauteck ]; Syn. s. PfWB Schlampes 2. SHW Südhess. V 363 a…

schlampampeⁿ

Idiotikon

schlampampeⁿ Band 9, Spalte 555 schlampampeⁿ 9,555

Schlampampi I

Idiotikon

Schlampampi I Band 9, Spalte 555 Schlampampi I 9,555

Schlampampi II

Idiotikon

Schlampampi II Band 9, Spalte 556 Schlampampi II 9,556

schlampampig

DWB

schlampampig , adj. 1) schwelgerisch, schlemmerhaft. 2) schmutzig, unreinlich, unordentlich Frischbier 2, 281 b .

Schlampampihuet

Idiotikon

Schlampampihuet Band 2, Spalte 1791 Schlampampihuet 2,1791

schlampampisch

DWB

schlampamp·isch

schlampampisch , adj. enormiter luxuriosus Stieler 1828 : ihr meine schlampampische gute schlucker. Fischart Garg. 17 a .

schlamp als Zweitglied (7 von 7)

G(e)schlamp

Idiotikon

G(e)schlamp Band 9, Spalte 554 G(e)schlamp 9,554

Geschlamp

ElsWB

G e schlamp n. 1. zerrissene Kleidung. Was hat denn das für e G. a n ? Pfast. 2. unordentlich gekleidetes Frauenzimmer Banzenh. — Bayer. 2, …

hundsschlamp

DWB

hunds·schlamp

hundsschlamp , m. : vil weniger acht er den cynischen hundsschlamp, das ist ein malzeit ohn wein. Garg. 44 a . vgl. hundsimbisz.

Schlimpschlamp

Wander

schlimp·schlamp

Schlimpschlamp Schlimpschlamp findt einander im gantzen Land. Lat. : Sic fuit, est, et erit similis similem quaerit. ( Chaos, 985. )

Spitzelig(e)schlamp

Idiotikon

Spitzelig(e)schlamp Band 9, Spalte 555 Spitzelig(e)schlamp 9,555

Ableitungen von schlamp (4 von 4)

Geschlamp

ElsWB

G e schlamp n. 1. zerrissene Kleidung. Was hat denn das für e G. a n ? Pfast. 2. unordentlich gekleidetes Frauenzimmer Banzenh. — Bayer. 2, …

geschlampe

DWB

geschlampe , n. das schlampen. 1) schlürfendes, schwelgerisches essen und trinken; weidm. suppe von wasser und brod für die jagdhunde Adelun…

schlampe

DWB

schlampe , f. 1 1) weibsperson, die nachlässig, unordentlich, schmutzig in ihrem äuszeren ist; in gleicher bedeutung schlumpe: eine schlampe…

verschlampen

DWB

verschlampen , verb. auf unordentliche weise durchbringen. heute liegt im worte der begriff des unordentlichen, ungeregelten, wenn wir es ab…