strebung,
f.,
verbalabstraktum zu 2streben,
vb., vgl. bestrebung,
f., teil 1,
sp. 1681.
in älterer sprache nur gelegentlich bezeugt und meist im anschlusz an 2streben II A, B
gebildet. vereinzelt schon im 12.
jh. (
vgl. 2streben II A 1 b): strebunge
ostinatione, ahd. gl. 3, 420, 47
St.-S. in frühen lexikalischen zeugnissen mit sinnlichem vorstellungsgehalt (
zu 2streben II A 1 a): rumppelung oder strebung mit den fussen oder rauschung, tobung, vngestumung oder lautung
strepitus, strepor, voc. theut. (1482) bb 5
a; Diefenbach
nov. gl. 350
a;
so auch strebung
insultatio, voc. primo ponens dict. theut. (1515) b 3
a.
in der älteren sprache der bautechnik (
zu 2streben II A 3 c): sämmtlichen spreizen einige strebung geben
bei Veith
dt. bergwb. 472;
s. auch Fischer
schwäb. 5, 1838.
von einer zweckbestimmten tätigkeit, einem zielbewuszten trachten (
zu 2streben II B 3):
nixus strebung Becher
org. phil. (1674) 158; die strebung
conatus, contentio, studium, nisus, opera, machinatio Stieler (1691) 2192; dann unser leben hie auff erden ist ... ein tägliche rechtfertigung und sträbung nach der gerechtigkeit Joh. Wild
postill od. predigbuch (1554) 1, 92
b; ach dasz die embsige strebung der menschen sich von meiner (
der vernunft) hellscheinenden begleitung allseits möchte anführen lassen Schottel
friedenssieg 70
ndr.; so auch vereinzelt in neuerer sprache: alle jene strebungen nach entwicklung und entfaltung H. Lotze
mikrokosmos (1856) 1, 19.
erst seit dem 19.
jh. ist das wort durchgehend literarisch bezeugt, in der bedeutung prägnant gebrauchtem 2streben,
vb., (
s. d. II C)
entsprechend. im unterschied zu der ins abstrakte und allgemeine weisenden substantivierung streben,
n., bezeichnet strebung
jedoch mehr die einzelne, an eine bestimmte situation gebundene willensrichtung oder bemühung und steht daher auch häufig im plural. ideelle weltanschauliche, politische ansicht, tendenz, lebenseinstellung, bemühung (
wie bestrebung);
oft mit erläuterndem attribut: belohnung und auszeichnung gemeinnütziger strebungen, aussetzung von preisen in dieser richtung ... darin kann der fürst seinen beruf, wohlzuthun, am schönsten erfüllen
aufzeichn. e. nachgeborenen prinzen (1841) 61
Kölle; ein liberales orakel von der unbedingten verwerflichkeit republikanischer ansichten und strebungen Scherr
hammerschläge u. hist. (1872) 101; dank der dynastisch berechtigten und in entscheidenden momenten immer stärker werdenden nationalen strebungen des kaisers Bismarck
ged. u. erinn. 1, 323
volksausg. auf wissenschaftlichem und künstlerischem gebiet: wie man mit vielem grund die maler neuerdings nach ihren verschiedenen strebungen als musikalische, plastische ... bezeichnet hat Fouqué
gefühle, bilder (1819) 1, 132; jede literatur eines fremden volkes ... wird in seinen schriften, die ja der abdruck und das wiederbild seiner geistigen strebungen seyn müssen, hie und da schon ihren einflusz offenbaren E.
M. Arndt
schr. (1845) 3, 283; beide männer freuten sich meiner wissenschaftlichen strebungen Kerner
bilderb. (1849) 358; die kunstgeschichtlichen thatsachen, durch deren verknüpfung die reformatorischen strebungen Glucks sich so wunderbar rasch bahn brechen konnten W. H. Riehl
musik. charakterköpfe (1899) 1, 122.
in verbindung mit synonymen: in theologie und philosophie entstanden ... neue richtungen und strebungen E.
M. Arndt
s. w. (1892) 1, 67; wohl giebt es noch ein volk ..., aber kein volk mehr mit gemeinsamer fühlung und strebung und gemeinsamen freuden Böhme
gesch. d. tanzes (1886) 314; man sah in den kampf der menschlichen meinungen und strebungen vom erhöhten standpunkte des dichters aus wie von oben hinein R. Hildebrand
tagebuchblätter (1896) 186; hat dieser heitere, freundliche mann etwas in seinem wesen ... was verpflichtete und die edlen, guten, ritterlichen, die höheren strebungen und kräfte anrief H. Hesse
glasperlenspiel (1943) 2, 203; wir berührten's ja schon, dasz unter meinen altersgenossen sich so mancherlei gesinnungen und strebungen hervortun, die einem reinen vernehmen im wege sind Th. Mann
Lotte in Weimar (1946) 302.