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gottergeben

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

gottergeben part. adj.

Bd. 8, Sp. 1162
gottergeben, part. adj., seit dem 15. jh. bezeugt, im 16. jh. nur vereinzelt, im 17. jh. häufiger nachweisbar und seit dem späten 18. jh. im vordringen, obwohl Adelung es nicht verzeichnet und Campe 2, 427a es nur als 'veraltet' bucht. im 14. jh. in der mnd. bildung godesbegeven: an de godesbegheuennen iuncfrowen (klosterfrauen) (1377) bei Schiller-Lübben 2, 127b. 1) als bezeichnung einer religiösen gesamthaltung des menschen, fast ausschlieszlich in christlichem gebrauch. a) soviel wie 'dem willen gottes ergeben, gott zugewandt, fromm' in durchaus aktiv-positivem sinne wie zunächst auch gottgelassen (s. d. 1), vgl. die glossierungen religiosus gottergebner (obd. 1466), got ergeben (mnd. 15. jh.) bei Diefenbach n. gl. 316a; gl. 491a: lassent (imper.) gottergebenn lút (mönche u. nonnen) got sin unnd lassent die mettinfyncken ir zit mit andacht betten unnd singen! (1477) bei Steinhausen privatbr. d. mittelalters 1, 184; ein solcher gehorsamer gottergebener mensch wird bleiben der stärckeste im himmel V. Weigel kurtzer bericht u. anl. z. teutschen theol. 140; der frommen einfalt allein erzähl ich sie. weil die allein versteht, was sich der gottergebne mensch für thaten abgewinnen kann Lessing 3, 138 L.-M.; sicher werde die vorsehung dem gottergebenen ... könige sieg verleihen Döllinger akad. vortr. (1888) 1, 415. nach dem vorbild christlichen sprachgebrauchs gelegentlich in heidnisch-antikem zusammenhang: wenn nun den helden mehr als andern frömmigkeit geziemt und die besseren vor Theben wie vor Troja als gottergebene sich darstellen, so bedurfte doch dort wie hier der lebenskreis eines gottlosen Göthe I 49, 81 W. b) ein passives bedeutungsmoment, das den wortsinn auf das klaglose ertragen gottgewollten leidens einengt, scheint erst im jüngeren gebrauch des wortes hervorzutreten, in der ablösung des älteren gottgelassen (s. d. 2): lasz uns dulden gottergeben, dulde muthig, liebes herz! Hoffmann v. Fallersleben ges. schr. (1890) 1, 87; in ihrem auftreten lag ... die gehaltene hohe ruhe einer gottergebenen märtyrerin M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. (1893) 2, 199. formelhaft: die leiden ihrer armen mutter sind endlich geendigt, sie ist am achtzehnten dezember sehr sanft und gottergeben gestorben (1841) A. v. Droste-Hülshoff br. 1, 478 Schulte-K. ein hier naheliegender negativer nebensinn tatenloser, fatalistischer haltung, den sich die jüngere umgangssprache ohne jeden religiösen bezug zu eigen macht, deutet sich gelegentlich auch im literarischen gebrauch an: aus hochmuth macht er den demüthigen und aus verzweiflung den gottergebenen (1806) Caroline br. 2, 299 Waitz; damit an unserm theil wir unterwürflge und gottergebne unterthanen werden Rückert ges. poet. w. (1867) 9, 342. 2) in gleichem sinne wie 1, aber nicht auf den ganzen menschen, sondern auf seine inneren kräfte oder auf bestimmte äuszerungen und haltungen bezogen, vgl. in noch getrennter schreibung: der gehorsam, gott ergeben, gelassen glaub, und die widergeburt Seb. Franck paradoxa (1558) 53a; nicht nur Europa kennt sein wesen, sein gottergebnes regiment Neumark fortgepfl. musik.-poet. lustw. (1657) 1, 206; wer wollte gegen das schönste, gegen einen wahrhaft gottergebnen sinn polemisiren? Immermann w. 5, 77 Hempel. im sinne von 1 b: diese der menschlichen natur nicht fremden widerwärtigkeiten wogen in seiner seele auf und ab und können durch die gottergebene sanftmuth des vaters ... nicht beschwichtigt werden Göthe I 41, 2, 98 W. kaum noch religiös gefühlt: ich seh' sie ja noch vor mir, wie sie mir oft gegenübergesessen ist am abend, bei der lampe, in dem zimmer da, und hat mich so angeschaut mit ihrem stillen lächeln, mit dem gewissen gottergebenen, als wollt sie mir noch für was danken Schnitzler liebelei (1896) 90. —
3781 Zeichen · 80 Sätze

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Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Gottergebenadj, adv

    Campe (1807–1813) · +1 Parallelbeleg

    ✱ Gottergeben , — er, — ste , adj . u. adv . Gotte gleichsam hingegeben, Gottes Willen unausgesetzt befolgend, demselben…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    gottergeben

    Goethe-Wörterbuch

    gottergeben subst Kleinschr 49 1 ,81,25 als Lebenshaltung: fromm, religiös, auch: die Weltordnung als göttlich u unantas…

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Wortbildung

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Zerlegung von gottergeben 2 Komponenten

gotter+geben

gottergeben setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

gottergeben‑ als Erstglied (1 von 1)

gottergebenheit

DWB

gottergeben·heit

gottergebenheit , f. , zu gottergeben 1: der gekreutzigte aber hat es doch noch weiter, in der gott-ergebenheit, gebracht E. Francisci letzt…

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Cotta, M. (2026). „gottergeben". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 19. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/gottergeben/dwb
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Cotta, Marcel. „gottergeben". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/gottergeben/dwb. Abgerufen 19. May 2026.
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Cotta, Marcel. „gottergeben". lautwandel.de. Zugegriffen 19. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/gottergeben/dwb.
BibTeX
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