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Haar

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Campe
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18 in 13 Wb.
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Eintrag · Campe (1807–1813)

Haar Das

Bd. 2, Sp. 488a
Das Haar, des — es, Mz. die — e; Verkleinungsw. das Härchen, O. D. das Härlein, des — s, d. Mz. w. d. Ez. überhaupt jede feine Zaser, in welchem Sinne im Österreichischen und Baierschen der Flachs Haar genannt werd. So werden auch die einzelnen feinen Zasern der Wolle und Seide häufig Haar genannt. Hieher gehören mehrere Ausdrücke der Tuchscherer, bei welchen ein Tuch aus den Haaren rauhen bedeutet, das gewalkte Tuch mit der Streiche wieder rauch machen; das Tuch aus den Haaren ziehen, die im Walken abgegangenen Haare abstreichen; das Tuch aus den Haaren scheren, es das erste Mahl oder aus dem Gröbsten scheren; ein Tuch zu halben Haaren scheren, die Haare nur halb abscheren. Auch pflegen die Tuchscherer die linke Seite eines Tuches Haar, die rechte aber Grund zu nennen. I den Seidenwirkereien wird ein Faden roher Seide, der über sich selbst gedrehet ist, ebenfalls ein Haar oder Haar schlechtweg genannt. So führen auch in der Pflanzenlehre die feinen, bald kurzen, bald langen Zasern, welche zur Bedeckung und Ausdünstung der Gewächse dienen, den Namen Haare (Pilus); besonders, wenn sie einige Steifigkeit haben und gerade aufstehen. Feines Haar (Villus) heißt es, wenn es sehr fein und weich ist. I engerer und gewöhnlicher Bedeutung, die feinen, biegsamen und röhrenförmigen Körper, die das Mittel zwischen Borsten und Wolle halten, und womit die meisten Säugthiere überall bis auf wenige kleine Stellen und die Menschen an manchen Stellen mehr oder weniger bedeckt sind. Haare bekommen. Die Haare verlieren. Die Haare gehen aus. Manche Haare führen einen eignen Namen. So werden die Haare um den Mund herum und am Kinne der Bart, und die Haare, die sich von der Gegend vor dem Ohre nach dem Kinne hinunter ziehen, der Backenbart genannt. Auch als Sammelwort ohne Mehrzahl und ohne Verkleinungswort, alle Haare an einem Thiere, oder auch nur eine unbestimmte Menge zu bezeichnen. Das Haar des Pudels ist kraus und zottig. »Silbern war sein Haar auf seiner Scheitel und um sein Kinn.« Geßner. I gemeinen Leben wird das Wort Haar auf mancherlei Art uneigentlich und bildlich gebraucht. Es soll dir kein Haar gekrümmt werden, d. h. es soll dir nicht das Geringste zu Leide geschehen. Х Haare lassen, in einem Streite den Kürzern ziehen und überhaupt Schaden, Verlust leiden. Für die Philosophie, die keine Bohnen ißt, die Haare ließ. Wieland. Auch sagt man in eben diesem Sinne, Haare hergeben. Der Wolf fiel in die arme Herde, Und mancher Bock gab Haare her. Lichtwer. Mit Haut und Haar, ganz und gar. Х Haare auf den Zähnen haben, ein in seinem Fache erfahrner, geübter Mann sein, viel Kraft, Erfahrung, Kenntniß besitzen. Es ist kein gutes Haar an ihm, er taugt durchaus nichts. So fein wie ein Haar oder wie ein Härchen. Ih frage nicht ein Haar danach, d. h. nicht das geringste, gar nichts. Sie hat kein Haar von ihrer Mutter, d. h. sie hat nicht die geringste Ähnlichkeit mit ihr. Eines Haares breit, so breit wie ein Haar, von einem fast unmerklichen Raume. Nicht ein Haar breit weichen. Es trifft auf ein Haar zu, d. h. ganz genau. Etwas auf ein Haar wissen. Auf ein Haar schießen. Das Ziel auf ein Haar treffen. Es hängt an einem Haar oder an einem Härchen, d. h. es hängt vom geringsten Zufalle, vom geringsten Umstande ab. Bei einem Haar, d. h. es fehlte gar nicht viel. Bei einem Haar wäre ich gefallen. »Man sollte dich bei einem Haar für einen Spitzbuben halten.« Lessing. Die Sache ist dadurch kein Haar, oder, um kein Haar besser geworden, d. h. um gar nichts besser. Х Ein Haar in etwas finden, durch einen Umstand von etwas abgeschreckt, mit Widerwillen dagegen, oder auch, mit Argwohn, Bedenklichkeit erfüllt werden. Besonders wird Haar sowol als Sammelwort, ohne Mehrzahl, als auch in der Mehrzahl allein von den Haaren des Hauptes oder vom Haupthaar gebraucht. Ein schönes Haar haben. Dickes oder starkes Haar, d. h. dicht und in Menge neben einander stehendes, in Gegensatz des dünnen. Schlichtes, abgeschnittenes Haar tragen. Sein eigenes Haar tragen, welches man von Natur hat, in Gegensatz des fremden oder falschen Haares (Perücke, Haartour ). Das Haar oder die Haare wachsen lassen, stutzen, abscheren, aufwickeln, kräuseln, brennen  Einem in die Haare fahren, ihn bei den Haaren fassen Sich die Haare ausraufen, vor Schmerz, Verzweiflung oder Wut. Graue Haare bekommen, vor Alter oder Sorgen, Gram. Laß dir darüber kein graues Haar wachsen, d. h. kümmere, gräme dich darüber nicht. Da stehen einem die Haare zu Berge, bei einem plötzlichen Schrecken , wo die Haut schnell zusammengezogen wird und die Haare sich etwas aufrichten. Der Schrecken treibt ihm die Haare zu Berge. »Die Furcht, die meine Haare empört.« Dusch. Uneigentlich, im gemeinen Leben. Einen bei den Haaren zu etwas ziehen, ihn mit Gewalt dazu treiben, ihn zwingen. Eine Sache bei den Haaren herbeiziehen, sie weit herholen, sie auf eine gezwungene Art anbringen, auf etwas anwenden. Einander in die Haare gerathen, mit einander uneins, handgemein werden. Sich in den Haaren liegen, d. h. sehr uneins sein, sich in Streit mit einander befinden. Uneigentlich sagt man auch im Forstwesen, ein Wald, oder ein Berg stehet ganz, oder voll, in Haaren, wenn er noch gehörig mit Holz oder Bäumen bewachsen ist. I der Pflanzenkunde führen auch manche Pflanzen wegen ihrer haarähnlichen Theile den Namen Haar, z. B. Frauenhaar, Güldenhaar  S. d.
5366 Zeichen · 95 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Haar

    Adelung (1793–1801) · +6 Parallelbelege

    Das Haar , des -es, plur. die -e, Diminut. das Härchen, Oberd. Härlein, des -s, plur. ut nom. sing. 1. In der weitesten …

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Haar

    Goethe-Wörterbuch

    Haar Kleinschr B4,266,12 , im Pl einmal apokopiert 53,362 Vs 11 A als organisches Gebilde 1 beim Menschen: Haupt-, Kopfh…

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Haar

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09) · +2 Parallelbelege

    Haar , Bernard ter , niederländ. Dichter, geb. 13. Juni 1806 zu Amsterdam, gest. 19. Nov. 1880 zu Velp bei Arnheim, stud…

  4. modern
    Dialekt
    Haarn., f.

    Pfälzisches Wb. · +4 Parallelbelege

    Haar n., f. : 1. 'H. am menschlichen Körper'. a. 'Kopfhaar', Hooʳ , s. F. [fast allg.], Haaʳ (hʳ) [lothr. SWPf]; lange …

  5. Sprichwörter
    Haar

    Wander (Sprichwörter)

    Haar 1. An einem Haar zieht man mich hin, wo ich gern bin. – Körte, 2504. 2. Auch ein Haar hat seinen Schatten. – Eisele…

  6. Spezial
    Haar

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Haar n. (-[e]s,-e) 1 (Haupthaar) ciavëi (-s) m. 2 (Körperhaar) polan (-s) m. 3 (bei Tieren: Fell) polan m. , pëi m. 4 (b…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit haar

705 Bildungen · 641 Erstglied · 54 Zweitglied · 10 Ableitungen

haar‑ als Erstglied (30 von 641)

Haaramsel

SHW

Haar-amsel Band 3, Spalte 5-6

Haaranke

SHW

Haar-anke Band 3, Spalte 5-6

Haarband

SHW

Haar-band Band 3, Spalte 5-6

Haarbart

SHW

Haar-bart Band 3, Spalte 5-6

Haarbesem

SHW

Haar-besem Band 3, Spalte 5-6

Haarbesen

SHW

Haar-besen Band 3, Spalte 5-6

Haarbodem

SHW

Haar-bodem Band 3, Spalte 5-6

haarbreit

SHW

haar-breit Band 3, Spalte 5-6

Haarbusch

SHW

Haar-busch Band 3, Spalte 5-6

Haareule

SHW

Haar-eule Band 3, Spalte 5-6

Haarflaum

SHW

Haar-flaum Band 3, Spalte 7-8

haarglatt

SHW

haar-glatt Band 3, Spalte 7-8

Haarkamm

SHW

Haar-kamm Band 3, Spalte 7-8

Haarkette

SHW

Haar-kette Band 3, Spalte 7-8

haarklein

SHW

haar-klein Band 3, Spalte 7-8

haar als Zweitglied (30 von 54)

barthaar

DWB

bart·haar

barthaar , n. pilus barbae: keimende barthaare um mund und kinn. Göthe 31, 219 .

blumenhaar

DWB

blumen·haar

blumenhaar , n. cuscuta europaea, unserer lieben frauen blumenhaar, leindotter.

fischaar

DWB

fisc·haar

fischaar , m. falco ossifragus, fischadler: und dis solt ir schewen under den vogeln, das irs nicht esset, den adeler, den habicht, den fisc…

flachshaar

DWB

flachs·haar

flachshaar , n. capillus flavus: er hatte milchhaare im bart und flachshaare um die schläfe. Göthe 8, 54. 42, 67 .

frauenhaar

DWB

frau·n·haar

frauenhaar , n. 1 1) crinis femineus: och enist hie ninder frouwen hâr wëder so mürwe noch sô clâr, ëʒ enwære doch ein veste bant. Parz. 299…

fuchshaar

DWB

fuchs·haar

fuchshaar , n. 1 1) das haar des fuchses. 2 2) haar von der farbe, wie es der fuchs hat, fuchsrothes haar. dieser mensch hat fuchshaar oder …

glückshaar

DWB

glucks·haar

glückshaar , n. , ' glückbedeutendes haar ': sie bildeten ihnen ein, sie hätten in selbigen haaren das glückshaar angenagelt J. W. v. Stuben…

goldhaar

DWB

gold·haar

goldhaar , n. 1 1) goldfarbenes, blondes haar: sein ( des blumenaffen ) kopff und der rugken ... ist fheürrot, darinnen etliche goldhaar gli…

halshaar

DWB

hals·haar

halshaar , n. mähne: halszhaar an rossen juba Maaler 208 b .

haupthaar

DWB

haupt·haar

haupthaar , n. capillus. Maaler 213 d ; wenn einem man die heubthar ausfallen, das er kalh wird. 3 Mos. 13, 40 ; da ich solchs höret, zureis…

heidenhaar

DWB

heiden·haar

heidenhaar , n. gewöhnlich im plur. heidenhaare, die haare die die kinder mit auf die welt bringen. nach der ähnlichkeit auch die federn jun…

hinterhaar

DWB

hinter·haar

hinterhaar , n. haar des hinterkopfs; bei einer perücke die haare, welche von der fronte und neben den seitenhaaren von oben herunter über d…

hundshaar

DWB

hunds·haar

hundshaar , n. haar vom hunde. es wird zur verfälschung des wollenzeuges verwendet ( vergl. unter haar sp. 22), daher die redensart hundshaa…

Judenhaar

Wander

juden·haar

Judenhaar 'S sind Judenhar'l. So heissen in Oberösterreich die Haare, welche die Kinder mit auf die Welt bringen. ( Baumgarten. )

jungfernhaar

DWB

jungfern·haar

jungfernhaar , n. pflanzenname: von briza minor, kleines zittergras; hordeum murinum, mäusegerste; und polytrichum commune, haarmoos.

Jungfrauenhaar

Wander

jungfrauen·haar

Jungfrauenhaar Ein Jungfrawenhaar zeucht stercker dann zehen Joch Ochsen. (S. Frauenhaar 1 u. 2.) – Gruter, III, 27; Lehmann, II, 149, 43.

Kamehlhaar

Adelung

Das Kamehlhaar , des -es, plur. inus. 1) Das Haar eines Kamehles. 2) Das Haar der Kamehlziege, besonders nachdem es zu Garn gesponnen worden…

kammhaar

DWB

kamm·haar

kammhaar , n. juba Dasypodius 360 d , pferdemähne Adelung, schwäb. Schmid 304 . Meier schwäb. sagen 409 .

katzenhaar

DWB

katzen·haar

katzenhaar , n. capillus felinus, mhd. katzenhâr Reinh. 2042: es schluckt sich besser als camelshaar und katzenhaar. Garg. 89 b (154). nd. k…

langhaar

DWB

lang·haar

langhaar , n. 1 1) langes, ungeflochtenes haar: weiter oben kommt eine Oreas eilig, sich verwundert umschauend hervor; sie hat das geschrei …

Mädchenhaar

Wander

maedchen·haar

Mädchenhaar Ein Mädchenhaar zieht stärker als ein Joch Ochsen. Dän. : Eet jomfru haar drager stærkere end ti par øxen. ( Bohn I, 365. )

milchhaar

DWB

milch·haar

milchhaar , n. das zarte haar des ersten bartes bei jungen männern: milchhaare, lanugo genarum, die ersten barthaare Frisch 1, 633 b ; sie (…

mittelhaar

DWB

mittel·haar

mittelhaar , n. bei den perrückenmachern der platte und eingedrückte theil des hinterkopfs bei einer perrücke, mit kürzeren haaren, als die …

nackenhaar

DWB

nacken·haar

nackenhaar , n. das haar im nacken, über dem nacken: ich fuhr dem einen ( knaben ), der sichs am wenigsten versah, mit der hand in die nacke…

Ableitungen von haar (10 von 10)

behaaren

DWB

behaaren , criniri, crines induere. in dem spruch bei Simrock 11809 'wie der wolf behäutet ist, wird er wol behaaren' scheinen beide verba i…

Behaarung

Meyers

Behaarung , s. Haare und Haare der Pflanzen .

enthaaren

DWB

enthaaren , nudare pilis, nnl. ontharen: der enthärte Samson. Logau 3, 66, 52 ; enthaarte, nackte haut. Brockes 7, 650 ; der wolf umhalset i…

Enthaarung

LDWB2

Ent|haa|rung f. (-,-en) depilaziun (-s) f. , speramënt (-nc) m.

gehaaren

DWB

gehaaren , gleich haaren, an den haaren raufen, schwäb. Schmid 262 .

Haare

Meyers

Haare ( Pili ), fadenförmige Hautgebilde bei vielen Tieren und Pflanzen. Bei den Tieren wächst nur der Fortsatz einer Zelle über die Körpero…

unhaar

DWB

unhaar , n. 1) unförmliche haartracht Sanders erg. wb. 243 a ; unüblich. 2) C. ist ein ansehliger kuppler seines ehebrecherischen weibs gewe…

verhaaren

DWB

verhaaren , verb. weidmännischer ausdruck. 1 1) reflexiv die haare fahren lassen, verwechseln, doch nur vom raubwilde: die fischottern verha…

verhaarung

DWB

verhaarung , f. verlieren der alten haare und ersatz derselben durch neue, zusammenwachsen der haare. dann das durch das zusammenwachsen der…

zerhaaren

RhWB

zer-haaren: --, –:-, sich z., sich zanken, prügeln Simm , Merz-Losh Riml Wadrill .