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unschuld

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

unschuld f.

Bd. 24, Sp. 1345
unschuld, f. (mnd. auch n., mnd. wb. 5, 76a; vgl. mnl. wb. 5, 908, nl. wb. 10, 1787, schuld, n. Staub-Tobler 8, 641. 651), i. a. gs. der schuld (selten: noxia Terenz [1499] 121a; calumnia, falsche, erlogene beschuldigung: u. an ziehen calumniari Diefenbach gl. 91c; n. gl. 68b; mit gedult und gottes huld uberwindt man alle u. Neander sprichwörter 22 L.; Petri e 5a; mnl. wb. 5, 913. ags. unscyld a grievous fault Bosworth-Toller 1128a; böse schuld mnl. wb. 5, 913; unschulden böse schulden Kramer [1702] 2, 675b; un IV B. kinder, sprach er, ihr seid kinder, unschuldslos und keine sünder C. Fr. Seyferth im Naumburger Hussitenliede bei Büchmann24 225; so is recht, sie kleine unschuldslose Niebergall 210; un IV C, D, oder unschuldige und schuldlose sind zusammengeflossen). an. úskuld; schwedisch oskuld; n. uskyld. ags. unscyld. afries. unskelde, onschield. ahd. unsculd, -schuldi; mhd. unschult, -schulde; mnd. unschult; mnl. onscout; nl. onschuld. vgl. unschuldigkeit. zu den formen s. schuld; onschuldt Luther 103, 356, 24 W.; ohnschuld Rose eselkönig 51; Staub-Tobler 8, 651. contamination des adj. unschuld mit der subst. verbindung ohne schuld: H. Sachs 8, 413, 12 K.; 16, 52, 14 G. unschulde, schulde I 4 b entsprechend: Zwingli d. schr. 1, 265; Agricola sprichw. m 5b. plural: Kramer s. o.; ohnangesehen seine unschulden (excusationes? mnl. wb. 5, 913) beutelschneider (1641) 1, 95; von personen s. 11 b; in präpositionsverbindungen der ä. spr.: mit, zu, nach unschulden Hartmut v. Cronberg 93 ndr.; ständeakten Joachims II. 1, 150 Friedensburg; Staub-Tobler 8, 651; veraltet. 11) nichtverpflichtet sein: Sachsenspiegel 22, 4 unter schuld II 1; Schwabensp. bei Fischer schwäb. wb. 6, 217; Richthofen 1106a, 2; immunitas mnl. wb. 5, 908; vacatio Frisius 1341b; scherzhaft: zeit der u., wo man zu trinken nicht schuldig ist Garg. 124 ndr.; vgl. unschuldige zeit ebda. veraltet. 22) nichtgeschuldetes: an. úskuld an unlawful debt Cleasby-Vigfusson 665a; mnl. wb. 5, 909, 3 ende; indebita, für jemand nicht vorhandene schuldverpflichtungen Richthofen 1106a, 3; vgl. ahd. gl. 1, 160, 24; 'unverschuldetes vermögen' Dähnert 507b; schuld und u. passiv- und activschulden, mnd. wb. 5, 75b; mnl. wb. 5, 903, 3; brem. wb. 6, 292; Campe verd. wb. (1813) 83b; un IV C 3. veraltet. 33) unberechtigung, incompetentia. vgl. unschuldig 2: Chr. Weyse d. klügsten leute 107 unter schulrecht 3 b (th. 9, 1965); wie denn bekannt ist, dasz dergleichen empirici in etlichen ungewöhnlichen exempeln ihre u. offtmahls bekennen polit. redner (1677) 169; aus u. unberechtigterweise Hohberg georg. 3, 26a; zu unschulden Frisch 2, 233a; veraltet. 44) grundlosigkeit, nichtverantwortlichkeit u. dgl.: umb u. schlagen ohne veranlassung H. Sachs 21, 96, 2 G.; umb alle u. ganz unbegründeterweise Wickram 1, 31, 12; Schmeller 2, 403; mit, zu, nach unschulden s. o.; aus u. B. v. Chiemsee 434; vgl.schuld II 9; nichtschuldigsein gegenüber dem vorwurf, nicht geschrieben zu haben Klopstock briefe 9 Lappenberg; B. gelang es glücklicherweise, seine u. an dieser publication darzuthun (dasz er nichts damit zu thun habe) Ranke 4, 58; so auch bei blosz gesellschaftlichen verstöszen: seine u. an der verspätung nachweisen, beteuern u. ä. [] 55) kirchlich; sündelosigkeit, reinheit, sanctitas Stieler 1940. von Christus: auch die u. Christi wyrt sein u. Luther 103, 356, 28 W.; Petri e 2a; Logau 339 E.; von Adam u. Eva: in der u. stehen H. Sachs 1, 203, 9 K., sein C. Spangenberg jagteufel b 1b; Adam in seiner ersten u. Sebiz feldbau 640; gewöhnlich stand der u. th. 102, 704; unschuldsstand J. G. Walch 2755; Zedler 49, 1983 ff. übertragen: wer hingegen der kantischen philosophie sich nicht bemeistert hat, ist .. gleichsam im stande der u. Schopenhauer 1, 23 Gr., wortspielend mit bed. 9 (vgl. 3); die weltanschauung aller solcher .. theoretiker hat ihre u. verloren Göthe gespräche 5, 84, spielend mit 6 b; coulissennaivetät, die zweite u. Hebbel tageb. 2, 265. paradiesische u., hütten der u. Herder 16, 86; 12, 83. gnadenstand überhaupt: Tauler serm. (1508) 24b; B. v. Chiemsee 144; die erste absicht gottes war, den menschen durch u. und freyheit glücklich zu machen Ramler einleitung 42, 275. herzens-, seelenunschuld u. dgl. der unschuldstag der entsündigten natur R. Wagner 10, 372 (Parsifal 3). übertragen für freiheit von krankheitsverdacht Staub-Tobler 8, 651, 1. kirchlich-biblischen ursprungs ist auch die ra. seine hände in u. waschen (s.waschen II 6 d; Büchmann24 15) bes. zur bezeichnung heuchlerischer, scheinheiliger verstellung bei ablehnung der verantwortlichkeit: ich wasche meine hende mit u. und halte mich herr zu deinem altar ps. 26, 6; das .. ich meine hende in u. wassche ps. 73, 13; für gott besteht niemand, da er auch in u. seine hend gewaschen Mathesius Sarepta 19b; er siehet, wie ihr ewere hände haltet, ob ihr sie ... in u. und mit busz gewäschen Moscherosch insomnis cura 95 ndr.; Weichmann poesie der Niedersachsen 5, 310; in nichtgeistlichem sinne: Schönaich ästhetik 81; A. v. Arnim 3, 288; Eichendorff 3, 317; Gaudy 2, 110; ich kann mit gutem gewissen sagen, ich wasche meine hände in u. Herwegh briefe 259; dasz die schamlosen ... sich nun heuchlerisch in u. waschen Thibaut civil. abh. 451. 66) in sittlicher bedeutung. a) allgemein; freisein von vergehungen, mangel des bewusztseins von schuld, zustand, in dem man von dem vorhandensein der die unschuld gefährdenden dinge keine ahnung hat Adelung: Daniel ward wegen seiner u. (in sua simplicitate) errettet von dem lewen 1 Makkab. 2, 60; ps. 7, 1: inconscientia, ignorantia, wilchs wir müssen deudschen 'unschuld', weil wir kein besser wort haben, aber es ist zu starck ... nenne es nu u. odder unwissenheit odder frey gewissen odder wie yederman wil Luther 19, 424, 21 W.; 425, 5 W.; sintemahl keine reinere u. seyn könte, als die laster nicht kennen Lohenstein Arm. 1, 14a; aufrichtigkeit, sinceritas Hulsius 2, 210b; G. Arnold ketzerhist. vorr. 6; u. im leben und wandel Gottschedin briefe 1, 211 Runkel, des lebens H. P. Sturz 1, 69, betragens Wieland Agathon 2, 239, des handelns ew'ge u. Göthe 6, 37 W.; eines guten herzens 2, 101 W., der absichten Knigge roman meines lebens 3, 101, der sitten Ranke 39, 208 anhang; sittliche u. Fr. Schlegel Athenäum 2, 2; schuld und u. eines epischen oder tragischen helden Scherer litgesch. 123; seine u. verlieren ein schlechter mensch werden Follmann 520b. zur begriffserläuterung: Hölderlin 2, 69, 34 L.; Novalis 2, 283 M.; u. heiszt willenlos seyn, ohne böse und eben damit ohne gut zu seyn Hegel 12, 212. weisz die farbe der u.: W. Spangenberg ganskönig 2, 352; Zesen rosentahl 27; so dasz wir auch im sittlichen den begriff von weisz mit dem begriff von einfalt, u., reinheit verbunden haben Göthe II 51, 131 W.; sie ... war in die farbe der u. gekleidet Hölty ged. 217; fahnen in ihrer weisztafftnen u. Gutzkow 5, 365; A. Grün 4, 142; unschuldweisz, n. H. Heine 1, 135, -farbe Jean Paul 4, 204; unschuldsmantel Lohenstein geistl. gedancken 27, -mäntelchen Gutzkow 4, 407. b) geschlechtlich: jungfräulichkeit, weibliche ehre, keuschheit, auch von männlichen personen: der u. der jungfrawen und frawen sol verschont werden Fr. Wilhelm sprichw. reg. f 1b; was geht dich meine u. an, wann und wie ich sie verloren habe? Lessing 2, 294, 25; 2, 448; wer zweifelt wohl ... dasz glas und unschuld leicht zerbricht? Wieland 10 [] (1795), 236; jungfräuliche, mädchenhafte u. s. w. u. Kortum Jobsiade 3, 51; Stifter 3, 339; wohlfeil verkaufte u. literaturbriefe 15 (1763), 154; verfolgte u. Eichendorff 2, 500; die sanfte frühlingsunschuldsblume, ein mädchen Herder 29, 493; prüderie ist prätension auf u., ohne u. F. Schlegel Athen. 1, 10; der blick der u. im auge des weibes ist der .. spiegel, in welchem der mann ... die .. fähigkeit zur liebe erkennt R. Wagner 3, 316. in künstlerischer darstellung der madonna: Winckelmann 1, 36. übertragen: als die musik ihre himmlische u. verloren ... hatte, fand er sie in ihrer entartung Tieck von Mozart bei O. Jahn 1, 489; von der lilie H. Heine 1, 307. die scheue und schamhafte u. der unbärtigen jugend Wieland Agathon 2, 279; Schubart leben 2, 231. die u. des mannes heiszt ehre, die ehre der frau heiszt u. Ebner-Eschenbach 1, 61. an der u. anrihre unanständige berührungen vornehmen Follmann 521a. c) von kindern. Krünitz 199, 243. vgl. unschuldig 5, unschuldige kinder bis zu 7 jahren Grimm rechtsalt. 1, 569; anni simplices die zeyt der jugend oder der u. bisz auff die zähen jar auszhin Frisius 1213b. dann erweitert: etwan ein kind legt den rechten schuoh an den lincken fuosz und den lincken an den rechten, das kummet von u. har Keisersberg evangelibuch (1515) 20c; Musculus hosenteuffel 10 ndr.; Moscherosch insomnis cura 16 ndr.; kindliche, unmündige, selige u. Harsdörffer gesprechspiele 1, 102a; Niebuhr m. gesch. 3, 540; Novalis 1, 36 M.; der unwiderstehliche zauber der u. G. Freytag 9, 46; in aller u. einbrechen Gutzkow ritter v. geiste 1, 214. der u. jahre Heräus (1721) 173, zeit A. G. Kästner 2, 194; Schiller 11, 16; Göthe Faust 3777. 77) schuld 5 c entsprechend, strafrechtlich. a) J. G. Walch 2755; Krünitz 199, 245; Sattler phraseologey 382; Graf-Dietherr 375, 499: gib mir min nasz wider und erzöug hüt an diner dienerin ein zeichen der u. A. v. Pforr b. d. beispiele 32, 36 H.; die quästoren thaten den ersten ausspruch über schuld oder u. Niebuhr m. gesch. 2, 14; zeugen für die u. des beklagten Eichhorn rechtsgesch. 1, 236; in ä. spr.: die zur u. eingezogene G. Nigrinus v. zäuberern 372; dasz er mich bei i. f. g. ... zu ganzer u. angab Schweinichen denkwürd. 244 Ö.; in u. ermort Alsf. pass. 1042; vgl.um u. u. dgl. unter 3. verbale, vielfach veraltete verbindungen: (seine) u. erfaren, erhalten, beweisen, bezeugen Staub-Tobler 8, 651; erzaigen Steinhöwel Äsop 39 Ö., anzeigen H. Sachs 1, 146, 5 K., seiner u. zeugen Opitz poemata 326 ndr., seine u. beibringen Lindener rastbüchl. 32, an den tag bringen, legen Wickram 1, 3, 14, Buchholtz Herkuliskus 5, bezeugen Krüger Clawerts hist. 54 ndr., bekennen Luther 341, 242, 19 W., Weise erznarren 76 ndr. (dafür heute sich unschuldig bekennen), retten Harsdörffer secret. 1, b b 7a, betheuern Raumer Hohenstaufen 1, 22, auf seine u. provociren (sich auf seine u. berufen) Musäus volksm. 1, 23 u. s. f. da die knecht der haubtleut ganse unschult verstunden Wilw. v. Schaumburg 145 (veraltet). die u. kommt an den tag H. R. Manuel weinspiel 999, erfindet sich Judas Nazarei 13 ndr., wird aufgeklärt E. Th. A. Hoffmann 12, 63 Gr. u. s. w. b) als gs. zu schuld 5 a und b 'rechtfertigung, entschuldigung, eidliche reinigung', apologia Diefenbach gl. 41a. Meichszner handbüchlin (1567) 22a: kum her zuo mir und sag mir doch dein u. Eulenspiegel 37 ndr.; seine u. richten ad defensionem juris Nas antip. eins u. hundert 1, 86b; sagt ein anderer, dasz die faule entschuldigung so viel zur u. dienlich als Adams feigenbletter zum par hosen Zinkgref-Weidner 3, 53; die u. tuon Staub-Tobler 8, 652; sein u. nemen, bieten ebda; die frauw erpot sich irer u., das haisze eysen zuo tragen A. v. Eyb spiegel d. sitten 40b (vgl.unschuldsprobe; da erbot sie sich ihre u. mit einem glüenden eysen zu beweisen Binhardus thür. chron. 74); seine u. bieten, das ist, zum eide der entschuldigung sich anerbieten Schottel 1228; veraltet und im neueren sprachgefühl verdunkelt (K. Stieler gedichte 2, 59). mhd. wb. 22, 186b; mnd. wb. 5, 75b (brêf der unschuldinge entlastungsdocument); mnl. wb. 5, 909, 4/6 (auch in der heutigen abgeschwächten bed. von entschuldigung [] 5, 912, 6; freisprechung 5, 909, 2); Richthofen 1106a, 4. angewandt auf die rechtfertigung des sünders: Zwingli d. schr. 1, 268. 88) stärkere gefühlsbetonung, die bei unschuldig 7 eine neue bed. hervorbringt, haftet in bestimmten bedauernden oder spottenden verbindungen; so in den zusammensetzungen unschuldswurm, -täubchen, -rasse, -veilchen, -vogel, in der verb. in aller u. Gutzkow unter 6 c, Nietzsche Zarathustra 75 kriegsausg., in den verbb. u. vom lande (s. 11), liebe, holde, kleine, rechte, blosze u. dgl. u.: fürwar die liebe u. sahe allda etwas besonders von den heiligen engeln V. Herberger hertzpostilla 2 (1613) 467; Stifter 2, 37; François Reckenburgerin 1, 108; wissen sie denn nicht, o holde u., dasz die grosze kaiserin diese tracht (die crinoline) nur erfunden hat, um ihre interessanten umstände zu verbergen L. Steub wanderungen im b. gebirge 35; nennen mich die kleine unschuld, weil ich noch nicht küssen lerne Tieck 1, 30; du wärst mir die rechte u. mit deinen katzenaugen Pocci komödienb. (1859) 111; sie ist noch die blosze u. Gellert 3, 205. 99) harmlosigkeit, einfalt. a) anerkennend 'unverdorbenheit, rechtschaffenheit, untadligkeit, unschädlichkeit, naivität, unbefangenheit, selbstsicherheit' u. ä.: die fromme u. der schönen teutschen wörter Schottel haubtspr. 104; die glückselige einfalt und u. des ersten güldenen weltalters Breitinger crit. dichtkunst 1, 88; politische güte und u. Basedow toleranz (1766) 29; gemälde ländlicher u. Göthe IV 1, 198 W.; 49, 37 W.; von sternen, lämmern maler Müller 1, 37; 1, 40; grundbegriffe der religion in natürlicher u. und frische W. v. Humboldt an Welcker 73; sei mir in deiner unschuld schöne, sei mir gegrüszt, du junges jahr! Rückert 1, 116; es liegt .. etwas schauderndes in der gelassenen u., womit die naturgesetze wirken Stifter 3, 5; lieblingswort J. Grimms (an W. Grimm 167; gramm. 12, ix; Reinh. Fuchs iii; kl. schr. 4, 218; diese ... reinheit und u. der ersten frühlingstage ist unvergleichlich bei W. Scherer kl. schr. 1, 44) und Nietzsches (u. der sinne Zarath. 78, 179, 180, 181); die u. unsrer zusammenkünfte Göthe 26, 336 W.; 'unschädlichkeit' (franz. engl. innocence), u. des spieles Adelung, heute eher unschuldigkeit des spieles, trankes, mittels u. s. f.; allgemeiner: er pries das aufgetürmte gericht als unübertrefflich an einfacher zartheit und u. und trank einen tüchtigen krug braunen bieres dazu G. Keller 3, 225. als menschliche eigenschaft: natur und u. Lessing 3, 56 (Nathan 2, 4, 378); Wieland Agathon 2, 52; Ramler fabellese 1, 118; signora S. hat eine gewisse u. in ihrem thun Lichtenberg nachlasz 166; u. der geberde Göthe 16, 174 W. (geheimnisse 95); eine gewisse naivetät und u. des betragens 7, 195 W., des wahnsinns 22, 9 W.; IV 1, 207, 12 W.; dabey (im streit um die farbenlehre) bleibt wohl nichts weiter übrig als seinen gang in aller u. und sicherheit immer fortzugehen IV 32, 134, 14 W.; dies sagte sie in aller u., ohne etwas übles, unrechtes dabei zu denken Campe; die sentimentale kunst macht groszen lebtag mit der zwar rührenden, aber werthlosen u. Vischer ästhet. 2, 167; er spricht von der formvollkommenheit mancher körpertheile mit einer u., die ihn erhaben zeigt über ... Justi Winckelmann 1, 59; u. des geistes Immermann 3, 107; vgl. Nietzsches u. der sinne. b) wie mnl. onnoselheit 3, franz. innocence 'simplicité excessive', engl. innocence (Murray 52, 312) I 3 tadelnd, an dummheit, einfältigkeit reichende ahnungslosigkeit, unerfahrenheit: laster und thorheiten ..., die mir in meiner u. gantz unbekandt gewesen Grimmelshausen 2, 30, 12 Keller; diese halten insgemein u. und dummheit für einerley J. J. Schwabe belustigungen 1, 24; Ruge briefwechsel 2, 299; wobei ich in meiner u. nicht bemerkte Göthe 32, 122 W.; 31, 186 W.; politische, literärische, poetische u. Klinger 12, 287; Novalis 2, 249 M.; Hebbel briefe 7, 212; pensionsu.; unschuldvogel; u. in solchen dingen Ebner-Eschenbach [] 4, 159; die vollkommene u. dieser frage hätte die pfarrerin beinahe lachen gemacht M. Meyr a. d. Ries 2, 459. 1010) vergleiche und bilder sind zahllos; z. b. wenn das schiff der u. nach der taufe zerbrochen ist Luther 46, 318 Erl.; es hilfft keyn bantzer für den galgen, auch das bantzer der u. nit Seb. Franck sprichw. (1545) 1, 84b; u. ist die sterkest pastei 1, 58b; Wander 4, 1474; der u. wall Weichmann poesie d. Niedersachsen 1, 129; das cleid der u. Keisersberg bilgersch. 44c; Günther 149; Wieland Hermann 2, 661; G. Forster 7, 215; ich fühle mich wie untergetaucht in u. und reinheit F. H. Jacobi 1, 65; schnee der u. R. Z. Becker Mildheimer liederb. 25; bist der u. stiller gang (an den mond) O. Ludwig 1, 30; Maria ... ein phiol der unscholt Brun v. Schonebeck 4825; 4852; lilie das bild der u. Göthe 23, 268 W. (lilienunschuld Herder 26, 47 var.); das blümlein u. Bürger 109 B.; die blume der u. Eschenburg beispielsammlung 1, 302; nl. onschuld omphalodes linifolia nl. wb. 10, 1787 a 2 b; engl. innocence Houstonia caerulea Murray 52, 312c; die taube der u. Gutzkow ritter v. geist 1, 94; Lenau 4 B.; unschuldvogel der tannenhäher (unschuld 9 b) Naumann vögel (1822) 2, 135. 1111) personification. a) als göttin, genius u. dgl. Ramler mythol. 1, 477; zur darstellung in der kunst Krünitz 199, 246: göttin j. Göthe 1, 105 Bernays (an die u.); einen gott der u. A. G. Meiszner Alcibiades 1, 15; genius der u. Meinecke Boyen 1, 18; engel Schubart gedichte 2, 297; vgl. ein mädchen ... entzückend wie die u. Wieland I 1, 343, 67; der solte ihn vor die u. selbsten halten ollapatrida 129 ndr.; Bauernfeld 4, 38. b) eine unschuldige person, bes. ein kind: u. waint Schwarzenberg Cicero 116; Schiller 4, 4, die u. hält den stich, musz unten in sack, musz allemal den hund heben, musz viel leiden Wander 4, 1474 f., hat im himmel einen freund Schiller 14, 286 (Tell 1, 2); nur u. kann schnarchen A. v. Arnim 6, 26; ra. er ist ein unschuld homo simplex est Aler 2, 2101a (schwerlich zum mhd. adj. unschult, unschol); v. e. kinde M. Schneckenburger d. lieder 79; es kamen .. nicht weniger als sieben unschuldchen aus einem barthschen wagen gestiegen Fr. Arndt bei E. M. Arndt (1845) 1, 80; Sanders erg. wb. 464b; nl. onnoozeltjes; unschöldche, jemand, der sich d. anschein von unschuld und naivität gibt, aber in wirklichkeit gerade das gegentheil ist Hönig Köln 158b, ähnlich unschuldswurm; literarische, candidatliche u. Savigny beruf unserer zeit 65; Raabe hungerpastor 2, 7, diese schlummernde u. (Thusnelde) Wieland Hermann 2, 376; bittende, kämpfende, weinende, knieende unschuld Jean Paul (1826) 2, 196; schneidernde u. schneidermamsell Sanders erg. wb. 464b; eine verfolgte, gekränkte u. (spielen) Nicolai litbriefe 4, 249; Göthe II 2, 69 W.; die u., die auf dem lande verblyhet Wieland I 1, 431, 150; ra. u. vom lande: die augenbrauen stehen entweder zu enge beisammen oder so hoch, dasz die deutsche u. vom lande ins spanische übersetzt erscheint B. Goltz typen der gesellschaft 1, 7; zur bezeichnung eines neuen, ungeübten dienstmädchens vom lande, in der umgangsspr.; als politische u. vom lande aus zeitungslit. Sanders erg. wb. 464b. vgl. unschuldverfolger B. Goltz jugendleben 1, 241, unschuldsverführer Baggesen 4, 127 u. dgl. subst. für das adj.: des knaben lockige u. Göthe 2, 84, 29 W.; Gaudy 4, 49. 1212) zusammensetzungen treten nicht vor dem 17. jh. auf. a) substantivische; der erste worttheil ist am häufigsten ein subj. oder ein obj. genitiv, seltener vertritt er das adj., z. b. in unschuld(s)lamm, -wurm, -tölpel, -veilchen, -taube, -pilger, -seele, -bowle. α) eigentliche: z. b.
19366 Zeichen · 629 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Unschuld

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Die Unschuld , plur. car. eigentlich der Gegensatz der Schuld, doch nur in einigen Bedeutungen desselben. 1. Derjenige Z…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Unschuld

    Goethe-Wörterbuch

    Unschuld [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Unschuld

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57)

    Unschuld , lat. innocentia , daher das ital. innocenza , frz. und engl. innocence, das Freisein von sittlicher Verschuld…

  4. modern
    Dialekt
    Unschuld

    Elsässisches Wb. · +5 Parallelbelege

    PfWB LothWB RhWB Unschuld [Ǫœyl Geisp. ] f. Unschuld.

  5. Sprichwörter
    Unschuld

    Wander (Sprichwörter)

    Unschuld 1. Der Unschuld ist man hold, sie ist besser als Silber und Gold. Schwed. : Oskuld är hvar man huld. ( Grubb, 6…

  6. Spezial
    Unschuld

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Un|schuld f. (-) 1 (Schuldlosigkeit) inozënza (-zes) f. 2 (Reinheit) purëza f. 3 ‹fig› (Keuschheit) castité f.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit unschuld

161 Bildungen · 147 Erstglied · 13 Zweitglied · 1 Ableitungen

Ableitung von unschuld

un- + schuld

unschuld leitet sich vom Lemma schuld ab mit Präfix un-.

unschuld‑ als Erstglied (30 von 147)

unschuldebære

KöblerMhd

unschuldebære , Adj. nhd. „unschuldbar“, unschuldhaft Q.: Teichn (1350-1365) (FB unschuldebære) E.: s. unschulde, schuldebære W.: nhd. DW- L…

unschuldecheit

BMZ

unschuldec·heit

unschuldecheit stf. unschuld, schuldlosigkeit. ich hân sîn unschuldekeit in kurzen zîten wol vernomen Trist. 15012. wir sind dir ritterschaf…

unschulden

Lexer

un-schulden adv. = âne schulden. ir zîhet in unschulden (: hulden) Rab. 1116. 1074,6 var. zu unrëhte;

Unschuldfreude

Campe

unschuld·freude

Die Unschuldfreude , Mz. — n , die Freude in Unschuld und über Unschuld, eine unschuldige Freude. »— wo alle Empfindungen des menschlichen H…

Unschuldgefühl

Campe

unschuld·gefuehl

Das Unschuldgefühl , — es, Mz. — e , das Gefühl, Bewußtsein der Unschuld. »Die Summe aller Unschuld = und Freunden gefühle .« Herder.

unschuldi...

KöblerMhd

unschuldi... , . Vw.: s. unschulde...

unschuldic

Lexer

un-schuldic , un-schuldec adj. BMZ act. frei von schuld, schuldlos, unschuldig, immunis, innocens Dfg. 288 a . 299 a . Nib. Kl. Iw. Parz. Pa…

unschuld als Zweitglied (13 von 13)

frauenunschuld

DWB

frau·n·unschuld

frauenunschuld , f. innocentia muliebris, wie kinderunschuld: und frauenunschuld, frauenlieb steht noch als hochstes gut, wo deutscher ahnen…

Himmelsunschuld

Campe

himmels·unschuld

◬ Die Himmelsunschuld , o. Mz . eine himmlische d. h. hohe liebenswürdige Unschuld. »Ärgert dich dein Auge, sagt der Mensch voll Himmelsunsc…

kindesunschuld

DWB

kindes·unschuld

kindesunschuld , f. kindliche unschuld. J. Paul : auch die kindesunschuld und einfalt seines gesichts schien allen übernatürlich. Novalis 1,…

schäferunschuld

DWB

schaefer·unschuld

schäferunschuld , f. : dahingegen ihr freund sich ... alles nach seinem bilde einer gewissen kindheit-, kloster- und schäferunschuld zu mode…

schwesterunschuld

DWB

schwester·unschuld

schwesterunschuld , f. einer schwester, schwesterliche unschuld: ländliche, jugendliche schwesterunschuld! wenn Eden auf erden noch ist, ein…

sittenunschuld

DWB

sitten·unschuld

sittenunschuld , f. unschuld, schlichte reinheit der sitten: der dichter selbst setzt sich lieber in die zeiten der sittenunschuld und der s…

Taubenunschuld

Campe

tauben·unschuld

Die Taubenunschuld , o. Mz . die Unschuld der friedlichen Taube; dann, eine Unschuld wie die der Taube.

Ableitungen von unschuld (1 von 1)