unschuld,
f. (
mnd. auch n., mnd. wb. 5, 76
a;
vgl. mnl. wb. 5, 908,
nl. wb. 10, 1787, schuld,
n. Staub-Tobler 8, 641. 651),
i. a. gs. der schuld (
selten: noxia Terenz [1499] 121
a;
calumnia, falsche, erlogene beschuldigung: u. an ziehen
calumniari Diefenbach
gl. 91
c;
n. gl. 68
b; mit gedult und gottes huld uberwindt man alle u. Neander
sprichwörter 22
L.; Petri e 5
a;
mnl. wb. 5, 913.
ags. unscyld
a grievous fault Bosworth-Toller 1128
a;
böse schuld mnl. wb. 5, 913; unschulden
böse schulden Kramer [1702] 2, 675
b; un IV B. kinder, sprach er, ihr seid kinder, unschuldslos und keine sünder C. Fr. Seyferth
im Naumburger Hussitenliede bei Büchmann
24 225; so is recht, sie kleine unschuldslose Niebergall 210; un IV C, D,
oder unschuldige
und schuldlose
sind zusammengeflossen).
an. úskuld;
schwedisch oskuld;
dän. uskyld.
ags. unscyld.
afries. unskelde, onschield.
ahd. unsculd, -schuldi;
mhd. unschult, -schulde;
mnd. unschult;
mnl. onscout;
nl. onschuld.
vgl. unschuldigkeit.
zu den formen s. schuld; onschuldt Luther 10
3, 356, 24
W.; ohnschuld Rose
eselkönig 51; Staub-Tobler 8, 651.
contamination des adj. unschuld
mit der subst. verbindung ohne schuld: H. Sachs 8, 413, 12
K.; 16, 52, 14
G. unschulde, schulde I 4 b
entsprechend: Zwingli
d. schr. 1, 265; Agricola
sprichw. m 5
b.
plural: Kramer
s. o.; ohnangesehen seine unschulden (
excusationes? mnl. wb. 5, 913)
beutelschneider (1641) 1, 95;
von personen s. 11 b;
in präpositionsverbindungen der ä. spr.: mit, zu, nach unschulden Hartmut v. Cronberg 93
ndr.; ständeakten Joachims II. 1, 150
Friedensburg; Staub-Tobler 8, 651;
veraltet. 11)
nichtverpflichtet sein: Sachsenspiegel 22, 4
unter schuld II 1;
Schwabensp. bei Fischer
schwäb. wb. 6, 217; Richthofen 1106
a, 2;
immunitas mnl. wb. 5, 908;
vacatio Frisius 1341
b;
scherzhaft: zeit der u.,
wo man zu trinken nicht schuldig ist Garg. 124
ndr.; vgl. unschuldige zeit
ebda. veraltet. 22)
nichtgeschuldetes: an. úskuld
an unlawful debt Cleasby-Vigfusson 665
a;
mnl. wb. 5, 909, 3
ende; indebita, für jemand nicht vorhandene schuldverpflichtungen Richthofen 1106
a, 3;
vgl. ahd. gl. 1, 160, 24; '
unverschuldetes vermögen' Dähnert 507
b; schuld und u.
passiv- und activschulden, mnd. wb. 5, 75
b;
mnl. wb. 5, 903, 3;
brem. wb. 6, 292; Campe
verd. wb. (1813) 83
b; un IV C 3.
veraltet. 33)
unberechtigung, incompetentia. vgl. unschuldig 2: Chr. Weyse
d. klügsten leute 107
unter schulrecht 3 b (
th. 9, 1965); wie denn bekannt ist, dasz dergleichen empirici in etlichen ungewöhnlichen exempeln ihre u. offtmahls bekennen
polit. redner (1677) 169; aus u.
unberechtigterweise Hohberg
georg. 3, 26
a; zu unschulden Frisch 2, 233
a;
veraltet. 44)
grundlosigkeit, nichtverantwortlichkeit u. dgl.: umb u. schlagen
ohne veranlassung H. Sachs 21, 96, 2
G.; umb alle u.
ganz unbegründeterweise Wickram 1, 31, 12; Schmeller 2, 403; mit, zu, nach unschulden
s. o.; aus u. B. v. Chiemsee 434;
vgl.schuld II 9;
nichtschuldigsein gegenüber dem vorwurf, nicht geschrieben zu haben Klopstock
briefe 9
Lappenberg; B. gelang es glücklicherweise, seine u. an dieser publication darzuthun (
dasz er nichts damit zu thun habe) Ranke 4, 58;
so auch bei blosz gesellschaftlichen verstöszen: seine u. an der verspätung nachweisen, beteuern
u. ä. [] 55)
kirchlich; sündelosigkeit, reinheit, sanctitas Stieler 1940.
von Christus: auch die u. Christi wyrt sein u. Luther 10
3, 356, 28
W.; Petri e 2
a; Logau 339
E.; von Adam u. Eva: in der u. stehen H. Sachs 1, 203, 9
K., sein C. Spangenberg
jagteufel b 1
b; Adam in seiner ersten u. Sebiz
feldbau 640;
gewöhnlich stand der u.
th. 10
2, 704; unschuldsstand J. G. Walch 2755; Zedler 49, 1983
ff. übertragen: wer hingegen der kantischen philosophie sich nicht bemeistert hat, ist .. gleichsam im stande der u. Schopenhauer 1, 23
Gr., wortspielend mit bed. 9 (
vgl. 3); die weltanschauung aller solcher .. theoretiker hat ihre u. verloren Göthe
gespräche 5, 84,
spielend mit 6 b; coulissennaivetät, die zweite u. Hebbel
tageb. 2, 265. paradiesische u., hütten der u. Herder 16, 86; 12, 83.
gnadenstand überhaupt: Tauler
serm. (1508) 24
b; B. v. Chiemsee 144; die erste absicht gottes war, den menschen durch u. und freyheit glücklich zu machen Ramler
einleitung 4
2, 275. herzens-, seelenunschuld
u. dgl. der unschuldstag
der entsündigten natur R. Wagner 10, 372 (
Parsifal 3).
übertragen für freiheit von krankheitsverdacht Staub-Tobler 8, 651, 1.
kirchlich-biblischen ursprungs ist auch die ra. seine hände in u. waschen (
s.waschen II 6 d; Büchmann
24 15)
bes. zur bezeichnung heuchlerischer, scheinheiliger verstellung bei ablehnung der verantwortlichkeit: ich wasche meine hende
mit u. und halte mich herr zu deinem altar
ps. 26, 6; das .. ich meine hende
in u. wassche
ps. 73, 13; für gott besteht niemand, da er auch in u. seine hend gewaschen Mathesius
Sarepta 19
b; er siehet, wie ihr ewere hände haltet, ob ihr sie ... in u. und mit busz gewäschen Moscherosch
insomnis cura 95
ndr.; Weichmann
poesie der Niedersachsen 5, 310;
in nichtgeistlichem sinne: Schönaich
ästhetik 81; A. v. Arnim 3, 288; Eichendorff 3, 317; Gaudy 2, 110; ich kann mit gutem gewissen sagen, ich wasche meine hände in u. Herwegh
briefe 259; dasz die schamlosen ...
sich nun heuchlerisch in u. waschen Thibaut
civil. abh. 451. 66)
in sittlicher bedeutung. a)
allgemein; freisein von vergehungen, mangel des bewusztseins von schuld, zustand, in dem man von dem vorhandensein der die unschuld gefährdenden dinge keine ahnung hat Adelung: Daniel ward wegen seiner u. (
in sua simplicitate) errettet von dem lewen 1
Makkab. 2, 60;
ps. 7, 1:
inconscientia, ignorantia, wilchs wir müssen deudschen 'unschuld', weil wir kein besser wort haben, aber es ist zu starck ... nenne es nu u. odder unwissenheit odder frey gewissen odder wie yederman wil Luther 19, 424, 21
W.; 425, 5
W.; sintemahl keine reinere u. seyn könte, als die laster nicht kennen Lohenstein
Arm. 1, 14
a;
aufrichtigkeit, sinceritas Hulsius 2, 210
b; G. Arnold
ketzerhist. vorr. 6; u. im leben und wandel Gottschedin
briefe 1, 211
Runkel, des lebens H. P. Sturz 1, 69, betragens Wieland
Agathon 2, 239, des handelns ew'ge u. Göthe 6, 37
W.; eines guten herzens 2, 101
W., der absichten Knigge
roman meines lebens 3, 101, der sitten Ranke 39, 208
anhang; sittliche u. Fr. Schlegel
Athenäum 2, 2; schuld und u.
eines epischen oder tragischen helden Scherer
litgesch. 123; seine u. verlieren
ein schlechter mensch werden Follmann 520
b.
zur begriffserläuterung: Hölderlin 2, 69, 34
L.; Novalis 2, 283
M.; u. heiszt willenlos seyn, ohne böse und eben damit ohne gut zu seyn Hegel 12, 212.
weisz die farbe der u.: W. Spangenberg
ganskönig 2, 352; Zesen
rosentahl 27; so dasz wir auch im sittlichen den begriff von weisz mit dem begriff von einfalt, u., reinheit verbunden haben Göthe II 5
1, 131
W.; sie ... war in die farbe der u. gekleidet Hölty
ged. 217; fahnen in ihrer weisztafftnen u. Gutzkow 5, 365; A. Grün 4, 142; unschuldweisz,
n. H. Heine 1, 135, -farbe Jean Paul 4, 204; unschuldsmantel Lohenstein
geistl. gedancken 27, -mäntelchen Gutzkow 4, 407. b)
geschlechtlich: jungfräulichkeit, weibliche ehre, keuschheit, auch von männlichen personen: der u. der jungfrawen und frawen sol verschont werden Fr. Wilhelm
sprichw. reg. f 1
b; was geht dich meine u. an, wann und wie ich sie verloren habe? Lessing 2, 294, 25; 2, 448; wer zweifelt wohl ... dasz glas und unschuld leicht zerbricht? Wieland 10
[] (1795), 236; jungfräuliche, mädchenhafte
u. s. w. u. Kortum
Jobsiade 3, 51; Stifter 3, 339; wohlfeil verkaufte u.
literaturbriefe 15 (1763), 154; verfolgte u. Eichendorff 2, 500; die sanfte frühlingsunschuldsblume,
ein mädchen Herder 29, 493; prüderie ist prätension auf u., ohne u.
F. Schlegel
Athen. 1, 10; der blick der u. im auge des weibes ist der .. spiegel, in welchem der mann ... die .. fähigkeit zur liebe erkennt R. Wagner 3, 316.
in künstlerischer darstellung der madonna: Winckelmann 1, 36.
übertragen: als die musik ihre himmlische u. verloren ... hatte, fand er sie in ihrer entartung Tieck
von Mozart bei O. Jahn 1, 489;
von der lilie H. Heine 1, 307. die scheue und schamhafte u. der unbärtigen jugend Wieland
Agathon 2, 279; Schubart
leben 2, 231. die u. des mannes heiszt ehre, die ehre der frau heiszt u. Ebner-Eschenbach 1, 61. an der u. anrihre
unanständige berührungen vornehmen Follmann 521
a. c)
von kindern. Krünitz 199, 243.
vgl. unschuldig 5, unschuldige kinder
bis zu 7
jahren Grimm
rechtsalt. 1, 569;
anni simplices die zeyt der jugend oder der u. bisz auff die zähen jar auszhin Frisius 1213
b.
dann erweitert: etwan ein kind legt den rechten schuoh an den lincken fuosz und den lincken an den rechten, das kummet von u. har Keisersberg
evangelibuch (1515) 20
c; Musculus
hosenteuffel 10
ndr.; Moscherosch
insomnis cura 16
ndr.; kindliche, unmündige, selige u. Harsdörffer
gesprechspiele 1, 102
a; Niebuhr
röm. gesch. 3, 540; Novalis 1, 36
M.; der unwiderstehliche zauber der u. G. Freytag 9, 46; in aller u. einbrechen Gutzkow
ritter v. geiste 1, 214. der u. jahre Heräus (1721) 173, zeit A. G. Kästner 2, 194; Schiller 11, 16; Göthe
Faust 3777. 77) schuld 5 c
entsprechend, strafrechtlich. a) J. G. Walch 2755; Krünitz 199, 245; Sattler
phraseologey 382; Graf-Dietherr 375, 499: gib mir min nasz wider und erzöug hüt an diner dienerin ein zeichen der u. A. v. Pforr
b. d. beispiele 32, 36
H.; die quästoren thaten den ersten ausspruch über schuld oder u. Niebuhr
röm. gesch. 2, 14; zeugen für die u. des beklagten Eichhorn
rechtsgesch. 1, 236;
in ä. spr.: die zur u. eingezogene G. Nigrinus
v. zäuberern 372; dasz er mich bei i.
f. g. ... zu ganzer u. angab Schweinichen
denkwürd. 244
Ö.; in u. ermort
Alsf. pass. 1042;
vgl.um u.
u. dgl. unter 3.
verbale, vielfach veraltete verbindungen: (seine) u. erfaren, erhalten, beweisen, bezeugen Staub-Tobler 8, 651; erzaigen Steinhöwel
Äsop 39
Ö., anzeigen H. Sachs 1, 146, 5
K., seiner u. zeugen Opitz
poemata 326
ndr., seine u. beibringen Lindener
rastbüchl. 32, an den tag bringen, legen Wickram 1, 3, 14, Buchholtz
Herkuliskus 5, bezeugen Krüger
Clawerts hist. 54
ndr., bekennen Luther 34
1, 242, 19
W., Weise
erznarren 76
ndr. (
dafür heute sich unschuldig bekennen), retten Harsdörffer
secret. 1, b b 7
a, betheuern Raumer
Hohenstaufen 1, 22, auf seine u. provociren (sich auf seine u. berufen) Musäus
volksm. 1, 23
u. s. f. da die knecht der haubtleut ganse unschult verstunden
Wilw. v. Schaumburg 145 (
veraltet). die u. kommt an den tag H. R. Manuel
weinspiel 999, erfindet sich Judas Nazarei 13
ndr., wird aufgeklärt E. Th. A. Hoffmann 12, 63
Gr. u. s. w. b)
als gs. zu schuld 5 a
und b '
rechtfertigung, entschuldigung, eidliche reinigung',
apologia Diefenbach
gl. 41
a. Meichszner
handbüchlin (1567) 22
a: kum her zuo mir und sag mir doch dein u.
Eulenspiegel 37
ndr.; seine u. richten ad defensionem juris Nas
antip. eins u. hundert 1, 86
b; sagt ein anderer, dasz die faule entschuldigung so viel zur u. dienlich als Adams feigenbletter zum par hosen Zinkgref-Weidner 3, 53; die u. tuon Staub-Tobler 8, 652; sein u. nemen, bieten
ebda; die frauw erpot sich irer u., das haisze eysen zuo tragen A. v. Eyb
spiegel d. sitten 40
b (
vgl.unschuldsprobe; da erbot sie sich ihre u. mit einem glüenden eysen zu beweisen Binhardus
thür. chron. 74); seine u. bieten, das ist, zum eide der entschuldigung sich anerbieten Schottel 1228;
veraltet und im neueren sprachgefühl verdunkelt (K. Stieler
gedichte 2, 59).
mhd. wb. 2
2, 186
b;
mnd. wb. 5, 75
b (brêf der unschuldinge
entlastungsdocument)
; mnl. wb. 5, 909, 4/6 (
auch in der heutigen abgeschwächten bed. von entschuldigung [] 5, 912, 6;
freisprechung 5, 909, 2); Richthofen 1106
a, 4.
angewandt auf die rechtfertigung des sünders: Zwingli
d. schr. 1, 268. 88)
stärkere gefühlsbetonung, die bei unschuldig 7
eine neue bed. hervorbringt, haftet in bestimmten bedauernden oder spottenden verbindungen; so in den zusammensetzungen unschuldswurm, -täubchen, -rasse, -veilchen, -vogel,
in der verb. in aller u. Gutzkow
unter 6 c, Nietzsche
Zarathustra 75
kriegsausg., in den verbb. u. vom lande (
s. 11), liebe, holde, kleine, rechte, blosze
u. dgl. u.: fürwar die liebe u. sahe allda etwas besonders von den heiligen engeln
V. Herberger
hertzpostilla 2 (1613) 467; Stifter 2, 37; François
Reckenburgerin 1, 108; wissen sie denn nicht, o holde u., dasz die grosze kaiserin diese tracht (
die crinoline) nur erfunden hat, um ihre interessanten umstände zu verbergen L. Steub
wanderungen im b. gebirge 35; nennen mich die kleine unschuld, weil ich noch nicht küssen lerne Tieck 1, 30; du wärst mir die rechte u. mit deinen katzenaugen Pocci
komödienb. (1859) 111; sie ist noch die blosze u. Gellert 3, 205. 99)
harmlosigkeit, einfalt. a)
anerkennend '
unverdorbenheit, rechtschaffenheit, untadligkeit, unschädlichkeit, naivität, unbefangenheit, selbstsicherheit'
u. ä.: die fromme u. der schönen teutschen wörter Schottel
haubtspr. 104; die glückselige einfalt und u. des ersten güldenen weltalters Breitinger
crit. dichtkunst 1, 88; politische güte und u. Basedow
toleranz (1766) 29; gemälde ländlicher u. Göthe IV 1, 198
W.; 49, 37
W.; von sternen, lämmern maler Müller 1, 37; 1, 40; grundbegriffe der religion in natürlicher u. und frische W. v. Humboldt
an Welcker 73; sei mir in deiner unschuld schöne, sei mir gegrüszt, du junges jahr! Rückert 1, 116; es liegt .. etwas schauderndes in der gelassenen u., womit die naturgesetze wirken Stifter 3, 5;
lieblingswort J. Grimms (
an W. Grimm 167;
gramm. 1
2, ix;
Reinh. Fuchs iii;
kl. schr. 4, 218; diese ... reinheit und u. der ersten frühlingstage ist unvergleichlich
bei W. Scherer
kl. schr. 1, 44)
und Nietzsches (u. der sinne
Zarath. 78, 179, 180, 181); die u. unsrer zusammenkünfte Göthe 26, 336
W.; '
unschädlichkeit' (
franz. engl. innocence), u. des spieles Adelung,
heute eher unschuldigkeit des spieles, trankes, mittels
u. s. f.; allgemeiner: er pries das aufgetürmte gericht als unübertrefflich an einfacher zartheit und u. und trank einen tüchtigen krug braunen bieres dazu G. Keller 3, 225.
als menschliche eigenschaft: natur und u. Lessing 3, 56 (
Nathan 2, 4, 378); Wieland
Agathon 2, 52; Ramler
fabellese 1, 118; signora S. hat eine gewisse u. in ihrem thun Lichtenberg
nachlasz 166; u. der geberde Göthe 16, 174
W. (
geheimnisse 95); eine gewisse naivetät und u. des betragens 7, 195
W., des wahnsinns 22, 9
W.; IV 1, 207, 12
W.; dabey (
im streit um die farbenlehre) bleibt wohl nichts weiter übrig als seinen gang in aller u. und sicherheit immer fortzugehen IV 32, 134, 14
W.; dies sagte sie in aller u.,
ohne etwas übles, unrechtes dabei zu denken Campe; die sentimentale kunst macht groszen lebtag mit der zwar rührenden, aber werthlosen u. Vischer
ästhet. 2, 167; er spricht von der formvollkommenheit mancher körpertheile mit einer u., die ihn erhaben zeigt über ... Justi
Winckelmann 1, 59; u. des geistes Immermann 3, 107;
vgl. Nietzsches u. der sinne. b)
wie mnl. onnoselheit 3,
franz. innocence '
simplicité excessive',
engl. innocence (Murray 5
2, 312) I 3
tadelnd, an dummheit, einfältigkeit reichende ahnungslosigkeit, unerfahrenheit: laster und thorheiten ..., die mir in meiner u. gantz unbekandt gewesen Grimmelshausen 2, 30, 12
Keller; diese halten insgemein u. und dummheit für einerley J. J. Schwabe
belustigungen 1, 24; Ruge
briefwechsel 2, 299; wobei ich in meiner u. nicht bemerkte Göthe 32, 122
W.; 31, 186
W.; politische, literärische, poetische u. Klinger 12, 287; Novalis 2, 249
M.; Hebbel
briefe 7, 212; pensionsu.; unschuldvogel; u. in solchen dingen Ebner-Eschenbach
[] 4, 159; die vollkommene u. dieser frage hätte die pfarrerin beinahe lachen gemacht
M. Meyr
a. d. Ries 2, 459. 1010)
vergleiche und bilder sind zahllos; z. b. wenn das schiff der u. nach der taufe zerbrochen ist Luther 46, 318
Erl.; es hilfft keyn bantzer für den galgen, auch das bantzer der u. nit Seb. Franck
sprichw. (1545) 1, 84
b; u. ist die sterkest pastei 1, 58
b; Wander 4, 1474; der u. wall Weichmann
poesie d. Niedersachsen 1, 129; das cleid der u. Keisersberg
bilgersch. 44
c; Günther 149; Wieland
Hermann 2, 661; G. Forster 7, 215; ich fühle mich wie untergetaucht in u. und reinheit
F. H. Jacobi 1, 65; schnee der u. R.
Z. Becker
Mildheimer liederb. 25; bist der u. stiller gang (
an den mond) O. Ludwig 1, 30; Maria ... ein phiol der unscholt Brun v. Schonebeck 4825; 4852; lilie das bild der u. Göthe 23, 268
W. (lilienunschuld Herder 26, 47
var.); das blümlein u. Bürger 109
B.; die blume der u. Eschenburg
beispielsammlung 1, 302;
nl. onschuld
omphalodes linifolia nl. wb. 10, 1787 a 2 b;
engl. innocence
Houstonia caerulea Murray 5
2, 312
c; die taube der u. Gutzkow
ritter v. geist 1, 94; Lenau 4
B.; unschuldvogel
der tannenhäher (unschuld 9 b) Naumann
vögel (1822) 2, 135. 1111)
personification. a)
als göttin, genius u. dgl. Ramler
mythol. 1, 477;
zur darstellung in der kunst Krünitz 199, 246: göttin j. Göthe 1, 105
Bernays (an die u.); einen gott der u. A. G. Meiszner
Alcibiades 1, 15; genius der u. Meinecke
Boyen 1, 18; engel Schubart
gedichte 2, 297;
vgl. ein mädchen ... entzückend wie die u. Wieland I 1, 343, 67; der solte ihn vor die u. selbsten halten
ollapatrida 129
ndr.; Bauernfeld 4, 38. b)
eine unschuldige person, bes. ein kind: u. waint Schwarzenberg
Cicero 116; Schiller 4, 4, die u. hält den stich, musz unten in sack, musz allemal den hund heben, musz viel leiden Wander 4, 1474
f., hat im himmel einen freund Schiller 14, 286 (
Tell 1, 2); nur u. kann schnarchen A. v. Arnim 6, 26;
ra. er ist ein unschuld
homo simplex est Aler 2, 2101
a (
schwerlich zum mhd. adj. unschult, unschol);
v. e. kinde M. Schneckenburger
d. lieder 79; es kamen .. nicht weniger als sieben unschuldchen aus einem barthschen wagen gestiegen Fr. Arndt
bei E.
M. Arndt (1845) 1, 80; Sanders
erg. wb. 464
b;
nl. onnoozeltjes; unschöldche,
jemand, der sich d. anschein von unschuld und naivität gibt, aber in wirklichkeit gerade das gegentheil ist Hönig
Köln 158
b,
ähnlich unschuldswurm; literarische, candidatliche u. Savigny
beruf unserer zeit 65; Raabe
hungerpastor 2, 7, diese schlummernde u. (
Thusnelde) Wieland
Hermann 2, 376; bittende, kämpfende, weinende, knieende unschuld Jean Paul (1826) 2, 196; schneidernde u.
schneidermamsell Sanders
erg. wb. 464
b; eine verfolgte, gekränkte u. (spielen) Nicolai
litbriefe 4, 249; Göthe II 2, 69
W.; die u., die auf dem lande verblyhet Wieland I 1, 431, 150;
ra. u. vom lande:
die augenbrauen stehen entweder zu enge beisammen oder so hoch, dasz die deutsche u. vom lande ins spanische übersetzt erscheint B. Goltz
typen der gesellschaft 1, 7;
zur bezeichnung eines neuen, ungeübten dienstmädchens vom lande, in der umgangsspr.; als politische u. vom lande
aus zeitungslit. Sanders
erg. wb. 464
b.
vgl. unschuldverfolger B. Goltz
jugendleben 1, 241, unschuldsverführer Baggesen 4, 127
u. dgl. subst. für das adj.: des knaben lockige u. Göthe 2, 84, 29
W.; Gaudy 4, 49. 1212)
zusammensetzungen treten nicht vor dem 17.
jh. auf. a)
substantivische; der erste worttheil ist am häufigsten ein subj. oder ein obj. genitiv, seltener vertritt er das adj., z. b. in unschuld(s)lamm, -wurm, -tölpel, -veilchen, -taube, -pilger, -seele, -bowle.
α)
eigentliche: z. b.