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weinlese

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

weinlese

Bd. 28, Sp. 960
weinlese , f. mhd. wînlese Lexer 3, 909, älter und verbreiteter als einfaches lese f. (th. 6, 772), das erst als kürzung aus weinlese erscheint; häufiger auch als ähren-, aus-, blumen-, holz-, nach-, traubenlese u. s. f. 11) verbreitung. zuerst in Wien 1453: die furlewt die hie und in andern unsern steten und merkten in den weinlesen umb lanfarnt diplomat. habsb. 42, noch lange auf den obd. osten beschränkt: summert. d. heil.-leben (Augsb. 1472) 208d; S. Franck chron. d. Türkei (1530) C 4b, dem übrigen weinland umgangssprachlich fremd und nirgends in den mundarten, dafür weithin herbst: th. 4 ii 1067; Kretschmer wortgeogr. 235. 606, sowie wimmet u. s. formen: th. 14 ii 225; H. Fischer 6, 623. so dankt weinlese seine ganze entwicklung der schriftsprache, in die es Luther 1530 einführt: der verstorer ist yn deine erndte vnd weinlesen gefallen Jer. 48, 32. fortan allerorten: so balde die w. geschehen brandenburg. weinmeisterordn. (1578) bei Coler hausb. 2, 12; dasz kein regen zu fürchten den zeitigen traubeln oder weinlesen Nigrinus zäub. (1592) 235; nach vollendeter w. Albertinus hirnschl. (1664) 330. lex. seit 1598: Güntzel 851. Göthe verbessert 1765 seine schwester: herbst / setze lieber weinlese IV 1, 23 W., seine mutter kehrt noch 1778 zu dem gewohnten herbst zurück: gestern war w. hir ... mir aber fiel der herbst von 1772 ein schr. d. Götheges. 1, 8, er bleibt bei w.: I 49, 104. IV 20, 100. 28, 256. 41, 231 W., wie auch Herder 9, 81. 12, 286 S. und (gegen seine mundart) Wieland Lucian 1 (1788) 177. im 19. jahrh. allgemein, auch beim Schweizer G. Keller 2, 35. 5, 151. 6, 217. 7, 169 und bei Eichendorff 3 (1864) 305. 22) belege für schwache sing.- und für pluralformen sind schon im vorigen enthalten. noch 1793 musz H. Braun orth. wb. 257b den nom. sg. weinlesen bekämpfen. kürzung nur im zwang des rhythmus: willkommen, weinles, unsre freude! Uz werke 54 lit.-denkm. (1749), gleich daneben in der überschrift weinlese. der plur. bleibt selten: Rode Vitruvs baukunst 2 (1796) 112; Jean Paul 3, 212 Hempel, günstig ist ihm der blick in die zukunft: es ist eine schöne erfindung unserer zeit, den gelddurst der gegenwart mit den weinlesen der zukunft zu stillen Börne 6 (1834) 153. 33) die bedeutung bestimmt Adelung als: einsammelung der reifen weintrauben, Campe fügt zu dieser grundbed. die jüngere: dann auch zeit dieser lese. 3@aa) die grundbed. wird festgehalten in wendungen wie: dem herrn des gesegneten weinbergs ... über dessen gedanken der tag der w. lächelt Zachariä tagesz. (1757) 57; die zeit der w. ist ein beständiges freudenfest G. Forster 2, 450; zur zeit der fröhlichen w. Bode Yoricks reise 2 (1768) 134. das hier stets benachbarte bed.-element des festlichen wandert in die wortbed., so wird w. zum 'fest des traubensammelns': wo zu dieser zeit alles fleisch pfeifend, geigend und tanzend nach der w. rennt Bode Tr. Schandi 8 (1774) 3; eine landhaushaltung hat besonders viel fröhliche tage! aussaat, erntefest, weinlese Iffland 2, 151 (jäger 4, 10); man erblickt als lebendes bild eine w. mit trinkenden, jauchzenden jünglingen und mädchen Immermann 19, 118 Hempel. gäste und geselliger frohsinn werden zur hauptsache: wo gewesen, schöne frau? auf der w. bey herrn Rigaud Kotzebue 24, 126; sind ihre töchter in der stadt irgendwo zum besuch? ... in einen herbst hat man sie geladen, eine w. bei einem ... freunde Heyse nov. 1, 53; herr und frau Hühnchen geben sich die ehre, sie ... zur w. einzuladen Seidel Hühnchen (1899) 67. wie die namen zu festen zeiten jährlich widerkehrender feste kann dieses w. als zeitbestimmung verstanden werden: es war vor dem jahre in der w., als wir ... Thümmel reise 5, 90. 3@bb) nach vorbildern wie diesem kann w. von vornherein als 'zeit des traubensammelns' gemeint sein: sie (drosseln) kommen in der w. ein Amaranthes frauenz.-lex. 427. begriffsbestimmungen gehen geradezu vom zeitbegriff aus: w. wird die zeit genennet, da die reiffen trauben von dem stock abgenommen ... werden comp. haush.-lex. (1728) 1022; entspr. Jacobsson 4 (1784) 625a. dieses w. eignet sich zur fristbestimmung: kurz vor der w. Heilmann Thuk. (1760) 564; nach der w. Kürnberger nov. (1861) 267; bis zur w. Hoffmann v. Fallersl. 8, 34. 3@cc) aus der arbeit des traubensammelns wird ihr ertrag und der gesamtertrag der jahresarbeit im weinberg: wir bekommen hier keine gute ernte und gar keine w. G. Forster 8, 85; da giebt es eine w., wie seit 20 jahren keine Kotzebue 28, 117; mithin kömmt dem manne von dieser w. ein zwölftel zu J. Fr. L. Göschen grundr. zu pand.-vorl. (1831) 340; dagegen fällt die w. sehr sparsam aus Görres br. 3, 584. diese entwicklung, der von ernte vergleichbar, ist früh fest in der formel eine gute weinlese: Steinbach 1 (1734) 1043; allg. dt. bibl. 83 (1788) 496. vollkommene w. G. Forster 6, 374 ist geradezu 'vollherbst'. 44) gebrauch. 4@aa) die weinlese löst sich verhältnismäszig spät aus dem gesamtbegriff der ernte und des herbstes: oft findet sich w. als synonym oder ergänzung neben ernte: Zimmermann einsamk. 2, 350; Raumer gesch. d. Hohenst. 5, 189; Nitzsch dt. stud. (1879) 193, getreideernte: Schwappach handb. d. forstgesch. 1 (1886) 248, landschaftlich auch neben herbst: Laukhard leben 3, 506. die w. fordert eine menge schwerer arbeit: nun musz man die wein-gefäsze zur w. untersuchen, wie auch die presse besichtigen allg. haush.-lex. 1 (1749) e 2b; in der w. kriechen sie unter das lattenwerk G. Forster 1 (1843) 44, sie treibt alle arbeitskräfte in den rebberg: da gerade die zeit der w. eingetreten war, so fielen diese beeinträchtigungen den Neapolitanern doppelt beschwerlich Platen 3, 37 Redlich; entspr. Holtei 39, 259, ja sie zwingt zur einstellung besonderer arbeiter: die wein- und olivenlese wurde in Italien ... einem sklavenbesitzer in accord gegeben Mommsen m. gesch. 2 (1861) 77. wirklichkeitstreue betrachtung bleibt ganz vereinzelt: dichter haben die w. besungen, maler sie als ein fröhliches, sonniges fest ... geschildert. in wirklichkeit ist sie ein ernstes, mühevolles geschäft H. v. Zobeltitz d. wein (1901) 12b. 4@bb) die neigung zu idealisieren ergreift die nüchternsten darsteller. ihr antheil gilt der w. als wirtschaftlichem höhepunkt des jahrs: w. ... die allerletzte und beste rebarbeit, welche alle das gantze jahr über gehabte mühe ... reichlich ersetzet Chomel ök. lex. 8, 2299; entspr. Heinse 2, 85 Sch. zudem war die w. leicht zum fest zu gestalten: Wimmer gesch. d. dt. bodens 66, dessen mythol. aufputz mit Bacchus, Silen, Skira u. s. w. auch in deutsche werke übergreift: Abbt 6, 1, 6; C. A. Böttiger kl. schr. 1 (1837) 176; Ed. Gerhard ak. abh. 1 (1866) 250. echt deutsch ist die lust an der frischen arbeit: es liegt etwas lebendiges und heiteres in allem, wobei sich der mensch geradezu seiner eignen glieder bedient, und die fröhliche w. gewinnt an lust, wenn der traubensaft unter den füszen der winzer in die luft sprüzt J. Grimm kl. schr. 5, 411. nicht minder echt ist, dasz sich die freude lärmend austobt: es war eben w., und raketen und schüsse leuchteten rings umher aus der abenddämmerung hervor Moltke 5, 6. die attribute von w. sind stets lustbetont: frölich Hohberg georg. cur. 3, 262b, gut Dusch verm. schr. (1758) 255; festlich Fr. Schlegel 3, 30; jubelhell Holtei 20, 3; froh G. Freytag 18, 122. 4@cc) leicht läszt sich die w. zum fest gestalten. gäste werden geladen: Archenholz Engl. 2 (1785) 317; Kotzebue 1 (1827) 276, die nicht so sehr die arbeit, als das fest sehen: die w. geht noch fort, und das ist ein gar herrliches schauspiel für uns Knigge rom. 4 (1781) 216. diese feste sind gegenstand bildlicher darstellung: A. W. Schlegel Athen. 2, 107; Ritter erdk. 1 (1822) 720, sie werden durch gesang verherrlicht: K. Fr. Becker weltgesch. 2, 258, und früh literarisch: maszen in den wald- und schäfergedichten üblich ... des herbstes w. und anderes dergleichen angenemes landwesen mit den ersinnlichsten worten auszumahlen Harsdörfer frauenz.-gespr. 4, 90, in klass. schilderung bei Göthe 1811: nach mancherlei früchten des sommers und herbstes war aber doch zuletzt die w. das lustigste und am meisten erwünschte; ja es ist keine frage, dasz ... diese tage der w., indem sie den sommer schlieszen und zugleich den winter eröffnen, eine unglaubliche heiterkeit verbreiten I 26, 247 W. 4@dd) bildlich kann w. gebraucht werden wie ernte: ein langer process ist des advocats w. Duez vray guidon (1646) 422. so eignet sich das wort zur gedichtüberschrift Neumark n. t. palmb. (1668) 454. das bild kann auch davon ausgehen, dasz die w. die trauben nie erschöpfend sammelt: jenen gleich ... die nach der w. trauben ... sammeln M. I. Schmidt gesch. d. Deutschen 3, 257. fortlaufender bildlicher gebrauch setzt erst 1785 ein: die langen abende der lieben adventszeit sind mir immer erndte und w. gewesen Haman 7, 295 Roth, ein bild, das noch bei Justi Winckelmann 1 (1866) 74 fortwirkt. allseitig beherrscht Jean Paul den bildlichen gebrauch von w.: der hauptmann ... zog ... den unschuldigen jüngling in ... seine immerwährende w. s. w. 23 (1827) 156 R.; im august ... hat der tod seinen preszgang, seine w. w. 11/14, 442 Hempel; vgl. das. 1, 10; kl. bücherschau 1 (1825) 24; dasz ich zwar in sitzungen über Fibels jetziges leben eine w., aber in sitzungen über dessen früheres nur eine ährenlese (nachlese) halte s. w. 44 (1828) 165 R. 55) weinlese- ist erster worttheil in einer anzahl nominaler zus.-setzungen wie weinlesefreuden C. A. Böttiger kl. schr. 2 (1837) 366;
9533 Zeichen · 315 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Weinlêse

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Die Weinlêse , plur. die -n, die Einsammelung der reifen Weintrauben; die Weinernte. Weinlese halten. In der Weinlese. B…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Weinlese

    Goethe-Wörterbuch

    Weinlese [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Weinlese

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Weinlese , s. Wein , S. 481, und Weinstock, S. 491.

  4. modern
    Dialekt
    Weinlesef.

    Pfälzisches Wb. · +1 Parallelbeleg

    Wein-lese f. : 'die Traubenernte', -les (-lēs, -lEs) [vereinzelt]; das eigentliche Wort der Mda. ist Herbst 2 a α . Zu B…

  5. Sprichwörter
    Weinlese

    Wander (Sprichwörter)

    Weinlese 1. Mach's bei der Weinlese recht, sonst geht's schlecht. 2. Nach der Weinlese kommt man zu spät. It. : Fatta la…

  6. Spezial
    Weinlese

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Wein|le|se f. (-,-n) racoiüda dl’üa f. , vendemia (-ies) f.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit weinlese

8 Bildungen · 8 Erstglied · 0 Zweitglied · 0 Ableitungen

Ableitung von weinlese

weinlesen + -e

weinlese leitet sich vom Lemma weinlesen ab mit Suffix -e, auf Verb-Stamm zurückgeführt.

Zerlegung von weinlese 2 Komponenten

wein+lese

weinlese setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

weinlese‑ als Erstglied (8 von 8)

weinlesetag

DWB

wein·lesetag

-tag Gutzkow rückbl. (1875) 119 . die meisten sind gelegentliche bildungen wie