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unbequem

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

unbequem adj. adv.

Bd. 24, Sp. 319
unbequem, adj. adv. , gegentheil von bequem; ahd. adv. umbequâmo moleste; mhd. unbequæme Lexer 2, 1758; mnd. unbequême Schiller-Lübben 5, 18b; mnl. onbequame wb. 5, 242; nl. onbekwaam wb. 10, 983; n. ubeqvem ordb. 7, 335b; schwed. obeqväm; vgl. das nahe verwandte unkommlich; ungechäm, unbechäm Staub-Tobler 3, 257; unquäm 5, 1300; unbekömlich Schmidt els. wb. 373b; Schmeller 1, 1394; unbekvâm ten Doornkaat-Koolman 3, 467b; onbikwaem auch trunken Dijkstra 2, 278b. frühnhd. formen: umbequeme Niger Abbas 2593, 51; ym umbekemen wynter Luther 27, 488, 12 Weim.; unbequAem Maaler 454b; unbequemb Amadis 1, 356 Keller; unbekvehm Zesen, Butschky; unbekwAem Bellin a vjb; unbekwem Grob vers. 62. das früher recht vielseitige wort hat ähnlich wie unbehaglich eine stete verengung des begriffs erlebt. am reichsten ist die mnl. und nl. entwicklung. 11) unzukommend, inconveniens, ingruus Niger Abbas, absurdus Diefenbach 6; nov. gl. 4; Calepinus 14a; dissonus, absonus, incongruus Maaler, inhabilis, ineptus, unpassend, untauglich, ungeeignet, unfähig, ungeschickt (ten Doornkaat-Koolman 3, 467b). 1@aa) mit näheren bestimmungen: es wer dem rechten unbequem H. v. Sachsenheim mörin 12; gleich als ob dyse schrifft unbequeme oder zuo schwach sein sölt zuo beweren und befestigen, dasz wir die heiligen nit söllen anruoffen Carlstadt ob jem. möge selig werden (1524) b 1a; de .. unbequeme is tho entfangen Rotmann rest. 85 neudr.; hab ich geurtheilt nit unbequem sein (haud inconveniens, ex re esse putabam) von den bergen .. zuo schreiben Franck weltb. clxxvia; es ist keiner unbequemer darzuo dann jr Fierrabras G 5; es ist auch nicht unbequäm, das man zu diser zeit die dreimönige frucht .. versehe Sebiz 51; noch ein waschen .., meines bedünckens auff die subtilen werck .. nicht ein unbequeme art Ercker 44b; dasz sie zu wichtigen sachen .. unbequem seind Aeg. Albertinus Lucifer 93, 4 neudr.; Diana machet dich der Venus unbekwem Grob vers. 62, 2, 33; dasz er .. zum treffen .. einen unbeqvemen ort gehabt Lohenstein Arm. 2, 1177b; doch wäre nicht unbequem, dasz man Hohberg 3, 9b; das gedicht .. ist sehr unbequem, die unrichtigkeit der Neukirchischen muse zu verbergen Bodmer sammlung 2, 143; auf einem zu allen operationen so unbequemen felde Lessing 18, 162. veraltet. nachklang: die natur spricht nichts aus, was ihr unbequem wäre Göthe II 4, 104; Göthe kennt das alte bequem Göthejahrb. 19, 235; unbequem zum landen, aufschlagen. doch vgl. 3, 4. 1@bb) ohne solche bestimmungen: fenster, die unbeqweme sien, wider ofbrechen Marienb. tresslerb. 275, 23; was .. unbequemer wort redet Milon Schwarzenberg Cic. 28; aber wölche dise schantz übersehen und zuo onbequemer zeit sich darauff lassen, die werden sampt dem schiff verschlugt Münster cosm. dcccclxxiii; es ist eine unbequeme stund Schupp schr. 890, noch nicht in dem späteren sinne 'ungelegen, lästig', s. u. unrichtig, falsch: die ursachen der verrenckungen seindt etlich .. unbequeme streckung Braunschweig chir. 102a; unbequemen (unzeitigen) einsamlen zuomessen Ryff confectb. 88b; eines unbequemen wörtleins Mathesius Sarepta ccxxxiia; ihr thut die männer bösz beschreiben und all in unbequemer (verzerrter) gstalt Ayrer 3004, 13 Keller; ein matter und unbequemer ausdruck verdunkelt den schönsten satz Scheibe crit. mus. 131; später (allg. d. bibl. 4, 243; Schleiermacher I 3, 38) versteht man eher einen ausdruck, der sich nicht recht fügt. s. 4. ostfr. unwohl, beengt, gedrückt, beklommen, mnl. auch schlecht von charakter, nl. auch betrunken; vgl. Dijkstra a. a. o. 22) der gesundheit unbekömmlich, unzuträglich wie incommodus = aegrotus gloss. man. (1776) 4, 168a: rechter weiszer win und rechter schwartzer win di unnaturlichsten und unbequemesten sin der menschlichen natur Petrus de Cresc. 63a; fressen oder sauffen .. noch andere unbequeme dinge Barth weibersp. z vb; ungereimpte, unbequeme artzneyen Paracelsus 1, 64c; das böse, unbequeme, kalte schnee und regenwetter Chemnitz schw. kr. 2, 109; vgl. oben Luther und bechäm freundlich vom wetter Staub-Tobler 3, 257, unbequemlich Schambach 242a; seinem magen unbekwAem Bellin rechtschr. a vjb; einen ... unbequemen frühling Hohberg 3, 95a; doch täglich zum genusz ist solches unbeqwehm Henrici ged. 2, 245; vielleicht klingt diese bedeutung nach: ein .. heftig unbequemes übel Göthe IV 41, 61 Weim., wo allerdings zuerst an 'lästig' zu denken wäre. veraltet. 33) die neueren bedeutungen haben ziemlich einseitig die sinnliche empfindung, das gegentheil von behaglichkeit, commodität, lage, körperstellung, handlichkeit u. dgl. betont, die mnl. und mnd. auch schon entwickelt waren: do hêlt sik Isegrim sêr unbequem Reinke de Vos 5454; druckt mich mein schwerer, unbequemer filtzmantel auff den schaden (d. wunde) Kirchhof wendunm. 2, 365; sonsten hette es (d. buch) gar zu gros und unbequem müssen werden Hennenberger landt. 2; die unbequäme art bey tische zu liegen Lohenstein Arm. 2, 763b; es ist zwar unbequem .., dasz man rücklings aus den bette steigen soll Schmidt rockenphil. 1, 96; ein weniger unbequemes lager Kästner verm. schr. 2, 74; fahrt auf unbequemem postwagen Langbein 31, 72; ungeachtet unbequemer rheumatismen und migränen Göthe 42, 1, 56, 11 Weim. vgl. 2; unbequemes gefühl 13, 1, 236, 2 Weim.; fuszsteig Forster 1, 175; vergeblich wechselte er von minute zu minute die unbequeme lage Holtei erz. schr. 21, 96. auch übertragen: gelenke ... spielen ihr eignes unbequemes spiel Göthe IV 27, 119 Weim.; die unbequeme stellung, in welche er (Fr. Wilhelm I.) gerathen war Ranke 27, 246; der hunger ist ein unbequemer bettgenosse Ludwig 2, 417. 44) unbehaglich, unangenehm, ungelegen, fatal, lästig, hindernisse und schwierigkeiten bereitend oder damit verbunden u. ä., wobei die sinnliche bed. 3 regelmäszig den hintergrund abgibt und den gefühlswerth bestimmt. 4@aa) von personen. unbequemlichkeit fühlend und verursachend; vgl. unbechäm nicht entgegenkommend, unlenksam, ungeschlacht Staub-Tobler 3, 257; Paul 73a; Boucke 181 f.: da man sich nun den Silenus vorstellt .. als einen alten, überaus dicken, unbequemen und immer betrunkenen menschen Winckelmann 4, 79; wenn die leute in die stadt zurückkommen, werden sie wieder zu dicken, unbequemen und verdrüszlichen bollenbeiszern Lessing 4, 88; euch stört kein unbequemer besucher Giseke-Gärtner 120; sodann mit dem unbequemen (unruhigen) Wölfchen Göthe III 11, 195, 14 Weim.; jetzt sind uns die neuen sehr unbequem 2, 257 Weim.; dagegen sich unbehaglich befindend: sehr unruhig und, weil noch nicht völlig hergestellt war, höchst unbequem III 10, 100, 22 Weim.; da ich im gasthof äuszerst unruhig und unbequem war IV 11, 256 Weim.; der unbequeme gast Arnim 3, 122; im verkehr unbequem Jahn Mozart 2, 421, 1; vgl. nd. bequem fügsam, nicht mehr idoneus, Schütze 1, 92. so schwierigkeiten, hindernisse bereitend und dadurch lästig, unangenehm: ein unbequemer diener, mensch, vorgesetzter; unbequemer oppositionsmitglieder entledigte man sich durch offenbare willkür Treitschke d. gesch. 3, 351; ein mann mit groszen ideen ist ein unbequemer nachbar Ebner-Eschenbach 1, 36. 4@bb) von thieren schwer zu behandeln, zu hüten: ein langes pferd ist in der wendung langsam und unbequem Hohberg 3, 115a; der frevelhafte hirte, der tückisch ein unbequemes stück vieh in die tiefe stürzt, begegnet vielfach in den Alpen Laistner nebels. 45; vgl.unbechäm oben; gegentheil bequem fügsam, gefügig. 4@cc) von sachen und begriffen aller art: ein vorrede von der alten und unbequemen (schwierigen) tabelthur der lautinisten Agricola mus. instr. 56; hie ist diszmal die zu- und abfuhr unbequem Schottel 854; unbequeme (hinderliche) flüsse verbessern Lohenstein Arm. 1, 372b; vgl.unbequemes heidegebüsch Göthe 33, 245 Weim.; so war doch dieses dabey (bei der kalenderverbesserung) beschwerlich und unbequem, dasz v. Fleming sold. 34, 11; unbequeme hausgeschäffte Gottsched ged. 1, 154; ehrfurcht ist unbequem Göthe 45, 64, 17 Weim.; nach dem gedanken handeln, unbequem 23, 124, 24 Weim.; die unbequeme nacht Gries Ariosts Rol. 2, 258; wörter Kinderling 18; nie zur unbequemen zeit Möser 1, 237 (vgl. 1); vorwurf Ranke 3, 177; thatsachen Treitschke aufs. 1, 24; jemandem unbequeme wahrheiten sagen; es ist ein unbequemes wesen um den dichterruhm Eichendorff 3, 157; das ist nur eine theure, unbequeme und undankbare geschichte Droste-Hülshoff br. an L. Schücking 246. 55) von verbalen verbindungen, die theils adverbiale auffassung zulassen, seien erwähnt unbequem werden: diese alten freisassen wurden überall dem lehnswesen unbequem Freytag 18, 71; warten sie nur. ich werde ihnen noch viel unbequemer Hauptmann biberpelz 60; etwas macht sich unbequem: ja machte je sich irgend etwas unbequem Mörike 1, 185; unbequem fallen: meines erachtens fält gar unbequem, ja fast unmöglich, sich an unsere teutsche sprache .. zu binden Chemnitz schw. kr. 1, 4; nur dieses fiel mit alledem dem guten purschen unbequem Lichtwer fab. 1, 112; bestimmungen, die ihnen höchst unbequem fielen Ranke 4, 173; es sich unbequem machen im wortspiel als gegentheil von sichs bequem machen: er muszte sich bequemen, es sich im wagen unbequem zu machen Gutzkow ges. w. 5, 48; ähnlich: warum hab' ich's nur so unbequem? Körner 4, 47; unbequem kommen: mir aber kommts höchst unbequem Kortum Jobs. 1, 64; der einwand schien dem geheimrath unbequem zu kommen Alexis ruhe 1, 85; sich unbequem befinden: jeder, der sich .. unbequem befand Göthe 24, 120, 28 Weim. adv.: o wie redstu so unbequem (absurde) griech. dr. 2, 129 Dähnhardt; die fabel .. möchte nicht unbequem (haud inepte) auff dich können gezogen werden Olearius rosenth. 1, 18; unbequem gepackt Simpl. 362 Kögel; unbequem wohnen Göthe 23, 292, 28 Weim.; sitzen Schubert verm. schr. 1, 238. subst.: das unbequeme gehört nicht zur sache Chr. Weise klügsten leute 247; man erträgt die unbequemen lieber, als man die unbedeutenden duldet schr. d. Götheges. 21, 4; das unbequeme hab ich hingepflanzt auf ihren weg, wo sie vorbeigehn müssen Schiller 14, 396 (Tell 4, 3). sprichwörtlich: trau, schau, wem, allzuviel trauen ist unbequem Wille sittenlehre 143. s. 1; stets einerley ist unbequem, der wechsel aber angenehm Triller betr. 2, 660. —
10303 Zeichen · 207 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Unbequêm

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Unbequêm , -er, -ste, adj. et adv. nicht bequem. Unbequem sitzen, liegen, wohnen. Das ist mir unbequem. Eine unbequeme W…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    unbequem

    Goethe-Wörterbuch

    unbequem [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. Spezial
    unbequem

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    un|be|quem I adj. 1 (unangenehm, nicht bequem) scomot (-oc, -a) 2 (lästig) zebider (-dri, -dra) II adv. 1 (peinlich) da …

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit unbequem

9 Bildungen · 8 Erstglied · 0 Zweitglied · 1 Ableitungen

Ableitung von unbequem

un- + bequem

unbequem leitet sich vom Lemma bequem ab mit Präfix un-.

unbequem‑ als Erstglied (8 von 8)

unbequêmelĩk

MNWB

unbequeme·lik

° unbequêmelĩk , adj. : von bösem Wesen, „ Byn ik denne vnbeqwemelick also eyn hund dat ik dat grote quaͤt don scholde ” (Lüb. Hist. 136).

unbequêmelĩken

MNWB

unbequeme·liken

unbequêmelĩken , um- , unbequêmelken , unbequêmelĩk , adv. : auf unpassende Art, auf unangenehme Art, „ unbequemeliken, inconvenienter , inc…

unbequemheit

DWB

unbequem·heit

unbequemheit , f. Kramer (1700) 1, 81 a . gegentheil von bequemheit, das sich nicht recht hat durchsetzen können Heynatz antib. 1, 237 . mhd…

unbequêmichêⁱt

MNWB

unbe·quemicheit

unbequêmichêⁱt , um- , unboquêmichê(i)t , f. : 1. Unfähigkeit, Untauglichkeit, „ Wer et ock dat deße vackenscreven vicarius ... in sodane Kr…

unbequemigkeit

DWB

unbequemigkeit , f. , gegentheil von bequemigkeit. mnd. unbequêmicheit Schiller - Lübben 5, 18 b ; mnl. onbequamicheit wb. 5, 245; nl. onbek…

unbequemlich

DWB

unbequem·lich

unbequemlich , adj. adv. , gegentheil von bequemlich, das als unnütze verlängerung von Adelung bekämpft wurde. Heyne 1, 358 ; mhd. unbequæml…

unbequêmlichê(i)t

MNWB

unbequemlich·eit

unbequêmelichêⁱt , unbequêmlichê(i)t , f. : 1. Beschwerde, Mühsal, „ wat schadens wy geleden hebben edd' schep breckens / vnd wat vnbequemli…

Unbequemlichkeit

Adelung

unbequemlich·keit

Die Unbequemlichkeit , plur. die -en, der Gegensatz von Bequemlichkeit. 1) Der Zustand, da ein Ding unbequem ist, ohne Plural. Die Unbequeml…

Ableitungen von unbequem (1 von 1)

unbequeme

DWB

unbequeme , f. Diefenbach nov. gloss. 127 für decrementum scheint gegentheil des substant. bequeme th. 1, 1483 zu sein. —