unbequem,
adj. adv. ,
gegentheil von bequem;
ahd. adv. umbequâmo
moleste; mhd. unbequæme Lexer 2, 1758;
mnd. unbequême Schiller-Lübben 5, 18
b;
mnl. onbequame
wb. 5, 242;
nl. onbekwaam
wb. 10, 983;
dän. ubeqvem
ordb. 7, 335
b;
schwed. obeqväm;
vgl. das nahe verwandte unkommlich; ungechäm, unbechäm Staub-Tobler 3, 257; unquäm 5, 1300; unbekömlich Schmidt
els. wb. 373
b; Schmeller 1, 1394; unbekvâm ten Doornkaat-Koolman 3, 467
b; onbikwaem
auch trunken Dijkstra 2, 278
b.
frühnhd. formen: umbequeme Niger Abbas 2593, 51; ym umbekemen wynter Luther 27, 488, 12
Weim.; unbequAem Maaler 454
b; unbequemb
Amadis 1, 356
Keller; unbekvehm Zesen, Butschky; unbekwAem Bellin a vj
b; unbekwem Grob
vers. 62.
das früher recht vielseitige wort hat ähnlich wie unbehaglich
eine stete verengung des begriffs erlebt. am reichsten ist die mnl. und nl. entwicklung. 11)
unzukommend, inconveniens, ingruus Niger Abbas,
absurdus Diefenbach 6;
nov. gl. 4; Calepinus 14
a;
dissonus, absonus, incongruus Maaler,
inhabilis, ineptus, unpassend, untauglich, ungeeignet, unfähig, ungeschickt (ten Doornkaat-Koolman 3, 467
b). 1@aa)
mit näheren bestimmungen: es wer dem rechten unbequem H. v. Sachsenheim
mörin 12; gleich als ob dyse schrifft unbequeme oder zuo schwach sein sölt zuo beweren und befestigen, dasz wir die heiligen nit söllen anruoffen Carlstadt
ob jem. möge selig werden (1524) b 1
a; de .. unbequeme is tho entfangen Rotmann
rest. 85
neudr.; hab ich geurtheilt nit unbequem sein (
haud inconveniens, ex re esse putabam) von den bergen .. zuo schreiben Franck
weltb. clxxvi
a; es ist keiner unbequemer darzuo dann jr
Fierrabras G 5; es ist auch nicht unbequäm, das man zu diser zeit die dreimönige frucht .. versehe Sebiz 51; noch ein waschen .., meines bedünckens auff die subtilen werck .. nicht ein unbequeme art Ercker 44
b; dasz sie zu wichtigen sachen .. unbequem seind Aeg. Albertinus
Lucifer 93, 4
neudr.; Diana machet dich der Venus unbekwem Grob
vers. 62, 2, 33; dasz er .. zum treffen .. einen unbeqvemen ort gehabt Lohenstein
Arm. 2, 1177
b; doch wäre nicht unbequem, dasz man Hohberg 3, 9
b; das gedicht .. ist sehr unbequem, die unrichtigkeit der Neukirchischen muse zu verbergen Bodmer
sammlung 2, 143; auf einem zu allen operationen so unbequemen felde Lessing 18, 162.
veraltet. nachklang: die natur spricht nichts aus, was ihr unbequem wäre Göthe II 4, 104; Göthe
kennt das alte bequem
Göthejahrb. 19, 235; unbequem zum landen, aufschlagen.
doch vgl. 3, 4. 1@bb)
ohne solche bestimmungen: fenster, die unbeqweme sien, wider ofbrechen
Marienb. tresslerb. 275, 23; was .. unbequemer wort redet Milon Schwarzenberg
Cic. 28; aber wölche dise schantz übersehen und zuo onbequemer zeit sich darauff lassen, die werden sampt dem schiff verschlugt Münster
cosm. dcccclxxiii; es ist eine unbequeme stund Schupp
schr. 890,
noch nicht in dem späteren sinne '
ungelegen, lästig',
s. u. unrichtig, falsch: die ursachen der verrenckungen seindt etlich .. unbequeme streckung Braunschweig
chir. 102
a; unbequemen (
unzeitigen) einsamlen zuomessen Ryff
confectb. 88
b; eines unbequemen wörtleins Mathesius
Sarepta ccxxxii
a; ihr thut die männer bösz beschreiben und all in unbequemer (
verzerrter) gstalt Ayrer 3004, 13
Keller; ein matter und unbequemer ausdruck verdunkelt den schönsten satz Scheibe
crit. mus. 131;
später (
allg. d. bibl. 4, 243; Schleiermacher I 3, 38)
versteht man eher einen ausdruck, der sich nicht recht fügt. s. 4.
ostfr. unwohl, beengt, gedrückt, beklommen, mnl. auch schlecht von charakter, nl. auch betrunken; vgl. Dijkstra
a. a. o. 22)
der gesundheit unbekömmlich, unzuträglich wie incommodus =
aegrotus gloss. man. (1776) 4, 168
a: rechter weiszer win und rechter schwartzer win di unnaturlichsten und unbequemesten sin der menschlichen natur Petrus de Cresc. 63
a; fressen oder sauffen .. noch andere unbequeme dinge Barth
weibersp. z v
b; ungereimpte, unbequeme artzneyen Paracelsus 1, 64
c; das böse, unbequeme, kalte schnee und regenwetter Chemnitz
schw. kr. 2, 109;
vgl. oben Luther
und bechäm
freundlich vom wetter Staub-Tobler 3, 257, unbequemlich Schambach 242
a; seinem magen unbekwAem Bellin
rechtschr. a vj
b; einen ... unbequemen frühling Hohberg 3, 95
a; doch täglich zum genusz ist solches unbeqwehm Henrici
ged. 2, 245;
vielleicht klingt diese bedeutung nach: ein .. heftig unbequemes übel Göthe IV 41, 61
Weim., wo allerdings zuerst an '
lästig'
zu denken wäre. veraltet. 33)
die neueren bedeutungen haben ziemlich einseitig die sinnliche empfindung, das gegentheil von behaglichkeit, commodität, lage, körperstellung, handlichkeit u. dgl. betont, die mnl. und mnd. auch schon entwickelt waren: do hêlt sik Isegrim sêr unbequem
Reinke de Vos 5454; druckt mich mein schwerer, unbequemer filtzmantel auff den schaden (
d. wunde) Kirchhof
wendunm. 2, 365; sonsten hette es (
d. buch) gar zu gros und unbequem müssen werden Hennenberger
landt. 2; die unbequäme art bey tische zu liegen Lohenstein
Arm. 2, 763
b; es ist zwar unbequem .., dasz man rücklings aus den bette steigen soll Schmidt
rockenphil. 1, 96; ein weniger unbequemes lager Kästner
verm. schr. 2, 74; fahrt auf unbequemem postwagen Langbein 31, 72; ungeachtet unbequemer rheumatismen und migränen Göthe 42, 1, 56, 11
Weim. vgl. 2; unbequemes gefühl 13, 1, 236, 2
Weim.; fuszsteig Forster 1, 175; vergeblich wechselte er von minute zu minute die unbequeme lage Holtei
erz. schr. 21, 96.
auch übertragen: gelenke ... spielen ihr eignes unbequemes spiel Göthe IV 27, 119
Weim.; die unbequeme stellung, in welche er (
Fr. Wilhelm I.) gerathen war Ranke 27, 246; der hunger ist ein unbequemer bettgenosse Ludwig 2, 417. 44)
unbehaglich, unangenehm, ungelegen, fatal, lästig, hindernisse und schwierigkeiten bereitend oder damit verbunden u. ä., wobei die sinnliche bed. 3
regelmäszig den hintergrund abgibt und den gefühlswerth bestimmt. 4@aa)
von personen. unbequemlichkeit fühlend und verursachend; vgl. unbechäm
nicht entgegenkommend, unlenksam, ungeschlacht Staub-Tobler 3, 257; Paul 73
a; Boucke 181
f.: da man sich nun den Silenus vorstellt .. als einen alten, überaus dicken, unbequemen und immer betrunkenen menschen Winckelmann 4, 79; wenn die leute in die stadt zurückkommen, werden sie wieder zu dicken, unbequemen und verdrüszlichen bollenbeiszern Lessing 4, 88; euch stört kein unbequemer besucher Giseke-Gärtner 120; sodann mit dem unbequemen (
unruhigen) Wölfchen Göthe III 11, 195, 14
Weim.; jetzt sind uns die neuen sehr unbequem 2, 257
Weim.; dagegen sich unbehaglich befindend: sehr unruhig und, weil noch nicht völlig hergestellt war, höchst unbequem III 10, 100, 22
Weim.; da ich im gasthof äuszerst unruhig und unbequem war IV 11, 256
Weim.; der unbequeme gast Arnim 3, 122; im verkehr unbequem Jahn
Mozart 2, 421, 1;
vgl. nd. bequem
fügsam, nicht mehr idoneus, Schütze 1, 92.
so schwierigkeiten, hindernisse bereitend und dadurch lästig, unangenehm: ein unbequemer diener, mensch, vorgesetzter; unbequemer oppositionsmitglieder entledigte man sich durch offenbare willkür Treitschke
d. gesch. 3, 351; ein mann mit groszen ideen ist ein unbequemer nachbar Ebner-Eschenbach 1, 36. 4@bb)
von thieren schwer zu behandeln, zu hüten: ein langes pferd ist in der wendung langsam und unbequem Hohberg 3, 115
a; der frevelhafte hirte, der tückisch ein unbequemes stück vieh in die tiefe stürzt, begegnet vielfach in den Alpen Laistner
nebels. 45;
vgl.unbechäm
oben; gegentheil bequem
fügsam, gefügig. 4@cc)
von sachen und begriffen aller art: ein vorrede von der alten und unbequemen (
schwierigen) tabelthur der lautinisten Agricola
mus. instr. 56; hie ist diszmal die zu- und abfuhr unbequem Schottel 854; unbequeme (
hinderliche) flüsse
verbessern Lohenstein
Arm. 1, 372
b;
vgl.unbequemes heidegebüsch Göthe 33, 245
Weim.; so war doch dieses dabey (
bei der kalenderverbesserung) beschwerlich und unbequem, dasz v. Fleming
sold. 34, 11; unbequeme hausgeschäffte Gottsched
ged. 1, 154; ehrfurcht ist unbequem Göthe 45, 64, 17
Weim.; nach dem gedanken handeln, unbequem 23, 124, 24
Weim.; die unbequeme nacht Gries
Ariosts Rol. 2, 258; wörter Kinderling 18; nie zur unbequemen zeit Möser 1, 237 (
vgl. 1); vorwurf Ranke 3, 177; thatsachen Treitschke
aufs. 1, 24; jemandem unbequeme wahrheiten sagen; es ist ein unbequemes wesen um den dichterruhm Eichendorff 3, 157; das ist nur eine theure, unbequeme und undankbare geschichte Droste-Hülshoff
br. an L. Schücking 246. 55)
von verbalen verbindungen, die theils adverbiale auffassung zulassen, seien erwähnt unbequem werden: diese alten freisassen wurden überall dem lehnswesen unbequem Freytag 18, 71; warten sie nur. ich werde ihnen noch viel unbequemer Hauptmann
biberpelz 60;
etwas macht sich unbequem: ja machte je sich irgend etwas unbequem Mörike 1, 185;
unbequem fallen: meines erachtens fält gar unbequem, ja fast unmöglich, sich an unsere teutsche sprache .. zu binden Chemnitz
schw. kr. 1, 4; nur dieses fiel mit alledem dem guten purschen unbequem Lichtwer
fab. 1, 112; bestimmungen, die ihnen höchst unbequem fielen Ranke 4, 173;
es sich unbequem machen im wortspiel als gegentheil von sichs bequem machen: er muszte sich bequemen, es sich im wagen unbequem zu machen Gutzkow
ges. w. 5, 48;
ähnlich: warum hab' ich's nur so unbequem? Körner 4, 47;
unbequem kommen: mir aber kommts höchst unbequem Kortum
Jobs. 1, 64; der einwand schien dem geheimrath unbequem zu kommen Alexis
ruhe 1, 85;
sich unbequem befinden: jeder, der sich .. unbequem befand Göthe 24, 120, 28
Weim. adv.: o wie redstu so unbequem (
absurde)
griech. dr. 2, 129
Dähnhardt; die fabel .. möchte nicht unbequem (
haud inepte) auff dich können gezogen werden Olearius
rosenth. 1, 18; unbequem gepackt
Simpl. 362
Kögel; unbequem wohnen Göthe 23, 292, 28
Weim.; sitzen Schubert
verm. schr. 1, 238.
subst.: das unbequeme gehört nicht zur sache Chr. Weise
klügsten leute 247; man erträgt die unbequemen lieber, als man die unbedeutenden duldet
schr. d. Götheges. 21, 4; das unbequeme hab ich hingepflanzt auf ihren weg, wo sie vorbeigehn müssen Schiller 14, 396 (
Tell 4, 3).
sprichwörtlich: trau, schau, wem, allzuviel trauen ist unbequem Wille
sittenlehre 143.
s. 1; stets einerley ist unbequem, der wechsel aber angenehm Triller
betr. 2, 660. —