unbequemlich,
adj. adv. ,
gegentheil von bequemlich,
das als unnütze verlängerung von Adelung
bekämpft wurde. Heyne 1, 358;
mhd. unbequæmlîche
adv. Lexer 2, 1758;
ineptus Niger Abbas 2565;
inhabilis 2598;
ab re Diefenbach
gloss. 4;
mnd. unbequêmeliken Schiller-Lübben 5, 18
b; Schambach 242
a;
mnl. onbequamelijc
wb. 5, 244;
dän. ubeqvemmelig;
schwed. obeqvämlig.
nicht alle bedeutungen von unbequem sind belegt, doch die wichtigsten. unangemessen, unpassend, ungeeignet: zuo irem synn darzuo fúren sy unbequemliche gezeugknisz der heiligen schrifte
erste d. bibel 3, 18, 53; alweg lychtigkeit on underscheidt ist unbequemlich
Terenz (1499) xiiii
a; unbequemliche bescheltung Boltz 103
a; darausz nicht unbequemlich .. erachtet mag werden Xylander
Polyb. 110; etliche nicht unbequämlich also reden
Plut. 246; unbequemliche örter Paracelsus 2, 253 b; ob sie jhm .. nicht zu fast unbequemlich seyn möchte Guarinonius
gr. 583; zum aushauen unbequemlicher Hohberg 1, 23.
im neueren sinne (
s.unbequem 3. 4): höchst unbequemlichs haus (
der sarg) Triller
betr. 2, 66; das unbequemliche seiner situation Herder 9, 346; sind sie (
die enkel) unbequemlich, ist sie wohlgemuth Göthe 4, 260
W.; (
der schädel,) der mehr seiner unbequemlichen form als seines gewichtes wegen mich zu drücken begann Keller 3, 130.
vom wetter: ungünstig, unangenehm Schambach 242
a. —
davon unbequemlichkeit, f., das die concurrenzformen unbequeme, unbequemigkeit, unbequemheit
unbedingt überflügelt und zurückgedrängt hat. mhd. unbequæmlîcheit Lexer 2, 1758;
mnl. onbequamelijcheit
wb. 5, 245;
dän. onbeqvemmelighed
ordb. 7, 335
b;
schwed. obeqvämlighet. Kramer (1700) 1, 81
a gibt für unbequemheit
indispositione, inhabilità, für unbequemlichkeit
incommodità, disagio, incommodo; für incommodität Kinderling 279. unbequemheit
wird heute als abstracter, unbequemlichkeit
concreter empfunden. vergl. unangenehmheit und unannehmlichkeit,
mit dem unbequemlichkeit
die beliebtheit der pluralbildung theilt. während das ältere wort in stärkster miszbilligung mit mort
und ubel (
städtechron. 3, 297)
gleichgesetzt wird, hat sich das jüngere sehr abgeschwächt, wie unangenehm, unbehaglich
u. s. w. dem euphemismus gebildeter rede höchst willkommen. für Göthe Bohner 54.
man unterscheidet unbequemlichkeiten
von wirklichen übeln (Göthe 24, 309, 27
Weim.)
und spricht gern von kleinen, geringen, den geringsten unbequemlichkeiten. leichte unbequemlichkeiten Rückert 2, 199. 11)
in der älteren umfassenderen bedeutung des adj. bequem 1: Wentzel .. vil morts, ubels und ander unbequemlichkeit volbracht
städtechron. 3, 297; welche umb unbequemlichkeit willen der ort auch yres lebens seind beraubt worden Hedio
chron. Germ. 207
a; die unbequemligkeit (
vastitas) dieses orths Olearius
reiseb. 236; unbequemligkeit der zeit Dannhawer
cat.-milch 1, xiiii
b; (
miszwachs kommt nicht) aus der erden unbequemlichkeit (
iniquitas) Hohberg 2, 8.
vielleicht klingt diese bedeutung noch in neuerer verwendung nach; z. b.: aus diesen kleinen unbequemlichkeiten der systeme Lessing 5, 416; die ritterromane lassen noch mehr die unbequemlichkeit (
unangemessenheit) des wunderbaren fühlen Göthe 40, 211, 17
Weim. vgl. 4. 22)
gesundheitliche unzuträglichkeit. s. unbequem 2: die mütter .. anderer unbequemligkeit wegen des gemütes und leibes jhre kinder nicht seugen können Barth
weibersp. a ii
a; gewisse körperliche unbequemlichkeiten .., die er für wirkliche übel nahm Göthe 24, 309, 27
Weim.; von jeder unbequemlichkeit geheilt
schr. d. Götheges. 18, 194; Bohner 54; physische unbequemlichkeiten Klinger
werke 11, 80; der tabak hatte ihm .. einige unbequemlichkeit in der verdauung zugezogen Laube 15, 137.
als zustand und eigenschaft: die unbequemlichkeit der greise Cronegk 2, 345.
doch vgl. unbequem 4 a. 33)
incommodität, unbehaglichkeit, unhandlichkeit: ausz unbequemlichkeit des sitzens Agyrtas
grillenv. 130; die unbequemlichkeit der gefengnuss
buch d. liebe 112
a; der schweren kleidung Schwabe
bel. 1, 444; des regens Ramler
einl. 1, 213; die unbequemlichkeit, hinter den maulthieren herzuschlendern Göthe 25, 109, 24
Weim.; ohne einen solchen mann war eine solche reise den gröszten unbequemlichkeiten ausgesetzt IV 8, 297
Weim.; die unbequemlichkeit des umwegs Steub
drei sommer 1, 11; unbequemlichkeit des formats, der wohnungseinrichtung, des apparats Lichtenberg
br. 2, 96; der stellung, des stehns und gehns Rückert 11, 430; (
die zuckerzange) das werkzeug der unbequemlichkeit Fontane I 1, 106. 44)
nach der 4.
bedeutung von unbequem,
besonders ganz allgemein nachtheil, unzuträglichkeit, fehler, lästigkeit, unannehmlichkeit; abstract und concret: fürwar hindenach so kompt alle unbequemligkeit (incommoditas
Andria 3, 3, 567) auf mich Boltz
Terenz 17
a; on allein dise unbequämlichkeit hats, das der südwind .. menschen und vieh .. pflegt zubeschädigen Sebiz 22; die vortheile und unbequemlichkeiten der runden figur v. Fleming
sold. 47, 3; unbequemlichkeiten dieser länge Lessing 7, 465; allein dieser punkt hat auch seine unbequemlichkeiten Löwen 4, 306; die gewöhnliche art (
zu zeichnen) ist mit vielen unbequemlichkeiten begleitet Lavater
fr. 2, 93; er half verschiedenen unbequemlichkeiten ab Nicolai
reise 1, 274; fehler und unbequemlichkeiten Forster 1, 21; allen unbequemlichkeiten trotzend Arnim 10, 58; nicht geringe unbequemlichkeiten verursachen Ch. v. Schmid 6, 240; unbequemlichkeit einer zweideutigen bekanntschaft Gutzkow
ritter v. geist 1, 127; er sähe nicht ein, warum er an sich arbeiten und sich unbequemlichkeiten machen solle Fontane I 3, 4. ohne unbequemlichkeit
bequem: eine fürstin kann ohne unbequemlichkeit einige hundert thaler mehr daran wenden Gottschedin
br. 3, 52; so gut es ohne unbequemlichkeit angeht Gervinus
gesch. d. d. dicht. 5, 10; ohne unbequemlichkeit zurückzuerstatten Keller 4, 192.
mit gen. oder pronom.: ohne dasz es jemandem unbequem fällt, von ihm als unbequem empfunden wird; oft ganz conventionell. vgl. sans incommodité, gêne, sans s'incommoder, déranger
u. ä.: machen sie ihm seinen kurzen aufenthalt allda so angenehm, als es ohne ihre unbequemlichkeit geschehen kann Lessing 17, 202; ohne unbequemlichkeit der werthen besitzer Göthe IV 28, 155
Weim.; geschieht es ohne ihre unbequemlichkeit, so erfüllen sie einen meiner schönsten wünsche 25, 10
Weim.; kann es ohne deine unbequemlichkeit geschehen, so bitte mir nur einen kleinen betrag zu den groszen kosten aus Schubart
br. 1, 129.
gegentheil mit, zu unbequemlichkeit: ich weisz, dasz sie mir, selbst mit ihrer unbequemlichkeit, gern etwas zu liebe thun Göthe IV 19, 94, 13
Weim.; zur unbequemlichkeit und zum ärgernisz aller
gespr. 6, 156; oft mit meiner eigenen groszen unbequemlichkeit Jahn
Mozart (1778) 2, 16; zu groszer unbequemlichkeit der schiffer Allmers
marschenb. 1, 2, 15.
sprichwörtlich: so ist kein unbequemlichkeit nie so gros gewesen, sie hat hinwiderumb anstatt derselbigen ein andere bequemlichkeit zur ergetzung gehabt Sebiz 10; es ist keine bequemligkeit so grosz, es liegt eine ziemliche unbequemligkeit darneben Chr. Weise
klügst. leute 246.