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stallen

mhd. bis sprichw. · 15 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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25 in 15 Wb.
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6 von 16
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

stallen verb.

Bd. 17, Sp. 616
stallen, verb. harnen, von pferden, seltner von andern thieren, vgl. das zweite stall, m. stallen ist in diesem sinne seit dem 14. jahrh. bekannt; es begegnet hd. zuerst beim könig v. Odenwalde (um 1340), um 1400 auch mnd. (bei Gerhard v. Minden Seelmann), s. Schiller - Lübben 4, 357a. ebenso nl.: stallen, seycken als eyn pert, mingere. G. v. d. Schueren teuthonista 373a Verdam; stallen, urinam proiicere, eiicere, vel mittere. vulgo stallare, ital. stallare. stallare, inquit Scaliger, dicuntur equi, quum ad urinam emittendam quiescunt: quia quum recenter veniunt in stabulum, quod stallam vocant Germani, tunc fere urinam solent emittere. Kilian 2, 628b. stallen kommt auch in den andern Germ. sprachen vor: engl. stale, vgl. Skeat 589b; n.-norw. stalle (stalde), schwed. stalla. in lebenden mundarten ist es weit verbreitet, besonders oberd. und nd. man hat diese bedeutung aus den vorhergehenden abzuleiten gesucht, vgl.: 'die ursache der bedeutung ist darin zu suchen, dasz die pferde, so bald sie von der arbeit in den stall kommen, zu harnen pflegen, oder im harnen still stehen'. brem. wb. 4, 989. ähnlich Campe (I, 2: still stehen, um zu harnen; dann, für harnen selbst) und Schm.2 2, 746. Heyne knüpft es 'an die beobachtung, dasz die pferde dazu stets stehen bleiben, während sie festen kot auch im laufen auswerfen'. dennoch ist diese an sich einleuchtende erklärung unhaltbar: 1) wird stallen in der bedeutung 'stehen bleiben' von pferden niemals gesagt; 2) ist diese bedeutung überhaupt nur dürftig und unsicher bezeugt, s. oben 4; 3) ist intransitives stallen erst nhd. bezeugt und nicht gerade häufig, s. 2; 4) dagegen ist stallen, harnen, viel früher, gewöhnlicher und allgemeiner in gebrauch und scheint dem ganzen germ. sprachgebiete anzugehören. man wird also darin wie auch in dem entsprechenden subst. stall ein besonderes wort sehen müssen, das mit stall 'stabulum' nichts zu thun hat. (so schon Wachter 1582. ebenso Adelung 1.) 11, 1@aa) zumeist auf pferde eingeschränkt: stallen, seichen, wirt von rossen geredt, urinam projicere. Maaler 384a; stallen, wirdt auch von den pferden gesagt, wenn sie bruntzen. Hulsius 305b; stallen, dicitur de equis min gentibus. Schottel 1420; das pferd will stallen, micturit. Stieler 2118; stallen, wird von pferden gesagt, mingere. Frisch 2, 316b; stallen, heisset bey den pferden so viel, als, den urin von sich lassen. Zincke öcon. lex.2 2799. s. ferner Jacobsson 7, 424b, Höfler krankheitsnamenb. 671a. so auch in den meisten mundarten, s. Tobler 406. Schm. 2, 746. Schöpf 696. nd. Strodtmann 228. brem. wb. 4, 989. Dähnert 457a. Mi 86a. Danneil 208b. Frischbier 2, 361a. Stürenburg 261a. ten Doornkaat Koolman 3, 298b. Bauer - Collitz 98a. belege: ist es, das das pferd nit stallen mag .., so ist es zu besorgen, das das pferd sterb. und der geprest geschicht dem pferd gern, so man es an dem reitten überreitet und nit laszt stallen, so es jm not tuot. Mynsinger v. d. falken 80 Haszler; der ritter ... zuo seinen gesellen sprach. mich deücht guot wir liessen die rosz stallenn unnd in eyn wierczhausz ritten die rosz stallen liessen, unnd alle rosz stalleten auszgenomen der maul der im von dem künige was gegeben worden. decamer. 589, 1—3 Keller (10, 1); ungelaidigt ewere gnaden, das ros hat gestalt, salva gratia equus urinam fecit. quelle vom j. 1471 bei Schm.2 2, 746; anno dni. 1520 im augusto da hett ainer ain rosz hie, das ... hett kain zagel noch hoden und auch kain fuod, aber am bauch da hett es zwai kleine dittlin, und wan es stallen wolt, so gieng ain kurtz zegelin zwischen den zwaien düttlin heraus, ... den kuond man nicht sechen, dan wan es stallen wolt. d. städtechron. 25, 133, 15—20, s. auch 48, 8 (W. Rem 1523 —7); wann ein pferdt nit wol stallen kan, wie jm zu helffen sey. etlich legen jnen geschölte zwiblen umb die blasz. Herr feldb. (1556) 138b; that auch wie desz keisers rosz, welchs im wasser stallet, gab wo vor war, ... seichet inn den badzuber. Garg. s. 200 neudr.; wann eyn pferd nicht wol stallen kan (welches er dan mag an den geschwollenen hoden erkennen). Sebiz feldb. 151 (am rande: wann eyn rosz nicht seychen mag); wann eyn pferd schwärlich und mit not stallet, das ist den kaltseych bekommen hat. 155; lasz jhn (den gaul) führen auff ein schafmist, oder anderst wahin, da er mög sein recht thuon, stallen und zürchen. Seuter roszartzn. 8; wann das pferd stallen oder zürchen will, soll mans still halten. 15; und als oft der fuhrman still hielt und die pferde liesz stallen so hub der narr allwegen an zu pfeifen. Claus narr (1602) 109; keyser Sigmund ritte durch ein wasser; da stallete sein pferdt in dasselbige. fieng seiner hoff junckern einer an zusagen: disz pferdt hat seines herrn art: dann es giesset wasser zu, da dessen vorhin gnug ist. Zincgref apophthegm. 1, 61; wann ein rosz δυσουρίαν hat und nicht stallen oder seichen kan. Coler hausb. 1, 365b; die reuter lassen einem rosz, wanns nicht stallen kan, eine feine grosse frische lausz forne in den schlauch kriechen. 366a; weilln die Berner rosz abiruckn müessten: so setzns ihren dunerischen kopff auff, und fangn an wider alle rang-ordnung eher zu stallen, als die herren Zuricher gäul. tintenfäszl (1745) 10; aber als die verfolger an die stelle vor dem dornstrauch gekommen waren, hielten sie an, und einer sagte, während die pferde stallten. Freytag 17 (bilder 1), 312; sie vischen mit dem miste, da siche phert uf stallen. könig v. Odenwald 6, 85 (vgl. Germ. 23, 311); inn dem stach er sein merrhen an ... da thets ein stolprer auff der strasz das er verschüttet das harmglasz. der knecht erschrack ob diesem allen. inn dem war gleich sein grusel stallen, balt stieg Heintz ab und fieng besunnen inn sein glasz widerumb ein brunnen. H. Sachs 2, 4, 74c; doch thet zu meinem glück gleich stallen mein grawe, da fieng ich jrn harm. 5, 354b (fastn. sp. 7, 76 neudr.). noch heute als ausdruck der cavallerie: woran erkennt man die kolik? das pferd ist unruhig, ... stellt sich zum stallen, stallt aber nicht. instructionsbuch für den cavalleristen3 (Hann. 1876) s. 57. sprichwörtlich: wer hat dem wirt geben. ... die pferd stallen gern wo es vor nasz ist. S. Franck sprichw. 2, 129a, s. auch Frisch 2, 316b. 1@bb) besondere verbindungen: stallen machen, urinam ciere, movere. Stieler 2118; ein pferd mit pfeiffen stallen machen, signum dare equo quod tempus mingendi habeat. Frisch 2, 316b; die pferde etc. stallen lassen, lasciare stallare. Kramer dict. 2, 904b; tempus mingendi dare. Frisch 2, 316b. — dazu ferner die zusammensetzungen: ausstallen, ... vesicam penitus levare. Stieler 2118; das pferd hat noch nicht ausgestallt, equus nondum omnem urinam reddidit. Frisch 2, 316b.
6757 Zeichen · 173 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    stallen

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer) · +2 Parallelbelege

    stallen s. stellen;

  2. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    stallensw. V.

    Köbler Mnd. Wörterbuch · +6 Parallelbelege

    stallen , sw. V. nhd. in den Stall bringen, aufstallen, unterstellen, unterbringen, stecken, sich vertragen (V.), friedl…

  3. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    1. Stallen

    Adelung (1793–1801) · +6 Parallelbelege

    1. Stallen , verb. reg. neutr. & act. welches im ersten Falle das Hülfswort haben bekommt, harnen, den Urin lassen. Es i…

  4. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Stallen

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Stallen , beim Pferde soviel wie Harn lassen.

  5. modern
    Dialekt
    stallen

    Elsässisches Wb. · +5 Parallelbelege

    stalle n , stolle n [tàlə Bf. Str. Z. ; tolə Lützelstn. ] 1. übtr. auskommen mit jem. Mit dem is t ni t guet s. Z. ; s…

  6. Sprichwörter
    Stallen

    Wander (Sprichwörter)

    Stallen Sie stallen nicht wohl zusammen. – Eiselein, 576. Sie können nicht in Frieden beieinander leben. In Pommern: Sie…

Verweisungsnetz

3834 Knoten, 9280 Kanten

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit stallen

27 Bildungen · 3 Erstglied · 21 Zweitglied · 3 Ableitungen

Zerlegung von stallen 2 Komponenten

stal+len

stallen setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

stallen‑ als Erstglied (3 von 3)

stallen I

SHW

stallen I Band 5, Spalte 1287-1288

stallen II

SHW

stallen II Band 5, Spalte 1287-1288

stallen als Zweitglied (21 von 21)

ausstallen

DWB

aus·stallen

ausstallen , excludere stabulo, educere e stabulo, gegenüber dem einstallen, vgl. ausschlagen .

bestallen

DWB

best·allen

bestallen , instituere, denominare, mit einer stelle begaben, musz aus dem häufigen subst. bestallung gefolgert werden und scheint durch ein…

Bleykrystallen

Adelung

bley·krystallen

Die Bleykrystallen , singul. inus. 1) Diejenigen Krystallen, welche man aus dem in Säuren aufgelöseten Bleye erhält. 2) Ein in Gestalt klein…

einstallen

DWB

einst·allen

einstallen , stabulo recipere, collocare, dän. indstalde, vgl. mlat. installare, franz. installer: dasz alsdann der frühling einstall, wann …

Eisenkrystallen

Adelung

eisen·krystallen

Die Eisenkrystallen , sing. inus. Krystallen, welche man aus dem Eisen erhält, wenn dasselbe in Säuren aufgelöset worden.

gestallen

KöblerMhd

gest·allen

gestallen , sw. V. nhd. in den Stall bringen Q.: Flore, Wh (um 1210) E.: s. ge, stal W.: nhd. DW- L.: Benecke/Müller/Zarncke II/2, 559a (ges…

kristallen

Pfeifer_etym

krist·allen

Kristall m. ‘Bergkristall’, von gleichmäßig angeordneten ebenen Flächen begrenzter fester Körper, ahd. kristallo m. ‘Bergkristall’ (11. Jh.)…

krystallen

DWB

krystallen , zu krystall gestalten; folg. zu sich krystallen: in dem kalt-krystallten eise. Birken lorbeerh. o, wie mhd.: wie waʒʒer sich kr…

nōtstallen

KöblerMnd

nōtstal·len

nōtstallen , sw. V. nhd. einengen, zwängen, bedrücken Q.: Nic. Gryse Laienbibel 2 B 2r (1604) E.: s. nōtstal, nōt (1), stallen L.: MndHwb 2,…

ȫverbestallen

MNWB

oever·bestallen

° ȫverbestallen , ōver- , swv. : c. A. p. jemdn. (mit Gewalt) angreifen, schädigen, wêre ôk dat iemans unser ênen ādir uns bê(i)de mit unrec…

ȫverstallen

MNWB

overst·allen

° ȫverstallen , ōver- , swv. : c. A. p. jemdn. (mit Gewalt) angreifen, schädigen, wêret ôk dat îmant unser ê(i)nen edder uns bê(i)de mit unr…

umstallen

KöblerMnd

umstallen , st. V. Vw.: s. ümmestallen

upstallen

MNWB

upstal·len

upstallen , swv. : (Tiere) in den Stall bringen , aufstallen, „ Vpstallen instabulare” (Voc. Strals. ed. Damme 469), „ it were denne ein lop…

ümmestallen

KöblerMnd

ümmestallen , st. V. nhd. umzingeln, belagern Q.: Köln. Bibel IV Reges 6, 14 E.: s. ümme (1), stallen (1) L.: MndHwb 3, 2, 84 (ümmestallen)

ōverbestallen

KöblerMnd

ōverbestallen , sw. V. Vw.: s. ȫverbestallen

ȫverbestallen

KöblerMnd

ȫverbestallen , sw. V. nhd. angreifen, schädigen E.: s. ȫver (1)?, bestallen L.: MndHwb 3=2, 1236 (ȫverbestallen) Son.: langes ö, örtlich be…

ȫverstallen

KöblerMnd

ȫverstal·len

ȫverstallen , sw. V. nhd. angreifen, mit Gewalt, schädigen, bestallen?, belagern? Q.: Sudendorf 10, 110 E.: s. ȫver (1), stallen? L.: MndHwb…

Ableitungen von stallen (3 von 3)

bestallen

DWB

bestallen , instituere, denominare, mit einer stelle begaben, musz aus dem häufigen subst. bestallung gefolgert werden und scheint durch ein…

gestallen

KöblerMhd

gestallen , sw. V. nhd. in den Stall bringen Q.: Flore, Wh (um 1210) E.: s. ge, stal W.: nhd. DW- L.: Benecke/Müller/Zarncke II/2, 559a (ges…

verstallen

DWB

verstallen , den harn zurückhalten, s. das. überstallen ' die zeit zum harnen übersehen, über diese zeit hinaus das pferd gehen lassen '. Hö…

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „stallen". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 9. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/stallen/dwb
MLA
Cotta, Marcel. „stallen". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/stallen/dwb. Abgerufen 9. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „stallen". lautwandel.de. Zugegriffen 9. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/stallen/dwb.
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