ständer,
m. stehender gegenstand. altes nomen agentis zu standen = stehn
oder zu stand,
vgl. auch ständner, ständel,
stande.
ahd. stanter
gubellus Graff 6, 698;
mhd. stander, stender Lexer
handwb. 2, 1136;
mnd. stander
und stender (
in verschiedener bedeutung, s. u.).
Schiller-Lübben 4, 362
a. 387
a.
auch im nhd. noch häufig ohne umlaut. in den andern germ. sprachen erst in neuerer zeit bekannt: nl. stander,
vgl. Franck 955;
engl. stander;
ebenso dän.; schwed. stndare.
vgl. Weigand 2, 795
f. Kluge
6 375
b. —
in lebenden mundarten allgemein verbreitet: bair. ständer Schm.
2 2, 768;
tirol. stànder Schöpf 699. Hintner 231 (
in Lusern štǫndar
in abweichender bedeutung Bacher 395),
steir. stanter
und ständer (
in verschiedenem sinne) Unger-Khull 569
a,
kärnt. stàntar Lexer 241;
in Handschuhsheim štenɐ Lenz 67
b,
unterfränk. stanner Ruckert 175,
in Würzburg ständer Sartorius 118,
vgl. Reinwald 2, 161,
pfälz. stänner Autenrieth 136,
luxemb. stènner Gangler 432,
rhein.-hess. ständer, stänner (schdenner),
daneben in der schiffersprache stander Kehrein 1, 387. Pfister 283. Crecelius 804;
thür. ständer (šdènder) Hertel
sprachsch. 233, schtander Liesenberg 203;
in Leipzig Albrecht 215
b,
schles. Weinhold 93
a,
preusz. Frischbier 2, 361
b;
nd. ständer, stender
brem. wb. 4, 993,
ostfries. ebenso (
und in anderer bedeutung stander, stanner) Stürenburg 259
b (261
a). ten Doornkaat Koolman 3, 310
a (300
a),
gern assimiliert zu stänner Mi 86
a,
s. ferner Frommamn 6, 479 (
Lippe).
nd. korrespondenzbl. 2, 29 (
Nordheim bei Göttingen). 11, 38 (
westf.);
waldeck. štäng(e)r Bauer-Collitz 98
b. 11)
als eigentliches nomen agentis, einer der steht, ganz selten als gelegenheitsbildung, der dabei steht: da disz der wirt erhöret, schrei er mit lauter stimm und sprach zu den stendern: habt ir auch je gehört,
das vögel kinder hinweg führen?
der alten weisen exempel (
Frankf. 1565) 66
b.
vgl. unten standert
und holl. engl. stander.
etwas üblicher in zusammensetzungen wie auf-, ein-, erb-, still-, vorständer: ständer für beständer,
s. bestand. (in erbständer,
emphy. teuta.)
it. vorständer für vorstehen,
s. vorstand. (
urk. v. 1439
u. ö.) Frisch 2, 318
b (
vgl. 318
c und 319
b); (
er) nahm sein spazierstöckchen und wandelte steif ein wenig vors thor, wo er demütig und langweilig herumstand und langweilige gespräche führte mit andern
herumständern, die auch nichts besseres zu thun wuszten. Keller 4, 218.
in demselben sinne findet sich das einfache ständer
in neuern mundarten, so bair. (?);
westerw. standert, m. Schmidt 232. Kehrein 1, 387,
vgl. ständerling 3,
e und ständern 4. — 'der ständer
hatte Rüdiger für aristokrat
vorgeschlagen; Campe aber erinnert richtig, dasz es zu unendlich vielen miszverständnissen gelegenheit geben würde.' Heynatz
Antibarb. 2, 441. (
wol zu stand 8,
k; sonst nicht beachtet.) 22)
im deutschen ist stander,
in der ältern sprache durchweg ohne umlaut, am frühesten als nebenform zu stande
bezeugt, vgl. das. und ständner. 2@aa)
ahd. stanter
gubellus Graff 6, 698 (
gloss. Salomonis, handschr. v. 1175),
vgl. Weigand 2, 795,
indessen liest Steinmeyer
ahd. gl. 4, 70, 6: stantē;
mnd. stander Schiller-Lübben 4, 362
a;
cubella stander Dief.
gloss. 160
b (
ein voc. v. 1440
und ein nd.);
biota ... stantär (
hd.).
nov. gloss. 53
b.
im nhd. mit umlaut: ständer (der)
idem (
ac stande,
als landschaftlich bezeichnet). Steinbach 2, 671; ständer,
labrum, ist so viel als bey andern stande. Frisch 2, 318
b;
s. ferner Adelung (2). Krünitz 169, 620.
vereinzelt schon im 16.
jh. belegt, s. b. diese bedeutung herrscht jetzt in den hd. mundarten, s. Popowitsch 306 (
im Hohenloh.). Schm.
2 2, 768 (
stellfasz). Schöpf 699. Hintner 231. Unger-Khull 569
a (
in diesem sinne stanter
und stantner). Lenz 67
b. Ruckert 175. Sartorius 118. Reinwald 2, 161. Autenrieth 136 (
stehende tonne). Kehrein 1, 387. Crecelius 804. Hertel
sprachsch. 233. Albrecht 215
b. Weinhold 93
a. 2@bb)
im einzelnen lassen sich folgende verwendungen erkennen. 2@b@aα)
groszes stehendes gefäsz, bütte, zur aufbewahrung von wasser, so im östlicheren Mitteldeutschland, s. Sartorius, Reinwald (
Mittelfranken), Crecelius, Hertel, Albrecht, Weinhold
a. a. o. dazu:
wasserständer, aqualis, silanus. Steinbach 2, 671. Zincke
öcon. lex.2 2796. 3117.
so schon in der Breslauer feuerordnung vom j. 1630: alsz soll denen, so bey zustehender fewerszgefahr einheimisch ... seindt, hiemit in ernst ... befohlen sein, dasz sie alszbald nach erhörtem glockenschlag, den wasserschlaiffen ... zueylen, dieselben in den furten, ständern und röhrkästen ... füllen lassen, und dem fewer unsäumlichen zufuohren sollen.
s. 18. 2@b@bβ)
bütte, tonne für wein, vgl. stande 2,
d: auch lapten (
leckten) sie (
die mäuse in einem keller) den wein ausz den standern. S. Franck
sprichw. 1, 108
b (1541); (
zum keltern des weins?:) trinkt, winzer, eure humpen leer und füllet korb und ständer. Seume
ged.5 138 (
zur weinlese). 2@b@gγ)
würzb. tonne zum aufbewahren von sauerkraut, gesalzenem fleisch u. s. w. kraut-, fläschständer. Sartorius 118;
ebenso henneb. sténner
holzgefäsz zum einpökeln des fleisches und zum einmachen des sauerkohls. Frommann 2, 46.
vgl. fleischständer,
theil 3, 1762,
und krautständer,
theil 5, 2124,
ferner butterständer,
theil 2, 586. rahmständer,
theil 8, 69. (
jetzt engl. stander
als schiffsausdruck, gefäsz für salzfleisch, s. Stenzel seemänn. wb. 398
a, 2.) 2@b@dδ)
auf metallene gefäsze angewandt: baum-öl-ständer, ist ein von verzinntem blech, oder aber gantz von zinne verfertigtes tieffes und weites viereckigtes oder rundes behältnisz und gefässe mit einem deckel, worinnen eine haus-mutter ihr baum-öl in der küche oder speise-kammer zu erhalten pfleget. Zincke
öcon. lex.2 248;
nach Adelung (2)
dagegen das gefäsz der krämer, worin sie baumöl zum verkaufe stehen haben. 2@b@eε) '
bey den papiermachern ist es ein fasz mit kaltem alaunwasser, worin das papier alaunet wird.' Adelung. 2@cc)
hieran schlieszt sich ständer
für einen kleinen fischteich, s. auch hälter,
theil 4, 2, 301: ständer,
piscina minor, worinnen die fische zum täglichen gebrauch stehen, den man geschwind ablassen und fischen kan. Frisch 2, 318
b.
s. ferner Adelung (5). Jacobsson 4, 254
a.
in Leipzig '
groszer, viereckiger, hölzerner fischbehälter'. Albrecht 215
b. 33)
gewöhnlich bezeichnet ständer
jetzt einen länglichen, aufrecht stehenden gegenstand, in der regel von holz, zumeist als bautheil oder theil von werkzeugen und maschinen: ständer, stander,
m. ... albero grande e grosso dà sostentare una grave mola. Kramer
dict. 2, 907
a; ständer, etwas aufgerichtetes, als eine säule, ein eck-stein u.
d. g. Frisch 2, 318
b; '
im gemeinen leben ein aufrecht stehendes stück holz.' Jacobsson 4, 254
a.
diese bedeutung geht vom nd. aus, wo sie stets für die umgelautete form stender
gilt, s. Schiller - Lübben 4, 387
a.
in der nhd. schriftsprache erscheint sie früh, zuerst bei autoren hessischer abkunft (B. Waldis, H. W. Kirchhoff).
mundartlich herrscht sie im nd. und im benachbarten hess. und thür. gebiete, s. u. sie gilt auch für das dän. und schwed. wort. 3@aa) ständer
bezeichnet zunächst einen aufrecht stehenden balken im bauwerk. so mnd., s. oben. die glossen erstrecken sich auch über das hd. gebiet: postis ... stemder. Dief.
gloss. 449
c; stender, post, eyn hold edder eyn steyn.
nov. gloss. 299
b (
nd.);
sustentaculum ... hd. nd. stender, stenderhulf.
gloss. 569
c;
niederfränkisch ohne umlaut: post, stijl, stander,
postis. G. v.
d. Schueren
teuthonista 303
a Verdam (
clevisch, 1477).
von den nhd. wörterbüchern erst spät gebucht, vgl. oben; specieller: ständer,
poteau, heiszt bey hölzernen häusern und wänden ein viereckichtes 7, 8 und mehr zoll dickes holz, das auf den schwellen perpendiculair aufsteht, und oberwärts in blattstücken oder balken eingezapfet ist. ... die an den ecken gebraucht werden, heissen
eckständer, poteaux corniers, und müssen stark und gesund seyn. die mitten in der wand zwischen den creuzbändern stehen, werden
zwischenständer, poteaux de remplage, und die
thürpfosten, poteaux de portes genennet. Eggers
kriegslex. 2, 970
f.; '
ein aufrecht stehendes stück bauholz ist in vielen fällen unter dem nahmen des ständers
bekannt. in Nieder-Deutschland führet ein jedes stück gerade stehendes bauholz in einem gebäude diesen nahmen, welches in Ober-Sachsen eine säule
heisset'. Adelung (6).
s. auch Jacobsson 4, 254
a (2
mal). Lueger 7, 471 ('
die vertikalen stäbe von fachwerkträgern'). Stenzel
seemänn. wb. 398
b.
die litteraturbelege beginnen schon im 16.
jahrh. und finden sich zumeist bei norddeutschen autoren: die ständer des hölzernen giebels waren alle (
von dem blitz) zersplittert. Lichtenberg 7, 266; ich entsprang dem wurf, der war so stark, dasz die gabel in einen eichenen ständer der badestube so tief zu stecken kam, dasz man sie mit gewalt herausziehen muszte. Freytag 19 (
bilder 2, 2), 206; Ole Peters schlug mit einer trense gegen den ständer (
des pferdestalls), neben dem er sich beschäftigte. Storm 7, 173; wenn dich (
balken) die zimmerleut behawen, zum treger oder stender machen. B. Waldis
Esop 2, 74, 15; (
hexe, die) sich kühe melkt durch ständer, dass die nachbarin blut statt milch herauszerrt. Voss 3, 110; ständer, gesenkt in die erd', und fugende balken darüber, seh' ich, und latten daran mit umwundenem hammer genagelt. (1825) 1, 74 (
Luise 2, 358,
dazu s. 190
die anm.: ständer, stehendes bauholz, seule; auch im hochdeutschen).
so auch: ich sehe an den aus heu und korngarben gebildeten wänden empor, die um mich her zwischen vier groszen ständern in die höhe ragen. Storm 1, 59.
im bilde: ich will keinen pallast bauen, sondern ein ehrbares häuslein um darinn schutz gegen wind und wetter zu finden und gar nicht um zu prahlen, man würde mir also unrecht thun, wenn man meine wohlfeile posten und ständer nach des berühmten architeckten Succow regeln beurtheilen wolte. Lichtenberg
nachlasz 21; preis, nymphe, dir! dein kraftquell sieget oft, wann auszengluth den derben bau umlodert. doch tröste gott den hausherrn, der noch hofft, sobald der kern in schwell' und ständer modert! Bürger 69
b ('
an die nymphe zu Meinberg').
mundartlich zunächst nd., s. brem. wb. 4, 993. ten Doornkaat Koolman 3, 310
a. Mi 86
a. Bauer-Collitz 98
b,
auch hess. Crecelius 804. —
besondere arten sind der eckständer, s. oben und theil 3, 25 (
meklenb. nich den eckstänner mit kriegen,
nicht den gröszten vortheil erringen. Mi 86
a)
und der thürpfosten.
letzterer ist vielleicht gemeint in einzelnen glossen, wo postis
mit ständer
wiedergegeben wird. 3@bb) ständer
bezeichnet dann auch frei stehende balken, die einen bautheil oder sonst eine last tragen; stützbalken. Hertel
sprachsch. 233. Liesenberg
Stieger mundart 203.
holzpfeiler zur unterstützung der decke in einem gröszeren raume: zwei fast in der mitte des schulzimmers befindliche ständer.
quelle bei Frischbier 2, 361
b.
auch für steinerne pfeiler und säulen (?): und weiter von den ständern des (
Kölner) domes schreiten wir. Freiligrath
5 2, 171.
beim bau einer schiffbrücke: umb scheuwens ... willen (
der pferde) vor dem wasser, so diese unsere brücken uber einen breyten unnd weyten flusz ... gemacht würde, möchte man jhm also nachgehen: dasz man von den ubergelegten bolen, je die neundte bolen an beyden enden vorgehen liesz, ... mit einem loch, darinn ein kleine seule oder ständer .... auffrecht gesetzet würde, darinn oben her widerumb lehnen oder riegel gelegt ... würden. Kirchhoff
milit. discipl. (1602) 103.
im seewesen '
teil eines maschinengestells, der frei aufrecht steht'. Stenzel
seemänn. wb. 398
b.
vgl. nl. standaerd, stander,
columna, columna arrectaria, orthostata. Kilian 2, 629
b und standarte 4,
b. 3@cc) mülen-, pressen-ständer,
albero, asse da mulino, da torchio etc. Kramer
dict. 2, 907
a; ständer '
an den windmühlen, der dicke starke baum, auf welchem die mühle stehet und umgedrehet wird'. Campe;
besonders ostfries. ständer Stürenburg 259
b. ten Doornkaat Koolman 3, 310
a;
vgl. auch standarte 4,
b. —
s. auch ständerkran. 3@dd)
ferner von frei stehenden pfählen, so von den hölzernen pfosten an gartenzäunen, obstgeländern u. ähnl. Adelung (
in Obersachsen). Campe.
nach Jacobsson 4, 254
a dagegen schlosserausdruck für die metallenen viereckigen oder runden stangen, die als haupttheile oder stützen eines gatters dienen. —
in Lippe heiszen ständer
die thorpfosten an bauernhöfen. Frommann 6, 479. 3@ee) ständer ... ist die aufrecht stehende rinne an einem teiche, wodurch derselbe vermittelst der vorsetze-bretgen angespannet und abgelassen werden kan. Zincke
öcon. lex.2 2796.
ebenso Adelung (6). Jacobsson 4, 254
b,
aufzugsschleuse Albrecht 215
b.
sonst auch grundzapfen
genannt: wenn nun gefischet werden soll; so wird der grund-zapffen, ständer, oder wie der teich zum ablassen eingerichtet ist, anfangs nur etwas gezogen, dasz das wasser ... fein gemächlich abfällt. Döbel 4, 101
a;
so vielleicht in folgender stelle gemeint (?): täucher die bald untergehn bald in bunten hälsen stehn würd ich um die ständer suchen. Dan. Czepko
Coridon u. Phyllis (
handschr.). 3@ff)
in Leipzig ferner '
wasserpfosten in den straszen, welche, durch einen druck geöffnet, wasser aus der wasserleitung ausströmen lassen, s. Albrecht 215
b. —
an einem springbrunnen: da war der neuerrichtete springbrunnen mit zwei groszen kufen rechts und links, in welche der doppeladler auf dem ständer, weiszen wein hüben und rothen wein drüben aus seinen zwei schnäbeln ausgieszen sollte. Göthe 24, 315. 3@gg)
pfahl, der die schieszscheibe trägt: Massabazanes, welcher ... bey dem letzten ziel aber zu der schleuder die lincke hand brauchte, und ... mit fleisz die scheibe fehlete ..; gleichwohl aber den ständer mit dem geschleuderten steine traf. Lohenstein
Armin. 1, 255
a. 3@hh)
weiteres in mundarten. luxemb. stènner
wagehalter, porte-balance. Gangler 432. 3@ii)
oberhess. pfeilerchen am spinnrad. Crecelius 804;
ebenso nd. stenners
früher in der Göttinger gegend für die hölzer, in denen die spule ruht. nd. korrespondenzbl. 2, 29. 3@kk)
westfäl. stänners
an der futterschneidelade. nd. korrespondenzbl. 11, 38. 44)
weiterhin bezeichnet dann ständer
allerlei selbständige geräte, die aufrecht stehen oder dienen, um gegenstände aufzustellen. 4@aa)
in den bienenhäusern aufrecht stehende bienenstöcke, alvi surgentes, im gegensatze zu den lagerstöcken,
auch ständerbeute, ständerimme, ständerstock. Zincke
öcon. lex.2 2796. Overbeck
bienenwb. 79. Adelung 4. Jacobsson 4, 254
a. Nemnich. Frischbier 2, 361
b. 4@bb)
gestell, worauf fässer liegen, bock: stander
quoque dicuntur anterii doliis subjecti. Stieler 2132;
vgl.: faszständer, canterio, cantiero, predella, sedile da botti in cantina. Kramer
dict. 2, 907
a. 4@cc)
kärnt. '
holzgestelle, auf welchem die garben in ballen gefaszt werden, um sie nach hause zu tragen'. Lexer 241. 4@dd)
im österr. hüttenwesen '
massive gerüste von guszeisen, welche durch tief liegende fundamente von starken holzbalken oder quadersteinen im boden befestigt, und so eingerichtet sind, dasz sie die lager der walzen bei einem walzwerke zwischen sich aufnehmen und den walzen zur unterstützung dienen'. Scheuchenstuel 232. 4@ee) bücherständer
für -regal
für Ulm angegeben bei Klein 2, 166;
wol allgemein üblich. 4@ff)
gängelwagen für kinder: stander,
et ständer, der,
statio subalaris infantum, cujus beneficio firme insistere assuescant. Stieler 2132;
so auch in neuern mundarten, tirol. stánder, '
ein bewegliches gestelle, in welchem die kinder das gehen lernen'. Hintner 231,
luxemb. stènner Gangler 432. 4@gg)
pult, '
stehpult zum schreiben, musicieren' (notenständer). Schöpf
tirol. idiot. 699;
betpult der juden in der synagoge. Weigand 2, 795. —
dazu: dort an seinem betpultständer steht schon der gemeindesänger. Heine 1, 434
Elster (
prinzessin Sabbat). 4@hh)
stehkorb (
mit füszen?): sie wies mit dem kinn auf einen kleinen behälter, einen rohrgeflochtenen korb, einen zierlichen kleinen ständer, mit atlasschleifen geschmückt, in dem die konsulin seit einiger zeit ihre handarbeit zu bewahren pflegte. Th. Mann
Buddenbrooks 1, 542. 4@ii)
hess. ständer
für leuchter. Pfister 283. Kehrein 1, 387. Crecelius 804. (
auch lichtständer.) 4@kk)
bei den buchdruckern viereckige kästen, theils um die formen von der anhangenden farbe zu reinigen (waschständer),
theils zum erkalten der pfanne und des gusses beim stereotypieren (kühlständer),
s. Sanders 3, 1175
b (5). 55)
bezeichnung von körpertheilen, zoologisches. 5@aa)
bei den jägern die füsze der auerhähne. Jacobsson 4, 254
a,
so steir. ständer Unger-Khull 569
a;
bei auerhahnen und ähnlichem federwildpret. Nemnich;
nach Behlen 5, 672: '1)
speciell beim auer-, birk- und haselwild, trappen, fasanen und kraniche die beine; 2)
allgemein üblicher ausdruck für die beine aller vögel, welche nicht raubvögel sind'.
s. auch Kehrein
weidmannsspr. 231
und stand 11,
d. die gelben, schwarzgefleckten bewohner des röhrichts (
rohrdommeln) ... stellten die köpfe ... steil aufrecht, dasz der schnabel zum himmel sah, und so standen sie nun als unbewegte schildwachen, allerdings nur auf éinem bein oder vielmehr 'ständer', wie der schulgerechte jäger sagt. Vischer
auch einer 1, 352; das wildpret des pauchi ist ausgezeichnet. ... dasselbe läszt sich nicht von dem pava sagen, einer art kleinem truthahne. ... die ständer und flügel sind beinahe gar nicht zu kauen. Fr. Gerstäcker 18
monate in Süd-Amerika 1, 327. —
scherzhaft von den beinen einer kuh: vier hängers (
euter) vier stänners. Wossidlo
mecklenb. volksüberl. 1,
s. 82, 165. 5@bb)
in vulgärer redeweise auch auf die beine des menschen angewandt. Höfler
krankheitsnamenb. 672
b;
in der soldatenspr. Horn 74;
mundartlich nd., ostfries. sê hed 'n pâr gôde stenders under 't lî
f. ten Doornkaat Koolman 3, 310
a,
ebenso preusz. Frischbier 2, 361
b. 5@cc)
dann poetisch ganz vereinzelt auch auf die '
füsze'
eines berges übertragen: alle bebten die ständer (
πόδες) des reichlich quellenden Ida. Bürger 230
b (
Il. 20, 59). 5@dd)
penis erectus. Höfler
a. a. o. diese heute verbreitete gebrauchsweise ist schon im 16.
jahrh. nachzuweisen: dazu wirdt mir der stender schwach: derhalben frag nit mehr darnach. B. Waldis
Esop 2, 100, 27. 5@ee)
auch bezeichnung des sangfinken: anbey (
bei der schlagwand) habe ich einen geblendeten fincken, welcher gut singet, und setze denselben nahe dahin, wo ein wilder fincke singet, schlage die wand oder das garn dabey auf, dasz der sang-fincke in der mitten stehe. höret nun der ständer diesen im bauer singen, so sticht er nach ihm herunter. Döbel 2, 243
b; so kan sich ein ieder nach seinem geschmacke einen solchen sang-fincken von den singenden fincken, welche man ständer nennet, aussuchen.
ebenda. dazu sechsständer, theil 9, 2789: hierzu (
zu sangfinken) erwehlet man solche, die fein stahl-grün am halse aussehen, und hübsche rothe brüste, auch 6 weisse federn im schwantze haben, welche man sechsständer nennet, dieweil es alte fincken sind, und ihren vollkommenen gesang haben. 240
b. 66)
in mannigfachem gebrauche begegnet das wort, gewöhnlich ohne umlaut stander,
in der seemannssprache. (
jedenfalls z. th. aus dem engl. stander,
vgl. Stenzel
seemänn. wb. 398
a.) 6@aa)
eiserner arm, worauf eine laterne steckt, besonders am groszen mars, laterneisen. Campe. Bobrik 458
b. 6@bb)
welle des gangspills. Campe. Bobrik 659
b. 6@cc)
aufrecht stehende stütze aus hohlem eisen. Goedel
seemannsspr. 459. 6@dd) '
das fest angeschlagene ende eines laufenden tauwerkes'. Adelung (1). Jacobsson 4, 254
a,
der feste part eines taues. Campe. Bobrik 522
b. 6@ee) '
ein stehendes tau, welches in senkrechter richtung hinter einem maste oder einer stenge befestiget wird, damit ein segel oder auch ein leiter daran auf- und niederfahren kann. der ständer eines drehreeps,
ein tau, welches dienet ein drehreep niederzuholen.' Campe; stander oder schnaustag eines leiters. stander eines drehreeps. Bobrik 659; '
ein stehendes tau oder eine stehende kette zum tragen und halten von lasten, z. b. drehreepstander, kohlenstander' (
feststehend, im gegensatz zu laufend). Goedel
seemannsspr. 459 (2).
s. auch ten Doornkaat Koolman 3, 300
a;
tau oder kette zum auf- und niederlassen des schwerts an einem schiff. ebenda. Stürenburg 261
a. 6@ff) stander
in der rhein. schiffersprache der oberste theil des mastes. Pfister 283. Kehrein 1, 387. 6@gg)
eine nicht grosze flagge als unterscheidungszeichen eines geschwaderführers, der keinen admiralsrang hat. Campe. Bobrik 659
a,
dreieckige signalflagge. Goedel
seemannsspr. 458;
nicht streng von flagge geschieden, im ostfries. für schiffsflagge, standarte. Stürenburg 261
a. ten Doornkaat Koolman 3, 300
a.
in diesem sinne natürlich aus standarte
entstanden, vgl. das. 77)
ausdruck der heraldik: '
theilt man einen schild durch eine linke rechte und eine schräg
theilung sowie eine quer-
und eine senkrechte theilung
in 8
theile, (
congruente dreiecke),
so nennt man diese theilung
die ständerung,
spricht von 'geständertem schilde'
und benennt die 8
einzelnen theile 'ständer'.
je nachdem an welcher stelle des schildes sie liegen, haben die einzelnen theile der ständerung, die ständer ihre besonderen beinamen und zwar: rechter und linker ober-ständer ... ober und unterer linker flankenständer ... rechter und linker unterständer ... unterer und oberer rechter flanken-ständer'. Gritzner
handb. der herald. terminologie (Siebmacher
wappenb. einl. B)
s. 43
f., s. ferner s. 58. 88)
in der ältern sprache: ständer
etiam est debitum, sive nomen stabile, pro quo aedes arraboni relictae sunt. Stieler 2132; ständer, in Thüringen das capital so auf einem hause beständig stehen bleibt und verzinset wird,
sors tanquam onus simul ad emtorem vel possessorem novum transiens ... sors domui vel fundo inhaerens. Frisch 2, 318
b.
so auch bei Adelung (3)
und Campe. 99)
zuweilen auch in der bedeutung, die gewöhnlich durch ständerling
ausgedrückt wird, vgl. das. und ständner: nach dem essen helt man stender, treibt fantasei und reiszet bossen, dann sitzen die meidlein nieder die eine hie die ander dort, da kommen die menner und liegen ihn in der schosz. Barth
weiberspiegel (1565) k 1
a.
so kärnt. stàntar '
kurzes stehenbleiben'. Lexer 241.
s. noch ständerchen.