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ständer

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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

ständer m.

Bd. 17, Sp. 740
ständer, m. stehender gegenstand. altes nomen agentis zu standen = stehn oder zu stand, vgl. auch ständner, ständel, stande. ahd. stanter gubellus Graff 6, 698; mhd. stander, stender Lexer handwb. 2, 1136; mnd. stander und stender (in verschiedener bedeutung, s. u.). Schiller-Lübben 4, 362a. 387a. auch im nhd. noch häufig ohne umlaut. in den andern germ. sprachen erst in neuerer zeit bekannt: nl. stander, vgl. Franck 955; engl. stander; ebenson.; schwed. stndare. vgl. Weigand 2, 795 f. Kluge6 375b. — in lebenden mundarten allgemein verbreitet: bair. ständer Schm.2 2, 768; tirol. stànder Schöpf 699. Hintner 231 (in Lusern štǫndar in abweichender bedeutung Bacher 395), steir. stanter und ständer (in verschiedenem sinne) Unger-Khull 569a, kärnt. stàntar Lexer 241; in Handschuhsheim štenɐ Lenz 67b, unterfränk. stanner Ruckert 175, in Würzburg ständer Sartorius 118, vgl. Reinwald 2, 161, pfälz. stänner Autenrieth 136, luxemb. stènner Gangler 432, rhein.-hess. ständer, stänner (schdenner), daneben in der schiffersprache stander Kehrein 1, 387. Pfister 283. Crecelius 804; thür. ständer (šdènder) Hertel sprachsch. 233, schtander Liesenberg 203; in Leipzig Albrecht 215b, schles. Weinhold 93a, preusz. Frischbier 2, 361b; nd. ständer, stender brem. wb. 4, 993, ostfries. ebenso (und in anderer bedeutung stander, stanner) Stürenburg 259b (261a). ten Doornkaat Koolman 3, 310a (300a), gern assimiliert zu stänner Mi 86a, s. ferner Frommamn 6, 479 (Lippe). nd. korrespondenzbl. 2, 29 (Nordheim bei Göttingen). 11, 38 (westf.); waldeck. štäng(e)r Bauer-Collitz 98b. 11) als eigentliches nomen agentis, einer der steht, ganz selten als gelegenheitsbildung, der dabei steht: da disz der wirt erhöret, schrei er mit lauter stimm und sprach zu den stendern: habt ir auch je gehört, das vögel kinder hinweg führen? der alten weisen exempel (Frankf. 1565) 66b. vgl. unten standert und holl. engl. stander. etwas üblicher in zusammensetzungen wie auf-, ein-, erb-, still-, vorständer: ständer für beständer, s. bestand. (in erbständer, emphy. teuta.) it. vorständer für vorstehen, s. vorstand. (urk. v. 1439 u. ö.) Frisch 2, 318b (vgl. 318c und 319b); (er) nahm sein spazierstöckchen und wandelte steif ein wenig vors thor, wo er demütig und langweilig herumstand und langweilige gespräche führte mit andern herumständern, die auch nichts besseres zu thun wuszten. Keller 4, 218. in demselben sinne findet sich das einfache ständer in neuern mundarten, so bair. (?); westerw. standert, m. Schmidt 232. Kehrein 1, 387, vgl. ständerling 3, e und ständern 4. — 'der ständer hatte Rüdiger für aristokrat vorgeschlagen; Campe aber erinnert richtig, dasz es zu unendlich vielen miszverständnissen gelegenheit geben würde.' Heynatz Antibarb. 2, 441. (wol zu stand 8, k; sonst nicht beachtet.) 22) im deutschen ist stander, in der ältern sprache durchweg ohne umlaut, am frühesten als nebenform zu stande bezeugt, vgl. das. und ständner. 2@aa) ahd. stanter gubellus Graff 6, 698 (gloss. Salomonis, handschr. v. 1175), vgl. Weigand 2, 795, indessen liest Steinmeyer ahd. gl. 4, 70, 6: stantē; mnd. stander Schiller-Lübben 4, 362a; cubella stander Dief. gloss. 160b (ein voc. v. 1440 und ein nd.); biota ... stantär (hd.). nov. gloss. 53b. im nhd. mit umlaut: ständer (der) idem (ac stande, als landschaftlich bezeichnet). Steinbach 2, 671; ständer, labrum, ist so viel als bey andern stande. Frisch 2, 318b; s. ferner Adelung (2). Krünitz 169, 620. vereinzelt schon im 16. jh. belegt, s. b. diese bedeutung herrscht jetzt in den hd. mundarten, s. Popowitsch 306 (im Hohenloh.). Schm.2 2, 768 (stellfasz). Schöpf 699. Hintner 231. Unger-Khull 569a (in diesem sinne stanter und stantner). Lenz 67b. Ruckert 175. Sartorius 118. Reinwald 2, 161. Autenrieth 136 (stehende tonne). Kehrein 1, 387. Crecelius 804. Hertel sprachsch. 233. Albrecht 215b. Weinhold 93a. 2@bb) im einzelnen lassen sich folgende verwendungen erkennen. 2@b@aα) groszes stehendes gefäsz, bütte, zur aufbewahrung von wasser, so im östlicheren Mitteldeutschland, s. Sartorius, Reinwald (Mittelfranken), Crecelius, Hertel, Albrecht, Weinhold a. a. o. dazu: wasserständer, aqualis, silanus. Steinbach 2, 671. Zincke öcon. lex.2 2796. 3117. so schon in der Breslauer feuerordnung vom j. 1630: alsz soll denen, so bey zustehender fewerszgefahr einheimisch ... seindt, hiemit in ernst ... befohlen sein, dasz sie alszbald nach erhörtem glockenschlag, den wasserschlaiffen ... zueylen, dieselben in den furten, ständern und röhrkästen ... füllen lassen, und dem fewer unsäumlichen zufuohren sollen. s. 18. 2@b@bβ) bütte, tonne für wein, vgl. stande 2, d: auch lapten (leckten) sie (die mäuse in einem keller) den wein ausz den standern. S. Franck sprichw. 1, 108b (1541); (zum keltern des weins?:) trinkt, winzer, eure humpen leer und füllet korb und ständer. Seume ged.5 138 (zur weinlese). 2@b@gγ) würzb. tonne zum aufbewahren von sauerkraut, gesalzenem fleisch u. s. w. kraut-, fläschständer. Sartorius 118; ebenso henneb. sténner holzgefäsz zum einpökeln des fleisches und zum einmachen des sauerkohls. Frommann 2, 46. vgl. fleischständer, theil 3, 1762, und krautständer, theil 5, 2124, ferner butterständer, theil 2, 586. rahmständer, theil 8, 69. (jetzt engl. stander als schiffsausdruck, gefäsz für salzfleisch, s. Stenzel seemänn. wb. 398a, 2.) 2@b@dδ) auf metallene gefäsze angewandt: baum-öl-ständer, ist ein von verzinntem blech, oder aber gantz von zinne verfertigtes tieffes und weites viereckigtes oder rundes behältnisz und gefässe mit einem deckel, worinnen eine haus-mutter ihr baum-öl in der küche oder speise-kammer zu erhalten pfleget. Zincke öcon. lex.2 248; nach Adelung (2) dagegen das gefäsz der krämer, worin sie baumöl zum verkaufe stehen haben. 2@b@eε) 'bey den papiermachern ist es ein fasz mit kaltem alaunwasser, worin das papier alaunet wird.' Adelung. 2@cc) hieran schlieszt sich ständer für einen kleinen fischteich, s. auch hälter, theil 4, 2, 301: ständer, piscina minor, worinnen die fische zum täglichen gebrauch stehen, den man geschwind ablassen und fischen kan. Frisch 2, 318b. s. ferner Adelung (5). Jacobsson 4, 254a. in Leipzig 'groszer, viereckiger, hölzerner fischbehälter'. Albrecht 215b. 33) gewöhnlich bezeichnet ständer jetzt einen länglichen, aufrecht stehenden gegenstand, in der regel von holz, zumeist als bautheil oder theil von werkzeugen und maschinen: ständer, stander, m. ... albero grande e grosso sostentare una grave mola. Kramer dict. 2, 907a; ständer, etwas aufgerichtetes, als eine säule, ein eck-stein u. d. g. Frisch 2, 318b; 'im gemeinen leben ein aufrecht stehendes stück holz.' Jacobsson 4, 254a. diese bedeutung geht vom nd. aus, wo sie stets für die umgelautete form stender gilt, s. Schiller - Lübben 4, 387a. in der nhd. schriftsprache erscheint sie früh, zuerst bei autoren hessischer abkunft (B. Waldis, H. W. Kirchhoff). mundartlich herrscht sie im nd. und im benachbarten hess. und thür. gebiete, s. u. sie gilt auch für dasn. und schwed. wort. 3@aa) ständer bezeichnet zunächst einen aufrecht stehenden balken im bauwerk. so mnd., s. oben. die glossen erstrecken sich auch über das hd. gebiet: postis ... stemder. Dief. gloss. 449c; stender, post, eyn hold edder eyn steyn. nov. gloss. 299b (nd.); sustentaculum ... hd. nd. stender, stenderhulf. gloss. 569c; niederfränkisch ohne umlaut: post, stijl, stander, postis. G. v. d. Schueren teuthonista 303a Verdam (clevisch, 1477). von den nhd. wörterbüchern erst spät gebucht, vgl. oben; specieller: ständer, poteau, heiszt bey hölzernen häusern und wänden ein viereckichtes 7, 8 und mehr zoll dickes holz, das auf den schwellen perpendiculair aufsteht, und oberwärts in blattstücken oder balken eingezapfet ist. ... die an den ecken gebraucht werden, heissen eckständer, poteaux corniers, und müssen stark und gesund seyn. die mitten in der wand zwischen den creuzbändern stehen, werden zwischenständer, poteaux de remplage, und die thürpfosten, poteaux de portes genennet. Eggers kriegslex. 2, 970 f.; 'ein aufrecht stehendes stück bauholz ist in vielen fällen unter dem nahmen des ständers bekannt. in Nieder-Deutschland führet ein jedes stück gerade stehendes bauholz in einem gebäude diesen nahmen, welches in Ober-Sachsen eine säule heisset'. Adelung (6). s. auch Jacobsson 4, 254a (2 mal). Lueger 7, 471 ('die vertikalen stäbe von fachwerkträgern'). Stenzel seemänn. wb. 398b. die litteraturbelege beginnen schon im 16. jahrh. und finden sich zumeist bei norddeutschen autoren: die ständer des hölzernen giebels waren alle (von dem blitz) zersplittert. Lichtenberg 7, 266; ich entsprang dem wurf, der war so stark, dasz die gabel in einen eichenen ständer der badestube so tief zu stecken kam, dasz man sie mit gewalt herausziehen muszte. Freytag 19 (bilder 2, 2), 206; Ole Peters schlug mit einer trense gegen den ständer (des pferdestalls), neben dem er sich beschäftigte. Storm 7, 173; wenn dich (balken) die zimmerleut behawen, zum treger oder stender machen. B. Waldis Esop 2, 74, 15; (hexe, die) sich kühe melkt durch ständer, dass die nachbarin blut statt milch herauszerrt. Voss 3, 110; ständer, gesenkt in die erd', und fugende balken darüber, seh' ich, und latten daran mit umwundenem hammer genagelt. (1825) 1, 74 (Luise 2, 358, dazu s. 190 die anm.: ständer, stehendes bauholz, seule; auch im hochdeutschen). so auch: ich sehe an den aus heu und korngarben gebildeten wänden empor, die um mich her zwischen vier groszen ständern in die höhe ragen. Storm 1, 59. im bilde: ich will keinen pallast bauen, sondern ein ehrbares häuslein um darinn schutz gegen wind und wetter zu finden und gar nicht um zu prahlen, man würde mir also unrecht thun, wenn man meine wohlfeile posten und ständer nach des berühmten architeckten Succow regeln beurtheilen wolte. Lichtenberg nachlasz 21; preis, nymphe, dir! dein kraftquell sieget oft, wann auszengluth den derben bau umlodert. doch tröste gott den hausherrn, der noch hofft, sobald der kern in schwell' und ständer modert! Bürger 69b ('an die nymphe zu Meinberg'). mundartlich zunächst nd., s. brem. wb. 4, 993. ten Doornkaat Koolman 3, 310a. Mi 86a. Bauer-Collitz 98b, auch hess. Crecelius 804. — besondere arten sind der eckständer, s. oben und theil 3, 25 (meklenb. nich den eckstänner mit kriegen, nicht den gröszten vortheil erringen. Mi 86a) und der thürpfosten. letzterer ist vielleicht gemeint in einzelnen glossen, wo postis mit ständer wiedergegeben wird. 3@bb) ständer bezeichnet dann auch frei stehende balken, die einen bautheil oder sonst eine last tragen; stützbalken. Hertel sprachsch. 233. Liesenberg Stieger mundart 203. holzpfeiler zur unterstützung der decke in einem gröszeren raume: zwei fast in der mitte des schulzimmers befindliche ständer. quelle bei Frischbier 2, 361b. auch für steinerne pfeiler und säulen (?): und weiter von den ständern des (Kölner) domes schreiten wir. Freiligrath5 2, 171. beim bau einer schiffbrücke: umb scheuwens ... willen (der pferde) vor dem wasser, so diese unsere brücken uber einen breyten unnd weyten flusz ... gemacht würde, möchte man jhm also nachgehen: dasz man von den ubergelegten bolen, je die neundte bolen an beyden enden vorgehen liesz, ... mit einem loch, darinn ein kleine seule oder ständer .... auffrecht gesetzet würde, darinn oben her widerumb lehnen oder riegel gelegt ... würden. Kirchhoff milit. discipl. (1602) 103. im seewesen 'teil eines maschinengestells, der frei aufrecht steht'. Stenzel seemänn. wb. 398b. vgl. nl. standaerd, stander, columna, columna arrectaria, orthostata. Kilian 2, 629b und standarte 4, b. 3@cc) mülen-, pressen-ständer, albero, asse da mulino, da torchio etc. Kramer dict. 2, 907a; ständer 'an den windmühlen, der dicke starke baum, auf welchem die mühle stehet und umgedrehet wird'. Campe; besonders ostfries. ständer Stürenburg 259b. ten Doornkaat Koolman 3, 310a; vgl. auch standarte 4, b.s. auch ständerkran. 3@dd) ferner von frei stehenden pfählen, so von den hölzernen pfosten an gartenzäunen, obstgeländern u. ähnl. Adelung (in Obersachsen). Campe. nach Jacobsson 4, 254a dagegen schlosserausdruck für die metallenen viereckigen oder runden stangen, die als haupttheile oder stützen eines gatters dienen.in Lippe heiszen ständer die thorpfosten an bauernhöfen. Frommann 6, 479. 3@ee) ständer ... ist die aufrecht stehende rinne an einem teiche, wodurch derselbe vermittelst der vorsetze-bretgen angespannet und abgelassen werden kan. Zincke öcon. lex.2 2796. ebenso Adelung (6). Jacobsson 4, 254b, aufzugsschleuse Albrecht 215b. sonst auch grundzapfen genannt: wenn nun gefischet werden soll; so wird der grund-zapffen, ständer, oder wie der teich zum ablassen eingerichtet ist, anfangs nur etwas gezogen, dasz das wasser ... fein gemächlich abfällt. Döbel 4, 101a; so vielleicht in folgender stelle gemeint (?): täucher die bald untergehn bald in bunten hälsen stehn würd ich um die ständer suchen. Dan. Czepko Coridon u. Phyllis (handschr.). 3@ff) in Leipzig ferner 'wasserpfosten in den straszen, welche, durch einen druck geöffnet, wasser aus der wasserleitung ausströmen lassen, s. Albrecht 215b. — an einem springbrunnen: da war der neuerrichtete springbrunnen mit zwei groszen kufen rechts und links, in welche der doppeladler auf dem ständer, weiszen wein hüben und rothen wein drüben aus seinen zwei schnäbeln ausgieszen sollte. Göthe 24, 315. 3@gg) pfahl, der die schieszscheibe trägt: Massabazanes, welcher ... bey dem letzten ziel aber zu der schleuder die lincke hand brauchte, und ... mit fleisz die scheibe fehlete ..; gleichwohl aber den ständer mit dem geschleuderten steine traf. Lohenstein Armin. 1, 255a. 3@hh) weiteres in mundarten. luxemb. stènner wagehalter, porte-balance. Gangler 432. 3@ii) oberhess. pfeilerchen am spinnrad. Crecelius 804; ebenso nd. stenners früher in der Göttinger gegend für die hölzer, in denen die spule ruht. nd. korrespondenzbl. 2, 29. 3@kk) westfäl. stänners an der futterschneidelade. nd. korrespondenzbl. 11, 38. 44) weiterhin bezeichnet dann ständer allerlei selbständige geräte, die aufrecht stehen oder dienen, um gegenstände aufzustellen. 4@aa) in den bienenhäusern aufrecht stehende bienenstöcke, alvi surgentes, im gegensatze zu den lagerstöcken, auch ständerbeute, ständerimme, ständerstock. Zincke öcon. lex.2 2796. Overbeck bienenwb. 79. Adelung 4. Jacobsson 4, 254a. Nemnich. Frischbier 2, 361b. 4@bb) gestell, worauf fässer liegen, bock: stander quoque dicuntur anterii doliis subjecti. Stieler 2132; vgl.: faszständer, canterio, cantiero, predella, sedile da botti in cantina. Kramer dict. 2, 907a. 4@cc) kärnt. 'holzgestelle, auf welchem die garben in ballen gefaszt werden, um sie nach hause zu tragen'. Lexer 241. 4@dd) im österr. hüttenwesen 'massive gerüste von guszeisen, welche durch tief liegende fundamente von starken holzbalken oder quadersteinen im boden befestigt, und so eingerichtet sind, dasz sie die lager der walzen bei einem walzwerke zwischen sich aufnehmen und den walzen zur unterstützung dienen'. Scheuchenstuel 232. 4@ee) bücherständer für -regal für Ulm angegeben bei Klein 2, 166; wol allgemein üblich. 4@ff) gängelwagen für kinder: stander, et ständer, der, statio subalaris infantum, cujus beneficio firme insistere assuescant. Stieler 2132; so auch in neuern mundarten, tirol. stánder, 'ein bewegliches gestelle, in welchem die kinder das gehen lernen'. Hintner 231, luxemb. stènner Gangler 432. 4@gg) pult, 'stehpult zum schreiben, musicieren' (notenständer). Schöpf tirol. idiot. 699; betpult der juden in der synagoge. Weigand 2, 795. — dazu: dort an seinem betpultständer steht schon der gemeindesänger. Heine 1, 434 Elster (prinzessin Sabbat). 4@hh) stehkorb (mit füszen?): sie wies mit dem kinn auf einen kleinen behälter, einen rohrgeflochtenen korb, einen zierlichen kleinen ständer, mit atlasschleifen geschmückt, in dem die konsulin seit einiger zeit ihre handarbeit zu bewahren pflegte. Th. Mann Buddenbrooks 1, 542. 4@ii) hess. ständer für leuchter. Pfister 283. Kehrein 1, 387. Crecelius 804. (auch lichtständer.) 4@kk) bei den buchdruckern viereckige kästen, theils um die formen von der anhangenden farbe zu reinigen (waschständer), theils zum erkalten der pfanne und des gusses beim stereotypieren (kühlständer), s. Sanders 3, 1175b (5). 55) bezeichnung von körpertheilen, zoologisches. 5@aa) bei den jägern die füsze der auerhähne. Jacobsson 4, 254a, so steir. ständer Unger-Khull 569a; bei auerhahnen und ähnlichem federwildpret. Nemnich; nach Behlen 5, 672: '1) speciell beim auer-, birk- und haselwild, trappen, fasanen und kraniche die beine; 2) allgemein üblicher ausdruck für die beine aller vögel, welche nicht raubvögel sind'. s. auch Kehrein weidmannsspr. 231 und stand 11, d. die gelben, schwarzgefleckten bewohner des röhrichts (rohrdommeln) ... stellten die köpfe ... steil aufrecht, dasz der schnabel zum himmel sah, und so standen sie nun als unbewegte schildwachen, allerdings nur auf éinem bein oder vielmehr 'ständer', wie der schulgerechte jäger sagt. Vischer auch einer 1, 352; das wildpret des pauchi ist ausgezeichnet. ... dasselbe läszt sich nicht von dem pava sagen, einer art kleinem truthahne. ... die ständer und flügel sind beinahe gar nicht zu kauen. Fr. Gerstäcker 18 monate in Süd-Amerika 1, 327. — scherzhaft von den beinen einer kuh: vier hängers (euter) vier stänners. Wossidlo mecklenb. volksüberl. 1, s. 82, 165. 5@bb) in vulgärer redeweise auch auf die beine des menschen angewandt. Höfler krankheitsnamenb. 672b; in der soldatenspr. Horn 74; mundartlich nd., ostfries. sê hed 'n pâr gôde stenders under 't lîf. ten Doornkaat Koolman 3, 310a, ebenso preusz. Frischbier 2, 361b. 5@cc) dann poetisch ganz vereinzelt auch auf die 'füsze' eines berges übertragen: alle bebten die ständer (πόδες) des reichlich quellenden Ida. Bürger 230b (Il. 20, 59). 5@dd) penis erectus. Höfler a. a. o. diese heute verbreitete gebrauchsweise ist schon im 16. jahrh. nachzuweisen: dazu wirdt mir der stender schwach: derhalben frag nit mehr darnach. B. Waldis Esop 2, 100, 27. 5@ee) auch bezeichnung des sangfinken: anbey (bei der schlagwand) habe ich einen geblendeten fincken, welcher gut singet, und setze denselben nahe dahin, wo ein wilder fincke singet, schlage die wand oder das garn dabey auf, dasz der sang-fincke in der mitten stehe. höret nun der ständer diesen im bauer singen, so sticht er nach ihm herunter. Döbel 2, 243b; so kan sich ein ieder nach seinem geschmacke einen solchen sang-fincken von den singenden fincken, welche man ständer nennet, aussuchen. ebenda. dazu sechsständer, theil 9, 2789: hierzu (zu sangfinken) erwehlet man solche, die fein stahl-grün am halse aussehen, und hübsche rothe brüste, auch 6 weisse federn im schwantze haben, welche man sechsständer nennet, dieweil es alte fincken sind, und ihren vollkommenen gesang haben. 240b. 66) in mannigfachem gebrauche begegnet das wort, gewöhnlich ohne umlaut stander, in der seemannssprache. (jedenfalls z. th. aus dem engl. stander, vgl. Stenzel seemänn. wb. 398a.) 6@aa) eiserner arm, worauf eine laterne steckt, besonders am groszen mars, laterneisen. Campe. Bobrik 458b. 6@bb) welle des gangspills. Campe. Bobrik 659b. 6@cc) aufrecht stehende stütze aus hohlem eisen. Goedel seemannsspr. 459. 6@dd) 'das fest angeschlagene ende eines laufenden tauwerkes'. Adelung (1). Jacobsson 4, 254a, der feste part eines taues. Campe. Bobrik 522b. 6@ee) 'ein stehendes tau, welches in senkrechter richtung hinter einem maste oder einer stenge befestiget wird, damit ein segel oder auch ein leiter daran auf- und niederfahren kann. der ständer eines drehreeps, ein tau, welches dienet ein drehreep niederzuholen.' Campe; stander oder schnaustag eines leiters. stander eines drehreeps. Bobrik 659; 'ein stehendes tau oder eine stehende kette zum tragen und halten von lasten, z. b. drehreepstander, kohlenstander' (feststehend, im gegensatz zu laufend). Goedel seemannsspr. 459 (2). s. auch ten Doornkaat Koolman 3, 300a; tau oder kette zum auf- und niederlassen des schwerts an einem schiff. ebenda. Stürenburg 261a. 6@ff) stander in der rhein. schiffersprache der oberste theil des mastes. Pfister 283. Kehrein 1, 387. 6@gg) eine nicht grosze flagge als unterscheidungszeichen eines geschwaderführers, der keinen admiralsrang hat. Campe. Bobrik 659a, dreieckige signalflagge. Goedel seemannsspr. 458; nicht streng von flagge geschieden, im ostfries. für schiffsflagge, standarte. Stürenburg 261a. ten Doornkaat Koolman 3, 300a. in diesem sinne natürlich aus standarte entstanden, vgl. das. 77) ausdruck der heraldik: 'theilt man einen schild durch eine linke rechte und eine schrägtheilung sowie eine quer- und eine senkrechte theilung in 8 theile, (congruente dreiecke), so nennt man diese theilung die ständerung, spricht von 'geständertem schilde' und benennt die 8 einzelnen theile 'ständer'. je nachdem an welcher stelle des schildes sie liegen, haben die einzelnen theile der ständerung, die ständer ihre besonderen beinamen und zwar: rechter und linker ober-ständer ... ober und unterer linker flankenständer ... rechter und linker unterständer ... unterer und oberer rechter flanken-ständer'. Gritzner handb. der herald. terminologie (Siebmacher wappenb. einl. B) s. 43 f., s. ferner s. 58. 88) in der ältern sprache: ständer etiam est debitum, sive nomen stabile, pro quo aedes arraboni relictae sunt. Stieler 2132; ständer, in Thüringen das capital so auf einem hause beständig stehen bleibt und verzinset wird, sors tanquam onus simul ad emtorem vel possessorem novum transiens ... sors domui vel fundo inhaerens. Frisch 2, 318b. so auch bei Adelung (3) und Campe. 99) zuweilen auch in der bedeutung, die gewöhnlich durch ständerling ausgedrückt wird, vgl. das. und ständner: nach dem essen helt man stender, treibt fantasei und reiszet bossen, dann sitzen die meidlein nieder die eine hie die ander dort, da kommen die menner und liegen ihn in der schosz. Barth weiberspiegel (1565) k 1a. so kärnt. stàntar 'kurzes stehenbleiben'. Lexer 241. s. noch ständerchen.
22366 Zeichen · 597 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Ständer

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Der Ständer , des -s, plur. ut nom. sing. Diminut. das Ständerchen, Oberd. Ständerlein, ein stehendes Ding, oder in manc…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Ständer

    Goethe-Wörterbuch

    Ständer [bisher nicht online publizierter Wortartikel]

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Ständer

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Ständer , in der Heraldik der Teil des Schildes, der von einer von einem Ober- oder Untereck des Schildes nach der Mitte…

  4. modern
    Dialekt
    Ständerm.

    Pfälzisches Wb. · +3 Parallelbelege

    Ständer m. : 1. allg. 'Stellgefäß für Speisen im Haushalt (Essiggurken, Sauerkraut, Bohnen, Rüben, Handkäse, Butter, Sch…

  5. Spezial
    Ständer

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Stän|der m. (-s,-) 1 (Stütze) suport (-rc) m. , sostëgn (-s) m. 2 pe (pîsc) m. 3 pilaster (-tri) m. 4 (Notenständer) pon…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit staender

47 Bildungen · 35 Erstglied · 9 Zweitglied · 3 Ableitungen

Ableitung von staender

stand + -er

staender leitet sich vom Lemma stand ab mit Suffix -er, mit Umlaut-Wechsel.

Zerlegung von staender 2 Komponenten

staen+der

staender setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

staender‑ als Erstglied (30 von 35)

ständerartig

DWB

staender·artig

ständerartig , adj. : zwischen sopha und thür ... stand nach damaliger sitte ein ständerartiger pfeifentisch. Fontane vor dem sturm 3, 95 .

ständerat

DWB

staende·rat

ständerat , m. in der Schweiz die vertretung der einzelnen stände (9, c ), d. h. kantone; er besteht aus 44 abgeordneten ( je 2 aus einem ka…

ständerbau

DWB

staender·bau

ständerbau , m. holzbau mit ständern, d. h. aufrecht gestellten tragbalken, im gegensatz zum blockbau. vgl. H. Bergner bürgerl. kunstaltert.…

ständerbaum

DWB

staender·baum

ständerbaum , m. 1 1) in bergwerken die stehende welle am göpel. Veith bergwb. 458 . 2 2) in der rhein. schiffersprache ein aufrecht stehend…

ständerchen

DWB

stand·erchen

ständerchen , n. , thür.-obersächs. für ständerling, vgl. ständer 9; ' stehenbleiben zum schwatzen '. Hertel thür. sprachsch. 233 ; lausitz.…

Ständerek

WWB

staende·rek

Ständerek m. eiserner Topf mit drei Füßen, Dreibein (Frbg.) ( Olp Ov).

ständeren

WWB

staen·deren

ständeren V. einem Vogel die Beine abschießen. Dat Felthaun stännern ( Dor Wl).

ständerfachwerk

DWB

staender·fachwerk

ständerfachwerk , n. fachwerk mit ständern, verticalen balken, zum unterschiede von dem ( seltneren ) strebenfachwerke ( mit diagonalen, sod…

ständerholz

DWB

staender·holz

ständerholz , n. 1 1) holz zu ständern (3, a ): die verschwendung geschieht also nur in ständer- und riegelholz, welches noch genug vorhande…

Ständerich

RhWB

stand·erich

Ständerich -əriχ, –reχ Sg. t. m.: 1. Finne Mörs-Marienbaum . — 2. scherzh. dicke Suppe aus Buchweizenmehl (veralt.) Altk-Hellert OIngelb , H…

ständerimme

DWB

staender·imme

ständerimme , f. , s. ständer 4, a — einige pflegen auch die leibimmen standerimmen zu nennen, doch ist das wort stammschwärme gebräuchliche…

ständerkreuz

DWB

staender·kreuz

ständerkreuz , n. , eine form der ständerung ( vgl. das. ), wobei ein stehendes kreuz gebildet wird. Gritzner herald. terminol. 44 .

ständerlahm

DWB

staender·lahm

ständerlahm , adj. , von einem rebhuhn, das flügellahm geschossen ist, vgl. ständer 5, a.

ständerlein

DWB

staender·lein

ständerlein , n. 1 1) als deminutiv zu ständer (2): ständerlein tamen, das, est dimin. à stande, exponiturque labellum, cupella, cupellum, e…

ständerlich

RhWB

stand·erlich

ständer-lich -ęnd-, –ęntərliχ WMosfrk (s. u.) Adj.: von gutem Aussehen, schöner Form, zur Umgebung passend, der guten Sitte entsprechend; ei…

ständerling

DWB

staen·derling

ständerling , m. 1 1) stehenbleiben auf der strasze, um mit jemand zu plaudern; gespräch im stehen. vgl. ständchen 2, b; ständerlein 2, b; s…

Ständermühle

RhWB

staender·muehle

Ständer-mühle -ęndərmøt Klevld f.: Windmühle, die auf einem Holzgerüste erbaut ist; man dreht die ganze Mühle , nicht die Kappe allein nach …

Ständerpost

WWB

staender·post

Ständer-post m. 1. starker, senkrechter Pfosten auf der Tenne und in den Wänden des Fachwerkhauses (Frbg.) ( Alt Ri ). — 2. senkrechtes, etw…

ständerstock

DWB

staender·stock

ständerstock , m. aufrecht stehender bienenstock. im gegensatz zum lagerstock, s. auch ständer 4, a und ständerimme. Overbeck bienenwb. 79 .…

staender als Zweitglied (9 von 9)

abständer

DWB

abständer , m. arbor emoriens, forstmännisch, ein abgestandner baum.

beständer

DWB

bestan·der

beständer , m. conductor, pächter: kommt ein newer beständer, so bricht er es ( das haus ) wider ab und machts aber nach seinem kopf. Lehman…

Beyständer

Adelung

bey·staender

Der Beyständer , des -s, plur. ut nom. sing. S. das vorige. In der Seefahrt wird ein Schiff, welches dem andern zum Beystande zugeordnet wir…

Krahnständer

Adelung

krahn·staender

Der Krahnständer , des -s, plur. ut nom. sing. der Ständer, d. i. senkrechte Baum, eines Krahnes, worauf die ganze Maschine ruhet.

netzständer

DWB

netz·staender

netzständer , m. in papierfabriken ein fasz mit kaltem alaunwasser, worin das papier alaunt wird. Jacobsson 3, 138 b .

vorständer

DWB

vorstan·der

vorständer , m. , ein früher vielgebrauchtes, jetzt veraltetes wort; vgl. fürständer teil 4, 1, 1, sp. 852 ( nur aus wörterbüchern belegt );…

Wasserständer

Adelung

wasser·staender

Der Wasserständer , des -s, plur. ut nom. sing. ein Ständer, d. i. stehendes Gefäß, (zum Unterschiede von einem tragbaren,) Wasser darin im …

Ableitungen von staender (3 von 3)

beständer

DWB

beständer , m. conductor, pächter: kommt ein newer beständer, so bricht er es ( das haus ) wider ab und machts aber nach seinem kopf. Lehman…

geständer

DWB

geständer , m. wie ständer, säule, pfosten des brunnens: wenn man an dem metallknopfe des geständers zieht. Stifter stud. 2, 152 .

verständer

DWB

verständer , m. , seltenes subst. zu verstand, dem ein mhd. seitenstück fehlt: legisperitus, eyn recht-verstender Diefenbach gloss. 323 a ( …