sommern,
sömmern,
verb. zu sommer,
mhd. im sinne von 1 sumeren, sumern. Lexer
mhd. handwb. 2, 1298,
mundartlich noch summern
und mit umlaut sümmern, simmern.
das umgelautete verb erscheint besonders in transitiver anwendung und deutet auf eine andre (-ja)
bildung als das umlautlose. vgl. Weigand4 2, 735. 11)
intransitiv. 1@aa) sommern,
sommerlich werden oder sein, vom wetter, mhd. frühnhd. sumeren, sumern (
vgl. oben), summern, summer werden,
estivare. Dief. 211
a, sommern,
de appropinquante aestatis initio dicitur. Schottel 1417, sömmern,
aestivare, modico tepore calere, de appropinquantis aestatis initio, quando mundus incalescit sole aestivo. Stieler 2060, sommern,
verb. mez. poet. aestivare, far un tempo d'està. Kramer
deutsch-ital. dict. 2 (1702), 836
b,
sommer werden, aestatis signa dare. Frisch 2, 286
a. Adelung ('
im gemeinen leben'). Weigand
4 2, 734,
mundartlich sümbern,
sommerlich sein. Lexer
kärnt. wb. 234,
ebenso mnd. someren, sommeren, sommern,
estivare. Dief. 211
a.
nov. gl. 157
a. Schiller-Lübben 4, 290
a,
nnd. sommern Strodtmann 340. Schütze 4, 157, sömmern ten Doornkaat Koolman 3, 257
a (
vgl.sömmer
für sommer
ebenda): swanne eʒ sumeretnâch des winters zîten.
Kudrun 260, 3; es sommert drauszen,
annus calefit, et refovetur caldore. Stieler 2060; es sommert heur bald, es sommert schon fein drauszen. Kramer
deutsch-ital. dict. 2 (1702), 836
b; es sommert dies jahr bald. Frisch 2, 286
a; es sommert heuer früh. Adelung; 't fangt an to sömmern. ten Doornkaat Koolman 3, 257
a;
übertragen sömmern,
schimmern, aufdämmern, erinnerlich werden. Frischbier 2, 344
b; ja, nu sömmert et mi.
ebenda. schweiz. sömmerlen, sümmerlen,
sommerlich werden. Stalder 2, 377, sömmerla, sümmerla. Tobler 426
a.
nd. so auch tosommern: et sommert to,
es beginnt sommer zu werden. Schütze 4, 157; idt will so nog nig to sommern
pflegt man in den ersten guten frühlingstagen zu sagen, d. h. es fällt noch wol einmal kalte, schlechte witterung ein, ehe der sommer kommt, uneigentlich: he meent, dat scholl so to sommern,
er meint, damit wäre alles vergessen, der sturm wäre vorüber. brem. wb. 4, 918. 919.
anders zusommern,
de aestivi temporis fine appropinquante. Schottel 1417. Stieler 2060.
im anschlusz an solchen gebrauch dichterisch von der sommerlichen sonne: wann sommernde sonne die blüten gewelkt und des grases halme gedorrt. Rückert
ges. ged. 6, 304.
ähnlich: der nun sommernden heitre beginn. Voss
Arat 53
bei Sanders. 1@bb) sömmern,
von bäumen, treiben, eine anwendung, die wol auf die bedeutung '
sommerlich werden'
zurückzuführen ist: es ist zwar an dem, dasz ein holtz, welches erst 10 bis 12 jahre gestanden, vielmehr sömmert oder holtz aufsetzet und treibet, als in den jungen und erstern jahren. Döbel
jägerpract. 3, 37
b.
auf '
sommerlich sein'
geht sömmern
wol zurück, wenn es von groszen, weitästigen, ihre wurzeln weit ausbreitenden bäumen gesagt wird, die, so weit ihre wurzeln und äste gehen, kein getreide, gras, kraut oder andres gewächs unter sich aufkommen lassen. öcon. lex. (1744) 2730. Nemnich, sommern (
forstwesen). Jacobsson 4, 186
b. Adelung
stellt sömmern,
schatten geben, das er als nur in der landwirtschaft üblich bezeichnet, zu scheme,
schatten, nd. schummer,
dämmerung: die linde sömmert am stärksten.
ebenda. 1@cc) summeren, sich zuo summerzeyt an eim ort enthalten. Maaler 396
a.
vgl.: da sommert sich's nicht,
das ist kein sommeraufenthalt. Kürnberger
novellen 1, 165. sommern, sömmern
vom vieh, den sommer über weiden, grasen (
vgl. 2,
a): um die ganze reihe der bündnerischen schafweiden längs der rhätischen alpenkette ... abzuweiden oder, wie es heiszt, ihre thiere da 'sömmern' zu lassen. Kohl
alpenreisen 2, 129. übersommern,
aestivare: auf den bergen übersommern,
in montibus aestivare. Steinbach 2, 603; die schafe in eine fruchtbare gegend treiben, dasz sie übersommern,
greges ovium in regionem fœcundam aestivatum abigere. ebenda. 22)
transitiv, reflexiv. 2@aa) sommern, sömmern,
den sommer durch erhalten, durch den sommer bringen, von gewächsen und thieren, auch aussömmern, übersömmern. Adelung ('
im gemeinen leben'), sömmern,
den sommer hindurch erhalten. Weigand
4 2, 734,
schweiz. sümmere,
per aestatem nutrire, alere. Schmidt
idiot. Bernense in Frommanns
zeitschr. 4, 17
a, sömmern, sümmern,
rindvieh auf einer weide den sommer über gehen lassen. Stalder 2, 377, sümmara,
den sommer durch füttern, weiden. Bühler
Davos 1, 156, a kûa sümmera, wintara,
eine kuh den sommer, winter über halten (
Vorarlberg). Frommanns
zeitschr. 5, 484,
tirol. summern, sümmern,
über den sommer behalten, (
vieh)
mästen u. s. w. Schöpf 729: was ein ieder nachbaur in den drei gemeinden in berg und thal erwintern mag, dasz soll er auch mögen sömmern, als namlichen die kuohe in den kühalpen, die jungen rosz und das galtvieh (
das keine milch giebt) in den galtjealpen.
weisth. 5, 211, § 2 (
Graubünden); wie vil ainer aufm hof [oder] zueguet vich sümern und halten mag.
tir. weisth. 4, 634, 1; erstlichen ist beschlossen, dasz ein ieder in der gmein das vich, so er mit dem hüter, so auf seine güeteren, es sein aigen, lehen oder bstantsgüeteren, winteret, summeren und auf die waid treiben. 3, 29, 27 (
v. 1538); vich gesumeret und gewaydent im landt.
quelle v. 1603
bei Schöpf 729; vich symern, mössten und pessern.
dieselbe quelle ebenda; was man ausz der gmain von altem sanct Veits tag (15.
juni) unzt neuien heiligen creiztag (14.
sept.)
weiter zu simeren hinthuet, das soll kostfrei sein.
tir. weisth. 3, 178, 41 (
v. 1617); denen, so mehr vichs halten und wintern, solle ... umb ain zimblich graszgelt alben, pürg und ander waiden gelassen und angezaigt werden', darmit si dasselbig ihr ibrig vich auch erhalten und summern mü
gen. 2, 97, 20 (
v. 1664); niemant sol weder zu herbst- noch längeszeit das ganze jar durchausz weder zu winteren, noch zu simberen ohne vorwissen und zuegeben der dorfmaister und gemain kain vich einnemben. 3, 44, 38 (
v. 1716); ob zwar auch vorhin auf denen wisen der Seiser alpen von der gerichtsherrschaft auf Castlruth einige ochsen, wie auch von denen gemainsleuten daselbsten dero rosz gesömert und gewaidet worden. 4, 341, 43 (
v. 1742); dasjenige rindviech, es seien rosse, ochsen, küee, stier oder anderes, so ein ganze gemeinde zu sommeren und zu älpen aufnemben will. 3, 146, 31 (
v. 1781); wer demnach für die zukunft seine schaafe ... noch ferners in Urg zu sommern gedenket. 2, 234, 12 (
v. 1801); da doch die gemeind einen groszen weidgang besitzt, auf dem sie kühe und geisze sömmern könnten, so viel sie nur wollten. Pestalozzi
Lienh. u. Gertr. 3 (1819), 135; dem reichen bergbesitzer, der nur einige kühe weniger sömmern .. kann. Gotthelf 4, 80.
mit unpersönlichem subject: die alp kann zehn stücke sümmern,
ernähren. Stalder 2, 377.
reflexiv: so bald sich das schaf sömmern kann,
seine sommerernährung suchen. Adelung; schi (
sich) sümmara,
vom vieh, grob auch vom menschen, guat, schlächt,
mit physischer zu- oder abnahme das sommerfutter verzehren. Bühler
Davos 1, 156. 2@bb) sömmern,
beim feldbau, den acker, der den feldarten nach brach liegen sollte, mit sommerfrucht bestellen. öcon. lex. (1744) 2730,
einen brachacker mit sommerfrucht bestellen, anstatt ihn ganz müszig liegen zu lassen. Adelung, sommern Jacobsson 4, 187
a,
mit sommerfrucht bestellen, sömmern. Campe. Weigand
4 2, 734: die brache sömmern. Adelung; ein gesömmertes feld.
ebenda. auch: als sommerfrucht bestellen: in der brache soll nichts gesömmert werden als flachs, rüben und rübesamen.
statuten v. Rastenberg § 43.
vgl. aarg. summere,
die sommerfrüchte bestellen. Hunziker 266 (
intrans. oder trans.?)
und besömmern
oben theil 1, 1630. 2@cc)
schweiz. sommern,
die sommerfrüchte einsammeln, ernten. Stalder 2, 377.
vgl. einsömmern,
messem facere oben theil 3, 300,
das auch Stalder
a. a. o. als einsömmern, einsümmern
in diesem sinne anführt, ebenso Hunziker 266
als îsümmere, Schöpf 729
als insummern,
einernten, einheimsen, vom heu u. s. w. 2@dd) sömmern,
der sommersonne aussetzen, sonnen. Adelung (
als landschaftlich, besonders meisznisch bezeichnet). Weigand
4 2, 734, sommern,
solis calori exponere, als die feder-bette. Frisch 2, 286
a: die betten sömmern,
an schönen sommertagen an die sonne legen und klopfen. öcon. lex. (1744) 2730. Adelung. Jacobsson 4, 187
a, simmern Albrecht 212
b.
vgl. weiter unten e. reflexiv: die hühner sömmern sich,
wenn sie sich in die sonne legen. Adelung; als sich auf einmal alles durch erscheinung eines groszen wallfisches aufklärte, welcher an der oberfläche des wassers, sich sömmernd eingeschlafen war.
Münchhausen 68; zuweilen 'blühen' die schätze (
eines versunkenen schlosses) noch dort und 'simmern' sich.
Bavaria 2, 243 (
oberpfälz. sage).
auch im sächs. Erzgebirge simrn,
refl., sich sonnen, in die wärme setzen, legen. Göpfert 42. 2@ee)
von d aus erklären sich die folgenden besonderen gebrauchsarten. 2@e@aα) die bäume sömmern,
die äste ausschneiden, damit die sonnenstrahlen durchfallen können, bei den gärtnern. Adelung, sümmern, sömmern,
abscissis ramalibus solem in arbores immittere. Maaler
bei Frisch 2, 286
a.
so oder ähnlich, ohne object: wann ainer somert in den wälden, das soll er auflöszen (
auflesen, aufnehmen) im jahr; dät er des nicht, und käm ainer das ander jahr und schlegt auch holz ungefärlich, und wo ain gipfl den andern weckreist, der mag das wol auflösen als sein guet.
tir. weisth. 1, 171, 18 (
v. 1621); wo ainer holz im walt schlagt oder summert. 180, 35 (
v. 1711); wann ainer summert in den wälden, der soll das ästen und auflösen im jahr. 39. 2@e@bβ)
henneb. simern,
versetzen, z. b. salat. Reinwald 2, 161.