gewerf I .
das verbalsubstantiv zu werfen
in der composition mit dem bedeutungskräftigen präfix ge: cawerf, kawerf, giwerf =
conjectura, collatio, collecta, symbolon Graff 1, 1039; gewerf, abgabe
mhd. wb. 3, 740
a; Lexer 1, 987;
auch gewerf
und gewerft (
in Freiburger urkunden des 13.
bis 16.
jahrh.). 11)
der älteste gebrauch ist auf glossen beschränkt und läszt das substantiv nur im bereich von lateinischen (
griechischen)
parallelen erscheinen. der bedeutungsumfang ist weit gezogen, doch steht auch dieses moment unter fremdsprachlichem einflusz. für die bestimmung des genus am substantiv liegen hier keinerlei anhaltspunkte vor; dagegen knüpfen an die bildungsweise schon bei Notker
erklärungsversuche an. 1@aa)
der grundbedeutung des verbums entsprechen einige vereinzeltstehende gleichungen: lithostrotos (steingemauertes) stein cawerf,
Tegernseer handschr. d. 9.
jahrh. Steinmeyer-Sievers 4, 244;
simmatibus, graece, conlationibus giwerpf
cod. S. Pauli, Steinmeyer-Sievers 1, 554,
vgl. auch 1, 555. 1@bb)
die meisten belege lehnen sich an termini der christlichen kirche an und sind ebenso gut mit erscheinungen, gegen die das ältere gemeindeleben ankämpfte, verknüpft als mit solchen, die es grosz zog. gewerf
verdeutscht die begriffe collecta, collata, collatio, symbolon u. a. auf der einen seite werden heidnische bräuche getroffen, schmausereien auf umlage, andererseits tritt das wort für liebesgaben ein, die die christlichen gemeindegenossen zusammenbrachten. vgl. gelage (
zu zusammenlegen);
vgl.geschosz (
zu beischieszen, zusammenschieszen). 1@b@aα)
symbola, giwerf,
Salzburger. Tegernseer, Regensburger und andere glossen des 11.
u. 12.
jahrh. zu sprüche 23, 21 (
noli esse ... in comessationibus eorum, qui carnes ad vescendum conferunt: quia ... dantes symbola consumentur) Steinmeyer-Sievers 1, 537;
ex collatis, giwerfun, giwerphun
in den glossen (
gleicher herkunft)
zu den beschlüssen des konzils von Laodikea, das nach dieser seite ein verbot richtete. Steinmeyer-Sievers 2, 113. 1@b@bβ)
collecta, giwerf, giwarf,
die gleichen handschriften mit glossen zu 3 Mos. 23, 36 (solt ewr opffer dem herrn thun, Luther). Steinmeyer-Sievers 1, 352;
collationem, kewerf
vel oblei Reichenauer u. Tegernseer handschr. des 11.
jahrh. zu Römer 15, 26 (haben williglich eine gemeine steuer zusamen gelegt. Luther). Steinmeyer-Sievers 1, 757. 1@cc)
vereinzelt folgen die glossen auch der weitgehenden übertragung, die die worte symbolon, conjectura
entwickelt haben: conjectura, cawerf, kiwerf, kawerf
vel interpretatio, Hrabanisch - Keronische glossen. Steinmeyer-Sievers 1, 89. das Graeci chedent symbolum unde latini collationem, daz cheden wir gewerf, wanda iz apostoli gesamenôtôn unde zesamene gewurfen, daz iz zeichen sî christianae fidei, also auch in proelio symbolum heizet daz zeichen, daz an scilten alde an geinôtên worten ist. Notker
zum symbol. apost. (
denkm. 1
3 250);
vgl. auch diesen salmon heizen wir giwerf, wanda in die heiligen poten gisaminoten unde cesamine giwurfen.
ebenda 257.
auf die bedeutung der stelle hat schon J. G. Eccard
in der vorrede zu Notkers
katechismus s. 24
hingewiesen. 22)
von allen diesen prägungen der althochdeutschen periode führt nur eine auch in die spätere zeit über, die gleichung von gewerf
mit umlage, beisteuer,
geschosz, abgabe.
sie ist in der urkundensprache reichlich vertreten und an die verschiedensten formen geknüpft (gewerf, gewerpf, gewerff, gewarff, gewerft, gewerb).
ebendort wird sie geradezu als eine gangbare deutsche benennung gekennzeichnet, während die eben angeführten glossenbelege vielmehr auf eine anlehnung an fremde vorbilder weisen. es sind zunächst zwei möglichkeiten: entweder stellt das gewerf
der mittelalterlichen urkundensprache eine weiterentwicklung der in den althochdeutschen glossen aufgeführten anlehnung an conjectura, collatio
dar, oder es ruht mit seinen wurzeln in einer eigenbildung der deutschen rechtssprache und wurde in den glossen erst umgedeutet. für die zweite annahme sprechen beweismomente, die auszerhalb des hochdeutschen sprachgebietes gesammelt sind. Brunner (
rechtsgeschichte I
2, 176
anm. 6)
macht darauf aufmerksam, dasz an stelle des wortes thing
in friesischen und sächsischen denkmälern auch warf oder werf
gebraucht wurde, vgl. hwarf
im Heliand (wurðun êo-sagon alle kumane an hwarf werôs 4469
u. a.),
vgl.warf im sachsenspiegel und in niederd. weisth. (nach erkenntniss des gemeinen werfs
weisth. 3, 104)
und dazu das abgeleitete langobardische gawarfida (
omnes iudices et fidelis nostri hic dixerunt, quod cawerfeda antiqua usque nunc sic fuisset. leges Liutprandi
cap. 77;
vgl. d. glosse d. cod. Cavensis: guarfida
id est consuetudo antiqua u. a. Brunner I
2 152
anm. 8)
er stellt die gleichung auf: gewerf
zu warf
wie geding
zu ding,
und damit wäre das substantiv zu werben, gewerbe
zu stellen, wo die bedeutung von kaufvertrag (
vgl. oben sp. 5496)
an einigen belegen für die formen gewerf, gewerft
schwierigkeiten dargeboten hatte. mit diesen läszt sich jedoch nur eine einzelne —
landschaftlich begrenzte —
gruppe der unten folgenden zeugnisse zusammenstellen, in denen die bedeutung einer abgabe
auf eine verhandlung, einen vertrag zurückgeführt werden kann (
vgl.α,
β).
die hauptmasse der belege knüpft ungezwungener doch an die auch den glossen gesicherte bedeutung von umlage
an. da die graphische wiedergabe des lautbildes keine anhaltspunkte giebt, ist eine sichere entscheidung nicht möglich, man darf aber vielleicht annehmen, dasz die bedeutungen abgabe
und umlage
verschiedenen wurzeln entsprangen und erst in dem allgemeinen begriffe von steuer
sich zusammenfinden. mit der mittelalterlichen urkunden- und verwaltungssprache ist der geltungsbereich von gewerf
im allgemeinen sinne von umlage, steuer
nicht abgeschlossen, es lebt in der geistlichen und weltlichen litteratur des 16. und 17.
jahrh. weiter, bei Geiler, Pauli, Wimpheling,
im Straszburger bibeldruck, ebenso in Nürnberger vocabularien und bei Mathesius. 2@aa)
belege aus der rechts- und verwaltungssprache der urkunden (1166—1520)
vgl. Haltaus 712; J.
Grimm deutsche rechtsalterthümer 298 (1
4, 414); Zöpfl
alterthümer d. d. reichs 1, 275; Wackernagel
bischofs- und dienstmannenrecht von Basel 17; Kehrein
samml. ahd. mhd. wörter s. 11.
das genus ist an den einschlägigen stellen mehrfach gekennzeichnet, durchweg als neutrum, so in der Musbacher urk. v. 1286
bei Schöpflin, in Freiburger urkunden von 1291 (
ztschr. gesch. Oberrh.),
von 1293. 1310 (
Schreiber),
in einer Kolmarer urk, von 1293
Schöpflin und im Züricher richtebrief. vielfach ist das genus gerade gegen das mit gewerf
gern verbundene fem. stiure
abgegrenzt: dekein gewerf noch dekeine stiure.
Kolmar 1293; zuo deme gewerfte oder zuo der stiure.
Freiburg 1293;
in einem späteren beleg aber färbte in solch enger verbindung das genus von stiure
auf gewerf
ab: mit der gewerff und stür.
Mühlhäuser urkunde Carls IV (1351)
Schöpflin. 2@a@aα)
eng an die erstgenannten termini schlieszt sich die älteste urkunde an: domum vero nostram ibidem in Meirle
sitam cum curia et ortulo adiacente cum omni utilitate eorum hac determinatione ei assignavimus, quatinus collectas advocatorum, quos ibidem vulgari nomine quowerf
vocant, exinde persolvat .., erbpachtbrief des stiftes zu Münster Meinefeld von 1166
bei Beyer urk. gesch. Mittelrheins 1, 705 (
zur form vgl. guwere
für gewere
s. 523).
hier handelt es sich anscheinend um eine form des schutzgeldes, das der bevogtete dem vogt entrichtet, eine bedeutung, die sich als verallgemeinerung in den bedeutungszusammenhang von gewerf =
συμβολον einfügt, wofür überdiesz die lat. parallele collecta zeugt. 2@a@bβ)
aus diesem zusammenhange fallen andere belege, die zeitlich am nächsten hier sich anreihen, heraus. gewerf
kennzeichnet hier mehr den rechtsgrund für eine abgabe als diese selbst (
das gleiche bei consuetudo),
und die leistung erscheint nicht periodisch wiederkehrend, sondern an bestimmte anlässe gebunden: mansum ... recipi debent de manu nostra, seu ab heredum nostrorum; ita quod receptor persolvet nobis ... quatuor solidos denar. Colon. ratione iuris, quod vulgariter gewerve
appellatur. urk. v. 1249
bei Guden
codex dipl. 2, 949;
quomodo G.
d. S.
mansum ... in feudum contulerit ecclesiae ... post obitum vero uniuscuiusque possessoris vel heredis domus ... heres aut successor instituendus dabit nobis in receptione dictorum bonorum duodecim denarios, pro jure quod gewerf
vulgariter appellatur. urkunde des Kölner domkapitels von 1257
bei Lacomblet 2,
nr. 446;
post mortem vero meam ... melior equus ..- cum duodecim coloniensibus, qui solidus hereditarius appellantur, ecclesia supradicta cedat in curmedam. nihilominus tamen succedens sex solidos predicte monete pro porrectione bonorum, quod theuthonica dicitur gewerf,
persolvat ecclesie supradicte. revers von 1269
ibid- nr. 592.
ähnlich sind auch folgende belege zu erklären: et tantundem pro jure quod dicitur gewerf,
cum persona que dicta bona receperat, decesserit, solvere de bonis prenotatis teneantur. urkunde des erzbischofs v. Köln 1290
Lacomblet nr. 897;
annuam pensionem septem solidorum ... et jura que vulgariter vocant cerinc et dinc, curmedam, gewerf.
Kölner urkunde von 1266
ebenda nr. 569;
item predicti homines tenentur dare curmedam et gewerf
de bonis et feodis suis secundum consuetudinem terre. Kölner urk. des 13.
jahrh. bei Ennen
und Eckertz 2, 602
ebenso curmedam et gewerf 601;
jus quod dicitur kormeda et gewerf 2, 603,
dazu vgl. auch: ut abbatissa et conventus ad ipsam vineam tanquam emptionis titulo comparatam recursum habeant, siqua ipsis in posterum questio super premisso jure quod gewerf
dicitur, moveretur. urkunde des erzbischofs von Trier 1213
bei Günther
codex dipl. Rhenomos. in allen diesen fällen ist eine geldleistung mit dem act der besitzübertragung in beziehung gesetzt, sie wiederholt sich jedesmal, wenn ein neuer besitzwechsel eintritt. eine bedeutungsverwandtschaft dieser belege mit den oben (
sp. 5496)
beigebrachten zeugnissen für gewerf, gewerft
im sinne von kaufvertrag
liesze sich wol begründen; die thatsache jedenfalls, dasz eine gruppe auf den Niederrhein, die andere auf bayr.-österr. gebrauch beschränkt erscheint, findet in dem niederdeutschen warf, werf
und dem langobardischen gawarfida
ihre beleuchtung. auf späterer deutung beruht es wol, wenn dieses gewerf
mit werben
im sinne von erwerben, gewinnen
in verbindung gesetzt wird, vgl. item wanne ein man offt ein vrawe gehorende in den hœff, doitʒ halven sein affgegaen, ... ind dat die ersten erven, offt ein ander, die dat mit rechte mag doin, begert vom herrn off seinem scholtisʒ dat guidt zo hand gewinnen iud werven, dasz sall ime der herr oft scholtisʒ gunnen, und vur dat handgewin sall der man ind vrawe, die op den hœven wonen, geven gelick; -.. so dicke alsʒ desʒ dan gefiele, dat is vier alden guldenschild mit gnaden; die genne, die aver op den kotten wonnen, sollen geven für handgewinn ind gewerff, hie sie man off vrauwe, zwein alde guldenschild mit gnaden, off dat werdt darvoir als vurg. steit und neit mer.
hofrechte zu Ekel 19 (1500),
s. Grimm
weisth. 3, 63.
die zusammenstellung von gewerf
mit der werpitio,
die eine neue anlehnung an werfen
ermöglichte, hätte von hier aus allerdings etwas bestechendes; ihr steht aber unter anderen im wege, dasz es sich bei der werpitio immer um eine besitzentäuszerung handelt (
vgl. Brunner
z. rechtsgesch. d. germ. u. rom. urk. s. 274)
und hier von anfang an um den nächstfolgenden act der übertragung. 2@a@gγ)
wie sich auch die eben angeführten verwendungen erklären lassen, die übrigen belege weisen auf ganz andere bedeutungen, sie prägen überhaupt viel weniger einen privatrechtlichen als einen öffentlich-rechtlichen begriff der steuer
aus. mag auch in denjenigen belegen, die die steuer einem schirm- und schutzverhältnisz entspringen lassen, die grundlage ebenfalls eine privatrechtliche sein, so macht sich dieses moment jedenfalls in der bedeutungsabstufung nicht geltend. dagegen läszt die überwiegende masse der verwendungen gerade den begriff einer periodischen, vielfach gemeinsam festgesetzten, umlage hervortreten und so mündet auf alle fälle der hauptgebrauch in die gleichung gewerf =
conjectus (
symbolon)
wieder ein. unter den verbindungen, die gewerf
eingeht, steht ebenfalls die mit steuer
voran. 2@a@g@11)) gewerf
allein gebraucht, ohne synonyma: dur daz si deste baz luste ze buwenne un da ze belibenne, daz si uns jergelich niht wand vierzec phunt phenninge geben sulen ze gewerfe.
Basler urkunde v. 1274
urkundenbuch d. st. Basel 2, 79: wir Bertholt ... der apt und das capitel zu Murbach ... tun allen kunt ... das wir ... der stat von Gewilr ... und den luten die inwendig der muren sitzent, durch das dieselb stat gerichert würde an lüte und an gute, han ginamet von in vierzig marck gebrantes silbers ze gewerffe, das man geben sol enzwuschent sancte Martini mess und winacht ... och han wir ... uns behalten ze habende one dis gewerff allü die recht, die unsere vordere oder wir hand gehabet unze an disen tag.
urk. v. 1286
bei Schöpflin,
Alsatia 2, 34; swenne ouch daʒ were, daʒ man ze Basil gewerf gebe, so weren von altem rehte die gewanheit unde daʒ über ein komen, daʒ bischof Heinrich mit keiser Frideriche det umbe daʒ, daʒ ietwedre daz halbe neme ... tuomherren, ambtliute unde tuomherren unde gotshus dienestmannen eigenen liute unde gesinde sint des gewerfes vri unde alles getwinges vri ...
bischofs und dienstmannenrecht von Basel § 2
Wackernagel 17.
jahrh. (
vgl. omnis exactionis quam episcopus fecerit in Basilea duae partes spectant ad jus episcopi, tertia ad jus advocati. urk. bei Ochs 1, 290); und swa ime an den sehs und zwenzig pfunden abe giengi von unseren vorgenanten silberbergen, so han wir unser juden ze Friburg geheissen, das sü ime dü vorgenanten sehs und zwenzig pfunt von unserem gewerfte, das sü uns jergelich gent, ervollent ...
Freiburger urk. v. 1310
bei Schreiber 1, 187; darnach so en gat dikein gebot innerthalp des abbetes etheren (
etter), darnach so engit dikein siner lute die innerthalp sines etheren gesessen sint gewerff.
dinghof zu Ebersheimmünster (
Unterelsasz 1320)
bei Grimm
weisth. 1, 679; swer der burger gewerf nicht git der sol nicht ze rate gan da man das gewerf uf leit ald da man die uf liset die das gewerf uf legen suln. da sol enkein vogt bi sin. swenne das gewerf uf geleit wirt, so sol man die tavillen vor all dien burgern lesen da das gewerf an stat, und sol es danne ein vogt helfen in gewinnen.
richtebrief der bürger v. Zürich (
Helvetische bibl. 2, 31).
vgl. Joh. v. Müller
gesch. d. Schweiz 2, 113. 2@a@g@22)) gewerft
und steuer. 2@a@g@2@aa)) wir grafe Egene von Friburg kunden allen ... daʒ wir den erberen geistlichen herren, abbet Meinwarten von Thennibach, ... ze burger nemen ze Friburg vnd enpfhahen also, daʒ sú uns, noch unsern erben enkein gewerft noch stre geben sulen.
urk. v. 1291
ztschr. gesch. Oberrh. 10, 241; wir wellen ouch, swenne man ze Friburg dehein gewerft, oder stüre uf leit, das man dar zuo neme viere von den vierundzweinzigen, viere von den koufluten, und viere von den antwerklüten. were aber das man zuo deme gewerfte oder zuo der stüre me oder minne wölte nemen, so sol doch dirre drier vorgenanten lüte zal allewege gelich sin, und sülen ouch bi den allewege sin ein schultheisse und ein burgermeister.
Freiburger urk. v. 1293
Schreiber 1, 142; swas edeler lüte ze Colmer burger sint, die uns dienent, als edele lüte ze rehte sulnt, die söllent mit den andern burgern dekein gewerf noch dekeine stüre geben.
Kolmarer stadtrecht v. 1293
bei Schöpflin 2, 58; und ensüln ovch wir in den selben nachgenden nehesten sehs jaren, noch nieman von unsern wegen, von den selben Juden enkeine stüre noch gewerfte, noch enkeinen nuz ... niemer gemuoten noch geuordern dekeine wis.
Freiburger urk. von 1333 (
ztschr. gesch. d. Oberrh. 13, 107); darumb bitten wir üich ... daʒ ir uns ze diser zit darzu beholfen sint, mit der gewerff und stür, di ir uns und dem riche ditz jahrs schuldig sint ze geben und ze richten, ane diselben gewerfe und stür wir es nie wol zu mügen bringen.
botschaft Karls IV. an Mühlhausen bei Schöpflin, Alsatia 2, 201; ouch hand wir inen gelobt ze rattende und ze helfen, wider allermenglichen der sie beschwAeren wolte; und tun sie alles gewerfes und aller steuren frei, also daʒ wir stre noch gewerfe, diewile so wir geleben, nimmer von inen gevorden sollend wider ihren willen.
Basler handfeste von 1399
bei Ochs, gesch. der stadt und landschaft Basel 1, 380; behept och jemand ... einen frömden der einem herrn von eigenschafft, von lehenschafft oder von vogttie wegen zugehört oder in sinen zwingen und bennen gesessen ist unnd im dienet mit sturen und gewerffen, hohen unnd nidern mit andern diensten als gewonlich ist.
gerichtsordnung von Basel von 1457,
Schnell s. 16
a. 2@a@g@2@bb)) decimas, redditus, census, fructus, proventus, sturas seu exactiones vulgo dictas gewerff.
urk. v. 1335
bei Schöpflin, Alsatia dipl. 2, 250; ich Johans, herre von Üsenberg ... gibe ze kovffende ... Johanse dem Malterer ... Eystat das dorf, mit aller siner zuogehOerde, lüte und guot, twing und ban, vogtien, gerichte, gros und kleine, dúbe und frevelina, stúren, gewerf und bette ...
urk. von 1357 (
ztschr. f. gesch. des Oberrh. 13, 449); daʒ nieman der hie zuo Friburg sesshaft ist, er habe zünft oder nüt, an nieman andern sich sol machen mit keinre gelübde oder swerende noch nieman kein sondern dienst sol tuon, mit stüre und gewerfte.
Freiburger polizeiordnungen 1338
Schreiber 1, 337; so soll das closter haben vier man, ein meiger, ein keller, ein ohsener, oder wer in dem hofe sitzet, er hab das gut und gülte oder erbeite es nit, und sont die viere lidig sin vor bette, vor gewerf, vor schetzunge, vor ussziehende, vor enger, vor stüre.
weisth. von Ingemersheim (
Unterelsasz)
bei Grimm
weisth. 1, 749; so laszt man ... sin eigen gut unbeschwert bliben, leit imm daruff weder steur, bett, gewerff, zinsz noch gult.
freiheiten der stadt Straszburg, abschr. v. 1512 Wencker
die Uspurg, s. 136. 2@a@g@33))
in den eben belegten verbindungen treten neben steuer
auch andere begriffe, so die bede,
als synonyma zu gewerf.
als weitere zeugnisse vgl.: miner frawen meiger ist auch frei aller bet und gewerf und soll er auch den dritten vörster haben in den gemeinen welden.
weisth. v. Wische u. Storbach bei Grimm 5, 414; mann sol auch jerlichen von dem dorffe dem landgraven sechzig viertel habern (
geben) ... keme aber iemand frönder dar von frönden landen ... der sol dem landgraven dienen und öch dem banherren eine zit in dem jor von wunne und ven weide ein gewonlich gewerff, und vasenacht hunre geben.
urk. v. 1314
bei Schöpflin 2, 109; item welher hie ze Friburg metzgen wil, der sol sunder hus haben, dem hantwerck und der statt tuon mit gewerff und aller gehorsam, als ander in iren hantwerck tuon ungeverlich.
urk. der metzgerzunft zu Freiburg i. Br. von 1462 (
ztschr. f. gesch. d. Oberrh. 17, 51); von gewerfe und von dienste. swelch burger in dirre stat ist des vatter ritter war, der sol ze ritter werden e er 30 jar alt werde. tuot er des nicht, so sol er gewerf geben mit dien burgern alle die wile unz er nit ritter worden ist.
Züricher richtebrief (
vgl. oben sp. 5626); also ob der abgestorben ... schuldner gewerfft, buwgelt, schatzung, freuel, oder oder anders schuldig pliben wer, das sol unser statt ... zugehören.
nüwe stattrechten und statuten der statt Friburg im Priszgow (1520) 31; iarzitbücher, selbücher, unser statt zinsbücher, gewerfft, und rechenbücher, so in unserm kouffhusz ligen.
s. 36. 2@a@g@44))
zur vervollständigung des gewonnenen bildes seien noch einige formen der composition beigefügt: und geben im (
Hesmann Stamler für seine getreuen dienste) von unsern sunderlichen gnaden und keiserlicher macht hundert mark silbers Kolmarisches gewichtes. dofur wir im einseczen zu rechtem pfande, vier fuder weingelts, uff sand Marteins tag, und acht pfunt Basler pfenninge czinzes, die man nennet, hornung gewarff, alle iar in deme dorffe Ammerswiler.
urk. Karls IV. v. 1360
bei Glafey, collect. anecdot. 338; und darum so sollen eins iglichen jahrs ... ihme und den vorgenanten seinen erben, so lang sie unsser ... vogt und ambtmann daselbst sein, werden und gefallen sollch nütz, recht und gefell ... ussgenommen die stattsteuer zu Keisersberg und Monstern, und die zwelff fuder gewerffe wine zu Durckheim.
urk. v. 1504
bei Schöpflin 2, 443.
fraglich ist banngewerf weisth. 1, 682,
wo die handschr. an entscheidender stelle lückenhaft ist. 2@bb)
noch deutlicher weisen die zeugnisse für den litterarischen gebrauch auf eine allgemeine, umfassende bedeutung von gewerf
hin. der vocab. theut. von 1482
führt das subst. unter vier verschiedenen stichworten auf: gewerff, geschosz, stewr, loszung
exactio H 5
a; gewerff, stewr oder loszung setzen
guadiare H 5
b; gewerff, stewr, loszung, pet zol,
tallia H 6
a; gewerff, stewr, landtzinsze, maut, rennte,
tributum ebenda. ähnlich führt der Straszburger bibeldruck, der gewerff
Luc. 20, 22
u. a. für tributum einsetzt, in den bedeutungszusammenhang mit den substantiven schosz, zins, steur, rent, schatzgelt
über, die in den anderen bibeldrucken hier auftreten. vgl. Dauner, die obd. bibelglossen 96.
dazu vgl.: aber die newen ratsherren hetten dem volk versprochen freiheit vor zoll, ungelt und losung und anderm gewerb (
var. gewerf). S. Meisterlin
chron. v. Nürnberg; deutsche städtechron. 3, 147; stür und gewerffe sol man geben und thun inn einer stat so es not ist, und jedermann nach dem und er geschickt ist und guot hat. nun der rat, oder ein herr, der gibt eim geschlecht die friheit, das es nit bedurffe geben, stür und gewerff, so lang und di weil er, oder es sein huld hat, und nit brüchlich an im wurt. Geiler v. Keisersberg
predigt der himmelf. Mariae (1512) 11
d; item die sich widrēt zuo bezalen recht auffgesatzte stür, bett, gewerff, oder schatzungen.
dreieckecht spiegel C c 4
a; roub, unbillich stür, gewerff, fründtliche hilff, ungelt, frontag, herren werck, schirmgelt, schatzung. kastenvogti, pfleger, gewalt, undertruckung, urteil ausz gunst.
irrig schaf A 3
a; das was der iuden gifft, dz sie müstent zoll geben, schatzung, und gewerff wie andere lüt.
postill. (1522) 4, 25
a; also die herren nemen das grosz von den underthonen, gewerb, steür, und freuel, so kumen dan die amptlüt. Pauli
schimpf und ernst (89)
Österley s. 68; nach der sündflut aber, da .. Nimroth der erste gewaltige jeger unnd könig, sein newes reich in Chaldea mit landtszordnung, rüstung, rendten und gewerben anrichtet und befestiget, da het man nach silber unnd goldt getrachtet. Mathesius
Sarepta 230
a; dann niemands mer zuo altar godt, mend ietz auch geben gwerff und steür. Wickram (
der getreue Eckart 4
v. 410) 5, 83
Bolte. dann frwor was zu burgerlicher sellikeit gehOert, in den dingen wurt unser statt gesehn grOeszlich ubertreffend, und für alle andere stett uberfliessen, mit kirchen ... zOellen, ungelten, gewerffen. Jacob Wimpfeling
Tütschland hrsg. v. Moscherosch E 3
a; wehe mir und ewig wehe, weil ich zugegeben, dasz meine amtleute, schösser, rentmeister, der armen leüt güterlein zu sich und in meinen kasten gerissen: den schafft, gewerff (
fehlt in der ausg. v. 1644,
s. 491) gülte und renten erhöhet: die priester schnödiglichen gehalten.
gesichte des Phil. v. Sittewald (1, 7), (1677) 622; von den gewerfen, zu steuren an das reich waren die ritter und ihre söhne, die dienstmannen und amtleute der gotteshäuser, frei; die übrigen bürger gaben dazu was von dem rath nach der schätzung des vermögens jedem angeschrieben wurde. Joh. Müller
gesch. d. schweiz. eidgenossensch.2 (1786) 113.