geschosz,
n. ,
bisweilen m., wie der
und das schosz,
zu schieszen
in dessen verschiedenen bedeutungen. II.
Zu schieszen,
werfen, schleudern. I@11)
wurfgeschosz, wie wurfspiesz, pfeil, bolzen, schleuderstein, kugel u. s. w.: geschosz, allerlei geweer das man scheüszt den feind zuo verletzen Maaler 173
a;
ahd. das scoʒ
und giscoʒ,
missile, mhd. schoʒ
und schôʒ, geschoʒ
und geschôʒ,
ags. das gescot,
wurfspiesz, engl. shot,
mnl. geschot;
ndrhein. geschoysz Dief. 282
c;
mit erhaltenem z
rhein. geschotz, geschutz,
sagitta, jaculum Dief. 282
c. 507
b. 576
a,
vgl. geschütz 1,
c und gschusz,
telum Maaler 195
c;
mit umlaut das geschösz Hulsius
dict. 61
a.
Phil. Lugd. 4, 300;
selten als masc.: der geschosz,
spiculum, sclopus, bombarda Stieler 1771; ein geschosz (
pulverschusz), der bald verpufft. P. Fleming 665. I@1@aa)
eigentlich: bindestû die wurze anderhalp gegen der wunden, sô vert daʒ geschoʒ ûʒ (
die pfeilspitze aus der wunde). Pfeiffer
arzneib. d. 12.
u. 13.
jh. 2, 9
b; jâ sint der Sarrazîne geschôʒ (: grôʒ) gelüppet (
vergiftet) sam diu nâtern biʒ. Wolfr.
Willeh. 324, 4; ain geschoʒ, das von ainem armprust vert. Megenberg 274, 3; Creta ist der geschosz der pfeil ein erfinderin. S.
Frank weltb. 18
a; er hat seinen bogen gespannet .. und hat drauff gelegt tödlich geschos.
ps. 7, 14;
Geszler. das ist Tells geschosz. Schiller XIV, 399 (
Tell 4, 3); zwischen geschosz und schirm kommen,
zwischen wurfspiesz und schild. Schottel 1115
a sprichwörtlich; sohn, da hast du meinen speer, .. nimm den schild und dies geschosz.
F. L. Stolberg 1, 44; malzeichen, wohin sie jre geschosz (
pfeile und steine der wurfmaschinen) richten und wenden solten.
Josephus jüd. kr. (
Frankf. 1569) 73
a; die felsen, ihr (
der giganten) geschosz. Ramler 28.
ode; geschos,
glans. voc. inc. teut. i 3
b; ain geschoʒ auʒ ainer schoʒpüchsen. Megenberg 274, 3; vil büchsen, pulfer und geschosz, manicherlei kugel und büchsenstein.
keiser Maximilians lehr (1532) 48
b; dasz wir durch das pulffer-geschösz unser leben verlieren müssen.
Phil. Lugd. 4, 300; klein geschosz,
schrot, hagel, grosz geschosz,
kugeln Ludwig 754; geschosse
der neueren zeit, kartätschen, granaten, bomben, raketen u. s. w. Rüstow
mil. handwb. 331
fg.; kanonenschlag: es sind auch in solchem schlosz etlich hundert schüsz, darunter auch vil starcker geschosz dermaszen darinnen zugericht gewesen, welche alle wol abgangen, also dasz es weniger nicht gekrallet (
geknallt), dann als ob grosze stück weren abgelassen. Abr. Hossmann
von keiserl. wahl u. krönung (1612) 356. I@1@bb)
übertragen, der blitzstrahl, wie mhd. blicschôʒ: er kann plitz geschosz und donner machen.
fastn. sp. 594, 26; die geschos der blitzen.
weish. Sal. 5, 22; aber der vater der himlischen (
Zeus) warf von der nächtlichen wolke sein geschosz. Klopstock
gramm. gespr. 249:
vgl. blickschusz, albschosz, albgeschosz,
donnerkeil, belemnites, sowie Schm.
2 2, 479
und mythol. 164. 170;
vom hagel: alzdan voll macht und kraft liesz sich des höchsten stim mit hagel, dunder, plitz, geschosz und strahlen hören. Weckherlin 62 (
ps. 18, 18);
der sonnenstrahl: der sonne glühendes geschosz durchdringt ein feuchtes, kaum der fluth entrisznes land. Göthe 9, 339 (
nat. tochter 4, 2);
der liebespfeil, minnen geschoʒ
minnes. 1, 90
b Hagen: daʒ Amor unt Cupîdô unt der zweier muoter Vênus den liuten minne gebn alsus mit geschôʒe und mit fiure.
Parz. 532, 5;
der pfeil des todes: tod und liebe wechseln offters ihr geschosz, jenes geht auff junge, disz auff alte los. Logau 2,
zugabe 159. I@22)
schieszwaffe jeder art, bogen, armbrust, schleuder, wurfmaschine, feuergewehr, blasrohr; selten masc. der selbgeschosz,
arcus automatus Stieler 1771.
vgl. geschütz. I@2@aa)
eigentlich: von mancher hand geslaht geschosz, armprust und puchsen klain und grosz, hub sich ain prastel und ein schal.
M. Beheim
Wien. 85, 4; die armbrust, welche kleiner ist als das stahlgeschosz (
scorpio, grosze armbrust). stahlgeschosse, deren sich diejenigen schützen bedienen, welche nach dem vogel auf der stangen schieszen. Comenius
orb. pict. 2, 263; das fuchs-geschosz schieszt der bestie den pfeil in den leib. 264;
catapulta, geschosz zu langen groszen pfeilen. Emmelius
nomencl. 376;
wurfmaschine bei einer belagerung: armbrüst, geschosz und böck (
durch die zimmerleute erbaut), .. dasz aus denselben künt starck werden rausz geschossen. Dietr. v.
d. Werder
Gottfr. v. Bulljon 18, 43; schlingen und schlaudern, so damals der kriegsleut geschos warn. Aventin. 4, 322, 27
Lexer; geschosz,
feuerrohr Rädlein 366
a; (
Wormser bürger) haben aus der stadt zeughaus grosz und klein geschosz, pulver, stein und anders in die vorstadt getragen. Zorn
Wormser chr. 220
Arnold; gleicher gestalt werden oben die mastkörb auch mit jhrem gehörigen geschosz ... zum schieszen versehen. Fronsperger
kriegsb. 1, 132
a,
genauer halbhaken, handrohr oder ander büchsen 131
a; die geschosse ... sind unterschiedlich: flinte, carabiner und musqueten, vogel- und pirschrohr. Comenius
orb. pict. 2, 259; kleines oder kurzes geschosz,
puffer Krämer 545
b; musz alles ergehen wie ein kugel aus dem geschosz. Schuppius 753;
geschütz, kanone: wer sich von seinem geschosz lest jagen, muosz haben den spott wie ander zagen.
keiser Maximilians lehr (1532) 48
b; ferner muszte ich ihr. gnaden geschos, das ist das blaserohr in verwahrung haben. Schweinichen 1, 30. I@2@bb)
dichterisch: wo ihr geschosz (
bogen) die zwietracht spannt. Gökingk 1, 223;
mit seltener singularform: völker stürzt sein rasselndes geschosse (
Phöbus' bogen). Schiller I, 239. I@2@cc)
collectiv, schieszzeug, wie die bogen: die schüczen schik er doch ze land hin für die andern (
vor fuszvolk und reiter) .. das geschoss den ersten schaden tuot. Wittenweiler
ring 50
c, 19;
armbrüste: die metzler .. mit irm geschotze und gudem gewere.
Limb. chr. 103, 31
Wyss; feuergewehre und kanonen, geschütz, selten als masc.: so ein romischer kung herkomen wurd, daʒ man allen geschosz und zeug, der auf der vesten ist, dannen tu.
städtechr. 3, 384, 30 (
Nürnberg, von 1444); der von Rafenstain zoch den herzogischen mit seinen kriegsschiffen und allem geschos zu solichem handel gehörig entgegen.
Wilw. v. Schaumburg 119; die schiffe .. wurden mit dem kriegsvolk, auch allem groszen und kleinen geschosz, wie si das vor gedachtem flecken (
zur belagerung) gebrauchen wolten, besatzt. 118; marggraf Fridrich hat den turn mit geschosz und umbgraben nider gefellt.
städtechron. 11, 561,
anm. (
von 1490); der könig hette kein geschos zum sturme (
schweres belagerungsgeschütz), sondern allein feldgeschütz. Schütz
Preuszen 487
b; uber das geschosz muosz sein zuovoran ein unerschrockner geschickter hauptmann, zeugmeister, büchssenmeister und vil knecht.
keiser Maximilians lehr (1532) 48
b. I@33)
rheumatisches übel, ursprünglich gedacht als geschosz von dämonen oder hexen, vgl. albschusz,
hexenschusz,
in einem ags. segen gegen stichschmerzen ylfa gescot, hägtessan gescot
mythol.2 1192, geschosz,
sic vulgus superstitiosam vocat causam morborum Henisch 1544: so het sie (
zauberin) in daʒ geschosz getan umb veintschaft ... das sie wol 15 menschen das geschosz getan het.
städtechr. 11, 694, 1 (
Nürnberg, von 1505); ich (
hexe) kan under das gschwell (
thürschwelle) eim graben das es darnach das gschosz musz haben, die gschosz kan ich segnen und heilen. H. Sachs 1, 532
a. 4, 3, 32
d; hab mich lang genehrt mit warsagen: da mich die bawren theten fragen, .. wo man einr etwas het verholn unterm tritscheuffelein eingraben, dasz sie darvon das gschosz solt haben. 5, 3, 354
a; der kan krankheit vertreiben mit segen oder dergleichen, als die geschösz, gesucht, blutstellen, kaltwee. Paracelsus
op. (1589) 1, 325;
spruch 'für die wilden geschoss oder bösen luft': wilde schoss (böser wind), ich gebeut dir aus dem mark in das bain, aus dem bain in das flaisch, aus dem flaisch in das bluot, aus dem bluot in die haut, aus der haut in das haar, aus dem haar in die erden, neun claffter tief. Mone
anz. 1837, 470,
nr. 27 (
anf. d. 17.
jh.); ich versegne dich, nöschtropf und gesicht (gesücht), margschosz und wild geschosz. 463,
nr. 11; so lindert sich das reiszen der glider, welchen gebresten etliche das laufende vergicht, andere kalte gesucht und aber andere als die leut in Tyrol und am Bodensee das geschosz heiszen. Thurneisser
erdgewächse 109; es ist auch gut den menschen, die da kalt geschosz haben. Seuter
rossarzn. 402; geschosz in der seiten,
lateris morbus immanens, subito dolore corpus gladii instar transverberans Henisch 1544;
noch in Baiern und Schwaben das geschosz,
heftiger kopfschmerz, besonders am scheitel Schm.
2 2, 479. Schmid 477;
auch heftiges, schnell kommendes und vergehendes zahnweh Schm.
a. a. o. Stalder 2, 348;
dagegen in Ostpreuszen krankheit, bei der sich knochensplitter aussondern Frischbier 1, 230
a.
vgl.kellergeschosz 2. IIII.
Zu schieszen,
emporwachsen. II@11)
schöszling, schosz an gewächsen, mnl. geschot:
saltus, novi frondes qui saliunt in altum, geschosz Brack (1495) 50
a; unfruchtbar geschosz,
spado Dief. 544
b, berhafftig geschosz,
surculus nov. gl. 356
b,
palmes, zweig oder geschosz, new geschosz
vel rebstock.
gl. 407
b; nimb holderblätter und die junge geschosz von schöllkraut. Seuter
rossarzn. 225; geschosz an bäumen,
germen Aler 916
b; überflüssiges geschosz an gewächsen Krämer 545
b,
oder wassergeschosz Henisch 1545. II@22) geschosz,
absatz, knopf, schosz, wuchs oder jahrwuchs eines spanischen rohrs oder dergleichen Rädlein 366
a,
der theil eines stengels von einem absatz oder knotenring zum andern, der schusz Adelung. II@33)
stock, stockwerk eines gebäudes, mnl. geschot:
tecmen de schindil
super unum geschoʒ.
cod. dipl. Silesiae 2, 152
Wattenbach (
von 1239); ein gebäw, vier geschosz hoch. Mandelslo (1658) 123;
plur. selten mit umlaut: gebäu von sieben geschösz. Aler 916
b; ich wohne im dritten geschosz. Rädlein 366
a; was entdeckt der nicht alles, der auf einem hohen puncte nur um ein geschosz höher steht. Göthe 17, 102; '
bei groszen palästen folgen sie so: das kellergeschosz,
das unter-
oder bodengeschosz,
das zweite
oder hauptgeschosz (
le premier étage),
dann ein halbgeschosz
oder obergeschosz
für garderobe und bediente' Eggers
kriegslex. (1757) 1, 1040;
das stockwerk über dem keller, in der nebenform geschoszt: die (
wirkung des weins) kan kein arzt als wol vertreiben als ein krug mit frischem brunnen, wenn sie des kellers geschoszt hand gewunnen.
altd. bl. 1, 413;
der stockwerkartige aufbau am vorder- und hintertheil der schiffe früherer zeit: ein schiff, zu einem besondern köstlichen triumph gehörig, sol mit gemalter leinwat oder sonst gestickten zierlichen teppichen zu beiden seiten bisz an das geschosz uberhengt und bedeckt werden. Fronsperger
kriegsb. 1, 130
a,
vorher das vorder und hinder hausz oder schlosz am schiff;
bildlich: durch diese zeigt sich dort ein berg von zwei geschossen, aus einem hügel scheint ein andrer aufzusprossen. J. E. Schlegel 5, 132; da der jüdische glaube .. das unterste geschosz ist, worauf das christenthum als das obere ruht. Kant 6, 347. IIIIII.
Zu schieszen,
zuschieszen, beisteuern. III@11)
geldabgabe, steuer, zins, wie der schosz (
s. d.),
daher als masc. bei Bech
beitr. aus Pegauer hdss. d. 14.
u. 15.
jahrh. 7, 29,
im Leipz. urkdbch. 1,
nr. 406 (
von 1466),
und bei Adelung,
sonst neutr.; nebenform geschas
voc. von 1420 909
Schröer, mit dem seltenen plur. geschasser
Liegnitzer urkdbch. 325
Schirrmacher (
von 1421), geschosser
lehnsurk. Schlesiens 2, 67
Grünh.-Markgraf (
von 1469): '
ut monasterium ab omni jure exactionis et collectae, quod vulgo dicitur gescoʒ,
sit absolutum' Haltaus 1647 (
urk. Friedrichs II. von 1222); swenne di stat ein geschoʒ muʒ haben, das sullen di burger setzen unter einander, wenne si sin an irme heimelichen rate.
Freiberger stadtr. 4, 1 (52, 18
Ermisch); swer da einen hof hat, der da cinset ein halp pfunt oder me, der gibet halbiʒ geschoʒ von der vurstat (
feuerstelle). 4, 12 (54, 4); kompt imandt fur den richter hie bitend ein haus ime uberzuschreiben, sol man ime das nicht reichn, es sei dan das er zuvor lege die alten geschos von sulchm hausze, ap hiruff wehrn. 297, 9
Erm., zusatz von 1516; daʒ man nimanden vrevelichen solde phende in sime huse umme daʒ geschoʒ.
sächs. weltchron., thüring. fortsetz. 313, 20
Weiland; dasz alle güter .. den bürgern zu Wiszenvels zustehen und ewiglich zu ihrem geschosse und pflicht bliben sollen. Haltaus 1648 (
von 1454); als uff das thalgut etlich jerlich geschos durch uns, den rath und gemeine der stadt Halle, in vergangen zeiten gesatzt wurden ist.
ebenda (
von 1479); umb der bezalunge wille der hundert tusunt schok .. lies der homeister ein geschos uszgeen obir alle das lant. Lindenblatt 238
Voigt-Schubert (
zum j. 1411); geschosz oder steur,
exactio voc. 1482 m 2
b; so wären die geschos mein,
vorher die 14 schwere mark jährlicher zins auf der stadt Lemberg. Schweinichen 1, 352; wenn du sollst einen groschen zu zins und geschosz geben. Luther 3, 2435
Walch; nu hat S. Paulus Rom. 13 drei stücke erzelet, die der oberkeit gehören, das erste, geschos. 7, 6
b Jenaer ausg.; was oberkeit an sie begert, das sie desselben sei gewert, es sei am gschosz, stewr oder zoll. B. Waldis 1, 40, 63
Kurz; ordendliches, hohes geschosz. das haus steht hoch im geschosz,
aedes istae exinaniuntur vectigalibus immensis Stieler 1789;
eidgeschosz, abgabe vom vermögen und gewerbe, welche auf den eid hin bestimmt wurde, an die stadtgemeinde Haltaus 281 (
Zeitz, von 1483). Vilmar 367 (
Frankenberg i. H., von 1697),
oben th. 3, 85
nachzutragen. III@22)
tribut abhängiger völker: die Osos beweist jre ungerische sprach, das sie nit Teudschen seind, und darneben auch das sie den andern völckern tribut oder geschosz geben. Micyllus
Tacitus 450
b,
Germania cap. 43.