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spitz

mhd. bis spez. · 19 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

spitz m.

Bd. 16, Sp. 2568
spitz, m. spitzes ende, spitzer gegenstand, spitzes wesen, wahrscheinlich eine substantivierung des vorigen, jünger als spiʒ, spiesz, bratspiesz u. dgl. (s. spiesz II), zu dem es sich im auslaut verhält wie ritz zu risz. unter den bei Graff 6, 366 für die beiden wörter (die handschriften unterscheiden die affricata selten von der spirans. vgl. spiesz II oben sp. 2449) angeführten belegen gehören wol hierher spiz, cacumen, jugum, dat. sing. spize, jugo, spizze, vertice, gen. plur. spizzo, vallorum (exstructione), dat. plur. spitzzin, spizzin, spizen, pinnis, acc. plur. spizza, capita (montis), falls diese form nicht einen rest alter starker flexion des im ahd. sonst schwach flectierten spizza, f. darstellt (vgl. spitze unten), vielleicht auch acc. plur. spizzi (perges), juga (montis), apices (saxorum), sudes. 366. 367, das dort als zu einem sonst ahd. nicht bezeugten spizzî, f. gehörig gefaszt wird. alle diese formen auszer spizza können von der i-declination aus erklärt werden, auf die bestimmt die dative plur. auf -in weisen, während der acc. plur. auf -a bei der auffassung als form eines masc. flexion nach der a-declination voraussetzt, von der aus sich auch andere formen erklären lassen. mhd. spiz, spitz, gen. spitzes Lexer mhd. handwb. 2, 1104, im reim spitze : sitze Flore 4259, nhd. der spitz eines yeden dings. Maaler 381c, in der schriftsprache später eingeschränkt auf verwendung in besonderem sinne vgl. unten 4 und 7, mundartlich, besonders obd., noch in allgemeiner bedeutung üblich, vgl. unten 1, gelegentlich, wol durch einflusz von spitze, f. und schwach flectierenden männlichen substantivierungen von adjectiven, in schwache flexion übertretend, am spitzen Paracelsus 1 (1616), 312 C (vgl. unten 1, b), spitsɐ, m. spitze Lenz Handschuhsheimer dial. 67a, in besonderem sinne der spitze Frisch 2, 304a (vgl. unten 1, b, β), acc. sing. spitzen Schiller Wallensteins lager 6 (vgl. unten 1, b, α). veränderungen im wortinnern zeigen die mundartlichen formen schwitz, m. spitze (Heanzenmundart). Frommanns zeitschr. 6, 344 und spets, m. Tobler 377a (vgl. unten 1, a, α u. 8). über gelegentliche neuere vermischung mit spisz, spiesz s. unten 10. das wort ist gleich dem adj. auch ins nd. gedrungen, hier aber anscheinend nur in besonderer verwendung bekannt (vgl. unten 4 u. 7). das schwed. kennt dagegen spets im allgemeinen sinne von spitze. vgl. auchn. spids, en, ndl. spits, n. 11) im anschlusz an die gewöhnliche sinnliche anwendung von spitz, adj. (1) spitzes ende, spitzer gegenstand, früher in allgemeinem, weit verzweigtem gebrauch, heute nur mundartlich. Schm.2 2, 692. Schöpf 690. Lexer kärnt. wb. 237. Zingerle 52b. cimbr. wb. 235a. Hunziker 247. vgl. auch Lenz 67a oben. besondere mundartliche gebrauchsarten sollen unten erwähnt werden. 1@aa) dem unter spitz, adj. 1, a abgegrenzten gebrauchsumfange des adj. gemäsz. 1@a@aα) auf gegenstände bezogen, die verfertigt oder bearbeitet sind: spizzo, vallorum [zu vallus, pfahl, palissade] (exstructione). Graff 6, 366; man vestente ouch die bedekente bruke und maht die spitze (palissaden) vor den türnen und anders gebuwes vil an der stat. d. städtechron. 8, 124, 25 (Straszburg, Closener); ire pfeil sindt gemacht von roren unnd zinten sie fornen am spiz an. Schmidel reise 10 Langmantel; scharpffer spitz oder wol gewetzt, asper mucro. Maaler 381a; der spitz an eynem eysen oder spiesz, aculeus sagittae, spiculum. ebenda; der spitz ... an einem mässer, schwerdt, oder geschnittenen schreybfäderen, mucro, cuspis, acumen. ebenda; es hat ... ein gauckelsmann ein artliches probstück gethan, indem derselbe auf den spitz einer gegenwährts gesteckten spanischen nähnadel erbeskörner dermassen künstlich geworffen, dasz selbe an dem spitz klebend verblieben seyen. Abele gerichtshändel (1654) 297; er trug ein spiesz in der hand, auff welchem er mit auff die erden gekehrtem spitz sich leinete. Schuppius 717; dann hat man (zum oculieren) ein kleines instrumentlein, so von helfenbein, oder buchsbaum, oder sonst harten holtz .. gemacht ist, das musz aber am spitz breitlecht, klein subtil, doch nicht allzuscharff seyn. Hohberg 1, 404a; er kêrte gegen den brüsten den griffel an dem (lesart, im text der) spitze. er pflac niht guoter witze. er wolte hân erstochen sich. Fleck Flore 2389; des swertes spitz. Heinr. v. Neustadt Apoll. 5426. 18470; (im bilde:) bie (wie) der (gott) vergAess seins zornes val und stiess durch parmung în sein veintlîch waffen, das er über uns gezogen hât mit scharffer sneid und grauss(e)lîchem spitze umb unser grôsse missetât. Oswald v. Wolkenstein 18, 8, 6; den spitz des pfeils sah man darneben am andern theil des harnischs kleben. J. Spreng Aeneis 84b. redensart: dein leben stet am spitz meines speres. Octavian Q 3 (im drucke von 1675 an der spitz, s. spitze, f.). die spitze des schwertes bezeichnet das wort wol eigentlich in der bildlich gebrauchten verbindung knopf oder spitz, spitz und knopf, wofür oben theil 5, 1474 unter knopf 9, b belege aus älterer sprache beigebracht sind. obd. noch gebräuchlich: einem spitz und knopf zugleich bieten, ihn möglichst bedrängen. Sigl Münchner geiseln p. 62 bei Schm.2 2, 692; daheim habe der meister so nötlich gethan, wie wenn alles bei ihm auf spitz und knopf stehe, und kaum auf den markt gekommen, kaufe er wie besessen ein. Auerbach dorfgesch. 4, 18; das gefiel der gemeinde schlecht, der rat stellte ihm spitz und knopf zusammen und liesz ihm die wahl. Pichler gesch. aus Tirol (1897) 1, 32. zu grunde liegt anscheinend das bild einer notwendigen entscheidung zwischen der entgegen gehaltenen schwertspitze, womit man sticht, und dem entgegen gehaltenen schwertknauf, womit man siegelt, s. oben a. a. o. bei Schm.2 2, 692 wird auch hierher gezogen: einem den spitz bieten, adstringere necessitate. voc. v. 1618. vgl. einem die spitze bieten unter spitze, f. 1, a, γ. in besonderer anwendung spitz so in ein klimsen gehört, cardo. Maaler 381a, appenz. spetz, spitz, der eiserne stift unten an der spindel, z. b. der obstpresse, der in ein eisernes grübchen des untergelegten preszbalkens greift, damit dieser weniger ausgleite und der druck gleichförmiger geschehe. Tobler 377b. aarg. piz, keilförmiges werkzeug zum graben, verschieden von der breiteren pizhouwe (vgl. spitzhaue unten). am gewöhnlichsten ist der zweupiz (vgl. zweispitz unten). Hunziker 247. 1@a@bβ) von natürlich gewordenem: spitz an einem blat, als stächpalmen, distel, aculeus. Maaler 381a; der spitz an einem schnabel, rostri acies. ebenda. 1@bb) der unter spitz, adj. 1, b behandelten anwendung des adj. gemäsz. 1@b@aα) der oberest spitz unnd gipffel eines gebeüws, fastigium. Maaler 381a, an einem turm: dâ ist ein man von êre ûf den pfîlære gegoʒʒen, dâ der turn ist besloʒʒen oben in dem spitze, dem glîche als er sitze mit offnem munde. Fleck Flore 4259; vetter, ich răt, wir setzend den adler uff den spitz des grossen thurns, damit daʒ inn Karly und all sin volck gsächen mögend. Haimonskinder 191, 6 Bachmann; ich eylle den gantzen thurn von dem obristen spitz an bisz zu tieffist unter die erden noch einmahl auf ds newe durchsuechen. quelle v. 1701 in der zeitschr. Bayerns mundarten 1, 138, 9. an einem schiffe: nun die schiffleut daʒ guot weter vernomen hetten ire segel aufgericht zuo Allexandria auszfuren gegen dem nidergang der sunnen, den spicz des schiffes richten, vil manchen tag mit freüden säliglichen segelten. Bocc. 106, 19 Keller; wie wol es dem knechte müesam waʒ doch darauf (auf ein gestrandetes schiff) kam und die edeln schönen iunckfrawen alleine mit czweyen andern frawen under dem spicze (sotto il becco della proda) des schiffes kläglich weynent verporgen fande. 108, 4; (in einer allegorie:) die schiffknecht verkünden den schifleüten haimliche ding die sy gesehen haben, im spitz, und denen verborgen sind die im schiff sitzen. Keisersberg schiff d. pen. 60a. am schilde: ich nam des drytten schildes war nach der panr geheret, der was auch gar vercheret, recht sam dise tzwen hie vor, der ort zu tal, der spitz enpor. Suchenwirt 3, 161; sein schilt von golt gab lichten schein in manigem streit und auch in sturm; von tzobel hat dar in ein wurm den badel in den spitz gepogen. 12, 109. am schuh. quelle im mhd. wb. 2, 2, 514b; so wol auch: ain vogtherr mag och lassen verbietten die langen schnäbel an denen schuchen, und och das kurtz gewand an v β D und höcher, und sol der spitz nit lenger sin dann zwayer glaich lang, und das häss, als ver ainer mit siner nider gelassnen hand geraichen mag. weisth. 1, 202 (St. Gallen, v. 1469). an der kopfbedeckung: κεραία offendix, knopff des spitzes. Frischlin nomencl. (1586) 181b (cap. 139); und swer sîn gugel nû niht miʒʒet, daʒ der spiz hab spanne lenge und daʒ si niden sî sô enge, daʒ daʒ houbt kûm hin durch kumt, diu gugel niht enfrumt. Ottokar 77624 Seemüller. in besonderem sinne als bezeichnung einer gezackten verzierung an kleidungsstücken u. dgl. vgl. spitze, f. 2, a: silberne spiz, kögelspiz u. borten an schürzen, bortenwürkerspiz, brüstlen mit spizen, zizenspiz. quelle v. 1668 bei Birlinger 408b; der spitz an der hauben. Schm.2 2, 692; mit schwacher flexion: ir habt da einen saubern spitzen am kragen. Schiller Wallensteins lager 6. obd. ein brot von spitzer form. Schm.2 2, 692. Birlinger 408b, auch eine weinflasche, die die hälfte von einer dreiquartflasche, d. i. drei achtel von einer masz hält, doch wol auch wegen der form (vgl. spitz, adj. 3). ebenda, weiter ein röhrchen zum aufstecken der zigarre beim rauchen, zigarrenspitze. 1@b@bβ) von natürlich gewordenem: spiz, jugum Graff 6, 366; der spitz eines bergs, jugum. Maaler 381a; Palma ist so ein hohe insel so man auff erden finden mag, dise kan man so es heytter ist, bisz in zweyhundert und fünfftzig meil sehen, dann der höchst spitz diser insel ist gleich als ein diamant, und brennet stätigs, der obgenant spitz ist bisz in .lx. welscher meil hoch. Franck weltb. 212a; von der hintern eggseil (ecksäule) auf die vorder, von der derselben auf alle höch zue dem spicz auf den Sulczperg wie sich das regenwasser von einander schaidt. Salzb. taid. 165, 31 (v. 1585); auf bair.-österr. sprachgebiet vielfach in bergnamen, so bair. der Zugspitz Schm.2 2, 692, tirol. der Brechtspitz, Haselspitz Schöpf 690, kärnt. der Wetterspitz, Schoberspitz, Lasarnspitz, Raggarspitz. Lexer kärnt. wb. 237, hier auch noch jetzt so in freiem gebrauch. ebenda. in allegorien: ich sprach hin auff (einen felsen hinauf) sich ich kein strasz, er sprach lasz dich nit irren das sie steigen von dem spitz herunder. H. Sachs 1 (1558), 236b; zu öberst sah ich auff dem spitz (des Lügenbergs) ein man der het darauff sein sitz schray uber euch hab ich mit lügen mich also auff den spitz verstiegen. 542c. rein bildlich: ja nichts grosz unter den menschen ist sicher, als das aintweder durch die zeit, oder durch den neidt mag umbgestürtzt werden, nach dem ainer uff den spitz des glücks kummen ist. Frölich Stob. 499; (er) meint es hab erreichet jtzt die seligkeit den höchsten spitz. H. Sachs 2 (1570), 2, 85a. wol von hier aus freier von dem oberen (früher vielfach wirklich erhöhten) ende einer tafel, wo die personen sitzen, die besonders geehrt werden sollen, eine anwendung, die die folgenden bildlichen wendungen voraussetzen: welcher wolte die nicht allein loben unter andern Römern, sonder auch an den spitz zu Lucretia setzen. buch d. liebe 313a; trunckenheit sitz oben am spitz. Wickram Obsopoeus E 1a. der spitz an einem ey, cacumen ovi. Maaler 381a. Hunziker 247: das ai aber soll man oben am spitz ufthon, damit die überig schal ganz und unzerbrochen bleib. Zimm. chron.2 2, 340, 8; nimm ein ey, öffne es am spitz. Hohberg 2, 281b; im Aargau fragen die kinder: spiz oder gupf (dickeres ende)? wenn sie tüpfen (eier gegen einander schlagen, als spiel) wollen. Hunziker 247. spitz am animalischen körper: wiewol ich offtmals gemelt hab, wie dasz der tartarus auch generiert werde in den gleychen, wo dieselbigen im leibe sind, auch in den spalten da zwey bein an einander stossen; darzwischen legt er sich: zwischen das ohr und der kopffschalen, zwischen der nasen und hirnschalen, zwischen der nasen unnd krösplen am spitzen, und dergleichen auff den rasteten der händen und füssen. Paracelsus 1 (1616), 312 C; die ader am spitz des hffs (beim pferde), so man nennt die stralader, derer ein jeder stral zwo hat, die soll geschlagen werden, wann der fuosz oder schenckel mit ubrigem bluot ist angeloffen. Seuter roszarzn. (1599) 58; es gschicht gmeinlich dasz einem ein gschwärlein wachset vornen an dem spitz der kniescheiben. Würtz wundarzn. (1612) 184; in besonderem sinne spitz, das mennlich glidle an knäblinen und jungen kinden, gib mir den spitz, ich wil dir den spitz auszhauwen, testiculi. Maaler 381a, der spitze, membrum virile. Frisch 2, 304a, als veraltet bezeichnet, aber noch schweiz. spiz, das männliche glied. Seiler 275a. Hunziker 247. 22) kein spitz wie kein bischen, nichts: ja, köng, opffer ein ochssen nein, darzu sechs grosser krüg mit wein, dasz deiner pfaffen fauler hauffen haben zu fressen und zu sauffen. den göttern wirt kein spitz darvon. H. Sachs 16, 156, 17 Keller-Götze. 33) spitz, das ist, ein kriegsordnung, oder ein hauffen fszknächt die vornen spitzig und hindenausz ye lenger ye breiter, wie ein holtzwegken, cuneus, cornua in praelio. Maaler 381a, auch allgemeiner vorderer theil des heeres, schlachtordnung (vgl. lat. acies), in älterer sprache: der rotmeister schuof umbe den spiz vorn: darzuo gehôrten niht tôrn, si muosten manheit walten, die den spiz solden halten, unde haben vesten muot. Ottokar 15839 Seemüller nu wol auf, es ist zeit, das wir auch ziehin an den streyt ... da mit so richt er seine schar in einen spicz und macht sich dar. Wittenweiler ring 54d, 29; mit manhait und mit guter witz bestelt er panir und spitz mit piderben helden fruet. Suchenwirt 28, 226; do hieltent sü stille und ordetent und mahtent iren spitz. d. städtechron. 8, 82, 15 (Straszburg, Closener); hie zwüschent hettent die Switzer iren spitz gemaht und sich wol geordent zuo strite. 9, 827, 25 (Straszburg, Königshofen); sy hieltent by Gundeldingen an dem rein und hatent einen spitz gemacht. Basler chron. 4, 178, 7 (v. 1444); Spartacus ... ward von den Römern übereilt; doch wert er sich redlich, ward erschlagen, nam ein êrlichen tod vorn am spitz im ersten glid. Aventin 1, 530, 12 Lexer; (Cäsar) ordnet den spitz. Ringmann Cäsar (1530) 13a bei Schmidt els. wb. 333b; sy künden die pfeil meisterlich und gwisz werffen, seind fertig, gschwind, brauchsame kriegszleüt, die an keinem spitz weichen. Franck weltb. 70b; der spitz oder die vorderist ordnung unsers zeügs, exercitus nostri acies. Maaler 381a; den spitz der ordnung gegen dem feynd richten, dem feynd in die augen ston, dirigere frontem. ebenda; gegen dem mittelsten spitz der Persen ordnet er seine helffanten mit den thürnen, darinn moren wol gerüst waren. buch d. liebe 220c. in wendungen wie am spitz sein, an den spitz stellen und ähnlichen kann, besonders wenn sie in beziehung auf einzelne kämpfer gebraucht werden, die allgemeinere bedeutung 'vorderste stelle' hervortreten: dô schickt Joab Uriam an den spitz. historienbib. 363 Merzdorf; also tet nit künigs David schreiber, der da schraib von Davids hayssen ain brief über Urias, wie in der hauptman Joab solt schaffen vornan an den spitz des streitz, das er erschlagen würd. Ingold goldn. spiel 39, 22 Schröder; ich (der feldhauptmann) will zuvorderst am spitz vor euch allen sein. d. städtechron. 5, 277, 30 (Augsburg, v. 1462); in disem streit zuovorderost am spitz ist umkomen graff Urlich, graff Eberhards suon. 23, 31, 24 (Augsburg, 16. jahrh.); da solichs der behertzt fürst hat gesechen, hat er die ordnung under seinen dienern gemacht und sich zuoforderst an spitz gestelt und ist auff seinen feind dargerindt. 45, 21; sy steen am spitz steiff und hurtig, doch mer im angriff dann in die länge freydig und bständig. Franck weltb. 70a. freier: seitenmal sye gar nah täglich in iren übpredigen zum groben volck ire hauffen zuom spitz füren und ordenen und mit schelten und geschrey yederman zuom streit erfordern. M. Bucer B 2a. 44) von thieren. 4@aa) eine hundeart mit einem langen in eine besonders spitze schnauze auslaufenden kopfe, der Pommer. Adelung, auch wolfshund, canis pomeranus. Nemnich 1, 719. Oken 7, 1564, angeblich, wie eine der dafür üblichen bezeichnungen andeutet, aus Pommern stammend, dort unter dem namen spitz bekannt und so schon bei Dähnert 449a verzeichnet, der als characteristisches merkmal die 'spitzig stehenden ohren' hervorhebt. vgl. weiter Bauer-Collitz 97b. Woeste 250b. ten Doornkaat Koolman 3, 279b. Schm.2 2, 693. Schöpf 690. Hunziker 247, spitsɐ Lenz 267: ein getreuer kleiner spiz, mit welchem sie redlich das brod ihrer armuth theilte, war dann gewöhnlich ihr begleiter. deutsche erzähler des 18. jahrh. 72, 5 (A. G. Meiszner) Fürst; wenn ich sah, dasz sogar deines bruders spitz ... unbeschreiblich freudig um dieses menschen knie sprang, sobald er in die stube trat. H. v. Kleist br. an s. braut 154; bemerken sie wohl, wie gut sich das braune holz gegen den fahlen wasserspiegel absetzt, und dahinter die sonnenblitze und der weisze spitz, der auf der kajütentreppe steht und drüben im andern kahn die kleine graue katze anbellt? Heyse kinder d. welt 1, 60; in bildern und vergleichen: die hündchen bellen! — wie so viel der hündchen um dich (Lessing) her: dachs, möpschen, pudel, spitz, Isländer und windspiel, fällt an und läuft beiher! ... die hündchen mögen bellen, geh, du dogge deinen gang! Gleim 5 (1812), 111; so will der spitz aus unserm stall uns immerfort begleiten, und seines bellens lauter schall beweis't nur, dasz wir reiten. Göthe 2, 219; seitdem er zuerst, zu gefechten bereit, wie ein leu voll trotziger weltscheu vortretend (es liebt der energische muth des bewuszten gefühls die metapher) durch wirklichen witz urkräftig erlegt den proceszanspinnenden witzbold, der kleinlichen geists und der zanksucht voll, wie ein spitz an der kette, gebelfert. Platen 282a; und wenn sies nun wüszt und möcht mich doch nicht und thät sich grosz damit, der Holders-Fritz ist wie dem Herrnmüller sein spitz; er thut was ich will, aber einen spitz nehm ich doch nicht? Ludwig 2 (1891), 131; sprichwörtlich: sich amüsiren wie ein spitz im rosengarten, im theegarten, im tischkasten. korrespondenzbl. d. vereins f. nd. sprachf. 3, 51; mit komisch-phantastischer steigerung: mir (einem frohen wanderburschen) war zu muthe wie einem geflügelten spitz. Freytag ges. werke 7 (1897), 294. wenn einer spitze bemerkungen macht, sagt man scherzend, wol mit beziehung auf solchen gebrauch des adj. spitz (s. dies 2, d, α), nd.: spits kuəm! he stichelt. Woeste 250b oder nu fangt he an to sticheln. auch auszerhalb der anrede (wie hier) gelegentlich ohne artikel. J. Paul leben Fibels 193. 4@bb) die spitzmaus, wol wegen des spitzen rüssels, in älterer sprache, ahd. spicz, spiz neben spizo, spiza, spizza, sorex. Graff 6, 367: oder (man) soll jm (dem rosz) die kleinen schrollen erden, welche ein spitz, oder schurmaus vorgraben einflöszen. Zechendorfer zwei bücher von gebrechen der rosz (1571) 1, 95 (falls hier nicht -maus auch zu spitz gehört). 55) die folgende frühnhd. stelle deutet auf eine anwendung im sinne von kunstgriff oder dgl. (vgl. spitz, adj. 2, a): der meister sagt jm (dem lehrling) nit vor unnd ehe ers angreifft, all griff, spitz und heymlicheyt des handwercks. Franck sprichw. 1 (1541), 91a. 66) in älterer sprache von menschlichem wesen, das einem spitzigen stachel gleicht: wo ich (Heinz Widerborst) in einer gassen sitz, sicht die gantz nachparschafft mein spitz. H. Sachs fabeln u. schwänke 1, 120, 68 Götze. ähnlich, mit betonung des abnormen, wobei sich die vorstellung eines spitzigen auswuchses einstellt (vgl. einen sparren haben u. ähnl.): er redet in der aberwitz. ich glaub, er hab ein guten spitz. er thut uns je beyd wol stumpffiern. fastn. sp. 1, 113, 423 Götze. damit berührt sich dann eng die folgende anwendung. 77) 'ein geringerer grad des rausches, da man nur bis zur fröhlichkeit getrunken hat.' Adelung, leichter rausch Campe. Kluge studentenspr. 127b. Hunziker 247. Schm.2 2, 693. Hügel 153. Schöpf 690. Sartorius 116. Ruckert 173. Spiesz 237. Gangler 425. Jecht 106a. Albrecht 215. Frommanns zeitschr. 5, 73, 112 (nd.). Bauer-Collitz 97b. d. richt. Berliner 77b. Mi 85a. Frischbier 2, 353b. vgl. franz. il a une pointe (18. jahrh.). zeitschr. f. d. wortforschung 3, 234b. man hat dabei die vorstellung eines spitzen, kleinen ansatzes, auswuchses (vgl. einen haarbeutel, einen zopf haben), der in gegensatz zu einem gröszeren gestellt werden kann und darum weniger bedenklich erscheint, wie es die folgende stelle veranschaulicht: mein Karl hielt mir am morgen vor, ich hätte einen kleinen zacken gehabt. 'Karl,' entgegnete ich, 'es war nicht einmal ein spitz; nur die freude, die pure freude'. Stinde fam. Buchh. 1, 160. es heiszt: einen spitz haben. Adelung, sich einen spitz trinken. auch, vielleicht mit anlehnung an die unter 4 erwähnte gebrauchsart, sich einen spitz kaufen. Albrecht 215a. vgl. sich einen affen kaufen. 88) appenz. spitz, spetz, m. stichelwort, prickelnde rede. Tobler 377b: er hed-em wider en spetz ggeh, er hat ihm wieder ein stichelwort zugeschleudert. ebenda; i mag meh spitz tträga, as bachschitter, worte stechen und drücken nicht zu boden. ebenda. wortspiel: i brucha ke spetz, i ha schnüer im sack, was dann anwendung findet, wenn man sich der sticheleien ordentlich entledigen oder den worten ihren stachel nehmen will. ebenda. 99) in der gaunersprache polizeiagent, vigilant. Avé-Lallemant 4, 610, wol weil er gleichsam die ohren spitzt um zu lauschen. Weigand4 2, 769. vgl. spitzel unten. 1010) spitz für spisz, bratspiesz u. dgl. (vgl. spiesz II). Schm.2 2, 692. Lexer kärnt. wb. 237. cimbr. wb. 235a, brâtspitz, küechelspitz Schm. a. a. o., vielleicht im sinne von spiesz II, 4, splitter, span: nun solle sie selbst sehen, wie sie sich an den spitz gewöhne, den sie sich zwischen die finger stiesz. Felder sonderlinge 2, 155, anscheinend mit formeller vermischung der etymologisch verwandten wörter. in älterer sprache für spiesz, speer (vgl. spiesz I), wobei sich entweder die obige vermischung voraussetzen oder ein gebrauch als pars pro toto (vgl. 1, a, α) annehmen läszt: dissecabo gladio cor eorum ein hesz (s.hesse, waffenart oben theil 4, 2, 1269) oedder spitz vel gladium significat verbum hebraeum. Luther 13, 62, 21 Weim. ausg.; und es hat Abner zum Joab auffgeschryen, und gesagt: wird dann dein spitz bisz zum völligen untergang wüten? (2 Sam. 2, 26, Luther: schwert). Schuppius 692; alsz dan soll jhr gerechter zorn des mohns zwey-spizig stolzes horn, wie auch den getriplierten cronen, in beedem caesarischem sitz zu gottes ehr gar nicht verschonen mit jhrer wöhr und langen spitz. Weckherlin 352.
23126 Zeichen · 477 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    spitzst. M.

    Köbler Mhd. Wörterbuch · +1 Parallelbeleg

    spitz , st. M. Vw.: s. spiz (2)

  2. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    spitzM.

    Köbler Mnd. Wörterbuch · +2 Parallelbelege

    spitz , M. Vw.: s. spis (1)

  3. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Spitz

    Adelung (1793–1801) · +7 Parallelbelege

    Spitz , -er, -este, adj. & adv. ein nur im gemeinen Leben für spitzig übliches Wort. Ein spitzes Messer. Und rückt den s…

  4. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Spitz

    Goethe-Wörterbuch · +1 Parallelbeleg

    Spitz [bisher nicht online publizierter Wortartikel]

  5. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Spitz

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09) · +1 Parallelbeleg

    Spitz , Marktflecken in Niederösterreich, Bezirksh. Krems, am linken Ufer der Donau, Hauptort der Wachau, Sitz eines Bez…

  6. modern
    Dialekt
    Spitz

    Elsässisches Wb. · +12 Parallelbelege

    Spitz , Spitz e n [ʿSpìts, ʿSpets allg.; ʿSpìtsə Hag. ; Pl. –ə; Demin. ʿSpìtslə, ʿSpetslə S. O., ʿSpìtsl u. ʿSpetsl U. ]…

  7. Spezial
    spitz

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    spitz adj. 1 (in einer Spitze endend) spizé (-zá, -zada), agüz (agüc, -a) 2 ‹fig› (stichelnd) ficius (-sc, -iosa), taiën…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit spitz

1.192 Bildungen · 1.090 Erstglied · 91 Zweitglied · 11 Ableitungen

spitz‑ als Erstglied (30 von 1.090)

Spitz I

Idiotikon

Spitz I Band 10, Spalte 677 Spitz I 10,677

Spitz II

Idiotikon

Spitz II Band 10, Spalte 677 Spitz II 10,677

Spitzacker

SHW

Spitz-acker Band 5, Spalte 1197-1198

Spitzahorn

SHW

Spitz-ahorn Band 5, Spalte 1197-1198

Spitzapfel

SHW

Spitz-apfel Band 5, Spalte 1197-1198

Spitzarsch

SHW

Spitz-arsch Band 5, Spalte 1197-1198

Spitzatter

SHW

Spitz-atter Band 5, Spalte 1197-1198

Spitzbart

SHW

Spitz-bart Band 5, Spalte 1197-1198

Spitzbelle

SHW

Spitz-belle Band 5, Spalte 1197-1198

Spitzbickel

SHW

Spitz-bickel Band 5, Spalte 1197-1198

Spitzboden

SHW

Spitz-boden Band 5, Spalte 1197-1198

Spitzbohrer

SHW

Spitz-bohrer Band 5, Spalte 1197-1198

Spitzbord

SHW

Spitz-bord Band 5, Spalte 1197-1198

Spitzbube

SHW

Spitz-bube Band 5, Spalte 1199-1200

spitzbubern

SHW

spitz-bubern Band 5, Spalte 1203-1204

Spitzbummer

SHW

Spitz-bummer Band 5, Spalte 1203-1204

Spitzbübin

SHW

Spitz-bübin Band 5, Spalte 1203-1204

Spitzeber

SHW

Spitz-eber Band 5, Spalte 1205-1206

Spitzeisen

SHW

Spitz-eisen Band 5, Spalte 1205-1206

Spitzfeder

SHW

Spitz-feder Band 5, Spalte 1207-1208

spitzfindig

SHW

spitz-findig Band 5, Spalte 1207-1208

Spitzfinke

SHW

Spitz-finke Band 5, Spalte 1207-1208

spitzfinkig

SHW

spitz-finkig Band 5, Spalte 1207-1208

spitz als Zweitglied (30 von 91)

Blunde(n)spitz

Idiotikon

Blunde(n)spitz Band 10, Spalte 695 Blunde(n)spitz 10,695

Chappe(n)spitz

Idiotikon

Chappe(n)spitz Band 10, Spalte 693 Chappe(n)spitz 10,693

Chilche(n)spitz

Idiotikon

Chilche(n)spitz Band 10, Spalte 693 Chilche(n)spitz 10,693

Chilchturmspitz

Idiotikon

Chilchturmspitz Band 10, Spalte 696 Chilchturmspitz 10,696

Chnīpeⁿspitz

Idiotikon

Chnīpeⁿspitz Band 10, Spalte 693 Chnīpeⁿspitz 10,693

Chërnspitz

Idiotikon

Chërnspitz Band 10, Spalte 693 Chërnspitz 10,693

Chüechlispitz

Idiotikon

Chüechlispitz Band 10, Spalte 693 Chüechlispitz 10,693

Chērspitz

Idiotikon

Chērspitz Band 10, Spalte 693 Chērspitz 10,693

dreispitz

DWB

drei·spitz

dreispitz , m. 1 1. dreifusz, ahd. trispiz tripus Graff 6, 366 . weder fisch ( tisch? ), bang, drispitze, herde noch deheinre hande werg Jus…

drêspitz

MNWB

dres·pitz

+ drêspitz (Dreizack) Fußangel. Sprw.: de d. môt in dem sacke stēken das Unmögliche muß durchgesetzt werden.

drēspitz

KöblerMnd

drēspitz , M. Vw.: s. drēspis*

Drīdorneⁿspitz

Idiotikon

Drīdorneⁿspitz Band 10, Spalte 696 Drīdorneⁿspitz 10,696

Ei(n)spitz

Idiotikon

Ei(n)spitz Band 10, Spalte 691 Ei(n)spitz 10,691

estenspitz

MWB

esten·spitz

estenspitz stM. zum Genus vgl. SchweizId 10,690. ‘Spross’ cima: estenspitz VocOpt 48.034 MWB 1 2210,62; Bearbeiter: Gärtner

Felse(n)spitz

Idiotikon

Felse(n)spitz Band 10, Spalte 691 Felse(n)spitz 10,691

g(e)spitz

Idiotikon

g(e)spitz Band 10, Spalte 672 g(e)spitz 10,672

Gable(n)spitz

Idiotikon

Gable(n)spitz Band 10, Spalte 692 Gable(n)spitz 10,692

gespitz

MWB

ges·pitz

gespitz Subst. ‘Schärfe’, hier (in einer Aufzählung von Körperteilen) ‘Schärfe der Augen, Sehvermögen’ acies: gespicz SummHeinr 1:125,38 MWB…

Ableitungen von spitz (11 von 11)

bespitzen

DWB

bespitzen , acuere, einen stock, pfal bespitzen; jede faust schwung einen arf, mit eisen scharf bespitzt. Bürger 151 a . figürlich, sich bes…

bespitzung

DWB

bespitzung , f. modica crapula: sie zechten wacker und nur der letzte zeigte bei nachhausegehen einige spuren von bespitzung. Göthe 32, 70 .

entspitzen

DWB

entspitzen , obtundere, retundere, stumpf machen, der spitze berauben. Stieler 2064 .

erspitzen

DWB

sich erspitzen , exornare se, sich herausputzen, schmücken: wann sich die jungfraw erspitzt, erreiszt und zum danz aufmutzt. Frank sprichw. …

gespitz

MWB

gespitz Subst. ‘Schärfe’, hier (in einer Aufzählung von Körperteilen) ‘Schärfe der Augen, Sehvermögen’ acies: gespicz SummHeinr 1:125,38 MWB…

gespitzen

KöblerMhd

gespitzen , sw. V. nhd. „spitzen“, scharf machen Hw.: vgl. mnl. gespitten Q.: Ot (1301-1319) (FB gespitzen) E.: s. ge, spitzen W.: nhd. DW-

spitze

DWB

spitze , f. das spitz sein, ein ahd. spizzî voraussetzend, das bei Graff 6, 366 mit der concreten bedeutung acumen, apex, jugum verzeichnet …

unspitz

DWB

unspitz Lavater physiogn. fragm. 4, 296 . unspitzig C. M. Grotniz Tacitus (1657) 1254 . unspitzfindig, adj.: Calvin institutio (1572) 76 = s…

verspitze

BMZ

verspitze swv. 1. verstumpfet noch verspitzet zu spitz was diu nase niender Engelh. 2978. 2. ist daʒ der mensche hât sîn leben als sich vers…

verspitzen

DWB

verspitzen , verb. , s. verspützen.