spitz,
m. spitzes ende, spitzer gegenstand, spitzes wesen, wahrscheinlich eine substantivierung des vorigen, jünger als spiʒ,
spiesz,
bratspiesz u. dgl. (
s. spiesz II),
zu dem es sich im auslaut verhält wie ritz
zu risz.
unter den bei Graff 6, 366
für die beiden wörter (
die handschriften unterscheiden die affricata selten von der spirans. vgl. spiesz II
oben sp. 2449)
angeführten belegen gehören wol hierher spiz,
cacumen, jugum, dat. sing. spize,
jugo, spizze,
vertice, gen. plur. spizzo,
vallorum (
exstructione),
dat. plur. spitzzin, spizzin, spizen,
pinnis, acc. plur. spizza,
capita (
montis),
falls diese form nicht einen rest alter starker flexion des im ahd. sonst schwach flectierten spizza,
f. darstellt (
vgl. spitze unten),
vielleicht auch acc. plur. spizzi (perges),
juga (
montis),
apices (
saxorum),
sudes. 366. 367,
das dort als zu einem sonst ahd. nicht bezeugten spizzî,
f. gehörig gefaszt wird. alle diese formen auszer spizza
können von der i-
declination aus erklärt werden, auf die bestimmt die dative plur. auf -in
weisen, während der acc. plur. auf -a
bei der auffassung als form eines masc. flexion nach der a-
declination voraussetzt, von der aus sich auch andere formen erklären lassen. mhd. spiz, spitz,
gen. spitzes Lexer
mhd. handwb. 2, 1104,
im reim spitze : sitze
Flore 4259,
nhd. der spitz eines yeden dings. Maaler 381
c,
in der schriftsprache später eingeschränkt auf verwendung in besonderem sinne vgl. unten 4
und 7,
mundartlich, besonders obd., noch in allgemeiner bedeutung üblich, vgl. unten 1,
gelegentlich, wol durch einflusz von spitze,
f. und schwach flectierenden männlichen substantivierungen von adjectiven, in schwache flexion übertretend, am spitzen Paracelsus 1 (1616), 312 C (
vgl. unten 1,
b), spitsɐ,
m. spitze Lenz
Handschuhsheimer dial. 67
a,
in besonderem sinne der spitze Frisch 2, 304
a (
vgl. unten 1,
b, β),
acc. sing. spitzen Schiller
Wallensteins lager 6 (
vgl. unten 1,
b, α).
veränderungen im wortinnern zeigen die mundartlichen formen schwitz,
m. spitze (
Heanzenmundart). Frommanns
zeitschr. 6, 344
und spets,
m. Tobler 377
a (
vgl. unten 1,
a, α u. 8).
über gelegentliche neuere vermischung mit spisz, spiesz
s. unten 10.
das wort ist gleich dem adj. auch ins nd. gedrungen, hier aber anscheinend nur in besonderer verwendung bekannt (
vgl. unten 4
u. 7).
das schwed. kennt dagegen spets
im allgemeinen sinne von spitze. vgl. auch dän. spids, en,
ndl. spits,
n. 11)
im anschlusz an die gewöhnliche sinnliche anwendung von spitz,
adj. (1)
spitzes ende, spitzer gegenstand, früher in allgemeinem, weit verzweigtem gebrauch, heute nur mundartlich. Schm.
2 2, 692. Schöpf 690. Lexer
kärnt. wb. 237. Zingerle 52
b.
cimbr. wb. 235
a. Hunziker 247.
vgl. auch Lenz 67
a oben. besondere mundartliche gebrauchsarten sollen unten erwähnt werden. 1@aa)
dem unter spitz,
adj. 1,
a abgegrenzten gebrauchsumfange des adj. gemäsz. 1@a@aα)
auf gegenstände bezogen, die verfertigt oder bearbeitet sind: spizzo,
vallorum [
zu vallus, pfahl, palissade] (
exstructione). Graff 6, 366; man vestente ouch die bedekente bruke und maht die spitze (
palissaden) vor den türnen und anders gebuwes vil an der stat.
d. städtechron. 8, 124, 25 (
Straszburg, Closener); ire pfeil sindt gemacht von roren unnd zinten sie fornen am spiz
an. Schmidel
reise 10
Langmantel; scharpffer spitz oder wol gewetzt,
asper mucro. Maaler 381
a; der spitz an eynem eysen oder spiesz,
aculeus sagittae, spiculum. ebenda; der spitz ... an einem mässer, schwerdt, oder geschnittenen schreybfäderen,
mucro, cuspis, acumen. ebenda; es hat ... ein gauckelsmann ein artliches probstück gethan, indem derselbe auf den spitz einer gegenwährts gesteckten spanischen nähnadel erbeskörner dermassen künstlich geworffen, dasz selbe an dem spitz klebend verblieben seyen. Abele
gerichtshändel (1654) 297; er trug ein spiesz in der hand, auff welchem er mit auff die erden gekehrtem spitz sich leinete. Schuppius 717; dann hat man (
zum oculieren) ein kleines instrumentlein, so von helfenbein, oder buchsbaum, oder sonst harten holtz .. gemacht ist, das musz aber am spitz breitlecht, klein subtil, doch nicht allzuscharff seyn. Hohberg 1, 404
a; er kêrte gegen den brüsten den griffel an dem (
lesart, im text der) spitze. er pflac niht guoter witze. er wolte hân erstochen sich. Fleck
Flore 2389; des swertes spitz. Heinr. v. Neustadt
Apoll. 5426. 18470; (
im bilde:) bie (
wie) der (
gott) vergAess seins zornes val und stiess durch parmung în sein veintlîch waffen, das er über uns gezogen hât mit scharffer sneid und grauss(e)lîchem spitze umb unser grôsse missetât. Oswald v. Wolkenstein 18, 8, 6; den spitz des pfeils sah man darneben am andern theil des harnischs kleben. J. Spreng
Aeneis 84
b.
redensart: dein leben stet am spitz meines speres.
Octavian Q 3 (
im drucke von 1675 an der spitz,
s. spitze,
f.).
die spitze des schwertes bezeichnet das wort wol eigentlich in der bildlich gebrauchten verbindung knopf oder spitz, spitz und knopf,
wofür oben theil 5, 1474
unter knopf 9,
b belege aus älterer sprache beigebracht sind. obd. noch gebräuchlich: einem spitz und knopf zugleich bieten,
ihn möglichst bedrängen. Sigl
Münchner geiseln p. 62
bei Schm.
2 2, 692; daheim habe der meister so nötlich gethan, wie wenn alles bei ihm auf spitz und knopf stehe, und kaum auf den markt gekommen, kaufe er wie besessen ein. Auerbach
dorfgesch. 4, 18; das gefiel der gemeinde schlecht, der rat stellte ihm spitz und knopf zusammen und liesz ihm die wahl. Pichler
gesch. aus Tirol (1897) 1, 32.
zu grunde liegt anscheinend das bild einer notwendigen entscheidung zwischen der entgegen gehaltenen schwertspitze, womit man sticht, und dem entgegen gehaltenen schwertknauf, womit man siegelt, s. oben a. a. o. bei Schm.
2 2, 692
wird auch hierher gezogen: einem den spitz bieten,
adstringere necessitate. voc. v. 1618.
vgl. einem die spitze bieten
unter spitze,
f. 1,
a, γ.
in besonderer anwendung spitz so in ein klimsen gehört,
cardo. Maaler 381
a,
appenz. spetz, spitz,
der eiserne stift unten an der spindel, z. b. der obstpresse, der in ein eisernes grübchen des untergelegten preszbalkens greift, damit dieser weniger ausgleite und der druck gleichförmiger geschehe. Tobler 377
b.
aarg. piz,
keilförmiges werkzeug zum graben, verschieden von der breiteren pizhouwe (
vgl. spitzhaue unten).
am gewöhnlichsten ist der zweupiz (
vgl. zweispitz unten). Hunziker 247. 1@a@bβ)
von natürlich gewordenem: spitz an einem blat, als stächpalmen, distel,
aculeus. Maaler 381
a; der spitz an einem schnabel,
rostri acies. ebenda. 1@bb)
der unter spitz,
adj. 1,
b behandelten anwendung des adj. gemäsz. 1@b@aα) der oberest spitz unnd gipffel eines gebeüws,
fastigium. Maaler 381
a,
an einem turm: dâ ist ein man von êre ûf den pfîlære gegoʒʒen, dâ der turn ist besloʒʒen oben in dem spitze, dem glîche als er sitze mit offnem munde. Fleck
Flore 4259; vetter, ich răt, wir setzend den adler uff den spitz des grossen thurns, damit daʒ inn Karly und all sin volck gsächen mögend.
Haimonskinder 191, 6
Bachmann; ich eylle den gantzen thurn von dem obristen spitz an bisz zu tieffist unter die erden noch einmahl auf ds newe durchsuechen.
quelle v. 1701
in der zeitschr. Bayerns mundarten 1, 138, 9.
an einem schiffe: nun die schiffleut daʒ guot weter vernomen hetten ire segel aufgericht zuo Allexandria auszfuren gegen dem nidergang der sunnen, den spicz des schiffes richten, vil manchen tag mit freüden säliglichen segelten.
Bocc. 106, 19
Keller; wie wol es dem knechte müesam waʒ doch darauf (
auf ein gestrandetes schiff) kam und die edeln schönen iunckfrawen alleine mit czweyen andern frawen under dem spicze (
sotto il becco della proda) des schiffes kläglich weynent verporgen fande. 108, 4; (
in einer allegorie:) die schiffknecht verkünden den schifleüten haimliche ding die sy gesehen haben, im spitz, und denen verborgen sind die im schiff sitzen. Keisersberg
schiff d. pen. 60
a.
am schilde: ich nam des drytten schildes war nach der panr geheret, der was auch gar vercheret, recht sam dise tzwen hie vor, der ort zu tal, der spitz enpor. Suchenwirt 3, 161; sein schilt von golt gab lichten schein in manigem streit und auch in sturm; von tzobel hat dar in ein wurm den badel in den spitz gepogen. 12, 109.
am schuh. quelle im mhd. wb. 2, 2, 514
b;
so wol auch: ain vogtherr mag och lassen verbietten die langen schnäbel an denen schuchen, und och das kurtz gewand an v
β D und höcher, und sol der spitz nit lenger sin dann zwayer glaich lang, und das häss, als ver ainer mit siner nider gelassnen hand geraichen mag.
weisth. 1, 202 (
St. Gallen, v. 1469).
an der kopfbedeckung: κεραία offendix, knopff des spitzes. Frischlin
nomencl. (1586) 181
b (
cap. 139); und swer sîn gugel nû niht miʒʒet, daʒ der spiz hab spanne lenge und daʒ si niden sî sô enge, daʒ daʒ houbt kûm hin durch kumt, diu gugel niht enfrumt. Ottokar 77624
Seemüller. in besonderem sinne als bezeichnung einer gezackten verzierung an kleidungsstücken u. dgl. vgl. spitze,
f. 2,
a: silberne spiz, kögelspiz u. borten an schürzen, bortenwürkerspiz, brüstlen mit spizen, zizenspiz.
quelle v. 1668
bei Birlinger 408
b; der spitz an der hauben. Schm.
2 2, 692;
mit schwacher flexion: ir habt da einen saubern spitzen am kragen. Schiller
Wallensteins lager 6.
obd. ein brot von spitzer form. Schm.
2 2, 692. Birlinger 408
b,
auch eine weinflasche, die die hälfte von einer dreiquartflasche, d. i. drei achtel von einer masz hält, doch wol auch wegen der form (
vgl. spitz,
adj. 3).
ebenda, weiter ein röhrchen zum aufstecken der zigarre beim rauchen, zigarrenspitze. 1@b@bβ)
von natürlich gewordenem: spiz,
jugum Graff 6, 366; der spitz eines bergs,
jugum. Maaler 381
a; Palma ist so ein hohe insel so man auff erden finden mag, dise kan man so es heytter ist, bisz in zweyhundert und fünfftzig meil sehen, dann der höchst spitz diser insel ist gleich als ein diamant, und brennet stätigs, der obgenant spitz ist bisz in .lx. welscher meil hoch. Franck
weltb. 212
a; von der hintern eggseil (
ecksäule) auf die vorder, von der derselben auf alle höch zue dem spicz auf den Sulczperg wie sich das regenwasser von einander schaidt.
Salzb. taid. 165, 31 (
v. 1585);
auf bair.-österr. sprachgebiet vielfach in bergnamen, so bair. der Zugspitz Schm.
2 2, 692,
tirol. der Brechtspitz, Haselspitz Schöpf 690,
kärnt. der Wetterspitz, Schoberspitz, Lasarnspitz, Raggarspitz. Lexer
kärnt. wb. 237,
hier auch noch jetzt so in freiem gebrauch. ebenda. in allegorien: ich sprach hin auff (
einen felsen hinauf) sich ich kein strasz, er sprach lasz dich nit irren das sie steigen von dem spitz herunder. H. Sachs 1 (1558), 236
b; zu öberst sah ich auff dem spitz (
des Lügenbergs) ein man der het darauff sein sitz schray uber euch hab ich mit lügen mich also auff den spitz verstiegen. 542
c.
rein bildlich: ja nichts grosz unter den menschen ist sicher, als das aintweder durch die zeit, oder durch den neidt mag umbgestürtzt werden, nach dem ainer uff den spitz des glücks kummen ist. Frölich
Stob. 499; (
er) meint es hab erreichet jtzt die seligkeit den höchsten spitz. H. Sachs 2 (1570), 2, 85
a.
wol von hier aus freier von dem oberen (
früher vielfach wirklich erhöhten)
ende einer tafel, wo die personen sitzen, die besonders geehrt werden sollen, eine anwendung, die die folgenden bildlichen wendungen voraussetzen: welcher wolte die nicht allein loben unter andern Römern, sonder auch an den spitz zu Lucretia setzen.
buch d. liebe 313
a; trunckenheit sitz oben am spitz. Wickram
Obsopoeus E 1
a. der spitz an einem ey,
cacumen ovi. Maaler 381
a. Hunziker 247: das ai aber soll man oben am spitz ufthon, damit die überig schal ganz und unzerbrochen bleib.
Zimm. chron.2 2, 340, 8; nimm ein ey, öffne es am spitz. Hohberg 2, 281
b;
im Aargau fragen die kinder: spiz oder gupf (
dickeres ende)?
wenn sie tüpfen (
eier gegen einander schlagen, als spiel)
wollen. Hunziker 247. spitz
am animalischen körper: wiewol ich offtmals gemelt hab, wie dasz der tartarus auch generiert werde in den gleychen, wo dieselbigen im leibe sind, auch in den spalten da zwey bein an einander stossen; darzwischen legt er sich: zwischen das ohr und der kopffschalen, zwischen der nasen und hirnschalen, zwischen der nasen unnd krösplen am spitzen, und dergleichen auff den rasteten der händen und füssen. Paracelsus 1 (1616), 312 C; die ader am spitz des hffs (
beim pferde), so man nennt die stralader, derer ein jeder stral zwo hat, die soll geschlagen werden, wann der fuosz oder schenckel mit ubrigem bluot ist angeloffen. Seuter
roszarzn. (1599) 58; es gschicht gmeinlich dasz einem ein gschwärlein wachset vornen an dem spitz der kniescheiben. Würtz
wundarzn. (1612) 184;
in besonderem sinne spitz, das mennlich glidle an knäblinen und jungen kinden, gib mir den spitz, ich wil dir den spitz auszhauwen,
testiculi. Maaler 381
a, der spitze,
membrum virile. Frisch 2, 304
a,
als veraltet bezeichnet, aber noch schweiz. spiz,
das männliche glied. Seiler 275
a. Hunziker 247. 22) kein spitz
wie kein bischen, nichts: ja, köng, opffer ein ochssen nein, darzu sechs grosser krüg mit wein, dasz deiner pfaffen fauler hauffen haben zu fressen und zu sauffen. den göttern wirt kein spitz darvon. H. Sachs 16, 156, 17
Keller-Götze. 33) spitz, das ist, ein kriegsordnung, oder ein hauffen fszknächt die vornen spitzig und hindenausz ye lenger ye breiter, wie ein holtzwegken,
cuneus, cornua in praelio. Maaler 381
a,
auch allgemeiner vorderer theil des heeres, schlachtordnung (
vgl. lat. acies),
in älterer sprache: der rotmeister schuof umbe den spiz vorn: darzuo gehôrten niht tôrn, si muosten manheit walten, die den spiz solden halten, unde haben vesten muot. Ottokar 15839
Seemüller nu wol auf, es ist zeit, das wir auch ziehin an den streyt ... da mit so richt er seine schar in einen spicz und macht sich dar. Wittenweiler
ring 54
d, 29; mit manhait und mit guter witz bestelt er panir und spitz mit piderben helden fruet. Suchenwirt 28, 226; do hieltent sü stille und ordetent und mahtent iren spitz.
d. städtechron. 8, 82, 15 (
Straszburg, Closener); hie zwüschent hettent die Switzer iren spitz gemaht und sich wol geordent zuo strite. 9, 827, 25 (
Straszburg, Königshofen); sy hieltent by Gundeldingen an dem rein und hatent einen spitz gemacht.
Basler chron. 4, 178, 7 (
v. 1444); Spartacus ... ward von den Römern übereilt; doch wert er sich redlich, ward erschlagen, nam ein êrlichen tod vorn am spitz im ersten glid. Aventin 1, 530, 12
Lexer; (
Cäsar) ordnet den spitz. Ringmann
Cäsar (1530) 13
a bei Schmidt
els. wb. 333
b; sy künden die pfeil meisterlich und gwisz werffen, seind fertig, gschwind, brauchsame kriegszleüt, die an keinem spitz weichen. Franck
weltb. 70
b; der spitz oder die vorderist ordnung unsers zeügs,
exercitus nostri acies. Maaler 381
a; den spitz der ordnung gegen dem feynd richten, dem feynd in die augen ston,
dirigere frontem. ebenda; gegen dem mittelsten spitz der Persen ordnet er seine helffanten mit den thürnen, darinn moren wol gerüst waren.
buch d. liebe 220
c.
in wendungen wie am spitz sein, an den spitz stellen
und ähnlichen kann, besonders wenn sie in beziehung auf einzelne kämpfer gebraucht werden, die allgemeinere bedeutung '
vorderste stelle'
hervortreten: dô schickt Joab Uriam an den spitz.
historienbib. 363
Merzdorf; also tet nit künigs David schreiber, der da schraib von Davids hayssen ain brief über Urias, wie in der hauptman Joab solt schaffen vornan an den spitz des streitz, das er erschlagen würd. Ingold
goldn. spiel 39, 22
Schröder; ich (
der feldhauptmann) will zuvorderst am spitz vor euch allen sein.
d. städtechron. 5, 277, 30 (
Augsburg, v. 1462); in disem streit zuovorderost am spitz ist umkomen graff Urlich, graff Eberhards suon. 23, 31, 24 (
Augsburg, 16.
jahrh.); da solichs der behertzt fürst hat gesechen, hat er die ordnung under seinen dienern gemacht und sich zuoforderst an spitz gestelt und ist auff seinen feind dargerindt. 45, 21; sy steen am spitz steiff und hurtig, doch mer im angriff dann in die länge freydig und bständig. Franck
weltb. 70
a.
freier: seitenmal sye gar nah täglich in iren übpredigen zum groben volck ire hauffen zuom spitz füren und ordenen und mit schelten und geschrey yederman zuom streit erfordern.
M. Bucer B 2
a. 44)
von thieren. 4@aa)
eine hundeart mit einem langen in eine besonders spitze schnauze auslaufenden kopfe, der Pommer. Adelung,
auch wolfshund, canis pomeranus. Nemnich 1, 719. Oken 7, 1564,
angeblich, wie eine der dafür üblichen bezeichnungen andeutet, aus Pommern stammend, dort unter dem namen spitz
bekannt und so schon bei Dähnert 449
a verzeichnet, der als characteristisches merkmal die '
spitzig stehenden ohren'
hervorhebt. vgl. weiter Bauer-Collitz 97
b. Woeste 250
b. ten Doornkaat Koolman 3, 279
b. Schm.
2 2, 693. Schöpf 690. Hunziker 247, spitsɐ Lenz 267: ein getreuer kleiner spiz, mit welchem sie redlich das brod ihrer armuth theilte, war dann gewöhnlich ihr begleiter.
deutsche erzähler des 18.
jahrh. 72, 5 (A. G. Meiszner)
Fürst; wenn ich sah, dasz sogar deines bruders spitz ... unbeschreiblich freudig um dieses menschen knie sprang, sobald er in die stube trat. H. v. Kleist
br. an s. braut 154; bemerken sie wohl, wie gut sich das braune holz gegen den fahlen wasserspiegel absetzt, und dahinter die sonnenblitze und der weisze spitz, der auf der kajütentreppe steht und drüben im andern kahn die kleine graue katze anbellt? Heyse
kinder d. welt 1, 60;
in bildern und vergleichen: die hündchen bellen! — wie so viel der hündchen um dich (
Lessing) her: dachs, möpschen, pudel, spitz, Isländer und windspiel, fällt an und läuft beiher! ... die hündchen mögen bellen, geh, du dogge deinen gang! Gleim 5 (1812), 111; so will der spitz aus unserm stall uns immerfort begleiten, und seines bellens lauter schall beweis't nur, dasz wir reiten. Göthe 2, 219; seitdem er zuerst, zu gefechten bereit, wie ein leu voll trotziger weltscheu vortretend (es liebt der energische muth des bewuszten gefühls die metapher) durch wirklichen witz urkräftig erlegt den proceszanspinnenden witzbold, der kleinlichen geists und der zanksucht voll, wie ein spitz an der kette, gebelfert. Platen 282
a; und wenn sies nun wüszt und möcht mich doch nicht und thät sich grosz damit, der Holders-Fritz ist wie dem Herrnmüller sein spitz; er thut was ich will, aber einen spitz nehm ich doch nicht? Ludwig 2 (1891), 131;
sprichwörtlich: sich amüsiren wie ein spitz im rosengarten, im theegarten, im tischkasten.
korrespondenzbl. d. vereins f. nd. sprachf. 3, 51;
mit komisch-phantastischer steigerung: mir (
einem frohen wanderburschen) war zu muthe wie einem geflügelten spitz. Freytag
ges. werke 7 (1897), 294.
wenn einer spitze bemerkungen macht, sagt man scherzend, wol mit beziehung auf solchen gebrauch des adj. spitz (
s. dies 2,
d, α),
nd.: spits kuəm! he stichelt. Woeste 250
b oder nu fangt he an to sticheln.
auch auszerhalb der anrede (
wie hier)
gelegentlich ohne artikel. J. Paul
leben Fibels 193. 4@bb)
die spitzmaus, wol wegen des spitzen rüssels, in älterer sprache, ahd. spicz, spiz
neben spizo, spiza, spizza,
sorex. Graff 6, 367: oder (
man) soll jm (
dem rosz) die kleinen schrollen erden, welche ein spitz, oder schurmaus vorgraben einflöszen. Zechendorfer
zwei bücher von gebrechen der rosz (1571) 1, 95 (
falls hier nicht -maus
auch zu spitz
gehört). 55)
die folgende frühnhd. stelle deutet auf eine anwendung im sinne von kunstgriff oder dgl. (
vgl. spitz,
adj. 2,
a): der meister sagt jm (
dem lehrling) nit vor unnd ehe ers angreifft, all griff, spitz und heymlicheyt des handwercks. Franck
sprichw. 1 (1541), 91
a. 66)
in älterer sprache von menschlichem wesen, das einem spitzigen stachel gleicht: wo ich (
Heinz Widerborst) in einer gassen sitz, sicht die gantz nachparschafft mein spitz. H. Sachs
fabeln u. schwänke 1, 120, 68
Götze. ähnlich, mit betonung des abnormen, wobei sich die vorstellung eines spitzigen auswuchses einstellt (
vgl. einen sparren haben
u. ähnl.): er redet in der aberwitz. ich glaub, er hab ein guten spitz. er thut uns je beyd wol stumpffiern.
fastn. sp. 1, 113, 423
Götze. damit berührt sich dann eng die folgende anwendung. 77) '
ein geringerer grad des rausches, da man nur bis zur fröhlichkeit getrunken hat.' Adelung,
leichter rausch Campe. Kluge
studentenspr. 127
b. Hunziker 247. Schm.
2 2, 693. Hügel 153. Schöpf 690. Sartorius 116. Ruckert 173. Spiesz 237. Gangler 425. Jecht 106
a. Albrecht 215. Frommanns
zeitschr. 5, 73, 112 (
nd.). Bauer-Collitz 97
b.
d. richt. Berliner 77
b. Mi 85
a. Frischbier 2, 353
b.
vgl. franz. il a une pointe (18.
jahrh.).
zeitschr. f. d. wortforschung 3, 234
b.
man hat dabei die vorstellung eines spitzen, kleinen ansatzes, auswuchses (
vgl. einen haarbeutel, einen zopf haben),
der in gegensatz zu einem gröszeren gestellt werden kann und darum weniger bedenklich erscheint, wie es die folgende stelle veranschaulicht: mein Karl hielt mir am morgen vor, ich hätte einen kleinen zacken gehabt. 'Karl,' entgegnete ich, 'es war nicht einmal ein spitz; nur die freude, die pure freude'. Stinde
fam. Buchh. 1, 160.
es heiszt: einen spitz haben. Adelung, sich einen spitz trinken.
auch, vielleicht mit anlehnung an die unter 4
erwähnte gebrauchsart, sich einen spitz kaufen. Albrecht 215
a.
vgl. sich einen affen kaufen. 88)
appenz. spitz, spetz,
m. stichelwort, prickelnde rede. Tobler 377
b: er hed-em wider en spetz ggeh,
er hat ihm wieder ein stichelwort zugeschleudert. ebenda; i mag meh spitz tträga, as bachschitter,
worte stechen und drücken nicht zu boden. ebenda. wortspiel: i brucha ke spetz, i ha schnüer im sack,
was dann anwendung findet, wenn man sich der sticheleien ordentlich entledigen oder den worten ihren stachel nehmen will. ebenda. 99)
in der gaunersprache polizeiagent, vigilant. Avé-Lallemant 4, 610,
wol weil er gleichsam die ohren spitzt um zu lauschen. Weigand
4 2, 769.
vgl. spitzel unten. 1010) spitz
für spisz,
bratspiesz u. dgl. (
vgl. spiesz II). Schm.
2 2, 692. Lexer
kärnt. wb. 237.
cimbr. wb. 235
a, brâtspitz, küechelspitz Schm.
a. a. o., vielleicht im sinne von spiesz II, 4,
splitter, span: nun solle sie selbst sehen, wie sie sich an den spitz gewöhne, den sie sich zwischen die finger stiesz. Felder
sonderlinge 2, 155,
anscheinend mit formeller vermischung der etymologisch verwandten wörter. in älterer sprache für spiesz,
speer (
vgl. spiesz I),
wobei sich entweder die obige vermischung voraussetzen oder ein gebrauch als pars pro toto (
vgl. 1,
a, α)
annehmen läszt: dissecabo gladio cor eorum ein hesz (
s.hesse,
waffenart oben theil 4, 2, 1269) oedder spitz vel gladium significat verbum hebraeum. Luther 13, 62, 21
Weim. ausg.; und es hat Abner zum Joab auffgeschryen, und gesagt: wird dann dein spitz bisz zum völligen untergang wüten? (
2 Sam. 2, 26, Luther: schwert). Schuppius 692; alsz dan soll jhr gerechter zorn des mohns zwey-spizig stolzes horn, wie auch den getriplierten cronen, in beedem caesarischem sitz zu gottes ehr gar nicht verschonen mit jhrer wöhr und langen spitz. Weckherlin 352.