semde,
f. binse, iuncus, scirpus. ahd. semida,
papyrus, carectum, semid,
flume, quod in aqua nascitur. Graff 6, 222,
mhd. semede, semde (semt),
f. und n. Lexer
mhd. handwb. 2, 873,
frühnhd. semede(n), semde, sembde, sende, symmete, simde,
juncus Dief. 312
a,
scirpus 518
c,
alga 21
c,
biblus 73
a,
bismalva 75
b,
papyrus 411
a,
auch simbde Dief.-Wülcker 852 (
die stelle s. unten).
später (
pluralisch) pinsen, sembden,
scirpus Corvinus
fons latinit. 1 (1660), 574
b, semden,
scirpus, juncus Schottel 1415, semde, die,
plur. semden,
scirpus, juncus Stieler 2007, semde, sende,
f. binse Steinbach 2, 580, sente Dief.-Wülcker 852 (
die stelle s. unten),
von Frisch 2, 263
als veraltet angeführt, von Campe,
der gleich Nemnich
die formen semde
und sende (
f.)
gibt, als landschaftlich bezeichnet, und so bis heute üblich, östr. semde Grimm
gesch. der deutschen spr. 1, 213,
wetterauisch simede Weigand
4 2, 695.
auch sem
in der mundart des sächs. Erzgebirges ist nach Göpfert 38
dasselbe, denn md
wird dort zu m(m).
nd. begegnet das wort anscheinend nur in älterer sprache, semede, semende Schiller-Lübben 4, 187
a.
über das vielleicht verwandte sebede,
das J. Grimm
gesch. der d. sprache 1, 213
für die ältere form des worts hält, s. dies oben theil 9, 2771.
zu grunde zu liegen scheint eine wurzel si,
binden. vergl. mnd. sêm,
binse Schiller - Lübben 4, 186
b, seime,
leine, schwaches seil oben sp. 227, semse, simse
und simmer
unten: cirpus haiʒt ain pinʒ oder in anderr däutsch ain semd und wehset gern in pfüeln und an mosigen steten, dâ sê stênt. Megenberg 390, 22; rohrich, schilff und simbden ahn unnd im teich.
quelle von 1551
bei Diefenb.-Wülcker 852 (
Weimar); das rohr (riedschild) das absatz hat, und sembden (
junci), stehen gerne an sumpffigten örtern. Comenius
sprachenthür (1657) 139; (
Hannibal) versteckte auff der zwisschen beyden legern befindlichen fläche seinen bruder Mago mit tausend auserlesenen reutern, und den fürsten Dietrich mit tausend deutschen fuszknechten zwischen die ziemlich tieffen ufer einer daselbst rinnenden mit hohem schilf und senden bewachsenen bach. Lohenstein
Armin. 1, 827
b; wo die senden wachsen,
ubi juncus crescit Steinbach 2, 580; rohr und senten schneiden.
quelle von 1749
bei Dief.-Wülcker 852 (
Weimar).
dem ackerbau hinderlich: sembden, gras und farn werden mit stätem ackern überwunden. Petrus de Crescentiis
ackerbau (1531) 20.
als wertlos erscheinend: ûʒ guoten kriutern sol man lesen diu bœsen mit den semden. Frauenlob 77, 19; Parca die lilgen den senden vergleicht (
mors lilia sentibus aequat). Scherffer
bei Drechsler
Scherffer u. die sprache der Schlesier 243.
doch aber allerlei verwendung findend. in gemächern auf den fuszboden gestreut: quelle bei Lexer
mhd. handwb. 2, 874;
als ausländische sitte: in Britannien pflegt man in den gemächern den erdboden mit grünen senden oder binsen zu bestreuen.
historisches alvearium 111.
vielleicht deutet der folgende beleg auf denselben brauch: 20 hell. der magit (
dienstmagd im rathaus) umb semeden.
quelle von 1384
bei Lexer
mhd. handwb. 2, 873 (
Frankfurt).
als lager, collectivisch: uf blosser erden lag er unz an sinen tod, und hatte ein lüzel semdes under ime.
quelle bei Scherz-Oberlin 1482.
zu flechtwerk gebraucht: körbe aus
[] sembden gemacht (
zum trocknen von feigen an der sonne). Petrus de Crescenths
ackerbau (1531) 66; es werden desgleichen auch runde und breite netz aus sembden gemacht. Feierabend
wasser- und fischweidwerk (1582) 68
a; kleine körbchen aus sembden gemacht. Coler
hausb. (1640) 496; die anfangs aus semden, oder bintzen geflochtene, oder aus baumrinde, holen bäumen oder leder gemachten kahne und flössen, hätten sich von jahre zu jahre verbessert. Lohenstein
Arm. 1, 130
a.
auch in der folgenden stelle liegt nach dem herausgeber dies wort vor. vielleicht ist dort aber '
sammet'
gemeint: ouch gebe ich dir von semden eyne bruoch. Mone
altd. schausp. 2, 498.
im vergleich: man hôrte ir banier snarren alsam das rôr und sam daʒ semt. Konrad v. Würzburg
troj. krieg 39187.
im heutigen schles. heiszt sende,
f. spanisches röhrchen und sehne oder saite, die straff über das spinnrad gezogen ist, auch bîse (
binse?)
genannt. Weinhold 90
a.
bair.-östr. gilt senden,
f. vom haidekraut, erica carnea et vulgaris, woraus besen gemacht werden. Schm.
2 2, 305. sende
im sinne von '
binse'
zeigen auch die zusammensetzungen sendenkorb,
m.: in sendenkörben auch reinweidenholtz abmeyt. Scherffer
bei Drechsler
Scherffer u. die sprache der Schlesier 243; semdenwerder,
bibilos Diefenb.-Wülcker 853.
weiterbildungen: semidahi,
carectum, carices, semedehe,
flumi Graff 6, 222, semdecht,
papyrium Dief. 411
a,
collectivbildung. gramm. 2, 312.
vgl. kärnt. sendach,
haidekraut, calluna vulgaris Lexer
kärnt. wb. 231; semdicht,
adj. scirpeus, junceus Stieler 2007, sendicht,
junceus, juncidus Steinbach 2, 580; semdein (
adj.),
papyreus Diefenbach 411
a; sendrich,
cirpus 518
c, senderich, sennerich,
ein grünes moos, das in teichen auf der oberfläche des wassers schwimmt und gern von enten gefressen wird, wasserlinsen, entengrütze, lemna Höfer 3, 139. sentrich
heiszt auch der sevenbaum, sabina. quelle bei Schm.
2 2, 316.