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keib

nhd. bis Dial. · 5 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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5 in 5 Wb.
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

keib m.

Bd. 11, Sp. 429
keib, m. zank, hader, zänkisches wesen, trotz, eifer, leidenschaft u. ä.; mhd. kîp, nd. mnl. kîf, nnl. kijf, altn. kîf n., schwed. kif n., norw.n. kiv; auch altfries. kîf n., gewöhnlich aber kîve, szîve fem. Richth. 871 (vgl. keife). 11) streit, zank, zwist, wie im nd. nl. nord.; im hd. ist es vorwiegend alemannisch, jetzt ausschlieszlich: es ist die zung ein klein gelid, bringt doch vil unruo und unfrid, befleckt gar dick den ganzen lib und macht vil zanken, krieg und kib. Brant narr. 19, 30; obs not dat dasz diser krieg und kib (: lib) nit mocht werden verricht oder hin geleit. Nic. Schradin reimchr. vom Schwabenkrieg 1499, im schweiz. geschichtsfreund 4, 53; als ietz denn ist vil kyb und span zwüschem adel und dem pursman. Utz Eckstein reichstag (kloster 8, 851); so wölln sie mir ohn allen kyb dreiszig gulden gän auf mein leib. Berchthold. rediv. 113; ein alter man ein junges weib, die leben selten ohne keib. Kirchhof wend. 117b, Lehman 165; ich wil setzen findschaft und kib ewig zwischen dir und dem wib. Wickram bilger E 1; der guot mann sagt, 'mein liebes weib, stand ab von deinem zorn und keib'. M 3; oder ist er geratn in hader und keib mit ewer tochter, seinem weib. Dedekind papista act 4. sc. 6 (vgl. sp. 432 unten); den felts in reben, den am weib, die ist zänkisch, treibt muotwill, keib. Rebmann 415; dar nach huob sich ein groszer keib under den münchen umb ein weib. bruder Rausch A ij; wie kein kunst ist bei eim guten wein wol leben und eim frommen weib nachgeben .. sonder bei eim schlimmen wein auch frölich sein und mit eim bösen weib leben ohn keib. Fischart Garg. 181b (334); bei solchem unrhüwigem keib (allgemeinem streit). 285a; wer da lebt ohn keib, hat kein weib. ders. ehz. 560 Sch.; dasz fürhin folge jedes weib ihrm mann und fahren lasz ihrn keib. Birk doppelspiler 138; [] wir seind schon grüst, hand vil kriegsleut, sbring ihnen ja den grösten keib. G. Gotthart zerstörung Trojas (Soloth. 1598) 2. tag, 3. act; es ist ein boss (narrensposse), ein reiches weib (wie sie sunst sein mag) zu erdappen und sich bei ihr in stehtem keib bedöcken mit der narrenkappen. Weckherlin 417. noch b. Denzler keib rixa, vorarlb. noch jetzt kîb Fromm. 3, 301, Schöpf 309 (aber nicht tirol., bair.), appenz. chîb gekeif, scheltendes zanken Tobler 101a, wie nd. in der Altmark kîf krîgen, vorwürfe, gelinde schelte Danneil 99b, schon im richtsteig landrechts 4. Also streit in allen gestalten, krieg sowol wie wortstreit, zank sowol wie bloszer wetteifer: je einer dem andern zuo kyb, certatim (z. b. rudern, schreien) Maaler 258b. Frisius 213a; tradunt certatim de his authores (Plin.), als ob es ein kyb wäre, welcher am meisten sage. Frisius, deutlich wettstreit, wetteifer, wie schon mhd. kîp; aus dem mnd. verrät sich diesz in kifesank, palidolia Dief. 406c, es meint palinodia, wettgesang. vom streit im kriege oben bei Schradin, Gotthart, entschiedener mnd.: were dat wi mit eme slote oder lant wunnen oder in kive vanghenen vinghen, de .. schulle wi mit unsem omen delen. Höfers auswahl 363; worden ok vanghenen an kyve vanghen. das. 368; an orlog unde an stride mit figentliken kyve. reimchr. bei Leibnitz scr. br. 3, 32. 33. 40. das friesische wort galt auch vom rechtsstreite, daher z. b. kîfgûd streitiges gut Richthofen 871b, londkîve streit um land. 22) innerlich, eifer, trotz, feindschaft, neid, groll u. ä.: kyb obstinatio gibt Maaler 258b neben certatio, contentio, lis u. a., styfer kyb inflexibilis obstinatio, ausz kyb uneins sein animorum contentione discrepare, mit kyb contumaciter, und 243b kib pertinacia, sälzne (ungewöhnliche) hartnäckige art; Frisius erklärt pertinacia kib, eigenrichtige, pertinaciter mit kib, vgl. keibig. das heutige schweiz. kib, kyb ist groll, schmollen. Stald. 2, 98, kîbgrend (keibgrind) murrkopf, starrkopf; bei Hebel chîb, neid, verdrusz, feindschaft: das wolt er nicht thun, da gieng ich im kyb wider heim. Th. Platter 201, wol groll, verdrusz. So ist das mhd. kîp, und zwar häufiger, streitlust, streitsucht, auch widerstreben, feindseliges wesen, hasz, böser eifer; ja es findet sich als trieb, eifriges streben, leidenschaft überhaupt, der fröuden kîp Diut. 1, 312, trieb der freude, der wârheit kîp MSH. 3, 411a, veritatis studium; Rud. v. Rotenburg schreibt den sündenfall Evas wîbes kîp zu, Ben. beitr. 109, also weibliche begehrlichkeit. so wol auch in geschlechtlicher beziehung, ein nur halb 'entmannter' hengst, der einen testikel noch hat, heiszt schweiz. kîbhodler, kîbhengst, auch kurz kîber, diesz auch von einem halb verschnittenen eber. Stalder 2, 98. Tobler 101a; kybhödle, übertragen auf einen eigensinnigen, hartnäckigen menschen, hat schon Maaler 258c (s. keibig). 33) es findet sich auch kieb und kib, wo nicht kîb gemeint sein kann: lieb wachst durch kieb. Fischart Garg. 70b (119); was soll ein lieb ohn kib? groszm. 85 (614 Sch.); so waist den spruch doch der umbgaht: die lib sucht raht, der kib sucht that. flöhhatz 787 Sch.; semper bastardi sunt addictissimi (so l.) Marti, das ist, was auf der bank gemacht ist, das ligt nicht gern darunter, die bankart werden bereit in hitz, im liebkib und neid, darumb haben sie freud (wol freid) zur spitz, zum kieb und streit, und die Venus bulet gern mit dem Mars. Garg. 29b (41), liebkib streit in der liebe, eifersucht u. ä., das zweite kieb aber ist vielleicht auf waffenstreit bezogen, wie er den Kampfkeib, Gargantuas würdigen genossen, zuweilen auch Kampfkieb nennt (z. b. 233b), auch Keibkampf (244b), der name meint wol 'kampfgier'; spannt sie frisch pferd vor wolgemut .. und rennt in aim kib ab zu thal. glückh. schiff 658, die sonne, die nicht von den schiffern überholt sein will; dan ir der kib vergangen war, als sie ward ires vortails gwar, und lis die pferd gern langsam traben. 675, deutlich gleich eifer oder wetteifer, wie unter 1, neben kurzweil, weis u. s. f. müszte aber auch kîb als keib auftreten; dieselbigen leut, die mit dem tanzen besessen seind, hand die vernunft so gar verloren, dasz sie gleich wie die widertaufer genaturt seind, lieszen sich von ihrs kibs wegen gleich so wol (eben so gut) verbrennen. Paracelsus 1, 95a (1589 1, 266, de causis morb. invisib. L 1), fanatismus; der kieb und der neid wird sie dermaszen übergehen, dasz sie darauf verharren werden [] 1, 223a (1589 2, 73), eigensinn, trotz; wer solte oder wolte aber so unglückselig sein und ein solch Adams kieb beflecken. Harsdörfer lust- und lehrreiche gesch. 2, 372, von einem weibe, zänkerin (vgl. keife 2). Also deutlich eine nebenform mit urspr. kurzem vocal, kib neben keib, sie meint wol auch Maalers kib neben kyb (y gleich î); gewiss schon mhd. kip neben kîp, wie biʒ bisz neben bîʒ (nhd. kieb ist wie gieb für gib, lies für lis). schwäbisch gibt Schmid 268 mit bestimmter kürze an kib und kipp n., gezänk und neid, und ebenso besteht in den formen mit f kief und kiff neben keif; es ist wie schisz m. neben scheisz m., trieb neben treib in zeitvertreib. so gibt es zu keiben zanken ein dem. mit gleichem ablaut kibbeln, kippeln, und keiben findet sich stark flectiert, ja es hatte selbst eine nebenform kiben. Die älteste bed. wird streit, kampf sein, aus ihr konnte sich die unter 2 entwickeln; denn ebenso gewann kampf die bed. wettstreit, wetteifer (s. sp. 147 3, a), das noch unenträtselte eifer selbst (s. 3, 87, vgl. aber 924) könnte nach altfries. iber angriff Richth. 837b von der bed. kampf ausgegangen sein, wie die begriffsverwandten ernst 3, 923, fleisz 3, 1763 urspr. kampf bedeuteten. kampf selbst aber geht mit keib auf éine wurzel zurück, die in manigfacher ausgestaltung erscheint; man betrachte die reihe keiben, keifen: kibbeln, kippeln, kifeln : kabbeln, kafeln (3) : kappeln, kappen (4) : kampeln : kampf, alle mit éiner grundbedeutung und éinem consonantischen lautbestand; s. weiter sp. 139. nach den sp. 306 angeführten fällen (s. auch unter kaupe, kaule kugel a. e.) kommt goth. haifsts streit als verwandt in frage, vgl. schwäb. heip n. zänkerei, heipeln zanken Schmid 268.
8055 Zeichen · 180 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    keibm.

    Grimm (DWB, 1854–1961)

    keib , m. zank, hader, zänkisches wesen, trotz, eifer, leidenschaft u. ä.; mhd. kîp, nd. mnl. kîf, nnl. kijf, altn. kîf …

  2. modern
    Dialekt
    Keib

    Elsässisches Wb. · +3 Parallelbelege

    PfWB LothWB Keib [‘ X aip S.; Khaip O. Mütt. Heidolsh. Meis. Molsh. Str. Han. W.; Khèip M. ; Khǽp Barr ; Kháp Bühl ; Khæ…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit keib

73 Bildungen · 59 Erstglied · 10 Zweitglied · 4 Ableitungen

keib‑ als Erstglied (30 von 59)

keibeln

SHW

keib-eln Band 3, Spalte 1235-1236

keibern

SHW

keib-ern Band 3, Spalte 1235-1236

Keibalg

RhWB

kei·balg

Kei-balg Allg. m.: schreiendes, weinendes Kind.

Keibart

RhWB

keib·art

Kei-bart Düss-Hucking Serm m.: einer, der bei jeder Gelegenheit weint, Nörgeler, der immer unzufrieden ist.

Keibe(n)handel

Idiotikon

Keibe(n)handel Band 2, Spalte 1398 Keibe(n)handel 2,1398

Keibe(n)häneli

Idiotikon

Keibe(n)häneli Band 2, Spalte 1308 Keibe(n)häneli 2,1308

keibe,

FWB

1. ›Leichnam, Kadaver‹; auch: ›Aas‹.; 2. abwertend vom Menschen: ›schlechter, ehrloser Mensch, Verbrecher‹; von einer Handlung: ›Verbrechen‹…

keibelen

ElsWB

keib·elen

keibele n [khaipələ Hi. ; khèiwlə M. ] nach verwesenden Körpern, nach Aas riechen, stinken.

keiben

DWB

kei·ben

keiben , rixari, eine nebenform von keifen, die die strenghochdeutsche ist, aber vor dem mitteld. keifen nicht als allgemein hat aufkommen k…

Keibenbacken

MeckWB

keiben·backen

Wossidia Keibenbacken Keimen- Pl. Kinnbacken: an einer Zigarre, die schlecht zieht, kann 'n sick de Keimenbacken mör bi sugen (1885) Gü Güst…

Keibenbirbaum N.

Idiotikon

Keibenbirbaum N. Band 4, Spalte 1244 Keibenbirbaum N. 4,1244

Keibenbläder

MeckWB

Wossidia Keibenbläder Pl. (1885) Gü Güstrow@Gülzow Gülz wie -bräd'.

Keibenbräd'

MeckWB

Wossidia Keibenbräd' Pl. Vatermörder, hoher leinener Stehkragen Ro; Ma Malchin@Brudersdorf Brud ; Schö Schönberg@Demern Dem ; Pfannenstiel m…

Keibenbräkers

MeckWB

Wossidia Keibenbräkers Pl. (1890) Wa; Wa Waren@Vipperow Vipp dass.

Keibenbüeble

ElsWB

Keibe n büeble n. schlauer Knabe Heidolsh. Dis is t e Keiwe n bue b od. e Keiwe n sbue b Z.

Keibendings

ElsWB

keiben·dings

Keibe n dings n. schwierige Sachen. Das is t e Keiwe n dings! Su. Dis is t K. K. Z.

keibenfleisch

DWB

keiben·fleisch

keibenfleisch , n. fleisch von einem aas, schweiz.; der rabe friszt keibenfleisch. Ruff Adam u. Heva 916 .

keibengraben

DWB

keiben·graben

keibengraben , m. keibengrube , f. schindergrube. vgl. Rochholz Schweizersagen 1, 259. 232 .

Keibengrueb

ElsWB

Keibe n grueb f. Schindanger Ruf. bis Bf. — Idiotikon Schweiz. 2, 694.

Keibengruft

ElsWB

keiben·gruft

Keibe n gruft [Khaiwəkrùft Str. ] f. eine arge Verlegenheit: dis is t e K.!

keibenhaut

DWB

keiben·haut

keibenhaut , f. haut von einem aas, als scheltwort bei Keisersberg : du keubenhut! bilg. 16 d , also gegenstand der thätigkeit des schinders…

Keibenhund

ElsWB

keiben·hund

Keibe n hund [Khaiwahùnt Heidolsh. ] m. unfolgsamer Hund. ‘Do isch e Gardemann halt gschwind dezue geloffe, der het die Kaiwehund recht mit …

keib als Zweitglied (10 von 10)

Frësskeib

ElsWB

fress·keib

Frësskeib m. Vielfrass, Nimmersatt; wird auch scherzhaft gebraucht Heidw.

Hundskeib

ElsWB

hunds·keib

Hundskeib m. scherzhaft anstatt Gsundheit einem Niesenden zugerufen NBreis. Hüttenh.

Liegkeib

ElsWB

Liegkeib m. Lügner Fisl. Su.

Luskeib

ElsWB

lus·keib

Luskeib m. Halunke Lutterb. — Idiotikon Schweiz. 3, 103.

Saükeib

ElsWB

sau·keib

Saükeib m. Schweinhund Su. Scherzhaft als Antwort auf Gsundheit beim Anstossen K. — Idiotikon Schweiz. 3, 103.

Ableitungen von keib (4 von 4)

bekeiben

RhWB

be-keiben: einen (etwas) b., dass. Prüm , Malm , Schleid , Rheinb , Siegld .

keibe

DWB

keibe , m. aas, schwachformig, ein alemannisches wort. 1 1) keyb, cadaver. Maaler 243 b ( nicht bei Dasypodius ): du bist zuo Bramstein an d…

verkeiben

ElsWB

verkeibe n 1. verhunzen, verderben Liebsd. Su. Horbg. NBreis. Bf. Barr Ingw. 2. verleumden Co. 3. verschwenden Meis. — Idiotikon Schweiz. 3,…

zerkeiben

RhWB

zer-keiben: sich z., sich gegenseitig ausschelten, zanken Allg.