spitzmaus,
n. ein der maus ähnliches thier mit spitzer, rüsselartiger schnauze, sorex, vgl. spitz,
m. 4,
b, ahd. spizmûs, spicemûs, (
exiguus)
mus. glosse zu Vergil
Georg. 1, 181
bei Steinmeyer-Sievers 2, 700, 24,
mhd. spitzmûs (
bezeugt spiczmûs könig v. Odenwald 8, 15
Schröder, s. unten, spitzmûs, spicmûs,
sorex [13.
oder 14.
jahrh.],
daneben spiszmus [
um 1400]. Dief. 543
b),
nhd. spitzmausz,
sorex Alberus. (
neben spitz:) Dasypodius. Maaler 381
b,
un loir, sorce, toppo Hulsius (1616) 303
b,
araneus mus Corvinus
fons lat. 1 (1660), 60
a. 423
b, spitzmaus,
mus araneus Stieler 1257,
sorex, mygale, mus araneus Steinbach 2, 34,
sorex Frisch 2, 304
b,
sorex araneus Nemnich 2, 1328, die wasser-spitzmaus,
sorex fodiens. 1329.
sorex araneus wird in der neueren zoologie als gemeine spitzmaus
bezeichnet. Oken 7, 949. Behlen 5, 659. Oken
erwähnt noch die kleinste spitzmaus,
sorex pygmaeus und eine in Indien lebende art, sorex myosurus als zu den eigentlichen spitzmäusen
gehörig, die er nebst den bisam-spitzmäusen (
sorex moschatus und mygale pyrenaica)
und der rüsselspitzmaus,
rhinomys jaculus zu den unterirdischen spitzmäusen
rechnet. diesen stellt er die überirdischen spitzmäuse
gegenüber, wozu er die kletter-spitzmäuse,
cladobates (
ausländische thiere)
und die igel rechnet. alle zusammen bilden bei ihm die zunft der spitzmäuse
oder müger.
noch andere arten werden bei Krünitz
encycl. 159 (1833), 562
ff. angeführt. gewöhnlich bezeichnet das wort, das auch im nd. bekannt ist. Bauer-Collitz 97
b,
die gemeine spitzmaus, sorex araneus. über die entstehung des namens wird in Gesners
thierb. übers. v. Forer (1583)
gesagt: die spitzmausz (
mus araneus) wirdt här genennt von seinem spitzigen langen rüssel, welchen sy hat gleych der schärmausz. 113
a.
über ihre art: ein klein frässig, röubig thier ist die spitzmausz ..
[] die katzen fahend sy als andere meüsz, und erbeyssend sy, keine wirt aber von jnen geässen.
ebenda (
wegen ihres bisamgeruchs).
sie haben eine feine pfeifende stimme. Oken 7, 949: in der dämmerung vernahm man vom corridor her das schrillen der spitzmäuse, welche in den öden gängen umherhuschten. Storm
sämtl. werke 1 (1899), 165.
man hielt früher ihren bisz für giftig (
vgl.: so sy mag so ertödet sy mit jrem gifftigen bissz. Gesner-Forer
a. a. o.): darumb ists nicht ein schlecht ding, wie mans wol acht, bey den alten gewesen, wann sy einem geflucht haben, dasz dich die mäuse beissen. dann eine spitzmaus hat einen gifftigen bisz. Coler
öcon. 1 (1680), 180
b; spitz-maus, ist eine art mäuse, der bisz für vergifftet gehalten wird.
öcon. lex. (1744) 2782;
vgl.: der spitzmausz ist auch nicht zu trawen, sie kam ein mahl zu meiner frawen (
einer maus), warb sich mit guten worten ein, mein fraw wolt jhr auch freundlich sein, both jhr zu einem kusz den mund, abr sie bisz jhr die nase wund, das meine fraw acht ohn gefahr, dieweil die spitzmausz schwanger war, und das vielleicht aus fürwitz thate, endlich sie den tod davon hatte. Rollenhagen
froschm. Pp 2
a. Nemnich
bezeichnet das als fabelhaft. 2, 1329.
baufällige häuser sollen sie verlassen: Mizald. schreibet cent. 5. aph. 86. dasz die spitzmäuse und ratten alte baufällige häuser drey gantzer monat zu verlassen pflegen, ehe dieselbige einfallen: drumb ist nichts so bös, es ist auch wieder zu etwas gut. Coler
öcon. 1 (1680), 179
b.
ein sonderbares mittel zu ihrer vertreibung ist das folgende: sorices fugari ajunt, si unus castratus emittatur, wann man einer spitzmaus ausschneidet, und läszt sie lauffen, so verjagt sie die andern alle mit ihrem schaden.
ebenda. ärztliche verwendung der spitzmaus: die spitzmausz zuo äschen gebrant, mit gens feiszte gemischt, sol ein wunderbarliche artzney seyn für die prästen des sitzes. die mausz aufgelegt, getruncken, und auff etlich ander wäg gebraucht, ist ein artzney wider jren eignen schädlichen bissz. Gesner - Forer
a. a. o. 114
a.
in der thierheilkunde: hat der habich die maslaide, so sol man im geben ain lebendige spitzmaus zu essen. Mynsinger 50.
als überkluges thier in der fabel: ein furneme spiczmûs gar kundig in dem hûs die sprach: mich dunket einʒ gar guot, dâvon wir alle sîn behuot (
dasz eine von uns mäusen der katze eine schelle umhängt.es findet sich aber keine dazu). könig v. Odenwald 8, 15
Schröder, vielleicht mit beziehung auf spitz,
adj. 2,
b. im grunde ist der rat töricht, den sie giebt. in sofern fügt sich dazu der folgende vergleich: sie (
eine frau) ist gar einfeltig ubr-ausz, frumb, schlecht und ghrecht wie ein spitzmausz. ir wert gar gute schwenck anhörn. sie glaubt als, ist leicht zu bethörn. H. Sachs 14, 235, 17
Keller-Götze. andere vergleiche: der war ein klein männlein mit einem gesicht wie eine spitzmaus. Scheffel
Ekkeh. (1886) 18;
redensart: du schaust aus dain huad auszer wiar a spizmaus. Hügel 153
a.
als spottende bezeichnung eines dürren menschen (
vgl. spitz,
adj. 3,
a): wetter! was sich diese spitzmaus einreibt (
mit pomade)! wie dieses dürre weisze ferkel sich auf einmal herausstriegelt! Mörike
maler Nolten 1 (1890), 180.
in deminutivform spitz meüszlin o. wasser müssln,
sorex (
v. 1482). Dief. 543
b,
also für die wasserspitzmaus, sorex fodiens; für sorex pygmaeus ('
das kleinste aller haarthiere'. Oken 7, 949): das spitzmäuslein, ebenfalls in Asien, wiegt ein halbes quintlein, und ist das kleinste unter allen bekannten thieren, die auf vier beinen gehen und ihre jungen säugen. Hebel 2, 113. spitzmäuschen
als kosename: willst du denn heiraten, mein spitzmäuschen? Kotzebue
dram. sp. 2, 189.