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Schweigen

nhd. bis spez. · 14 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Adelung
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19 in 14 Wb.
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Eintrag · Adelung (1793–1801)

Schweigen

Bd. 3, Sp. 1731
Schweigen, ein Zeitwort, welches in dreyfacher Gestalt üblich ist. I. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben und irregulärer Abwandelung; Imperf. ich schwieg; Particip geschwiegen; Imperat. schweig oder schweige. Keine Stimme von sich hören lassen, und in engerer Bedeutung, nicht reden. Als er das gesagt hatte, schwieg er. Ich habe lange genug geschwiegen. Stille schweigen, eigentlich ein Pleonasmus für schweigen. Stockstille, baumstille, mäuschenstille schweigen, Blumen der niedrigen emphatischen Sprechart. Von etwas schweigen, nichts davon sagen. Allein sie schwieg doch bald von ihren Fehlern still, Gell. Zu etwas schweigen, nichts dazu sagen; im Oberdeutschen auch mit Weglassung des Vorwortes. Müssen die Leute deinem großen Schwätzen schweigen? Hiob 11, 3. Welche Wortfügung im Hochdeutschen ungewöhnlich ist. Vor einem schweigen, in seiner Gegenwart, ingleichen aus Furcht, aus Ehrerbiethung vor ihm; wo man im Oberdeutschen gleichfalls das Vorwort zu verbeißen pflegt, einem schweigen. In engerer Bedeutung, Fertigkeit besitzen, ein Geheimniß, eine geheime Sache nicht durch Worte bekannt zu machen. Er kann nicht schweigen. Kannst du schweigen? Figürlich, aufhören wirksam zu seyn. Im Kriege müssen die Gesetze schweigen. Den Wind und das Meer schweigen heißen, Marc. 4, 29. S. auch das Schweigen. II. Als ein Activum, gleichfalls mit der obigen irregulären Conjugation, für verschweigen; eine im Hochdeutschen ungewöhnliche Form, welche aber doch im Oberdeutschen gangbar ist. Das kann ich nicht schweigen. Ich will die Zier der Majestät nicht schweigen, Opitz, Ps. 145. Wir wollen mehr und mehr Gott dankbar seyn, und seinen Ruhm und Ehr In Ewigkeit nicht schweigen, Opitz. Ps. 115. III. Als ein Factitivum, mit regulärer Abwandelung, Imperfect. schweigete, Mittelw. geschweiget, Imperat. schweige; zum Schweigen bringen, schweigen machen, es geschehe nun auf welche Art es wolle, durch einen Befehl, durch Gründe, durch Befriedigung des Verlangens. Diese Bedeutung, in welcher auch geschweigen vorkommt, ist schon sehr alt. Schon Notker gebraucht kesueigen und sueigen als reguläre Zeitwörter in derselben: er habet sie gesueiget. Winters grimme Tuot si (die Stimme) swigen uberal, Graf Werner von Honberg. Mit Gaben schweigt man die Kinder. Das Mittel, dich zu schweigen, Wird seyn ein blankes Helm, ein schönes Roß zu zeigen, Opitz. Die Gottlosen müssen in der Hölle geschweiget werden, Ps. 31, 18, zum Stillschweigen gebracht werden. Wer leben will, und gute Tage sehen, der schweige seine Zunge, 1 Petr. 3, 10. Mit den Worten schweigt er den man, Theuerd. Kap. 21, brachte er ihn zum Stillschweigen. Sein Gewissen schweigen. In der anständigen Sprechart der Hochdeutschen ist dieses ganze Factitivum veraltet, allein im gemeinen Leben mancher Gegenden, besonders Meißens, ist es noch völlig gangbar. Eben daselbst hat man auch die Intensiva schwigten, beschwigten, beschwigtigen. Die Schreyer auf einige Tage schwigtigen, Klopst. So auch das Schweigen. Anm. Das Neutrum lautet bey dem Kero suigeen, bey dem Ottfried suigan, im Nieders. swigen, im Angelsächs. swighan. Es ist sehr wahrscheinlich, daß der Begriff des Schweigens eine Figur des Weichens ist, und daß jenes vermittelst des Zischwortes von diesem oder doch dessen ähnlichen Stammworte gebildet worden, zumahl da auch das letztere mit dem Zischlaute nicht selten ist. Im Schwed. ist sviga weichen, und Ottfried gebraucht suichan für verlassen. Bey dem Hornegk kommt dagen für schweigen vor, welches, so wie das Schwedische tiga, schweigen, seine Verwandtschaft mit tacere nicht verläugnen kann, so wie vermittelst der gewöhnlichen Verwechselung des t und s auch das Griechische σιγαν dahin gehöret.
3686 Zeichen · 62 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Schweigen

    Adelung (1793–1801) · +7 Parallelbelege

    Schweigen , ein Zeitwort, welches in dreyfacher Gestalt üblich ist. I. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben und irr…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    schweigen

    Goethe-Wörterbuch · +1 Parallelbeleg

    schweigen Großschr PartPräs attr T2,91,8 1 keine Worte von sich geben, sich nicht äußern a nichts sagen, nicht reden, st…

  3. modern
    Dialekt
    schweigen

    Elsässisches Wb. · +4 Parallelbelege

    schweige n [wèikə M. ], g e schweige n [kwaikə Hi. Mü. ] 1. zum Schweigen bringen. ‘geschweigen’ Geiler J. Sch. 17 b .…

  4. Sprichwörter
    Schweigen

    Wander (Sprichwörter)

    Schweigen 1. Besser geschwiegen als das Maul verbrannt. Holl. : Beter gezwegen, dan den mond verbrand. ( Harrebomée, II,…

  5. Spezial
    Schweigen

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +2 Parallelbelege

    Schwei|gen n. (-s) 1 chît (chîc) m. 2 ‹fig› scuté m. ▬ sich in Schweigen hüllen ‹fig› se stlüje tl chît ; nia baié; ne d…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit schweigen

14 Bildungen · 5 Erstglied · 6 Zweitglied · 3 Ableitungen

Zerlegung von schweigen 2 Komponenten

schwei+gen

schweigen setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

schweigen‑ als Erstglied (5 von 5)

schweigen II

RhWB

schweigen II gegenüber dem fehlenden schw. I st. besitzt das Rhfrk in Simm das faktitive -aiə, Part. gəšwait schw.: einen schw., ihn zum Sch…

schweigenmasz

DWB

schweigenmasz ( n. plur.? ): schweigenmaas die best. Schottel 1126 a .

schweigenszeit

DWB

schweigen·s·zeit

schweigenszeit , f. : wer zur schweigenszeit redet, schlägt den wind und predigt den tauben. Simrock sprichwörter.

schweigen als Zweitglied (6 von 6)

anschweigen

RDWB1

anschweigen, sich (Lakune) молчать, хранить молчание Wir schwiegen uns eine Weile an. - Некоторое время мы оба хранили молчание.

ausschweigen

DWB

aus·schweigen

ausschweigen , sich, silentio uti: mit welchem sich Chemnitius gar fein ausgeschwiegen hat ( worüber er absichtlich geschwiegen hat ). Joh. …

geschweigen

DWB

geschwei·gen

geschweigen , verb. wie schweigen, s. d. I I. intransitiv, in der älteren sprache schwach- und starkformig, später nur das letztere. I@1 1) …

stillschweigen

DWB

still·schweigen

stillschweigen , n. , zum vorigen. im mhd. noch unverbunden; subst. infin. swîgen ( oder swîgende) mit dem attribut oder adverb stille: ein …

totschweigen

RDWB1

totsch·weigen

totschweigen (kein Bezug zu "смерть") ein Thema ~ fest. - замалчивать тему устойч.

verschweigen

DWB

versch·weigen

verschweigen , verb. , im nhd. durchweg stark flectierend; in der entwickelten nhd. schriftsprache ist die bedeutung eine einförmige, nur ha…

Ableitungen von schweigen (3 von 3)

geschweigen

DWB

geschweigen , verb. wie schweigen, s. d. I I. intransitiv, in der älteren sprache schwach- und starkformig, später nur das letztere. I@1 1) …

verschweigen

DWB

verschweigen , verb. , im nhd. durchweg stark flectierend; in der entwickelten nhd. schriftsprache ist die bedeutung eine einförmige, nur ha…

verschweigenlich

DWB

verschweigenlich , adj. und adv. : verschweygenlich, heimlich, tacite. Maaler 430 c .