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geschweigen

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

geschweigen verb.

Bd. 5, Sp. 3987
geschweigen, verb. wie schweigen, s. d. II. intransitiv, in der älteren sprache schwach- und starkformig, später nur das letztere. I@11) stumm sein, verstummen: ahd. ka-, giswîgên und giswîgan, gisweigan, obmutescere, silere, unde geswîgêta, et non sum locutus Notker ps. 76, 5; ebenso mhd. der kaiser geswîgete vile stille. Rolandslied 36, 4; di fursten geswîcten lange. 300, 15; er geswîgot vil stille. genesis 90, 11 Diemer; dô gesweic ir zunge, daʒ si niht ensprach. Neidhart 51, 6; dâ von (vor Horants gesang) gesweic der vogelline schallen. Gudrun 372, 4; swâ von si parlierten, dâ kund er wol geswîgen zuo. Parz. 167, 15; der nie gesweig und nie gsas, dem ward zu letst ettwas. Lenz Schwabenkr. 41a, sprichwörtlich; geswigen, conticere voc. inc. teut. i 5b; antiphora, tacite questionis responsio, gesweiginder froge antwort o. berichtunge. md. vocabularius rerum bei Dief. 38b; merck uf und geschwyg und lege den finger uf dinen munde. Nicl. v. Wyle 183, 2 Keller; dasz ich geschweigen wollt, so ferne meine widderpart auch schwiege. Luther br. 1, 237; ich kan nicht mehr geschweigen. Ambraser ldb. 54, 9. I@22) von etwas nicht reden, es mit stillschweigen übergehen, unterdrücken. I@2@aa) mit genitiv: ahd. unde geswîgêta ih guotes. Notker ps. 38, 3 Wiener hds.; mhd. ir redet als ein kindelîn. wan (warum nicht) geswîgt ir iwerr muoter gar? Parz. 170, 11; sîner muoter er gesweic, mit rede, und in dem herzen niht. 173, 8; der widerrede sie geswigen. Barlaam 242, 37; nhd. ich wil aber mein geschweigen. Luther 6, 14a; zum ersten bitt ich, man wolt meines namen geschweigen und sich nit lutherisch, sondern christen heiszen. 8, 685, 5 Weim.; ich geschweig der groszen herren, da wil ich alhie gar nichts von gesagt haben. Aventin. 1, 8, 27 Lexer; geschweigen wir deren, und sagen von den heiden. Aimon vorr.; fraw, sprach Reinhart, geschweigent des (schweiget still davon). bog. m; geschweiget dieser reden, sprach der keiser. bog. s; damit geschwiegen sie beid der reden. Pauli schimpf 51a; darumb geschweig der nachred dein. H. Sachs 3, 3, 52d; in kleinern Asia geschwigen sie des worts, ausz eingebung des heiligen geists, der jnen disz weret. S. Frank chron. 265a; doch geschwiege er der klage, so der juncker geübt. Amadis 1, 90 Keller; du wirst nimmermehr ein andächtiger inniger mensch, du geschweigest dann der andern und sehest sonderlich auf dich selber. Arnd Thom. a Kempis (1670) 102; das ein das will ich nennen ... der andern will ich gschwigen. Soltau volksl. 2, 69; ich geschweige der drohung des bruders, geschweige der kriege, welche von Tyrus her sich gegen Karthago erheben. Bürger 244b (Dido 50); noch einer darstellung können wir nicht geschweigen. Göthe 39, 289; es ist gut, dasz man seiner geschweigt. J. Grimm an S. Hirzel, anz. f. d. alterth. 16, 251; mit weggelassenem subject: denn dasz (ich) die bücher, die mächtig genung sind, einen jeglichen der sie anfleucht, nächst gott, auffzurichten, geschweige: so hat mir sonderlich das berühmte bergwerck Zlatna .. so wol gefallen, dasz ... Opitz 1, 124. I@2@bb) mit der präposition von: es ist besser von dem geschäft zu geschweigen. Schuppius 730. I@2@cc) bisweilen auch mit acc. der sache: dorumme sal her nicht geswîgen (verschweigen) synes eben cristen val. kulm. recht 5, 65, 5; di anderen nahmen, so disen göttern gegeben, auf izzo zu geschweigen, wollen wir .. Butschky hochd. kanzl. 760; viel andere zu geschweigen. 661; dieses alles zu geschweigen, so ist ja bekannt .. Wernikens poet. vers., vorr. 20b Bodmer. I@2@dd) mit dat. der person: er geswîget in (hörte sie ruhig an). fundgr. 63, 1. I@2@ee) mit abhängigem satze: ich gesweig, daʒ der edelst .. durch dein lieb sô vil marter hât erlitten. Megenberg 308, 2; ich geschweige hier, wie dich täglich deine brennende begierden quälen. Simpl. 1, 152 Kurz; ich geschweige, was zu Rom die drei herren verübet. Schuppius 783. I@2@ff) als steigernder zusatz ich geschweige (geschweig, alterthümlicher ich geschwîgen), ich will geschweigen, dann verkürzt geschweige, geschweig, geschweigen (geschweigend), will geschweigen (wil geschweigent), heute als conjunction betrachtet geschweige, abgesehen von, um wie viel mehr; ähnlich ich will vergessen: er hat zuo ziten ein solchen bracht (lärm), daʒ er mir in mim hus z'eng macht, ich will vergessen in werem hus. Mone schauspiele 2, 393, 26. I@2@f@aα) ich geschweige, ich geschweig, ne dicam, ut praeteream Maaler 174a, noch mit abhängigem genitiv: das du din getrüwesten rät tödten soltest .., ich geschwyg dines wybs. buch d. beisp. d. alten weisen 148, 27 Keller; sehen wir doch in den wilden thieren .., ich geschweig der menschen. Luther 5, 320a; mit abhängigem satze: so krefftig ist des teuffels triegerei und zauberei wol in denen, so damit begriffen werden, das sie frei rühmen, ja wol auffs aller thewrest schweren dürffen, sie haben die aller gewisseste warheit, ich geschweige, das sie jren irrthumb solten bekennen können. Luther tischr. 89b; mich beschwert mein hut auff dem kopff, ich geschweig dasz ich ein ganzen tag solt eine solche ketten an mir tragen. Wickram rollw. 69b; ohne abhängiges satzglied eingefügt: es ist eine vergebne thörliche arbeit, etwann denselbigen (verdorrten baum) zu feuchten oder zu wässern, ich geschweige die helle liebe sonnen darüber zu scheinen lassen. Luther br. 3, 359; die gewiszne, welche doch vor allen am schedlichsten ist an zuo greiffen, ich geschwyg sie zuo verdamnen. Murner von der babylon. gefengknusz c 3a; die Türcken .. stehen nit zu jhrem gebet, wie die andere rohraffen (bei uns), deren jren vil sich schämbten, dasz sie zu einem vater unser auff jren knie solten niderfallen oder sich bucken, ich geschweige auff das angesicht. (Fischart) prognosticum theolog. (1588) 98a; gröszlich zu verwundern wer, wo man solcher brüder (ich geschweig zweier, so einander ganz nichts verwandt seindt) finden solt. Galmy 44; ein exempel von Teütschlanden, das gleich wol ein namen und nur ein kleiner teil Germanie ist, ich geschweig Europe. S. Frank weltb. vorr. 2a; ir sollent keinen fuosz darbringen, ich geschweig ewern leib. Aimon m; si hetten dir nit das niderkleid, ich geschweig das hembde angelassen. Frey gartenges. 16b; dasz sie ihm nicht ihre magd, ich geschweige schöne reiche und hoch qualificirte tochter zur ehe geben wolten. polit. stockf. 256; er hatte kaum Leipzig, ich geschweige Haag und Parisz, gesehen. polit. maulaffe 241; dasz sie zuweilen dinge vornahmen, welche auch alten leuten, ich geschweige der jugend ärgerlich waren. polit. col. 75; mit einer solchen ungefärbten art, dasz sie das gantze himmlische chor, ich geschweige dann mich, zum mitleiden und erbarmnisz bewegen können. ped. schulfuchs 219. — gekürzt geschweige, geschweig, ebenso wie Luther das einfache schweige, schweig braucht: das die reinesten münche die ergesten buben gewesen sind, schweige, das sie dazu das euangelium haben verloren. 8, 298b, ursprünglich geschweige vier pred. (1546) L 1b; alle künst und sprachen in der welt, schweige denn die deudsche allein. 5, 172a, schweig das sie mir schaden thun können. 4, 3a, das er es selbs nicht sehe, schweig denn ein ander. 43a; noch mit abhängigem genitiv: sie (frauen) waren also geschickt, das keine, geschweig einer, war, die nicht schreiben, geschweig lesen konnt. Garg. 283a; schuncken, knackwürst und dergleichen genäsch aus lauter zucker gemacht, geschweige der candirten und eingelegten sachen. Simpl. 2, 279; mit abhängigem satz: der hab ich mir warlich nie gedacht, geschweig, das ich solt han getan. Theuerdank 109, 81; der wirt erzeigt sich mit wenig guten worten, geschweig dasz er jm solte viel zu leben auffgestellt haben. Kirchhof wendunm. 137a; leute von seiner art können in der that zehn jahre hinter einander in der groszen welt gelebt haben, ohne dasz sie dieses fremde und entlehnte ansehen verlieren, welches beim ersten anblicke verkündiget, dasz sie hier nicht einheimisch sind, geschweige, dasz sie fähig wären, sich jemals zu dieser edeln freiheit zu erheben. Wieland 1, 175; ohne abhängiges satzglied eingefügt: so müssen alle keiser dem bapst seine füsz küssen, geschweig waschen. Schade sat. u. pasqu. 3, 94, 19; dasz er nit guot in ein schuh wer, geschweig zum fuszküssen. Fischart bienenkorb 12a; es ist (in Deutschland) beinahe kein dorff, geschweige eine stadt, so mit der andern gleiche aussprach hat und deszwegen nicht von seinen nächsten nachbarn, geschweige von weiters entsessenen, gefoppt und ausgehönet werde. Simpl. 4, 389, 9 Kurz; nicht recht sauwerkraut, geschweige eine gute mahlzeit essen dorffte. Kirchhof wendunm. 181a; wo weiszt du, ob du zehn thaler, geschweige tausend (gewinnst). Gellert (1784) 3, 317; dasz mich Zeus bewahre, gegen meine pflicht ein weib zu sehn, geschweige zu umfassen. Gotter 1, 57; von seinem hauptschatz, dem diamanten, hatte er noch nicht gesprochen, geschweige denselben vorgewiesen. Göthe 31, 230; o liebster! nie hab ich geahnt in träumen, dasz solche reiche lust platz haben könn' in allen himmelsräumen, geschweig in menschenbrust. Rückert ges. ged. 1, 474. geschweige dann oder denn: das ich kaum so vil zeit habe, an mich selbst, geschweige dann an ihn zu gedenken. Butschky kanzl. 69; dieselbe, so mit hertz und mund itzt fertig stund, auch gleichesfals vor ihm das leben hinzulassen, geschweige dann, als ihrer liebe ziel ihn freundlich zu ümfassen. Hoffmannswaldau getr. schäfer 186; dasz ich also des tages wohl wollte ein ros müde geritten haben, geschweige denn mich müde gegangen. Schweinichen 2, 44; sie (geldverschreibung) ist so auffgesetzet, dasz sich ein hundsbube, geschweige denn ein edelmann derer schämen musz. A. Gryphius (1698) 1, 884; gewisz, einem gebildeten menschen, geschweige denn einem liebhaber, würde ein solcher name auf den lippen stocken. Göthe 26, 28. I@2@f@bβ) ich geschwîgen, geschweigen: sy ist so züchtig, mag von denen dingen nichts hören, ich geschwigen, erst thuon. Wickram rollw. 16, 23. — gekürzt geschwîgen, geschwiegen, das dann als part. prät. empfunden wurde, und geschweigen, später als inf. aufgefaszt mit anlehnung an den inf. zu geschweigen, s. unten δ: geschwigen, was jnen durch den sturmwind für schaden zuogestanden. S. Münster 848; geschwiegen, dasz solches ihm entgegen ist. Opitz Arg. 2, 468; kann mit keinem schein der alten historien, geschweigen des grunds, erwiesen werden. Flacius Illyr. von ankunft d.m. keiserth. 114; ge schweigen, da es ewig weren soll. M. Neander menschensp. 3b; geschweigen, das der könig wolt, dasz man mich drumb rahtbrechen solt. J. Ayrer trag. v. d. beläg. Alba 23a. mit angefügtem d den schein eines part. präs. annehmend, geschweigend, vgl. wil geschweigent unter γ: wir dörften sein furstlich gnaden nit wol ansehen, geschweigend das wir vil mit sein furstlichen gnaden handeln söllten. Baumann quellen 2, 450 (von 1525); da wir doch zweiffeln müssen, ob jemalen solche Sybillen in der welt gewesen, geschweigend, dasz sie ihre bücher den Römern verkauffet hätten. Schuppius 523. I@2@f@gγ) ich will geschweigen: ich wil geschwigen, das der Peter al weg wider mich gewesen ist. modus latinitatis (Straszb. 1498) 32b; ist doch nicht ein hund in der gantzen welt, der meines namens (Witzel) gedenck, ich will der menschen geschweigen. Alberus wider J. Witzeln mammel. K 2b. — gekürzt will geschweigen: leute, welche in dem angriff, wil einer schlacht geschweigen, nicht bestehen möchten. buch d. liebe 208, 1; das solten doch annemmen die vorhin genug hetten, wil geschweigen so fremdling (sind) und mangel leiden müssen. 212, 1; sie hätte ein ansehnliches heiratsgut mit bekommen, will geschweigen den hausrath von silber und schmuck. Schweinichen 1, 229; ihre argwöhnische natur verstattet nicht, das man mit ihnen einige gemeinschaft, wil geschweigen freundschaft stifte. Butschky Pathmos 437; würde mir unmöglich sein unter solchen canalien oder lumpenvolck ein jahr zu bleiben, wil geschweigen in ewigkeit. Schuppius 427; wurfen einen Bairn auf (als hauptmann), der all sein tag nie keinen haubtkrieg recht gesehen, wil geschweigent vil weniger gefürt het. Wilw. v. Schaumburg 200, vgl. geschweigend unter β. I@2@f@dδ) in gleicher verwendung auch der inf. zu geschweigen, geschweigens: wie man ihre so gerechte sache nun drei jahre in einem der königlichen gerichten auffgehalten hätte, zu geschweigen derer häuffigen unkosten, die ihre armuth nicht länger zu ertragen vermöchte. Ziegler tägl. schauplatz (1695) 1085a; man erspart viel dabei an leinwand .., andrer vortheile zu geschweigen. Wieland 8, 52; erbare männer ergrimmen, wenn sie ihrer (der komödianten) nur gedenken hören, zu geschweigen, was sie vor ein elendes leben führen. Stieler secr.-kunst (1705) 512; am werckeltag, zu geschweigen am sontag. Schuppius 184; man kann keinem durch die haut, zu geschweigen ins herz sehen. Lehmann flor. 82. —
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Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Geschweigen

    Adelung (1793–1801) · +2 Parallelbelege

    Geschweigen , verb. welches in doppelter Gestalt vorkommt. I. Als ein Neutrum, mit irregulärer Conjugation, (siehe Schwe…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    geschweigen

    Goethe-Wörterbuch

    geschweigen nicht (von etw) reden; meist im erstarrten Inf ‘zu g.’ mit Gen, vereinzelt mit Akk der Sache daß das Kupfer …

  3. modern
    Dialekt
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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit geschweigen

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Ableitung von geschweigen

ge- + schweigen

geschweigen leitet sich vom Lemma schweigen ab mit Präfix ge-.

Zerlegung von geschweigen 2 Komponenten

geschwei+gen

geschweigen setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

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