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schweigen

nhd. bis spez. · 14 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Campe
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19 in 14 Wb.
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Eintrag · Campe (1807–1813)

Schweigen v., ntr, trs

Bd. 4, Sp. 333a
Schweigen, v. I) ntr. unregelm. unl. verg. Z. ich schwieg, Mittelw. der verg. Z. geschwiegen, Befehlw. schweig, mit haben. 1) Keinen Laut, keine Stimme hören lassen, und in engerer Bedeutung, nicht reden. Vergl. Verstummen. Wenn alte und verständige Personen[] sprechen, so müssen junge schweigen. Ih wüßte davon manches zu sagen, doch ich will schweigen. Х Stille schweigen, ein überfüllter Ausdruck im gemeinen Leben, für das bloße schweigen. Von etwas, oder über etwas schweigen, nichts davon oder darüber sagen. Allein sie schwieg doch bald von ihren Fehlern still. Gellert. Zu etwas schweigen, nichts dazu sagen, wo man doch etwas sagen sollte. Die Mutter schweigt zu diesen Unarten ihrer Kinder, sagt ihnen nichts darüber, verweiset sie ihnen nicht. Auch mit dem bloßen dritten Falle. »Müssen die Leute deinen großen Schwätzen schweigen.« Hiob 11, 3. »Schweige mir nicht.« Ps. 28, 1. Von einem schweigen, in seiner Gegenwart nicht sprechen, es sei aus Furcht oder aus Ehrerbietung; in dieser Bedeutung dichterisch mit dem bloßen dritten Falle. Einem schweigen. I weiterer Bedeutung gebraucht man schweigen auch, für schriftlich nichts sagen, über oder von etwas nichts schreiben; besonders, schriftlich, durch Briefe keine Nachricht geben. Die Geschichte schweigt von dieser Begebenheit. I seiner Schrift, Abhandlung  schwieg er wohlweislich über diesen Punkt. Meine Freunde haben so lange geschwiegen, daß ich nicht weiß, ob sie noch leben oder nicht. Wie soll ich mir ihr langes Schweigen erklären? I engerer Bedeutung, ein Geheimniß nicht ausbringen, nicht ausplaudern. Ih will schweigen wie das Grab. Kannst du schweigen? Uneigentlich, aufhören laut, wirksam zu sein. Der Gesang, das Tonspiel, die Orgel schweigt, hört auf. Das Geschrei, Gezänk schweigt. Neugier spannte die taumelnden Richter und alles Gezänk schwieg. Sonnenberg. »Und er stand auf und bedrohete den Wind, und sprach zu dem Meer: Schweig und verstumme. Und der Wind legte sich und ward eine große Stille.« Matth. 4, 39. — und rauhe Stürme schweigen. Uz. I Kriege schweigen die Gesetze. Wo die Pflicht gebeut, da muß die Neigung schweigen. »I den heiligsten Momenten (Augenblikken) der traulichen Liebe schweigt alle Sinnlichkeit.« Ewald. (R.) Sein Gewissen schweigt dabei, zeigt sich dabei nicht wirksam, macht ihm keine Vorwüfe darüber. Die folgende Stelle giebt auch ein Beispiel von dem Gebrauche des Mittelwortes der gegenwärtigen Zeit als eines Beilegungswortes und zwar im höchsten Grade der Steigerung. »— wie sich alles in das schweigendste, ewigste Denkmahl, das Fest der Ruhe endigt.« Herder. 2) Zuweilen, jedoch ungut für geschwiegen. »Ih will es bezahlen. Ih schweige, daß du dich selbst mir schuldig bist.« Philemon V. 11. »Ih habe ihn nicht gesehen, ich schweige, gesprochen,« d. h. geschweige. Bei Heynatz. II) trs. regelm. Mittelw. d. verg. Z. geschweiget. 1) Verschweigen, unerwähnt, wie auch. ungepriesen lassen. »Inen die Post lang schweigen ist sie an Freuden verkürzen.« Bodmer. Und daß ich andere (Thaten) schweig' — Voß. Schweigt den Namen sogar des längst Thatlosen. Baggesen. 2) * Schweigen machen, zum Schweigen bringen, sowol eigentlich als auch uneigentlich, es geschehe durch einen Befehl, durch Vorstellungen und Gründe, oder auf andere Art. »Mit den Worten schweigt er den man,« Theuerdank. K. 21, d. h. brachte er ihn zum Schweigen. »Wer leben will und gute Tage sehen, der schweige seine Zunge.« 1 Petr. 3, 10. Das Mittel, dich zu schweigen, Wird sein ein blankes (einen blanken) Helm, ein schönes Roß zu zeigen. Opiz. »Ih fand Gegenbilder, die ihn schweigten.« Meißner. »Doch ich weiß es, warum ihr nicht zu schweigen seid.« Klopstock. — sonst hätten wir längst ihn Hier geschweigt im Palaste — Voß. Hat ihn Trübsinn etwa geschweigt? — Ders. Sein Gewissen schweigen, es besänftigen, seine Handlungen beschönigen  damit das Gewissen sie nicht rüge, keine Vorwürfe darüber mache. [] Im gegenüber trotzt, so bald er sein Gewissen Wiewol mit Müh' geschweigt, der Frevler Archimbald. Alxinger. Man sieht aus den angeführten Beispielen, daß schweigen in der überleitenden Bedeutung nichts weniger als in der anständigen Sprechund Schreibart, wie Ad. meinte, veraltet ist Ein davon abgeleitetes Wort ist schwichtigen, beschwichtigen. S. d. — D. Schweigen. D. — ung, in der überleitenden Bedeutung in dem zusammengesetzten Verschweigen.
4374 Zeichen · 107 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Schweigen

    Adelung (1793–1801) · +7 Parallelbelege

    Schweigen , ein Zeitwort, welches in dreyfacher Gestalt üblich ist. I. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben und irr…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    schweigen

    Goethe-Wörterbuch · +1 Parallelbeleg

    schweigen Großschr PartPräs attr GWB T2,91,8 1 keine Worte von sich geben, sich nicht äußern a nichts sagen, nicht reden…

  3. modern
    Dialekt
    schweigen

    Elsässisches Wb. · +4 Parallelbelege

    schweige n [wèikə M. ], g e schweige n [kwaikə Hi. Mü. ] 1. zum Schweigen bringen. ‘geschweigen’ Geiler J. Sch. 17 b .…

  4. Sprichwörter
    Schweigen

    Wander (Sprichwörter)

    Schweigen 1. Besser geschwiegen als das Maul verbrannt. Holl. : Beter gezwegen, dan den mond verbrand. ( Harrebomée, II,…

  5. Spezial
    schweigen

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +2 Parallelbelege

    schwei|gen (schwieg, geschwiegen) vb.intr. 1 (still sein) scuté (scuta), nia baié 2 ‹pop› tigní la müsa, tigní le bech. …

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit schweigen

30 Bildungen · 5 Erstglied · 22 Zweitglied · 3 Ableitungen

Zerlegung von schweigen 2 Komponenten

schwei+gen

schweigen setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

schweigen‑ als Erstglied (5 von 5)

schweigen II

RhWB

schweigen II RhWBN gegenüber dem fehlenden schw. I st. besitzt das Rhfrk in Simm das faktitive -aiə, Part. gəšwait schw.: einen schw., ihn z…

schweigenmasz

DWB

schweigenmasz ( n. plur.? ): schweigenmaas die best. Schottel 1126 a .

schweigenszeit

DWB

schweigen·s·zeit

schweigenszeit , f. : wer zur schweigenszeit redet, schlägt den wind und predigt den tauben. Simrock sprichwörter.

schweigen als Zweitglied (22 von 22)

Abschweigen

Campe

✱ † Abschweigen , v. trs. O. D. zum Schweigen bringen. Das Abschweigen. Die Abschweigung.

ANSCHWEIGEN

DWB2

DWB2 ANSCHWEIGEN vb. DWB2 jmdm., meist einander, mit schweigen begegnen: DWB2 1859 wir schwiegen uns .. eine geraume weile an Raabe 2,67 H. …

ausschweigen

DWB

aus·schweigen

ausschweigen , sich, silentio uti: mit welchem sich Chemnitius gar fein ausgeschwiegen hat ( worüber er absichtlich geschwiegen hat ). Joh. …

geschweigen

DWB

geschwei·gen

geschweigen , verb. wie schweigen, s. d. I I. intransitiv, in der älteren sprache schwach- und starkformig, später nur das letztere. I@1 1) …

glücksschweigen

DWB

glucks·schweigen

glücksschweigen , n. , schweigen vor glück: beim festmahl nickte er der neben ihm sitzenden braut ... herzlich zu und sagte ihr, wie stolz e…

grabesschweigen

DWB

grabe·s·schweigen

grabesschweigen , n. 1) das schweigen der toten im grabe, vgl. DWB grab A 5 c: heute zum ersten male wieder, seit langem grabesschweigen, ha…

stillschweigen

DWB

still·schweigen

stillschweigen , still schweigen, stille schweigen, vb. ( s. auch unter still, adj., sp. 2965). mhd. stille swîgen, wie stille dagen deutlic…

todesschweigen

DWB

tod·es·schweigen

todesschweigen , n. , vgl. todtenschweigen, todesstille: todesschweigen in der dumpfen felsenwildnisz. F. W. Weber Dreizehnlinden 206 .

todtenschweigen

DWB

todt·en·schweigen

todtenschweigen , n. , vgl. todesschweigen, todtenstille: du sichre, unbeweglich feste erde hör' meine tritte nicht, wohin sie gehn, damit n…

todtschweigen

DWB

todt·schweigen

todtschweigen , verb. durch schweigen todt, vergessen machen: man kan alle ding todt schweigen, aber nicht todt kifen. Schottel 1135 a ; dog…

verschweigen

DWB

versch·weigen

verschweigen , verb. , im nhd. durchweg stark flectierend; in der entwickelten nhd. schriftsprache ist die bedeutung eine einförmige, nur ha…

vorschweigen

DWB

vorsch·weigen

vorschweigen , verb. , gelegenheitsbildung: er braucht sein liebeslied gar nicht zu singen, er schweigt es den weibern vor Rosegger I 15, 22…

wehmuthschweigen

DWB

wehmuth·schweigen

wehmuthschweigen , n. an wehmuth III B 2) anzuknüpfen: dir war der sturm der leidenschaften lieber, als wehmuthsschweigen tief im stillen he…

zugeschweigen

DWB

zug·e·schweigen

zugeschweigen , adv. , früh als worteinheit behandelt, wurde in der verbindung mit dasz zur conjunction Stieler 1966 : zuogeschweigen das mi…

zuschweigen

DWB

zuschweigen , v. , zuhören n. m. ü. —

Ableitungen von schweigen (3 von 3)

geschweigen

DWB

geschweigen , verb. wie schweigen, s. d. I I. intransitiv, in der älteren sprache schwach- und starkformig, später nur das letztere. I@1 1) …

verschweigen

DWB

verschweigen , verb. , im nhd. durchweg stark flectierend; in der entwickelten nhd. schriftsprache ist die bedeutung eine einförmige, nur ha…

verschweigenlich

DWB

verschweigenlich , adj. und adv. : verschweygenlich, heimlich, tacite. Maaler 430 c .