tugendbund,
m. 11)
allgemein, bund tugendfester menschen: kann des ernsten tugendbundes gleiten ach! für liebende wohl strafbar sein? Haugwitz
poet. versuche (1793) 28;
noch hochgestimmt zur feier des tugendbunds soll dir (
d. liebe) sie (
d. harfe) danken! Clodius
ged. (1794) 241; in einklang kopf und herz und mund, klar, warm und wahr ein ein'ger kranz, das ist der rechte tugendbund, das ist die heiligste allianz A. Grün
ges. w. (1877) 2, 163; wenn alle guten menschen nur ernstlich wollten, wären alle bösen nicht im stande, ihnen den frieden zu verkümmern. das wäre der wahre echte tugendbund W. Alexis
Isegrim (1854) 3, 15.
mit negativem sinn (
vgl.tugend, III B 5): Ferdinand verzog das gesicht und rümpfte die nase; er witterte so etwas von 'tugendbund' Holtei
erz. schr. (1862) 16, 187; trotz aller reisenden christlichen tugendbünde ist hier noch raum für einige heitre sünde R. Dehmel
ges. w. (1906) 3, 125. 22)
im besonderen nachträgliche bezeichnung für den 1808
in Königsberg vornehmlich von offizieren, beamten und gelehrten gegründeten 'tugendverein',
auch 'gesellschaft zur übung öffentlicher tugenden'
oder 'der sittlich-wissenschaftliche verein'
genannt. in ihm schlossen sich die preuszischen gegner Napoleons und vaterlandsfreunde zur pflege vaterländischer gesinnung zusammen. tugend meint hier sittliche strenge mit dem nebensinn des dem vaterland nützlichen und sich für Deutsche gehörenden, s. unter tugend III B 3 e;
auszer der dort genannten literatur vgl. noch Treitschke
histor. u. polit. aufsätze 53, 148; Meinecke
Boyen (1896) 1, 200: tugendbund hat der verein sich selbst niemals genannt. jedoch ist die benennung späterhin gang und gäbe geworden und auch als der historische name festgehalten worden Aug. Lehmann
d. tugendbund (1867) 4; dasz der gedanke an eine solche halb im dunkel stehende verbindung ... auch den gedanken an ein besserwerden im volke aufrecht erhielt ... und dasz die beynahe ans komische gräntzende furcht, welche die französischen behörden fortdauernd gegen den tugendbund ... aussprechen, eigentlich die schönste lobrede über die damahlige nützlichkeit des vereines ist Herm. v. Boyen
erinnerg. 1, 324
Nippold; auch mehre Deutsche von stande riefen dem vorübergeeilten tugendbunde nach: 'ihr tugendthoren ...' Jean Paul
w. 45/47, 366
Hempel; der tugendbund unter Napoleon wurde nicht gestiftet, um Deutschland diese oder jene verfassungsform zu geben ... sondern nur um diejenige erinnerung zu erzeugen, die von selbst auf die vaterlandsliebe ... führte K. Gutzkow
ritter v. geiste (1850) 6, 334; ja, die titanische ketten, welche viele unsrer offiziere nach ihrer rückkehr aus Preuszen halb verborgen auf der brust trugen, galten lange in Berlin für ein erkennungszeichen des tugendbundes Sophie Schwerin-Dönhoff
erinnerungen (1909) 224. —