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windsbraut

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

windsbraut

Bd. 30, Sp. 318
windsbraut , st. f., wirbelwind. II. form. I@11) ahd. wintes prût (8/9. jh.) Steinmeyer-Sievers 2, 318, 6; Graff 1, 626; mhd. wintsprût; frühnhd. windspraut voc. teuth. (1482) o o 6b; els. windsbrut Martin-Lienhart 2, 206; appenz. wendsbrûd Tobler 445. nebenformen s. unten. I@22) alter plur. wind(s)braut Paracelsus op. 1, 524a; seltener windsbrüt Tschudi chron. Helv. 1, 57 und windspruten erste dt. bibel 7, 205 (Hiob 28, 26 var.). — ableitungen mhd. wintsprûtic krone 25074; windsbrauter, m. Fischart praktik 553 Scheible; österr. windsbrautern, f. Höfer 3, 301. I@33) nebenformen. I@3@aa) windbraut (wohl mit anlehnung an windbraus) Paracelsus op. 1, 559a; Gab. Rollenhagen ind. reisen 71; A. Gryphius ged. 565 Palm; Chamisso 3, 135. windesbraut Z. a Zendoriis winternächte 525; Wieland werke 1, 2 acad.-ausg.; Göthe IV 29, 55 Weim.; Heine 5, 136; Grillparzer 1, 153 Sauer; Spielhagen 1, 98. I@3@bb) mit stärkerer abweichung, meist mundartlich: ahd. wintsprucht Graff 3, 294, Steinmeyer-Sievers 4, 217, 65; ebenso mhd. wb. 3, 714; mhd. windes sprout altdt. wälder 3, 18; bair. wints-spraut Schmeller 2, 950 f.; wind-sprud Oken natg. 7, 188; Sanders 3, 1157; windbraust Horscht geheimn. d. natur 2 s 3a (wohl mit anlehnung an windbraus, m.; vgl. auch dort die mischbildung windbraus, f.); windspriesz ventus Diefenbach gl. 611b (vgl. tir. spreiszwind Schöpf 692); tir. windsprausz (auch sprausz allein) Schöpf a. a. o.; bair. windgesprausz Schmeller a. a. o.; els. windsbruz Martin-Lienhart a. a. o.; bair. windspreu Aventinus, -spreuel Frisch 1, 449; beides bei Schmid schwäb. wb. 532; wintspreul, m., cod. Tepl. 2, 106 var.; erste dt. bibel 2, 445 var.; Koberger Jesaias 25, 4; auch als plur. windspreulen erste dt. bibel 7, 205 var.; bair. wintgsprauder (auch gesprauder allein) Schmeller 2, 701; bair. windsprauk, m. Schmeller 2, 701; steir. Stelzhamer dicht. 1, 103; windsprauch Schmeller 2, 950 f.; Harnisch 3 -stimmige lieder (1591 Helmstädt); salzb. windspraich, pl. Schmeller 2, 701; oberschw. windschbrach Leoprechting 101. 120; Grimm mythol. 4 3, 180. I@44) die bildung des wortes ist noch nicht befriedigend erklärt; vgl. die untersuchung von B. Schmidt Paul- Braunes beitr. 21, 111 ff.; es stehen sich zwei erklärungsversuche gegenüber. I@4@aa) der mythologische von J. Grimm, wonach windsbraut = windsgemahlin ist; vgl. oben th. 2, 332, 4; dt. gram. 2, 601. 606. 1014; 3, 391; mythol. 4 525. 530. 835. diese anschauung theilen Graff 3, 294; Weigand synon. 3, 756; Birlinger wb. z. volksth. 93 und mit einigen bedenken Schmeller 2, 950 f.; zu stützen versuchen sie durch den hinweis auf windgelle (s. d.) W. Wackernagel zeitschr. f. dt. alt. 6, 290 f., auf eine märkische sage von einem zu einer windsbraut verzauberten edelfräulein Simrock mythol. 412, auf die windin (s. d.) Weinhold schles. wb. 105. doch sind diese gründe kaum stichhaltig, vgl. Schmidt a. a. o., wie auch Grimms hinweis auf eisenbraut (magnet) und wasserbraut Sanders 1, 202 wenig beweiskraft hat. unerklärt bleibt ferner auf diese art, warum kein einziger, auch der älteren belege, eine persönliche auffassung von windsbraut erkennen läszt, wie sie bei windin und windhexe unzweifelhaft vorliegt (vgl. auch de wind weih, as wenn hi sîn brût daher har lüneburgisch bei Harburg, nach aufzeichnung von Hildebrand). vollends unmöglich ist auf diesem wege die erklärung der oben angeführten, theilweise männlichen nebenformen, die Grimm zwar als umdeutungen auffassen möchte, womit er aber schon bei Schmeller a. a. o. auf bedenken stöszt. I@4@bb) der ältere rationalistische, der windsbraut auf eine stufe stellt mit bildungen wie windblast, -braus, -spiel, -stosz, -strausz, -sturm, -wehe, -wirbel u. ä. der zweite bestandtheil -braut wird gestellt zu brut 'bruch' Stade erläut. u. erklär. (1711) 175; zu brutten turbare Schilter 139, Frisch 1, 449; frangere Scherz-Oberlin 2, 2039; zu braus Kramer 1, 145c, Adelung, Kluge (wenn mhd. brûs = vorgerm. bhrût-to-); zu engl. brew (vom gewitter) mhd. wb. 1, 273b. sonst aber wird das s auch noch zum zweiten bestandtheil genommen und dieser gezogen zu ahd. spreian (Tatian); so schon Schmid schw. wb. 532; hierfür scheinen zu sprechen bair. sprauder 'spreu', ferner windspreu und -spreuel. die grundbedeutung wäre also etwa 'sprühwind' und die älteste form sprū-t 'gesprühe', ein abstract zu einer langvocalischen wurzel sprēu-, sprōu-, spr- Sievers zu B. Schmidt a. a. o. möglicherweise liegen auch beziehungen vor zu der wurzel sprut- und daher zu sprieszen, sprosz, ferner zu engl. sprout und spout B. Schmidt a. a. o. das vorwiegen des weiblichen geschlechts müszte auch in diesem falle durch frühe volksetymologische anlehnung an die wenn auch ganz unbestimmte vorstellung eines weiblichen windgeistes erklärt werden. als ungelöste schwierigkeiten bleiben aber auch jetzt noch bestehen das nebeneinander oberdeutscher formen mit t, d einerseits und s, z andrerseits, sowie die bildungen mit gutturalem abschlusz. IIII. bedeutung und gebrauch. II@11) grundbedeutung 'wirbelwind'; lat. turbo, turbedo, circinus Diefenbach gloss.; typhon Alberus nov. dict. gen. 59b; vertex Calepinus xi ling. 1531a; frühe schon aber auch 'sturmwind' überhaupt; vgl. sie werden wind säen und windsbraut ernten Franck sprichw. 1, 105b; procella Diefenbach gloss.; Frisius 1062b; tempestas Schöpper syn. fijc; alte synonyme sind sturmwint Steinmeyer-Sievers a. a. o.; Frisius a. a. o.; windwirbel Emmelius ncl. 30; wirbelwind Duez ncl. 14; windbraus Rädlein 1, 1064b; ungewitter, wetterstosz Schöpper a. a. o.; genau gefaszt 'heftiger, brausender, heulender, dahinreiszender, wirbelnder sturmwind' Weigand syn. 3, 755; am nächsten verwandt mit windwirbel 3, 1130. vereinzelt steht die sonderanwendung 'blähung': ein jeglich grimmen im bauch ist ein windbraut Paracelsus op. 1, 559a; im plur. 524a. II@22) wahrscheinlich oberdeutschen ursprungs und daher im oberdt. besonders verbreitet, wie schon Adelung feststellt; vgl. oben die mundartlichen belege für das els., schweiz., bair., öst., tirol.; daher bei Frisius a. a. o.; Maaler 501c; Emmelius a. a. o.; Dentzler 354a; aber auch bei Schöpper a. a. o.; Schottel hbtsp. 282 § 7; Duez a. a. o.; Stieler 224; Rädlein a. a. o.; im 18. jh. in der schriftsprache im veralten begriffen, wie das seltene vorkommen bezeugt und Adelung bestätigt; vgl. auch: ein heftiger wirbelwind oder eine sogenannte windsbraut Hebel werke 2, 36; erst seit Göthe und den romantikern neu belebt, aber doch nur vorzugsweise dichterisch und dann meist mit der von J. Grimm stammenden mythologischen auffassung: und die windsbraut waltet gleich alt mit dem bräut'gam, der nie altet Rückert werke 7, 22; scherzhaft von einem mädchen Mörike werke 1, 37. II@33) literarische belege: ein windsbrut wirt si zerwäyen Zür. bibel (1531) 5 d; wann die windsbraut die disteln ... hin und her wirft Sebiz feldb. 7; ein windspraut mich entpor aufhub H. Sachs 3, 293 Keller; Boreas in einer windsbraut furt mit ihm hinweg die schöne Orithya Wickram 7, 299; in verbindungen wie: eine grosze summer teil der heil. leben 41a a; starke Luther 3 (1560), 401b Jena; ungestüme Münster cosm. d c c c xx; brennende Weckherlin ged. 1, 327; tolle A. Gryphius ged. 565 Palm.; heulende w. Schiller 2, 178; die windsbraut brauset Luther a. a. o.; rauschet daher Rollenhagen froschmeus. A a ivb; saust Weckherlin ged. 1, 366; bläst Sreng Än. 4b; weht an (die arche) Bodmer Noah 364 (11, 724); rast Göthe 14, 199 Weim.; wüthet Moltke schr. 6, 528; erhebt sich Luther apostelg. 27, 14; ufferstat Stainhöwel Äsop 75; fällt herein Rauscher centuria tertia (1563) e 3b; von dem .. donnerhalle der windsbraut Voss ged. 3, 199; wie die schwingen der windsbraut Herder 1, 319; mit synonymen: ein ... windsbraut oder gebräuse Nigrinus papist. inquis. 450; ein solcher sturm und windsbraut E. Ch. v. Orleans br. (1721—22) 81. II@44) gerne in vergleichen als bild der schnelligkeit: ich fuhr herum wie eine windsbraut Simplic. 206 Kögel; schneller als eine windsbraut Meiszner Alcibiades 3, 232; österr. der mensch ist (schieszt herum) wie eine windsbrautern Höfer 3, 301; gepaart mit dem bild ungestümer kraft: das risz uns wie die windsbraut fort Schiller 1, 346; wie die windsbraut gingen wir hindurch Fontane I 1, 521; vereinzelt: einen mann, ... auffahrend wie eine windsbraut Raupach dram. werke kom. gatt. 2, 98. II@55) bildlich ähnlich wie sturm: dasz es (das haus) mit kainer windsbrutt der widerwartigkait .. hinfallen mag Reichenauer chron. 109 Barack; dasz ein herr oder land durch einen schwermer ... kan in solchen wirbel und trübsand, windsbraut und strudel gefurt werden Irenäus wasserspiegel (1566) y 3b; von der vollen windsbraut der revolution Mommsen m. gesch. 2, 462; im dienst der windsbraut unsrer zeit Gutzkow werke 1, 274. vereinzelt 'raub, betrug': dieses orts ist der luft noch gut, ausgenommen dasz eine windsbraut etlichen das geld aus dem beutel geblasen Harsdörffer secr. 1, a a viiib.
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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Windsbraut

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    * Die Windsbraut , plur. inusit. ein im Hochdeutschen veraltetes Wort, einen Sturm zu bezeichnen, welches noch Apost. 22…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Windsbraut

    Goethe-Wörterbuch

    Windsbraut [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Windsbraut

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Windsbraut , alter Ausdruck für Sturm- oder Wirbelwind, in der Volkssage Verkörperung desselben (so nach einer märkische…

  4. modern
    Dialekt
    Windsbrautf.

    Pfälzisches Wb.

    Winds-braut f. : 'kleiner Wirbelwind, plötzlicher Windstoß', Windsbraut (windsbraud) [KU-Bechb Brück Odb RO-Sippf Würzw …

  5. Sprichwörter
    Windsbraut

    Wander (Sprichwörter)

    Windsbraut Wie eine Windsbraut durchs Land fahren. – Eiselein, 644. Ein sagenhaftes, der wilden Jagd entlehntes koboldar…

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Wortbildung

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