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Kuss

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Eintrag · Wander (Sprichwörter)

Kuss

Bd. 2, Sp. 1733
Kuss 1. A Kuss ist a Schtuss. d.-deutsch: Ein Kuss ist eine Thorheit. 2. Auswendig Kuss, inwendig Verdruss. – Parömiakon, 547. 3. De erste Koss kost Möh (Mühe). (Rendsburg.) 4. Ein aufgezwungener Kuss ist wie ein Hühneraug' am Fuss. Frz.: Un baiser n'est rien, quand le coeur est muet. (Masson, 223.) 5. Ein flüchtiger (leichter) Kuss ist besser als eine langsame (schwere) Ohrfeige. 6. Ein grindiger Kuss bringt wenig Genuss. Die Freundschaft hört auf, wenn sich der wahre Charakter einer Person zeigt: In Aegypten sagt man, um diesen Gedanken auszudrücken: »Ich ging zu einem Grindigen, um mich in seiner Gesellschaft zu vergnügen, er entblösste seinen Kopf und setzte mich in Schrecken.« (Burckhardt, 186.) 7. Ein Kuss ist ein Gruss an die Nuss. – Eiselein, 405. n.: Kys er kiærligheds bud. (Bohn I, 383; Prov. dan., 368.) Engl.: Of cussing comes using. (Eiselein, 405.) 8. Ein Kuss ist kein Muss. Im Corpus juris (L. 16) heisst es aber: »Das Frauenzimmer, welches ein eheliches Versprechen eingegangen ist, ist den gewöhnlichen Brautgeschenken einen Kuss beizufügen schuldig, entgegengesetztenfalls sind die Geschenke, wofern sie vor vollzogener Hochzeit stürbe, ungültig.« Hier ist der Kuss eine Beschwerde, eine Last, ein Onus. Papinian bemerkt dazu: »Die Rechte vermuthen, dass die Braut den Kuss unfreiwillig und gegen ihre Neigung gebe, folglich hat sie Beschwerde, der Gegentheil aber Vortheil.« 9. Ein Kuss ist kein Schuss. Oft aber ein Blitz, der innen zündet und das ganze Gebäude in Brand steckt. Böhm.: Hubička neudĕlá Kubíčka. – Hubička neleze za ňádra. (Čelakovsky, 243.) 10. Ein Kuss ist stärker als ein Sporn. 11. Ein Kuss kommt von den Lippen, aber nicht immer aus den Rippen. D.h. er ist blos eine äussere Form, ohne dass das Herz von Freundschaft und Liebe erfüllt ist. It.: Bacio di bocca spesso il cuor non tocca. (Pazzaglia, 24.) 12. Ein Kuss ohne Bart ist ein Ei (oder: eine Suppe) ohne Salz. – Riehl, Familie, 48. Sagen die Frauen, um ihre Verachtung oder Abneigung gegen die Liebe und Liebesunfähigkeit der Milchgesichter auszudrücken. In Nordfriesland heisst es: An Kleeb (Kuss) sanner Biard (ohne Bart) as äs an Brei sanner Salt. Holl.: Een kusje zonder baard, een eitje zonder zout. (Harrebomée, I, 459.) 13. Ein Kuss ohne Bart ist eine Vesper ohne Magnificat. 14. Einen Kuss an sich, ohne Mund kann man nicht geben. 15. Einen Kuss, den man raubt, gibt man wieder. n.: Det kys man giver, tager man, og ingen mister noget. (Prov. dan., 368.) 16. Einen Kuss in Ehren kann niemand verwehren. – Eisenhart, 500; Pistor., V, 24; Simrock, 6115; Graf, 351, 399; Braun, I, 2109; für Trier: Laven, 180, 43; Lohrengel, I, 206; Masson, 223. Dies Sprichwort bezieht sich hauptsächlich aufs weibliche Geschlecht und besonders auf die unverheiratheten Personen desselben. Es würde wider den Wohlstand verstossen, wenn sich die Glieder dieses Geschlechts von einem jeden wollten küssen lassen. Nach römischem und deutschem Recht wurden die streng bestraft, die eine Ehefrau oder eine Jungfrau wider deren Willen küssten. (S. Katze 593.) Wer eine Nonne küsste, wurde als Kirchenschänder bestraft; und der Vasall, der die Gemahlin oder Tochter seines Lehnsherrn durch einen Kuss beleidigte, verlor sein Lehen. Das Sprichwort sagt nun, dass ein Kuss, der nicht aus unedeln Absichten, sondern aus Hochachtung, Freundschaft und mit Bewilligung gegeben werde, nicht als Beleidigung zu bestrafen sei. In den Beiträgen zur juristischen Literatur in den preussischen Staaten. 2. Samml., 2. Abschn., No. 1, S. 125 fg., befindet sich ein gründlicher Aufsatz von dem Rechte des weiblichen Geschlechts gegen Mannspersonen, die sie wider Willen küssen und zugleich eine vollständige und gründliche Eintheilung der Küsse. Nach dem Verfasser ist ein Kuss entweder erlaubt: 1) ein geistlicher; 2) zur Versöhnung und zum Frieden; 3) aus Landessitte und Landesgewohnheit a) zum Gruss beim Begegnen, zur Ankunft und zum Weggehen, b) aus Höflichkeit, c) aus Schmerz; 4) aus Ehrerbietung; 5) zur Feierlichkeit; 6) reiner Zärtlichkeit; a) zwischen Ehegatten, b) bei Verlobten, c) bei Aeltern und Kindern, d) bei Anverwandten, e) bei guten und vertrauten Freunden; oder unerlaubt: 1) aus Falschheit, Bosheit, Verrätherei; 2) aus verbotener Wollust. n.: Bierne kysse blomsterne, og de blive dog smukke. (Prov. dan., 368.) Holl.: Een kus in eeren kan nieman weren. (Harrebomée, I, 459a.) 17. En Kuss up der Lippen maket Fründschaft under der Slippen (Schürze). – Schambach, II, 149. Eine Anspielung auf die möglichen Folgen eines mit einem unschuldigen Kusse beginnenden Liebesverhältnisses. (S. Pipe.) 18. Es kommt nicht jeder Kuss vom Herzen. It.: Bacio di bocca spesso il cuor non tocca. (Cahier, 2819.) 19. Falscher Kuss, viel Verdruss. 20. Jedweders Kuss will kommen hinwieder, da er ward genommen. – Eiselein, 405. 21. Joab's Kuss ist worden neu, gute Wort' und falsche Treu. 22. Küss' du, das Agnus Dei und lass mir meine Agnes in Ruh, sagte der Junker zum Prälaten. – Klosterspiegel, 6, 11. 23. Kuss kan man zwar abwischen, aber das feur im hertzen nicht leschen. – Lehmann, 105, 28. Lat.: Femina si osculatur te, tua est vel maxime. (Binder II, 1120; Lehmann, 105, 29.) 24. Küsse sein süsse. (Kamnitz.) Eine Französin behauptete, dass nichts in der Welt weniger koste und mehr Vergnügen mache als ein Kuss. 25. 'N Kuss is man 'n Stoff, de höm nich hebben will, wisk höm off. (Ostfries.) – Bueren, 915; Hauskalender, I. 26. Vom Kuss kommt man auf'n Genuss. (Schwaben und Neuburg.) 27. Wem man einen Kuss gibt, dem reicht man auch den Mund. – Altmann V. 28. Einen griechischen Kuss geben. Frz.: Baiser en pincettes. 29. Einen Kuss mit Sauce bekommen. (Niederlausitz.) Wenn Personen mit offenem Munde küssen. [Zusätze und Ergänzungen] 30. Der Kuss klang als wenn eine Kuh ihren Hinterhuf aus einem Sumpf herauszieht. 31. Vor Judas Kuss, vor Joehobs (Joabs?) Fluss (?), vor Herodi Freundlichkeit, vor der Franzosen Hochzeit (Bluthochzeit?) behüt vns Gott in Ewigkeit. – Keil, 53.
6030 Zeichen · 157 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    kussM.

    Köbler Mnd. Wörterbuch

    kuss , M. Vw.: s. kus (1)

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Kúß

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Der Kúß , des -sses, plur. die Küsse, Diminut. das Küßchen, Oberd. Küßlein, der mit einem gewissen Schalle verbundene Dr…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Kuß

    Goethe-Wörterbuch

    Kuß auch -ss, einmal -s 12,400 a zur Bekundung von tiefer Zuneigung, (leidenschaftlicher) Liebe, Begehren, mehrfach ‘K. …

  4. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Kuß

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Kuß ( lat. Osculum ), das Ausdrücken der Lippen auf irgend einen Gegenstand und namentlich auf den Mund einer andern Per…

  5. modern
    Dialekt
    (Kuss

    Elsässisches Wb. · +3 Parallelbelege

    ( Kuss in )

  6. Sprichwörter
    Kuss

    Wander (Sprichwörter)

    Kuss 1. A Kuss ist a Schtuss. Jüd.-deutsch : Ein Kuss ist eine Thorheit. 2. Auswendig Kuss, inwendig Verdruss. – Parömia…

  7. Spezial
    Kuss

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Kuss m. (-es, Küsse) baje (baji) m. ▬ der erste Kuss le pröm baje; ein herzlicher Kuss n baje de cör; Küsse tauschen se …

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit kuss

65 Bildungen · 54 Erstglied · 9 Zweitglied · 2 Ableitungen

kuss‑ als Erstglied (30 von 54)

Kussak

ElsWB

kus·sak

Kussak [Khùsàk Ndhsn. K. Z. ] m. dicker Mensch. — eig. Kosak.

Kussala

Meyers

kuss·ala

Kussala , s. Hagenia abyssinica , Text zur Tafel »Arzneipflanzen III« , Fig. 4.

kussari

KöblerAn

kuss·ari

kussari , st. M. (ja) nhd. Seeräuber I.: Lw. mlat. cursarius E.: s. mlat. cursarius L.: Vr 335b

kussarzenei

DWB

kuss·arzenei

kussarzenei , f. das küssen als arzenei fürs herz: dasz Venus uns durch sie die süsze kusz-arzney von anfang hat gelehrt. Lohenstein in Neuk…

Kussdingli

Idiotikon

Kussdingli Band 13, Spalte 515 Kussdingli 13,515

kussebære

Lexer

kusse·baere

kusse-bære adj. s. v. a. kuslich. daʒ sie wære sô rehte kussebære under vrouwen unde meiden Krone 16734.

kussebære

MWB

kussebære Adj. ‘würdig, durch den Kuss (von Artus) ausgezeichnet zu werden’ welhe man da zalte / dar zuͦ, das sie were / so reht kuszebere /…

kussel

DWB

kus·sel

kussel , f. ein einzeln stehender verkümmerter junger baum ( auch kollerbusch, kuhmaul, kniebusch) Hartig forstl. conv.-lex.; am 26. juli d.…

kusseln

MeckWB

kuss·eln

kusseln ein Geräusch machen: Juchen Amtmann ... hadd' kusselt un zwickt mit ne lütt Pietsch Wo. Sag. 1, 127; schwatzen Gü Gülz ; flüsternd r…

Kusselwiese

PfWB

kussel·wiese

Kussel-wiese f. : ' sumpfige, morastige Wiese ', Kusselwies [ HB-Brenschb ]; vgl. Kusselwetter 'Schmutzwetter'.

kussen

AWB

kus·sen

kussen sw. v. , mhd. nhd. küssen; as. kussian, mnd. küssen , mnl. cussen; afries. kessa; ae. cyssan; an. kyssa. — Graff IV,523 f. chuss-: 1.…

kussenlich

KöblerMhd

kussen·lich

kussenlich , Adj. nhd. „küsslich“, küssenswert, kussgeeignet, wie zum Küssen geschaffen, zum Küssen gemacht, einladend Hw.: s. kuslich, kusl…

kussenlīche

KöblerMhd

kus·senlīche

kussenlīche , Adv. nhd. küssenswert, kussgeeignet, einladend Hw.: s. kuslīche, kussenlich, kuslich Q.: Parz (1200-1210) E.: s. küssen, kus W…

kussentêke

LW

kussen-têke, Küssenüberzug, -zieche.

Kusser

Meyers

kus·ser

Kusser ( Cousser ), Johann Siegmund , Komponist, geb. 1657 in Preßburg, gest. 1727 in Dublin, kam wahrscheinlich früh mit seinen Eltern nach…

Kusseri

Meyers

kuss·eri

Kusseri ( Kusri ), Ort an der Mündung des Logone in den Schari, im mittlern Sudân, wo 21. April 1900 Rabeh (s. d.) durch die Franzosen besie…

Kusserow

Meyers

Kusserow , 1) Ferdinand von , preuß. General, geb. 26. Dez. 1792 in Berlin, gest. 7. Jan. 1855 in Düsseldorf, studierte seit 1808 auf dem Fr…

kusshändchen

DWB

kusshand·chen

kusshändchen , n. kleine kusshand, niedliche, hübsche kusshand: sie wirft ihm ein kuszhändchen zu und läuft davon. Kotzebue dram. sp. 3, 311…

kusshand

DWB

kuss·hand

kusshand , f. die geküsste eigene hand als vertreterin eines gegebenen kusses ( s. unter küssen 3, a ), verschieden von handkuss, kuss auf e…

kussian

KöblerAs

kussian , sw. V. (1a) nhd. küssen ne. kiss (V.) ÜG.: lat. osculari BSp, H, SPsWit Hw.: vgl. ahd. kussen* (sw. V. 1a) Q.: BSp, Gen, H (830), …

kussig

DWB

kus·sig

kussig , küssig , adj. zu kuss, selten: er dachte nur an sein kusziges liebchen. könig Artus u. Wieduwilt Lpz. 1786 s. 58; mit der schönen L…

kussilîn

AWB

kussi·lin

kussilîn st. n. , mhd. küsselîn ( vgl. Lexer, Hwb. 3, Nachträge Sp. 289 ), nhd. kisse-, küsse-, küsslein; vgl. mnd. küsseken s. v. küssen, m…

kussilī

KöblerAhd

kussilī , st. N. (a) Vw.: s. kussilīn*

kussilīn

KöblerAhd

kussi·līn

kussilīn , st. N. (a) nhd. „Kisslein“, Kopfkissen, kleines Kissen, kleines Kopfkissen ne. cushion, pillow (N.) ÜG.: lat. cervical Gl, pulvil…

kuss als Zweitglied (9 von 9)

Todeskuss

RDWB1

Todeskuss m übertr. см. RDWB1 Tod(es)-

Frīedenskúß

Adelung

frieden·s·kuss

Der Frīedenskúß , des -sses, plur. die -küsse, ein frommer Kuß, welchen sich die ersten Christen bey ihren Liebesmählern gaben. Die Römische…

Fūßkúß

Adelung

fuss·kuss

Der Fūßkúß , des -sses, plur. die -küsse, der Kuß des Fußes eines andern; besonders so fern derselbe eine Art der Ehrerbiethung gegen die Rö…

handkuss

DWB

hand·kuss

handkuss , m. osculatio dextrae, zeichen der hochachtung, ehrerbietigen dankes, demütiger höflichkeit: Fiesko mit einem höflichen handkuss: …

judaskuss

DWB

judas·kuss

judaskuss , m. falscher kuss, wie ihn Judas Jesu gab ( vgl. Matth. 26, 48 ff. ): falscher sive Judaskuss, mel in ore, fel in corde. Stieler …

Jungfrauenkuss

Wander

jungfrauen·kuss

Jungfrauenkuss Ein Jungfrawkuss ist henckenswerth. – Gruter, III, 27; Lehmann, II, 149, 44; Kloster, VIII, 76.

Līebeskuß

Adelung

liebes·kuss

Der Līebeskuß , des -sses, plur. die -küsse, in der zweyten Bedeutung des Wortes Liebe, in der ältern christlichen Kirche, ein Kuß, welchen …

Tappinkuss

Wander

tappi·n·kuss

Tappinkuss A Tapp ün a Kusch ale dalejnie rusz. ( Jüd.-deutsch. Warschau. ) Mit dieser Redensart rufen weibliche Personen ihrem etwas zu wei…

Weiberkuss

Wander

weib·er·kuss

Weiberkuss Weiberkuss ist ein grober Schuss, denn er trifft das Herz. – Parömiakon, 2222.

Ableitungen von kuss (2 von 2)

kuße

MNWB

kûtze (kuße) , f. , Bettstelle, Wandbett (SL 6, 193: Wismar). — Häufiger im Kompositum kûtzbedde (kus-), kûtze-, n. , ebenso.

unkusslich

DWB

unkusslich , -küsslich, adj., s. kusslich ; K. J. Weber Deutschland 5, 788 . —